Global wärmster Jahresstart – lokal spannende Phänomene

Das Jahr 2014 war global gesehen hinsichtlich der Luft- und Wasseroberflächentemperatur das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach einer Phase geringer Temperaturveränderungen im Zeitraum zwischen 1999 und 2013 ereignete sich ein neuer, deutlicher Erwärmungsschub. Das Jahr 2014 war bereits das vierte Jahr in Folge, welches wärmer war als das Vorjahr. Warme Jahre gingen in der Vergangenheit immer auch mit dem auf natürliche Weise wärmenden El Niño-Phänomen einher. Umso erstaunlicher ist es, dass der neuste Wärmerekord 2014 ohne El Niño-Verhältnisse zustande kam, diese setzten sich im 2014 nie richtig durch. Die Antwort auf die Frage, ob es sich beim neusten Wärmerekord nur um einen kurzfristigen Ausreisser handelt oder ob das Jahr 2014 ein neues Kapitel in der Geschichte der globalen Erwärmung aufschlug, werden erst die kommenden Jahre zeigen. Die Tatsache, dass nun auch das Jahr 2015 weitere  Wärmerekorde aufstellt, spricht aber eher für eine längerfristige Fortsetzung der Erwärmung. Die amerikanische Wetter- und Ozeanographiebehörde (NOAA) wie auch die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA stuften den März 2015 hinsichtlich der Lufttemperaturen als den wärmsten seiner Art ein. Die vorangegangenen Monate Januar und Februar sollen jeweils die zweitwärmsten in der 135 Jahre langen Geschichte gewesen sein. In Kombination ergibt dies den wärmsten Jahresstart überhaupt. Nie war der Zeitraum von Januar bis März global gesehen also wärmer als in diesem Jahr.

 

Die Erde schwitzt

Die Erde hat also auch 2015 weiterhin Fieber und zeigt scheinbar auch Symptome in Form extremer Wetterereignisse, die alleine für den Monat März eine beeindruckend lange Liste ergeben. Da wären beispielsweise ungewöhnlich starke, tropische Wirbelstürme und grosse Abweichungen in der Niederschlagsverteilung. Regionen, wie Kalifornien, die von einer anhaltenden Trockenheit heimgesucht werden, stehen Regionen mit weit überdurchschnittlichen Niederschlagssummen gegenüber, so wurde die chilenische Atacamawüste von einer Flutkatastrophe überrascht. Die im März 2015 einen neuen Tiefststand erreichende Ausdehnung des arktischen Eisschildes gilt darüber hinaus als weiteres Indiz für die vorangeschrittene Erwärmung. Die zweitgrösste Eisschildausdehnung in der Antarktis zeugt zudem von stark gestörten Strömungsmustern und überdurchschnittlichen Niederschlägen rund um den Südpol.

 

Ruhiges Frühlingswetter

Deutlich ruhiger gestaltet sich das Frühlingswetter in Zürich. Der April macht bekanntlich was er will. In diesem Jahr hatte er wieder einmal Lust auf viel Sonnenschein und frühsommerliche Temperaturen. So brachte die Periode vom 9.-24. mit Ausnahme des 17. Aprils bei uns durchwegs herrliches Frühlingswetter. Bereits am 16. April wurde aus Südwesten zunehmend feuchte Warmluft in die Schweiz geführt. Gleichzeitig näherte sich am 17. April im Tagesverlauf eine Kaltfront von Norden her der Schweiz. Die in Zürich liegende feuchtwarme Luftmasse wurde somit eingeklemmt und dadurch in die Höhe gedrückt, wie MeteoSchweiz mitteilte. Dies führte zu einem trüben und kühlen Tag in der sonst frühsommerlichen April-Schönwetterphase. Ein Vergleich dreier Wetterstationen in Zürich zeigt, dass in der labil geschichteten Luft die ersten Schauerzellen am Morgen des 17. Aprils zuerst in Zürichs Süden, in Erlenbach, entstanden. Die Niederschläge waren aber sehr schwach und erreichten bis am Nachmittag nur 5 mm am Central und 7 mm in Witikon und Erlenbach. Erst die Kaltfront am Abend brachte ergiebige Niederschläge. Da diese Front von Norden her kam, wurde zuerst die Wetterstation in Witikon vom Regen erfasst, danach folgten die Wetterstationen Central und Erlenbach. Bis zum Niederschlagsende in den frühen Morgenstunden des 18. Aprils kamen in Witikon und Erlenbach knapp 30 mm Regen zusammen, während es am Central mit aufsummiert weniger als 20 mm deutlich weniger intensiv regnete.

 

ZH-TempZH-Regen

ZH-Solar
Das regionale Wetter unterscheidet sich in Zürich nur geringfügig. Trotzdem zeigen sich spannende Unterschiede. So erwärmt sich Witikon „am Berg“ am Vormittag viel schneller als das Zürcher Central „im Tal“, obwohl es in der Stadt rund 2 Grad wärmer ist. Beim Niederschlag kann es je nach Ereignis deutliche, regionale Unterschiede in der Niederschlagsmenge geben.

 

Rasche Erwärmung am Berg

Grundsätzlich unterscheidet sich das Zürcher Wetter regional nur geringfügig. Es zeigt sich beispielsweise die Höhenabhängigkeit der Temperatur. So ist es am Zürcher Central durchschnittlich 2 Grad wärmer als in Witikon und 1 Grad wärmer als in Erlenbach. Jedoch präsentieren sich im Tagesgang der Temperatur spannende Differenzen. An einem trüb-regnerischen Tag wie dem 17. April ist es in Witikon immer rund 2 Grad kühler als am Central. An klaren, sonnigen Tagen jedoch, erwärmt sich „Bergstation“ Witikon am Vormittag deutlich schneller als „Talstation“ Central. In den frühen Morgenstunden eines sonnigen Tages (19.-21. April) ist es in Witikon nach klarer Nacht bis zu 5 Grad kälter als am Central. Zur Mittagszeit hat Witikon das Temperaturdefizit jedoch durch die direktere Sonneneinstrahlung „am Berg“ aufgeholt und weist kurzfristig sogar höhere Temperaturen auf als downtown. Im weiteren Verlauf des Nachmittags schreitet aber die Erwärmung in der Stadt (im Tal) weiter voran. Mit sinkendem Sonnenstand kühlt dann Witikon auch wieder deutlich schneller aus verglichen mit der Stadtluft am Central, so dass es am Abend eines sonnigen Tages wieder rund 4 Grad wärmer ist als in Witikon. Während sich das Klima auf der Erde wieder stärker erwärmt als zuvor, herrscht in Zürich überall der gleiche Wettercharakter, trotzdem gibt es auch auf lokaler Ebene spannende Phänomene.

Global wärmster Jahresstart – lokal spannende Phänomene

Grosswetterlage: Es tropft wie aus einem undichten Wasserhahn

Auch dieses Jahr sorgt eine Omega-Wetterlage für Sommerwetter-Kapriolen in Europa. Während im Alpenraum und im nördlichen Mittelmeer Rekordniederschlagsmengen fallen, geniesst Skandianvien den perfekten Sommer.

Im Alpenraum und im nördlichen Mittelmeer war der Juli 2014 zu kühl. Perfektes Sommerwetter herrschte in Skandinavien, wo ein Wärmeüberschuss von bis zu 6 Grad zustande kam.
Im Alpenraum und im nördlichen Mittelmeer war der Juli 2014 zu kühl. Perfektes Sommerwetter herrschte in Skandinavien, wo ein Wärmeüberschuss von bis zu 6 Grad zustande kam.

 

Was ist heuer bloss mit dem Sommerwetter los? Mit 20 Regentagen und etwas weniger als 200 Liter Regen pro Quadratmeter erlebte Zürich einen der zehn nassesten Julis seit Anfang des letzten Jahrhunderts. Auf dem Zürichberg gab es rund 50 % mehr Regen als im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010.  Ähnlich viel Niederschlag in Zürich brachte letztmals der Juli 2011. Damals fielen die Niederschläge jedoch etwas konzentrierter, so dass Herr und Frau Zürcher insgesamt weniger Regentage hinnehmen mussten als in diesem Jahr. Von Ost nach West, entlang des Alpennordhanges, wurden im diesjährigen Juli neue Rekordniederschlagssummen gemessen. So beispielsweise im Zürcher Oberland, wie MeteoSchweiz mitteilt. An der Messstation oberhalb von Montreux wurden extreme 500 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Rund dreimal soviel wie sonst in einem Juli. Soviele Regentage wie in diesem Juli gab es seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Allgemein wünscht sich kaum jemand den Juli 2000 zurück. Wettertechnisch war es vor 14 Jahren noch um einiges „unsommerlicher“. Die Temperaturen lagen mit durchschnittlich 16 Grad im Juli 2000 deutlich unter dem diesjährigen Niveau, welches rund anderthalb Grad wärmer ausfiel. Verglichen mit der Referenztemperatur aus den Jahren 1981-2010 war der Juli 2014 in Zürich um rund ein Grad unterkühlt. Ähnliche Monatsmittel wurden beispielsweise 2004, 2007 und 2011 gemessen. Letztmals kühler war es vor erst drei Jahren.

Sonnige, sommerliche Tage machten sich im Juli 2014 rar, doch es gab sie. Insgesamt zehn Mal stieg das Thermometer auf dem Zürichberg über 25 Grad (Sommertag), zweimal über 30 Grad (Hitzetag). Während im langjährigen Zürcher Klimamittel vier Sommertage mehr zu erwarten sind, liegt der gemessene Wert der Hitzetage sogar im üblichen Bereich. Im Juli 2000 gab es nur gerade mal vier Sommertage und überhaupt keinen Hitzetag.

Juli-Tempverlauf
Der Juli 2014 war deutlich kühler als sein Vorgänger. Letztmals kühler war es vor drei Jahren.

2013 brachte den perfekten Sommer

Düster sieht die Bilanz des Julis 2014 im Vergleich mit seinem Vorgänger aus. Viele dürften sich erinnern: der Juli 2013 war mit 21,4 Grad in Zürich einer der wärmsten überhaupt und brachte mit 24 Sommertagen praktisch durchgehend hochsommerliches Wetter. Dank einer Hitzewelle im letzten Monatsdrittel kam der Juli 2013 auch auf sechs Hitzetage. Zudem fiel nur an sechs Tagen Regen und mit mehr als 300 Sonnenstunden erlebte Zürich einer der sonnigsten Julis. Mitverantwortlich dafür, dass der diesjährige Hochsommer so schlecht abschneidet, ist also vor allem auch sein Vorgänger. Der letztjährige Sommer ist noch stark im Gedächtnis verankert und dient in der aktuellen Saison als Sommer-Referenz. Dabei gerät rasch in Vergessenheit, dass die Schweiz vor einem Jahr einer der schönsten Sommer überhaupt erlebte. Nicht jeder Sommer kann so sein wie 2013.

Juli-Sonnenscheinverlauf
Die Sonne zeigte sich in diesem Juli nur selten. Letztmals war der Juli 2000 sonnenärmer in Zürich.

Omegahoch bringt Hitze und Überschwemmungen

Wenn das Wetter in den Sommermonaten verrückt spielt, ist die Omega-Wetterlage im Spiel. Das haben uns die letzten Jahre gezeigt und so ist es auch in diesem Jahr wieder geschehen. Diese spezielle Wetterlage wird durch ein mächtiges Hochdruckgebiet nördlich des eigentlichen Hochdruckgürtels der Subtropen charakterisiert, welches von mehreren flankierenden, abgelösten Tiefs stabilisiert wird. Die sonst vom Atlantik kommenden Westwinde, welche immer wieder Wetterwechsel bringen, werden so blockiert und in einem weiten Bogen um das zentrale Hochdruckgebiet umgeleitet. Das entstandene Strömungsmuster erinnert stark an den griechischen Buchstaben Omega. Die Omega-Wetterlage ist äusserst stabil und erneuert sich häufig über mehrere Wochen selbstständig. Solche Wetterlagen sind in den letzten Sommern immer wieder beobachtet worden, wobei die Lage des dominierenden Hochs nicht in jedem Fall identisch war. Diese ist aber entscheidend und bestimmt über den Ausgang der Sommerwitterung. So brachte eine Omega-Wetterlage Mitteleuropa den Hitzesommer 2003. Gleichzeitig regnete es in Osteuropa den ganzen Sommer heftig. Das selbe Spiel wiederholte sich in abgeschwächter Form im Frühsommer 2006. 2010 löste eine Omega-Wetterlage die historische Hitzewelle rund um Moskau aus. Ebenfalls als Folge dieser Wetterlage gab es in Pakistan schwere Überschwemmungen. Die Omega-Wetterlage bringt spürbare Abweichungen vom Normalzustand in Form von Hitze auf der einen und Überschwemmungen auf der anderen Seite.

Juli-Niedverlauf
Der Juli 2014 war in Zürich deutlich zu nass, jedoch wurden die Rekordsummen weit verpasst. Anders sah es im Zürcher Oberland aus, wo gebietsweise neue Rekordniederschlagssummen gemessen wurden.

Hitze am Finnischen Meerbusen

Dieses Jahr lag das Omega-Hoch von Ende Juni bis Ende Juli über Skandinavien und brachte den Gebieten vom Norden Deutschlands über Polen bis Estland und den Skandinavischen Ländern einen regelrechten Hitzemonat Juli. Dort war der Juli mit durchschnittlich 21 Grad gebietsweise wärmer als an den Mittelmeerküsten von Südfrankreich oder der Adria. Die Ostsee erwärmte sich im Finnischen Meerbusen bis auf 23 Grad und war somit ähnlich warm wie der Golf von Genua. Selbst in Lappland war der Juli 2014 wärmer als im Alpenraum. Die Kehrseite der Medaille bekamen dieses Jahr vor allem der Alpenraum sowie die Mittelmeerregion von Südfrankreich über Italien bis in den Balkan zu spüren. Hier war der Juli zu kühl und vor allem enorm nass. Zwischen dem zentralen Hoch über Skandinavien und dem schwächer ausgeprächten Azorenhoch gab es eine undichte Schwachstelle, von wo aus immer wieder kleinräumige Tiefs vom Nordatlantik über Frankreich in den Golf von Genau gelangen konnten. Diese Szene wiederholte sich im Juli ständig und erinnerte an einen tropfenden Wasserhahn. Ende Juli löste sich die Omega-Wetterlage auf und nährte somit die Hoffnung auf sommerlichere Verhältnisse in der verbleibenden Sommerzeit.

Grosswetterlage: Es tropft wie aus einem undichten Wasserhahn