So früh kommt der Winter selten

Rekordhohe und rekordtiefe Temperaturen liegen manchmal nur eine Woche auseinander. Im Oktober 2012 steuerten wir vom einen Extrem ins andere. Der ungewöhnlich frühe Wintereinbruch brachte aber nicht nur Kälte – vor allem vielen auch Rekordschneemengen.

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Der eiskalte Februar und der bisher nur durchschnittliche Herbst drücken auf das Temperaturmittel – 2012 wird kein Rekordjahr.

Vor wenigen Wochen badeten die Städter noch im Zürichsee, und heute haben sie schon den ersten Wintereinbruch hinter sich. Innerhalb von einer Woche stürzte das Schweizerwetter heuer vom Spätsommer in den Winter. Der Wintereinbruch kam plötzlich und mit ungewohnter Stärke. Auf sogenannten Rückwärtstrajektorien, welche die Luftmassenherkunft für einen Ort, beispielsweise Zürich, berechnen, wird rasch ersichtlich, wo die Ursache für den markanten Wintereinbruch vom 28. Oktober 2012 liegt. Die kalte und feuchte Luftmasse, welche aus dem hohen Norden in die Schweiz transportiert wurde, lag nur vier Tage zuvor noch über dem Nordpolarmeer nördlich von Spitzbergen, nur zehn Breitengrade vom Nordpol entfernt. Nach anhaltenden Schneefällen lagen am frühen Morgen des 29. Oktobers auf dem Zürichberg rund 25 Zentimeter Schnee, in Langnau im Emmental sogar 30 und in St. Gallen 33. Oberhalb von Elm auf rund 2000 Meter über Meer lagen sogar schon 1 Meter 20! An einigen tiefgelegenen Orten wie Bern oder St. Gallen gab es zuvor noch nie so viel Schnee in einem Oktober. Während die Messreihe in St. Gallen mit Beginn 1959 noch relativ jung ist, wurde in Bern die Höchstmarke einer langen Messreihe mit Start im Jahre 1931 überboten. Auch in Zürich werden systematische Schneemessungen seit 1931 durchgeführt. Der diesjährige Wintereinbruch bleibt aber auf Platz 2, da erst vor vier Jahren (30.10.2008) noch einige Zentimeter mehr Schnee lagen, wie MeteoSchweiz mitteilte.

Dauerfrost
Neben den grossen Schneemengen im Flachland waren vor allem auch die sehr tiefen Nachmittagstemperaturen vom 28. Oktober erstaunlich. Auf dem Zürichberg wurde sogar der erste Eistag der Saison registriert. Die Temperaturen stiegen also den ganzen Tag nicht über den Gefrierpunkt. Die fehlenden Sonnenstrahlen und die geschlossene Schneedecke liessen die Temperaturen tagsüber kaum ansteigen und so blieb es mit -0,2 Grad frostig. An Flachlandstationen wie auch an Bergstationen wurden für einen Oktober die tiefsten Höchsttemperaturen beobachtet. Zum letzten Mal wurde in Zürich Ende Oktober 2003 ein Eistag mit Dauerfrost beobachtet. Insgesamt sind aber Flachland-Eistage im Oktober höchst selten und kommen nur rund alle 25 Jahre vor. Das im Oktober verbreitet Schnee bis in Flachland fällt und vereinzelt Eistage registriert werden, ist relativ selten. Mit 2003, 2008 und dem diesjährigen Ereignis waren es aber gleich drei innert zehn Jahren. Für weitere Fälle muss in der Statistik allerdings recht weit zurückgeblättert werden, wie aus Daten von MeteoSchweiz hervorgeht: hier stechen die Jahre 1974, 1959 und 1939 ins Auge. Im langjährigen Mittel kommt der erste Wintereinbruch in Zürich nämlich erst nach dem ersten Novemberdrittel, also rund 2 Wochen später. Einen Trend hin zu früheren Wintereinbrüchen detektieren zu wollen, wäre aber etwas voreilig.

Hitzerekord
Weniger als zehn Tage vorher, am 19. Oktober 2012, wurden im Alpenraum mit Föhnunterstützung die höchsten Oktobertemperaturen seit Messbeginn erfasst. Auch im Flachland wurden für die zweite Oktoberhälfte sehr warme Temperaturen von über 20 Grad gemessen. In den Föhntälern aber brachte der Föhn zum Teil die höchsten Oktobertemperaturen seit Messbeginn. So wurde es in Vaduz 29, in Altdorf 28,6 Grad heiss. Die bisherigen Oktoberrekordwerte liegen an beiden Stationen nicht weit zurück und stammten aus dem Oktober 2006, als eine sehr ähnliche Wetterlage vorherrschte. Damals jedoch ohne Wintereinbruch zum Monatsende. Nicht nur in den Tälern, auch in der Höhe war es rekordverdächtig warm. So wurde es in Engelberg auf gut 1000 Meter Höhe knapp 25 Grad warm, wie Messungen von MeteoSchweiz zeigen. Auch die Nächte waren für die Jahreszeit ausgesprochen mild. So wurden mitten in der Nacht auf dem Hörnli im Zürcher Oberland zeitweise 20 Grad gemessen.

2012: Kein Rekordjahr
Über den ganzen Monat betrachtet und gemittelt war der Oktober in Zürich 9,5 Grad mild und somit nur wenige Zehntelgrad wärmer als der langjährige Durchschnitt. In diesem Durchschnitt sind sowohl die Spätsommerhitze, wie auch die Eistage enthalten. Klimatologisch war der diesjährige Oktober aber purer Durchschnitt. Auch vor einem Jahr war der Oktober 9,5 Grad auf dem Zürichberg. Damals war die Witterung aber deutlich weniger extrem, dafür aber etwas ausgeglichener. Die Extreme setzten im vergangenen Jahr die Monate März, April, Mai, September und Dezember, welche allesamt deutlich übertemperiert ausfielen und das Jahr 2011 auf den Thron des wärmsten Jahres hievten. Ein ganz anderes Bild zeigt sich dieses Jahr. Nach dem sehr kalten Februar und nun einem durchschnittlichen Herbst, ist das Jahr 2012 bisher nach 10 Monaten „nur” etwas mehr als 1 Grad übertemperiert. Somit besteht praktisch keine Chance mehr auf ein zweites Rekordjahr in Folge. Dies erstaunt kaum, zeigten doch die Vorgänge in diesem Oktober, als zwischen Hitzestress und Eistag nur gerade acht Tage lagen, auf eindrückliche Weise die grosse Variabilität der Witterung in unseren Breitengraden.

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So früh kommt der Winter selten