Hitzewellen: die markantesten in der Geschichte Zürichs

„Für eine mindestens zweiwöchige Periode ist in Europa mit deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen und zunehmender Trockenheit zu rechnen.“ Das hielt Ende Juni die Weltmeteorologie-Organisation (WMO) in einem speziellen Klimaüberwachungs-Bulletin fest. Nun sind wir mitten drin in der Hitzewelle. Die betroffene Region erstreckt sich von Portugal bis Polen und von England bis Kroatien. Das Hitzezentrum lag zunächst über Nordspanien und Frankreich und bewegte sich dann langsam Richtung Nordosten.

 

Hitze über Europa und der Schweiz

Ende Juni ist über West- und Mitteleuropa ein sehr kräftiges Hochdruckgebiet wetterwirksam geworden. So wurden in Andalusien bereits am 29. Juni Höchsttemperaturen von 43 Grad gemessen. Am 30. Juni erreichte die heisse Luft auch Frankreich. So wurden in Cazaux, südwestlich von Bordeaux 40.2 Grad registriert, wie MeteoSchweiz schreibt. Am 1. Juli begann die Hitzeperiode dann auch in der Schweiz, als in Genf und im Wallis knapp 35 Grad, in Zürich 32 Grad gemessen wurden. Selbst im 1304 Meter hoch gelegenen Scuol wurde mit 30.5 Grad ein Hitzetag erreicht, wie MeteoSchweiz schreibt. Die Höchstwerte werden im Übrigen im Hochsommer jeweils zwischen 16:00 und 18:00 Uhr gemessen. In den folgenden Tagen strömte immer heissere, allmählich auch feuchtere Luft, welche ihren Ursprung in der Westsahara hat, in Richtung Schweiz.

 

Langanhaltende Hitze

Auffallend an der ausserordentlichen Hitzewelle ist vor allem auch die Dauer der Hitzebelastung. Höchsttemperaturen von 33 bis 36 Grad – gebietsweise sind sogar höhere Werte möglich – über mehr als fünf Tage sind doch eher selten. Eine abschliessende Analyse zur Hitzewelle und die Einordnung in die langjährige Klimatologie ist erst nach Ende der Hitzewelle möglich. Spannend ist jedoch ein Blick in die Vergangenheit auf der Suche nach der grössten Hitzewelle in der Geschichte von Zürich.

 

Hitzeperioden mit mehr als fünf zusammenhängender Hitzetage sind selten. Markant waren die Hitzeperioden 1911, 1947 und 2003. Wo wird sich 2015 einreihen?
Hitzeperioden mit mehr als fünf zusammenhängender Hitzetage sind selten. Markant waren die Hitzeperioden 1911, 1947 und 2003. Wo wird sich 2015 einreihen?

Die letzte zweiwöchige Hitzeperiode, welche in den Tieflagen der ganzen Schweiz eine durchschnittliche Tageshöchsttemperatur von 30 Grad oder mehr brachte, war jene vom Rekord-Juli 2006. Auf dem Zürichberg lag das höchste 14-Tagesmittel damals bei knapp 31 Grad. Seit 1901 waren nur vier 14-Tagesmittel der Höchsttemperatur heisser. Die Hitzewellen von Ende Juli bis Anfang August im Jahr 1911 und 1947, jene vom Juli 1983 und nochmals ein ganzes Stück heisser war die 2-wöchige Hitzeperiode im August 2003 mit durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen von 33 Grad in Zürich. Der Rekordwert aus dem Jahr 2003 gilt fast als unantastbar, es wäre erstaunlich, wenn dieser Wert bereits mit der aktuellen Hitzewelle, 13 Jahre später fallen würde.

Im Hitzesommer 2003 gab es mehrere Hitzewellen. Am markantesten waren jene im Juni und dann vor allem jene Anfang August. Maximal reihten sich in Zürich 11 Tage mit einer Höchsttemperatur von mehr als 30 Grad (sogenannte Hitzetage) aneinander. Dies entspricht aber erstaunlicherweise nicht ganz dem langjährigen Rekord. Zwischen Ende Juli und Anfang August 1947 war es nämlich an 12 aufeinanderfolgenden Tagen brütend heiss. Während der erwähnten Hitzeperiode 1911 waren es 10 Hitzetage in Folge. Im Rekord-Juli 2006 waren es immerhin 8 Tage. Solch lange Hitzeperioden wurden seither nicht mehr beobachtet. Eine Hitzewelle kommt selten allein, sodass in den Hitzesommer 1947 und 2003 im ganzen Sommer insgesamt 26 respektive 27 Hitzetage mit mehr als 30 Grad gemessenwurden.

 

Knapp 38 Grad in Zürich

Hitzewellen bleiben vor allem aufgrund ihrer Dauer in Erinnerung, aber auch wegen ihrer maximalen Höchsttemperatur. Die höchste je in Zürich gemessene Temperatur seit 1901 stammt mit 36,4 Grad wahrscheinlich auch aus dem Hitzesommer 2003. In der nicht homogenisierten Temperaturhistorie sind aber auch höhere Werte für Zürich ersichtlich. Jedoch lag damals die Referenzwetterstation von Zürich zuerst mitten in der Innenstadt bei der Urania-Sternwarte und später auf dem Gelände der ETH Zürich, bevor sie an den heutigen Standort in Zürich-Fluntern verlegt wurde. Die tatsächlich gemessenen Werte sind deshalb nicht vergleichbar und müssen nachträglich um die Stationsverschiebungen korrigiert werden. Ohne diese Korrektur aber, gemessen mitten in der Stadt Zürich, beträgt die höchste je gemessene Temperatur in Zürich 37,7 Grad und stammt aus dem Juli 1947.

 

Wie kann man „Hitze“ messen?

Das Empfinden von Hitze hängt nicht nur von der Temperatur ab, sondern auch von der in der Luft enthaltenen Feuchtigkeit. Hohe Temperaturen sind bei tiefer relativer Luftfeuchtigkeit viel besser zu ertragen. Dies lässt sich sehr schön am Beispiel einer finnischen Sauna veranschaulichen, in welcher die Lufttemperatur von etwa 90 Grad nur ertragbar ist, weil die Feuchtigkeit sehr gering ist. Um also „Hitze“ zu messen verwendet die MeteoSchweiz einen Heat Index, in welchem die Temperatur sowie die Luftfeuchtigkeit zu einer Ziffer verrechnet werden. Wird an mindesten 3 Tagen in Folge ein Heat Index grösser als 90 erwartet, gibt MeteoSchweiz eine Warnung der Stufe 3 für Hitze aus. Ein Heat Index grösser als 90 kommt bei 29 Grad und 70 Prozent Luftfeuchte oder aber bei 33 Grad und 35 Prozent Feuchte zustande. Für eine Warnung Stufe 4 muss über mindestens 5 Tage ein Heat Index grösser als 93 erwartet werden, so wie in der aktuellen Hitzewelle.

Hitzewellen: die markantesten in der Geschichte Zürichs

So früh kommt der Winter selten

Rekordhohe und rekordtiefe Temperaturen liegen manchmal nur eine Woche auseinander. Im Oktober 2012 steuerten wir vom einen Extrem ins andere. Der ungewöhnlich frühe Wintereinbruch brachte aber nicht nur Kälte – vor allem vielen auch Rekordschneemengen.

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Der eiskalte Februar und der bisher nur durchschnittliche Herbst drücken auf das Temperaturmittel – 2012 wird kein Rekordjahr.

Vor wenigen Wochen badeten die Städter noch im Zürichsee, und heute haben sie schon den ersten Wintereinbruch hinter sich. Innerhalb von einer Woche stürzte das Schweizerwetter heuer vom Spätsommer in den Winter. Der Wintereinbruch kam plötzlich und mit ungewohnter Stärke. Auf sogenannten Rückwärtstrajektorien, welche die Luftmassenherkunft für einen Ort, beispielsweise Zürich, berechnen, wird rasch ersichtlich, wo die Ursache für den markanten Wintereinbruch vom 28. Oktober 2012 liegt. Die kalte und feuchte Luftmasse, welche aus dem hohen Norden in die Schweiz transportiert wurde, lag nur vier Tage zuvor noch über dem Nordpolarmeer nördlich von Spitzbergen, nur zehn Breitengrade vom Nordpol entfernt. Nach anhaltenden Schneefällen lagen am frühen Morgen des 29. Oktobers auf dem Zürichberg rund 25 Zentimeter Schnee, in Langnau im Emmental sogar 30 und in St. Gallen 33. Oberhalb von Elm auf rund 2000 Meter über Meer lagen sogar schon 1 Meter 20! An einigen tiefgelegenen Orten wie Bern oder St. Gallen gab es zuvor noch nie so viel Schnee in einem Oktober. Während die Messreihe in St. Gallen mit Beginn 1959 noch relativ jung ist, wurde in Bern die Höchstmarke einer langen Messreihe mit Start im Jahre 1931 überboten. Auch in Zürich werden systematische Schneemessungen seit 1931 durchgeführt. Der diesjährige Wintereinbruch bleibt aber auf Platz 2, da erst vor vier Jahren (30.10.2008) noch einige Zentimeter mehr Schnee lagen, wie MeteoSchweiz mitteilte.

Dauerfrost
Neben den grossen Schneemengen im Flachland waren vor allem auch die sehr tiefen Nachmittagstemperaturen vom 28. Oktober erstaunlich. Auf dem Zürichberg wurde sogar der erste Eistag der Saison registriert. Die Temperaturen stiegen also den ganzen Tag nicht über den Gefrierpunkt. Die fehlenden Sonnenstrahlen und die geschlossene Schneedecke liessen die Temperaturen tagsüber kaum ansteigen und so blieb es mit -0,2 Grad frostig. An Flachlandstationen wie auch an Bergstationen wurden für einen Oktober die tiefsten Höchsttemperaturen beobachtet. Zum letzten Mal wurde in Zürich Ende Oktober 2003 ein Eistag mit Dauerfrost beobachtet. Insgesamt sind aber Flachland-Eistage im Oktober höchst selten und kommen nur rund alle 25 Jahre vor. Das im Oktober verbreitet Schnee bis in Flachland fällt und vereinzelt Eistage registriert werden, ist relativ selten. Mit 2003, 2008 und dem diesjährigen Ereignis waren es aber gleich drei innert zehn Jahren. Für weitere Fälle muss in der Statistik allerdings recht weit zurückgeblättert werden, wie aus Daten von MeteoSchweiz hervorgeht: hier stechen die Jahre 1974, 1959 und 1939 ins Auge. Im langjährigen Mittel kommt der erste Wintereinbruch in Zürich nämlich erst nach dem ersten Novemberdrittel, also rund 2 Wochen später. Einen Trend hin zu früheren Wintereinbrüchen detektieren zu wollen, wäre aber etwas voreilig.

Hitzerekord
Weniger als zehn Tage vorher, am 19. Oktober 2012, wurden im Alpenraum mit Föhnunterstützung die höchsten Oktobertemperaturen seit Messbeginn erfasst. Auch im Flachland wurden für die zweite Oktoberhälfte sehr warme Temperaturen von über 20 Grad gemessen. In den Föhntälern aber brachte der Föhn zum Teil die höchsten Oktobertemperaturen seit Messbeginn. So wurde es in Vaduz 29, in Altdorf 28,6 Grad heiss. Die bisherigen Oktoberrekordwerte liegen an beiden Stationen nicht weit zurück und stammten aus dem Oktober 2006, als eine sehr ähnliche Wetterlage vorherrschte. Damals jedoch ohne Wintereinbruch zum Monatsende. Nicht nur in den Tälern, auch in der Höhe war es rekordverdächtig warm. So wurde es in Engelberg auf gut 1000 Meter Höhe knapp 25 Grad warm, wie Messungen von MeteoSchweiz zeigen. Auch die Nächte waren für die Jahreszeit ausgesprochen mild. So wurden mitten in der Nacht auf dem Hörnli im Zürcher Oberland zeitweise 20 Grad gemessen.

2012: Kein Rekordjahr
Über den ganzen Monat betrachtet und gemittelt war der Oktober in Zürich 9,5 Grad mild und somit nur wenige Zehntelgrad wärmer als der langjährige Durchschnitt. In diesem Durchschnitt sind sowohl die Spätsommerhitze, wie auch die Eistage enthalten. Klimatologisch war der diesjährige Oktober aber purer Durchschnitt. Auch vor einem Jahr war der Oktober 9,5 Grad auf dem Zürichberg. Damals war die Witterung aber deutlich weniger extrem, dafür aber etwas ausgeglichener. Die Extreme setzten im vergangenen Jahr die Monate März, April, Mai, September und Dezember, welche allesamt deutlich übertemperiert ausfielen und das Jahr 2011 auf den Thron des wärmsten Jahres hievten. Ein ganz anderes Bild zeigt sich dieses Jahr. Nach dem sehr kalten Februar und nun einem durchschnittlichen Herbst, ist das Jahr 2012 bisher nach 10 Monaten „nur” etwas mehr als 1 Grad übertemperiert. Somit besteht praktisch keine Chance mehr auf ein zweites Rekordjahr in Folge. Dies erstaunt kaum, zeigten doch die Vorgänge in diesem Oktober, als zwischen Hitzestress und Eistag nur gerade acht Tage lagen, auf eindrückliche Weise die grosse Variabilität der Witterung in unseren Breitengraden.

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So früh kommt der Winter selten