Ein Januar ohne Schnee und Eis – im Flachland

Das Jahr 2018 startete gleich mit einem neuen Monatsrekord für den Januar. In Zürich erreichte die Januartemperatur 2018 einen neuen Rekordwert von 4,7 Grad. Systematisch gemessen wird in Zürich seit 1864. Der Januar 2018 fühlt sich im Vergleich mit Frühlingsmonaten sogar wohler als mit eigentlich Gleichgesinnten. So war der Januar so mild wie ein durchschnittlicher März und wärmer als die Hälfte aller Märzmonate seit 1864. Der bisherige Januarrekord lag noch gar nicht weit in der Vergangenheit. Im Januar 2007 war es in Zürich nur wenige Zehntelgrad kühler als in diesem Jahr. Anders am Messstandort Genf, dort erreichte die Januartemperatur 2018 den alles überragenden Rekordwert von 6,2 Grad. Die bisher mildesten Januarmonate lieferten in Genf um 4,5 Grad. Auch im landesweiten Mittel ist es der mildeste Januar seit Messbeginn.

Der Januar 2018 war in Zürich praktisch durchwegs deutlich zu warm. Nur am 14. Januar lag die Tagesmittel-Temperatur etwas unter dem langjährigen Durchschnitt.

Schnee nur in den Bergen

Eine konstante Westströmung flutete den Alpenraum mit sehr milder aber auch feuchter Luft aus dem Atlantik und dem Mittelmeerraum. In den Bergen waren daher die Bedingungen für riesige Schneemengen perfekt. In Arosa erreichte die Neuschneesumme im Januar 2,85 Meter. Es ist die fünfthöchste Januarsumme seit Messbeginn 1890. Ganz anders präsentierte sich die Schneelage im Flachland. In Zürich wurde im ganzen Januar 2018 kein einziger Tag mit Neuschnee registriert. Schneefreie Jänner sind in Zürich zwar selten, aber nicht einmalig. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind fünf weitere Januare (1974, 1975, 1989, 1990 und 2008) ohne Schnee bekannt. Im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010 sind im Januar fünf Tage mit Neuschnee und 12 Tage mit einer Schneedecke zu erwarten. Während der Januar schneetechnisch in den Bergen also klar überdurchschnittlich ausfiel, machte sich im Flachland grosse Schneearmut breit.

Neben dem Schnee machte sich auch der Frost rar – sehr rar. Nur in vier Nächten sank das Thermometer unter den Gefrierpunkt. Selbst in klaren Nächten sank das Quecksilber mitten im Januar in Zürich nur auf 2-4 Grad. So wenige Frostnächte in einem Januar gab es noch nie seit mindestens 120 Jahren. Der bisherige Rekord von neun Frostnächten im Januar 2007 wurde dabei deutlich unterboten. Bei so wenigen Frostnächten erstaunt es kaum, dass auch Eistage mit Dauerfrost im Januar 2018 überhaupt kein Thema waren. Mit keinem einzigen Eistag reiht sich der Januar 2018 in eine sehr exklusive Gruppe ein. Vorher war dies nur aus den drei Januarmonaten 1916, 1936 und 1988 bekannt. Selbst in den sehr milden Januaren 2007, 2014 und 2015 gab es ein bis vier Eistage mit Dauerfrost. Die Klimanormwerte der Jahre 1981-2010 lassen im Januar immerhin 20 Frostnächte und 9 Eistage erwarten.

 

Kalter Frühling?

Der grosse Wärmeüberschuss im Januar 2018 zeigte sich auch in teils frühlingshaft milden Nachmittagen. An sechs Tagen zeigte das Thermometer Werte über 10 Grad an. Für einmal ist dies aber kein neuer Rekordwert. Im Januar 1993 gab es sogar 10 Tage, 2007 sogar 11 Tage mit Höchstwerten über 10 Grad. Die Milde liess bereits Haselsträucher und Erlen erblühen. Der Blühbeginn kann als „sehr früh“ bezeichnet werden. Der Vorsprung beträgt im Durchschnitt ganze 25 Tage. An einigen Standorten wurde der Blühbeginn der Hasel sogar noch nie so früh beobachtet wie in diesem Jahr. In Bauernregeln werden milde Jänner gefürchtet und mit kalten, anstehenden Frühlingsmonaten in Verbindung gebracht. So heisst es: „Lässt der Januar Wasser fallen, lässt der Lenz es gefrieren“ und „Wirft der Maulwurf seine Hügel neu, währt der Winter bis zum Mai.“ Viele alte Volkssprüche lassen zudem einen spezifischen Zusammenhang mit dem Monat Mai vermuten. „Wieviel Regentropfen ein Januar, soviel Schneeflocken im Mai.“ Die durch die Milde gestörte Winterruhe solle sich zudem negativ auf die Vegetationsentwicklung im ganzen Jahr auswirken: „Im Januar viel Regen und wenig Schnee, tut Saaten, Wiesen und Bäumen weh“ und „Wächst das Gras im Januar, so wächst es schlecht im ganzen Jahr.“

Klimatologisch lässt sich allerdings kein Zusammenhang zwischen einem milden Januar und irgendeinem kalten oder schneereichen Frühlingsmonat ableiten. Betrachtet man die 20 wärmsten Januarmonate seit 1864, so zeigt sich eher ein umgekehrtes Bild. Auf einen sehr milden Januar folgt auch ein sehr milder Frühling. Beispiele dafür stammen aus den Jahren 1920, 1924, 1948, 1993, 1999, 2007, 2008 und 2014. Jedes Mal folgte auf einen sehr milden Januar auch ein sehr milder Frühling. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Im Jahr 1877 war der Januar mit durchschnittlich 2 Grad recht mild. März, April und Mai waren dann aber deutlich zu kühl. Oder auch 1975, als auf einen sehr milden Januar ebenfalls ein insgesamt kühler Frühling folgte. Eine weitere Bauernregel deutet dann aber trotzdem auf einen guten Frühling hin. So heisst es: „Der Januar muss krachen, soll der Frühling lachen.“ Mit den vielen Stürmen, die teils sogar Wintergewitter brachten, hat es im Januar 2018 so richtig gekracht. Das sind gute Aussichten für den Frühling. Vorher ist aber nochmals Winter angesagt. Der Februar kann es in sich haben, wie uns die Jahre 2012, 2013 und 2015 gezeigt haben.

Ein Januar ohne Schnee und Eis – im Flachland

Spurensuche nach dem wärmsten Winter

Die Schweiz erlebte den drittwärmsten Winter seit mindestens 150 Jahren. In den Föhntälern wurde es mit häufiger Föhnunterstützung gar der wärmste Winter seit Messbeginn. Im vergangenen Warmwinter waren aber nicht nur die Temperaturen extrem. 

wintertemp1500

Bildlegende: Wintertemperaturen (rekonstruierte und gemessene Werte, statistisch angepasst) in Zürich von 1500 bis 2014. Blaue Balken zeigen kalte, rote Balken warme Winter im Vergleich zur Referenzperiode 1981-2010. Die schwarze Linie gibt den laufenden 30-jährigen Durchschnitt an. Quelle: Luterbacher et al., 2004; MeteoSchweiz. Grafik: Silvan Rosser

Mit durchschnittlich 3,0 Grad war der Winter auf dem Zürichberg zwei Grad wärmer als die Referenzperiode 1981-2010. In der Limmatstadt war letztmals der Winter 2006/07 deutlich wärmer. Letztgenannter distanziert den diesjährigen Winter sogar nochmals um fast ein Grad. Die übrigen Warmwinter in der Messreihe sind absolut vergleichbar mit dem diesjährigen. Insgesamt war der vergangene Winter in Zürich einer der wärmsten überhaupt.

Sehr viele Südwestlagen

Die Ursache der Winterwärme ist rasch gefunden und liegt in den ungewöhnlich häufigen Wetterlagen mit Strömungen aus südwestlicher und südlicher Richtung, welche sehr milde Luft aus dem südlichen Nordatlantik oder dem Mittelmeerraum in die Schweiz führen. Während einer starken Föhnströmung im Februar wurden grosse Mengen Saharastaub in die Alpen getragen. Dies zeigt auf eindrückliche Weise, aus welchen Regionen die herangeführten Luftmassen stammen. Während der drei Wintermonate Dezember bis Februar herrschte über der Schweiz an 40 Tagen, also während knapp der Hälfte des ganzen Winters, eine Südwest- oder Südlage, wobei die Südwestlagen mit 33 Tagen den Löwenanteil hatten, wie MeteoSchweiz berichtete. So viele wurden seit 1957 noch nie in einem einzigen Winter gezählt. Auf der Alpennordseite sorgte dieses Strömungsmuster für Wärme, während es im Tessin und am Alpensüdhang für Rekord-Winterniederschläge sorgte. In Locarno fielen in den drei Wintermonaten mehr als 700 mm Niederschlag, das ist mehr als in Sitten während einem ganzen Jahr fällt. Im Engadin, wo der Winterniederschlag als Schnee fiel, kamen knapp 4 Meter Neuschnee zusammen. Das ist der zweithöchste Wert in der 150-jährigen Messreihe. In den Tessiner Bergen kamen teilweise sogar 6 m Neuschnee zusammen, wobei nur lokal Rekorde zu verzeichnen waren. Ein ganz anderes Bild zeigte sich im Schweizer Flachland. Der Winter 2013/14 blieb hier grösstenteils schneefrei. Mit einer Neuschneesumme von lediglich einem Zentimeter wurde einer der schneeärmsten Winter in der Messgeschichte von Zürich beobachtet.

Kaum Eistage, wenig Frost

Aussergewöhnlich an der diesjährigen Winterwärme war vor allem auch die enorme Konstanz. Das Temperaturniveau blieb während allen drei Wintermonaten hoch. In der Nordwestschweiz wurde in diesem Winter kein einziger Eistag verzeichnet, wie MeteoSchweiz mitteilte. Ein Eistag gilt, wenn das Temperaturmaximum des Tages unter null Grad bleibt. Keine Eistage lieferte letztmals der Winter 1876/77. In Zürich wurden nur gerade drei Eistage gezählt. Weniger gab es nur im Winter 1974/75. Auch die Frosttage mit Tagestiefstwerten unter null Grad blieben diesen Winter Mangelware. Nur gerade 37 Mal fiel das Quecksilber diesen Winter in Zürich unter den Gefrierpunkt. In den letzten 50 Jahren gab es nur in den Wintern 1993/94, 1994/95 und 2006/07 einige Frosttage weniger. In jedem der drei vergangenen Wintermonate kletterte das Thermometer mehrmals über 10 Grad. Am wärmsten wurde es in Zürich am 9. Januar mit 13,7 Grad. Deutlich aussergewöhnlicher waren jedoch die absoluten Tiefstwerte dieses Winters. Am Morgen des 12. Dezember wurde mit nicht wirklich eisigen -4,3 Grad der Tiefstwert des diesjährigen Zürcher Winters registriert. Dies ist der mildeste winterliche Tiefstwert seit mehr als 100 Jahren in Zürich!

Geringe Heizkosten

Im gesamten Winter wurde es nie richtig kalt. Die Tiefstwerte lagen im Januar in Zürich bei -3,6, im Februar sogar bei nur -2,1 Grad. Eine verlässliche Grösse für die Strenge eines Winters ist die Kältesumme, welche alle Tagesmitteltemperaturen eines Winters, welche unter null Grad liegen, zusammenzählt. Eine grosse Kältesumme deutet auf einen eisigen Winter. Eine kleine Kältesumme auf einen sehr milden Winter. Mit einer Kältesumme von nur gerade 30 wurde die 2.-kleinste Kältesumme seit mindestens 60 Jahren registriert. Noch kleiner war die Kältesumme im Warmwinter 1974/75 mit nur gerade 14. Der Eiswinter 1962/63 schaffte es auf eine unglaubliche Kältesumme von 500! Die Hauseigentümer können sich diesen Winter zudem über deutlich geringere Heizkosten freuen. Die Heizgradtage lagen Ende Winter in Zürich bei rund 1540. Die Heizgradtage berücksichtigen alle Tage mit einer durchschnittlichen Temperatur unter 12 Grad. Was im Winter eigentlich immer der Fall ist. Dabei wird die Differenz der Raumtemperatur (20 Grad) und der gemessenen Tagesmitteltemperaturen über alle Tage aufsummiert. Je kleiner die Heizgradtage desto milder der Winter und desto niedriger die Heizkosten. Seit Messbeginn 1864 wurden in Zürich nur im Winter 2006/07 weniger Heizgradtage registriert als in diesem Jahr.

Warmwinter in der Vergangenheit

Warme Winter gab es in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder. Dank Temperaturrekonstruktionen der Universität Bern können Wintertemperaturen in Mitteleuropa bis ins Jahr 1500 zurückverfolgt werden. Mit statistischen Methoden kann dieser Temperaturverlauf an die Messwerte von Zürich angepasst werden, so dass die Wintertemperaturen vor 1864 (Beginn der systematischen Messungen) zu erahnen sind. Es zeigt sich, dass der diesjährige Warmwinter auch im Vergleich mit der mehr als 500-jährigen Messreihe ganz vorne mitspielt. Einzig die Winter 1915/16, 1974/75, 1989/90 und 2006/07 aus der Periode mit systematischen Messungen und die Winter 1606/07 und 1612/13 aus der rekonstruierten Periode waren wärmer. Es ist anzunehmen, dass der diesjährige Winter 2013/14 der 7.-wärmste seit mehr als 500 Jahren in Zürich war. Der wärmste Winter in Zürich seit 1500 war demzufolge 1606/07 oder doch 2006/07. Auf den Rekord-Warmwinter folgte ein Jahr später 1607/08 einer der kältesten Winter in der ganzen Messreihe. Solch grosse Schwankungen sind seither nicht mehr aufgetreten. Trotz dieser Variabilität blieben die Wintertemperaturen in Mitteleuropa zwischen 1500 und 1900 im Mittel recht konstant, bevor sie in zwei Phasen zuerst um 1920 und nochmals um 1990 sprunghaft wärmer wurden. So sind die Winter heute insgesamt so warm wie nie zuvor in den letzten mehr als 500 Jahren und rund 2 Grad wärmer als noch vor 115 Jahren.

Spurensuche nach dem wärmsten Winter