Globale Rekordwärme setzt sich auch in der Schweiz durch

Global fallen dieses Jahr die Temperaturrekorde: Der Juli 2015 war der wärmste je gemessene Monat und auch der August, September und Oktober 2015 waren allesamt Rekordmonate. Zudem dürfte das Jahr 2015 gemäss der Weltorganisation für Meteorologie global gesehen das wärmste Jahr seit Messbeginn werden. Der sich abzeichnende, globale Temperaturrekord für das Jahr 2015 könnte zudem zum ersten Mal die Marke von 1 °C Temperaturanstieg gegenüber dem vorindustriellen Niveau durchschreiten. Damit wäre bereits die Hälfte der 2-Grad-Erwärmung erreicht, welche der UNO-Klimagipfel 2009 als Grenze festlegte, um gefährliche Auswirkungen der Klimaänderung zu limitieren. Die globalen Klimaverhandlungen sind zurzeit in der nächsten Runde: Vom 30. November bis 11. Dezember 2015 findet in Paris die UN-Klimakonferenz mit Teilnahme der Schweiz statt. Ein zentrales Ziel der Konferenz ist eine neue, umfassende internationale Klimaschutz-Vereinbarung.

Der November 2015 egalisierte in Zürich den bisherigen Novemberrekord aus dem Jahre 1994.

 

Herbst nach Rekord-November doch zu warm

Trotz der globalen Temperaturrekorde konnte sich der Herbst 2015 in Mitteleuropa lange Zeit vor der schon fast omnipräsenten Wärme auf dem Globus „verstecken“. So waren heuer mit dem September und Oktober die ersten zwei Herbstmonate kühler als im langjährigen Mittelwert der Periode 1981-2010. Das Temperaturdefizit belief sich auf ein halbes bis knapp ein ganzes Grad Celsius. Der September war so kühl wie seit 2010 nicht mehr und ganze zwei Grad kälter als im Vorjahr. Von Spätsommerwetter konnte kaum an einem Tag die Rede sein. Vielmehr machte der September schon richtig auf Vollherbst und es fühlte sich an, wie wenn schon Oktober wäre. Mit dem Oktober kam dann auch schon der November – zumindest was die Temperaturen in den ersten zwei Monatsdritteln anbelangte. Von einem Altweibersommer fehlte jede Spur: es herrschte Novembertristesse mitten im Oktober. Im letzten Oktoberdrittel schwappte dann die globale Wärme auch wieder nach Mitteleuropa und beendete eine knapp zweimonatige „Kältephase“. Mit der Wärme kam auch die Sonne zurück. In der Folge erlebte die Schweiz goldene letzte Oktobertage und einen Martinisommer wie wohl nie zuvor seit Messbeginn. Die rund vierwöchige Herbstwärme war so ausgeprägt, dass auch der Wintereinbruch in der letzten Novemberwoche mit erneut unterkühlten Temperaturen nichts mehr ausrichten konnte. Der November 2015 egalisierte in Zürich mit durchschnittlich 7,8 Grad den bisherigen Novemberrekord aus dem Jahre 1994. So war der Herbst 2015 unter dem Strich trotzdem 0,6 Grad übertemperiert. Von den zwölf Herbstwochen waren zwar sieben Wochen leicht unterkühlt, doch die fünf zu warmen Wochen brachten Rekordwärme und vermochten die kühleren im Durchschnitt deutlich zu überbieten. Der Herbst 2015 war mit durchschnittlich 10 Grad zwar knapp anderthalb Grad kühler als sein Vorgänger, doch er setzte die Phase mit durchwegs zu warmen Herbstperioden seit 2011 fort. Nur unmerklich kühler war der Herbst jeweils in den Jahren 2012 und 2013.

Grosse Trockenheit

Anders als die Temperaturen änderten die Niederschläge ihr Muster im Verlauf des Herbstes nicht. Die seit Sommermitte anhaltende Niederschlagsarmut setzte sich im Herbst fort. Die Trockenheit hält nun schon seit fünf Monaten an. Die Abweichungen zu den monatlichen Normwerten verringern sich zwar, trotzdem blieben alle Herbstmonate unter ihren Erwartungen. Der November brachte mit 64 mm am Zürichberg wieder mehr Niederschlag als in den zwei vorangegangenen Monaten, im langjährigen Mittelwert 1981-2010 müssten es aber alleine im November 79 mm sein. Mit total 152 mm Niederschlag brachte der Herbst 2015 nur gerade 57 Prozent der erwarteten Niederschläge und war somit ausgesprochen trocken. Extrem war die Trockenheit alleine im Herbst jedoch nicht. Erst in den Jahren 2007 und 2011 gab es mit 138 respektive 149 mm noch weniger Regen. Der trockenste Herbst in Zürich seit 1864 wurde im Jahre 1920 aufgezeichnet mit nur gerade 96 mm Niederschlag.

November-Sonne
Der November war in Zürich ausgesprochen sonnig. Nur die Jahre 1981 und 1986 brachten noch gut 10-20 Stunden mehr November-Sonnenschein.

Viel Sonne im November

Der Herbst 2015 brachte über die ganze Strecke aufsummiert 311 Sonnenstunden am Zürichberg. Das sind rund 11 Prozent mehr als im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Auch während des kühlen Herbstbeginns gab es längere Perioden mit vorwiegend hochdruckbestimmter Witterung, wie MeteoSchweiz schreibt. So beispielsweise vom 24. bis am 30. September und vom 19. bis am 27. Oktober. Während der Nebel im September noch oft ausblieb, blieb er im Oktober dann hartnäckiger, so dass der Oktober mit lediglich 89 Prozent des Solls als einziger Herbstmonat als zu trüb einzustufen ist. Wieder überall sehr sonnig zeigten sich die ersten drei Novemberwochen. Mit 101 Sonnenstunden in Zürich war es einer der sonnigsten November seit 1901. Nur die November aus den Jahren 1981 und 1986 brachten noch 10-20 Stunden mehr Besonnung.

Abweichung der Jahrestemperatur vom vorindustriellen Mittel (1864-1990) für die globale Temperatur (rot) und Zürich (blau) von 1864-2015 (inkl. Mass für die Unsicherheit 2015). Quelle: MetOffice HadCRUT4-Datensatz, MeteoSchweiz.
Abweichung der Jahrestemperatur vom vorindustriellen Mittel (1864-1990) für die globale Temperatur (rot) und Zürich (blau) von 1864-2015 (inkl. Mass für die Unsicherheit 2015). Quelle: MetOffice HadCRUT4-Datensatz, MeteoSchweiz.

Mailand oder Napoli?  

Weniger als ein Monat vor Ende des Jahres 2015 zeichnet es sich immer deutlicher ab: 2015 wird nicht nur global, sondern auch in der Schweiz erneut ein sehr warmes Jahr. Schweizweit und am Zürichberg wird 2015 eines der vier wärmsten Jahre seit Messbeginn 1864 werden, je nach Ausgang des Dezembers. Die Abweichung zum vorindustriellen Niveau ist für die Schweiz aber nicht 1 Grad, sondern rund 2,5 Grad, wie eine Auswertung von MeteoSchweiz zeigt. Das heisst, dass die lokale Erwärmung in der Schweiz deutlich stärker ist als global. Zudem bedeutet dies, dass das globale 2-Grad-Ziel für die Schweiz bis Ende des Jahrhunderts lokal eine Erwärmung von 4‒5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau ausmachen dürfte. Was dies bedeuten könnte, zeigt folgendes Gedankenspiel: Bei Erreichung des globalen 2-Grad-Ziels wird in Zürich ein Klima herrschen wie noch gestern in Mailand. Verfehlt die Weltgemeinschaft aber das 2-Grad-Ziel, bekommt es die Alpennordseite sogar mit dem „Siesta-Klima“ von Napoli zu tun. Der ganze Mittelmeerraum „rückt“ analog ins afrikanische Sahara-Klima nach und die Sahara selber wird zum Glutofen. Während es für Zürich heisst: Mailand oder Napoli, geht es bei vielen anderen Weltbürgern ums nackte Überleben. So richten sich alle Augen auf einen hoffentlich vielversprechenden Ausgang der aktuellen Klimakonferenz in Paris.

 

Titelbild: Klima-Allianz: #dennichliebe Event Zürich

Globale Rekordwärme setzt sich auch in der Schweiz durch

Jahrhundert-Martinisommer und anhaltende Trockenheit

Mitteleuropa erlebte einen noch nie dagewesenen Martinisommer. Eine herbstliche Hitzewelle liess die Temperaturen in Mitteleuropa und in der Schweiz so hoch steigen wie nie zuvor in dieser Jahreszeit. Gleichzeitig verschärfte sich die Trockenheit.

Ein markanter Wetterumschwung am 21. November beendete einen bis dahin rekordverdächtig milden November. Die erste Novemberhälfte war in Mitteleuropa und in der Schweiz geprägt durch aussergewöhnlich hohe Temperaturen. Die extremsten Abweichungen zum langjährigen Referenzwert der Jahre 1981-2010 wurden mit 6 bis 8 Grad zu warmen Temperaturen in den Berglagen und auf den Hügelzügen beobachtet. So waren die durchschnittlichen Temperaturen in der Stadt Zürich rund 4 Grad, auf dem Zürichberg knapp 5 Grad und auf dem Hörnli 7 Grad übertemperiert. Eingesetzt hat diese herbstliche Hitzewelle bereits im letzten Oktoberdrittel. Zwischen dem 21. Oktober und dem 20. November erlebte Mitteleuropa heuer einen Martini-sommer, der alle Rekorde sprengt. Diese 4-wöchige Hitzeperiode mitten im Herbst kann nur durch Superlative beschrieben werden: es war ein Jahrhundert-Martinisommer. Ein Blick in die Wetterbücher bestätigt den Befund. Noch nie seit mindestens 1901 war die Periode vom 21. Oktober bis 20. November so warm. Verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt 1981-2010 waren die Temperaturen 3,2 Grad übertemperiert. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2006 wurde gleich um einige Zehntelsgrade überboten. Noch eindeutiger zeigt sich der ausgezeichnete Martinisommer in der Höhe, wo beispielsweise auf dem Jungfraujoch oder in Samedan neue Allzeit-November-Höchstwerte gemessen wurden. In beiden Fällen handelt es sich um sehr lange Messreihen mit Messbeginn im 19. Jahrhundert, was die Rekorde umso bemerkenswerter macht.

2015 erlebte Mitteleuropa und die Schweiz einen Jahrhundert-Martinisommer. Auch in Zürich war es vom 21.10.-20.11. so warm wie nie zuvor seit mindestens 1901.
2015 erlebte Mitteleuropa und die Schweiz einen Jahrhundert-Martinisommer. Auch in Zürich war es vom 21.10.-20.11. so warm wie nie zuvor seit mindestens 1901.

Kein Rekordherbst

Die Schweiz erlebte zwar einen Jahrhundert-Martinisommer. Für einen Rekordherbst reicht es aber nicht. Der Schein trügt, denn im September und in den ersten zwei Oktoberdritteln dominierten meist unterdurchschnittliche Temperaturen. Der meteorologische Herbst dauert vom 1. September bis zum 30. November. Mit dem jüngsten Wintereinbruch wird sich auch der Wärmeübschuss des Novembers noch etwas nach unten korrigieren. Unter dem Strich wird der Herbst einige Zehntelgrad übertemperiert ausfallen, jedoch deutlich kühler als im sehr milden Vorjahr. Der Herbst 2015 wird voraussichtlich so kühl wie seit 2010 nicht mehr. Der bisherige Rekord-Herbst aus dem Jahr 2006 war beachtliche 2,5 Grad wärmer als der diesjährige.

Eine solch ausgeprägte Trockenheit in der Periode von Juli-November wie in diesem Jahr kam bisher seit Messbeginn in 1864 erst zweimal vor.
Eine solch ausgeprägte Trockenheit in der Periode von Juli-November wie in diesem Jahr kam bisher seit Messbeginn in 1864 erst zweimal vor.

Staubtrocken

Aussergewöhnlich war neben den Temperaturen auch die Besonnung. Aufgrund einer beachtenswerten Nebelabsenz erreichten die Sonnenstunden bereits Mitte November in Zürich 140 Prozent des Solls für den gesamten Monat. Grossflächig fiel in der ersten Monatshälfte auch kein Tropfen Regen. Die seit Mitte Jahr anhaltende Trockenheit verschärfte sich weiter. Die letzte ergiebige Niederschlagsserie liegt schon fast ein halbes Jahr zurück: vom 14.-23. Juni fielen in Zürich rund 100 mm Regen, an den Voralpen deutlich mehr. Seither waren Juli, August, September, Oktober und jetzt auch der November deutlich zu trocken. In den letzten fünf Monaten fielen in Zürich gerade einmal rund 200 mm. Unter Berücksichtigung der zu erwartenden Niederschläge bis Ende November sind es in der Periode Juli-November knapp 250 mm. Verglichen mit einem durchschnittlichen Jahr fehlen in der Bilanz 260 mm Niederschlag. Das sind beinahe historische Ausmasse. Nur im Jahre 1949 war die erwähnte 5-monatige Periode in Zürich noch ein wenig trockener. Damals fehlten 270 mm in der Niederschlagsbilanz. Ähnlich trocken war es in dieser Periode auch 1864. Ausgeprägte Trockenperioden über mehrere Monate gab es letztmals im ersten Halbjahr 2011 und während des Hitzesommers 2003. Ein trockener Hochsommer gefolgt von einem trockenen Herbst, wie in diesem Jahr, gab es in den letzten Jahren nie mehr. Dank einem eher feuchten ersten Halbjahr ist das Niederschlagsdefizit 2015 gar nicht allzu gross. Es fehlen lediglich rund 100 mm. Die aktuelle Trockenheit hat aufgrund der Jahreszeit auch verhältnismässig geringe negative Auswirkungen. Da sich Natur und somit auch die Landwirtschaft auf die Winterruhe vorbereiten, gibt es kaum Ernteausfälle. Härter trifft es Fische in kleinen, versiegten Flüssen oder die stillstehenden Kleinwasserkraftwerke. Würde zudem ein kalt-trockener Winter folgen, wäre lokal auch die Trinkwasserversorgung gefährdet. Die nächsten Niederschläge sind also durchaus willkommen.

Jahrhundert-Martinisommer und anhaltende Trockenheit

Der Besuch des ältesten Urners

Im  Tessin,  im  Wallis  und  in  Genf  brachte  der  Oktober  Rekordtemperaturen, wie MeteoSchweiz berichtete. Im Tessin stieg die Oktobertemperatur 2.5 Grad, in Sion und Genf 3 Grad über die Norm 1981–2010. Auf der Alpennordseite, wie auch auf dem Zürichberg, erreichte die Oktobertemperatur verbreitet Rang zwei bis vier, wobei hier die Temperaturüberschüsse ebenfalls meist im Bereich von 2.5 bis 3.0 Grad lagen. Auch in Berglagen zeigte sich der Oktober sehr mild, die Temperaturen bewegten sich aber nicht in Rekordnähe. Über  die  ganze  Schweiz gemittelt  war  es  der  viertwärmste  Oktober  seit  Messbeginn  vor  150  Jahren.

Martini-Sommer

Im gleichen Stil ging es dann auch anfangs November weiter. Die Temperaturen lagen weiterhin weit über den für die Saison zu erwartenden Werten. Kurze Kaltluftvorstösse wurden rasch wieder durch neue Föhnströmungen abgelöst. Warme und freundliche Witterungsphasen im ersten Novemberdrittel sind in der Klimatologie als Martini-Sommer bekannt. Der Martinstag am 11. November (in Altbayern, Österreich und der Schweiz auch Martini) ist der Gedenktag des heiligen Martin von Tours. Das Datum ist von Martins Grablegung am 11. November 397 abgeleitet. Der Martinstag ist in Mitteleuropa von zahlreichen Bräuchen geprägt, darunter das Martinsgansessen, der Martinszug und das Martinssingen. In Zürich wird das Martinigansessen von zahlreichen Zünften zelebriert.

Milde Martini-Sommer sind keine Seltenheit, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Vor allem in den letzten Jahren gab es eine Häufung sehr milder Martini-Sommer. Erst vor Jahresfrist wurde mit 9,3 Grad das 3.-mildeste erste Novemberdrittel registriert und auch 2010 war der Martini-Sommer in Zürich mit 9,8 Grad einer der wärmsten. Der bisher wärmste Martini-Sommer stammt in Zürich aus dem Jahr 1977, als das erste Novemberdrittel 10,6 Grad warm war. Dass, zu dieser Jahreszeit auch schon ein ganz anderer Wind wehen kann, zeigte beispielsweise das Jahr 1977, als die ersten elf Novembertage im Mittel nur gerade winterliche 0,2 Grad kalt waren.

Föhn bis nach Zürich

Die diesjährige Wärme zum Martinstag wurde durch wiederholte Föhn-Wetterlagen hervorgerufen. Der Föhn, der in den Täler der Innerschweiz liebevoll “ältester Urner“ genannt wird, tritt nicht in jeder Jahreszeit gleich häufig in Erscheinung. Die klassische alpenquerende Föhnströmung aus Süden, welche in den Föhntälern auf der Alpennordseite typischerweise milde Temperaturen und Schönwetter bringt, ist am häufigsten im Frühling zu beobachten, wie MeteoSchweiz weiss. Deutlich weniger häufig fegt der Föhn im Herbst und im Winter über die Alpen und eine eigentliche Föhn-Flaute ist im Sommer zu beobachten.

Die klassische Föhnsituation ist mit einer starken Staubewölkung am Alpensüdhang verbunden. In Verbindung mit der Hebung der Luftmassen können dabei beachtliche Niederschlagsmengen auftreten. Mit dem Absinken der Luftmassen nördlich des Alpenkamms erwärmt sich die Luft deutlich und die Wolken lösen sich auf. Dieser Bereich mit sehr klarer Luft und blauem Himmel wird als Föhnfenster bezeichnet. Nur selten, bei besonders starken Druckgradienten, vermag der Föhn durch die eigentlichen Föhntäler hinaus bis ins Mittelland vorzustossen. Mit einer Druckdifferenz von 12 Hektopascal zwischen der Alpensüd- und der Alpennordseite war dieser Fall am 4. November gegeben und der älteste Urner besuchte die Region Zürichsee und war selbst auf dem Zürichberg zu spüren.

witikon

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Wetterverlauf in Erlenbach und Witikon. Die schwarze Linie zeigt die Windgeschwindigkeit (in km/h), die rote Linie zeigt den Temperaturverlauf und die grünen Säulen zeigen den Verlauf der Feuchtigkeit (rechte Skala). Die Föhnperiode ist deutlich erkennbar.

Sommerliche Nacht

Ein umfangreiches Tief lag anfangs November über Westeuropa, ein kräftiges Hoch über Osteuropa. Dazwischen befand sich Mitteleuropa im Bereich einer starken Südströmung. In der Nacht auf den 4. November verstärkte sich der Föhn und stiess bis weit ins Voralpenland vor. MeteoSchweiz berichtete, dass der Urner Föhn sogar den Greifensee mit Böen von 70 km/h erreichte. Noch stärker war er in Wädenswil am Zürichsee mit 107 km/h, was für die Messstation Föhnrekord bedeutete (Messbeginn 1981). In Wädenswil setzte der Föhn um 22 Uhr ein. Der älteste Urner arbeitete sich dann langsam entlang des Zürichsees vor. Der Wetterverlauf der Station Erlenbach (siehe Grafik) zeigt, dass hier der Föhn erst kurz vor Mitternacht registriert wurde. Nochmals rund eine Stunde später, erst nach Mitternacht, war der Föhn dann auch an der Wetterstation Witikon auf dem Zürichberg messbar. In Erlenbach stieg die Temperatur von rund 10 Grad bis auf sommerliche 20 Grad sprungartig an. Gleichzeitig erreichte der Südwind Spitzenwerte von rund 30 km/h und die Luft trocknete sich deutlich ab (30% Luftfeuchtigkeit). In Witikon stiegen die Temperaturen mit zügigem Südwind auf über 15 Grad. Die Föhnperiode war in Zürich bereits deutlich abgeschwächt und dauerte auch nur rund anderthalb Stunden, bevor die Südwinde um 2 Uhr morgens nachliessen. Nach 3 Uhr morgens war der Föhn dann auch in Erlenbach nicht mehr spürbar und um 7 Uhr liess er auch in Wädenswil wieder nach. Wie schnell sommerliche Temperaturen während einer Föhnperiode nach Föhnende absacken können, zeigte sich nur einen Tag später. Der Dauerregen verursachte eine sogenannte Niederschlagsabkühlung und liess die Schneefallgrenze immer weiter absinken. Innerhalb von nur 24 Stunden sank die Temperatur um fast 20 Grad ab und in Witikon, oberhalb von 600 Meter, konnte am Morgen des 6. November der erste Schnee der Saison gemessen werden.

Der Besuch des ältesten Urners