Kalter aber kein eisiger Januar

Mitteleuropa, die Schweiz und Zürich erlebten einen der kältesten Januarmonate seit 30 Jahren. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von minus 3 Grad war der Januar am Zürichberg mehr als drei Grad kälter gegenüber der Referenzperiode 1981-2010.

Der Januar 2017 gehört zu den 30 kältesten seit Messbeginn 1864. Damit passt er so gar nicht ins Bild der letzten Jahre. Denn es war der erste unterkühlte Jänner seit sieben Jahren. Letztmals kälter war der erste Monat des Jahres in Zürich 1987 mit minus 4,3 und 1985 mit minus 5,4 Grad durchschnittlicher Lufttemperatur. Auch wenn wir schlotterten, der Januar 2017 ist auch in jüngerer Zeit nicht das Mass aller Dinge, wie MeteoSchweiz schreibt. Vor nur fünf Jahren brachte der Februar 2012 in Zürich mit minus 3,5 Grad noch tiefere Temperaturen.

Selbstgemachte Eistage

Zustande kam die Januarkälte 2017 durch winterliche Hochdruckgebiete. Wie schon im Dezember war auch der Januar geprägt von hohem Luftdruck. Es handelte sich aber nicht um klassische winterliche Sibirienhochs, sondern um eine mitteleuropäische Eigenproduktion. Während Sibirienhochs ganz Europa eisiges Wetter bringen, liegen bei Hochs über Mitteleuropa die nördlichen Teile Europas, vor allem die skandinavischen Länder, häufig in einer etwas milderen westlichen Strömung, Mitteleuropa dagegen bekommt Luft aus dem Osten, respektive produziert seine Kaltluft unter der Schirmherrschaft des Hochs selbst. Diese bodennahe Kaltluftproduktion hat sich schon während der winterlichen Hochs im Dezember 2016 abgezeichnet, verstärkte sich durch das Einfliessen arktischer Luftmassen im Januar aber entscheidend. So war der Dezember 2016 erst leicht unterkühlt. Ein entscheidender Unterschied war auch in der Schneedecke auszumachen. Während der Dezember aufgrund fehlender Niederschläge schneefrei über die Bühne ging, blieben die spärlichen Schneefälle von Anfang Januar in der Folge den ganzen Monat über liegen. Erst mit einer Schneedecke wird die mitteleuropäische Kältemaschine dann auch richtig effizient. So wurden im Januar 2017 in Zürich 18 Tage mit Dauerfrost, sogenannte Eistage, registriert. Also Tage, an denen die Lufttemperatur ganztags unter null Grad verharrte. Damit gehört der Januar 2017 zu den 15 eisigsten Januarmonaten seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Letztmals mehr Dauerfrost brachte der Januar 1997 mit insgesamt 19 Eistagen.

Die längsten Kältewellen erlebte Zürich im Winter 1916/17 und 1996/97 mit 25, respektive 24 Tagen Dauerfrost ohne Unterbruch.

Kältewelle in Zahlen

Die Anzahl Eistage gibt Aufschluss über die Konstanz eines winterlichen Monats. Doch die zeitliche Abgrenzung der eigentlichen Kältewelle stimmt nicht mit dem kalendarischen Monatsanfang und -ende überein.

Genau genommen erlebte Zürich zwei aufeinanderfolgende Kältewellen. Die erste startete am 30. Dezember und dauerte knapp zwei Wochen bis zum 10. Januar. Nach einer kurzen Verschnaufpause mit Temperaturen bis 5 Grad und Westwind, brach gleich die zweite, die intensivere Kältewelle über Mitteleuropa herein. Sie dauerte vom 14.-26. Januar. Während dieser Periode herrschte anhaltender Dauerfrost. Es konnten also 13 zusammenhängende Eistage beobachtet werden. Die Anzahl zusammenhängender Eistage gibt somit Aufschluss über die Länge einer Kältewelle. Letztmals länger dauerte eine Kältewelle im Februar 2012 mit 16 Tagen Dauerfrost. Die Kältewelle im Januar 2017 gehört aber zu den 17 längsten seit 1901.

Die Intensität einer Kältewelle lässt sich mit einem weiteren Indikator ausdrücken. Mit dem Temperaturdurchschnitt über 14 aneinanderfolgende Tage.

Gemittelt über 14 Tage sank die Temperatur in Zürich während der zweiten Kältewelle im Januar 2017 auf minus 5,4 Grad. Damit war die diesjährige Kältewelle nicht wirklich aussergewöhnlich. Im langjährigen Durchschnitt seit 1901 treten Kältewellen in gleicher oder höherer Intensität sogar alle 3 bis 4 Jahre auf. Die Kältewelle im Februar 2012 erreichte mit minus 9,9 Grad einen spürbar tieferen Wert.

Die diesjährige Kältewelle im Januar 2017 war die intensivste und längste seit Februar 2012. Im langjährigen Vergleich hebt sie sich am ehesten über ihre Länge, keinesfalls jedoch über ihre Intensität von anderen ab.

Harter Winter?

Für Aufsehen sorgte vor allem das tiefe Januarmonatsmittel der Temperatur, welche durch die rasche Abfolge von zwei rund zweiwöchigen Kältewellen zustande kam, so dass der Januar 2017 praktisch durchgehend kalt aber nie richtig eisigkalt war. Zusammen mit dem schon recht kalten Dezember ist der Winter 2016/17 in Zürich bisher recht hart. Dies zeigt sich eindrücklich in der Summe aller negativen Tagesmitteltemperaturen im bisherigen Winter. Meteorologen sprechen von der Kältesumme eines Winters. Am 31. Januar liegt sie im langjährigen Durchschnitt bei minus 108. Heuer lag die Kältesumme an diesem Datum bereits bei minus 130. Zum Vergleich: Vor einem Jahr stand die Kältesumme am 31. Januar nach anhaltender Winterwärme bei rekordverdächtigen minus 17. Der Winterverlauf kann Ende Januar aber auch richtig hart sein. So lag die Kältesumme Ende Januar 1963 schon bei minus 355, 1941 zumindest bei minus 293.

Mit dem Monatswechsel in den Februar kam der Wetterumschwung. Zum ersten Mal diesen Winter konnte sich der mildernde Westwind für mehrere Tage in Folge etablieren und führte laue aber auch sehr feuchte Luftmassen nach Mitteleuropa. Nach einer zweieinhalbmonatigen Trockenperiode fiel vom 30. Januar bis zum 1. Februar in Zürich innert kurzer Zeit so viel Niederschlag wie üblicherweise im ganzen Monat zu erwarten wäre. Die Temperaturen sprangen in die Höhe. In Zürich gab es Anfang Februar knapp 10, in Genf sogar 15 Grad. So kamen schon fast leise Frühlingsgefühle auf.

Ob sich der Winter von diesem Rückschlag nochmals erholen kann, muss sich zeigen. Was sich sagen lässt, ist, dass in den letzten vier Jahrzehnten massive Kältewellen aus unserem Winterklima fast verschwunden sind.

Kalter aber kein eisiger Januar

Blockiertes Winterwetter

Obwohl das Jahr 2016 global erneut das wärmste seit Messbeginn war, verläuft der diesjährige Winter in Europa äusserst hart. Europa wurde im Januar gleich von zwei Kältewellen heimgesucht. Mitverantwortlich sind blockierte Wetterlagen und möglicherweise die viel zu warme Arktis.

Die globale Erwärmung hat nach 2014 und 2015 auch im vergangenen Jahr 2016 ein Ausrufezeichen gesetzt. Nachdem bereits die beiden Vorjahre jeweils die global wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen waren, setzte 2016 abermals einen neuen Rekord. Dies geht aus drei unabhängigen Datensätzen der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA, der US-Klimabehörde NOAA und des britischen Klimadienstes MetOffice zusammen mit der Universität von East Anglia (UEA) hervor. Während die NASA mit Satelliten die Erdatmosphäre aus dem Weltall beobachtet und misst, aggregieren NOAA und die Datenreihe HadCRUT4 (MetOffice mit UEA) mit unzählige Messdaten von Bodenwetterstationen, Bojen, Schiffen, usw., um die durchschnittliche Temperatur der Land- und Ozeanoberflächen zu bestimmen. Trotz unterschiedlicher Herangehensweise kommen alle zum gleichen Schluss: 2016 war 1,1 Grad wärmer (gegenüber der Periode 1850-1990) und damit erneut das wärmste Jahr mindestens seit den 1850er Jahren. Am extremsten waren die Abweichungen in der Arktis rund um Spitzbergen, wo das vergangene Jahr rund 8 Grad wärmer war gegenüber der Referenzperiode 1981-2010! Zum Vergleich: in der Schweiz war 2016 „lediglich“ 0,7 Grad milder und gehörte trotzdem zu den zehn wärmsten Jahren seit 1864.

Blockiertes Strömungsmuster und Abweichung der Lufttemperatur gegenüber 1981-2010 vom 12.-18. Januar 2017. Kartenmaterial: www.karstenhaustein.com/climate

Extrem warme Arktis

Die grössten Temperaturüberschüsse in der Nordpolarregion zeigten sich vor allem zwischen Oktober und Dezember. Und auch im noch jungen neuen Jahr war die Arktis gebietsweise 20 Grad wärmer als üblicherweise in dieser Jahreszeit. Inmitten der Polarnacht steigen die Temperaturen zeitweise sogar über den Gefrierpunkt. Die Folgen: das Meereis dehnt sich viel weniger rasch aus und bedeckt deutlich geringere Flächen als normalerweise. Dies hat weitreichende Auswirkungen auf die Strömung auf der Nordhemisphäre. Möglicherweise zeigt der Jetstream, das Starkwindband in rund 10-15 km Höhe, kräftigere Ausschläge mit grossen Trögen bis weit in den Süden. Die warme, eisfreie Arktis wirkt wie eine Pumpe, welche die kalte Luft in die mittleren Breiten (Eurasien, Nordamerika) presst. Bleiben diese Ausschläge über längere Zeit bestehen, sprechen Meteorologen von einem „Blocking“. Dies führt zu extremen und langanhaltenden Wetteranomalien.

Extremer Winter

Ein solches Blocking erlebte die Schweiz mit dem anhaltenden Hochdruckwetter zwischen Ende November und Ende Dezember, als während 43 Tagen keine Niederschläge fielen und die Temperaturen in der Höhe rund 5 Grad übertemperiert waren. Mit dem Jahreswechsel kam der Wetterwechsel. Am 5. Januar steuerte ein umfangreiches Tiefdruckgebiet über Skandinavien aus Nordwesten feuchte und kalte Schneeluft nach Mitteleuropa. Es war der erste Polarluftausbruch des Winters. Die Winde drehten auf Nordosten und führten eisige Luft in die Schweiz. Nach einer klaren Nacht war es am Morgen des 7. Januars bitterkalt. Mit -14,6 Grad in Zürich-Witikon war es die kälteste Nacht seit 5 Jahren. In der Folge erwachte der Atlantik aus dem Winterschlaf, liess die Westwinde für einmal wehen und schickte eine Kostprobe nach Europa. Westlich der Bretagne entwickelte sich das Sturmtief Egon, welches am 12. Januar über Europa brauste. Egon brachte nur eine kurzfristige Milderung. Zu kleinräumig war das Sturmtief, um die Kaltluft nachhaltig aus dem Lande zu räumen. Das Sturmtief war ein Ausreisser und der Westwind versiegte wieder. Die Strömung war daraufhin erneut meridional und dadurch geprägt von grossen Trögen nach Süden und Rücken nach Norden. So erstaunte es nicht, dass ab dem 14. Januar aus Osten der zweite Kaltluftvorstoss erfolgte.

Hoch über Tief

Die zweite Kältewelle im Januar 2017, welche am 14. Januar einsetzte, war besonders langlebig. Erneut war ein Blocking verantwortlich für die Ausdauer. Genauer spezifiziert handelte es sich um ein „High-over-Low-Blocking“. Diese Art von Blocking entsteht, wenn sich ein Hochdruckgebiet (High) von den Britischen Inseln bis nach Russland erstreckt und gleichzeitig ein Tiefdruckgebiet (Low) über dem Mittelmeer zu liegen kommt. Zu erwarten wäre die umgekehrte Situation mit einem Hochdruckgebiet im Süden über dem Mittelmeerraum und Tiefdruckgebieten im Norden bei den Britischen Inseln. Im Januar 2017 lag die Schweiz während dem High-over-Low-Blocking am Rand des Hochs im Norden, so dass mit einer markanten Bisenströmung sehr kalte Luft zur Alpennordseite gelangte.

Eine geschlossene Schneedecke von Deuschland bis in die Türkei und von der Schweiz bis nach Finnland. Quelle: http://zoz.cbk.waw.pl/

Weitere Kältewellen?

Nach dem sehr kalten Januar 2017 drängt sich die Frage auf, wie es mit dem Winter weitergehen wird. Der Pfäffikersee ist bereits eisbedeckt. Bei einem erneuten Kaltluftvorstoss im Februar würde im Kanton Zürich auch der Greifensee überfrieren. Damit Ende Februar auch der Zürichsee zugefroren wäre, müssten die kommenden 30 Tage im Schnitt eisige minus 6 Grad kalt sein. Eine Zürichseegfrörni ist auch heuer unwahrscheinlich, jedoch in diesem Winter mit blockierten Wetterlagen nicht unmöglich. In eine ganz andere Richtung tendiert die US-Klimabehörde NOAA mit ihrer Monatsprognose für Europa. Für den Februar 2017 sagen sie flächendeckend teils deutlich überdurchschnittliche Temperaturen voraus. Vor dem Hintergrund der aktuell sehr ausgedehnten Schneebedeckung in Europa ist dieser Vorhersage jedoch skeptisch gegenüber zu stehen. Nichtsdestotrotz könnte das Aufleben der Westwinde mit milder Atlantikluft den zweiten Teil des Winters noch in ganz andere Bahnen lenken.

Blockiertes Winterwetter

Viele Schneetage trotz Warmwinter

Der Winter 2014/15 gehört in Zürich trotz des kalten Februars zu den wärmsten 20 Prozent seit Messbeginn im Jahr 1864. Der Winter brachte aber auch überdurchschnittlich viele Schneetage.

Der meteorologische Winter 2014/15 dauerte von Dezember bis Februar und ist somit bereits zu Ende. Er hinterlässt kein eindeutiges Bild und ist nicht einfach in die langjährige Klimareihe einzuordnen. Kein Monat glich dem nächsten und jeder zeigte spezielle Witterungsphänomene. Obwohl der diesjährige Winter abwechslungsreich und wettertechnisch spannend verlief, wird er als Ganzes unspektakulär und durchschnittlich in Erinnerung bleiben.

Winter-ZH-1864-2015
Der meteorologische Winter 2014/15 war in Zürich mit durchschnittlich 1,4 Grad überdurchschnittlich mild. So warm wie im laufenden Jahrzehnt (rote Linie) waren die Winter in Zürich seit 1864 nie. Seit 1991 haben sich die Winter jedoch nur noch geringfügig weiter erwärmt. In den kommenden Jahrzehnten ist im Zuge der globalen Erwärmung auch in der Schweiz mit einer weiteren Erwärmung zu rechnen.

 

Warmer Winter

Der diesjährige Winter wurde sukzessive kälter. Brachte der Dezember 2014 noch durchschnittlich 3 Grad in Zürich, waren es im Januar 2015 noch 2, im Februar dann sogar nur noch knapp -1 Grad. Nachdem Dezember und Januar gegenüber dem Referenzwert der Periode 1981-2010 noch um je anderthalb Grad übertemperiert waren, zeigte der Februar seine eisigen Krallen und war unter dem Strich um rund 2 Grad unterkühlt. Gemittelt über den ganzen Winter war die kalte Jahreszeit auf dem Zürichberg mit 1,4 Grad um vier Zehntelgrad milder als im langjährigen Durchschnitt, wie aus Daten von MeteoSchweiz hervorgeht. Damit war der diesjährige Winter deutlich weniger warm als der vorangegangene, welcher nochmals anderthalb Grad milder war. Trotzdem erlebte Zürich den zweitwärmsten Winter der letzten sieben Jahre. Ähnlich temperiert waren die Winter der Jahre 2003/4, 1959/60, 1929/30, 1924/25 und 1920/21. Im Vergleich mit der gesamten Messreihe seit 1864 gehört der diesjährige Winter zu den wärmsten 20 Prozent.

Kurze Kältewelle

Der meteorologische Winter begann Anfang Dezember mit einer frostfreien, Hochnebel verhangenen Woche. In der Folge kam eine markante Westströmung auf, welche bis zu Weihnachten windige und einzelne nasse Tage mit sich brachte. An sonnigen Tagen und Temperaturen über 10 Grad kamen kurz vor Weihnachten bereits wieder Frühlingsgefühle auf. Diese wurden dann aber von einem überraschenden Polarluftvorstoss zwischen Weihnachten und Neujahr abrupt unterdrückt. Der Kaltluftvorstoss war so heftig, dass am Morgen des 29. Dezember mit -13,8 Grad sogleich die tiefste Temperatur des ganzen Winters in Zürich gemessen wurde. Mit der Kälte kam auch der ersehnte Schnee in den Bergen – und im Flachland. Das neue Jahr war noch nicht alt, als sich bereits die nächste ausgeprägte Westströmung aufbaute. Erneut wurde sehr milde und häufig auch feuchte Atlantikluft in den Alpenraum geführt. Mit 15,4 Grad wurde am Nachmittag des 10. Januars dann auch die höchste Temperatur des Zürcher Winters beobachtet. Nach einer durchaus sonnigen ersten Januarhälfte, brachte die zweite Hälfte vor allem wieder trübe Verhältnisse bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und einigen Schneeschauern. Gleichzeitig floss aus Nordwesten erneut Polarluft nach Mitteleuropa. Zwischen dem 4. und 8. Februar wurden fünf Eistage mit durchgehendem Dauerfrost in Zürich beobachtet, was einer kleinen Kältewelle entsprach.

Trockener Februar

Erst zur Monatsmitte erholten sich die Temperaturen allmählich. Am 20. Februar wurden dann bereits wieder Temperaturen über 10 Grad gemessen. Der Witterungscharakter blieb mit nordwestlicher Anströmung aber wechselhaft. Trotzdem war der Februar ausgesprochen trocken. Vom 3. bis 20. Februar war es an 18 Tagen in Folge trocken. Diese zusammenhängende Trockenphase ist zwar überdurchschnittlich lang, aber längst nicht extrem. Allein im Winter 2010/11 waren es 30 zusammenhängende Tage ohne Niederschläge in Zürich. Über den ganzen Monat betrachtet, fiel in Zürich im Februar lediglich die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge. Da mit dem Januar aber rund anderthalb Mal so viel Niederschlag im Messgerät gemessen werden konnte und der Dezember in etwa die üblichen Mengen brachte (verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010), fällt das Niederschlagsdefizit des ganzen Winters 2014/15 nicht ganz so extrem aus. Mit rund 80 Prozent der üblichen Niederschlagsmengen blieb der diesjährige Winter aber zu trocken. Die spärliche winterliche Besonnung entsprach hingegen mehr oder weniger dem langjährigen Erwartungswert und erreichte auf dem Zürichberg rund 190 Stunden.

Schneereich aber nicht kalt   

Im Rückblick wird rasch ersichtlich, dass nur der Februar das Prädikat „winterlich“ verdient hat. Die deutlich zu warmen Monate Dezember und Januar waren hingegen über weite Strecken wenig winterlich. Ein aussagekräftiges Mass für die Strenge des Winters ist die sogenannte Kältesumme. Sie ergibt sich aus der Summe aller Tagesmitteltemperaturen, die unter dem Gefrierpunkt liegen. Tage mit einer Durchschnittstemperatur über null Grad werden ignoriert. Der Dezember und Januar brachten es je auf eine Kältesumme von rund -15. Der Februar steuerte dann alleine -40 bei. Die Kältesumme des gesamten Winters lag somit in Zürich bei rund -70. Damit liegt der diesjährige Winter im milden Viertel der langjährigen Klimareihe. Im Durchschnitt ist in Zürich eine Kältesumme von -130 zu erwarten. Im vergangenen Jahr waren es hingegen nur rund -10, im Eiswinter 1962/63 hingegen -450. Zur Einschätzung: ab einer Kältesumme von rund -300 überfriert der Zürichsee. Streng war der diesjährige Winter also nicht, schneereich aber allemal. Nach den Schneefällen zwischen Weihnachten und Neujahr gab es in der zweiten Januarhälfte immer wieder Neuschneezuwachs. Insgesamt wurden im Dezember drei, im Januar sechs und im Februar vier Tage mit Neuschnee registriert. Zwischen Mitte Januar und Mitte Februar war der Zürichberg praktisch durchgehend schneebedeckt. Allein der Februar brachte es auf 25 Tage mit einer Schneedecke. Im gesamten Winter waren es 44 Tage mit einer Schneedecke. Im Mittel der Jahre 1981-2010 waren in Zürich im Winter nur 31 Tage mit Schneedecke zu geniessen. Der Winter war somit mild und schneereich zugleich.

Viele Schneetage trotz Warmwinter

Spurensuche nach dem wärmsten Winter

Die Schweiz erlebte den drittwärmsten Winter seit mindestens 150 Jahren. In den Föhntälern wurde es mit häufiger Föhnunterstützung gar der wärmste Winter seit Messbeginn. Im vergangenen Warmwinter waren aber nicht nur die Temperaturen extrem. 

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Bildlegende: Wintertemperaturen (rekonstruierte und gemessene Werte, statistisch angepasst) in Zürich von 1500 bis 2014. Blaue Balken zeigen kalte, rote Balken warme Winter im Vergleich zur Referenzperiode 1981-2010. Die schwarze Linie gibt den laufenden 30-jährigen Durchschnitt an. Quelle: Luterbacher et al., 2004; MeteoSchweiz. Grafik: Silvan Rosser

Mit durchschnittlich 3,0 Grad war der Winter auf dem Zürichberg zwei Grad wärmer als die Referenzperiode 1981-2010. In der Limmatstadt war letztmals der Winter 2006/07 deutlich wärmer. Letztgenannter distanziert den diesjährigen Winter sogar nochmals um fast ein Grad. Die übrigen Warmwinter in der Messreihe sind absolut vergleichbar mit dem diesjährigen. Insgesamt war der vergangene Winter in Zürich einer der wärmsten überhaupt.

Sehr viele Südwestlagen

Die Ursache der Winterwärme ist rasch gefunden und liegt in den ungewöhnlich häufigen Wetterlagen mit Strömungen aus südwestlicher und südlicher Richtung, welche sehr milde Luft aus dem südlichen Nordatlantik oder dem Mittelmeerraum in die Schweiz führen. Während einer starken Föhnströmung im Februar wurden grosse Mengen Saharastaub in die Alpen getragen. Dies zeigt auf eindrückliche Weise, aus welchen Regionen die herangeführten Luftmassen stammen. Während der drei Wintermonate Dezember bis Februar herrschte über der Schweiz an 40 Tagen, also während knapp der Hälfte des ganzen Winters, eine Südwest- oder Südlage, wobei die Südwestlagen mit 33 Tagen den Löwenanteil hatten, wie MeteoSchweiz berichtete. So viele wurden seit 1957 noch nie in einem einzigen Winter gezählt. Auf der Alpennordseite sorgte dieses Strömungsmuster für Wärme, während es im Tessin und am Alpensüdhang für Rekord-Winterniederschläge sorgte. In Locarno fielen in den drei Wintermonaten mehr als 700 mm Niederschlag, das ist mehr als in Sitten während einem ganzen Jahr fällt. Im Engadin, wo der Winterniederschlag als Schnee fiel, kamen knapp 4 Meter Neuschnee zusammen. Das ist der zweithöchste Wert in der 150-jährigen Messreihe. In den Tessiner Bergen kamen teilweise sogar 6 m Neuschnee zusammen, wobei nur lokal Rekorde zu verzeichnen waren. Ein ganz anderes Bild zeigte sich im Schweizer Flachland. Der Winter 2013/14 blieb hier grösstenteils schneefrei. Mit einer Neuschneesumme von lediglich einem Zentimeter wurde einer der schneeärmsten Winter in der Messgeschichte von Zürich beobachtet.

Kaum Eistage, wenig Frost

Aussergewöhnlich an der diesjährigen Winterwärme war vor allem auch die enorme Konstanz. Das Temperaturniveau blieb während allen drei Wintermonaten hoch. In der Nordwestschweiz wurde in diesem Winter kein einziger Eistag verzeichnet, wie MeteoSchweiz mitteilte. Ein Eistag gilt, wenn das Temperaturmaximum des Tages unter null Grad bleibt. Keine Eistage lieferte letztmals der Winter 1876/77. In Zürich wurden nur gerade drei Eistage gezählt. Weniger gab es nur im Winter 1974/75. Auch die Frosttage mit Tagestiefstwerten unter null Grad blieben diesen Winter Mangelware. Nur gerade 37 Mal fiel das Quecksilber diesen Winter in Zürich unter den Gefrierpunkt. In den letzten 50 Jahren gab es nur in den Wintern 1993/94, 1994/95 und 2006/07 einige Frosttage weniger. In jedem der drei vergangenen Wintermonate kletterte das Thermometer mehrmals über 10 Grad. Am wärmsten wurde es in Zürich am 9. Januar mit 13,7 Grad. Deutlich aussergewöhnlicher waren jedoch die absoluten Tiefstwerte dieses Winters. Am Morgen des 12. Dezember wurde mit nicht wirklich eisigen -4,3 Grad der Tiefstwert des diesjährigen Zürcher Winters registriert. Dies ist der mildeste winterliche Tiefstwert seit mehr als 100 Jahren in Zürich!

Geringe Heizkosten

Im gesamten Winter wurde es nie richtig kalt. Die Tiefstwerte lagen im Januar in Zürich bei -3,6, im Februar sogar bei nur -2,1 Grad. Eine verlässliche Grösse für die Strenge eines Winters ist die Kältesumme, welche alle Tagesmitteltemperaturen eines Winters, welche unter null Grad liegen, zusammenzählt. Eine grosse Kältesumme deutet auf einen eisigen Winter. Eine kleine Kältesumme auf einen sehr milden Winter. Mit einer Kältesumme von nur gerade 30 wurde die 2.-kleinste Kältesumme seit mindestens 60 Jahren registriert. Noch kleiner war die Kältesumme im Warmwinter 1974/75 mit nur gerade 14. Der Eiswinter 1962/63 schaffte es auf eine unglaubliche Kältesumme von 500! Die Hauseigentümer können sich diesen Winter zudem über deutlich geringere Heizkosten freuen. Die Heizgradtage lagen Ende Winter in Zürich bei rund 1540. Die Heizgradtage berücksichtigen alle Tage mit einer durchschnittlichen Temperatur unter 12 Grad. Was im Winter eigentlich immer der Fall ist. Dabei wird die Differenz der Raumtemperatur (20 Grad) und der gemessenen Tagesmitteltemperaturen über alle Tage aufsummiert. Je kleiner die Heizgradtage desto milder der Winter und desto niedriger die Heizkosten. Seit Messbeginn 1864 wurden in Zürich nur im Winter 2006/07 weniger Heizgradtage registriert als in diesem Jahr.

Warmwinter in der Vergangenheit

Warme Winter gab es in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder. Dank Temperaturrekonstruktionen der Universität Bern können Wintertemperaturen in Mitteleuropa bis ins Jahr 1500 zurückverfolgt werden. Mit statistischen Methoden kann dieser Temperaturverlauf an die Messwerte von Zürich angepasst werden, so dass die Wintertemperaturen vor 1864 (Beginn der systematischen Messungen) zu erahnen sind. Es zeigt sich, dass der diesjährige Warmwinter auch im Vergleich mit der mehr als 500-jährigen Messreihe ganz vorne mitspielt. Einzig die Winter 1915/16, 1974/75, 1989/90 und 2006/07 aus der Periode mit systematischen Messungen und die Winter 1606/07 und 1612/13 aus der rekonstruierten Periode waren wärmer. Es ist anzunehmen, dass der diesjährige Winter 2013/14 der 7.-wärmste seit mehr als 500 Jahren in Zürich war. Der wärmste Winter in Zürich seit 1500 war demzufolge 1606/07 oder doch 2006/07. Auf den Rekord-Warmwinter folgte ein Jahr später 1607/08 einer der kältesten Winter in der ganzen Messreihe. Solch grosse Schwankungen sind seither nicht mehr aufgetreten. Trotz dieser Variabilität blieben die Wintertemperaturen in Mitteleuropa zwischen 1500 und 1900 im Mittel recht konstant, bevor sie in zwei Phasen zuerst um 1920 und nochmals um 1990 sprunghaft wärmer wurden. So sind die Winter heute insgesamt so warm wie nie zuvor in den letzten mehr als 500 Jahren und rund 2 Grad wärmer als noch vor 115 Jahren.

Spurensuche nach dem wärmsten Winter

Kommt der Winter erst im Februar?

Der diesjährige Winter war bis auf eine kurze, kalte Periode Ende November und Anfang Dezember in den meisten Gebieten Mitteleuropas bisher ein Totalausfall.

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Seit dem meteorologischen Winterbeginn am 1. Dezember schneite es in der Limmatstadt bis Ende Januar nie, sieben Wochen blieb der Winter schneefrei. Eistage mit Dauerfrost tauchten nur ganz lokal auf, im Gegenteil, die Temperaturen steigerten sich nach einem milden Dezember im Januar erneut. So wurden zwischen dem 6. und 9. Januar auf dem Zürichberg frühlingshafte Höchstwerte von 13 Grad gemessen. Da erstaunt es kaum, dass am 13. Januar in Zürich bereits der Blühbeginn des Hasels registriert wurde. Damit begann die Vegetationszeit rund drei Wochen früher als in einem durchschnittlichen Jahr. Obwohl die Temperaturen Ende Januar spürbar zurückgingen und auch die Schneeflocken ihren Weg bis ins Flachland zumindest gebietsweise wiederfanden, trumpft der diesjährige Winter bisher mit einem deutlichen Temperaturüberschuss auf. Der Winter 2013/14 ist verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010 in Zürich zurzeit rund zwei Grad übertemperiert und gehört zum wärmsten Zehntel der Zürcher Wintergeschichte, welche seit 1864 erzählt wird. Als Mass für die Härte eines Winters dient die Kältesumme. Dabei werden alle negativen Tagesmitteltemperaturen einer Wintersaison aufsummiert. In Jahren mit wenig kalten Tagen (unter null Grad) wächst die Kältesumme kaum. So lag sie am Ende des Warmwinters 1974/75 bei -15. In einem richtig kalten Winter steigt sie bis auf -500, wie es im Eiswinter 1962/63 zu beobachten war. Bis Ende Januar 2014 kletterte die Kältesumme auf nur -25 und war somit deutlich unterdurchschnittlich.

Kaltluftpol über Kanada

Der Zürichsee benötigt eine Kältesumme von ca. -300, bevor er überfriert. Doch der Winter spielt in einer anderen Liga. In den Bergen ist der Winter bisher bis zu vier Grad wärmer als in einem durchschnittlichen Jahr und der Januar ist gebietsweise bisher sogar der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Ursache dafür war, dass sich Anfang Dezember über Kanada ein mächtiger Kaltluftpol gebildet hatte. Von dieser Kaltluft wurden zwischenzeitlich auch die US-Staaten im mittleren Osten heimgesucht. In Kanada und Teilen der USA war der Dezember und Januar bisher auch um bis zu sechs Grad zu kalt. Diese kalte Luft floss ständig über Neufundland bis in den Westatlantik aus. Dadurch konnten sich zwischen Neufundland und Grönland immer wieder kräftige Tiefdruckgebiete bilden, die ostwärts ziehen und Europa auf ihrer Ostflanke und mit einer südwestlichen Strömung mit milder Luft versorgen. Gestützt wird diese Wetterlage durch stationäre Hochdruckgebiete mit Zentrum über den Azoren, welche sich bis in den Mittelmeerraum und zeitweise sogar bis in den Alpenraum ausdehnen. Diese Strömungskonstellation, auch positiver Modus der Nordatlantischen Oszillation genannt, ist die Ursache für fast alle deutlich zu milden Winter in Mitteleuropa. Sie hält in diesem Winter seit Mitte Dezember im Wesentlichen mit nur kleinen Modifikationen an. Letztmals waren die Winter 2006/07 und 2007/08 von dieser Strömungskonstellation geprägt. Der Winter 2006/07 war in Mitteleuropa dann zugleich der wärmste seit 150, wahrscheinlich sogar der letzten mindestens 500 Jahre. In Teilen Mitteleuropas nähert sich der diesjährige Winter durchaus dieser Marke und auch in den Alpen ist der Winter ausserordentlich mild. Im Flachland hingegen, wo sich zeitweise hartnäckige Kaltluftseen mit Nebel gebildet haben, sind die Temperaturüberschüsse nicht ganz so gross und die Verhältnisse deshalb nicht auf Rekordkurs. Sehr milde Wintermonate sind sehr häufig mit kräftigen Winterstürmen begleitet. Dieses Jahr blieb der Alpenraum in diesem Winter davon jedoch mehrheitlich verschont. Dies zeigt, dass die Zugbahn der Tiefdruckgebiete, welche milde Luft bis in die tiefen Luftschichten bringen, nördlich der Schweiz verlief und der Alpenraum häufig sogar unter Hochdruckeinfluss lag.

Kalter oder warmer Februar?

Der Winter 2013/14 darf aber noch nicht abgeschrieben werden. Ein potentieller Hochwintermonat steht mit dem Februar noch vor der Tür. Die Tatsache, dass der bisherige Winterverlauf jenem vor einem und auch jenem vor zwei Jahren sehr ähnlich ist, lässt doch aufhorchen. Denn im Nachhinein würde niemand die beiden letzten Winter als Totalausfälle oder Mildwinter bezeichnen, oder? So erlebte die Schweiz im Februar 2012 die härteste Kältewelle seit 25 Jahren und auch der letztjährige Februar war ungewöhnlich kalt. Wird es auch dieses Jahr kalt im Februar? Auszuschliessen ist dies natürlich nicht, doch die Vorzeichen deuten in eine andere Richtung: Die bereits erwähnte Strömungskonstellation ist sehr stabil. Der Kaltluftpol befindet sich weiterhin über Kanada und hat in den letzten Monaten die Verteilung der Oberflächenwasser-Temperaturen im Atlantik und somit die Luftdruckverteilung über dem Eurasischen Raum massgeblich beeinflusst. Durch die Anomalien im Oberflächenwasser im Atlantik erneuern sich die milden Südwest-Wetterlagen über Europa immer und immer wieder. Das dürfte sich wohl auch im Februar nicht ändern. Bemüht man aber die Statistik, so stellt man fest, dass in den Jahren, in denen der Dezember mild und der Januar sehr mild waren, in vier von fünf Fällen ein überdurchschnittlich milder Februar und März folgt. Nur in einem Fall war der Februar oder der März deutlich zu kalt. Gut möglich also, dass auch Ende Februar rückblickend noch über einen Mildwinter geschrieben wird. Ein Winter ohne Kaltlufteinbruch mit Schnee bis in tiefe Lagen ist jedoch sehr selten. Selbst im Rekordwinter 2006/2007 gab es Ende Januar zumindest eine kalte Woche, in der es auch im Flachland Schnee gab.

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Kommt der Winter erst im Februar?