Wo sich der Sommer 2014 einreiht

Der Sommer war unterdurchschnittlich aber nicht extrem. Ein Blick in die Statistik der verschiedenen Sommerparameter gibt Aufschluss. 

Der meteorologische Sommer dauert vom 1. Juni bis zum 31. August. Dieses Jahr  verlief er für viele nicht wunschgemäss und entsprach überhaupt nicht den mediterranen Vorstellungen von lauen Sommernächten beim Grillieren mit Freunden, morgendlichen Schwimmaktionen, um mit kühlem Kopf in den heissen Tag zu starten oder von einer Gelati-Pause an einem schwülen Nachmittag. Dass dieser Sommer aussergewöhnlich und über weite Strecken unsommerlich war, zeigt auch ein Blick in die diesjährige Statistik. Ein Vergleich mit seinen Vorgängern seit Anfang des letzten Jahrhunderts dürfte die subjektive Wahrnehmung des vergangenen Sommers aber stark relativieren.

sommer2014
Während der Sommer 2014 in Zürich temperaturmässig nicht abfällt, gehört er bezüglich Sommertage, Niederschlagsmenge und Sonnenscheindauer zu den schlechtesten 25 Prozent. Der Sommer 2013 hingegen positionierte sich in Zürich in allen Kategorien unter den Besten.

Nicht kühl – kaum Sommertage

„Der Sommer 2014 war im Schweizer Mittel, wie auch in der Region Zürich leicht zu warm.“ Diese Aussage dürfte viele irritieren, trotzdem würde sie so im offiziellen Saison-Bulletin von MeteoSchweiz stehen, hätte das Bundesamt nicht vor rund anderthalb Jahren eine neue Referenzperiode eingeführt. Bis dahin galt die Periode zwischen 1961-1990 als Referenz, seit Januar 2012 wird die Witterung mit der aktuelleren Periode 1981-2010 verglichen, so dass der Veränderung des Schweizer Klimas Rechnung getragen werden kann. Verglichen mit den Jahren 1961-1990 war der diesjährige Sommer in Zürich mit gemittelt 17,2 Grad mehr als ein halbes Grad übertemperiert. Letztmals war der Sommer 1987 kühler als die Referenzperiode 1961-1990. Deshalb entspricht der Vergleich mit der aktuelleren Referenzperiode 1981-2010 mehr den Vorstellungen der Betroffenen. So war der Sommer 2014 rund ein halbes Grad unterkühlt. Etwa gleich warm war es letztmals erst 2007. Kühler war der Sommer aber letztmals vor 15 Jahren im Jahr 1999. Temperaturmässig fällt der Sommer 2014 also nicht aus dem Rahmen. Wieso aber sind dann dieses Jahr kaum Sommergefühle aufgekommen? Dies dürfte vor allem an der deutlich unterdurchschnittlichen Anzahl an Sommertagen liegen. Meteorologen sprechen von einem Sommertag, wenn das Quecksilber einmal am Tag über 25 Grad steigt. Wird sogar die 30-Grad-Marke geknackt, wird von einem Hitzetag gesprochen. Diesen Sommer gab es in Zürich 23 Sommertage. Letztes und vorletztes Jahr waren es 42 resp. 40. Im Jahrhundertsommer 2003 waren es sagenhafte 73 Sommertage. Gleich wenige Sommertage wie in diesem Jahr gab es in Zürich letztmals 1988 und 1989. Deutlich weniger Sommertage gab es letztmals 1980, als nur gerade 18 solcher Tage gezählt wurden. Anders sieht das Bild bei den Hitzetagen aus. Der diesjährige Sommer zählt sechs Hitzetage und liegt damit voll im Durchschnitt der letzten 30 Jahre. Zwischen 2007 und 2009 bspw. brachten alle Sommer weniger Hitzetage als in diesem Jahr.

Nass und sonnenarm

Unsommerlich waren nicht nur die spärliche Anzahl an Sommertagen, sondern auch die grossen Niederschlagsmengen. In Zürich brachten die vergangenen Monate rund 460 mm Regen. Das sind über 20 Prozent mehr als im langjährigen Durchschnitt der letzten 30 Jahre. Jedoch sind nasse Sommer keine Seltenheit. Erst 2012 oder 2007 war der Sommer in Zürich noch nässer als heuer. Der unbeständige Wettercharakter zeigt sich vor allem an der grossen Anzahl Regentage. So gab es diesen Sommer an 44 Tagen mindestens 1 mm Niederschlag. Letztes Jahr waren es lediglich 25 Regentage. Erst 2007 gab es aber mit 46 Regentagen noch mehr nasse Tage. Wenn es regnet, scheint die Sonne nicht. Und so war es auch in diesem Sommer. Mit rund 580 Stunden Sonnenschein brachte der Sommer 2014 nur 90-95 Prozent der üblichen Sonnenscheindauer. Sehr sonnig war es im letzten Sommer mit 740 Sonnenstunden. Im Sommer 2010 gab es hingegen mit rund 510 Stunden noch weniger Sonne als heuer.

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In einer Kategorie hat jedoch der Sommer 2014 die Nase vorn und gehört zu den “besten” Sommer überhaupt. So wurden in diesem Sommer in Zürich kaum Heizgradtage registriert. Es war also häufig kühl aber nie richtig kühl in diesem Sommer. Zumindest in Zürich blieben die Heizungen ausgeschaltet. Auch in Bezug auf die Anzahl Hitzetage schlägt sich der Sommer 2014 nicht schlecht.

Tiefdruck Schweiz

Das Sommerwetter war 2014 sehr häufig tiefdruckbestimmt. Nicht selten lag das Tiefdruckgebiet genau über der Schweiz. Hochdruckphasen blieben gänzlich aus, so dass auch mehrere aneinander folgende Tage mit sonnigem Wetter fehlten. Dementsprechend schwer fiel auch die Planung für die verschiedensten Sommer-Events und Gartenpartys aus. Das einzige Beständige war das Unbeständige in diesem Sommer. Vor allem im Juni gab es aber auch viele heitere Tage, so dass der Sommer insgesamt auf 26 schöne Tage kam, an denen sich die Sonne sehr gut in Szene setzen konnte. 2011 waren es letztmals weniger, als nur 20 heitere Tage erfasst wurden. Aber es gab auch die trüben Tage, an denen sich die Sonne kaum oder gar nicht zeigte. Im Sommer 2014 waren es 23 Tage in Grau. Noch trister war es im Sommer 2010 mit 41 trüben Tagen.

Höhepunkt im Juni selten, trüber Hochsommer

Die Statistik zeigt, dass der Sommer 2014 zwar in vielen Bereichen unterdurchschnittlich war, jedoch die meisten Parameter in der Spannbreite der letzten Jahre liegen und somit nicht sonderlich aussergewöhnlich sind. Als wirklich ungewöhnlich lässt sich die sehr geringe Anzahl an Sommertagen und das vollständige Ausbleiben einer Hochdruckphase einordnen. Zudem erlebte Zürich vor einem Jahr einer der schönsten Sommer seit Messbeginn, so dass fast jeder Sommer dagegen alt ausgesehen hätte. Der absolute Höhepunkt des diesjährigen Sommers war die mehrtägige Hitzewelle im Juni um Pfingsten. Der Juni war gleichzeitig der wärmste, sonnigste und trockenste Sommermonat. Dass der Juni temperaturmässig bereits den Höhepunkt des Sommers markiert, kommt ca. alle zehn Jahre vor. Letztmals war dies 2002 der Fall – und somit statistisch überfällig. Vielleicht ist das ein kleiner Trost.

 

Wo sich der Sommer 2014 einreiht

Heisse Tage oder durchzogener Hochsommer?

Am 27. Juni blickten besonders viele in den Himmel und beobachteten das Wetter ganz genau – denn am Siebenschläfertag entscheidet sich das Sommerwetter. Eine alte Bauernregel besagt: „Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag.“ Der 27. Juni ist ein sogenannter meteorologischer Lostag. Was bedeutet das für dieses Jahr?
Die Schweiz erlebte einen herrlichen Siebenschläfertag mit viel Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen von bis zu 25 Grad. Ein gutes Zeichen für den Sommer 2014? Nach der erwähnten legendären Bauernregel ist nämlich der Siebenschläfertag wegweisend für die nächsten sieben Wochen.

Was steckt dahinter?
Meteorologen nehmen diese Bauernregel durchaus ernst, wobei sie nicht das Wetter an einem einzigen Tag als Entscheidungskriterium heranziehen, sondern im Wesentlichen den Wetterverlauf Ende Juni bis Anfang Juli. Diese Periode sagt mit einer Trefferquote von bis zu 70 Prozent etwas über den Verlauf des Hochsommers aus. Den Grund dafür findet man im Jetstream, einem Windband in grosser Höhe von rund 10 Kilometern und mit hohen Windgeschwindigkeiten, welches zwischen den Druckgebilden wie Azorenhoch und Islandtief liegt und das Wetter in Europa massgeblich bestimmt. In der besagten Zeit, Ende Juli, stabilisiert sich der Jetstream häufig und verharrt dann bis Ende August in ähnlicher Ausprägung und Lage. Ein stationärer Jetstream ruft somit immer wieder dieselbe Witterung an einem Ort hervor. Wo es von Ende Juni bis Anfang Juli wechselhaft und kühl war, dürfte es auch im restlichen Sommer so bleiben und wo es sonnig und warm war, bleibt es sonnig und warm.

Wie wird der Hochsommer 2014?
Wie sieht es nun in diesem Jahr aus? Nach einem sommerlich warmen und sehr sonnigen Juni stellte sich die Wetterlage Ende Juni um. Die Strömung kippte sowohl am Boden als auch in höheren Luftschichten (Jetstream) auf Südwest bis West. Vom Atlantik her zogen wiederholt Tiefdruckausläufer bis nach Mitteleuropa und sorgten mit feuchter und wolkenreicher Luft für einen wechselhaften Wettercharakter mit ergiebigem Regen und kühlen Temperaturen. Bereits vom 3.-7. Juli wurde es dann aber wieder heiss. Der unbeständige Wettercharakter hielt jedoch weiter an, was deutlich zeigt, dass der Jetstream über Europa stark mäandriert und somit rasche Wetterwechsel hervorruft. Für den Hochsommer 2014 sind das keine optimalen Vorzeichen. Vorschnell den bevorstehenden Hochsommer 2014 nun aber als unbeständig abzustempeln wäre jedoch vermessen. Es ist gut möglich, dass sich der Jetstream dieses Jahr einfach etwas länger Zeit nimmt, um seine Position zu finden und in den Sommermodus zu wechseln. Das derzeitige starke Mäandrieren des Jetstreams erinnert nämlich eher an Übergangsjahreszeiten als an eine ruhige, sommerliche Atmosphäre.

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Welches ist der heisseste Tag in Zürich? Der heisseste Tag des Jahres wird sehr häufig zwischen dem 10. Juli und dem 7. August beobachtet. Nicht selten werden in Zürich aber auch erst am 21. August die höchsten Temperaturen des Jahres beobachtet.

Mitte August am heissesten
Unabhängig von der Siebenschläfer-Witterungsregel werden die nächsten heissen Tage auch in diesem Hochsommer kommen. Doch wann im Jahr kann mit den heissesten Temperaturen gerechnet werden? Ein Blick ins Klimaarchiv von Zürich zeigt, dass dies von Jahr zu Jahr stark variieren kann. Etwa alle fünf Jahre bringt bereits ein Junitag die heissesten Temperaturen des ganzen Jahres. Sehr selten werden bereits im Mai die höchsten Temperaturen des Sommers gemessen. In Zürich war dies sogar einmal an einem 13. Mai der Fall. Deutlich häufiger werden die heissesten Tage des Jahres jedoch nach dem 10. Juli und vor allem zwischen Ende Juli und Anfang August gemessen. Nicht selten müssen die Zürcher sogar bis in die zweite Augusthälfte warten. Ein besonders häufiges Datum für den heissesten Tag des Jahres war in den Jahren 1901 bis 2013 der 21. August. Ebenfalls fünfmal war der 7. August in Zürich seit 1901 jener Tag, welcher die höchsten Temperaturen hervorbrachte. Dieses Jahr wurden am 9. Juni auf dem Zürichberg über die Pfingsttage bereits 33,7 Grad gemessen. Gut möglich, dass dieser Wert nach dem 10. Juli oder im August noch überboten wird und Zürich so richtig ins Schwitzen kommt.

Heisse Tage oder durchzogener Hochsommer?