Der Frühling kommt zwei Wochen früher

Der Frühling kommt in Folge des Klimawandels immer früher und mit ihm seine Boten in Flora und Fauna.

Der erste meteorologische Frühlingsmonat, der März, ist bereits weit fortgeschritten. Bisher war der März deutlich zu mild. Ursache für die milde Witterung war hauptsächlich eine dominierende Westwetterlage, bei welcher Tiefdruckgebiete in schneller Abfolge vom Atlantik kommend über Skandinavien zogen. Mitteleuropa wurde dabei aus Südwesten mit milder Subtropenluft bedient. Wintereinbrüche, wie sie sonst im März vorkommen können, blieben daher aus. Mitte März stellte sich eine über mehrere Tage anhaltende Hochdrucklage ein, welche für viel Sonnenschein und sehr milde Temperaturen sorgte. Das Wochenmittel (Durchschnitt aller Temperaturmessungen während sieben Tagen, Tag und Nacht) stieg daher das erste Mal in diesem Jahr über 8 Grad.

 

Start der Feldarbeit

Im Durchschnitt der Jahre seit 1991 lag das Wochenmittel Mitte März bei 6,3 Grad. Der Frühling 2017 ist verglichen damit bisher 2 Grad wärmer. Im Durchschnitt der Jahre 1961-1990 erreichte das Wochenmittel Mitte März erst 4.2 Grad. Bei diesem Vergleich ist der diesjährige Frühlingsbeginn sogar 4 Grad übertemperiert. So erstaunt es kaum, dass um den 20. März die Grünlandtemperatursumme bereits die magische Grenze von 200 erreichte – so dass der nachhaltige Vegetationsbeginn eingeläutet wurde. Die Grünlandtemperatursumme ist eine Spezialform der Wachstumsgradtage, die in der Agrometeorologie verwendet wird. Sie wird herangezogen, um in Mitteleuropa den Termin für das Einsetzen der Feldarbeit nach dem Winter zu bestimmen.

 

Frühling in drei Akten

Das Erreichen der Grünlandtemperatursumme von 200 gilt als Übergang vom Vorfrühling zum Erstfrühling (auch Mittfrühling). Die erste Phase des Frühlings, der Vorfrühling, startet bereits im Januar – häufiger im Februar oder Anfang März – mit der Blüte der Hasel, Erle und Schneeglöckchen. Als zweite Frühlingsphase folgt der Erstfrühling, gekennzeichnet durch die Blüte der Forsythie (ab einer Grünlandtemperatursumme von 200), der Blattentfaltung von Johannisbeere und später mit der Blüte von Kirsche und Birne. Die Wiesen ergrünen und die Birke setzt ihre Pollen frei, bevor sie, wie auch die Rosskastanie, austreibt. Der Blühbeginn der Birke ist heuer in Zürich auf den 24. März prognostiziert – aufgrund der milden Witterung rund 11 Tage früher als üblicherweise. Die Bauern beginnen mit dem Setzen von Kartoffeln und der Aussaat der Zuckerrüben. Die letzte Phase des Frühlings wird Vollfrühling genannt und präsentiert die Blüte des Flieders und später der Himbeere. Der Vollfrühling startet meist Ende Februar im Südwesten von Portugal und erreicht etwa 90 Tage später(Ende Mai) das etwa 3’600 km entfernte Finnland. Er zieht in Europa also mit etwa 40 km pro Tag nordwärts.

 

Frühlingsboten

Wie in der Flora gibt es auch in der Fauna typische Frühlingsboten. Sobald im März die Sonne die Luft genügend erwärmt, trauen sich erste Insekten heraus. So ist der Marienkäfer ein typischer Bote des Frühlings. Sobald die Märznächte nicht mehr frostig sind und die Bodentemperatur über 5 Grad steigt, beginnt der Wanderzug der Kröten, Frösche und Molche zu einem nahe gelegenen stehenden Gewässer, um zu laichen. Vor allem regnerisches Wetter beschleunigt das Wanderverhalten. Bei Bodenfrost wird die Wanderung unterbrochen und die Tiere graben sich wieder ein. Zum Schutz der Tiere sind an gut frequentierten Strassen deshalb jetzt wieder Krötenzäune aufgestellt. Zugvögel sind weitere Frühlingsboten. Dabei richten sich die verschiedenen Arten nach einem klaren Zeitplan. Star und Bachstelze künden den Vorfrühling an, Mauersegler und Nachtigall kehren häufig in der zweiten Aprilhälfte – also im Vollfrühling zurück.

„Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“. Das Sprichwort deutet an, dass auch innerhalb einer Art nicht alle Individuen gleichzeitig heimkehren, wie die Vogelwarte Sempach berichtet. Die ersten Rauchschwalben werden häufig bereits um den 20. März gesichtet, der Hauptharst in der ersten Aprilhälfte und die letzten erst Ende Mai. Bei vielen Arten treffen die Männchen mehrere Tage vor den Weibchen ein, um einen guten Brutplatz zu ergattern.

Frühlingsindex als Mass für die Vegetationsentwicklung; dunkelgrüne Jahre mit späterer, hellgrüne Jahre mit früherer Vegetationsentwicklung; gelb das 5-jährige gewichtete Mittel.
(Grafik: MeteoSchweiz)

Frühlingsindex

Die MeteoSchweiz „vermisst“ mit Hilfe von zahlreichen freiwilligen Beobachtern den Frühling jährlich höchst wissenschaftlich im Rahmen des Frühlingsindex. Dieser zeigt den Zeitpunkt der Vegetationsentwicklung im Frühling im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt. Der jährlich ermittelte Index fasst die phänologischen Frühlingsphasen zusammen. Da die Temperatur für die Entwicklung der Pflanzen ein zentraler Faktor ist, eignet sich der Frühlingsindex als Mass für die Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation. Der Frühlingsindex wird anhand von zehn verschiedenen phänologischen Frühlingserscheinungen ermittelt und jeweils Ende Mai berechnet. Darin fliessen die Beobachtungen ein, die im betreffenden Jahr an rund 80 Stationen in der Schweiz erfasst werden. Der Index zeigt so beispielsweise, dass sich die Vegetation im Jahr 2016 im Frühling früher als im Mittel entwickelte. Im Januar und Februar betrug der Vorsprung der Vegetation drei bis vier Wochen. Kälteeinbrüche verkleinerten den Vorsprung im März und April auf etwa eine Woche und im Mai lag die Vegetationsentwicklung ungefähr im Durchschnitt, wie MeteoSchweiz schreibt.

Das Datum, an dem das Wochenmittel der Temperatur in Zürich über 12 Grad klettert hat sich seit 1991 deutlich nach vorne verschoben. Zuvor war dies rund 90 Jahre lang um den 12. Mai der Fall, heutzutage bereits am 26. April.

Früher Frühling

Ein früher Frühlingsbeginn wie im vergangenen und heuer wieder im aktuellen Jahr sind in den letzten Jahren immer häufiger aufgetreten. Es ist eine direkte Folge des globalen Temperaturanstiegs, welcher auch die Frühlingstemperaturen in der Schweiz deutlich nach oben hievt. Ein Blick auf die Frühlingstemperaturen in Zürich seit 1901 zeigt, dass der Frühling heutzutage immer früher kommt. In der 30-jährigen Periode 1901-1930 überstieg das Wochenmittel erstmals Mitte Mai die 12-Grad-Grenze. Im Zeitraum 1931-1960 war dies im Durchschnitt vier Tage früher, am 10. Mai der Fall. Zwischen 1961-1990 dann jedoch wieder am 13. Mai. Die historischen Wetterdaten zeigen, dass während rund 90 Jahren die 12-Grad-Grenze im Frühling recht konstant jeweils zwischen dem 10.-14. Mai überschritten wurde. In den 26 Jahren seit 1991 zeigt sich ein ganz anderes Bild. Das Wochenmittel überschreitet seither bereits am 26. April die 12-Grad-Grenze – mehr als zwei Wochen früher als noch in der Periode zwischen 1961-1990!

Der Frühling kommt zwei Wochen früher

Des Bauers Frust mit dem Frühlingsfrost

Der Frühling startete mild und sonnig. Die Vegetation entwickelte sich rasch. Die Nachtfröste zu Ostern kamen daher ungelegen. Doch wann ist es Zeit für den letzten Frost?

 

Bald ist es Frühlingshalbzeit. Der meteorologische Frühling startet am 1. März und dauert bis zum 31. Mai. Der erste Frühlingsmonat war heuer in Zürich mit durchschnittlich 6,4 Grad auf dem Zürichberg rund ein Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010 und rund ein Grad kälter als im Vorjahr. Vor zwei Jahren war der März mit gemittelt lediglich 2,5 Grad jedoch deutlich kälter als im aktuellen Jahr. Die Jahr-zu-Jahr-Schwankungen sind wie in anderen Monaten auch relativ gross, trotzdem zeigt sich auch im Monat März eine eindeutige Erwärmungstendenz. Der letzte richtig kalte März mit einer Mitteltemperatur von nur gerade 1 Grad stammt aus dem Jahr 1987. Davor gab es mindestens alle zehn Jahre einen winterlichen März. Sehr kalt war der März mit nur wenig über null Grad auch im 1971. Der kälteste März stammt übrigens aus dem Jahr 1865 mit -1,2 Grad. Der diesjährige März war nicht nur übertemperiert sondern brachte auf dem Zürichberg mit 174 Sonnenstunden auch rund 40 Prozent mehr Besonnung als im langjährigen Mittel, wie aus Daten von MeteoSchweiz hervorgeht. Mit etwas mehr als 82 mm Niederschlag war der dritte Monat des Jahres in Zürich geringfügig zu nass. Zusammen mit dem nassen Osterwetter konnte das Niederschlagsdefizit aus dem Februar vorerst ausgeglichen werden.

 

Kalt-nasse Ostern

Das Osterwochenende vom 3. bis 6. April 2015 brachte anfangs windiges, dann trüb-nasses und am Ende kühl-sonniges Wetter. Mit einer Durchschnittstemperatur von rund 3,5 Grad waren Ostern 2015 auf dem Zürichberg relativ kühl im langjährigen Vergleich. Letztmals kälter waren Ostern vor zwei Jahren mit nur 1,1 Grad. Der Morgen des diesjährigen Ostermontags war mit -2,6 Grad in Zürich-Witikon der kälteste Ostermorgen seit 2008. An zwei der vier Ostertage fiel Niederschlag. Die Summe erreichte auf dem Zürichberg knapp 20 mm, es waren somit die nassesten Ostern seit 2008. Nach drei eher trüben Osterwochenenden in den Vorjahren, wurde Zürich mit rund 15 Sonnenstunden heuer nicht gerade mit Sonne verwöhnt. Es reichte aber für die sonnigsten Ostern seit 2011.

 

Kalter Aprilstart

Nicht nur Ostern sondern der Aprilstart insgesamt fiel 2015 deutlich unterkühlt aus. Die ersten sieben Apriltage waren auf dem Zürichberg im Durchschnitt knapp 4 Grad kühl und brachten in vier Nächten Nachtfrost. Ein kalter Aprilstart ist in der Klimatologie der Schweiz keine Seltenheit. Erst letztmals vor zwei Jahren waren die ersten sieben Apriltage mit gemittelt 2,6 Grad noch ein Stück kälter als in diesem Jahr. Allerdings gab es 2013 nur drei frostige Nächte in der ersten Aprilwoche. Letztmals mehr Frosttage zum Aprilstart gab es 1970, als fünf der ersten sieben Apriltage negative Nachttemperaturen brachten. Grosse Ähnlichkeit mit dem diesjährigen Verlauf zeigt sich auch im Frühling 2003. Nach einem kalten Februar und einem milden März startete der April mit einem späten Winterrückfall und vier frostigen Nächten in den ersten Tagen. 2003 raffte sich der April in der Folge auf und fuhr bis zum Monatsende noch ein Wärmeüberschuss ein. Es folgten ein frühsommerlicher Mai und der geschichtsträchtige Hitzesommer 2003.

 

Im langjährigen Durchschnitt tritt der letzte Nachtfrost der Saison in Zürich am 12. April auf. In den letzten 17 Jahren brachten jedoch nur die Jahre 2001 und 2013 den letzten Frost zu einem späteren Zeitpunkt.
Im langjährigen Durchschnitt tritt der letzte Nachtfrost der Saison in Zürich am 12. April auf. In den letzten 17 Jahren brachten jedoch nur die Jahre 2001 und 2013 den letzten Frost zu einem späteren Zeitpunkt.

 

Frost im Frühling

Temperaturen unter dem Gefrierpunkt können in der Land- und Forstwirtschaft während der Vegetationsperiode Frostschäden nach sich ziehen. Insbesondere bei weit fortgeschrittener Vegetationsentwicklung bergen scharfe Nachtfröste eine Gefahr für Pflanzen und Kulturen. Wird die  Grünland-Temperatursumme von 200 überschritten, setzt der nachhaltige Vegetationsbeginn ein. Dies ist je nach Witterung zwischen Mitte März und Mitte April der Fall. Heuer wurde dieser Frühlingsstartschuss Ende März abgefeuert, also unmittelbar vor den Nachtfrösten an Ostern. Empfindliche Kulturen mussten deshalb mit Vlies abgedeckt, gefährdete Topfpflanzen ins Warme gebracht werden. Ein Blick in die Wetterannalen von Zürich seit 1901 zeigt, dass der mittlere Termin des letzten Frostes in Zürich der 12. April ist. In den letzten 17 Jahren brachten nur die Jahre 2001 mit dem 23. April und 2013 mit dem 20. April den letzten Frost zu einem späteren Zeitpunkt. Vor dem Hintergrund, dass in der zweiten Aprilhälfte oder im Mai heuer keine Nachfröste mehr folgen, war der letzte Nachfrost vom 8. April 2015 also mehr oder weniger im langjährigen Durchschnitt. In mehr als 85 Prozent der Jahre tritt der letzte Frost in der Periode zwischen dem 21. März und dem 30. April auf. Frühere und spätere Termine sind eine Seltenheit. Fröste im Mai, im Volksmunde auch als Eisheilige bekannt, sind heutzutage kaum noch zu erwarten. Der letzte Mai-Frost in Zürich stammt aus dem Jahr 1979. Zwischen 1901 und 1979 war dies aber in jedem siebten Jahr der Fall. Der späteste Termin des letzten Frosts in Zürich seit 1901 stammt vom 12. Mai 1910. Landwirte und Hobbygärtner profitierten in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits von der globalen Erwärmung. Der Termin des letzten Frostes hat sich seit 1981 gegenüber den Jahrzehnten davor um rund 10 Tage nach vorne verlegt. Dieser Trend dürfte wohl auch in Zukunft anhalten und für weniger frostige Überraschungen im Frühling sorgen.

Des Bauers Frust mit dem Frühlingsfrost

Startschuss für den phänologischen Frühlingsanfang

Der Frühling bringt häufig den letzten Schnee im Flachland. Das Hauptinteresse liegt aber beim Aufblühen der Vegetation: gehört der Frühling 2015 zu den Frühaufstehern?

 

Kein Märzwinter

Mit dem Februar wird Winter assoziiert, mit dem März aber bereits Frühling. Auch wenn der meteorologische Winter mit dem Februar zu Ende geht, sind winterliche Verhältnisse vor allem in der ersten Märzhälfte selbst im Flachland fester Bestandteil des Schweizer Klimas, wie MeteoSchweiz schildert. Unter dem Witterungsregelfall „Märzwinter“ wird eine Häufung von Neuschneetagen mit entsprechend kalter Witterung um den 6. März herum beschrieben. Während die Häufigkeit von Neuschneefällen Ende Februar erstmals abnimmt, ist Anfang März selbst in den letzten Jahrzehnten nochmals mit einer Zunahme von Neuschneefällen zu rechnen. In jedem zweiten bis dritten Jahr gibt es nochmals eine winterliche Episode mit Schnee und Kälte auf dem Zürichberg. Allgemein nimmt die Häufigkeit von Neuschneefällen nach dem Märzwinter dann aber rasch ab. Das heisst aber nicht, dass nach diesem Datum kein Schnee mehr fallen kann. Sogar der launische April bringt selten noch wenig Schnee. In Zürich liegt der mittlere Termin des letzten Schnees in der Periode seit 1931 sogar am 6. April. In 30% der Jahre fiel der letzte Schnee sogar um den 15. April.  Allerdings verschwindet dieser in der starken Frühlingssonne dann jeweils rasch. In diesem Jahr blieb Zürich vom Märzwinter verschont. Der Frühlingsdurchbruch mit viel Sonne und sehr milden Temperaturen liess nicht lange auf sich warten. Ein Winterrückfall wird von Tag zu Tag unwahrscheinlicher.

 

Starker Pollenflug

Die Entwicklung der Vegetation ist im Frühling massgeblich von der Witterung – insbesondere von der Lufttemperatur abhängig. So erstaunt es nicht, dass die Hasel und Erle in Zürich bereits an den sehr milden Tagen um den 13. Januar aufblühten und somit die Vegetationsperiode 2015 sowie die heurige Pollensaison eröffneten. Wie aus Pollenmessungen von MeteoSchweiz hervorgeht, ging der Pollenflug mit der winterlich kalten Witterung Ende Januar und im Februar nochmals deutlich zurück. Erst mit dem Temperaturanstieg Ende Februar und vor allem Anfang März setzten die Sträucher und Bäume wieder deutlich mehr Pollen frei. Während das erste Aufblühen Mitte Januar in Zürich rund zwei bis drei Wochen früher als im langjährigen Durchschnitt beobachtet werden konnte, so ist der starke Pollenflug Anfang März als durchaus normal einzuschätzen. Nachdem nun der Startschuss für die Vegetationsentwicklung gefallen ist, folgt gegen Mitte März häufig die Blüte der Esche und Anfang April der Birke und Hagebuche. Diese Arten können bei überdurchschnittlich milder Witterung aber durchaus bereits in der zweiten Märzhälfte aufblühen. Buche und Eiche folgen dann planmässig im letzten Aprildrittel auf dem Zürichberg, bevor im Mai dann die Gräser ihre sehr allergenen Pollen freisetzen. Während die meisten Sträucher und Bäume zuerst aufblühen und anschliessend oder fast gleichzeitig ihre Blätter entfalten, so machen es die Edelkastanien genau umgekehrt. Ihre Blattentfalltung ist meistens im März oder April, bei sehr milder Witterung auch deutlich früher. Ihre prächtigen, weissen bis roten Blüten präsentieren sie aber erst im Frühsommer, meistens im Juni.

Gemessen an der Grünlandtemperatursumme war der Frühling 2015 ein Frühaufsteher. Der Vorsprung wurde durch den kalten Februar aber wieder zunichtegemacht. Aktuell ist der Frühling 2015 in Zürich (dicke grüne Linie) verglichen mit dem langjährigen Mittel 1901-2014 (grüne Fläche zeigt die Streuung: Interquartilsabstand) sogar leicht in Verzug.
Gemessen an der Grünlandtemperatursumme war der Frühling 2015 ein Frühaufsteher. Der Vorsprung wurde durch den kalten Februar aber wieder zunichtegemacht. Aktuell ist der Frühling 2015 in Zürich (dicke grüne Linie) verglichen mit dem langjährigen Mittel 1901-2014 (grüne Fläche zeigt die Streuung: Interquartilsabstand) sogar leicht im Verzug.

Starkes Symbol

Für Allergiker ist das Aufblühen der Pflanzen gleichbedeutend mit dem Aufleuchten der Alarmglocken ihres Immunsystems. Die Schönheit des Frühlings können sie vor allem bei nicht-allergenen Pflanzen geniessen. Das grösste Schauspiel präsentieren indes auch jene Bäume, welche kaum Allergien auslösen. So ist die Blüte der Obstbäume das eigentliche Symbolbild des Schweizer Frühlings. Als Erster blüht Ende März und im April der Kirschbaum, gefolgt von Birnen- und Apfelbäumen, welche häufig Mitte April und im Mai blühen. Das frühlingshafte Schauspiel entzückt nicht nur die Gemüter, sondern ist auch ein sehr guter Indikator für die Auswirkungen des globalen Temperaturanstiegs. Als Folge der Temperaturzunahme in der Schweiz entwickelt sich die Vegetation im Frühling und Sommer heutzutage deutlich früher als vor einigen Jahrzehnten. Auch die Pollensaison beginnt tendenziell immer früher. Um fassbare Aussagen zu treffen sind deshalb langjährige Beobachtungsreihen äusserst wertvoll. Zwei solche Messreihen werden von der MeteoSchweiz gepflegt. Seit 1808 wird der Zeitpunkt des Blattausbruchs der Rosskastanie in Genf registriert, seit 1894 die Kirschblüte in Liestal. Obwohl der Blattausbruch der Rosskastanie von Genf von Jahr zu Jahr sehr stark variiert, ist seit 1900 ein deutlicher Trend zu früheren Eintrittsterminen ersichtlich. Eine Rolle spielt dabei die globale Erwärmung. Jedoch sind auch andere Veränderungen im Zeitverlauf, vor allem die städtische Entwicklung nicht zu vernachlässigen. Im Jahr 1816 öffneten sich die ersten Knospen erst am 23. April, am frühesten wurde dieses Ereignis im 2002 am 29. Dezember beobachtet. Beim wilden Kirschbaum am Waldrand bei Liestal ist ab 1990 ein Trend zu früheren Eintrittsterminen festzustellen. Die Variationsbreite dieser phänologischen Beobachtung ist deutlich kleiner als beim Blattausbruch der Rosskastanie in Genf.

Werden im Frühling 2015 nach dem sehr frühen Aufblühen der Hasel und der Erle auch die anstehenden phänologischen Phasen frühzeitig einsetzen? Die Grünlandtemperatursumme ist ein guter Indikator für den Fortschritt des Frühlings. Dabei werden ab Jahresbeginn alle positiven Tagesmittel aufsummiert. Im Januar wird mit dem Faktor 0,5 multipliziert, im Februar mit dem Faktor 0,75, und ab März geht dann der „volle“ Tageswert in die Summe ein. Wird im Frühjahr die Summe von 200 überschritten, ist der nachhaltige Vegetationsbeginn erreicht. Hintergrund ist die Stickstoffaufnahme und -verarbeitung des Bodens, welcher von dieser Temperatursumme abhängig ist. Mitte März 2015 lag die Grünlandtemperatursumme auf dem Zürichberg bei rund 110. Im Vergleich zum langjährigen Mittel befindet sich der Frühling zurzeit sogar leicht im Rückstand. In sehr milden Frühlingen stand Zürich zu dieser Zeit schon kurz vor dem Frühlingsdurchbruch in der Vegetation. In diesem Jahr scheint ein durchschnittlicher Zeitpunkt wahrscheinlich – dies dürfte dann Ende März der Fall sein.

Startschuss für den phänologischen Frühlingsanfang

Frühe Heuschnupfenzeit im Erstfrühling

Nach den deutlich zu warmen Monaten Januar und Februar, welche auf dem Zürichberg jeweils rund drei Grad wärmer waren als der langjährige Durchschnitt 1981-2010, verlief die erste Märzhälfte mit einer Abweichung von mehr als zwei Grad bisher ebenfalls deutlich zu mild.

GTS_200

Letztmals startete der Frühling in Zürich vor 7 Jahren noch schneller durch als heuer.

Mit der immer stärker werdenden Sonnenscheinstrahlung erreichten die Temperaturen Mitte März für die Jahreszeit hohe Werte. Auf der Alpennordseite wurden frühlingshafte 20 Grad erreicht. Zu erwähnen ist  auch die Höhe der Nullgradgrenze. Diese lag in der ersten Märzhälfte auf sommerlichem Niveau. Beispielsweise am 9. März kletterte sie auf 3200 Meter Höhe, was einem gewöhnlichen Wert in der zweiten Junihälfte entspricht. Dies ist für die Jahreszeit doch bemerkenswert, wenn auch nicht aussergewöhnlich, da die Nullgradgrenze grossen Schwankungen unterliegt. Schweizweit mit Abstand die höchsten Temperaturen wurden bisher auf der Alpensüdseite verzeichnet, wo die Sommermarke von 25 Grad gleich an mehreren Stationen und Tagen überschritten wurde. Im Südtessin zeigte das Thermometer bereits einen Höchstwert von 26,4 Grad, sogar ohne Nordföhneinfluss. Dies bedeutet Egalisierung der Plätze 2 und 3 der höchsten, je im März registrierten Temperaturen, wie MeteoSchweiz mitteilte. Meteorologisch herrschte bereits Sommer, noch bevor es kalendarisch am 20. März Frühling wurde. Die seit Jahresbeginn anhaltend übertemperierten Verhältnisse haben natürlich spürbare Auswirkungen auf die Vegetationsentwicklung in der Schweiz und Mitteleuropa. Der Teilbereich der Meteorologie, der sich mit den jedes Jahr vom Wetter abhängigen, wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungszuständen von Pflanzen beschäftigt, wird Phänologie genannt.

Früher Vorfrühling

Der Deutsche Wetterdienst DWD teilt das phänologische Jahr in zehn Phasen. Fixiert werden diese Phasen durch bestimmte Wachstumsstadien an ausgewählten Pflanzen. Die erste phänologische Phase im Jahr ist der Vorfrühling, welcher mit dem Stäuben der Kätzchen der Haselsträucher und dem Blühen der Schneeglöckchen einhergeht. Diese erste Phase ist sehr stark durch die Witterung geprägt und kann von Ende Dezember bis in den März auftreten. Dieses Jahr begann der Vorfrühling bereits in der ersten Januarhälfte rund drei Wochen früher als in durchschnittlichen Jahren. In dieser Phase blüht auch die Erle und somit beginnt für die Allergiker die unangenehme Heuschnupfen-Zeit. Nicht jedes Jahr geben die Pflanzen aber gleich viele Pollen in die Luft ab. Langanhaltend und immer noch nicht zu Ende ist dieses Jahr die Haselblüte. Mit knapp 310 Pollen pro Kubikmeter Luft waren die Höchstkonzentrationen auf dem Zürichberg zwar vergleichbar mit den Vorjahren, jedoch wurden praktisch während dem ganzen Februar starke bis sehr starke Belastungen registriert. Ebenfalls lange dauert dieses Jahr die Erlenblüte, welche bereits Anfang Februar einsetzte. Mit Höchstkonzentrationen von 100 Pollen pro Kubikmeter Luft blieb die Belastung verglichen mit den Vorjahren aber etwas geringer.

Fiese Birke

Zurzeit befindet sich Zürich aber bereits mitten in der zweiten phänologischen Phase, dem Erstfrühling. Die Forsythienblüte ist ein deutlich sichtbares Zeichen für den Beginn des Erstfrühlings. Für viele Allergiker startet in dieser Phase mit der Birke eine sehr unangenehme Phase. Die Birke ist das wichtigste Baumpollenallergen. Rund acht Prozent der Bevölkerung sind darauf sensibilisiert. Je nach Jahr bringt sie eine sehr grosse Pollenproduktion von mehr als 1500 Pollen pro Kubikmeter Luft auf dem Zürichberg hervor. Der Blühbeginn kann relativ gut anhand der Grünlandtemperatursumme an einem Standort abgeschätzt werden. Diese errechnet sich wie folgt: Es werden ab Jahresbeginn alle positiven mittleren Tagesmitteltemperaturen erfasst und im Januar mit dem Faktor 0,5 und im Februar mit dem Faktor 0,75 multipliziert und zusammengezählt. Ab März zählt der volle positive Tagesmittelwert der Temperatur und geht in die Summe der Grünlandtemperatur ein. Wird im Frühjahr die Summe von 200 überschritten, erwacht die Vegetation so richtig aus dem Winterschlaf. Die Grünlandtemperatursumme ist deshalb auch für die Agrarwirtschaft entscheidend.

Birne, Kirsche, Apfel

Die Grünlandtemperatursumme von 200 wurde dieses Jahr auf dem Zürichberg am 16. März durchbrochen. Genau einen Monat früher als im Vorjahr, als der Winter nicht weichen wollte und die Vegetation einen erheblichen Rückstand hatte. Verglichen mit den Jahren 2012 und 2011 beträgt der Vorsprung dieses Jahr rund eine Woche. In den Jahren 2009 und 2010 wurde die Grünlandtemperatursumme von 200 erst 15 bis 20 Tage später erreicht als heuer. 2008 wurde diese Marke praktisch zeitgleich wie in diesem Jahr überschritten. 2007, vor sieben Jahren, stieg die Grünlandtemperatursumme letztmals schneller an als in diesem Jahr. Gegenüber dem Rekordjahr 2007 hat die Vegetation sogar einen Rückstand von knapp zwei Wochen. Zurzeit liegt die Grünlandtemperatursumme auf dem Zürichberg bei rund 260, in der Stadt bereits bei 340. Erfahrungswerte zeigen, dass deshalb in diesen Tagen mit der Blüte der Birke oder der Trauerweiden zu rechnen ist. Es folgen die farbenprächtigen Magnolien und die ersten Obstblüten. Die Stachel- und Johannisbeeren eröffnen die Obstblüte, es folgen dann nacheinander Pflaume, Birne und bei einer Grünlandtemperatursumme von 460 die Kirschen. In diese phänologische Phase fällt für die meisten heimischen Laubgehölze auch die Zeit der Laubentfaltung.

Mit der Apfelblüte hält in der Folge der Vollfrühling Einzug (Grünlandtemperatursumme von 700). Mit dem Löwenzahn durchschreitet Zürich die Zeit der Blütenfülle. Pollenallergiker sollten ihre Wäsche nicht im Freien trocknen, da sonst die Gefahr besteht, dass Pollen an der feuchten Wäsche haften bleiben. Und verzichten sollten sie auch auf ein Osterbäumchen mit blühenden Kätzchen, weil so sehr hohe Pollenkonzentrationen in Innenräumen auftreten können.

Frühe Heuschnupfenzeit im Erstfrühling