Hitze-Spätsommer anstatt Frühherbst

Von Mitte August bis Mitte September sorgte Hochdruckeinfluss in Mitteleuropa für überwiegend sonniges und sommerlich warmes Wetter. Zürich wurde mit Sonnenschein und Wärme verwöhnt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In welchen Kategorien wurden sogar Rekorde gebrochen?  

Mit dem Ende des Hochsommers Mitte August startete der diesjährige Sommer erst richtig durch. Seit Mitte August dominiert in weiten Teilen Europas und damit auch in der Schweiz nahezu ohne Unterbrechung Hochdruckwetter. Dabei machen sich ausgehend von den Azoren immer wieder Hochdruckgebiete auf den Weg Richtung Osten und sorgen somit auch bei uns für anhaltend sonniges und trockenes Sommerwetter, obwohl es meteorologisch betrachtet bereits Frühherbst ist. In den 32 Tagen von Mitte August bis Mitte September herrschte vorwiegend stabiles Sommerwetter. Nur an sechs Tagen gab es Niederschläge. In der gleichen Periode schien die Sonne ganze 280 Stunden lang. In Zürich war es der sonnigste Spätsommer seit mehr als 50 Jahren. Zum Vergleich: vor einem Jahr gab es in der gleichen Zeitspanne von Mitte August bis Mitte September mit 150 Stunden nur rund halb so viel Sonnenschein zu geniessen. Der Spätsommer 2016 war nicht nur sehr sonnig und trocken, sondern auch ausgesprochen warm. Fast täglich stiegen die Temperaturen auf sommerliche Werte über 25 Grad. Mit 19 Sommertagen (Tageshöchstwert über 25 Grad) zwischen Mitte August und Mitte September gab es so viele wie praktisch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts. Nur im Spätsommer des Jahres 1911 gab es mit 20 Sommertagen in Zürich noch einen Sommertag mehr. Sommerliche Temperaturen sind insbesondere für die erste Septemberhälfte keine Seltenheit, immerhin gehört dieser Monat noch überwiegend zum astronomischen Sommer, der am 22. September endet. Als ungewöhnlich kann aber sicherlich die lange Dauer dieser warmen Witterung bezeichnet werden, wie auch der Deutsche Wetterdienst DWD in seinem täglichen Bulletin schreibt.

So heiss wie heuer war der Spätsommer kaum jemals zuvor. Nur 1911 und 2011 brachten ähnlich hohe Temperaturen in Zürich.
So heiss wie heuer war der Spätsommer kaum jemals zuvor. Nur 1911 und 2011 brachten ähnlich hohe Temperaturen in Zürich.

Heissester Spätsommer

Am Zürichberg erreichte der Spätsommer von Mitte August bis Mitte September eine durchschnittliche Temperatur von 19,3 Grad. Damit war der Spätsommer 2016 mehr als drei Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Zusammen mit 1911 und 2011, welche gleich hohe Temperaturen brachten, erlebte Zürich heuer den heissesten Spätsommer mindestens der letzten 115 Jahre. Im Tessin war vor allem die grosse Wärme in den ersten zwei Septemberwochen herausragend. Mit einer Durchschnittstemperatur von 23 Grad liegt der neue Rekord weit über den bisherigen Höchstwerten von 21,4 Grad in den Jahren 2011 und 1929 sowie 21,6 Grad im Jahr 1895.

1911 oder 2011?

In Zürich teilt sich der Spätsommer 2016 die Krone des wärmsten Spätsommers zusammen mit jenen aus den Jahren 1911 und 2011. Im September 1911 war Mitte Monat dann aber endgültig Schluss mit Hochsommerwetter. Die zweite Monatshälfte war trüb, kühl und nass, wie aus den historischen Messreihen der MeteoSchweiz hervorgeht. Auch der darauffolgende Oktober war recht garstig und kühl. Auch im September 2011 erfolgte Mitte Monat ein Wetterumschwung. Dieser war jedoch nur von kurzer Dauer, bevor sich das letzte Septemberdrittel abermals warm und sonnig präsentierte. Jedoch brachte auch der Oktober 2011 dann kein goldenes, sondern trübes und nasses Herbstwetter. Der zweiten Septemberhälfte 2016 und dem weiteren Verlauf des eigentlichen Herbstes 2016 stehen folglich noch alle Optionen offen.

Hitze-Spätsommer anstatt Frühherbst

Sommerlicher Januskopf: welche Seite darf’s denn sein?

August bedeutet Sommer. Das hat der letzte Sommermonat auch dieses Jahr wieder bestätigt. Die Schweiz wurde in den letzten Wochen mit sehr viel Sonnenschein verwöhnt. Obwohl Sommerwetter vorherrschte, zeigte der August unterschiedliche Witterungscharaktere. 

Windrichtung_August_2012

Windrose für die ersten zwei Augustwochen der Wetterstation Zürich-Witikon.

Die erste Augusthälfte war sonnig, warm und niederschlagsarm. Für viele herrschte perfektes Sommerwetter. Mit rund 150 Sonnenstunden, einer gemittelten Temperatur von rund 20 Grad und lediglich 20 mm Niederschlag war dies auch in den Wetterparametern ersichtlich. Zwischen dem 7. und dem 20. August herrschte traumhaftes Sommerwetter, jedoch dominierte nicht durchgehend derselbe Witterungscharakter den Schweizer Augustsommer. Zwei Sommerwettertypen gaben sich am Wochenende 11./12. August die Wetterklinke in die Hand.

Sommerwetter ohne Sommertage
Am 7. August stiess ein Hochdruckgebiet nach Mitteleuropa vor und trocknete die Luft über dem Alpenraum ab. Es war der Anfang einer langen Schönwetterphase. Das Zentrum des Hochs lag nördlich der Alpen, so dass auf der Alpennordseite leichte Bisentendenz aufkam, welche auch in den Folgetagen anhalten sollte.
Die Absinkbewegung im Hochdruck sorgte für sternenklare Nächte mit entsprechend starker, langwelliger Ausstrahlung. Die Temperaturen sanken bis am Morgen auf frische 10 bis 14 Grad ab, wobei die höchsten Werte entlang der wärmenden Gewässer gemessen wurden. Tagsüber präsentierte sich die Sonne auf einem häufig blauen Himmel mit nur wenig flachen Quellwolken am Nachmittag. Die leichte Bisenströmung dämpfte den Temperaturanstieg stark. Über die Mittagszeit gab es gerademal Werte um 20 Grad und die Höchstwerte kurz vor dem Feierabend um 17.00 Uhr lagen bei 23 bis 25 Grad – begleitet von der Bise fühlten sich dies nicht gerade heiss an, so dass es im Schatten vielen zu kühl war. Geschwitzt hatte man in dieser Woche trotz Sommerwetter nie. Die sehr stabile atmosphärische Schichtung und die Bise verunmöglichten aber die Bildung von nennenswerten Quellungen oder sogar Gewittern. So blieb es die ganze Woche trocken und nie kam auch nur ein Hauch Angst vor einem Abendgewitter auf. Die Kehrseite der Medaille waren aber eben die Temperaturen. An der Wetterstation Zürich-Fluntern der MeteoSchweiz stieg das Thermometer trotz Sommerwetter zwischen dem 7. und dem 11. August wegen der leichten Bise nie über die Sommermarke von 25 Grad, wobei die Quecksilbersäule zweimal nur einige Zehntelgrad davon entfernt blieb.

Gewittergefahr lauert
Auf den 12. August ereignete sich dann ein Witterungswechsel, welcher aufs erste niemand zu spüren bekam, denn der Tag begann wie seine Vorgänger mit viel Sonnenschein und frischen 12 Grad auf dem Zürichberg. Im Tagesverlauf drehten die Winde aber von Nordosten (Bise) auf Südwesten. Prompt stieg das Thermometer auch auf dem Zürichberg über 25 Grad und prompt war der Nachmittagshimmel nicht mehr tiefblau sondern wieder gespickt voller grosser Quellwolken. Die südwestliche Strömung führte nicht nur wärmere sondern in tieferen Luftschichten auch wieder feuchtere Luft in die Schweiz. Die starke tägliche Sonneneinstrahlung brachte die feuchte Luft zum dampfen und bereits zogen die ersten Gewitter wieder an den Voralpen entlang. Nur um ein Haar wurde Zürich in der Nacht auf den 13. August von einem Gewitter verschont, die Angst vor einem Abendgewitter begleitet einem nun wieder Tag für Tag. Die folgenden Nächte kühlten in der feuchten Südwestströmung nicht mehr so stark ab. 17 Grad in den Morgenstunden und bereits über die Mittagszeit wurden weit über 20 Grad verzeichnet. Das Hemd klebt bei schwül-heissen 30 Grad am Nachmittag am Körper. Kaum eine Brise durchmischt die stickige, stehende Sommerluft. Der Witterungswechsel ist vollzogen. Zwei Wochen Sommerwetter mit zwei total unterschiedlichen Gesichtern: Der August präsentierte seinen sommerlichen Januskopf.

Mehr Bise, weniger Westwind
Die Präferenzen fürs Lieblings-Sommerwetter gehen weit auseinander. Für die einen war die Woche mit tiefblauem Himmel, leicht gedämpften Temperaturen und gewitterfreien Nächten die perfekte Sommerwoche, für die anderen herrscht erst der perfekte Sommer, wenn das Schwitzen auch in den Nächten nicht aufhört und sie tagsüber nur dem Schatten nachgehen können. Das Abendgewitter nehmen sie dafür gerne in Kauf. Nordost- und Südwestlagen bringen der Schweiz Sommerwetter, wenn auch mit anderen Charakterzügen. Seit 1960 haben die Nordostlagen mit Bisentendenz im Schweizer Mittelland signifikant zugenommen und kommen heute rund 18 Prozent häufiger vor als noch vor 50 Jahren. Im Schnitt sind es heutzutage 25 Tage pro Sommer mit Nordostlage. Die Anzahl Südwestlagen haben sich im Gegenzug kaum verändert. Kompensiert wird die Zunahme der Nordostlagen mit einer deutlichen Abnahme der wechselhaften und kühlen Westlagen. Gleichzeitig wurden auch alle Wetterlagen deutlich wärmer in den letzten 50 Jahren. Am stärksten haben sich die Wetterlagen Nordost und Ost erwärmt, so sind sie heute rund 2,5 Grad wärmer als noch um 1960. Gut möglich, dass in Zukunft also auch Sommertage mit Bise richtig warm werden können. Egal zu welchen Sommerliebhabern Sie gehören, der August 2012 brachte für jeden die perfekte Sommerwoche.

Sommerlicher Januskopf: welche Seite darf’s denn sein?