Der drittwärmste Schweizer Sommer! Doch wie schön war er wirklich?

Der neue Schweizer Sommerwetter-Index zeigt, was Temperaturmittel, Niederschlagssummen und Sonnenscheindauer wirklich über einen Sommer aussagen. Ein hoher Index deutet auf einen Traumsommer, ein stark negativer Index auf Hudelwetter. 

Sommer-Index2012

Der Schweizer Sommerwetter-Index umfasst sechs verschiedene Wetterparameter und zehn Schweizer Wetterstationen. Ziel ist es, die “Schönheit” des Sommers zu ermitteln. Die Referenzperiode ist 1981-2010. Die Zeitreihe in der Grafik geht von 1981 bis 2012.
Daten: SRF Meteo

Die Schweiz erlebte ihren 3.-wärmsten Sommer seit Messbeginn im Jahr 1864. Mit einer positiven Abweichung von rund 3 Grad belegt der Sommer 2012 in der Südschweiz den zweiten Rang in der ewigen Liste, wie MeteoSchweiz mitteilt. Auf der Alpennordseite figuriert der Sommer 2012 auch unter den 5 bis 10 wärmsten seit Messbeginn vor 148 Jahren. Der grosse Wärmeüberschuss wurde von den Monaten Juni und vor allem August produziert, während der Juli nur wenig vom Referenzwert abwich. Die Wahrnehmung des Sommers wird aber von einem Bund von Wetterparametern bestimmt. Ein hohes Temperaturmittel allein reicht nicht für einen Supersommer. Wichtig ist auch, wie viele Sommer- (mehr als 25 Grad) und Hitzetage (30 Grad) verzeichnet werden konnten, wie viel und vor allem an wie vielen Tagen es geregnet hat und zuletzt wie häufig sich die Sonne präsentierte. Laue Nächte aber nur mässig warme Tage resultieren unter Umständen in einem höheren Temperaturmittel als frische Nächte und heisse Tage, wobei letzteres von den meisten als „schöner” bezeichnet würde. Auch schadet ein einzelnes Gewitter mit sehr viel Niederschlag dem Sommerimage weniger, als drei graue und nasse Tage, wobei unter Umständen bei letzterem weniger Niederschlag gemessen wurde. Und natürlich ist ein Sommer erst richtig schön, wenn der Sonnenstundenzähler auf Hochtouren läuft.

Schweizer Sommerwetter-Index
Allein mit Temperaturmittel und Niederschlagssummen ist es also unmöglich, das wahrgenommene Sommerwetter zu bewerten. Der Schweizer Sommerwetter-Index versucht deshalb mit einer Kombination von weiteren Parametern wie Sommer-, Hitze- und Niederschlagstagen das Sommerwetter zu bewerten. Das Kriterium „schön” steht dabei im Zentrum. Der Sommerwetter-Index besteht grundsätzlich aus den drei Indikatoren; Temperatur, Niederschlag und Sonnenschein, wobei diese mit mehreren Parametern (beispielsweise mit Temperaturmittel, Sommer-, Hitzetage etc. für den Indikator „Temperatur”) bedient werden. Hohe Werte bei den Indikatoren Temperatur und Sonnenschein werden positiv gewertet. Beim Niederschlag werden hohe Werte negativ gewertet, da ein nasser Sommer als nicht „schön” wahrgenommen wird. Damit der Index repräsentativ für die ganze Schweiz ist, wurden zehn Schweizer Stationen aus der ganzen Schweiz auf unterschiedlichen Höhenlagen berücksichtigt. So fliessen unter anderem die Daten der Stationen Luzern, Davos, Sion, Locarno und Zürich in den Index ein. Erinnerungen der früheren Vergangenheit sind häufig verzerrt und von Wunschdenken oder Verdrängung geprägt. Als Referenzperiode für den Schweizer Sommerwetter-Index wurde deshalb die Periode der Jahre 1981 bis 2010 gewählt, also eine Zeitspanne, in der das Schweizer Klima schon mitten im Wandel war.

Sommer 2012 war eine Null
Die entstandene Zeitreihe zeigt auf den ersten Blick interessante Charakteristika. Das Augenmerk richtet sich natürlich sofort auf den Hitze- und wohl auch Super-Schönsommer 2003. Mit knapp vier Indexpunkten war dies mit Abstand der beste Sommer der letzten drei Dekaden. Mit einem Index von 1,3 folgen die Sommer 1991 und 2006. Während beim Sommer 2006 vor allem der heisse und trockene Juli zu diesem guten Ergebnis beitrug, ist das gute Resultat des Sommers 1991 doch eher erstaunlich. In keiner anderen Statistik fällt der Sommer 1991 auf. Er konnte weder ein besonders hohes Temperaturmittel aufweisen, noch war er ausserordentlich trocken – nein er war eben insgesamt einfach „schön” und das wird erst mit dem Schweizer Sommerwetter-Index ersichtlich. Am unteren Ende der Skala befinden sich die Sommer 1987 und 1982 mit einem Index von -2,1 und -1,6 im gesamtschweizerischen Durchschnitt. 1987 wurden sehr wenige Sommer-und Hitzetage beobachtet und es war der sonnenärmste Sommer der letzten 32 Jahre. 1982 war es ebenfalls sonnenarm aber vor allem gab es sehr viele Regentage. Welchen Index bekommt nun der Sommer 2012 mit dieser Bewertungsmethode? Der Sommer 2012 war eine blanke Null, war also weder schön noch schlecht sondern purer Durchschnitt der letzten rund drei Dekaden. Vor allem der August konnte den Index noch gewaltig nach oben korrigieren. Allgemein haben das Wallis, Tessin, Mittelbünden und das Engadin mit positiver Performance den Index unterstützt, während die West- und Nordwestschweiz dem Index am meisten zusetzten. Aber auch in Zürich erreichte der Sommerwetter-Index leicht negative Werte. Der Schweizer Sommer war somit vergleichbar mit den Vorgängern aus den Jahren 2010 und 2011. Vor drei Jahren war der Sommer mit einem Index von 0,7 spürbar schöner, 2007 aber mit -1,3 deutlich mieser. Tendenziell wurden die Schweizer Sommer in den letzten 32 Jahren immer schöner, der Index stieg seit 1981 um 0,2 Punkte! Das Beispiel Zürich zeigt, dass die Sommer tendenziell schöner werden, weil die temperaturabhängigen Indikatoren deutlich im Plus liegen. So stieg die Anzahl Sommer- und Hitzetage in Zürich seit 1981 von 30 auf 38 respektive von vier auf acht pro Sommer. Und auch die Sommersonne zeigt sich heute im Schnitt 60 Stunden länger als vor 30 Jahren. Diese Indikatoren würden den Sommerindex deutlich ansteigen lassen, jedoch haben sich die niederschlagsabhängigen Parameter teilweise deutlich verschlechtert. So bringt ein Zürcher Sommer heute 41 Regentage, früher waren es noch 31. Und auch die Niederschlagsmenge nahm in den letzten drei Dekaden um mehr als 50 mm zu. Temperaturmässig schafft es der Sommer 2012 aufs Podest. Mit dem Schweizer Sommerwetter-Index bewertet, war der Sommer 2012 aber purer Durchschnitt.

 

 

Der meteorologische Sommer dauert vom 1. Juni
bis zum 31. August

Statistik zum Sommer 2012   Stand: 01.09.2012
Wetterstation Zürich-Witikon 608 m.ü.NN

Juni 2012

Temperatur 17,4 °C (Norm: 15,10 °C)
Höchster Wert 32,4 °C
Tiefster Wert 6,5 °C
Niederschlag 195,8 l/m² (Norm: 114,000 l/m²)
Sonnenschein 207:22 h (Norm: 178,000 h)
Sommertage 12 Tage (Norm: 6-8)
Hitzetage 4 Tage (Norm: 0-1)

Juli 2012

Temperatur 17,8 °C (Norm: 17,50 °C)
Höchster Wert 32,7 °C
Tiefster Wert 9,2 °C
Niederschlag 182,2 l/m² (Norm: 105,000 l/m²)
Sonnenschein 204:24 h (Norm: 211,000 h)
Sommertage 11 Tage (Norm: 11-14)
Hitzetage 2 Tage (Norm: 2-3)

August 2012

Temperatur 19,5 °C (Norm: 16,50 °C)
Höchster Wert 32,9 °C
Tiefster Wert 9,5 °C
Niederschlag 122,2 l/m² (Norm: 120,000 l/m²)
Sonnenschein 248:19 h (Norm: 192,000 h)
Sommertage 19 Tage (Norm: 9-12)
Hitzetage 5 Tage (Norm: 1-2)

Legende
Eistag: die Maximum-Temperatur bleibt unter 0°C.
Frosttag: die Minimum-Temperatur sinkt unter 0°C.
Sommertag: die Maximum-Temperatur steigt bis auf oder über 25°C.
Hitzetag: die Maximum-Temperatur steigt bis auf oder über 30°C.

Der drittwärmste Schweizer Sommer! Doch wie schön war er wirklich?

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