Überwiegend negative Klimafolgen für die Schweiz

Der Klimawandel verändert unsere Umwelt und hat Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft – auch in der Schweiz.

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Anzahl Tropennächte mit einer Tiefsttempreatur über 20 Grad pro Jahr für die letzten 30 Jahre dieses Jahrhunderts unter Annahme gemässigter zukünftiger CO2-Emissionen aber ohne durchgreifende, internationale Klimapolitik.

Der Temperaturanstieg und die Verschiebungen im jährlichen Niederschlagsmuster beeinflussen die Schweizer Wasserversorgung, setzen das terrestrische Ökosystem unter Druck und verändern die Biodiversität. Einwandernde Tiere und Pflanzen aus dem Süden verdrängen die einheimischen Arten. Gletscherschmelze, Felsstürze und Trockenperioden kennt die Schweiz aus den vergangenen Jahren. Im Zuge der globalen Erwärmung dürften diese Ereignisse häufiger und intensiver auftreten.

Beste Schätzung

Mitte März wurde in Bern die CH2014-Impacts-Initiative vorgestellt. Das gemeinsame Projekt Schweizerischer Forschungsinstitutionen nutzt die Schweizer Klimaszenarien CH2011, um mögliche ökologische, gesellschaftliche oder ökonomische Folgen der Klimaveränderung in der Schweiz zu quantifizieren. Die Klimafolgenstudie berücksichtigt die Bandbreite der Klimaänderung, bezogen auf Temperatur und Niederschlag für das 21. Jahrhundert gemäss verschiedenen weltweiten Emissionsszenarien bis Ende Jahrhundert. Diese Szenarien beschreiben das Ausmass des zukünftigen Treibhausgas-Ausstosses. Der Grad der Klimafolgen hängt weiter stark von der Betrachtungsperiode ab. Der untersuchte Zeitraum wurde deshalb in drei Zukunftsperioden aufgeteilt, wobei immer eine Veränderung gegenüber den letzten rund 30 Jahre angegeben wird. Also in einer Zeit, wo bereits Klimafolgen zu spüren waren. Der Tatsache, dass Klimamodelle Unsicherheiten bringen und auf lokaler Ebene, wie der Schweiz, natürliche Wetterschwankungen einen erheblichen Teil der jährlichen Variabilität ausmachen, wird Rechnung getragen, indem verschiedene Modelle berücksichtigt wurden und diese mehrmals mit leicht veränderten Startwerten gerechnet wurden. Aus diesem „Strauss“ von Simulationen wurden drei Schätzungen abgeleitet. Wobei es sich dabei um eine beste Schätzung sowie eine tiefe und hohe Schätzung handelt. Die 140-seitige Studie CH2014 identifiziert wichtige Klimafolgen für verschiedene Regionen der Schweiz. Dabei zeigt sich, dass der Klimawandel in der Schweiz Vor- und Nachteile bringt.

Tropennächte

Die zugrunde liegenden Klimaprojektionen zeigen ohne Massnahmen zur Reduktion des Klimawandels einen zusätzlichen Temperaturanstieg von drei bis vier Grad bis Ende Jahrhundert in der Schweiz und eine Abnahme der sommerlichen Niederschläge um 20 bis 30 Prozent. Nur mit griffigen Massnahmen zur Reduktion der Treibhausgase kann die Erwärmung in der Schweiz unter zwei Grad und die Abnahme der sommerlichen Niederschläge unter 15 Prozent gehalten werden. Ob sich die Durchschnittstemperaturen in der Schweiz zusätzlich um weniger als zwei oder doch um vier Grad erhöhen, beeinflusst nicht überraschend die Anzahl Sommertage beispielsweise im Schweizer Mittelland. Zürich erlebte in den letzten 30 Jahren jährlich 40 bis 50 Sommertage mit einer Tageshöchsttemperatur von mindestens 25 Grad. Bei einer Erhöhung der Durchschnittstemperatur um weniger als zwei Grad würde sich die jährliche Anzahl Sommertage auf mehr als 60 erhöhen. Bei einem Durchschnittstemperaturanstieg von drei bis vier Grad gäbe es in der Limmatstadt jährlich sogar bis zu 100 Sommertage. Ähnliches gilt für die Anzahl Tropennächte mit einer Tiefsttemperatur, die nicht unter 20 Grad fällt. Heute kommen solche Schweissnächte kaum vor. Je nach Erwärmung gibt es in Zukunft fünf bis fünfzehn solcher Tropennächte auf dem Zürichberg. Dies führt gemäss Klimafolgestudie einerseits zu einem attraktiveren Sommertourismus-Standort aber andererseits zu mehr Hitzestress und somit zu einer steigenden Anzahl Krankenhausaufenthalte.

Längere Vegetationsperiode

Markant ist weiter der Einfluss des Temperaturanstiegs auf die Länge der Vegetationsperiode. Im hohen Szenario verlängert sich die Vegetationsperiode um ganze zwei Monate. Im tiefen Szenario um zwei bis vier Wochen. Gemäss CH2014 dürfte die Vegetationsperiode Ende Jahrhundert regelmässig bereits Mitte Februar starten. Der diesjährige Winterverlauf mit dem frühen Frühlingsdurchbruch würde somit zur Norm. Wie es auch diesen Winter bemerkbar war, reduziert sich der Heizbedarf stark bei milder Witterung. Gemäss der vorliegenden Klimafolgenstudie reduziert sich die Anzahl Heizgradtage um mehr als 25 Prozent. Die heisseren Sommer erhöhen jedoch handkehrum den Energiebedarf fürs Kühlen um einen Faktor zwei bis acht!

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Künstlicher Schnee

CH2014 zeigt, dass ohne entscheidende klimapolitische Massnahmen in allen betrachteten Szenarien und Perioden die Schweizer Skigebiete mit einer kürzeren Saisondauer rechnen müssen. Mit künstlicher Beschneiung kann diese Klimafolge jedoch erheblich reduziert werden. Weitere Simulationen zeigen, dass die Eismasse der Schweizer Gletscher bis Ende Jahrhundert ohne griffige, globale Klimapolitik nahezu vollständig verlorengeht. Dies führt auch dazu, dass es zu einer Verschiebung der Abflussregime in den Schweizer Flüssen kommt. In Zukunft werden die Flüsse im Sommer weniger und im Winter mehr Wasser führen als noch heutzutage. Die Abflussmenge übers ganze Jahr betrachtet, wird sich jedoch kaum verändern. Die starke Erwärmung der grundwasserführenden Schichten durch den Klimawandel könnte zu einer Verschlechterung der Grundwasserqualität führen.

Edler Wein

In der ganzen Schweiz wird sich die Vielfalt von verbreiteten Vogel- und Pflanzenarten ändern. Die Artenvielfalt dürfte im flachen Mittelland abnehmen, in erhöhten Lagen jedoch zunehmen, da durch die längere Vegetationsperiode neue Lebensräume entstehen. Bei ungebremstem Klimawandel könnte das Schweizer Mittelland als Lebensraum für die heute weitverbreiteten Fichten und Buchen aufgrund von häufigem Trockenstress ungeeignet werden. Simulationen zeigen zudem, dass Schädlinge in einer wärmeren Umwelt besser zurechtkommen und die Schweizer Ackerkultur unter Druck setzen. Eine positive Klimafolge für die Landwirtschaft zeichnet sich vorerst im Weinbau ab, da die höheren Temperaturen eine breitere Auswahl von anbaubaren Rebsorten ermöglichen könnten.

Zusammenfassend zeichnet die CH2014-Impacts-Initiative ein Bild von überwiegend nachteiligen Folgen des Klimawandels für die Schweiz. Wichtig dürfte aber vor allem die Botschaft sein, dass sich in der Schweiz auch viele Folgen durch Massnahmen deutlich abschwächen oder sogar in Vorteile umwandeln lassen. Dies weist darauf hin, wie wichtig Vorsorge und Management der Klimafolgen für die Schweiz sein werden. Positive Auswirkungen des Klimawandels in der Schweiz zeigen sich häufig nur bei moderater Klimaänderung. Dies unterstreicht die Verletzlichkeit unserer Umwelt und die Notwendigkeit, den Treibhausgasausstoss global zu senken.

 

CH-2014-Impacts-Bericht zum Download und Bildquelle: http://www.ch2014-impacts.ch/

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