Frühe Heuschnupfenzeit im Erstfrühling

Nach den deutlich zu warmen Monaten Januar und Februar, welche auf dem Zürichberg jeweils rund drei Grad wärmer waren als der langjährige Durchschnitt 1981-2010, verlief die erste Märzhälfte mit einer Abweichung von mehr als zwei Grad bisher ebenfalls deutlich zu mild.

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Letztmals startete der Frühling in Zürich vor 7 Jahren noch schneller durch als heuer.

Mit der immer stärker werdenden Sonnenscheinstrahlung erreichten die Temperaturen Mitte März für die Jahreszeit hohe Werte. Auf der Alpennordseite wurden frühlingshafte 20 Grad erreicht. Zu erwähnen ist  auch die Höhe der Nullgradgrenze. Diese lag in der ersten Märzhälfte auf sommerlichem Niveau. Beispielsweise am 9. März kletterte sie auf 3200 Meter Höhe, was einem gewöhnlichen Wert in der zweiten Junihälfte entspricht. Dies ist für die Jahreszeit doch bemerkenswert, wenn auch nicht aussergewöhnlich, da die Nullgradgrenze grossen Schwankungen unterliegt. Schweizweit mit Abstand die höchsten Temperaturen wurden bisher auf der Alpensüdseite verzeichnet, wo die Sommermarke von 25 Grad gleich an mehreren Stationen und Tagen überschritten wurde. Im Südtessin zeigte das Thermometer bereits einen Höchstwert von 26,4 Grad, sogar ohne Nordföhneinfluss. Dies bedeutet Egalisierung der Plätze 2 und 3 der höchsten, je im März registrierten Temperaturen, wie MeteoSchweiz mitteilte. Meteorologisch herrschte bereits Sommer, noch bevor es kalendarisch am 20. März Frühling wurde. Die seit Jahresbeginn anhaltend übertemperierten Verhältnisse haben natürlich spürbare Auswirkungen auf die Vegetationsentwicklung in der Schweiz und Mitteleuropa. Der Teilbereich der Meteorologie, der sich mit den jedes Jahr vom Wetter abhängigen, wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungszuständen von Pflanzen beschäftigt, wird Phänologie genannt.

Früher Vorfrühling

Der Deutsche Wetterdienst DWD teilt das phänologische Jahr in zehn Phasen. Fixiert werden diese Phasen durch bestimmte Wachstumsstadien an ausgewählten Pflanzen. Die erste phänologische Phase im Jahr ist der Vorfrühling, welcher mit dem Stäuben der Kätzchen der Haselsträucher und dem Blühen der Schneeglöckchen einhergeht. Diese erste Phase ist sehr stark durch die Witterung geprägt und kann von Ende Dezember bis in den März auftreten. Dieses Jahr begann der Vorfrühling bereits in der ersten Januarhälfte rund drei Wochen früher als in durchschnittlichen Jahren. In dieser Phase blüht auch die Erle und somit beginnt für die Allergiker die unangenehme Heuschnupfen-Zeit. Nicht jedes Jahr geben die Pflanzen aber gleich viele Pollen in die Luft ab. Langanhaltend und immer noch nicht zu Ende ist dieses Jahr die Haselblüte. Mit knapp 310 Pollen pro Kubikmeter Luft waren die Höchstkonzentrationen auf dem Zürichberg zwar vergleichbar mit den Vorjahren, jedoch wurden praktisch während dem ganzen Februar starke bis sehr starke Belastungen registriert. Ebenfalls lange dauert dieses Jahr die Erlenblüte, welche bereits Anfang Februar einsetzte. Mit Höchstkonzentrationen von 100 Pollen pro Kubikmeter Luft blieb die Belastung verglichen mit den Vorjahren aber etwas geringer.

Fiese Birke

Zurzeit befindet sich Zürich aber bereits mitten in der zweiten phänologischen Phase, dem Erstfrühling. Die Forsythienblüte ist ein deutlich sichtbares Zeichen für den Beginn des Erstfrühlings. Für viele Allergiker startet in dieser Phase mit der Birke eine sehr unangenehme Phase. Die Birke ist das wichtigste Baumpollenallergen. Rund acht Prozent der Bevölkerung sind darauf sensibilisiert. Je nach Jahr bringt sie eine sehr grosse Pollenproduktion von mehr als 1500 Pollen pro Kubikmeter Luft auf dem Zürichberg hervor. Der Blühbeginn kann relativ gut anhand der Grünlandtemperatursumme an einem Standort abgeschätzt werden. Diese errechnet sich wie folgt: Es werden ab Jahresbeginn alle positiven mittleren Tagesmitteltemperaturen erfasst und im Januar mit dem Faktor 0,5 und im Februar mit dem Faktor 0,75 multipliziert und zusammengezählt. Ab März zählt der volle positive Tagesmittelwert der Temperatur und geht in die Summe der Grünlandtemperatur ein. Wird im Frühjahr die Summe von 200 überschritten, erwacht die Vegetation so richtig aus dem Winterschlaf. Die Grünlandtemperatursumme ist deshalb auch für die Agrarwirtschaft entscheidend.

Birne, Kirsche, Apfel

Die Grünlandtemperatursumme von 200 wurde dieses Jahr auf dem Zürichberg am 16. März durchbrochen. Genau einen Monat früher als im Vorjahr, als der Winter nicht weichen wollte und die Vegetation einen erheblichen Rückstand hatte. Verglichen mit den Jahren 2012 und 2011 beträgt der Vorsprung dieses Jahr rund eine Woche. In den Jahren 2009 und 2010 wurde die Grünlandtemperatursumme von 200 erst 15 bis 20 Tage später erreicht als heuer. 2008 wurde diese Marke praktisch zeitgleich wie in diesem Jahr überschritten. 2007, vor sieben Jahren, stieg die Grünlandtemperatursumme letztmals schneller an als in diesem Jahr. Gegenüber dem Rekordjahr 2007 hat die Vegetation sogar einen Rückstand von knapp zwei Wochen. Zurzeit liegt die Grünlandtemperatursumme auf dem Zürichberg bei rund 260, in der Stadt bereits bei 340. Erfahrungswerte zeigen, dass deshalb in diesen Tagen mit der Blüte der Birke oder der Trauerweiden zu rechnen ist. Es folgen die farbenprächtigen Magnolien und die ersten Obstblüten. Die Stachel- und Johannisbeeren eröffnen die Obstblüte, es folgen dann nacheinander Pflaume, Birne und bei einer Grünlandtemperatursumme von 460 die Kirschen. In diese phänologische Phase fällt für die meisten heimischen Laubgehölze auch die Zeit der Laubentfaltung.

Mit der Apfelblüte hält in der Folge der Vollfrühling Einzug (Grünlandtemperatursumme von 700). Mit dem Löwenzahn durchschreitet Zürich die Zeit der Blütenfülle. Pollenallergiker sollten ihre Wäsche nicht im Freien trocknen, da sonst die Gefahr besteht, dass Pollen an der feuchten Wäsche haften bleiben. Und verzichten sollten sie auch auf ein Osterbäumchen mit blühenden Kätzchen, weil so sehr hohe Pollenkonzentrationen in Innenräumen auftreten können.

Frühe Heuschnupfenzeit im Erstfrühling

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