Ambitionierte Klimapolitik ist nötig: der Klimawandel ist hier, um zu bleiben

Seit Beginn der Industrialisierung hat sich die Zusammensetzung der Atmosphäre durch die Emission von Treibhausgasen zunehmend verändert. Durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas hat sich die Konzentration verschiedener Treibhausgase wie CO2, Methan und Distickstoffoxid stark erhöht. Diese menschengemachte Entwicklung verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt und führt zu einer messbaren Erwärmung der Erdatmosphäre und einem spürbaren Wandel des Klimas. Die Schweiz wird voraussichtlich überdurchschnittlich stark vom Klimawandel betroffen sein, mit Auswirkungen auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Langfristig werden die negativen gegenüber den positiven Folgen klar überwiegen.

Globales Umweltproblem
Der Klimawandel gehört zu den globalen Umweltproblemen, die im nationalen Kontext allein nicht lösbar sind. Die Bemühungen um eine international koordinierte Vorgehensweise sind daher für die Schweiz von grosser Bedeutung. Die Weltgemeinschaft beschäftigt sich seit rund einem Vierteljahrhundert mit Fragen und entsprechenden Lösungen zur Klimaänderung. Ein Meilenstein für ein koordiniertes Vorgehen auf internationaler Ebene war die Verabschiedung der Klimakonvention (UNFCCC) im Juni 1992. Inzwischen sind über 190 Staaten Mitglied des UNFCCC, unter anderem auch die Schweiz. Entscheidungsgrundlagen werden vom Weltklimarat (IPCC), gegründet vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen und der Weltorganisation für Meteorologie, in Form von wiederkehrenden Sachstandsberichten bereitgestellt.
Gemäss IPCC setzt sich eine erfolgreiche Klimapolitik aus Mitigation und Adaptation zusammen.

Mitigation und Adaptation
Als Mitigation oder Minderung werden alle Massnahmen bezeichnet, welche zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen führen, wie die Erhöhung der Energieeffizienz, die Förderung erneuerbarer Energieträger oder auch das Aufforsten von Wäldern.
Unter Adaptation oder Anpassung werden Massnahmen verstanden, welche die Empfindlichkeit natürlicher und menschlicher Systeme gegenüber den heutigen und zukünftigen Auswirkungen der Klimaänderung verringern. Dazu gehört unter anderem der Hochwasserschutz, die Begrünung von Städten zur natürlichen Kühlung im Sommer oder der Einsatz trockenheitsresistenterer Pflanzen in der Landwirtschaft.
Die Schweiz setzt sich national und international für eine aktive Politik zur Reduktion der Treibhausgase ein, anerkennt das 2-Grad-Ziel und hat im Oktober 2017 das Klimaübereinkommen von Paris ratifiziert. Um das Klimaübereinkommen zu erfüllen, sieht die Schweiz eine Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen um 50% gegenüber 1990 bis im Jahr 2030 vor. Herzstück der Schweizer Klimapolitik ist das CO2-Gesetz, welches aktuell in der Totalrevision steht. Es sieht vor, dass die bereits bestehende CO2-Abgabe auf Brennstoffe wie Heizöl bis auf 210 Franken pro Tonne CO2 angehoben werden kann (heute 96 Franken). Das Gebäudeprogramm, welches seit 2010 Fördergelder für energetische Sanierungen im Gebäudepark auszahlt, soll ab 2026 durch Ziele im Gebäudesektor und falls nötig durch CO2-Grenzwerte bei Alt- und Neubauten abgelöst werden. Die CO2-Vorschriften für Neuwagen von der EU sollen laufend übernommen werden und der Emissionshandel soll möglichst rasch mit dem EU-System verknüpft werden.
Diese Massnahmen gehören in die Kategorie Mitigation, also Minderung des Klimawandels durch Reduktion der Treibhausgasemissionen. Wie vom Weltklimarat vorgesehen, verfolgt die Schweiz aber auch die zweite Säule der Klimapolitik – die Anpassung/Adaptation an den Klimawandel.

Bildunterschrift: Der Klimawandel ist nicht umkehrbar: (a) Auch wenn die jährlichen CO2-Emissionen ab 2020 rückläufig sind und ab 2050 gegen null gehen (blauer Pfad mit ambitionierter internationaler Klimapolitik), (b) steigt die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre noch bis 2050 an und bleibt dann über Jahrhunderte konstant auf diesem hohen Niveau (blauer Pfad). (c) Entsprechend verhalten sich auch die Temperaturen: Auch ohne neue CO2-Emissionen ab 2050 gehen die Temperaturen nicht auf das vorindustrielle Niveau zurück (blauer Pfad). Bildquelle: IPCC AR5 – Synthesis Report

Klimawandel: nicht umkehrbar
Gegenüber vorindustriellem Niveau hat sich die Erdatmosphäre bereits um 1°C erwärmt. Der Klimawandel ist also bereits Tatsache und mit ihm auch seine Auswirkungen, wie Hitzewellen, Dürren, Starkregen, Überschwemmungen und intensive Hurrikane. Auch wenn von heute auf morgen die ganze Welt aufhören würde, Kohle, Erdöl und Erdgas zu verbrennen und die CO2-Emissionen somit auf einen Schlag auf null gehen würden, bleibt die bereits verursachte Erwärmung von 1°C für mehrere Jahrhunderte bestehen! Der Klimawandel ist nicht umkehrbar. Ein vorindustrielles Temperaturniveau ist auch mit der ambitioniertesten Klimapolitik nicht mehr zurückzuholen. Grund dafür ist, dass nicht die jährlichen CO2-Emissionen, sondern die akkumulierte CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre ausschlaggebend ist für die Temperatur auf der Erde. Auch ohne neue Emissionen verschwindet das CO2 in der Atmosphäre nur sehr langsam über Jahrhunderte. Und bereits heute – mit „nur“ +1°C-Erwärmung – sind die Auswirkungen des Klimawandels zunehmend zu spüren. Gleichwohl ist die Welt meilenweit davon entfernt, ihre CO2-Emissionen auf null zu senken. Im Gegenteil: von Jahr zu Jahr steigen die Emissionen sogar noch weiter an. Mit jeder Tonne CO2, welche wir zusätzlich in die Atmosphäre pusten, verändern wir folglich das Klima über Jahrhunderte. Im besten Fall erreichen die globalen, jährlichen CO2-Emissionen um 2020 ihren Höhepunkt und gehen dann bis 2050 rasch auf null. Damit würde die CO2-Konzentration im Jahr 2050 ihren Höhepunkt erreichen und eine Begrenzung der Erderwärmung auf 2°C wäre möglich. Im pessimistischen Fall erreichen die CO2-Emissionen erst kurz vor Ende des Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre würde in dem Fall noch während Jahrhunderten weiter ansteigen und die Erdtemperatur auf bis zu 8°C erhöhen.
Mit einem ambitionierten CO2-Gesetz kann die Schweiz ihren Beitrag zur Minderung der CO2-Emissionen und damit des Klimawandels leisten. Weil der Klimawandel aber irreversibel ist und bereits heute seine Auswirkungen zeigt, muss sich die Schweiz aber in den nächsten Jahren auch besser an den Klimawandel adaptieren.

Ambitionierte Klimapolitik ist nötig: der Klimawandel ist hier, um zu bleiben

Hitzewellen: die markantesten in der Geschichte Zürichs

„Für eine mindestens zweiwöchige Periode ist in Europa mit deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen und zunehmender Trockenheit zu rechnen.“ Das hielt Ende Juni die Weltmeteorologie-Organisation (WMO) in einem speziellen Klimaüberwachungs-Bulletin fest. Nun sind wir mitten drin in der Hitzewelle. Die betroffene Region erstreckt sich von Portugal bis Polen und von England bis Kroatien. Das Hitzezentrum lag zunächst über Nordspanien und Frankreich und bewegte sich dann langsam Richtung Nordosten.

 

Hitze über Europa und der Schweiz

Ende Juni ist über West- und Mitteleuropa ein sehr kräftiges Hochdruckgebiet wetterwirksam geworden. So wurden in Andalusien bereits am 29. Juni Höchsttemperaturen von 43 Grad gemessen. Am 30. Juni erreichte die heisse Luft auch Frankreich. So wurden in Cazaux, südwestlich von Bordeaux 40.2 Grad registriert, wie MeteoSchweiz schreibt. Am 1. Juli begann die Hitzeperiode dann auch in der Schweiz, als in Genf und im Wallis knapp 35 Grad, in Zürich 32 Grad gemessen wurden. Selbst im 1304 Meter hoch gelegenen Scuol wurde mit 30.5 Grad ein Hitzetag erreicht, wie MeteoSchweiz schreibt. Die Höchstwerte werden im Übrigen im Hochsommer jeweils zwischen 16:00 und 18:00 Uhr gemessen. In den folgenden Tagen strömte immer heissere, allmählich auch feuchtere Luft, welche ihren Ursprung in der Westsahara hat, in Richtung Schweiz.

 

Langanhaltende Hitze

Auffallend an der ausserordentlichen Hitzewelle ist vor allem auch die Dauer der Hitzebelastung. Höchsttemperaturen von 33 bis 36 Grad – gebietsweise sind sogar höhere Werte möglich – über mehr als fünf Tage sind doch eher selten. Eine abschliessende Analyse zur Hitzewelle und die Einordnung in die langjährige Klimatologie ist erst nach Ende der Hitzewelle möglich. Spannend ist jedoch ein Blick in die Vergangenheit auf der Suche nach der grössten Hitzewelle in der Geschichte von Zürich.

 

Hitzeperioden mit mehr als fünf zusammenhängender Hitzetage sind selten. Markant waren die Hitzeperioden 1911, 1947 und 2003. Wo wird sich 2015 einreihen?
Hitzeperioden mit mehr als fünf zusammenhängender Hitzetage sind selten. Markant waren die Hitzeperioden 1911, 1947 und 2003. Wo wird sich 2015 einreihen?

Die letzte zweiwöchige Hitzeperiode, welche in den Tieflagen der ganzen Schweiz eine durchschnittliche Tageshöchsttemperatur von 30 Grad oder mehr brachte, war jene vom Rekord-Juli 2006. Auf dem Zürichberg lag das höchste 14-Tagesmittel damals bei knapp 31 Grad. Seit 1901 waren nur vier 14-Tagesmittel der Höchsttemperatur heisser. Die Hitzewellen von Ende Juli bis Anfang August im Jahr 1911 und 1947, jene vom Juli 1983 und nochmals ein ganzes Stück heisser war die 2-wöchige Hitzeperiode im August 2003 mit durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen von 33 Grad in Zürich. Der Rekordwert aus dem Jahr 2003 gilt fast als unantastbar, es wäre erstaunlich, wenn dieser Wert bereits mit der aktuellen Hitzewelle, 13 Jahre später fallen würde.

Im Hitzesommer 2003 gab es mehrere Hitzewellen. Am markantesten waren jene im Juni und dann vor allem jene Anfang August. Maximal reihten sich in Zürich 11 Tage mit einer Höchsttemperatur von mehr als 30 Grad (sogenannte Hitzetage) aneinander. Dies entspricht aber erstaunlicherweise nicht ganz dem langjährigen Rekord. Zwischen Ende Juli und Anfang August 1947 war es nämlich an 12 aufeinanderfolgenden Tagen brütend heiss. Während der erwähnten Hitzeperiode 1911 waren es 10 Hitzetage in Folge. Im Rekord-Juli 2006 waren es immerhin 8 Tage. Solch lange Hitzeperioden wurden seither nicht mehr beobachtet. Eine Hitzewelle kommt selten allein, sodass in den Hitzesommer 1947 und 2003 im ganzen Sommer insgesamt 26 respektive 27 Hitzetage mit mehr als 30 Grad gemessenwurden.

 

Knapp 38 Grad in Zürich

Hitzewellen bleiben vor allem aufgrund ihrer Dauer in Erinnerung, aber auch wegen ihrer maximalen Höchsttemperatur. Die höchste je in Zürich gemessene Temperatur seit 1901 stammt mit 36,4 Grad wahrscheinlich auch aus dem Hitzesommer 2003. In der nicht homogenisierten Temperaturhistorie sind aber auch höhere Werte für Zürich ersichtlich. Jedoch lag damals die Referenzwetterstation von Zürich zuerst mitten in der Innenstadt bei der Urania-Sternwarte und später auf dem Gelände der ETH Zürich, bevor sie an den heutigen Standort in Zürich-Fluntern verlegt wurde. Die tatsächlich gemessenen Werte sind deshalb nicht vergleichbar und müssen nachträglich um die Stationsverschiebungen korrigiert werden. Ohne diese Korrektur aber, gemessen mitten in der Stadt Zürich, beträgt die höchste je gemessene Temperatur in Zürich 37,7 Grad und stammt aus dem Juli 1947.

 

Wie kann man „Hitze“ messen?

Das Empfinden von Hitze hängt nicht nur von der Temperatur ab, sondern auch von der in der Luft enthaltenen Feuchtigkeit. Hohe Temperaturen sind bei tiefer relativer Luftfeuchtigkeit viel besser zu ertragen. Dies lässt sich sehr schön am Beispiel einer finnischen Sauna veranschaulichen, in welcher die Lufttemperatur von etwa 90 Grad nur ertragbar ist, weil die Feuchtigkeit sehr gering ist. Um also „Hitze“ zu messen verwendet die MeteoSchweiz einen Heat Index, in welchem die Temperatur sowie die Luftfeuchtigkeit zu einer Ziffer verrechnet werden. Wird an mindesten 3 Tagen in Folge ein Heat Index grösser als 90 erwartet, gibt MeteoSchweiz eine Warnung der Stufe 3 für Hitze aus. Ein Heat Index grösser als 90 kommt bei 29 Grad und 70 Prozent Luftfeuchte oder aber bei 33 Grad und 35 Prozent Feuchte zustande. Für eine Warnung Stufe 4 muss über mindestens 5 Tage ein Heat Index grösser als 93 erwartet werden, so wie in der aktuellen Hitzewelle.

Hitzewellen: die markantesten in der Geschichte Zürichs