Viele Schneetage trotz Warmwinter

Der Winter 2014/15 gehört in Zürich trotz des kalten Februars zu den wärmsten 20 Prozent seit Messbeginn im Jahr 1864. Der Winter brachte aber auch überdurchschnittlich viele Schneetage.

Der meteorologische Winter 2014/15 dauerte von Dezember bis Februar und ist somit bereits zu Ende. Er hinterlässt kein eindeutiges Bild und ist nicht einfach in die langjährige Klimareihe einzuordnen. Kein Monat glich dem nächsten und jeder zeigte spezielle Witterungsphänomene. Obwohl der diesjährige Winter abwechslungsreich und wettertechnisch spannend verlief, wird er als Ganzes unspektakulär und durchschnittlich in Erinnerung bleiben.

Winter-ZH-1864-2015
Der meteorologische Winter 2014/15 war in Zürich mit durchschnittlich 1,4 Grad überdurchschnittlich mild. So warm wie im laufenden Jahrzehnt (rote Linie) waren die Winter in Zürich seit 1864 nie. Seit 1991 haben sich die Winter jedoch nur noch geringfügig weiter erwärmt. In den kommenden Jahrzehnten ist im Zuge der globalen Erwärmung auch in der Schweiz mit einer weiteren Erwärmung zu rechnen.

 

Warmer Winter

Der diesjährige Winter wurde sukzessive kälter. Brachte der Dezember 2014 noch durchschnittlich 3 Grad in Zürich, waren es im Januar 2015 noch 2, im Februar dann sogar nur noch knapp -1 Grad. Nachdem Dezember und Januar gegenüber dem Referenzwert der Periode 1981-2010 noch um je anderthalb Grad übertemperiert waren, zeigte der Februar seine eisigen Krallen und war unter dem Strich um rund 2 Grad unterkühlt. Gemittelt über den ganzen Winter war die kalte Jahreszeit auf dem Zürichberg mit 1,4 Grad um vier Zehntelgrad milder als im langjährigen Durchschnitt, wie aus Daten von MeteoSchweiz hervorgeht. Damit war der diesjährige Winter deutlich weniger warm als der vorangegangene, welcher nochmals anderthalb Grad milder war. Trotzdem erlebte Zürich den zweitwärmsten Winter der letzten sieben Jahre. Ähnlich temperiert waren die Winter der Jahre 2003/4, 1959/60, 1929/30, 1924/25 und 1920/21. Im Vergleich mit der gesamten Messreihe seit 1864 gehört der diesjährige Winter zu den wärmsten 20 Prozent.

Kurze Kältewelle

Der meteorologische Winter begann Anfang Dezember mit einer frostfreien, Hochnebel verhangenen Woche. In der Folge kam eine markante Westströmung auf, welche bis zu Weihnachten windige und einzelne nasse Tage mit sich brachte. An sonnigen Tagen und Temperaturen über 10 Grad kamen kurz vor Weihnachten bereits wieder Frühlingsgefühle auf. Diese wurden dann aber von einem überraschenden Polarluftvorstoss zwischen Weihnachten und Neujahr abrupt unterdrückt. Der Kaltluftvorstoss war so heftig, dass am Morgen des 29. Dezember mit -13,8 Grad sogleich die tiefste Temperatur des ganzen Winters in Zürich gemessen wurde. Mit der Kälte kam auch der ersehnte Schnee in den Bergen – und im Flachland. Das neue Jahr war noch nicht alt, als sich bereits die nächste ausgeprägte Westströmung aufbaute. Erneut wurde sehr milde und häufig auch feuchte Atlantikluft in den Alpenraum geführt. Mit 15,4 Grad wurde am Nachmittag des 10. Januars dann auch die höchste Temperatur des Zürcher Winters beobachtet. Nach einer durchaus sonnigen ersten Januarhälfte, brachte die zweite Hälfte vor allem wieder trübe Verhältnisse bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und einigen Schneeschauern. Gleichzeitig floss aus Nordwesten erneut Polarluft nach Mitteleuropa. Zwischen dem 4. und 8. Februar wurden fünf Eistage mit durchgehendem Dauerfrost in Zürich beobachtet, was einer kleinen Kältewelle entsprach.

Trockener Februar

Erst zur Monatsmitte erholten sich die Temperaturen allmählich. Am 20. Februar wurden dann bereits wieder Temperaturen über 10 Grad gemessen. Der Witterungscharakter blieb mit nordwestlicher Anströmung aber wechselhaft. Trotzdem war der Februar ausgesprochen trocken. Vom 3. bis 20. Februar war es an 18 Tagen in Folge trocken. Diese zusammenhängende Trockenphase ist zwar überdurchschnittlich lang, aber längst nicht extrem. Allein im Winter 2010/11 waren es 30 zusammenhängende Tage ohne Niederschläge in Zürich. Über den ganzen Monat betrachtet, fiel in Zürich im Februar lediglich die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge. Da mit dem Januar aber rund anderthalb Mal so viel Niederschlag im Messgerät gemessen werden konnte und der Dezember in etwa die üblichen Mengen brachte (verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010), fällt das Niederschlagsdefizit des ganzen Winters 2014/15 nicht ganz so extrem aus. Mit rund 80 Prozent der üblichen Niederschlagsmengen blieb der diesjährige Winter aber zu trocken. Die spärliche winterliche Besonnung entsprach hingegen mehr oder weniger dem langjährigen Erwartungswert und erreichte auf dem Zürichberg rund 190 Stunden.

Schneereich aber nicht kalt   

Im Rückblick wird rasch ersichtlich, dass nur der Februar das Prädikat „winterlich“ verdient hat. Die deutlich zu warmen Monate Dezember und Januar waren hingegen über weite Strecken wenig winterlich. Ein aussagekräftiges Mass für die Strenge des Winters ist die sogenannte Kältesumme. Sie ergibt sich aus der Summe aller Tagesmitteltemperaturen, die unter dem Gefrierpunkt liegen. Tage mit einer Durchschnittstemperatur über null Grad werden ignoriert. Der Dezember und Januar brachten es je auf eine Kältesumme von rund -15. Der Februar steuerte dann alleine -40 bei. Die Kältesumme des gesamten Winters lag somit in Zürich bei rund -70. Damit liegt der diesjährige Winter im milden Viertel der langjährigen Klimareihe. Im Durchschnitt ist in Zürich eine Kältesumme von -130 zu erwarten. Im vergangenen Jahr waren es hingegen nur rund -10, im Eiswinter 1962/63 hingegen -450. Zur Einschätzung: ab einer Kältesumme von rund -300 überfriert der Zürichsee. Streng war der diesjährige Winter also nicht, schneereich aber allemal. Nach den Schneefällen zwischen Weihnachten und Neujahr gab es in der zweiten Januarhälfte immer wieder Neuschneezuwachs. Insgesamt wurden im Dezember drei, im Januar sechs und im Februar vier Tage mit Neuschnee registriert. Zwischen Mitte Januar und Mitte Februar war der Zürichberg praktisch durchgehend schneebedeckt. Allein der Februar brachte es auf 25 Tage mit einer Schneedecke. Im gesamten Winter waren es 44 Tage mit einer Schneedecke. Im Mittel der Jahre 1981-2010 waren in Zürich im Winter nur 31 Tage mit Schneedecke zu geniessen. Der Winter war somit mild und schneereich zugleich.

Viele Schneetage trotz Warmwinter

Der Westwind bläst den Winter fort

Der Januar 2015 war in Zürich rund anderthalb Grad wärmer als das langjährige Mittel der Jahre 1981-2010. Auf dem Züriberg zeigte das Thermometer im Mittel 1,8 Grad an. Mit dem Januar geht der fünfte zu warme Monat in Folge seit September 2014 zu Ende. Weiter war es der fünfte übertemperierte Januar in Folge, nachdem in Zürich bereits alle Januare seit 2011 zu warm ausfielen. Die Januare im bereits wieder zur Hälfte durchschrittenen zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts sind mit durchschnittlich 1,7 Grad so mild wie nie zuvor in der 150-jährigen Messreihe von Zürich. In der Dekade von 1981-1990 waren die Januare im Durchschnitt noch -0,2 Grad kalt. Zwischen 1991 und 2000 brachten es die ersten Monate des Jahres bereits auf 0,7 Grad, ehe sie sich in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends von 2001 bis 2010 nicht weiter erwärmten und mit durchschnittlich 0,5 Grad sogar etwas kühler ausfielen als jene in der Vordeakde. Mit einem regelrechten Temperatursprung um 1,2 Grad seit der letzten Dekade haben sich die Januare nun aber wieder kräftig erwärmt.

 

Februar kann kalt sein

Die Winterwärme in der laufenden Dekade konzentriert sich keinesfalls nur auf den Januar. Ein sehr ähnliches Bild zeigt sich in der Tat auch im Dezember. Auch diese waren seit 2011, also im aktuellen Jahrzehnt, allesamt zu warm. Gegenüber dem vorangegangenen Jahrzehnt beträgt der Temperatursprung im Dezember sogar 1,7 Grad. Es ist jedoch zu bedenken, dass im aktuellen Jahrzehnt bis 2020 noch einiges geschehen kann. Von zu kalten Dezembern und Januare wird Zürich in den nächsten Jahren nicht unbedingt verschont werden. Dass es im Winter auch so richtig kalt werden kann, zeigen denn auch die Februare im laufenden Jahrzehnt. So war insbesondere der Februar 2012 für die heutige Zeit ausgesprochen kalt. Auf dem Zürichberg war es im Mittel eisige -3,5 Grad kalt. Und auch ein Jahr später blieb der Februar 2013 mit durchschnittlich -1,3 Grad frostig. Ob der letztjährige, viel zu warme Februar eine Trendwende einläutete, wird wohl der aktuelle Februar zeigen. Allgemein ist in diesem Jahrzehnt bisher noch kein Februarmuster zu erkennen, so war auch der Februar 2011 übertemperiert. Verglichen mit dem Vorjahrzehnt kühlten sich die Februare der Zehnerjahre jedoch im Schnitt markant ab. Trumpften die zweiten Monate des Jahres in den Dekaden 1991 bis 2000 und 2001 bis 2010 noch mit durchschnttlich 1,8 Grad auf, sind es im laufenden Jahrzehnt bisher kalte 0,5 Grad.

 

NAO entscheidet

Ob der Februar 2015 mild wie sein Vorgänger oder eisigkalt wie 2012 oder 2013 wird, hängt vor allem von der Nordatlantischen Oszillation (NAO) ab. Ist der Luftdruck über Südwesteuropa hoch und über Island und Skandinavien tief (positiver NAO-Index), führen die Westwinde im Winter milde und relativ feuchte Luftmassen heran. Ist das winterliche Kaltlufthoch über Russland dagegen kräftig ausgebildet, strömt mit Bise kalte und trockene Luft Richtung Alpenraum und die niederschlagsbringenden Tiefdruckgebiete ziehen dann weit nördlich und südlich von Mitteleuropa durch (negativer NAO-Index).

Die Nordatlantische Oszillation (NAO), also die Stärke der Westwindströmung, beeinflusst auch diesen Winter entscheidend das Wetter in der Schweiz: Bei positiver NAO ist es viel zu mild, bei negativer NAO ist es winterlich kalt.
Die Nordatlantische Oszillation (NAO), also die Stärke der Westwindströmung, beeinflusst auch diesen Winter entscheidend das Wetter in der Schweiz: Bei positiver NAO ist es viel zu mild, bei negativer NAO ist es winterlich kalt.

Wie stark der Einfluss der NAO auf den Schweizer Winter ist, zeigt der bisherige Winterverlauf (Dezember 2014 bis Januar 2015) eindrücklich: Der Winter startete Anfang Dezember mit durchschnittlichen Temperaturen. Die Strömung über Europa war zonal geprägt, jedoch war noch keine starke Westströmung auszumachen. In der Folge verstärkten sich die Druckgebilde Azorenhoch und Islandtief, so dass eine ausgeprägte Westwindströmung aufkam. Der NAO-Index stieg analog rasch in den stark positiven Bereich. Die Milderung in Zürich lies nicht lange auf sich warten. Schon bald stiegen die Temperaturen markant an. Zur Dezembermitte war es beinahe frühlingshaft mild auf dem Zürichberg mit Temperaturen über 10 Grad. In der Folge sank der NAO-Index bis zum Jahresende kontinuierlich bis in den negativen Bereich ab, da die Druckgebilde über dem Atlantik weniger ausgeprägt waren und somit die Westwinde langsam abflauten. Der Weg war somit frei für arktische Luftmassen, welche den Alpenraum dann auch tatsächlich kurz nach Weihnachten und bis zum Silvester besuchten und mit Schnee überhäuften. Doch bereits in der ersten Neujahrswoche reaktivierten sich die Druckgebilde über dem Atlantik und der NAO-Index wechselte wieder in den positiven Bereich. Mitte Januar war der NAO-Index dann schon wieder stark positiv. Die neuerliche Winterwärme liess nicht lange auf sich warten und so war es Mitte Januar erneut frühlingshaft mild mit bis zu 15 Grad in Zürich. Nachdem der NAO-Index in der Folge wieder zurückging, meldete sich auch der Winter in der zweiten Januarhälfte zurück. Die positive Phase der NAO Ende Januar konnte dann im Temperaturverlauf nicht mehr gut erkannt werden. Trotz hohem NAO-Index blieb es eher kalt, da der Westwind in der Schweiz die stabile Grenzschicht nicht genügend gut durchmischen konnte. Trotzdem zeigt sich auch in diesem Winter, wie stark die Nordatlantische Oszillation das Wetter im Alpenraum beeinflusst. Gemäss Mittelfristprognosen erwartet uns Anfang Februar nun zuerst einmal eine negative NAO-Phase mit entsprechend winterlichen Verhältnissen.

 

Der Westwind bläst den Winter fort

Wenn es im Januar wärmer ist als im Juli

Die zweite Winterhalbzeit ist bereits angebrochen. Mittlerweile hat er, der Winter, sich auch zurückgemeldet und bleibt uns bis mindestens Ende Januar mehr oder weniger erhalten.

Wie in den Vormonaten fuhr auch die erste Januarhälfte 2015 in der ganzen Schweiz einen deutlichen Wärmeüberschuss ein. Auf dem Zürichberg war es mehr als 3 Grad wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Der Schneepracht, welche zwischen Weihnachten und Neujahr fiel, ging es rasch wieder an den Kragen. Nach einer kurzen Pause drehten die Höhenwinde wieder auf West und vom Atlantik zog eine Serie von Orkantiefs über Europa und führte sehr milde Meeresluft bis weit in den Kontinent hinein. Am 10. Januar zog das Orkantief „Felix“ vom Norden Schottlands zur Norwegischen Küste. Die Schweiz befand sich an diesem Tag im Warmluftsektor zwischen der Warm- und der Kaltfront von Felix. Nachdem in der vorangegangenen Nacht die Höhenwinde aufgrund eines massiven Druckgefälles ihr Maximum erreichten, stellte sich tagsüber ziemlich sonniges Wetter ein. Die stürmischen Winde, in Zürich wurden gemäss MeteoSchweiz Böenspitzen von 95 km/h gemessen, sorgten für eine gute Durchmischung und brachten die milden Luftmassen bis zum Boden. Dementsprechend sank das Thermometer während der ganzen Nacht nie unter 10 Grad. Mit den Sonnenstrahlen kletterte das Thermometer dann auf dem Zürichberg sogar bis auf 15,4 Grad.

Der Tagesmittelwert des 10. Januars markierte mit 12,6 Grad für Zürich einen neuen Allzeit-Rekord für den Monat Januar. Noch nie seit mindestens 1864 war ein Januartag so warm wie der 10. Januar 2015. Verglichen mit dem langjährigen Referenzwert war dieser Januartag mehr als 12 Grad übertemperiert. Der 10. Januar war sogar wärmer als fünf Tage des vergangenen Sommers. Der 9. und 10. Juli 2015 wiesen beispielhaft nur gerade ein Tagesmittel von 11,4 und 10,8 Grad auf und waren somit noch ein gutes Stück kühler als der 10. Januar 2015.

janu

Kurzmitteilung