Was wäre wenn Zürich das Wetter 2014 mit Chicago tauschen würde?

Global wärmstes Jahr

Die grosse Wärme in der ersten Januarhälfte kommt nicht von ungefähr. Das Wetterjahr 2014 war in der Schweiz und sogar über den ganzen Globus gemittelt das wärmste seit Messbeginn. Global lagen die Temperaturen rund 0,7 Grad über dem Mittel des 19. Jahrhunderts und somit so hoch wie nie seit Messbeginn 1880. Etwas weniger warm waren die Jahre 2010, 2005 und 1998, welche die Ränge zwei bis vier auf der globalen Rangliste besetzen.

Trotz der Rekordwärme war das Wetterjahr 2014 nicht überall auf der Erde überdurchschnittlich warm. Die regionale Variabilität ist ein charakterisierendes Kennzeichen des globalen Wetters. So erlebte der Mittlere Westen der USA, vor allem die Region um die grossen Seen, trotz globalen Rekordtemperaturen ein ungemein kaltes 2014.

 

Kaltes Chicago

Extrem war der Witterungsverlauf 2014 exemplarisch dafür in Chicago. Die Monate Januar bis März waren allesamt 3,5 bis 5 Grad kälter als in der Normperiode der Jahre 1981-2010. Auch die Frühlingsmonate wollten nicht wirklich auf Touren kommen und waren je um rund 1 Grad unterkühlt. Im Sommer verstärkte sich die Kältephase erneut: Der Juli war in der windigen Grossstadt um satte 4 Grad zu kalt. Das Sommerklima ist in Chicago zwar auch mit einem Wärmedefizit von ein paar Graden noch angenehm warm, jedoch sind sich die Einwohner dort grosse Hitze gewohnt. Liegt die Stadt doch weit im Landesinneren und auf der geografischen Breite von Italien und Spanien. In allen Herbstmonaten klaffte in Chicago, wie schon in den Vormonaten, ein deutliches Wärmedefizit auf. Der November war gar um mehr als 4 Grad zu kalt und schon sehr winterlich. Nachdem die ersten elf Monate des Jahres 2014 zu kalt ausfielen, brachte der Dezember die grosse Wende (zumindest vorübergehend) und war in Chicago mehr als 2 Grad übertemperiert.

Temperaturverlauf_2014_Zürich
So war 2014 in Zürich: Abweichung der Temperatur im Jahr 2014 vom durchschnittlichen Tagesmittel der Normperiode 1981-2010 in Zürich. Rote Balken geben wärmere Tage an, blaue Balken kältere. Die Periode von Januar bis April verlief deutlich zu warm. Zwischen Mai und August war es wechselhaft und häufig auch zu kühl. Die markante Hitzewelle Anfang Juni (Pfingsten) ist gut erkennbar. Von September bis Dezember war es erneut rekordverdächtig warm mit Ausnahme der kurzen Kältewelle zwischen Weihnachten und Neujahr.
Temperaturverlauf_Zürich_Wetter_Chicago2014
So wäre 2014 in Zürich gewesen: Abweichung der Temperatur vom durchschnittlichen Tagesmittel der Normperiode 1981-2010 in Zürich mit dem Witterungsverlauf von Chicago im Wetterjahr 2014. Rote Balken geben wärmere Tage an, blaue Balken kältere.

 

Vorstellbar in Zürich?

Das Wetterjahr 2014 war in Chicago 2,2 Grad kälter als in der Normperiode 1981-2010. Dies zeigt eindrücklich, dass es lokal auch in einem global rekordwarmen Jahr deutlich zu kalt sein kann. Über Nordamerika hat sich im vergangenen Jahr ein besonderes Witterungsmuster, welches Kaltluftausbrüche aus dem hohen Norden in Richtung Mittlerer Westen begünstigt, ständig wiederholt. Es ist davon auszugehen, dass sich ein solch extremes Jahr in Chicago lange nicht wiederholen wird und die kommenden Jahre tendenzielle auch wieder zu warm ausfallen werden. Theoretisch wäre so ein Extremjahr aber auch in Zürich möglich. Jahre mit einem Wärmedefizit von 2,2 Grad gab es letztmals 1956 und 1940. Im Jahr 1978 waren in Zürich zudem letztmals elf Monate in Folge kälter als die Referenz 1981-2010. Wäre die Anomalie, also die Temperaturabweichung zum Normwert, welche Chicago im 2014 erlebte, in Zürich aufgetreten, hätte dies erstaunliche Folgen gehabt. Der Januar wäre in Zürich so kalt wie 1987 mit einer markanten Kältewelle zur Monatsmitte mit Tagesmittel von -18 Grad. Der Februar wäre so eisig, wie Zürich es im 2012 erlebte. Mit einer fast dreiwöchigen Kältewelle mit Tagesmitteltemperaturen unter -10 Grad. Der Zürichsee wäre zumindest mit einer dünnen Eisschicht überfroren. Bis auf wenige milde Tage würde der Frühling auch im März und April nicht richtig Einzug halten, wie beispielsweise in den Jahren 1955 und 1997 in Zürich. Der Mai wäre wechselhaft mit einigen Kälterückfällen, wie beispielsweise auch im 2014. Im Sommer gäbe es nur wenige Baditage mit einem Temperaturmittel von mehr als 20 Grad. Der Sommer wäre im Juni und Juli noch ein ganzes Stück kühler als im vergangenen Jahr. Eine Kältephase mit Tagesmitteltemperaturen unter 10 Grad anfangs Juli wie 1948 und einem sehr kühlen August wie 1984 oder auch in diesem Jahr stünden auf dem Jahresprogramm. Im Herbst wäre kaum noch Spätsommerwetter, sondern schon bald wieder erste Schneeflocken zu erwarten, wie im Oktober 2010. Im November herrschte bereits tiefster Winter mit Dauerfrost an mehreren Tagen. Der Dezember brächte die Kehrtwende und wäre so wie in den Jahren 2011 oder 2014: deutlich zu mild, windig und kaum winterlich. Anstatt Schnee fällt Regen. Kurzum: Ein Wetterjahr analog zu Chicago im Jahr 2014 wünscht sich in Zürich wohl niemand.

Was wäre wenn Zürich das Wetter 2014 mit Chicago tauschen würde?

Wärmstes Jahr: ohne Sommer und mit eisigem Ende

Auf globaler wie lokaler Ebene war das Jahr 2014 das wärmste seit mindestens 150 Jahren. In Zürich war das Witterungsjahr 2014 zudem sonniger und eine Spur trockener als im langjährigen Durchschnitt. Der Winter 2013/14 wie auch der Frühling 2014 gehörten zu den 10 wärmsten seit Messbeginn 1864. Im Herbst 2014 wurden sogar die zweithöchsten Temperaturen gemessen. Nur der Sommer fällt aus der Reihe. Dieser war kühl, grau und nass.

 

Kein Schnee und viel zu warm

Während Anfang Jahr 2014 auf der Alpensüdseite in den Bergen eine überdurchschnittliche Schneedecke lag, erreichten die Schneehöhen am Alpennordhang an einigen Orten massiv unterdurchschnittliche Werte. Im Flachland der Alpennordseite blieb der Januar 2014 vielerorts sogar ganz schneefrei, wie MeteoSchweiz mitteilte. Derart schneearm blieb ein Januar im Flachland letztmals 2008 und 1996. Die ersten zwei Monatsdrittel waren durch West- und Südwestströmung geprägt. Die Temperaturen lagen weit über der Norm. Im Januar 2014 ergab sich die seltene Situation, dass im Flachland der Alpennordseite flächendeckend kein einziger Eistag aufgezeichnet wurde, wie MeteoSchweiz bekannt gab. Ähnliches war letztmals vor 26 Jahren im Januar 1988 der Fall. So erstaunte es nicht, dass bereits die ersten Haselsträucher zu blühen begannen. Auch der Februar setzte fort, was der Januar begann. Täglich lagen die Temperaturen fast überall in der Schweiz über der Norm 1981-2010. Massive Ausreiser nach oben waren aber nicht dabei, sodass der Februar in Zürich 2,8 Grad zu warm in die Wetterannalen eingeht. Kein anderer Monat brachte in Zürich im 2014 einen grösseren Wärmeüberschuss.

Die ersten vier Monate im 2014 brachten anhaltende Wärme in Zürich. Nach einem zu kühlen Mai, Juli und August ginge es von September bis Dezember wieder rekordverdächtig warm weiter. 2014 war in Zürich das wärmste Jahr seit mindestens 150 Jahren.
Die ersten vier Monate im 2014 brachten anhaltende Wärme in Zürich. Nach einem zu kühlen Mai, Juli und August ginge es von September bis Dezember wieder rekordverdächtig warm weiter. 2014 war in Zürich das wärmste Jahr seit mindestens 150 Jahren.

Früher Frühlingsbeginn 

Aufgrund der Schneearmut und der anhaltend viel zu hohen Temperaturen in den ersten Monaten des Jahres kam nie richtig Winterstimmung auf. Vielmehr setzte sich schon bald wieder der Frühling in Szene. Nach letzten Niederschlägen am 6. März hiess es bis am 21. März fast ununterbrochen „ganze Schweiz sonnig“. Eine ähnlich anhaltende Schönwetterperiode im März trat letztmals in den Jahren 2003 und 1993 auf. In der schon kräftigen Frühlingssonne stiegen die Temperaturen im Tessin erstmals auf sommerliche 25 Grad. In Zürich brachte der März lediglich ein Drittel der üblichen Niederschlagsmengen und war der trockenste Monat des Jahres. Die Sonnenscheindauer erreichte mehr als 160 Prozent der üblichen Werte. Kein anderer Monat brachte verhältnismässig mehr Sonne im Wetterjahr 2014. Anhaltend mild zeigte sich auch die erste Aprilhälfte. Erneut lagen die Tagesmitteltemperaturen 5 bis 7 Grad über der Norm der Jahre 1981-2010. Die hohen Apriltemperaturen wurden von viel Sonnenschein begleitet. Wie bereits im Februar und März gelangte auch im April erneut viel Saharastaub via Luft in die Schweiz. Dies unterstreicht exemplarisch, wo der Ursprung der deutlich zu milden Luftmassen über der Schweiz lag. „Pünktlich“ auf die Osterfeiertage floss kühle Luft aus Norden zur Schweiz und lies die Schneefallgrenze rasch bis in tiefe Lagen absinken. Nach dem österlichen Wintereinbruch kamen die Wärme und die Sonne zurück, bevor es am Sechseläuten-Montag erneut zu ergiebigen Niederschlägen und einer deutlichen Abkühlung kam. Bereits Anfang April konnten blühende Kirschbäume beobachtet werden. Mit einem Vorsprung von bis zu 20 Tage gegenüber dem Mittel begannen im Laufe des Aprils auch die Obstbäume zu blühen.

nied2014
Nach einem trockenen ersten Halbjahr brachte der Hochsommer sehr viel Regen. Das Jahr ging dann auf dem Zürichberg wieder eher zu trocken zu Ende. Insgesamt war 2014 leicht zu trocken.

Wechselhafter Frühsommer

Der Mai begann dann kühl und regnerisch. Ein wechselhafter Wettercharakter blieb uns bis zur Monatsmitte erhalten. Unter dem Strich brachte der Mai durchschnittliche Niederschlagsmengen und genügend Sonnenschein. Die Temperaturen blieben aber erstmals im 2014 unter dem Erwartungswert. Erst gegen Monatsende brachte eine Föhnströmung Wärme und Saharastaub in die Schweiz. Nach einigen wechselhaften Junitagen setzte sich am 7. Juni die Hitzewelle des Pfingstwochenendes ein. Heisse Afrikaluft strömte nach Mitteleuropa und liess die Temperaturen in Zürich am 9. Juni auf 33,7 Grad steigen. Niemand ahnte, dass dies bereits der Höhepunkt des Sommers war. An vielen Messstandorten gab es Rekord-Temperaturen für die erste Junihälfte. Im Wallis wurde es beispielsweise 36,2  Grad heiss. Der restliche Juni blieb zwar mit Temperaturen zwischen 21 und 27 Grad mehrheitlich sommerlich. Jedoch setzten mit abschwächendem Hochdruck zum Teil heftige Gewittertätigkeit ein. Bis am 22. Juni blieb es aber in vielen Gebieten der Nordschweiz ausgesprochen trocken. Das erste Halbjahr wies ein deutliches Niederschlagsdefizit auf. Zum Fussball-WM-Auftakt fielen am 12. Juni innerhalb einer Stunde 37 mm Regen in Zürich. Dies entspricht einem Ereignis, welches nur alle 10 Jahre zu erwarten ist. Der regenreichste Tag des Jahres war mit knapp 45 mm der 29. Juni. Der Juni war insgesamt deutlich zu warm und mit gemittelt 18 Grad der wärmste Monat des Jahres und brachte auch überdurchschnittlich viel Sonnenschein. Jedoch war er auch etwas zu nass.

Alle Monate im 2014 ausser die Hochsommermonate Juli und August brachten genügend oder überdurchschnittlich viel Sonnenschein. 2014 war insgesamt sonnenreicher als normal.
Alle Monate im 2014 ausser die Hochsommermonate Juli und August brachten genügend oder überdurchschnittlich viel Sonnenschein. 2014 war insgesamt sonnenreicher als normal.

Trüb-nasser, kühler Sommer

Statt mit heissem Badewetter startete der Juli im Mittelland mit Nebelfeldern und sehr frischen Morgentemperaturen. Insgesamt blieb der Juli über weite Strecken nass und kalt. Häufige und kräftige Regenfälle liessen die anhaltende Trockenheit in den ersten Monaten des Jahres rasch vergessen. Mit mehr als 190 mm und mehr als 150 Prozent der Norm war der Juli in Zürich der nässeste Monat des Jahres. Westlich der Reuss wurden an zahlreichen Messstandorten neue Rekordregensummen für den Monat Juli gemessen, wie MeteoSchweiz mitteilte. Gleichzeitig führte das häufige Regenwetter dazu, dass in der Region Genfersee, im Wallis, im Berner Oberland und auf der Alpensüdseite sowie im Oberengadin der Juli 2014 der sonnenärmste seit Messbeginn war. Auch im August konnte sich kein Sommerwetter durchsetzen. Es war der zweit- bis viertkälteste August der letzten 30 Jahre. Erneut fielen Starkniederschläge und erneut gab es eine grosse Sonnenarmut. Längere Schönwetterperioden blieben komplett aus. Nach der rekordtiefen Sonnenscheindauer im Juli brachte auch der August im Tessin Rekord-Sonnenarmut. In Zürich gab es in beiden Monaten nur 78 Prozent der üblichen Besonnung.

Sommer im Herbst

Der September war wechselhaft, brachte aber auch noch längere Phasen mit spätsommerlicher Witterung und Sonnenschein. Im Mittel war der September zu warm und zu trocken. Nach dem kalten Sommer zeigten sich im September aber bereits früh deutliche Herbstanzeichen in der Vegetation. Der Oktober brachte gebietsweise Rekordtemperaturen. Über die ganze Schweiz gemittelt war es der viertwärmste Oktober seit Messbeginn vor 150 Jahren. Zwischen Föhnströmungen und Hochdruckwetter gab es zudem viele Sonnenstunden. Diese Vorzeichen änderten sich auch im November nicht. So bewegten sich die Temperaturen im Rekordbereich und mit wiederholten Föhnströmungen gab es im Tessin Jahrhundertniederschläge verbunden mit Hochwasser am Lago Maggiore und am Lago di Lugano. Die vielfach sonnigen Wochenenden und anhaltende Wärme kompensierten den verregneten Sommer und liessen Frühlingsblumen nochmals aufblühen und Walderdbeeren reifen. Auch der Dezember blieb bis Weihnachten extrem mild jedoch aber auch sonnenarm. Ein kräftiger Wintereinbruch am Stephanstag, verbunden mit Rekordschnee und eisiger Kälte beendete auf unkonventionelle Art und Weise das wärmste Jahr in der Messgeschichte. Am Morgen des 29. Dezember sank die Minimum-temperatur im Mittelland in der kalten Luft und mit aufklarendem Himmel bei windstillen Verhältnissen rund zwei Meter über dem frischen Schnee extrem tief ab. In Hallau im Kanton Schaffhausen fiel sie auf minus 21,1 Grad, wie MeteoSchweiz berichtete. Das ist an diesem Messstandort der weitaus tiefste Dezemberwert in der über 50-jährigen Messreihe. Auch auf dem Zürichberg wurde es mit minus 13,8 Grad sehr kalt. Dies war die tiefste Dezembertemperatur seit 2009. Am Morgen des 31. Dezembers wurde in Zürich mit einer Gesamtschneehöhe von 38 cm der höchste Dezemberwert seit mindestens 1949 registriert. Zudem lag mehr Schnee in Zürich als in Arosa.

Im Klimadiagramm 2014 von Zürich ist der trockene Jahresbeginn verbunden mit einem steilen Temperaturanstieg und einem anschliessend kühl-nassen Sommer gut ersichtlich.
Im Klimadiagramm 2014 von Zürich ist der trockene Jahresbeginn verbunden mit einem steilen Temperaturanstieg und einem anschliessend kühl-nassen Sommer gut ersichtlich.

Jahresbilanz

Mit einem Wärmeüberschuss von 1,3 Grad und einer gemittelten Temperatur von 10,6 Grad war das Jahr 2014 in Zürich das wärmste seit Messbeginn 1864. Es distanzierte die bisherigen Rekordhalter 1994 und 2011 um rund 0,15 Grad. Nach dem kalten Sommer hätten wohl nicht viele auf ein neues Rekordjahr gewettet. Tatsächlich war ein fulminanter Schlussspurt mit Rekordtemperaturen von Oktober bis Weihnachten nötig für dieses Resultat. Auch über die ganze Schweiz gemittelt war 2014 etwas wärmer als 2011 und somit das wärmste in der Messreihe. In der Südschweiz hingegen waren die Jahre 2011 und 2007 noch ein Stück wärmer als 2014. Mit etwas mehr als 1000 mm Niederschlag blieb das Jahr in Zürich leicht trockener als in der Referenzperiode 1981-2010. Mit 126 Regentagen gab es acht Tage weniger Niederschlag als in einem durchschnittlichen Jahr. Gleichzeitig war 2014 mit mehr als 1700 Sonnenstunden rund 10 Prozent sonniger als normal und dies trotz des sehr sonnenarmen Sommers. Im Jahr 2014 wurden in Zürich lediglich 44 Frosttage mit Tiefstwerten unter null Grad registriert. Das sind so wenige wie selten. Nur die Jahre 1994, 2000 und 2002 brachten in Zürich noch etwas weniger Frosttage. Mit 2 bis 3 Eistagen, an denen Dauerfrost herrschte, gab es rekordverdächtig wenige in Zürich. Ähnliches war bisher nur aus dem Jahr 1974 bekannt. Diese Werte unterstreichen die Rekordwärme dieses Jahres. Untypisch für ein Warmjahr aber erklärbar mit dem kalten Sommer, gab es in Zürich im 2014 lediglich 27 Sommertage mit mehr als 25 Grad und nur sechs Hitzetage mit mehr als 30 Grad. Letztmals weniger Sommertage gab es 1996. Die sechs Hitzetage liegen zwar im langjährigen Mittel, jedoch gab es alleine im letzten Jahr doppelt so viele. Rekordwärme und Sommerhitze fallen eben nicht immer zusammen.

Wärmstes Jahr: ohne Sommer und mit eisigem Ende

2014: Wärmstes Jahr der Erde – auch in Zürich?

Angetrieben von rekordwarmen Ozeanen jagen sich seit Monaten die globalen Temperaturrekorde. 2014 ist auf dem Weg zum global wärmsten Jahr seit 1880. Reicht es auch in Zürich für einen neuen Temperaturrekord?

Die globale Durchschnittstemperatur über dem Land und den Ozeanen erreichte im August 2014 einen neuen Höchstwert in der seit 1880 laufenden Messreihe. Es war gleichzeitig der 38. August in Folge mit einer gemittelten Temperatur, die über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts lag. Der letzte zu kühle August auf globaler Bühne konnte 1976 beobachtet werden. Gleiches gilt für die Periode Juni bis August. Mit einer positiven Abweichung von 0,7 Grad gegenüber dem Mittel des 20. Jahrhunderts war es global so warm wie nie. Angetrieben wird diese „Hitzeperiode“ von den rekordwarmen Ozeanen. Über den Landmassen ist das hohe Temperaturniveau (noch) nicht überall zu spüren. So war der Sommer in Mittel- und Südeuropa, über der Osthälfte der USA sowie auf einem breiten Band von Sibirien bis nach China nur durchschnittlich oder sogar zu kühl. So erstaunt es kaum, dass die gemittelte Temperatur über den globalen Landmassen in den Monaten Juni bis August so kühl war wie nie mehr seit 2005. Die Weltmeere aber bedecken 71 Prozent der Erdoberfläche – wenn sie zu warm sind, steigt auch die globale Durchschnittstemperatur. Und genau dies geschieht auch dieses Jahr. Erstaunlich an der Sache ist bloss, dass wir zurzeit noch nicht einmal El Niño-Verhältnisse vorfinden. Diese sind sonst für sehr warme Ozeantemperaturen (vor allem im Pazifik) verantwortlich. Die Modelle rechnen aber mit einer Wahrscheinlichkeit von 60-65 Prozent, dass sich im Verlaufe des Herbstes und Winters ein El Niño etablieren wird. Dann dürften die Weltmeere insgesamt noch wärmer werden.

Global wärmstes Jahr?

Bereits die aktuelle Periode von Januar bis August war global die 3.-wärmste seit Messbeginn 1880. Und, so scheint es, wird es dieses Jahr immer noch wärmer. Wenn es so weitergeht, wird 2014 das global wärmste Jahr und stösst das Jahr 2010 vom Thron. Doch wie sehen die möglichen Szenarien bis zum Jahresende aus und reicht es dann wirklich für das wärmste Jahr seit Messbeginn? Anhand von fünf Szenarien wagen wir einen Blick in die nahe Zukunft. Dabei hilft der sogenannte „year-to-date“-Ansatz. Mit anderen Worten; der Januar-Wert entspricht dem Januar-Wert, der Februar-Wert entspricht dem Mittelwert von Januar bis Februar und so weiter. Das aktuelle Jahr wird so mit den fünf bisher wärmsten Jahren (2010, 2005, 1998, 2003, und 2013) verglichen.

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Fünf Szenarien skizzieren den Weg bis zum Jahresende auf globaler Ebene. Zum Vergleich sind die vier wärmsten Jahre abgebildet, jeweils mit dem Ansatz “year-to-date”: der Januar-Wert entspricht dem Januar-Wert, der Februar-Wert entspricht dem Mittelwert von Januar bis Februar und so weiter.

Szenario 1 (orange): Wenn jeder noch anstehende Monat im Jahr 2014, also September bis Dezember, rekordwarm wird, dürfte 2014 mit Abstand zum global wärmsten Jahr seit Messbeginn werden. Unrealistisch ist dies nicht, vor allem im Hinblick auf ein anstehendes El  Niño-Ereignis. Zudem waren vier der letzten zwölf Monate, nämlich November 2013, Mai, Juni und August 2014, bereits rekordverdächtig warm.

Szenario 2 (violett): Wenn jeder noch anstehende Monat im Jahr 2014 der 3.-wärmste in der Messreihe darstellt, wird 2014 ebenfalls zum global wärmsten Jahr seit Messbeginn. Jeder der vergangenen fünf Monate hat dieses Kriterium erfüllt.

Szenario 3 (hellblau): Auch wenn jeder noch anstehende Monat dem Durchschnitt der jeweils zehn wärmsten Monatswerte entspricht, wird 2014 global ein neuer Hitzerekord aufgestellt.  Jeder der letzten zwölf Monate, ausser dem Februar, erfüllte diese Anforderung.

Szenario 4 (dunkelblau): Wenn jeder noch anstehende Monat dem Durchschnitt des 21. Jahrhunderts (2001-2013) entspricht, wird 2014 global zum 2.-wärmsten Jahr seit Messbeginn (gleich warm wie 2005).

Szenario 5 (grün): Wenn jeder noch anstehende Monat im Jahr 2014 der 10.-wärmste in der Messreihe darstellt, wird 2014 zum global 3.-wärmsten Jahr seit Messbeginn (gleich warm wie 1998). Jeder der vergangenen zwölf Monate (ausser Februar) hat dieses Kriterium erfüllt.

Gut möglich, dass die globale Temperaturkurve in diesem Jahr also einen neuen Jahresrekordwert setzt. Das heisst aber nicht, dass es auf der ganzen Erdoberfläche rekordverdächtig zu und her ging. Die Chance auf ein rekordwarmes Jahr 2014 in Zürich ist zwar noch in Takt, wohl aber eher unwahrscheinlich.

Rekordwärme in Zürich?

Wenn die fünf oben beschriebenen Szenarien auf Zürich angewendet werden, würde sich das Bild folgendermassen präsentieren: Mit einer Abweichung von 1,2 Grad gegenüber dem Mittel 1981-2010 sind die Jahre 2011 und 1994 zurzeit die Rekordhalter in Zürich, wie aus Daten von MeteoSchweiz hervorgeht. Weiter gehören die Jahre 2002, 2000 und 2003 zu den fünf wärmsten seit Messbeginn 1864. Wären nun gemäss Szeanrio 1 oder 2 die Monate Oktober bis Dezember in Zürich jeweils mindestens die 3.-wärmsten ihrer Sorte, so wäre das Jahr 2014 mit Abstand das wärmste Jahr seit Messbeginn in Zürich. Diese beiden Szenarien scheinen für Zürich aber sehr unwahrscheinlich. Die Szenarien 3 und 5 sind jedoch durchaus möglich für Zürich. Wenn also die Monate Oktober bis Dezember jeweils sehr warm ausfallen (jeweils mindestens 10.-wärmster Monat seiner Reihe), so würde das Jahr 2014 in Zürich ebenfalls zum wärmsten Jahr seit Messbeginn werden – in etwa gleich warm wie 2011 und 1994. Durchaus realistisch scheint auch, dass die Monate Oktober bis Dezember in Zürich dem Mittel der letzten 13 Jahre entspricht, dann wäre 2014 immerhin das 6.-wärmste Jahr seit Messbeginn. Damit es für die Top 5 reicht, braucht es also noch einen Endspurt – zu gross waren heuer die Wärmeeinbussen im bescheidenen Sommer.

Fünf Szenarien skizzieren den Weg bis zum Jahresende in Zürich. Zum Vergleich sind die vier wärmsten Jahre abgebildet, jeweils mit dem Ansatz "year-to-date": der Januar-Wert entspricht dem Januar-Wert, der Februar-Wert entspricht dem Mittelwert von Januar bis Februar und so weiter.
Fünf Szenarien skizzieren den Weg bis zum Jahresende in Zürich. Zum Vergleich sind die vier wärmsten Jahre abgebildet, jeweils mit dem Ansatz “year-to-date”: der Januar-Wert entspricht dem Januar-Wert, der Februar-Wert entspricht dem Mittelwert von Januar bis Februar und so weiter.
2014: Wärmstes Jahr der Erde – auch in Zürich?

Ein El Niño (noch) ohne Auswirkungen

Es ist wohl das berühmteste und bedeutsamste natürliche Klimaphänomen der Welt. Riesige Gebiete der Erde spüren seine gewaltigen Auswirkungen auf Natur und Mensch. Die Rede ist vom El Nino im tropischen Pazifik.

Ein El Niño lässt die klimatischen Bedingungen in einer Region innert weniger Monate vom Normalzustand ins extreme Gegenteil kippen: Über den  Trockengebieten der südamerikanischen Pazifikküste gehen sintflutartige Regenfälle nieder. In den Feuchtgebieten von Südostasien und Australien herrscht plötzlich staubige Dürre. Das Klimaphänomen hat lokal einen solch erheblichen Einfluss, dass es sogar auf globaler Skala messbar ist. So steigt die durchschnittliche Lufttemperatur der Erde während einem El Niño um einige Zehntelgrad an.

ENSO ist das, was man spürt

Bereits Ende letzten Jahres verdichteten sich die Hinweise auf einen bevorstehendes El Niño in 2014. Das anstehende El Niño Ereignis zeigt aber, wie komplex die Wechselwirkungen zwischen Ozean und Atmosphäre sein können. Denn El Niño bezeichnet eigentlich nur die positive Abweichung des oberflächigen Meerwassers vor der südamerikanischen Küste im tropischen Pazifik. Die spürbaren Auswirkungen bringen aber eine Kopplung dieser Anomalie mit der atmosphärischen Zirkulation. Ein El Niño wie er im Lehrbuch steht ist eigentlich ein positiver ENSO (El Niño Southern Oscillation). Während El Niño für die Abweichung in der Meeresoberflächentemperatur steht, erklärt die Southern Oscillation die Veränderung in der atmosphärischen Zirkulation, also die spürbare Änderung der Witterung. Interessanterweise beeinflussen sich die beiden Protagonisten gegenseitig in unterschiedlicher Weise und können sich mit Rückkoppelungseffekten verstärken oder abschwächen.

Gehemmter El Niño

Sobald die Meeresoberflächentemperatur im östlichen tropischen Pazifik mehr als 0,5 Grad übertemperiert ist, spricht man von einem El Niño. Dieser Schwellwert wurde im jüngsten Ereignis erstmals im April 2014 überschritten. Da sich die Anomalie im Juni und Juli aber wieder etwas abschwächte, wird der Schwellwert zurzeit wieder leicht unterschritten. Die Etablierung eines starken El Niño-Ereignisses wird heuer also von einem Faktor erschwert oder sogar unterbunden. Doch durch welchen?

Positive Rückkoppelung

Normalerweise sorgt im zentralen und östlichen Südpazifik ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet für starke Ostwinde über dem tropischen Pazifik. Während es an der Pazifikküste Südamerikas meist trocken ist, nehmen die über das Meer streichenden Passatwinde grosse Mengen an Wasserdampf auf und transportieren sie bis nach Neuguinea und Indonesien. Über dem warmen tropischen Westpazifik rund um Indonesien steigen die feuchten Luftmassen unter Bildung eines Tiefdruckgebietes auf und lösen in dieser Region heftige Regenfälle aus.

Ist jedoch der tropische Ostpazifik während einem El Niño besonders warm, schwächt sich das sonst so mächtige südpazifische Hochdruckgebiet deutlich ab. Als Folge davon dreht sich das Zirkulationsmuster um und führt zusätzliches Warmwasser in Richtung südamerikanischer Küste, so dass sich der El Niño verstärkt. An der südamerikanischen Küste wird das kalte antarktische Auftriebswasser grossflächig durch dieses Warmwasser überdeckt. Die Ausbreitung von Warmwasser im Südostpazifik schwächt das südpazifische Hochdruckgebiet zusätzlich, was ein noch stärkerer Abbau des südpazifischen Hochdruckgebiets nach sich zieht. Das gesamte Phänomen dieser Kopplung zwischen Ozean und Atmosphäre und die Zirkulationsumstellung stellt die El Niño Southern Oscillation (ENSO) dar.

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Ein El Niño zeichnet sich durch eine Warmwasser-Anomalie im tropischen Pazifik vor der Küste Südamerikas ab. Eine Kopplung mit der Atmosphäre kehrt die typische Zirkulation um: Über dem zentralen und östlichen Pazifik steigt dann warm-feuchte Luft auf, während über Indonesien trockenes Hochdruckwetter herrscht.

So warm wie nie

Im aktuellen El Niño-Ereignis funktioniert jedoch diese Kopplung nicht erwartungsgemäss und geht nur schleppend voran. In wöchentlichen ENSO-Blog der NOAA wird die Situation genauestens untersucht und dokumentiert. So zeigt sich, dass der Pazifik zurzeit nicht nur im tropischen Ostpazifik äusserst warm ist, sondern starke positive Anomalien praktisch den gesamten Pazifik bedecken. Und genau dies könnte der Grund sein für die gebremste El Niño-Entwicklung in diesem Jahr. Denn normalerweise wird das zu warme Wasser im tropischen Pazifik vor der südamerikanischen Küste durch eine negative Abweichung im westlichen Pazifik teilweise kompensiert. Dieses Anordnungsmuster ermöglicht die atmosphärische Kopplung mit der Southern Oscillation. Dadurch, dass der Pazifik in diesem Jahr aber überall viel zu warm ist, schwächt sich das südpazifische Hochdruckgebiet bisher noch nicht richtig ab und über dem tropischen Westpazifik bilden sich, wie in einem normalen Zustand, weiter kräftige Tiefdruckgebiete. Die atmosphärische Antwort auf den aktuellen El Niño fehlt (noch), so dass noch nicht von einem positiven ENSO die Rede sein kann.

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Im aktuellen El Niño-Ereignis ist jedoch auch der Westpazifik rund um Indonesien und Australien deutlich zu warm, so dass bisher keine atmosphärische Kopplung stattgefunden hat.

Trotzdem rechnen die kurzfristigen Klimamodelle mit einem mässigen ENSO-Ereignis im kommenden Herbst und Winter 2014/15. Durch den allgemein schon seit Monaten sehr warmen Pazifik, welcher mit seiner ungeheuren Grösse rund ein Drittel der gesamten Erdoberfläche ausmacht, erreichte die globale Durchschnittstemperatur zwischen Mai und Juli neue Höchstwerte. Seit Messbeginn Mitte des 19. Jahrhunderts war es global noch nie so warm. Auf das Schweizer Klima scheint El Niño keinen direkten Einfluss zu nehmen. Dennoch ist es denkbar, dass sich El Niño-Signale bis nach Europa ausbreiten können.

Ein El Niño (noch) ohne Auswirkungen

2014 wird immer wärmer

201406

 

  • Die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Erde (Land- und Meeresoberflächen) erreichte im Juni 2014 mit einer positiven Abweichung von 0,72°C gegenüber dem Mittel des 20. Jahrhunderts einen neuen Juni-Rekord. Im Mittel war es 15,5°C warm. Bereits der Mai 2014 war der wärmste in der Messgeschichte.
  • Über den Landoberflächen war der Juni global sogar 0,95°C zu warm (7.-wärmster Juni)
  • Das erste Halbjahr 2014 war global mit einer Abweichung von 0.67°C das 3.-wärmste seit Messbeginn 1880.

Ein beachtlicher Rekord verzeichneten im Juni 2014 die Weltmeere. Die globale Meeresoberflächentemperatur knackte zum ersten Mal seit Messbeginn 1880 die 0,6°C-Marke. Noch nie war in irgendeinem Monat der Wärmeüberschuss in den Weltmeeren so gross wie im Juni 2014 (+0,64°C). Die bisherige Höchstmarke von +0,59°C (aus dem vorangegangenen Mai) wurde deutlich überboten.

Nota bene ohne eigentlichen El Niño! Das Muster der Temperaturabweichung im Pazifik ähnelt zwar schon stark einem El Niño-Ereignis, jedoch waren die Kriterien auch im Juni 2014 noch nicht erfüllt. Im kommenden nordhemisphärischen Herbst und Winter soll es dann aber offiziell zu einem El Niño-Ereignis kommen. Die Oberflächen der Weltmeere und mit leichter Verzögerung auch die globalen Landoberflächen werden dann erfahrungsgemäss noch wärmer als zuvor. Gut möglich, dass die kommenden Monate neue Temperaturrekorde bringen und 2014 global zum wärmsten Jahr seit Messbeginn wird.

 

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Quelle: http://www.ncdc.noaa.gov/sotc/

Kurzmitteilung

Wetterjahr 2014: Ruhiger Start – turbulentes Ende?

Sonnig, warm und trocken präsentiert sich das angelaufene Wetterjahr 2014 in Zürich. Auf globaler Bühne bahnen sich im zweiten Halbjahr Wetterkapriolen an.

quartal-sonne

Das erste Quartal 2014 gehört zu den zehn sonnenreichsten seit 1901. Das erste Quartal des Vorjahres war hingegen eines der trübsten.

Unterschiedlicher könnte der Jahresbeginn 2014 verglichen mit dem Vorjahr, nicht sein. Das erste Jahresquartal 2014 war verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010 rund zweieinhalb Grad zu warm und somit mehr als vier Grad wärmer als im Vorjahr. Damals liessen die Monate Januar bis März in Zürich das Quecksilber durchschnittlich nur auf 0,6 Grad steigen. Die durchschnittlich 4,8 Grad im selben Zeitraum 2014 hievten sich auf der ewigen Rekordliste auf Rang zwei. Das erste Quartal war in Zürich nur 2007 um wenige Zehntelgrad wärmer und 1990 gleich mild wie in diesem Jahr. Aktuell befindet sich Mitteleuropa in einer Wärmephase. Die vergangenen 12 Monate waren so warm wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Den grössten Beitrag dazu leisteten die letzten vier und vor allem die letzten drei Monate. Die positive Abweichung der Durchschnittstemperatur der letzten drei Monate in Zürich war so ausgeprägt wie letztmals im Mai 2011. Zur Erinnerung: 2011 wurde in der Schweiz anschliessend zum bisher wärmsten Jahr seit Messbeginn erkoren.

Verkehrte Welt

Das erste Quartal 2014 war nicht nur deutlich wärmer als vor einem Jahr, es war auch spürbar sonniger. So zählten die Meteorologen in Zürich vom Jahresbeginn bis Ende März 360 Sonnenstunden – gut 100 Stunden mehr als im langjährigen Mittel 1981-2010. Verkehrte Welt herrschte vor einem Jahr. Die Monate Januar bis März 2013 waren meist grau in grau und kamen, verglichen mit 2014, nicht mal auf halb so viele Sonnenstunden. Noch trüber war der Jahresstart lediglich in den Jahren 1904 und 1964. So war das erste Quartal 2013 das 3.-trübste seit 1901. Hingegen erlebte Zürich dieses Jahr das 8.-sonnigste erste Quartal. Am sonnigsten waren die Monate Januar bis März seit 1901 in Zürich vor zwei Jahren: 2012 zeigte sich die Sonne im ersten Jahresquartal noch 40 Stunden länger als heuer. Diese sonnige Phase zeichnete sich bereits im Dezember letzten Jahres ab. So war der Dezember in Zürich der sonnenreichste seit 1884. Zusammen mit dem freundlichen Jahresstart brachte der Winter (Dezember-Februar) 2013/14 so wenig trübe Tage wie nie seit Messbeginn. Ein trüber Tag wird in der Meteorologie als Tag definiert, an welchem die tatsächlich gemessene Sonnenscheindauer weniger als 20% der theoretischen Sonnenscheindauer erreicht. Im vergangenen Winter konnten nur 39 dieser trüben Tage gezählt werden.

Warmblütiges Christkind

Global gesehen war das erste Jahresquartal erneut deutlich übertemperiert. Gemäss ersten Daten der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) waren die Monate Januar bis März die 6.-wärmsten seit Messbeginn. Das Jahr 2014 dürfte auf der globalen Bühne das Feuerwerk jedoch erst in der zweiten Jahreshälfte zünden und temperaturmässig zu einem regelrechten Schlussspurt ansetzen. Den Grund dafür sehen Klimatologen in einem sich anbahnenden El Niño-Ereignis, welches sich nun immer deutlicher abzeichnet. El Niño, aus dem spanischen übersetzt „der Junge, das Kind“ oder auch „das Christuskind“ – so nennt man die mehr oder weniger regelmässig wiederkehrende, ungewöhnliche Erwärmung des Meerwassers im tropischen Pazifik – hat einen weitreichenden Einfluss auf das Klima. Der Name ist vom Zeitpunkt des Auftretens abgeleitet, nämlich zur Weihnachtszeit. Er stammt von peruanischen Fischern, die den Effekt aufgrund der dadurch ausbleibenden Fischschwärme wirtschaftlich zu spüren bekommen. Durch die Erwärmung des Oberflächenwassers des tropischen Pazifiks um einige wenige Grad Celsius (im Jahrhundert-Ereignis 1997/98 um mehr als 4 Grad) ist El Niño in der Lage, die durchschnittliche globale Jahrestemperatur um einige Zehntelgrad zu erhöhen.

Wetterkapriolen

Aufgrund der weitreichenden Folgen eines solchen Ereignisses informiert die NOAA in einem wöchentlich aktualisierten Bulletin über die Entwicklung des El Niños. Im letzten Monat hat sich der tropische Pazifik gebietsweise bereits um 2 Grad erwärmt. Da die Wassertemperaturen vorher aber unterdurchschnittlich waren, sprechen die Experten zurzeit noch nicht von einem El Niño-Ereignis. Sie erwarten aber, dass sich ein solches im Laufe des Sommers und Herbstes etablieren könnte. Wenn das El Niño-Ereignis wie prognostiziert eintritt, ist in der zweiten Jahreshälfte, vor allem gegen Jahresende, mit extremen Wetterkapriolen in Südamerika, Südostasien sowie Australien zu rechnen und 2014 dürfte global zum wärmsten Jahr seit Messbeginn vor mehr als 130 Jahren werden. Die letzten Jahre gehörten auf globaler Bühne immer zu den wärmsten Jahren. Neue Rekorde gab es aber seit einigen Jahren nicht mehr. Die zusätzliche, geringfügige Erwärmung durch El Niño könnte dies ändern. Auf das Wetter in der Schweiz hätte ein El Niño-Ereignis primär keinen eindeutigen Einfluss.

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Das erste Quartal 2014 war das 2.-wärmste seit Messbeginn 1864. Vor einem Jahr war das erste Quartal hingegen deutlich unterkühlt.

 

Wetterjahr 2014: Ruhiger Start – turbulentes Ende?

2013 war global das 4.-wärmste Jahr

2013 war global das 4.-wärmste Jahr

2013 war zusammen mit dem Jahr 2003 global das 4.-wärmste seit Messbeginn 1880. Gemäss Daten der NOAA lag die Oberflächentemperatur (Land und Ozeane) 0.62°C über dem Mittel des 20. Jahrhundert. Es war das 37. übertemperierte Jahr in Folge (seit 1976). Zudem war es zum dritten Mal in Folge wärmer als jeweils im Vorjahr.
> http://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/2013/13

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