So wird das Wetterjahr 2019

Wiederkehrende Witterungsmuster der letzten zwei Jahrzehnten könnten auch das diesjährige Wetterjahr prägen. Was kommt 2019 auf Zürich zu? 

Der Januar 2019 bricht den Wärmebann, welcher seit März 2018 über Mitteleuropa liegt. Als erster seit 10 Monaten am Stück dürfte der diesjährige Januar gegenüber dem langjährigen Referenzwert der Jahre 1981-2010 zu kalt ausfallen. Für ein abschliessendes Fazit ist es noch zu früh, aber das Ende der grossen Wärme aus dem Vorjahr geht mit dem Januar 2019 zu Ende. Wie geht es nun weiter im noch jungen Wetterjahr 2019?

Der allgemeine Temperaturanstieg lässt den Februar in Zürich momentan kalt. Milde und kalte Februare wechseln sich recht gleichmässig ab. In jüngster Zeit sind es sogar wieder mehr kalte Februare als noch in den 90er-Jahren.

Neue Wettertrends

Eines vorweg: natürlich weiss niemand – ausser Petrus persönlich – wie die Witterung im Jahr 2019 ablaufen wird. Trotzdem können Trends der letzten Jahre ein Indiz dafür sein, wie sich das Wetter 2019 präsentieren wird. Denn in den jüngsten Dekaden haben sich neue Witterungsmuster etabliert. Die wichtigsten sollen hier genauer beleuchtet werden.

Eisiger Februar – sommerlicher April

Ein Trend, der besonders hervorsticht, weil er auf den ersten Blick nicht richtig ins Bild passen will, ist die Häufung kalter Wintermonate in den letzten rund 10 Jahren. Insbesondere der Februar hat es in den letzten Jahren immer wieder kalt erwischt. So waren vier der letzten sieben Februare (teils deutlich) zu kalt. Zudem fällt auf, dass eigentlich nur noch extreme Februare beobachtet wurden. Entweder eisigkalt oder frühlingshaft mild, wie beispielsweise 2016 und 2017. Die kalten Ausreisser dominieren das Bild aber zurzeit. Nachdem der Februar in den 90er- und Nullerjahren sprunghaft wärmer wurde, kühlte sich der Februar in der aktuellen Dekade sogar wieder stark ab.

Im Laufe der 80er-Jahre erhöhten sich die Frühlingstemperaturen in Zürich deutlich. In den letzten 31 Jahren waren alle Frühlinge (März bis Mai) wärmer, als vom langjährigen Referenzwert der Jahre 1961-1990 vorgeschrieben. Unterkühlt blieb der Frühling seit 1988 nur im Jahr 2013. Insbesondere der April zeigt seit 2007 eine schwindelerregende Verwandlung. So ist der April heutzutage zwei Grad wärmer als noch vor 15 Jahren! Die vier wärmsten Aprile wurde alle seit 2007 registriert.

Erst Regen dann Trockenheit

Die Periode Mai bis Oktober bringt in Zürich rund 60 Prozent des Jahresniederschlags, oder knapp 700 mm. Vor rund zwei Dekaden waren die Niederschläge gleichmässig auf die beiden 3-monatigen Abschnitte Mai bis Juli und August bis Oktober aufgeteilt. Fast in jedem zweiten Jahr war die spätsommerliche Periode von August bis Oktober nässer als der Abschnitt Mai bis Juli. Seit nun zehn Jahren kam das nie mehr vor und die spätsommerliche Periode war immer deutlich trockener als die frühsommerliche Periode. Während sich der Spätsommer (August bis Oktober) abtrocknete, bekam der Frühsommer (Mai bis Juli) in den Jahren deutlich mehr Niederschläge. Insgesamt fallen von Mai bis Oktober immer noch gleich viele Niederschläge, jedoch haben sich die Niederschläge also deutlich vom Spätsommer in den Frühsommer verschoben. Seit nun zehn Jahren erlebt Zürich häufig einen Frühsommer-Monsun, gefolgt von einer spätsommerlichen und herbstlichen Trockenzeit.

Hitzesommer

Mit der Trockenheit kam in den letzten Jahren auch immer häufiger die Hitze. So erlebte Zürich in jüngster Zeit mehrere sehr intensive Hitzewellen. Drei der vier heissesten Sommer seit Messbeginn 1864 wurden in den vergangenen vier Jahren verbucht. Heisser als die Hitzesommer 2015 und 2018 war nur der Jahrhundertsommer 2003. Die Hitze verharrt neuerdings im Sommer bis spät in die Nacht. So wurden in den letzten Jahren immer häufiger Tropennächte mit Tiefstwerten von über 20 Grad registriert. Ein Phänomen, welches vor der Jahrtausendwende praktisch nie auftrat.

Grüne Weihnachten

Im 21. Jahrhundert traten sehr tiefe Herbsttemperaturen bisher nicht mehr auf. Die Herbstmonate wurden in den letzten Jahren kontinuierlich wärmer. Insbesondere der November erwärmt sich zurzeit rasant. Der letzte kalte November liegt bereits 12 Jahre zurück. Ähnlich präsentiert sich der Dezember. Eisigkalte, verschneite Dezember sind im aktuellen Jahrzehnt noch komplett ausgeblieben. So erstaunt es auch kaum, dass Zürich bereits zum 15. Mal in Folge grüne anstatt weisse Weihnachten erlebte.

Wird sich das Wetterjahr 2019 an die neuen Witterungsmuster halten und diese fortführen oder wird heuer alles anders. Sprich: auf einen milden Februar folgt ein kalter und staubtrockener Frühling. Die Trockenheit hält bis im Juli an. Anstatt Hitze folgt dann aber ein kühler, verregneter Hochsommer. Die Fortsetzung sähe einen nass-kühlen Herbst vor, wobei der Winter bereits im November und Dezember so richtig auf Touren kommt, so dass auch an Weihnachten 2019 endlich wieder Schnee in Zürich liegt. Meteorologen blicken mit Spannung dem neuen Witterungsjahr entgegen.

So wird das Wetterjahr 2019

Warmer Herbst verlängert die Vegetationsperiode

Spätsommer anstatt Herbst. Der lange Zeit milde Herbst reiht sich perfekt in das bisher viel zu warme Jahr 2014 ein. Dass genau der Sommer zu kühl war, ist typisch für ein warm-gemässigtes Wetterjahr mit langer Vegetationsperiode.

Erst mit dem Vorstoss arktischer Kaltluft in der Nacht auf den 22. Oktober und dem ersten Schnee in den Bergen ist der Herbst in der Schweiz doch noch angekommen. Vorher dominierte spätsommerlich warme und häufig auch freundliche Witterung den meteorologischen Herbst, welcher bereits am 1. September begann. Die Blattverfärbung war allgemein verspätet. Nur in den Bergen sorgten die kalten Nächte für traumhafte Herbstfarben in der Flora. Im Flachland waren die Nächte so mild, dass sich die Blätter bis spät in den Oktober kaum verfärbten. Die schönsten Blattfarben in gelb und rot entstehen nämlich nur in sehr kalten Herbstnächten.

Bis am 21. Tag war der Oktober mit einer durchschnittlichen Temperatur von 14,2 Grad auf dem Zürichberg so warm wie kein anderer in der langen Messreihe seit 1864, wie aus Daten von MeteoSchweiz hervorgeht. Die deutlich kühleren Tage im letzten Monatsdrittel werden diesen Wert jedoch noch nach unten drücken. Nichtsdestotrotz dürfte dieser Oktober als einer der wärmsten in die Geschichte eingehen. Die bisher wärmsten Oktober in Zürich liegen allesamt noch nicht allzu weit zurück: In Zürich war der Oktober im Jahr 2001 13,1 Grad warm. Knapp dahinter liegen die Oktober der Jahre 2006 und 1995 mit je 12,7 Grad. Wo sich der diesjährige Oktober auf dem Podest (oder knapp dahinter) einreiht, ist erst am Monatsende genau bekannt.

Temperaturdifferenz zwischen Sommer und vorangegangenem Winter in Zürich. Je kleiner die Differenz desto zonaler die Strömung über das ganze Jahr betrachtet. Eine grosse Differenz deuteten auf kontinentale Verhältnisse.
Temperaturdifferenz zwischen Sommer und vorangegangenem Winter in Zürich. Je kleiner die Differenz desto zonaler die Strömung über das ganze Jahr betrachtet. Eine grosse Differenz deuteten auf kontinentale Verhältnisse.

Geringer Jahresgang

Der diesjährige Altweibersommer und der goldene Oktober entschädigen zumindest teilweise für den trüben und kühlen Hochsommer. Der eher kühle Sommer passt denn eigentlich auch kaum in das Witterungsjahr 2014, welches ausser im Juli und August bisher mit einer rekordverdächtigen Wärme und viel Sonnenschein auftrumpft. Angeheizt durch den warmen Winter und Frühling war das erste Halbjahr 2014 das 2.-wärmste in der Messreihe. Nach der „Wärmeauszeit“ im Hochsommer geht es jetzt im Herbst in ähnlichem Stil weiter. Das vorherrschende Muster „milder Winter, kühler Sommer“ deutet auf eine vorwiegend zonale Strömung, welche feucht-milde Atlantikluft in den Alpenraum transportiert und so den Jahresgang der Temperatur in der Schweiz dämpft. Die Witterung ist somit über das Jahr gesehen gemässigt und zeigt keine extremen Gegensätze. Anders sieht es in Jahren mit kontinentalem Einfluss aus, welche durch das Muster „kalter Winter, heisser Sommer“ geprägt sind. Der Jahresgang der Temperatur zeigt grosse Gegensätze, da der ausgleichende Einfluss des Atlantiks unterbunden bleibt. Die Witterung wird in solchen Jahren durch eine meridionale Strömung charakterisiert. Eine einfache Kenngrösse für die erwähnten Muster ist die Differenz der Sommer- und Wintertemperatur. Wenn bspw. in Zürich wie in diesem Jahr der Winter mild und der Sommer kühl war, ist diese Differenz klein. Entsprechend wird die Differenz bei einem kalten Winter und einem darauffolgend heissen Sommer gross. Dieses Jahr war der Sommer 14,3 Grad wärmer als der Winter. Zum Vergleich: im Durchschnitt seit 1864 waren die Sommer rund 17 Grad wärmer als die Winter. Letztmals geringer war die Sommer-Winter-Differenz im Jahr 2007 mit nur 13,3 Grad. Der Winter war damals noch milder und der Sommer noch etwas kühler. Die kleinste Differenz seit 1864 kommt allerdings aus dem Jahr 1916, als der Sommer mit durchschnittlich 15,1 Grad nur 12 Grad wärmer war als der vorangegangene Winter. Die grösste Sommer-Winter-Differenz wurde in Zürich übrigens im Jahr 1947 beobachtet. Das Jahr war dementsprechend kontinental mit grossen Temperaturgegensätzen. Der Sommer war damals mit 19,1 Grad sehr warm und knapp 22 Grad wärmer als der vorangegangene Winter, welcher mit -2,6 Grad sehr kalt ausfiel. Letztmals kontinental war ein Wetterjahr in Zürich im Jahr 2003, als auf einen kalten Winter (0,6 Grad) der Hitzesommer (21,6 Grad) folgte und die Sommer-Winter-Differenz 21 Grad betrug. Die langjährige Entwicklung zeigt, dass sich die Sommer-Winter-Temperaturdifferenz in Zürich seit 1864 signifikant verringert hat. Der Jahresgang der Temperatur wurde also kleiner, die Jahreswitterung ausgeglichener. Der Grund dafür könnte in der Häufung zonaler Wetterlagen (Westwind) liegen.

In den letzten rund 100 Jahren hat sich die Vegetationsperiode in Zürich rund 30 Tage verlängert. Auch 2014 kann mit einer langen Vegetationsperiode auftrumpfen.
In den letzten rund 100 Jahren hat sich die Vegetationsperiode in Zürich um gut 30 Tage verlängert. Auch 2014 kann mit einer langen Vegetationsperiode auftrumpfen.

Lange Vegetationsperiode

Gemässigte Jahre mit einer geringeren Sommer-Winter-Temperaturdifferenz bringen häufig lange Vegetationsperioden. Die Vegetationsperiode eines Jahres startet, sobald die Tagesmitteltemperatur an fünf Tagen hintereinander mehr als 5 Grad erreicht und endet, sobald zum ersten Mal (nach dem 1. Juli) die Tagesmitteltemperatur an fünf Tagen hintereinander unter 5 Grad liegt. Im langjährigen Mittel seit 1864 dauert die Vegetationsperiode in Zürich 230 Tage, wobei in den letzten Jahren eine deutliche Verlängerung beobachtet werden konnte. So ist heutzutage eine Vegetationsperiode von mehr als 250 Tagen keine Seltenheit. Am längsten dauerte die Vegetationsperiode mit 304 Tagen bisher im Jahr 1988. Auch im Jahr 2004 und 2007 war die Vegetationsperiode mit 280 und 289 Tagen sehr lange. 2014 liegt sie zurzeit bei 237 Tagen. Je nachdem wie sich November und Dezember gestalten, verlängert sie sich noch auf 260 bis 270 Tage, so dass auch dieses Jahr wohl eine sehr lange Vegetationsperiode zu beobachten sein wird. Gemäss CH2014-Impacts-Initiative dürfte sich die Vegetationsperiode in Zürich im Zuge der globalen Erwärmung bis Ende Jahrhundert auf 300 Tage (Mitte Februar-Mitte Dezember) verlängern.

Warmer Herbst verlängert die Vegetationsperiode