Der menschliche Einfluss auf das Klima ist klar

Die “Zusammenfassung für Entscheidungsträger” des fünften IPCC-Klimaberichts musste Ende September in Stockholm Wort für Wort von jedem einzelnen Regierungsvertreter genehmigt werden, bevor sie an die Öffentlichkeit gelangen durfte. Die neusten Erkenntnisse und Resultate wurden der Öffentlichkeit präsentiert. Die offene Frage lautet: Wie viel wissenschaftliche Sicherheit braucht es noch, um die nötigen politischen Schritte einzuleiten?

Die Erwärmung ist eindeutig

Die Weltgemeinschaft hat einen Patienten mit Fieber. Es ist unsere Erde. Der erste Schritt des IPCC ist deshalb die Diagnose – das Fiebermessen. Bereits beim letzten Klimabericht vor sechs Jahren stand die Erwärmung der Erdatmosphäre fest. Daran hat sich nichts geändert. In der Zwischenzeit wurden aber noch mehr Daten analysiert, die Messreihen waren noch umfangreicher, so dass die Evidenz erneut gesteigert werden konnte. Trotz Jahr-zu-Jahr-Schwankungen war jede der letzten drei Dekaden wärmer als ihre Vorgängerin und wärmer als alle anderen in der Messreihe seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine Klimapause ist bei dieser Aggregation von Zeit (Dekadenmittel) und Raum (ganzer Globus) nicht auszumachen. Natürlich analysierte das IPCC nicht nur die Temperaturentwicklung der letzten 100 Jahre. Viele verschiedene Messgrössen deuten auf markante Veränderungen und passen zur Kernaussage: die Erwärmung ist eindeutig.

Approximation der Realität

Allein die Tatsache, dass es auf unserem Planeten in den letzten 100 Jahren wärmer wurde, sagt noch nichts über die Ursachen und schon gar nichts über die Auswirkungen aus. Der neue Klimabericht bildet deshalb das ganze Verständnis des Klimasystems ab und zeigt die Antriebe für die Veränderungen. Eine wichtige Feststellung ist die erstaunliche, langjährige Entwicklung der Treibhausgase wie CO2 und Methan, welche mittels Eisbohrkernanalysen bestimmt werden kann. Es kann gezeigt werden, dass heute in der Atmosphäre eine so hohe Treibhausgasdichte vorherrscht wie nie seit rund einer Million Jahre. Zudem sind die Quellen dieser Treibhausgase ziemlich gut bekannt. Sie stammen zum grössten Teil aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdöl und Erdgas. Nun kommt die Physik ins Spiel. Bereits im Jahre 1896, als noch niemand von einer globalen Erwärmung sprach, formulierten erste Forscher den Strahlungsantrieb der Treibhausgase und machten Abschätzungen zur Temperaturerhöhung bei einer Verdopplung der CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre. An diesen physikalischen Gesetzen hat sich seither nichts verändert. Heute bilden Klimaforscher mit hochkomplexen Modellen das Klimasystem quantitativ ab und testen Hypothesen. Kein Modell ist perfekt, aber es ist eine Approximation an die Realität und wenn man die feinen Strukturen und Wetterphänomene sieht, welche diese Modelle abbilden, wird klar, dass diese Modelle das Klimasystem recht gut nachempfinden können.

Menschlicher Fingerabdruck

Die Forscher lassen ihre Klimamodelle immer und immer wieder rechnen und treiben diese einmal nur mit natürlichen, dann wieder mit natürlichen und vom Menschen verursachten Faktoren an. Dabei verfolgt das IPCC einen Hypothesentest, um den menschlichen Einfluss auf das Klima zu beweisen. Solche Experimente zeigen dann, dass das räumliche Muster und die zeitliche Abfolge der Veränderungen in der Atmosphäre eindeutig den Fingerabdruck des Menschen tragen. Die Verteilung der Erwärmung auf dem Globus, die Abkühlung in der Stratosphäre oder die Wärmeaufnahme im Ozean würden sich anders verhalten, wären die Sonne, Vulkane oder andere Faktoren verantwortlich für den beobachteten Wandel. Dieser Fingerabdruck ist so deutlich, dass man mit 95% Sicherheit sagen kann, dass der Mensch den grössten Teil der Erwärmung seit 1950 verursacht hat. Es wird nie 100% sein. Die Datenlage und der wissenschaftliche Konsens könnten nicht deutlicher sein. Es gibt keine absolute Sicherheit. Aber wie viel Sicherheit braucht es, um die nötigen politischen Schritte einzuleiten?

Es hängt davon ab, wie viel auf dem Spiel steht. Niemand steigt in ein Flugzeug, wenn es mit einer Wahrscheinlichkeit von 10% abstürzt. Wenn viel auf dem Spiel steht, sind schon 5% zu viel. Die meisten Entscheidungen, die wir tagtäglich treffen beruhen nicht auf vollständiger Information und trotzdem handeln wir. Beim Klimawandel sollte es nicht anders sein.

 

Der menschliche Einfluss auf das Klima ist klar