Frühsommer-Monsun oder kalifornische Trockenheit?

Ziemlich genau vor einem Jahr wurde Mitteleuropa vom katastrophalen Elbehochwasser heimgesucht. Ein Jahr später kämpfen heute weite Teile des Balkans mit Jahrhundertüberschwemmungen. In Mitteleuropa ist es hingegen seit Jahresbeginn deutlich zu trocken und sehr sonnig. 

Sonne-Dez-Mai

Die Periode von Dezember bis Mai war in diesem Jahr in Zürich die drittsonnigste seit Anfang des letzten Jahrhunderts. Noch mehr Sonnenschein gab es nur 2007 und 2011.

Der Mai 2014 war im Schweizer Flachland unbeständig. Langanhaltende Schönwetterperioden gab es nicht und trotzdem blieben die Niederschlagssummen hinter dem langjährigen Durchschnitt zurück. Die sonst für den Mai so typischen Stauniederschläge am Alpennordhang waren heuer deutlich weniger stark ausgeprägt als in den Vorjahren. Der mitteleuropäische Frühsommer-Monsun wird seinem Namen bisher nicht gerecht. Die Trockenheit begleitet Mitteleuropa bereits seit Jahresbeginn. Auch in Zürich waren die ersten Monate des Jahres 2014 deutlich zu trocken, wie aus Daten von MeteoSchweiz hervorgeht. Der Januar brachte nur 75% der üblichen Niederschlagsmengen. Im März fiel sogar nur ein Drittel, verglichen mit der Referenz der Jahre 1981-2010. Kein Monat war bisher zu nass. Mit insgesamt 316 mm Niederschlag seit Jahresbeginn klafft auf dem Zürichberg ein Defizit von rund 100 mm.

Neues Jahr – neues Hochwasser

Vor einem Jahr sah die Lage in Mitteleuropa anders aus. Nach einem trüben und nassen Frühjahr brachte ein ergiebiger Frühsommer-Monsun Starkniederschläge und war für die schweren Elbehochwasser in Mitteleuropa verantwortlich. Mit den jüngsten Jahrhundertüberschwemmungen im Balkan trifft es aber nur ein Jahr später in diesem Frühsommer die Balkanstaaten. Zwischen den beiden katastrophalen Überschwemmungen gibt es einige Parallelen aber auch deutliche Unterschiede.

Vom Wirbel zum Genuatief

Die Ursache für die kräftigen Niederschläge war dieses wie auch schon im letzten Jahr ein sogenanntes Genuatief. Ein solches entsteht, wenn kühle Meeresluft aus dem Nordostatlantik an die Alpen fliesst (Frühsommer-Monsun) und diese anschliessend umströmt. Beim Umströmen bildet sich ein Wirbel über dem Golf von Genua. Über dem zu dieser Jahreszeit schon ziemlich warmen Mittelmeer kann der noch junge Wirbel rasch zu einem mächtigen Tiefdruckgebiet heranwachsen. Das Tiefdruckgebiet schiebt in der Folge relativ warme und sehr feuchte Luftmassen auf beide Seiten der Alpen. Wobei das Hauptniederschlagsgebiet je nach Lage und Ausprägung des Tiefs bevorzugt auf der Alpennord- oder -südseite liegt. Bereits einige Tage vor den verheerenden Überschwemmungen Mitte Mai zeichnete sich ab, dass das Hauptniederschlagsgebiet nicht wie im Vorjahr auf der Nordseite der Alpen sondern im Südosten liegen wird. Wie erwartet fielen Mitte Mai in Norditalien, Südösterreich und über den Balkanstaaten grossflächig 50-100 mm Regen. Im manchen Staulagen der Gebirge, vor allem der Ostalpen und des Dinarischen Gebirges, ergossen sich um 200 mm. Das entspricht etwa der doppelten, im gesamten Monat Mai im Durchschnitt auftretenden Niederschlagsmengen in den betroffenen Regionen. In der Folge überstieg der Pegel vieler Flüsse wie auch jener der Donau die Hochwassermarke. Anders als im Vorjahr konnten die grossen Schneemengen auf der Alpensüdseite im Laufe des sehr warmen Frühlings bereits grösstenteils tauen und abfliessen. Im letzten Jahr brachte der extrem kalte März recht spät viel Neuschnee, der zusätzlich zu den Stauniederschlägen als Tauwasser in die Flüsse kam. Zudem war das Frühjahr wie erwähnt bisher recht trocken, so dass viele Flusspegel vor dem Ereignis niedrig bis normal waren. Die Überschwemmungen im Balkan gelten zwar als Jahrhundertereignis, sind aber aufgrund der Vorgeschichte weniger heftig ausgefallen, als dies vor einem Jahr der Fall gewesen wäre.

Rekordtrockenheit in Kalifornien

Während Südeuropa unter den Hochwassern leidet, ächzt Kalifornien an der Westküste der USA unter einer der schlimmsten Trockenperioden seit Messbeginn. So erstaunte es kaum, dass der diesjährige Start in die Waldbrandsaison besonders heftig war. Die Waldbrände sind eine fast logisch erscheinende Folge der extremen Witterung der vergangenen Monate. Im Zeitraum von Anfang Mai 2013 bis Ende April 2014 wurde an vielen Stationen in Kalifornien nur etwa ein Drittel der üblichen Niederschlagsmengen gemessen. Einzig 1923/24 und 1976/77 war es in den entsprechenden Zeiträumen noch trockener, wie MeteoGroup mitteilt. Wenn man bedenkt, dass in Kalifornien von Mai bis September im Schnitt nur 10 % des Jahresniederschlags fällt, dann ist eine Entspannung der Dürresituation in absehbarer Zeit nicht wahrscheinlich.

Kalifornisches Flair war im letzten Wetterhalbjahr auch im Schweizer Mittelland zu spüren. Auf dem Zürichberg schafft es die Periode von Dezember 2013 bis Mai 2014 mit 830 Sonnenstunden auf dem 3.-sonnigsten Platz. Nur in den Vorjahren 2007 und 2011 gab es in der gleichen Periode noch mehr Sonnenstunden. Erstaunlich ist die Häufung von enorm sonnigen Perioden in den letzten Jahren – mit Ausnahme des trüben Frühjahrs 2013.

Frühsommer-Monsun oder kalifornische Trockenheit?