Der Herbst auf der Sonnenseite

Der diesjährige Oktober verwöhnte die Schweiz mit anhaltend sonnigem Wetter. In Zürich summierte sich der Sonnenschein allein im Oktober auf knapp 190 Stunden. Damit war der Oktober 2016 der 2.-sonnigste seit 1901. Verantwortlich dafür war ein kräftiges Hochdruckgebiet, welches sich ab dem 10. Oktober aus dem westlichen Mittelmeerraum nach Mitteleuropa schob. Es war der Beginn eines anhaltend prächtigen Altweibersommers in der ganzen Schweiz. In Zürich ist während eines durchschnittlichen Oktobers nur mit drei bis vier heiteren Tagen zu rechnen. Ganz anders präsentierte sich die Situation in diesem Jahr. An dreizehn Tagen lachte die Herbstsonne von einem fast wolkenlosen, stahlblauen Himmel. Dabei kletterten auch die Tageshöchsttemperaturen nochmals auf spätsommerliche 23 Grad – dies, nachdem das Quecksilber seit dem 5. September nicht mehr so hoch stieg. In Zürich war es letztmals vor genau 50 Jahren, im Jahr 1967, noch eine Spur sonniger als im diesjährigen Oktober. Damals war es vom 10.-30. Oktober mit jeweils nur ganz kurzen Einschränkungen ausgesprochen sonnig. Die Sonne schien in dieser Periode meistens 7 bis 10 Stunden pro Tag. Im Oktober 2017 zeigte sich die sonnigste Periode vom 10.-19. Oktober mit aussergewöhnlich vielen Tagen mit maximaler Sonnenscheindauer von 10 Stunden. Ebenfalls sehr sonnig war in Zürich der Oktober 1971. Weitere vergleichbar sonnige Oktober sind in der bis 1901 zurückreichenden Sonnenscheinmessreihe nicht zu finden.

Trübe Oktober

Dass der Oktober wettertechnisch auch alles andere als golden sein kann, zeigte er im Jahr 1939. Mit total nur 35 Sonnenstunden war es der trübste Oktober in der Messreihe seit Messbeginn 1901. Dies lag aber nicht wie möglicherweise vermutet an vielen Nebeltagen, sondern an anhaltendem Regen-, respektive Schneewetter. Kein einziger Tag ging damals trocken über die Bühne. Der Oktober 1939 war in Zürich nicht nur der sonnenärmste, sondern auch der niederschlagsreichste. Ende Monat schneite es sogar schon bis ins Flachland. Einen ähnlich trüben Oktober in Zürich gab es letztmals im Jahr 1992. Mit insgesamt 37 Sonnenstunden war er nur unbedeutend sonniger als der grauste Oktober im Jahr 1939. Auch im trüben Oktober 1992 war anhaltendes Regenwetter schuld am grossen Sonnendefizit.

Anzahl Sonnenstunden pro Tag im Oktober 1939 am Messstandort Zürich.
Anzahl Sonnenstunden pro Tag im Oktober 1992 am Messstandort Zürich.

Heitere November

Trübes und nasses Wetter passt aber gefühlsmässig noch besser in den November als in den Oktober. Dieses Gefühl wird auch durch die langjährigen Wetterbeobachtungen bestätigt. So sind in Zürich während eines durchschnittlichen Novembers nur gerade zwei heitere Tage zu erwarten. Richtig trüb verlief der November 1958. In Zürich zeigte sich die Sonne im ganzen Monat nur gerade 13 Stunden. Die Schuld konnte damals auf den Nebel geschoben werden. Es war gleichzeitig einer der sonnenärmsten Monate überhaupt. Dass der November aber auch eine Sonnenseite hat, haben die letzten Jahre gezeigt. So gehört der November 2015 mit mehr als 100 Sonnenstunden zu den sonnigsten Novembern überhaupt. Ebenfalls sehr sonnig war der November 2006 und damit ein zweiter November seit der Jahrtausendwende. Mehr als 100 Stunden Novembersonne brachten ansonsten nur noch die Jahre 1969, 1981 und 1986.

Anzahl Sonnenstunden pro Tag im Oktober 1967 am Messstandort Zürich.
Anzahl Sonnenstunden pro Tag im Oktober 2017 am Messstandort Zürich.

Mehr Sonne im Herbst

Der ausgesprochen sonnige Oktober 2017 und der sonnenverwöhnte November 2015 sind keine Zufälle, sondern Zeugen einer Tendenz zu sonnigeren Herbstmonaten. Ein Blick in die Sonnenscheinstatistik der Herbste in Zürich seit 1901 zeigt, das sich die Herbstsonne in den 10er-Jahren des 21. Jahrhunderts deutlich häufiger zeigt als noch in den 90er-Jahren. Heute scheint die Sonne im Herbst (September bis November) durchschnittlich 360 Stunden. In den 90er-Jahren waren es noch weniger als 290 Sonnenstunden. Ähnlich trübe Herbste gab es auch in den zwei Jahrzehnten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Deutlich sonniger verliefen die Herbstmonate in den 40er- und 60er-Jahren. So sonnig wie heutzutage waren die Herbste in Zürich aber seit Messbeginn im Jahre 1901 noch nie.

Die letzten Herbste brachten so viel Sonnenschein wie noch nie seit Messbeginn 1901.
Der Herbst auf der Sonnenseite

Das grosse Osterwetter Ranking der letzten 114 Jahre

Nach neutestamentlicher Überlieferung ereignete sich die Auferstehung Christi in den Tagen des jüdischen Pessachfests, das im Frühling stattfindet. Auf dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 wurde das Datum des Osterfestes daher auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt. Vereinbartes Datum für den dem Frühlingsvollmond vorangehenden Frühlingsanfang ist der 21. März, sodass der frühste Ostersonntag auf den 22. März fällt und im spätesten Fall auf den 25. April. Nach dem Datum des Osterfestes richten sich fast alle anderen beweglichen Feiertage im Kirchenjahr. Dieses Jahr präsentiert sich der Vollmond während dem Osterwochenende. Der erste Frühlingsvollmond zeigt sich heuer am Karsamstag, 4. April 2015. Gemäss Vereinbarung fällt deshalb der Ostersonntag auf den 5. April.

 

Früher Ostertermin

Für das verlängerte Frühlingswochenende wünschen sich alle sonniges und mildes Frühlingswetter. Ein Vergleich der Osterwochenenden seit 1901 in Zürich zeigt, dass zwischen sommerlich warm und winterlich verschneit in der Schweiz fast alles möglich ist an Ostern. Aussagen über langfristige Trends wie: „Ostern werden immer wärmer“ oder „Ostern werden immer trüber“ sind natürlich möglich, machen aber wenig Sinn, da sich der Ostertermin innerhalb einer Datumsspannbreite von mehr als einem Monat bewegt. Ob Ostern Ende März oder Ende April stattfindet, entscheidet tendenziell, ob Ostern warm oder kalt werden. Und auch die tägliche Sonnenscheindauer ist Ende April höher als als Ende März. Der launische April zeigt jedoch, dass durchaus in einigen Jahren ein Osterwochenende Anfang April durchaus sonniger und wärmer ausfallen kann und dann im weiteren Verlauf des Aprils kühle und regnerische Wochenenden folgen. Das Osterwetter ist aber für fast alle Schweizer, die das lange Wochenende zuhause planen, zumindest für den Moment eine der wichtigsten Nebensachen und auf der Strasse das spannenste Smalltalk-Thema. Das folgende Osterwetter Ranking der letzten mehr als 100 Jahre gibt dafür die nötige Grundlage. Das Osterwochenende wird jeweils vom Karfreitag bis Ostermontag analysiert.

 

Die fünf wärmsten und fünf kältesten Ostern seit 1901 in Zürich.
Die fünf wärmsten und fünf kältesten Ostern seit 1901 in Zürich.

Sommerliche Ostern

Es gibt ein Osterwochenende in Zürich, welches wettertechnisch als Mass aller Dinge der letzten mehr als 100 Jahre gilt: Ostern 1949 waren in Zürich gleichzeitig die wärmsten, ja sogar heissesten und sonnigsten. In der Periode vom Karfreitag bis Ostermonat fiel kein Tropfen Regen. Mit einer Durchschnittstemperatur von sommerlichen 18 Grad war es mehr als 2 Grad wärmer als das zweitwärmste Osterwochenende aus dem Jahr 2011 mit gemittelt 15,8 Grad. An allen vier Ostertagen im Jahr 1949 stieg das Quecksilber am Nachmittag in Zürich über die Sommermarke von 25 Grad. Der absolute Osterhöchstwert wurde ebenfalls im Jahr 1949, nämlich am Ostermonat dem 18. April mit hochsommerlichen 28,6 Grad gemessen. Während Höchsttemperaturen von über 20 Grad an Ostern in Zürich in rund 10 Prozent aller Ostertage seit 1901 auftreten, sind Sommertage mit mehr als 25 Grad äusserst selten. Von den 9 Sommertagen an allen 456 Ostertagen seit 1901 in Zürich entfielen 4 auf das Jahr 1949. Das letzte Mal sommerlich waren Ostern im Jahr 2000 mit einem Höchstwert von 25,7 Grad. Auch in den Jahren 2009 und 2011 wurde es an je drei der vier Ostertagen zumindest mehr als 20 Grad warm.

 

Die fünf sonnenreichsten und die fünf sonnenärmsten Ostern seit 1901 in Zürich.
Die fünf sonnenreichsten und die fünf sonnenärmsten Ostern seit 1901 in Zürich.

Winterliche Ostern

Zur Osterzeit ist hochsommerliches wie auch winterliches Wetter möglich. Dies bewies das Osterwochenende im Jahr 1977, welches mit einer mittleren Temperatur von 0,5 Grad das kälteste Osterwochenende in Zürich seit 1901 bot. Das Zweitkälteste liegt noch nicht weit zurück und stammt aus dem Jahr 2008. Mit durchschnittlich 0,7 Grad war es ebenfalls winterlich. Auch 2013, das viertkälteste Osterwochenende, war mit 1,1 Grad nicht sonderlich frühlingshaft. Ostern sind auch keinesfalls immer frostfrei. Erst im Jahr 2012 und 2013 gab es leichte Nachtfröste. An Ostern 2013 brachte sogar jede Nacht zwischen Karfreitag und Ostermonat Hüttenfrost. Die absolut tiefste Ostertemperatur wurde mit -5,6 Grad am Karfreitag, 25. März 1932 registriert.

 

Sonnigste Ostern

Vier Tage Dauer-Sonnenschein wünschen sich die meisten am Osterwochenende. In den letzten 114 Osterwochenenden war dies in Zürich immerhin 7 Mal der Fall. Am sonnigsten war es mit insgesamt mehr als 50 Sonnenstunden wie bereits erwähnt im Jahr 1949. Aber auch Ostern 1911 und 1976 brachten mehr als 47 Sonnenstunden. Letztmals richtig sonnig war es im Jahr 2002 mit rund 44 Sonnenstunden. So sonnig Ostern sein können, umso trüber können sie in anderen Jahren ausfallen. So gab es 1931 und 1964 während den vier Ostertagen kaum Sonne. Mit insgesamt nur 0,3 Sonnenstunden war es 1964 am sonnenärmsten.

 

Sintflut an Ostern

Dauerregen wünscht sich niemand am Osterwochenende. Im Jahr 1901 war dies jedoch der Fall. Zwischen Karfreitag und Ostermonat fielen in Zürich knapp 83 mm Regen, soviel wie sonst im ganzen April. Auch 1913 und 1985 waren mit rund 40 mm sehr nass. Die Ostertage sind aber erstaunlicherweise recht häufig trocken. In mehr als jedem vierten Jahr fällt sogar an keinem der vier Ostertage Regen! So gibt es seit 1901 eine ganze Reihe komplett trockener Osterwochenenden. Letztmals war dies 2007, 2009 und 2011 der Fall.

 

Wetterumbruch an Ostern

Der launische Frühling kann auch während dem Osterwochenende zuschlagen. So ist eine Kombination zwischen sommerlich warm und winterlich kalt auch im gleichen Jahr durchaus denkbar. Einen regelrechten Wetterumbruch erlebte Zürich im Jahr 1932, als am Karsamstag noch Höchstwerte von knapp 27 Grad gemessen wurden, bevor ein Temperatursturz die Quecksilbersäule auf 2 Grad absacken liess.

 

Ostern 2015

Ostern finden dieses Jahr ziemlich früh im Kalenderjahr statt. Hochsommerliche Ostern sind deshalb eher unwahrscheinlich. Die Schweiz liegt zurzeit in einer lebhaften Westströmung, so dass eher wechselhafte Ostertage zu erwarten sind. Ostern 2015 werden sich also eher im Mittelfeld des ewigen Osterrankings platzieren und bereits in wenigen Jahren wettertechnisch vergessen sein.

Das grosse Osterwetter Ranking der letzten 114 Jahre

Der menschliche Einfluss auf das Klima ist klar

Die “Zusammenfassung für Entscheidungsträger” des fünften IPCC-Klimaberichts musste Ende September in Stockholm Wort für Wort von jedem einzelnen Regierungsvertreter genehmigt werden, bevor sie an die Öffentlichkeit gelangen durfte. Die neusten Erkenntnisse und Resultate wurden der Öffentlichkeit präsentiert. Die offene Frage lautet: Wie viel wissenschaftliche Sicherheit braucht es noch, um die nötigen politischen Schritte einzuleiten?

Die Erwärmung ist eindeutig

Die Weltgemeinschaft hat einen Patienten mit Fieber. Es ist unsere Erde. Der erste Schritt des IPCC ist deshalb die Diagnose – das Fiebermessen. Bereits beim letzten Klimabericht vor sechs Jahren stand die Erwärmung der Erdatmosphäre fest. Daran hat sich nichts geändert. In der Zwischenzeit wurden aber noch mehr Daten analysiert, die Messreihen waren noch umfangreicher, so dass die Evidenz erneut gesteigert werden konnte. Trotz Jahr-zu-Jahr-Schwankungen war jede der letzten drei Dekaden wärmer als ihre Vorgängerin und wärmer als alle anderen in der Messreihe seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine Klimapause ist bei dieser Aggregation von Zeit (Dekadenmittel) und Raum (ganzer Globus) nicht auszumachen. Natürlich analysierte das IPCC nicht nur die Temperaturentwicklung der letzten 100 Jahre. Viele verschiedene Messgrössen deuten auf markante Veränderungen und passen zur Kernaussage: die Erwärmung ist eindeutig.

Approximation der Realität

Allein die Tatsache, dass es auf unserem Planeten in den letzten 100 Jahren wärmer wurde, sagt noch nichts über die Ursachen und schon gar nichts über die Auswirkungen aus. Der neue Klimabericht bildet deshalb das ganze Verständnis des Klimasystems ab und zeigt die Antriebe für die Veränderungen. Eine wichtige Feststellung ist die erstaunliche, langjährige Entwicklung der Treibhausgase wie CO2 und Methan, welche mittels Eisbohrkernanalysen bestimmt werden kann. Es kann gezeigt werden, dass heute in der Atmosphäre eine so hohe Treibhausgasdichte vorherrscht wie nie seit rund einer Million Jahre. Zudem sind die Quellen dieser Treibhausgase ziemlich gut bekannt. Sie stammen zum grössten Teil aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdöl und Erdgas. Nun kommt die Physik ins Spiel. Bereits im Jahre 1896, als noch niemand von einer globalen Erwärmung sprach, formulierten erste Forscher den Strahlungsantrieb der Treibhausgase und machten Abschätzungen zur Temperaturerhöhung bei einer Verdopplung der CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre. An diesen physikalischen Gesetzen hat sich seither nichts verändert. Heute bilden Klimaforscher mit hochkomplexen Modellen das Klimasystem quantitativ ab und testen Hypothesen. Kein Modell ist perfekt, aber es ist eine Approximation an die Realität und wenn man die feinen Strukturen und Wetterphänomene sieht, welche diese Modelle abbilden, wird klar, dass diese Modelle das Klimasystem recht gut nachempfinden können.

Menschlicher Fingerabdruck

Die Forscher lassen ihre Klimamodelle immer und immer wieder rechnen und treiben diese einmal nur mit natürlichen, dann wieder mit natürlichen und vom Menschen verursachten Faktoren an. Dabei verfolgt das IPCC einen Hypothesentest, um den menschlichen Einfluss auf das Klima zu beweisen. Solche Experimente zeigen dann, dass das räumliche Muster und die zeitliche Abfolge der Veränderungen in der Atmosphäre eindeutig den Fingerabdruck des Menschen tragen. Die Verteilung der Erwärmung auf dem Globus, die Abkühlung in der Stratosphäre oder die Wärmeaufnahme im Ozean würden sich anders verhalten, wären die Sonne, Vulkane oder andere Faktoren verantwortlich für den beobachteten Wandel. Dieser Fingerabdruck ist so deutlich, dass man mit 95% Sicherheit sagen kann, dass der Mensch den grössten Teil der Erwärmung seit 1950 verursacht hat. Es wird nie 100% sein. Die Datenlage und der wissenschaftliche Konsens könnten nicht deutlicher sein. Es gibt keine absolute Sicherheit. Aber wie viel Sicherheit braucht es, um die nötigen politischen Schritte einzuleiten?

Es hängt davon ab, wie viel auf dem Spiel steht. Niemand steigt in ein Flugzeug, wenn es mit einer Wahrscheinlichkeit von 10% abstürzt. Wenn viel auf dem Spiel steht, sind schon 5% zu viel. Die meisten Entscheidungen, die wir tagtäglich treffen beruhen nicht auf vollständiger Information und trotzdem handeln wir. Beim Klimawandel sollte es nicht anders sein.

 

Der menschliche Einfluss auf das Klima ist klar

Schwächelnde Sonne: Eiszeit oder Heisszeit?

Die Sonne wird in den nächsten 90 Jahren immer schwächer. Erinnerungen an die Kleine Eiszeit werden wach. Wie stark die Sonne unser Klima beeinflussen wird, zeigt eine neue Studie.

sunspot_2012

Der 11-jährige Solarzyklus: Zurzeit beginnt der 24. Zyklus. Das Maximum dürfte deutlich tiefer ausfallen als beim letzten Zyklus.
Grafik: NOAA

Die Strahlungsintensität der Sonne wird sich bis Ende Jahrhundert sehr wahrscheinlich verringern. Zu diesem Schluss kommen Forscher vom britischen Klima- und Wetterdienst MetOffice in einer Studie, die zusammen mit Kollegen der Universität Reading anfangs 2012 erarbeitet wurde. Doch wie stark wird die Schwächung der Sonne in den nächsten Jahren ausfallen? Und wie wirkt sich dies auf die globalen Temperaturen aus? Fakt ist, dass sich die verringerte Sonnenaktivität bereits seit einigen Jahren abzeichnet. Im Zyklus von 11 Jahren durchwandert der Zentralstern Perioden mit schwacher und starker Aktivität. Das Maximum des letzten Zyklus wurde zwischen 2000 und 2002 beobachtet, bevor sich die Solaraktivität in eine ungewöhnlich lange Ruhephase begab, die erst letztes Jahr zu Ende ging. Der 24. Solarzyklus startete mit rund einem Jahr Verzögerung und wird um 2013 ein deutlich geringeres Maximum haben, verglichen mit dem Vorgängerzyklus. Doch auch die kommenden Zyklen, damit rechnen die Forscher, werden deutlich schwächer ausfallen, als die letzten Dutzend. Längere Perioden mit schwacher Strahlungsintensität der Sonne sind aus der Geschichte bekannt. Eine ausgeprägte Phase mit reduzierter Sonnenkraft ist zwischen 1645 und 1715 dokumentiert, das so genannten Maunder Minimum.

ipcc_fig2-4

Der Strahlungsantrieb, welcher unser zukünftiges Klima bestimmt. Der Einfluss der Sonne wurde im letzten (4. Synthesebericht) auf nur 0,12 Watt pro Quadratmeter geschätzt. Zukünftig wird er wohl leicht negativ sein! Aber immer noch um Grössenordnungen kleiner als jener der Treibhausgase!
Grafik: IPCC

Kleine Eiszeit?
Das Zeitfenster des Maunder Minimum geht in Europa auch mit der Kleinen Eiszeit einher. Wintermonate, die in Zürich im Durchschnitt -10 Grad eisig waren sowie Jahre ohne Sommer stammen aus dieser Zeit, wie aus den Chroniken von Christian Pfister (Wetternachhersage – 500 Jahre Klimavariation und Naturkatastrophen) zu lesen ist. Wird das 21. Jahrhundert in Folge der schwächelnden Sonne entgegen aller Klimaprojektionen und der globalen Erwärmung nun erneut Eiswinter und Jahre ohne Sommer bringen?
Aktuelle Untersuchungen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung PIK vom September 2011 zeigen auf, dass das Ausmass der verringerten Solaraktivität das Weltklima kaum ändert und die Kleine Eiszeit nicht ausgelöst haben kann. Der beobachtete Temperaturrückgang bis zur Kleinen Eiszeit, in Europa wurde es knapp ein Grad kälter, sei viel wahrscheinlicher auf grosse Vulkanausbrüche zurückzuführen, die durch Aerosole und Staub in der Luft die einkommende Strahlung verminderten. Zudem zeigt sich, dass der Golfstrom damals rund 10 Prozent weniger Warmwasser ins Nordpolarmeer vor Europa führte, als Folge davon sind Eiswinter durchaus plausibel.

Temperatur steigt!
In der Studie von MetOffice und der Universität Reading heisst es weiter, dass bei einem Strahlungsintensitätsverlust wie im Maunder Minimum von einer globalen Abkühlung von 0,13 Grad ausgegangen werden muss. Ganz so drastisch wird sich die Sonne aber nicht verdunkeln. Sehr wahrscheinlich wird sich die Solaraktivität aufs Niveau des Dalton Minimum (um 1820) reduzieren, so dass mit einer globalen Abkühlung von weniger als 0,1 Grad gerechnet werden kann. Verglichen mit den zwei bis drei Grad Erwärmung im Zuge der anthropogenen Treibhausgase (folglich IPCC AR4), ein verschwindend kleiner Anteil. Die Forscher verwendeten für ihre Aussagen nur ein einziges Klimamodell, so dass die Unsicherheiten nicht genau abgeschätzt werden können. Bereits im vierten Synthesebericht des IPCC wird jedoch der Einfluss der Sonne auf die globale Temperatur abgeschätzt. Demzufolge tragen Variationen der Solarstärke nur wenige Zehntel Watt pro Quadratmeter zum Strahlungsantrieb der Erde bei. Der Einfluss der Treibhausgase ist mit rund zweieinhalb Watt pro Quadratmeter um mehr als eine Grössenordnung gewichtiger.
Bis Ende Jahrhundert bedeutet dies für Europa, trotz schwächer werdender Sonne, eine Erwärmung von zweieinhalb bis vier Grad mit all den Auswirkungen auf Mensch und Natur. Von einer neuen Kleinen Eiszeit also keine Spur.

Schwächelnde Sonne: Eiszeit oder Heisszeit?