Sommer im Jahr 2050: das heutige Wetter einfach ein paar Grad wärmer

Der Juni 2016 war in Zürich so trüb wie seit 20 Jahren nicht mehr. Trotzdem waren die Temperaturen nicht unterdurchschnittlich. Trübe Junis werden eben auch immer wärmer.

Die globale Erwärmung zeigt sich auch bei schlechtem Wetter: trübe Junis werden immer wärmer.
Die globale Erwärmung zeigt sich auch bei schlechtem Wetter: trübe Junis werden immer wärmer.

Mit dem Juni ging bereits der erste Sommermonat 2016 zu Ende. Der Juni zeigte sich überwiegend trüb und regnerisch. Sommerliche Hitze gab es nur an vereinzelten Tagen in der zweiten Monatshälfte. Immer wieder gab es Gewitter mit kräftigen Regenfällen, die zu lokalen Überschwemmungen führten. Das Verhältnis von 20 nassen zu 10 trockenen Tagen ist schon sehr ungewöhnlich. Mehr Regentage als im Juni 2016 gab es in Zürich seit 1901 nur im Juni 1980, als es an 22 Tagen mehr als 1 mm Regen gab. Zwar ist der Juni in Mitteleuropa so etwas wie ein Regenmonat, doch ist dies normalerweise den starken gewittrigen Regenfällen und nicht der hohen Anzahl Regentage zuzuschreiben. Im vergangenen Juni kam beides zusammen: hohe Niederschlagsmengen an zu vielen Tagen. Über den gesamten Juni summierten sich die Niederschläge am Zürichberg auf 228 mm, das sind 80% mehr als in einem durchschnittlichen Juni. Der Juni 2016 gehörte damit zu den nassesten Junis seit Messbeginn. Seit 1901 waren lediglich der Juni 1953 und 1987 noch niederschlagsreicher. Im Juni 1953 fiel 257 mm Regen in Zürich. Die vielen Regentage im Juni 2016 schlugen sich auch in der Sonnenscheindauer nieder. So war der vergangene Monat in Zürich gleichzeitig der nasseste seit 1987 sowie der sonnenärmste seit 1997. Die Sonne lachte nur gerade 140 Stunden am Himmel. Weniger Sonne in einem Juni gab es in Zürich seit 1901 erst viermal.

Gemittelt nicht zu kühl

Trotz oft trüber Witterung war der Juni in der Schweiz über den ganzen Monat gemittelt 0,2 Grad übertemperiert, verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010. Am Zürichberg war er mit durchschnittlich 16,4 Grad genau richtig temperiert. Letztmals kühler war es im Juni 2013. Der Durchschnitt sagt jedoch einmal mehr wenig über die zeitliche Verteilung der Temperaturen aus. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die häufige Bewölkung verhinderten die nächtliche Auskühlung ebenso wie das tägliche Aufwärmen. Die Folge waren milde Nächte und kühle Tage. Dies zeigte sich eindrücklich in der Anzahl Sommertage mit Tageshöchsttemperaturen über 25 Grad (fotometeo). In einem durchschnittlichen Juni sind in Zürich 9 Sommertage zu erwarten, im Juni 2016 waren es lediglich 5. Der kurze aber heftige Hitzeschub vom 22.-24. Juni sorgte dann mit Temperaturen bis 32 Grad in Zürich für zwei Hitzetage (Tagesmaximum über 30 Grad). Nochmals sommerlich wurde es einige Tage später am 28./29. Juni mit Temperaturen gegen 26 Grad. Ansonsten dominierten die kühlen und weitgehend unsommerlichen Phasen.

Trübe Junis immer wärmer

Trübe Junis wie in diesem Jahr mit viel Regen, zahlreichen Regentagen und nur sehr wenig Sonne kommen in Zürich immer mal wieder vor. Witterungsmässig ähnlich wie in diesem Jahr verliefen letztmals die Junis 1916, 1933, 1953, 1980, 1987, 1990 und 1997. Erstaunlich dabei ist, dass trübe Junis bisher auch immer kühl ausfielen. So brachten es die trüben Junis 1916 und 1933 lediglich auf einen Durchschnitt von 12,9 Grad. Die Junis waren also knapp vier Grad kälter als der trübe Juni 2016. Auch 1953, 1980, 1987 und 1990 waren die verregneten und sonnenarmen Junis mit 14 bis 15 Grad deutlich kühler als der Juni 2016. Als es 1997 in Zürich letztmals einen so trüben Juni gab, war er mit 15,5 Grad zumindest nicht mehr gar so kühl, aber trotzdem noch rund ein Grad kälter als heuer. Der Juni 2016 ist somit der wärmste Juni unter den trübsten. Die globale Erwärmung macht sich eben nicht nur in heissen und trockenen Sommern bemerkbar, sondern auch damit, dass trübe Monate nicht mehr ganz so kühl ausfallen wie noch vor 100, 50 oder 20 Jahren. Ähnliches gilt wohl für die Zukunft. Das beste Abbild des Klimas in Zürich 2050 oder 2070 ist vermutlich wohl das heutige Wetter – einfach ein paar Grad wärmer.

Sommer im Jahr 2050: das heutige Wetter einfach ein paar Grad wärmer

Starkregen beenden perfekten Sommerstart

Die erste Junihälfte war so warm wie seit 2003 nicht mehr. Die Monatsmitte war geprägt von ergiebigen Niederschlägen, welche die langjährige Wasserbilanz weiter ausglichen.  

Der meteorologische Sommer startete am 1. Juni. Es war ein Schnellstart. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von 19,5 Grad zwischen dem 1.-15. Juni verzeichnete Zürich die drittwärmste erste Junihälfte seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Letztmals wärmer war es im Hitzesommer 2003, als die erste Junihälfte schweisstreibende 22,4 Grad vorwies. Auch eine Spur wärmer war der Sommerstart zudem im Jahr 1937 mit rund 20 Grad. Die ersten zwei Sommerwochen bescherten der Limmatstadt auch neun Sommertage mit Höchsttemperaturen über 25 Grad sowie zwei Hitzetage, an denen das Thermometer bereits über 30 Grad stieg. Im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010 sind für den ganzen Monat Juni neun Sommertage und ein Hitzetag vorgesehen. Das Soll ist also bereits erreicht oder sogar überschritten. In der dritten Juniwoche machte der Sommer dann schon eine Pause. Das Quecksilber stieg während mehr als einer Woche auf dem Zürichberg nicht über 25 Grad.

1
Die erste Junihälfte 2015 war so warm wie seit 2003 nicht mehr und insgesamt die drittwärmste seit 1901.

Wann kommt das Azorenhoch?

Es bleibt spannend, die weitere Entwicklung des mitteleuropäischen Sommerwetters zu beobachten. Es scheint, als würden die Wettermodelle mittelfristig eine konstante Hochsommer-Wetterlage favorisieren. Seit Tagen prognostizieren die Modelle die Ausdehnung des Azorenhochs bis nach Europa und somit sonniges und warmes Wetter. Kurzfristig tauchen aber immer wieder kleinräumige Störungen auf, welche den Aufbau der vorhergesagten Hochsommerphase vorerst noch unterdrücken.

In allen Belangen überdurchschnittlich

Die erste Junihälfte war nicht nur temperaturtechnisch überdurchschnittlich sondern auch bezüglich Niederschlagssummen und Sonnenscheindauer. Ausgelöst durch eine Gegenstromlage über den Alpen fielen am 14./15. Juni ergiebige Niederschläge. Innerhalb von 24 Stunden fiel auf dem Zürichberg knapp 57 mm Regen. An der rechten Zürichseeküste bei Erlenbach waren es sogar 71 mm. An der Schweizer Bodenseeküste kamen innerhalb von 24 Stunden mehr als 100 mm zusammen. Am meisten regnete es in dieser Zeitperiode aber im Berner Seeland mit 111 mm, wie Daten von MeteoSchweiz zeigen. Angefeuert durch diese ergiebigen Niederschläge war die erste Monatshälfte in Zürich mit einer Niederschlagsmenge von insgesamt 85 mm deutlich zu nass. Zur Monatshalbzeit wurden bereits zwei Drittel des gesamten Monatssolls erreicht. Wie wir es bereits aus dem diesjährigen Frühling kennen, bedeuten überdurchschnittliche Regenmengen aber keinesfalls wenig Sonnenschein. Dank der vielen sonnigen Tage erreicht die totale Besonnung nach nur zwei Juniwochen bereits zwei Drittel der insgesamt zu erwartenden Sonnenscheindauer im ganzen Monat Juni.

 

Kumulierte Niederschlagssumme in Zürich seit 1. Januar 2010. Der tatsächlich gemessene Verlauf liegt nur leicht unter dem Erwartungswert (Durchschnitt der Jahre 1981-2010). Das sehr trockene Jahr 2011 ist gut zu erkennen.
Kumulierte Niederschlagssumme in Zürich seit 1. Januar 2010. Der tatsächlich gemessene Verlauf liegt nur leicht unter dem Erwartungswert (Durchschnitt der Jahre 1981-2010). Das sehr trockene Jahr 2011 ist gut zu erkennen.

Ausgeglichener Wasserhaushalt

Nachdem das Jahr 2015 lange zu trocken blieb, haben die Starkregenfälle Ende April, im Mai und jetzt Mitte Juni den Wasserhaushalt wieder ausgeglichen. Bis heute ist das Jahr 2015 mit knapp 500 mm nun sogar leicht zu nass, verglichen mit den 480 mm, welche gemäss langjährigem Durchschnitt seit Jahresbeginn zu erwarten wären. Eine Betrachtung seit Jahresbeginn greift aber zu kurz, wenn analysiert werden soll, ob sich die Region Zürich in einer Dürre- oder Nassphase befindet. Wird der Betrachtungshorizont um das Jahr 2014 erweitert, zeigt sich, dass die letzten anderthalb Jahre auf dem Zürichberg 1572 mm Niederschlag brachten und somit nur 41 mm weniger als aufgrund der Klimareferenzwerte der Jahre 1981-2010 zu erwarten wäre. In der kurzfristigen Retroperspektive befindet sich Zürich also weder in einer Trocken- noch in einer Regenperiode. Doch wie sieht es in der langfristigen Rückschau aus? Seit Anfang 2010 sind auf dem Zürichberg etwas mehr als 5,87 Meter Niederschlag gefallen und somit 270 mm weniger als zu erwarten wäre. Die letzten fünfeinhalb Jahre waren also zu trocken. Verursacherin dieses Niederschlagsdefizits waren je eine ausgeprägte Trockenphase im Frühjahr und Herbst 2011. Im November 2011 fiel in Zürich nicht ein einziger Tropfen. Das feuchte Jahr 2012 hat ein Teil dieses Defizits aufgeholt, doch ganz kompensiert ist die Trockenheit von 2011 noch nicht. Der Fehlbetrag (weniger als 5 Prozent der Summe) liegt aber im Bereich von natürlichen Schwankungen und zeigt heute kaum Auswirkungen. Nasse und trockene Jahre wechseln sich ab und gleichen den Wasserhaushalt über mehrere Jahre hinweg bisher immer wieder aus. Seit dem 1. Januar 2000 fiel in Zürich 17,36 Meter Niederschlag. Das sind nur 123 mm oder 0,7 % weniger als gemäss Klimareferenzwert zu erwarten wäre. Der Wasserhaushalt in Zürich tickt wie ein Schweizer Uhrwerk. Nach sehr nassen Jahren 2001 und 2002 folgten drei trockene Jahre mit einer regelrechten Dürre im Sommerhalbjahr 2003. Über die gesamte Periode der 15,5 Jahre seit 2000 betrachtet, sind die Abweichungen aber minimal – der Wasserhaushalt ist in Takt. Spannend bleibt zu beobachten, ab wann und wie genau sich die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt in der Schweiz und in Zürich bemerkbar machen.

Kumulierte Niederschlagssumme in Zürich seit 1. Januar 2000. Der tatsächlich gemessene Verlauf liegt praktisch auf dem Erwartungswert (Durchschnitt der Jahre 1981-2010).
Kumulierte Niederschlagssumme in Zürich seit 1. Januar 2000. Der tatsächlich gemessene Verlauf liegt praktisch auf dem Erwartungswert (Durchschnitt der Jahre 1981-2010).
Starkregen beenden perfekten Sommerstart

Wettersicherheit: das beste Datum für die nächste Grillparty

Gibt es wettersichere Tage im Jahr? Das würde die Planung der nächsten Grillparty erheblich vereinfachen.

 

Wie gross ist die Wettersicherheit für ein bestimmtes Datum, einen bestimmten Tag oder eine bestimmte Periode im Jahr? Diese Frage wird Meteorlogen meist im Zusammenhang mit einer Veranstaltung wie einem Dorffest, Openair oder einfach einer Grillparty gestellt. In Zürich wird das Wetter rund um die Uhr seit mehreren Jahrzehnten von MeteoSchweiz beobachtet. Das Datenarchiv wird täglich umfangreicher. Ein Blick in die Beobachtungszeitreihe verrät, welcher Tag im langjährigen Mittel der wärmste, trockenste und sonnigste Tag im Jahr ist? Zudem wird ersichtlich, ob und wie sich dies im Laufe der Zeit verändert hat. Liefert diese Analyse bereits die nötigen Hinweise für das nächste Gartenfest?

 

Ende Juli am wärmsten

In Zürich brachte im langjährigen Mittel der Periode 1981-2010 der 30. Juli den heissesten Tag im Jahr. Mit durchschnittlich 25,7 Grad erreicht die Höchsttemperatur im Schnitt einen nur geringfügig höheren Wert als jener am Vortag (29. Juli), der 25,6 Grad vorzuweisen hat. Auf Platz 3 folgt der 23. Juli mit einer mittleren Höchsttemperatur von 25,2 Grad in Zürich.

In den Jahren zwischen 1961-1990 war die heisseste Zeit im Jahr zwischen dem 12. Juli und dem 14. August. Von den zehn wärmsten Tagen im Jahr lagen je fünf im Juli und August. Grundsätzlich hat sich an dem wenig verändert, jedoch konzentriert sich in jüngster Vergangenheit, zwischen 1981-2010, die heisseste Zeit des Jahres hauptsächlich auf das letzte Julidrittel. Die im langjährigen Durchschnitt sieben wärmsten Tage im Jahr sind alle dort angesiedelt. Erstaunlich ist zudem die Beobachtung, dass mit dem 19. August nur noch ein Augusttag zu den wärmsten zehn Tagen des Jahres gehört. Im Zuge der globalen Erwärmung wurden die wärmsten Tage in der Periode 1981-2010 um gut zwei Grad wärmer gegenüber 1961-1990. Die Chance für Wärme ist Ende Juli also am grössten. Es soll aber nicht nur warm sondern auch sonnig sein.

 

Ende Juni am sonnigsten

Mit durchschnittlich 9 Stunden scheint die Sonne in Zürich am 29. und 30. Juni am längsten, sofern als Datengrundlage die Periode 1981-2010 berücksichtigt wird. Im Mittel noch 8,3 Sonnenstunden gibt es am 29. Juli. Auch die Tage 20./21. Juli sowie 18./19. August bringen mit 8,2 Stunden in Zürich im langjährigen Durchschnitt sehr viel Besonnung. Früher, zwischen 1961-1990, brachte in Zürich der 7. Juli mit 8,4 Sonnenstunden den Höhepunkt im Jahr. Am wenigsten Sommersonne bringen im langjährigen Durchschnitt die Tage zu Beginn des Junis (Schafskälte) und Ende August – nach Zusammenbruch des Hochsommers. Zwischen 1981-2010 brachte der 6. Juni im Durchschnitt lediglich 4,2 und der 26. August nur 4,9 Sonnenstunden. Das sonnige Dorffest sollte im langjährigen Mittel also eher Ende Juni angesiedelt werden. Sonne will jeder, doch eigentlich soll es vor allem trocken sein.

 

Trocken am 30. Juni?

Allmählich kristallisiert sich ein Hammertag im Zürcher Sommerwetter heraus: Der 30. Juni bringt nicht nur am meisten Sonne, sondern war zwischen 1981-2010 im Schnitt auch der trockenste Tag im Sommer. Aber er ist keineswegs in jedem Jahr trocken. Durchschnittlich fällt auch an diesem Tag in Zürich 1,5 mm Regen. Ebenfalls recht trocken sind der 9./19./20. Juli sowie der 25. Juni. Mit Abstand am meisten Sommerregen brachte zwischen 1981-2010 mit gemittelt mehr als 9 mm Regen der 8. August in Zürich. Auch der 5. und 23. Juli kriegen in dieser Statistik nasse Füsse. Der grosse Regen nach der ersten Augustwoche ist aber kein neues Phänomen. Bereits in der Periode 1961-1990 brachte der 7. August mit 9 mm von allen Sommertagen am meisten Regen.

 

Die Statistik spricht deutliche Worte: das beste Datum für eine Grillparty in Zürich ist der 30. Juni. Leide fällt er dieses Jahr auf einen Dienstag. ;-)
Die Statistik spricht deutliche Worte: das beste Datum für eine Grillparty in Zürich ist der 30. Juni. Leider fällt er dieses Jahr auf einen Dienstag. 😉

Sommerzeit = Gewitterzeit

Der Sommer ist in der Schweiz aber keinesfalls die trockenste Jahreszeit. Die Gewitteraktivität lässt den Sommer regelmässig zur nassesten Jahreszeit werden. Der trockenste Sommertag ist im langjährigen Durchschnitt lediglich der 37.-trockenste Tag des Jahres. Zwischen 1981-2010 ist der trockenste Tag des Jahres am 18. Oktober zu finden. Dicht auf dessen Fersen sind der 15. und 31. Januar, die meist auch trocken ausfallen. Um das Gewitterrisiko bei der nächsten Grillparty zu minimieren, gilt es eine einfache Regel zu beachten, wie eine neue Untersuchung von MeteoSchweiz zeigt. Egal wo in der Schweiz. Es gilt für alle dasselbe: wer möglichst selten verregnet werden will, führt seine Aktivitäten besser am späten Vormittag, zur Mittagszeit oder am frühen Nachmittag durch. Am Abend hingegen ist die Regenhäufigkeit in allen Regionen höher als um die Mittagszeit. In Zürich ist die Regenhäufigkeit in den Abendstunden rund 50 % höher als um die Mittagszeit. Eine Garantie gibt es aber nicht. Auch um die Mittagszeit besteht in Zürich immer ein Regenrisiko von 7 %, wie langjährige Beobachtungen zeigen.

Für eine Grillparty stehen die Chancen am 30. Juni zur Mittagszeit also am allerbesten – dieses Jahr fällt das Datum jedoch auf einen Dienstag.

 

"Regenhäufigkeit (Anteil der Stunden in Prozent, während denen es mehr als 0.2 mm geregnet hat) im Verlauf des Tages für jede Stunde von 0 bis 24 Uhr (Mitteleuropäische Sommerzeit MESZ) für die drei Sommermonate Juni, Juli und August in Glarus, Zürich, Lugano, Genève und Lugano. Am seltensten regnet es überall um die Mittagszeit (braune Schattierung), am häufigsten am Abend (blaue Schattierung)" (MeteoSchweiz, 2015). http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/aktuell/meteoschweiz-blog.subpage.html/de/data/blogs/2015/5/typisch-sommer-mittags-trocken-abends-nass.html
“Regenhäufigkeit (Anteil der Stunden in Prozent, während denen es mehr als 0.2 mm geregnet hat) im Verlauf des Tages für jede Stunde von 0 bis 24 Uhr (Mitteleuropäische Sommerzeit MESZ) für die drei Sommermonate Juni, Juli und August in Glarus, Zürich, Lugano, Genève und Lugano. Am seltensten regnet es überall um die Mittagszeit (braune Schattierung), am häufigsten am Abend (blaue Schattierung)” (MeteoSchweiz, 2015).

Statistische Abklärungen zur Wetterwahrscheinlichkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr mit Hilfe der bisherigen Wetterbeobachtungen geben zwar Indikatoren, nützen aber für die meisten Fragen in diesem Zusammenhang wenig. Auch an einem Datum mit häufig schönem Wetter kann es genau in diesem Jahr heftig gewittern. Die Wetterabläufe in der Vergangenheit sind also keine Garantie für das Wettergeschehen im laufenden oder gar in folgenden Jahren.

Wettersicherheit: das beste Datum für die nächste Grillparty

Grosswetterlage: Es tropft wie aus einem undichten Wasserhahn

Auch dieses Jahr sorgt eine Omega-Wetterlage für Sommerwetter-Kapriolen in Europa. Während im Alpenraum und im nördlichen Mittelmeer Rekordniederschlagsmengen fallen, geniesst Skandianvien den perfekten Sommer.

Im Alpenraum und im nördlichen Mittelmeer war der Juli 2014 zu kühl. Perfektes Sommerwetter herrschte in Skandinavien, wo ein Wärmeüberschuss von bis zu 6 Grad zustande kam.
Im Alpenraum und im nördlichen Mittelmeer war der Juli 2014 zu kühl. Perfektes Sommerwetter herrschte in Skandinavien, wo ein Wärmeüberschuss von bis zu 6 Grad zustande kam.

 

Was ist heuer bloss mit dem Sommerwetter los? Mit 20 Regentagen und etwas weniger als 200 Liter Regen pro Quadratmeter erlebte Zürich einen der zehn nassesten Julis seit Anfang des letzten Jahrhunderts. Auf dem Zürichberg gab es rund 50 % mehr Regen als im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010.  Ähnlich viel Niederschlag in Zürich brachte letztmals der Juli 2011. Damals fielen die Niederschläge jedoch etwas konzentrierter, so dass Herr und Frau Zürcher insgesamt weniger Regentage hinnehmen mussten als in diesem Jahr. Von Ost nach West, entlang des Alpennordhanges, wurden im diesjährigen Juli neue Rekordniederschlagssummen gemessen. So beispielsweise im Zürcher Oberland, wie MeteoSchweiz mitteilt. An der Messstation oberhalb von Montreux wurden extreme 500 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Rund dreimal soviel wie sonst in einem Juli. Soviele Regentage wie in diesem Juli gab es seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Allgemein wünscht sich kaum jemand den Juli 2000 zurück. Wettertechnisch war es vor 14 Jahren noch um einiges „unsommerlicher“. Die Temperaturen lagen mit durchschnittlich 16 Grad im Juli 2000 deutlich unter dem diesjährigen Niveau, welches rund anderthalb Grad wärmer ausfiel. Verglichen mit der Referenztemperatur aus den Jahren 1981-2010 war der Juli 2014 in Zürich um rund ein Grad unterkühlt. Ähnliche Monatsmittel wurden beispielsweise 2004, 2007 und 2011 gemessen. Letztmals kühler war es vor erst drei Jahren.

Sonnige, sommerliche Tage machten sich im Juli 2014 rar, doch es gab sie. Insgesamt zehn Mal stieg das Thermometer auf dem Zürichberg über 25 Grad (Sommertag), zweimal über 30 Grad (Hitzetag). Während im langjährigen Zürcher Klimamittel vier Sommertage mehr zu erwarten sind, liegt der gemessene Wert der Hitzetage sogar im üblichen Bereich. Im Juli 2000 gab es nur gerade mal vier Sommertage und überhaupt keinen Hitzetag.

Juli-Tempverlauf
Der Juli 2014 war deutlich kühler als sein Vorgänger. Letztmals kühler war es vor drei Jahren.

2013 brachte den perfekten Sommer

Düster sieht die Bilanz des Julis 2014 im Vergleich mit seinem Vorgänger aus. Viele dürften sich erinnern: der Juli 2013 war mit 21,4 Grad in Zürich einer der wärmsten überhaupt und brachte mit 24 Sommertagen praktisch durchgehend hochsommerliches Wetter. Dank einer Hitzewelle im letzten Monatsdrittel kam der Juli 2013 auch auf sechs Hitzetage. Zudem fiel nur an sechs Tagen Regen und mit mehr als 300 Sonnenstunden erlebte Zürich einer der sonnigsten Julis. Mitverantwortlich dafür, dass der diesjährige Hochsommer so schlecht abschneidet, ist also vor allem auch sein Vorgänger. Der letztjährige Sommer ist noch stark im Gedächtnis verankert und dient in der aktuellen Saison als Sommer-Referenz. Dabei gerät rasch in Vergessenheit, dass die Schweiz vor einem Jahr einer der schönsten Sommer überhaupt erlebte. Nicht jeder Sommer kann so sein wie 2013.

Juli-Sonnenscheinverlauf
Die Sonne zeigte sich in diesem Juli nur selten. Letztmals war der Juli 2000 sonnenärmer in Zürich.

Omegahoch bringt Hitze und Überschwemmungen

Wenn das Wetter in den Sommermonaten verrückt spielt, ist die Omega-Wetterlage im Spiel. Das haben uns die letzten Jahre gezeigt und so ist es auch in diesem Jahr wieder geschehen. Diese spezielle Wetterlage wird durch ein mächtiges Hochdruckgebiet nördlich des eigentlichen Hochdruckgürtels der Subtropen charakterisiert, welches von mehreren flankierenden, abgelösten Tiefs stabilisiert wird. Die sonst vom Atlantik kommenden Westwinde, welche immer wieder Wetterwechsel bringen, werden so blockiert und in einem weiten Bogen um das zentrale Hochdruckgebiet umgeleitet. Das entstandene Strömungsmuster erinnert stark an den griechischen Buchstaben Omega. Die Omega-Wetterlage ist äusserst stabil und erneuert sich häufig über mehrere Wochen selbstständig. Solche Wetterlagen sind in den letzten Sommern immer wieder beobachtet worden, wobei die Lage des dominierenden Hochs nicht in jedem Fall identisch war. Diese ist aber entscheidend und bestimmt über den Ausgang der Sommerwitterung. So brachte eine Omega-Wetterlage Mitteleuropa den Hitzesommer 2003. Gleichzeitig regnete es in Osteuropa den ganzen Sommer heftig. Das selbe Spiel wiederholte sich in abgeschwächter Form im Frühsommer 2006. 2010 löste eine Omega-Wetterlage die historische Hitzewelle rund um Moskau aus. Ebenfalls als Folge dieser Wetterlage gab es in Pakistan schwere Überschwemmungen. Die Omega-Wetterlage bringt spürbare Abweichungen vom Normalzustand in Form von Hitze auf der einen und Überschwemmungen auf der anderen Seite.

Juli-Niedverlauf
Der Juli 2014 war in Zürich deutlich zu nass, jedoch wurden die Rekordsummen weit verpasst. Anders sah es im Zürcher Oberland aus, wo gebietsweise neue Rekordniederschlagssummen gemessen wurden.

Hitze am Finnischen Meerbusen

Dieses Jahr lag das Omega-Hoch von Ende Juni bis Ende Juli über Skandinavien und brachte den Gebieten vom Norden Deutschlands über Polen bis Estland und den Skandinavischen Ländern einen regelrechten Hitzemonat Juli. Dort war der Juli mit durchschnittlich 21 Grad gebietsweise wärmer als an den Mittelmeerküsten von Südfrankreich oder der Adria. Die Ostsee erwärmte sich im Finnischen Meerbusen bis auf 23 Grad und war somit ähnlich warm wie der Golf von Genua. Selbst in Lappland war der Juli 2014 wärmer als im Alpenraum. Die Kehrseite der Medaille bekamen dieses Jahr vor allem der Alpenraum sowie die Mittelmeerregion von Südfrankreich über Italien bis in den Balkan zu spüren. Hier war der Juli zu kühl und vor allem enorm nass. Zwischen dem zentralen Hoch über Skandinavien und dem schwächer ausgeprächten Azorenhoch gab es eine undichte Schwachstelle, von wo aus immer wieder kleinräumige Tiefs vom Nordatlantik über Frankreich in den Golf von Genau gelangen konnten. Diese Szene wiederholte sich im Juli ständig und erinnerte an einen tropfenden Wasserhahn. Ende Juli löste sich die Omega-Wetterlage auf und nährte somit die Hoffnung auf sommerlichere Verhältnisse in der verbleibenden Sommerzeit.

Grosswetterlage: Es tropft wie aus einem undichten Wasserhahn

Vom Yin und Yang des Zürcher Juliwetters

Die erste Julihälfte war in Zürich unterkühlt, nass und sonnenarm. Eine trübe erste Monatshälfte ist aber nichts Aussergewöhnliches, wie ein Blick in die Wetterannalen zeigt. Besserung verspricht die zweite Julihälfte.

Zum Glück war da noch die Fussball-WM, ansonsten wäre das Gejammer über das Nicht-Sommerwetter in der ersten Julihälfte wohl nicht auszuhalten gewesen. Nach einem sehr sonnigen und über weite Strecken hochsommerlichen Juni mit einer erinnerungsträchtigen Hitzewelle über die Pfingsttage konnte die erste Julihälfte das Niveau nicht halten. Ganz im Gegenteil: es kam zu einem regelrechten Absturz in eine frühherbstliche Tristesse. Obwohl es an der ersten Julihälfte 2014 nichts schönzureden gibt, zeigt ein Blick in die Historie, dass eine trübe erste Julihälfte, vor allem in den letzten Jahrzehnten, nichts Ungewöhnliches darstellt. Dieses Phänomen ist unter Meteorologen auch als „Julitrübe“ oder „Juli-Baisse“ bekannt.

 

Defizit an Sommertagen

Mit durchschnittlich 16 Grad gehört die erste Julihälfte auf dem Zürichberg mit einem Wärmedefizit von rund 2 Grad zu den 26 kühlsten seit 1901. Letztmals kühler war diese Periode vor 10 Jahren. Noch etwas kühler als heuer war es auch in den Jahren 1993 und 2000. Ganz andere Verhältnisse herrschten vor einem Jahr, als es rund 4 Grad wärmer war. 2013 wiesen die ersten 15 Julitage durchschnittlich knapp 20 Grad auf. Deutlicher Rekordhalter ist das Jahr 2010. Vor vier Jahren war die erste Julihälfte tropische 23,8 Grad warm in Zürich. Gleichzeitig wurden damals 14 Sommertage mit mehr als 25 Grad und 7 Hitzetage mit mehr als 30 Grad registriert. Zum Vergleich: in diesem Jahr bescherte uns die erste Julihälfte in Zürich 2-3 Sommertage und überhaupt keinen Hitzetag. In der Referenzperiode 1981-2010 wurden durchschnittlich 6 Sommertage erfasst und einmal pro Jahr stieg das Thermometer durchschnittlich über 30 Grad.

Die erste Julihälfte kann temperaturmässig aber noch deutlich garstiger sein. So war die Periode vom 1. bis 15. Juli 1948 nur gerade 12 Grad kalt, also nochmals 4 Grad kühler als in diesem Jahr. Gleichzeitig gab es keinen einzigen Tag mit Höchstwerten über 25 Grad. Keine Sommertage und sehr kühle Temperaturen in dieser Zeitspanne gab es auch 1909 und letztmals 1980. Fehlende Hitzetage mit Höchsttemperaturen über 30 Grad sind in Zürich keine Seltenheit. In jedem zweiten Jahr ist dies im Durchschnitt der Fall, wie auch letztmals 2012 und davor 2009.

1julihälfte_temp
Mit rund 16 Grad war die erste Julihälfte in Zürich rund 3 Grad kühler als vor einem Jahr. Ähnlich kühl war es letztmals 2004, 2005 und 2007.

Heizen im Juli?

Der Juli ist erfahrungsgemäss jener Monat im Jahr, an dem die Heizung ganz abgeschaltet wird. Entscheidend dafür sind die Heiztage, welche in der Klimatologie als Tage mit einer Durchschnittstemperatur unter 12 Grad definiert sind. Gemäss Referenz der Jahre 1981-2010 gibt es in Zürich in der ersten Julihälfte einen Heiztag. Die erste Julihälfte 2014 war zwar durchgehend unterkühlt, jedoch blieben sehr kühle Tage fast ganz aus, so dass auch dieses Jahr nur ein Heiztag registriert wurde. In sehr kühlen Jahren brachte die erste Julihälfte in Zürich sogar 6 bis 8 Heiztage, wie beispielsweise 1909, 1948 oder 1954. Bei solchen Verhältnisse würde man heutzutage wohl sogar im Juli die Heizung erneut hochfahren. Soweit kam es in diesem Jahr zum Glück nicht.

1julihälfte_heiztage
Heiztage mit einer Tagesmitteltemperatur unter 12 Grad sind in der ersten Julihälfte selten. Vor allem in den letzten Jahren traten sie kaum auf. Dieses Jahr gab es wie bereits im letzten Jahr einen Heiztag.

Trüb und nass

Mit 90 bis 100 mm war die erste Julihälfte in Zürich auch deutlich zu nass. Verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010 fiel 40 bis 50 Prozent mehr Niederschlag. Gegenüber dem Vorjahr wurde in diesem Jahr sogar dreimal mehr Niederschlag gemessen. Viel Niederschlag in dieser Zeit ist jedoch nichts Aussergewöhnliches. 2011 und 2012 fielen mit 120 bis 130 mm in Zürich regelrecht ins Wasser. Es zeigt sich sogar ein langfristiger Trend hin zu mehr Niederschlag in dieser Zeitspanne. Brachten die Jahre 1970 bis 1990 im Schnitt nur rund 50 mm Regen, sind es heute mehr als 70 mm, gleichviel wie auch schon von 1910 bis 1960.

Die Statistiken zeigen, dass die erste Julihälfte zwar unterdurchschnittlich war, jedoch nicht stark negativ abfällt. In einer Kategorie muss sich 2014 jedoch verstecken. So waren 12 der 15 ersten Julitage auch Regentage (mehr als 1 mm Regen). Dieser Wert ist fast rekordverdächtig. Mehr gab es nur im Jahr 2000 mit 13 Regentagen. Es erstaunt kaum, dass diese 2 Wochen somit auch zu sonnenarm waren. Mit nur 80 Sonnenstunden klafft ein Defizit von rund 20 Stunden auf.

1julihälfte_regen
Die erste Julihälfte war dieses Jahr sehr trüb und nass. An 12 der ersten 15 Julitagen gab es Regen. Mehr Regentage gab es nur im Jahr 2000.

Die bessere zweite Hälfte

Die erste Julihälfte war in Zürich also rund 2 Grad zu kalt, 50 Prozent zu nass und brachte 20 Sonnenstunden weniger als in der Referenzperiode 1981-2010. Diese Defizite sind in der zweiten Hälfte durchaus noch aufzuholen, die Aufholjagt wurde ja pünktlich zur Monatsmitte mit der Rückkehr des Hochssommers eingeläutet. Dieses Phänomen ist nicht neu. Die zweite Julihälfte ist seit jeher und vor allem in der jüngeren Vergangenheit die „bessere“. Seit 1990 war die erste Julihälfte nur dreimal wärmer als die zweite Hälfte. In allen anderen Jahren war die zweite Julihälfte um rund 2 Grad wärmer als die erste. Es erstaunt kaum, dass die zweite Julihälfte somit auch mehr Sommertage und mehr Hitzetage bringt. Der sommerliche Charakter der zweiten Monatshälfte zeigt sich auch bei der Sonnenscheindauer. Zwischen 1981 und 2010 brachte sie rund 20 Stunden mehr Sonnenschein als die erste Monatshälfte. Hoffen wir, dass auch der Juli 2014 eine bessere zweite Hälfte hat.

Vom Yin und Yang des Zürcher Juliwetters

Das ist die “Juli-Baisse”

Empfindlich kühle Luft liegt über Mitteleuropa. Gestern, am 8. Juli, lagen die Höchstwerte in zürich um 15 Grad. Auch am 9. und 10. Juli wird es kaum wärmer. Dazu ist es trüb und regnerisch. Der Sommer macht Pause. Doch wie ungewöhnlich ist ein solch trüber und kühler Julistart eigentlich? 

Kälterückfälle gehören seit eh und je zum mitteleuropäischen Frühsommer und werden seit langer Zeit beobachtet. Im Volksmund wird ein Kaltlufteinbruch im Juni mit der Schafskälte in Verbindung gebracht. Diese bezeichnet einen Witterungsregelfall, welcher Mitte Juni, zur Zeit der Schafschur, nasskaltes Wetter aus Nordwesten bringt. Ein Witterungsregelfall, auch Singularität genannt, ist eine deutliche Abweichung vom klimatischen Jahresgang, welche regelmässig zu bestimmten Kalendertagen auftritt. Deshalb ist sie auch im Durchschnitt der langjährigen Messreihe nachweisbar.

Trübe und kühle Tage im Juli hingegen sind im Volksgedächtnis nicht vorhanden, obwohl  Kälterückfälle in der ersten Julihälfte in den letzten 30 Jahren sehr häufig beobachtet wurden. Es handelt sich um eine “Julitrübe” oder “Juli-Baisse”. Um die Juli-Baisse nachzuweisen, werfen wir einen Blick auf das Mittel der Tageshöchsttemperaturen in Zürich. Da an regnerischen, trüben Sommertagen vor allem die Nachmittagstemperaturen gedämpft werden, müsste in dieser Reihe die Juli-Baisse am besten ersichtlich sein. Tatsächlich ist zwischen 1987 und 2007  die Juli-Baisse deutlich nachweisbar (siehe Grafik).

sommerverlauf

Juli-Baisse

In früheren Jahren, wie auch heutzutage ist zwischen Ende Juni und anfangs Juli regelmässig mit sehr hohen Temperaturen zu rechnen. Diese Hitze wird dann aber häufig von einem erneuten, schwächeren Temperaturrückgang in der ersten Julidekade beendet, bevor sich der Hochsommer ab Mitte Juli endgültig durchsetzt. Während diese Juli-Baisse zwischen 1901 und 1960 nur schwach ausgeprägt war, gehört sie heutzutage zum Sommermuster. So müssen wir zwischen dem 2. und dem 11. Juli häufig mit einer spürbaren Abkühlung rechnen. Während die Schafskälte im Zuge der Klimaänderung verschwand, konnte sich die Juli-Baisse etablieren.

Hält sich der Sommer an den Fahrplan, soll es schon bald Hochsommer werden!

 

 

Das ist die “Juli-Baisse”

Wie kalt war der Juli 2011 wirklich? Ein Vergleich gibt Aufschluss

Der Juli 2011 wird in der Schweiz wohl der kälteste seit 2000. Damals war die Sommerkälte in Europa noch deutlich ausgeprägter. Wie bereits im letzten Jahr herrscht in Westrussland grosse Hitze.  

2000

2000
Eine Troglage* über Mitteleuropa sorgt für kaltes Hochsommerwetter und ergiebige Niederschläge. Grosse Teile Europas erleben einen deutlich zu kalten Juli. Vor allem Frankreich, Luxemburg, Deutschland und die Schweiz sind stark unterkühlt.

2001

2001
Eine anhaltende Südströmung über Westrussland sorgt dort für grosse Hitze. In Mitteleuropa bekommt man nur sporadisch von den überdurchschnittlichen Temperaturen im Osten zu spüren. Erneut liegt Mitteleuropa zeitweise im Einfluss der Trog-Wetterlage.

2002

2002
Der Juli 2002 war in Westeuropa geprägt durch eine zonale Strömung. So strömte immer wieder kühle und feuchte Atlantikluft nach West- und Mitteleuropa. Über Westrussland lag erneut eine aussergewöhnliche Hitze.

2003

2003
Der Juli im Hitzesommer 2003 war verglichen mit dem Juni und August praktisch durchschnittlich. Trotzdem war auch der Juli 2003 von einer Omega-Wetterlage geprägt, so dass mehrheitlich überdurchschnittliche Temperaturen vorherrschten. In Südosteuropa war es für einmal zu kühl.

2004

2004
Wie im Juli 2002 war der Juli 2004 ebenfalss durch den Westwind und somit kühle, feuchte Atlantikluft geprägt. Diesmal reichte die zonale Strömung aber bis weit in den Kontinent, so dass auch Westrussland einen kühlen Sommer erlebte.

2005

2005
Ein leicht übertemperierter Sommermonat unter Einfluss des Azorenhochs. Zeitweise herrschte Nordwestströmung vor, so dass die Temperaturüberschüsse gedämpft ausfielen.

2006

2006
Der Hitze-Juli im Jahre 2006. Der heisseste Juli seit Messbeginn im Mitteleuropa. Eine konstante Omega-Lagesorgte für sonnige, trockene und heisse Verhältnisse. Im Osten, auf der Vorderseite des Hochdruckkeils, erlebten die Menschen einen kühlen Sommer. 

2007

2007
Ein massives Tiefdruckgebiet über Skandinavien sorgte über weite Strecken des Monats für Westwind und führte kühle Atlantikluft nach Mitteleuropa. Nur über dem Balikum herrschte Gluthitze.

2008

2008
Ein Sommermonat unter schwachem Azorenhocheinfluss. Zeitweise auch mit zonaler Strömung, die Störungen nach Mitteleuropa führten. Allgemein kaum nenneswerte Temperaturanomalien in Europa.

2009

2009
Erneut ein unspektakulärer Juli. Erneut unter schwachem Azorenhocheinfluss. Zeitweise aber auch in der zonalen Strömung. Kaum Temperaturabweichungen in Europa.

2010

2010
Über weite Strecken ein neuer Hitzemonat in Mitteleuropa und lange Zeit heisser als der Rekordmonat 2006. Bis am 23. geprägt durch eine Omega-Wetterlage über Mittel und Osteuropa. Danach Trog über Mitteleuropa mit massiver Abkühlung. Westrussland blieb unter dem Omega und erlebte den heissesten Sommer seit Menschengedenken.

2011

2011
“Trog über Mitteleuropa”. Mehr gibt es zum Juli 2011 eigentlich nicht zu sagen. Eine eingefahrene Wetterlage sorgte über weite Strecken für kühle, nasse und sonnenarme Juliwitterung. Die Sommerkälte ist aber viel weniger ausgeprägt als im Juli 2000 (ganz oben). So beschränkt sich die Kälte dieses Jahr auf die Iberische Halbinsel, Frankreich, die Benelux-Staaten, Deutschland und die Schweiz und ist weniger unterdurchschnittlich als 2000. Skandinavien und Westrussland erleben erneut einen heissen Juli.

2012

2012
Ein unbeständiger aber durchschnittlicher Juli. Mal war der Alpenraum im Einfluss des viel zu heissen und trockenen Südosteuropa, mal im Bereich der kühl-feuchten Luft über Nordwesteuropa.

2013

2013
Ein extrem sonniger, trockener und warmer Juli: Der perfekte Hochsommermonat. Nach recht frischem Monatsstart wurde es immer heisser.

*Als Troglage bezeichnet man ein Gebiet mit tiefem Luftdruck im Bereich der Rückseite eines kräftigen, bereits zu altern beginnenden Tiefs. Der aus hochreichender Kaltluft bestehende Trog ist an der starken zyklonalen Krümmung der Isobaren zu erkennen. (MeteoSchweiz)

Galerie

Sommerlicher Januskopf: welche Seite darf’s denn sein?

August bedeutet Sommer. Das hat der letzte Sommermonat auch dieses Jahr wieder bestätigt. Die Schweiz wurde in den letzten Wochen mit sehr viel Sonnenschein verwöhnt. Obwohl Sommerwetter vorherrschte, zeigte der August unterschiedliche Witterungscharaktere. 

Windrichtung_August_2012

Windrose für die ersten zwei Augustwochen der Wetterstation Zürich-Witikon.

Die erste Augusthälfte war sonnig, warm und niederschlagsarm. Für viele herrschte perfektes Sommerwetter. Mit rund 150 Sonnenstunden, einer gemittelten Temperatur von rund 20 Grad und lediglich 20 mm Niederschlag war dies auch in den Wetterparametern ersichtlich. Zwischen dem 7. und dem 20. August herrschte traumhaftes Sommerwetter, jedoch dominierte nicht durchgehend derselbe Witterungscharakter den Schweizer Augustsommer. Zwei Sommerwettertypen gaben sich am Wochenende 11./12. August die Wetterklinke in die Hand.

Sommerwetter ohne Sommertage
Am 7. August stiess ein Hochdruckgebiet nach Mitteleuropa vor und trocknete die Luft über dem Alpenraum ab. Es war der Anfang einer langen Schönwetterphase. Das Zentrum des Hochs lag nördlich der Alpen, so dass auf der Alpennordseite leichte Bisentendenz aufkam, welche auch in den Folgetagen anhalten sollte.
Die Absinkbewegung im Hochdruck sorgte für sternenklare Nächte mit entsprechend starker, langwelliger Ausstrahlung. Die Temperaturen sanken bis am Morgen auf frische 10 bis 14 Grad ab, wobei die höchsten Werte entlang der wärmenden Gewässer gemessen wurden. Tagsüber präsentierte sich die Sonne auf einem häufig blauen Himmel mit nur wenig flachen Quellwolken am Nachmittag. Die leichte Bisenströmung dämpfte den Temperaturanstieg stark. Über die Mittagszeit gab es gerademal Werte um 20 Grad und die Höchstwerte kurz vor dem Feierabend um 17.00 Uhr lagen bei 23 bis 25 Grad – begleitet von der Bise fühlten sich dies nicht gerade heiss an, so dass es im Schatten vielen zu kühl war. Geschwitzt hatte man in dieser Woche trotz Sommerwetter nie. Die sehr stabile atmosphärische Schichtung und die Bise verunmöglichten aber die Bildung von nennenswerten Quellungen oder sogar Gewittern. So blieb es die ganze Woche trocken und nie kam auch nur ein Hauch Angst vor einem Abendgewitter auf. Die Kehrseite der Medaille waren aber eben die Temperaturen. An der Wetterstation Zürich-Fluntern der MeteoSchweiz stieg das Thermometer trotz Sommerwetter zwischen dem 7. und dem 11. August wegen der leichten Bise nie über die Sommermarke von 25 Grad, wobei die Quecksilbersäule zweimal nur einige Zehntelgrad davon entfernt blieb.

Gewittergefahr lauert
Auf den 12. August ereignete sich dann ein Witterungswechsel, welcher aufs erste niemand zu spüren bekam, denn der Tag begann wie seine Vorgänger mit viel Sonnenschein und frischen 12 Grad auf dem Zürichberg. Im Tagesverlauf drehten die Winde aber von Nordosten (Bise) auf Südwesten. Prompt stieg das Thermometer auch auf dem Zürichberg über 25 Grad und prompt war der Nachmittagshimmel nicht mehr tiefblau sondern wieder gespickt voller grosser Quellwolken. Die südwestliche Strömung führte nicht nur wärmere sondern in tieferen Luftschichten auch wieder feuchtere Luft in die Schweiz. Die starke tägliche Sonneneinstrahlung brachte die feuchte Luft zum dampfen und bereits zogen die ersten Gewitter wieder an den Voralpen entlang. Nur um ein Haar wurde Zürich in der Nacht auf den 13. August von einem Gewitter verschont, die Angst vor einem Abendgewitter begleitet einem nun wieder Tag für Tag. Die folgenden Nächte kühlten in der feuchten Südwestströmung nicht mehr so stark ab. 17 Grad in den Morgenstunden und bereits über die Mittagszeit wurden weit über 20 Grad verzeichnet. Das Hemd klebt bei schwül-heissen 30 Grad am Nachmittag am Körper. Kaum eine Brise durchmischt die stickige, stehende Sommerluft. Der Witterungswechsel ist vollzogen. Zwei Wochen Sommerwetter mit zwei total unterschiedlichen Gesichtern: Der August präsentierte seinen sommerlichen Januskopf.

Mehr Bise, weniger Westwind
Die Präferenzen fürs Lieblings-Sommerwetter gehen weit auseinander. Für die einen war die Woche mit tiefblauem Himmel, leicht gedämpften Temperaturen und gewitterfreien Nächten die perfekte Sommerwoche, für die anderen herrscht erst der perfekte Sommer, wenn das Schwitzen auch in den Nächten nicht aufhört und sie tagsüber nur dem Schatten nachgehen können. Das Abendgewitter nehmen sie dafür gerne in Kauf. Nordost- und Südwestlagen bringen der Schweiz Sommerwetter, wenn auch mit anderen Charakterzügen. Seit 1960 haben die Nordostlagen mit Bisentendenz im Schweizer Mittelland signifikant zugenommen und kommen heute rund 18 Prozent häufiger vor als noch vor 50 Jahren. Im Schnitt sind es heutzutage 25 Tage pro Sommer mit Nordostlage. Die Anzahl Südwestlagen haben sich im Gegenzug kaum verändert. Kompensiert wird die Zunahme der Nordostlagen mit einer deutlichen Abnahme der wechselhaften und kühlen Westlagen. Gleichzeitig wurden auch alle Wetterlagen deutlich wärmer in den letzten 50 Jahren. Am stärksten haben sich die Wetterlagen Nordost und Ost erwärmt, so sind sie heute rund 2,5 Grad wärmer als noch um 1960. Gut möglich, dass in Zukunft also auch Sommertage mit Bise richtig warm werden können. Egal zu welchen Sommerliebhabern Sie gehören, der August 2012 brachte für jeden die perfekte Sommerwoche.

Sommerlicher Januskopf: welche Seite darf’s denn sein?

Schweizer Sommer wird überschätzt

Es ist Halbzeit, Sommerhalbzeit! Der seit dem 1. Juni andauernde, meteorologische Sommer ist nach anderthalb Monaten gemittelt 17,5 Grad warm auf dem Zürichberg. Die bisher höchste Temperatur wurde mit 32,4 Grad am 29. Juni gemessen. Im Volksmund ist der diesjährige Sommer aber ein Flop. Irgendwie haben sich die meisten auf richtiges Sommerwetter gefreut und nicht auf die Witterung, welche in den ersten anderthalb Sommermonaten vorherrschte. Wobei temperaturmässig bisher nichts am Sommer 2012 auszusetzen ist. Verglichen mit der Referenzperiode 1961 bis 1990 ist der Sommer sogar zu warm. Eine aussagekräftigere Antwort liefert jedoch der Verglich mit den letzen 30 Jahren, also der „neuen” Referenzperiode 1981-2010. Aber auch hier muss sich der Midlife-Sommer nicht verstecken, zurzeit herrschen durchschnittliche Verhältnisse.

sommer-temp_neuenorm

Verglichen mit der “neuen” Klimareferenzperiode 1981-2010 sind die meisten Sommer unterkühlt. So warm wie heutzutage waren die Sommer nie.
Daten: MeteoSwiss

Juli bisher trüb und nass
Andere Wetterparameter halten sich aber weniger an den Sommer-Fahrplan. So wurde auf dem Zürichberg seit Sommerbeginn 330 mm Niederschlag gemessen, rund doppelt so viel wie üblicherweise in diesem Zeitraum. In den ersten 15 Julitagen blieben nur gerade drei trocken.
Dank einer hochsommerlichen, zweiten Junihälfte, die 12 Sommertagen mit Höchstwerten über 25 Grad und 4 Hitzetagen mit Temperaturen über 30 Grad brachte, war der Juni auf dem Zürichberg deutlich zu warm. Die erste Julihälfte hingegen war verglichen mit der neuen Referenzperiode leicht unterkühlt. Vor allem die Abwesenheit von Sommertagen, nur gerade viermal stieg das Thermometer in der ersten Julihälfte über 25 Grad, und die vielen Regentage, machten vielen zu schaffen. Nachdem der Juni mit mehr als 200 Sonnenstunden unter dem Strich als sonniger Monat in die Wetterbücher eingeht, gab es in den ersten 15 Julitagen nur gerade 50 Stunden Sonnenschein. Das Problem ist also nicht der Sommer, sondern der Juli.

slp

Seit Sommerbeginn (1. Juni) ist der Luftdruck verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010 über den Britischen Inseln deutlich zu tief. Mitteleuropa lag somit in einer West- bis Südwestströmung, so dass sich kein konstantes Sommerwetter aufbauen konnte.
Daten: NCEP/NCAR

Tief über den Britischen Inseln
Verantwortlich für die vielen Regentage und die spärlichen Sommertage war ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet über den Britischen Inseln. Üblicherweise liegt dieses weiter im Nordwesten über Island, so dass sich das Azorenhoch häufiger als zuletzt nach Mitteleuropa ausbreiten kann. Nicht aber in diesem Juli: der kräftige Tiefdruckwirbel  liess dem Azorenhoch keine Chance und drückte dieses weit in den Atlantik zurück. Die resultierende Südwestlage führte feuchte und nur mässig warme Luft nach Mitteleuropa und sorgte für den wohl bekannten, wechselhaften Witterungscharakter. Die vorherrschende Südwestströmung prägte das Juliwetter in ganz Europa. Während der Süden und Südosten Europas unter Hitze und Trockenheit litt, waren die Verhältnisse in Grossbritannien und Skandinavien deutlich unterkühlt und sehr feucht. Die Schweiz lag einmal mehr irgendwo dazwischen.

temp

Der Sommer ist in Süd- und Osteuropa bisher zu warm. Gebietsweise mehr als 4 Grad! Im Norden und Nordwesten liegen die Temperaturen hingegen leicht unter der Norm.
Daten: NCEP/NCAR

prec

Nördlich der Alpen ist der Sommer bisher zu nass, im Mittelmeerraum hingegen zu trocken.
Daten: NCEP/NCAR

Hitzesommer?
Das Wunschsommerwetter mit endlosem Sonnenschein, trockenen Grillfesten und andauernd heissen Temperaturen gibt es in der Schweiz nicht und hat es nie gegeben. Im Gegenteil: der mitteleuropäische Sommer ist und war schon immer geprägt durch schnelle Witterungswechsel, mässig warme Verhältnisse und ergiebige Niederschläge. Die Monate Mai bis August sind nicht per Zufall die feuchtesten im Jahresverlauf. Hitzewellen und lange Trockenperioden sind die Ausnahme. Seit Messbeginn im Jahre 1864 gab es in Zürich es nur sechs „Traumsommer”: 1911, 1947, 1983, 1994, 2003 und 2006. Wobei es auch 1911 und 1947 vor allem in der zweiten Sommerhalbzeit erst richtig schön und heiss wurde. 1983 war sogar „nur” der Juli viel zu sonnig, trocken und heiss. 1994 und 2006 war es hingegen die erste Sommerhälfte, welche deutlich überdurchschnittliche Temperaturen und Trockenheit brachte. Nur 2003 brachte praktisch über mehr als drei Monate Hochsommerwetter, wobei es auch damals im Juli Schönheitsflecken zu beklagen gab. Es wird also deutlich ersichtlich, dass vor allem die Denkhaltung und die riesigen Erwartungen das Problem an der Sommerwahrnehmung ist. Der Schweizer Sommer hält dieser Traumvorstellung nicht stand und führt Jahr für Jahr in die Tristesse. Fakt ist: die Sommer werden in der Schweiz immer wärmer. Die Nullerjahre brachten wieder deutlich mehr Sonnenschein als die fünf vorangegangenen Jahrzehnte und die Niederschläge haben sich kaum verändert. Die Parameter entwickeln sich also langsam in Richtung „Traumsommer” und überhaupt nicht in die Gegenrichtung. Falls also jeder Sommer immer wieder als Flop bezeichnet wird, kann es nur daran liegen, dass der Schweizer Sommer systematisch überschätzt wird. Für Hitze, Trockenheit und Sonne pur wird der Mittelmeerraum empfohlen. Der Sommer 2012 ist noch lange nicht vorbei. Es handelt sich nur um eine sommerliche Midlifecrisis.

Schweizer Sommer wird überschätzt

Die Schafskälte gibt es nicht mehr: das neue Phänomen heisst Juli-Baisse

Empfindlich kühle Luft lag vom 18. bis 22. Juni 2010 über Zürich – von Sommer keine Spur. Nach der Hitze zu Junibeginn dachten wir, dass wir dieses Jahr vom berühmten Kälterückfall im Juni verschont bleiben würden. Doch wir lagen falsch. Schwere, dunkle Wolken hingen über den Hügeln und brachten grosse Regenmengen, allein am 18 und 19. Juni fielen auf dem Zürichberg über 60 Liter pro Quadratmeter. Am 20. verharrte das Thermometer in der Limmatstadt selbst am Nachmittag bei frischen 11,7 Grad. Den Start ins letzte Junidrittel hatten sich viele anders vorgestellt. Doch wie ist dieser Kälterückfall einzuordnen, handelte es sich um die berühmte Schafskälte? Im Jahr 2009 verlief die Juniwitterung übrigens beängstigend ähnlich.

sommerverlauf

Die Schafskälte, wie wir sie früher kannten, ist also aus dem heutigen Sommermuster verschwunden: Während die Schafskälte der Klimaänderung zum Opfer fiel, konnte sich die Juli-Baisse etablieren.

Schnee von gestern
Mit der starken Sonneneinstrahlung auf der Nordhalbkugel reduziert sich über dem Nordpol das Kaltluftreservoir im Juni täglich. Die Temperaturunterschiede zwischen Pol- und Äquatorregionen werden abgebaut, trotzdem stösst noch zeitweise ein Schwall polarstämmiger Luft nach Süden, zum Beispiel nach Mitteleuropa. Diese Kaltluftausbrüche werden Kaltlufttropfen genannt, da sie ringsum von warmer Sommerluft umgeben sind und deshalb nur eine kurze Überlebenschance haben. Während dem Durchzug des Kaltlufttropfens ändert das Wetter aber abrupt von Sommer auf Herbst. Solche Kälterückfälle gehören seit eh und je zum mitteleuropäischen Frühsommer und werden seit langer Zeit beobachtet. Im Volksmund wird ein Kaltlufteinbruch im Juni mit der Schafskälte in Verbindung gebracht. Diese bezeichnet einen Witterungsregelfall, welcher Mitte Juni, zur Zeit der Schafschur, nasskaltes Wetter aus Nordwesten bringt. Ein Witterungsregelfall, auch Singularität genannt, ist eine deutliche Abweichung vom klimatischen Jahresgang, welche regelmässig zu bestimmten Kalendertagen auftritt. Deshalb ist sie auch im Durchschnitt der langjährigen Messreihe nachweisbar. Um die Schafskälte nachzuweisen, werfen wir einen Blick auf das Mittel der Tageshöchsttemperaturen in Zürich. Da an regnerischen, trüben Sommertagen vor allem die Nachmittagstemperaturen gedämpft werden, müsste in dieser Reihe die Schafskälte am besten ersichtlich sein. Tatsächlich ist zwischen 1901 und 1960  die Schafskälte deutlich nachweisbar. So liegt das Mittel der Tageshöchsttemperaturen zum Junibeginn bei rund 21,5 Grad und sinkt dann zwischen dem 10. und dem 16. auf rund 19,5 Grad, bevor es wieder auf das alte Niveau von rund 21,5 Grad ansteigt. Dieser Temperaturrückgang um 2 Grad während diesen Tagen erscheint marginal, doch bei einem Mittel über 60 Jahre ist das beachtlich! Natürlich konnte die Schafskälte in den einzelnen Jahren deutlich tiefere Höchsttemperaturen bringen. In Arosa, auf 1850 Meter über Meer, ging die Schafskälte häufig mit dem letzten Schneefall der Saison einher.

Deutliche Junierwärmung
In den letzten rund 20 Jahren erwärmte sich der Juni im Zuge der globalen Erwärmung deutlich, so ist er heutzutage gut 1,5 Grad wärmer als noch vor 50 Jahren. Nun stellt sich die Frage, ob sich neben den Temperaturen auch die Witterung veränderte? Ist die Schafskälte auch im wärmeren Klima von Zürich noch nachweisbar? Wir betrachten dazu den Verlauf der gemittelten Tageshöchstwerte zwischen 1987 und 2007. Das Ergebnis ist erstaunlich: der deutliche Temperaturrückgang zur Monatsmitte fehlt, die Tageshöchsttemperaturen steigen im Mittel täglich etwas höher an und weisen keine eindeutige Unregelmässigkeit mehr auf. Die Schafskälte, wie wir sie früher kannten, ist also aus dem heutigen Sommermuster verschwunden. Die schwachen Einbrüche im Temperaturmittelverlauf, wie beispielsweise am 6., 11., 22. oder 27. Juni zeigen aber auf, dass es auch in der Zeit der globalen Erwärmung Kaltlufteinbrüche im Juni gab und geben wird. Aus der regelmässig und pünktlich auftretenden Schafskälte wurden spontane, unregelmässige Kaltlufteinbrüche. Der diesjährige Rückfall um den 22. ist ein gutes Beispiel dafür und darf aufgrund der Unpünktlichkeit nicht als Schafskälte bezeichnet werden.

Juli-Baisse
In früheren Jahren, wie auch heutzutage ist zwischen Ende Juni und anfangs Juli regelmässig mit sehr hohen Temperaturen zu rechnen. Diese Hitze wird dann aber häufig von einem erneuten, schwächeren Temperaturrückgang in der ersten Julidekade beendet, bevor sich der Hochsommer ab Mitte Juli endgültig durchsetzt. Während diese Juli-Baisse zwischen 1901 und 1960 nur schwach ausgeprägt war, gehört sie heutzutage zum Sommermuster. So müssen wir zwischen dem 2. und dem 11. Juli häufig mit einer spürbaren Abkühlung rechnen. Während die Schafskälte im Zuge der Klimaänderung verschwand, konnte sich die Juli-Baisse etablieren.

 

Die Schafskälte gibt es nicht mehr: das neue Phänomen heisst Juli-Baisse