Ein Sommerhalbjahr der Rekorde

Mitteleuropa, die Schweiz und Zürich erlebten ein Rekord-Sommerhalbjahr. Bei praktisch allen relevanten Wetterparametern schwingt das Sommerhalbjahr 2018 obenaus oder gehört in die Top 5 seit Messbeginn vor rund 150 Jahren. In der Meteorologie wird die Zeitspanne von Anfang April bis Ende September als Sommerhalbjahr bezeichnet. Das Winterhalbjahr dauert entsprechend von Oktober bis März. Die sechs Sommerhalbjahrmonate 2018 wurden von einer aussergewöhnlichen Wärme, staubiger Trockenheit und eitel Sonnenschein geprägt. Verglichen mit der langjährigen Normperiode der Jahre 1981-2010 gingen alle einzelnen Monate deutlich übertemperiert, zu trocken und zu sonnig in die Wetterbücher ein. In der Summe resultierte so über das gesamte Sommerhalbjahr 2018 ein bis anhin einzigartiges Rekordhalbjahr.

 

Rekordwärme

Die durchschnittliche Lufttemperatur zwischen April und September kam in Zürich bei 17,5 Grad zu liegen. So warm war ein Sommerhalbjahr seit Messbeginn 1864 noch nie. Die letzten sechs Monate waren 2,6 Grad wärmer als der 30-jährigen Mittelwert der Periode 1981-2010 und 0,3 Grad wärmer als das Sommerhalbjahr des legendären Hitzesommers 2003. Damit setzt das Sommerhalbjahr einen neuen Höhepunkt und ist Teil einer neuen Ära der Sommerwärme, wie es MeteoSchweiz treffend ausformulierte. Neun der zehn heissesten Sommerhalbjahre in Zürich wurden in den Jahren seit 2003 gemessen. Die einzige Ausnahme liefert das Sommerhalbjahr 1947, welches bis heute als drittwärmstes Sommerhalbjahr gilt. Sommerhalbjahre in Zürich zeigten seit Anfang des 20. Jahrhunderts nur wenige Temperaturänderungen und waren im Durchschnitt knapp 13,9 Grad mild. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts setzte eine deutliche Erwärmung des Sommerhalbjahrs ein. So ist das Sommerhalbjahr seit 2001 im Durchschnitt 15,6 Grad warm. Das ist eine Erwärmung von knapp 2 Grad innert kürzester Zeit.

So heiss wie im 2018 war ein Sommerhalbjahr (April-September) in Zürich in den letzten mindestens 154 Jahren noch nie. Es ist eine starke Häufung extrem warmer Sommerhalbjahre seit Beginn des 21. Jahrhunderts zu beobachten.

Sommertage ohne Ende

An 142 der 183 Sommerhalbjahrtagen stieg die Tageshöchsttemperatur am Zürichberg über 20 Grad. Der bisherige Rekordwert wurde dabei um ganze zehn Tage überboten. Die mittlere Tageshöchsttemperatur erreichte mit über 23 Grad ebenfalls einen neuen Rekordwert. Auch die nächtlichen Tiefstwerte lagen mit durchschnittlich 12,5 Grad über dem bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2003. Das Quecksilber stieg am Zürichberg an 76 Tagen über die Sommermarke von 25 Grad. Noch mehr Sommertage erlebte Zürich einzig im Sommerhalbjahr 2003. Damals gab es noch zehn Sommertage mehr als heuer. Ebenfalls sehr viele Sommertage brachte das Sommerhalbjahr 1947: insgesamt 69. Etwas weniger extrem zeigt sich das abgelaufene Sommerhalbjahr in Sachen Hitze. Eine intensive Hitzewelle rollte zwar zwischen Mitte Juli und Anfang August über die Nordschweiz, ansonsten zeigte sich das Sommerhalbjahr aber meistens konstant sehr warm – nicht aber extrem heiss. Dies zeigt sich in der Anzahl Hitzetage. Im Sommerhalbjahr 2018 wurden 18 Hitzetage mit einer Höchsttemperatur über 30 Grad erfasst. Das ist zwar deutlich mehr als im langjährigen Durchschnitt, welcher von lediglich sechs Hitzetagen ausgeht, aber in bereits drei Sommerhalbjahren gab es noch mehr Hitzetage als 2018. So brachten die Jahre 1947, 2003 und 2015 im Sommerhalbjahr alle je 26 Hitzetage.

 

Dürre und Sonnenschein pur

Extrem war neben der Rekordwärme auch die ausgeprägte Trockenheit, welche das Sommerhalbjahr 2018 dominierte. Seit April fielen in Zürich lediglich 400 mm Regen. Das sind gerade mal 60 Prozent der üblichen Niederschlagsmengen. Das Regendefizit entspricht der Regenmenge zweier Sommermonate. Das Sommerhalbjahr war damit in Zürich so trocken wie seit 69 Jahren nicht mehr. Noch etwas trockener waren die Sommerhalbjahre 1947 und 1949. Hohe Temperaturen und Trockenheit entstehen durch langanhaltende Schönwetterlagen. Entsprechend leistete im Sommerhalbjahr 2018 auch die Sonne zahlreiche Überstunden. Mit 1‘462 Sonnenstunden in Zürich zwischen April und September 2018 war es das sonnigste Sommerhalbjahr seit mehr als 70 Jahren. Diese Periode  brachte mehr Sonnenschein als beispielsweise das ganze Jahr 1994. Noch sonniger waren die Sommerhalbjahre 1911 und 1945 und 1947 mit 1‘470 bis 1‘520 Sonnenstunden.

 

Die Rekordwärme im Sommerhalbjahr 2018 hat durchaus einen Einfluss auf die Energiekosten im Gebäudebereich. Die Heizkosten steigen und sinken analog mit den Temperaturen. Ein meteorologischer Indikator dafür sind die Heizgradtage. Am Anfang und Ende des Sommerhalbjahrs wird in der Schweiz je nach Witterung geheizt. Im Sommerhalbjahr 2018 erreichten die Heizgradtage einen Wert von 235. Noch tiefer war dieser Wert lediglich im Sommerhalbjahr 2009. Im Durchschnitt liegt er bei über 640. Anders sieht es beim Kühlbedarf aus. Immer häufiger werden Gebäude im Sommer gekühlt. Je höher die Aussentemperatur, desto mehr Energie braucht es zur Kühlung. Ein Indikator dafür sind die Kühlgradtage. Dieser Indikator stieg heuer auf einen Wert von 263. Noch höher stieg er lediglich im Sommerhalbjahr 2003. Im langjährigen Durchschnitt liegt er allerdings nur bei 85. Im Sommerhalbjahr 2018 musste aufgrund der Rekordwärme natürlich nicht geheizt, jedoch aber umso mehr gekühlt werden.

Ein Sommerhalbjahr der Rekorde

Fünf Beweise für den Hitzesommer 2018

Ende Juli 2018 tauchte das Schlagwort „Hitzesommer“ wieder auf. Seither wird es in zahlreichen Medien zur Berichterstattung des diesjährigen Sommers verwendet. Berühmt wurde der „Hitzesommer“ im Jahr 2003 – als Mitteleuropa den heissesten Sommer mindestens seit Messbeginn Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte. Aber auch der Sommer 2015 wurde vom BAFU zum Hitzesommer hochgestuft, und auch im letzten Jahr trat das Schlagwort hie und da in Erscheinung. Retroperspektivisch gelten auch die Sommer 1911, 1947 und 1983 als Hitzesommer.

Von Seiten der Wissenschaft gibt es keine klaren Kriterien, die ein Sommer erfüllen muss, damit er als Hitzesommer gilt. Vielmehr machen die öffentliche Wahrnehmung und die Medienarbeit einen Sommer zum Hitzesommer. Der meteorologische Sommer 2018 – der seit Ende Juli als Hitzesommer gilt – dauert per Definition vom 1. Juni bis zum 31. August. Nun ist er also vorbei, der Sommer 2018. Wie er im Vergleich zu den anderen (Hitze-)Sommern abschneidet, lässt sich jetzt also eindeutig zeigen. Eines vorweg: der Thron des heissesten Sommers seit Menschengedenken blieb unangetastet. Der Hitzesommer 2003 bleibt in dieser Hinsicht fast immer das Mass aller Dinge. Trotzdem lassen sich rasch sieben Beweise finden, die zeigen, dass der Sommer 2018 eindeutig das Etikett „Hitzesommer“ verdient.

Extreme Tage hinsichtlich Wärme nehmen in den letzten Jahren eindeutig zu. Der Sommer 2018 brachte knapp 60 deutlich zu warme Tage. Das ist der zweithöchste Wert seit 1901.

1. Durchgehend warm

Zürich erlebte 2018 einer der heissesten Sommer seit Messbeginn. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von knapp über 20 Grad war der Sommer in etwa gleich warm wie der (Hitze-)Sommer 2015 und somit der zweitwärmste seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnung in Zürich im Jahre 1864. Im Hitzesommer 2003 lag die Durchschnittstemperatur in Zürich nochmals um rund ein Grad höher als 2015 und 2018. Wie es sich für einen Hitzesommer gehört, war es zwischen Anfang Juni und Ende August praktisch konstant zu warm. Der diesjährige Sommer zeichnete sich nicht durch extreme Hitzewellen aus, sondern durch langanhaltend grosse Wärme. Werden alle Sommertage vom 1. Juni bis zum 31. August in die Kategorien warm, normal und kalt eingeteilt, so zeigt sich, dass im Sommer 2018 zum ersten Mal überhaupt seit Messbeginn 1901 kein einziger Tag in die Kategorie kalt fällt. 58 der 92 Sommertage wurden 2018 als „warm“ eingestuft – das ist der zweithöchste Wert seit Messbeginn. Weitere 34 Tage im Sommer 2018 waren normal-temperiert. Als „kalt“ gilt ein Tag, wenn er mindestens drei Grad kälter ist als der Durchschnitt des entsprechenden Tages der Periode 1961-1990. Entsprechend weisen „warme“ Tage eine positive Abweichung von mindestens drei Grad vor. Alles dazwischen gilt als normal-temperiert. Zum Vergleich: im Hitzesommer 2003 waren 71 der 92 Tage zu warm, aber auch drei zu kalt. Und auch im Hitzesommer 2015 gab es drei kalte Tage. Die (Hitze-)Sommer 1947 und 1983 müssen sogar 5 respektive 8 zu kalte Tage verbuchen und weisen „nur“ 37, respektive 45 warme Tage vor. Auch im letztjährigen Sommer gab es mit 48 zu warmen Tagen einen Spitzenwert.

 

2. Intensive Hitzewelle

Zu einem Hitzesommer gehören Hitzewellen. So richtig heiss, mit täglichen Hitzewerten von über 30 Grad war es in Zürich zwischen dem 30. Juli und dem 8. August. Diese zehntägige Hitzewelle brachte in den tiefen Lagen der Alpennordseite eine mittlere Höchsttemperatur von 32 bis 34 Grad. So war es in Zürich, Basel und Luzern die dritt-, teilweise die viert- intensivste Zehntages-Hitzewelle seit Messbeginn im 19. Jahrhundert. Letztmals heisser während zehn Tagen war es an diesen Messstandorten im Hitzesommer 2003 mit einer mittleren Höchsttemperatur von 34 bis 37 Grad.

 

3. Grosse Dürre

Der Sommer 2018 gehört zu den trockensten seit Messbeginn. Zwischen Juni und August fielen nur gerade 200 mm Regen – also nur rund die Hälfte der üblichen Regenmengen. Letztmals trockener war der (Hitze-)Sommer 1983. Auch der (Hitze-)Sommer 1947 und der Sommer 1949 brachten noch weniger Regen. Die Dürre reicht aber weiter zurück. So hat sich die monatelange Regenarmut in der Ostschweiz zu einem Jahrhundert-Ereignis entwickelt. Im Gebiet zwischen Zürichsee/Walensee und Bodensee fielen in den fünf Monaten von April bis August im Mittel nur 45 Prozent der normalen Regensumme. Hier fehlt der Regen von zweieinhalb bis drei normalen Sommermonaten, wie Auswertungen von MeteoSchweiz zeigen. Gemäss MeteoSchweiz handelt es sich um das deutlich massivste April-August- Regendefizit in der Ostschweiz seit Messbeginn 1864. Auf Rang zwei liegt die April-August Periode aus dem Jahr 1870 mit nur 50 Prozent der Norm 1981‒2010. Im Zuge der Trockenheit sind die Pegel der Schweizer Seen teilweise auf neue Sommerrekordtiefstwerte gesunken. Auch der Pegel des Zürichsees erreichte Ende August einen neuen Sommertiefststand. In anderen Jahren lag der Pegel aber im Spätwinter jeweils noch tiefer.

 

4. Sonnenschein pur

Wo Wärme und Trockenheit ist, ist auch Sonnenschein. Und so war es auch im Sommer 2018. Mit insgesamt 800 Sonnenstunden erlebte Zürich den sonnigsten Sommer seit 2003. Der Hitzesommer 2003 brachte noch 50 Sonnenstunden mehr als 2018. Ähnlich sonnig wie heuer waren auch die Sommer 2013 und 2015.

 

5. Zahlreiche Sommertage

Gemessen an den Sommertagen – also an Tagen mit einer Höchsttemperatur von 25 Grad oder mehr – spielt der diesjährige Sommer ganz oben mit. Abgesehen vom Hitzesommer 2003 gab es heuer mit 56 noch nie so viele Sommertage. Im Hitzesommer 2003 waren es sogar 74 Sommertage. Die Hitze von Mitte Juli bis Mitte August liess auch die Anzahl Hitzetage mit Höchstwerten über 30 Grad stark ansteigen. Am Zürichberg wurden im Sommer 2018 insgesamt 18 Hitzetage registriert. Das ist der vierthöchste Wert seit 1901. Mit 25-26 Hitzetagen gab es nur in den (Hitze-)Sommern 1947, 2003 und 2015. Und auch die Tropennächte mit Tiefstwerten von über 20 Grad fehlten im diesjährigen Sommer nicht.

Der Sommer 2018 hat also eindeutig das Prädikat „Hitzesommer“ verdient.

Fünf Beweise für den Hitzesommer 2018

Dürresommer 2018 als Mahnmal der Klimaänderung

Der diesjährige Sommer präsentiert sich in weiten Teilen Europas sonnig, staubtrocken und heiss. In Mittel- und Nordeuropa gehört der Juli 2018 zu den heissesten und trockensten Monaten in der gesamten Messhistorie. In Zürich war er zusammen mit dem Juli 1994 der viertwärmste Juli und der sechstheisseste Monat überhaupt seit 1864.

Innerhalb eines Monats hat die Trockenheit aus dem grünen Europa eine braune Steppenlandschaft gemacht. Der Dürresommer 2018 wird dank Satellitenbilder eindrücklich sichtbar (contains modified Copernicus Sentinel data, 2018, processed by ESA.

Staubtrocken

Die aussergewöhnliche Wetterlage dauert nicht erst seit Juli. Bereits seit April liegt Europa unter dem Einfluss des subtropischen Hochdruckgürtels. Regenfronten schaffen es seit Monaten nicht mehr bis aufs europäische Festland. Mit der Dürre mutierte das saftig grüne Europa innert Monatsfrist zur braunen Steppenlandschaft, wie aus Satellitenbildern eindrücklich zu erkennen ist. In Zürich war es die trockenste April-Juli-Periode seit über 100 Jahren. Über die vier Monate ist im Raum Zürich nur die Hälfte des langjährigen Durchschnitts (1981‒2010) gefallen. Mit der Trockenheit stieg die Waldbrandgefahr stetig an. Ende Juli wurde im ganzen Land ein Feuerverbot im Wald und Waldesnähe verhängt. In den trockensten Alpentälern wurde Feuer im Freien allgemein untersagt.

So trocken wie 2018 war es in Zürich in der Periode April bis Juli noch nie seit 1901. Ein langfristiger Trend in Richtung mehr Trockenheit ist aber (noch) nicht zu erkennen.

Rekordwarm

Zur Trockenheit gesellten sich rekordhohe Temperaturen. Die Viermonatsperiode April‒Juli war in Zürich mit durchschnittlich über 17 Grad knapp drei Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt. Der bisherige Rekordwert aus dem Hitzejahr 2003 erreichte in Zürich 16,5 Grad. Wärme und Trockenheit stehen in einem positiven Rückkoppelungseffekt zueinander. Je höher die Temperaturen, desto kräftiger die Verdunstung, wodurch sich das Wasserdefizit im Boden massiv akzentuiert. Andererseits wird es bei sonnigen Tagen während Dürrephasen immer heisser, da die Sonnenstrahlen nicht zuerst für die energieaufwändige Verdunstung der Bodenfeuchte aufgewendet werden muss (mit kühlendem Effekt auf die Lufttemperatur) sondern direkt in Wärme umgewandelt werden können. Das zeigt sich eindrücklich an der Anzahl Hitzetage. Obwohl die grosse Wärme seit April andauerte, wurde der erste Hitzetag mit Temperaturen über 30 Grad erst am 24. Juli beobachtet. Seither steigen die Tageshöchstwerte aber fast täglich über die Hitzemarke von 30 Grad und praktisch in der ganzen Schweiz wurden Hitzewarnungen ausgesprochen.

So warm wie 2018 war es in Zürich in der Periode April bis Juli noch nie seit 1901. Das aktuelle Jahr setzt dabei den Trend hin zu mehr Frühlings- und Sommerwärme fort.

Zahlreiche Hitzetage und Trockenheit im Sommer. Das aktuelle Wettergeschehen offenbart einen Blick auf den Schweizer Sommer der Zukunft, denn die Klimaszenarien für die Schweiz rechnen mit einer deutlichen Zunahme der Sommertemperaturen sowie mit einer Abnahme der sommerlichen Niederschläge. In den nächsten Jahrzehnten ist entsprechend häufiger mit Sommertrockenheit zu rechnen. Die Frage, ob der Dürresommer 2018 bereits ein Zeichen der Klimaänderung ist, lässt sich allerdings nicht so einfach beantworten.

 

Trend zu mehr Hitze

Fakt ist: Seit der vorindustriellen Periode um 1900 ist die April-Juli-Temperatur in Zürich um 2 Grad angestiegen. Markant war der Temperaturanstieg vor allem seit 1980, wie Messwerte von MeteoSchweiz eindrücklich zeigen. Hintergrund ist die Häufung von ausgesprochen warmen Frühlings- und Sommermonaten in den letzten Jahren. Neun der zehn heissesten Monate in Zürich wurden nach 1980 beobachtet, sechs davon nach der Jahrtausendwende. In diesen Top 10 sind neben dem diesjährigen Juli auch jene aus den Sommern 2013 und 2015. Dieser Temperaturanstieg weist eindrücklich auf die laufende Klimaänderung hin. Diese Entwicklung kann nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa beobachtet werden. Und auch auf dem amerikanischen Kontinent und in Asien traten Hitzewellen in den letzten Jahren immer häufiger auf. Die heissen und trockenen Sommer in Europa in den Jahren 1947 und 1976 brachten anderswo auf der Nordhalbkugel kühle Sommer. Heutzutage ist es nichts Aussergewöhnliches mehr, wenn weltweit mehrere Hitzewellen auf einmal und dann auch noch langanhaltend auftreten. Auch im Sommer 2018 erlebt die Nordhalbkugel mit Europa, Nordamerika und Japan gleich drei grossflächige Hitzewellen. Die drei Hitzewellen haben zwar nichts direkt miteinander zu tun. Was aber die drei Ereignisse verbindet, ist der grössere Kontext, in dem sie stehen: der Klimawandel. Die neue Normalität bei der Temperatur hat also bereits angefangen. Ein Vergleich der letzten zwanzig Jahre zeigt, dass fast überall auf der Welt die Durchschnittstemperaturen gestiegen sind. Besonders eindeutig ist dabei die Entwicklung auf der Nordhalbkugel. Gleichzeitig werden aber auch die Ausreisser nach oben in diesen Regionen immer heftiger. Hitzemonate wie der Juli 2018 treten mit dem Klimawandel folglich häufiger auf.

 

Kein Trend zu Trockenheit

Fakt ist aber auch, dass die Sommerniederschläge in den letzten Jahrzehnten keine eindeutige Richtung kennen. Auf einen nassen Sommer folgt ein trockener. Ein staubtrockener Sommer 2018 steht alleine nicht für eine langfristige Veränderungen beim Niederschlag. Erst 2016 war die April-Juli-Periode die niederschlagsreichste seit über 100 Jahren. Die letzten Jahre haben vor allem die grosse Jahr-zu-Jahr-Schwankung aufgezeigt, nicht aber einen Trend eingeläutet. Während sich die Schweiz bei den Temperaturen schon mitten in der Klimaänderung befindet und folglich die kommenden Sommer der nächsten Jahrzehnte weiter an Wärme zulegen werden, ist bei den Niederschlägen erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts mit einem eindeutigen Klimawandel-Signal zu rechnen. Dann dürften die Sommerniederschläge in der Schweiz deutlich abnehmen. Mit fortschreitendem Klimawandel zeigen die Klimamodelle ein Muster mit Niederschlagszunahmen im Norden und -abnahmen im Süden Europas. Dieses Muster verschiebt sich mit dem Gang der Jahreszeiten. Im Sommer liegt die Schweiz im Einfluss der wachsenden Niederschlagsabnahme im Mittelmeerraum. Ausgelöst wird diese Veränderung durch die grossräumige Änderung der Zirkulation über Europa, wodurch die subtropische Zone sich weiter nach Norden (Süd- bis Zentraleuropa) verschiebt.

Dürresommer 2018 als Mahnmal der Klimaänderung

Wohlfühlsommer 2018 ohne Hitzestress und Tropennächte

Hochsommerliche Temperaturen, viel Sonnenschein und Trockenheit. Der diesjährige Sommer gehört in Zürich bisher zu den viertwärmsten seit mehr als 100 Jahren. Die grosse Wärme in der Schweiz ist aber nicht erst seit Sommerbeginn am 1. Juni ein Thema, denn gefühlt hat der Sommer in diesem Jahr bereits im April eingesetzt. Seit April dominieren Schönwetterlagen und die Temperaturen bewegen sich deutlich über den Erwartungen. Das widerspiegelt sich auch in der Statistik. Noch nie seit Messbeginn 1864 war die 3-Monatsperiode April bis Juni in Zürich so warm wie in diesem Jahr. Mit durchschnittlich 15,8 Grad am Zürichberg wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2003 um vier Zehntelgrad überboten. Über die gesamte Periode gesehen lagen die Temperaturen drei bis vier Grad über dem Normwert. Dieser Wärmeüberschuss zeigt sich auch in der Statistik des ersten Halbjahrs 2018. Trotz des sehr kalten Februars resultierte in Zürich das viertwärmste erste Halbjahr seit 1901. Nur die Jahre 2007, 2011 und 2014 brachten bisher in Zürich einen noch grösseren Wärmeüberschuss in den ersten sechs Monaten. Im Rekordjahr 2007 war das erste Halbjahr noch gut ein Grad wärmer als heuer.

 

Überzählig: Sommertage

Der meteorologische Sommer dauert vom 1. Juni bis zum 31. August. Die erste Sommerhalbzeit (1. Juni bis 15. Juli) war in Zürich wie eingangs erwähnt die viertwärmste seit Messbeginn. Am Zürichberg erreichte die Durchschnittstemperatur rund 19 Grad. Wärmer war es lediglich in den beiden Hitzesommern 2003 und 2015 sowie im letztjährigen Sommer 2017. Obwohl der bisherige Sommer sehr warm ist, blieb er in der ersten Halbzeit aber weit hinter dem Rekordwert von 21 Grad aus 2003 zurück. Erstaunlich am bisherigen Sommerverlauf ist die hohe Konstanz. Die Tageshöchsttemperaturen liegen im Durchschnitt bei über 25 Grad und damit ähnlich hoch wie in den ersten Hälften der Rekordsommer 2015 und 2017. Nur der Hitzesommer 2003 weist mit knapp 28 Grad deutlich höhere Tageshöchstwerte vor. In der ersten Sommerhalbzeit stieg das Thermometer am Zürichberg an 25 von 45 Tagen über die Sommermarke von 25 Grad. Mehr Sommertage in der ersten Sommerhälfte gab es lediglich in den Jahren 1976, 2006 und 2003. In all diesen Kategorien spielt der diesjährige Sommer bisher ganz vorne mit. Doch etwas blieb bisher fast komplett aus: die Hitze.

 

Überfällig: Hitzetage

In der ersten Sommerhälfte wurde die Hitzemarke von 30 Grad am Zürichberg nie überschritten. Das gab es letztmals vor 15 Jahren. Damals, im Jahr 2004, gab es dann während des ganzen Sommers am Zürichberg keinen einzigen Hitzetag. Über eine deutlich längere Zeitperiode betrachtet kommt es allerdings alle zwei Jahre vor, dass in der ersten Sommerhälfte noch keine Hitzetage registriert werden. Fehlende Hitzetage sind also keine Seltenheit, aufgrund des grossen Wärmeüberschusses des laufenden Sommers waren die ersten Hitzetage aber eigentlich längst überfällig. Am 24.7.2018 war es dann auch am Zürichberg soweit und der erste Hitzetag mit über 30 Grad wurde Tatsache. Auch in den Folgetagen stieg das Quecksilber jeweils über die 30-Grad-Marke. Das der Sommer 2018 mit bisher nur wenigen Hitzetage zu den wärmsten gehört, liegt daran, dass Kälterückfälle bisher komplett ausblieben. In Zürich fielt das Quecksilber im laufenden Sommer noch nie unter 10 Grad. Im Durchschnitt waren die bisherigen Sommernächte in Zürich mit 13,8 Grad sehr mild. Wie bei den Hitzetagen blieben auch Tropennächte mit nächtlichen Temperaturen über 20 Grad bisher aus. Wärmere Sommernächte in der ersten Sommerhalbzeit gab es bisher nur in den Sommern 2003, 2017 und 2015, wo jeweils Tropennächte zu ertragen waren.

Der Sommer 2018 kann deshalb als Wohlfühlsommer bezeichnet werden. Er brachte bisher konstant sehr warmes Wetter – schwüle Hitzewellen und Tropennächte blieben aber aus. Wie kommt das und woran unterscheidet sich der diesjährige Sommer von den Hitzesommern aus 2003 und 2015?

 

Übergrösse: Azorenhoch

Überdurchschnittliche Sommertemperaturen in Mitteleuropa gehen immer einher mit einer grossräumigen Ausdehnung des Azorenhochs bis in den europäischen Kontinent. So unterbindet das Hochdruckgebiet die Zufuhr kühler Atlantikluft und die Luftmassen über dem Kontinent können sich gut aufheizen. Ausschlaggebend ist die genaue Lage des Azorenhochs, denn sie entscheidet über Wohlfühl- oder Hitzesommer. Im Hitzesommer 2015 dehnte sich das Azorenhoch in östlicher Richtung bis Polen und in nördlicher Richtung über Grossbritannien bis nach Island aus, wobei der Kern des Hochs bis zur Bretagne reichte. Gestützt wurde das Azorenhoch durch eine Blockierung der Höhenströmung über Ostgrönland, was tiefen Luftdruck über dem Nordatlantik und tiefen Luftdruck im hohen Norden über dem Lappland auslöste. So konnte sich eine Art Omegawetterlage einstellen, welche als sehr konstant und langlebig gilt. Deutlich ausgeprägter war dieses Muster im Hitzesommer 2003. Damals war die Blockierung der Höhenströmung im hohen Norden deutlicher ausgeprägt und erstreckte sich von Ostgrönland bis über die Barentssee nördlich von Norwegen. Die Ausdehnung des Azorenhochs wurde so durch zwei standhafte Tiefdruckgebiete südlich von Island und Russland gefestigt und es konnte sich eine bilderbuchartige Omegawetterlage ausgestalten. Im laufenden Sommer hat sich das Azorenhoch vor allem weit in den Norden, aber weniger stark in östliche Richtung ausgedehnt. Das widerspiegelt sich auch in der langanhaltenden Trockenheit in Grossbritannien und Norwegen in diesem Frühling und Sommer. Die Blockierung der Wetterlage liegt dabei direkt über den britischen Inseln, während im Mittelmeerraum eher tiefer Luftdruck herrscht. Eine Omegawetterlage kann so nicht entstehen, wodurch auch die Zufuhr heisser Luft aus dem Süden fehlt. Vielmehr herrscht über dem Alpenraum häufig Bisenströmung. Diese ist trockener aber auch weniger heiss als die feuchtwarmen Luftmassen aus dem Mittelmeerraum. Entsprechend gab es in der ersten Sommerhälfte in Zürich lediglich an zehn Tagen Regen. Weniger Regentage gab es nur im Jahr 1949 mit acht Regentagen. Vom 14. Juni bis zum 2. Juli fiel kein Regen in Zürich. Mit 19 zusammenhängenden Trockentagen war es eine der zehntlängsten Trockenphasen in Zürich seit 1864. Einzig die Sommer 1865 und 1947 brachten mit 42 und 33 zusammenhängenden Trockentagen noch deutlich ausgeprägtere Dürren. Der Sommer 2018 gehört auch insgesamt zu den zehn trockensten seit 1901. Wo Regen fehlt kommt häufig die Sonne zum Zug. Diese zeigte sich in der ersten Sommerhälfte bereits an über 400 Stunden. Seit der Jahrtausendwende brachten nur die Hitzesommer 2003 und 2015 ebenfalls mehr als 400 Sonnenstunden in der ersten Sommerhalbzeit aufs Messband.

Das Azorenhoch hat sich auch im laufenden Sommer bis nach Mitteleuropa ausgebreitet, hat heuer aber eine nordwestlichere Lage eingenommen. So erlebt die Schweiz bisher anstatt Hitzestress und Tropennächte einen Wohlfühlsommer.

Die Lage des Azorenhochs entscheidet über Hitze- oder Wohlfühlsommer. Abgebildet ist jeweils der durchschnittliche Luftdruck über Europa in der ersten Sommerhälfte (1. Juni bis 15. Juli).

> NOAA Earth System Research Laboratory

Wohlfühlsommer 2018 ohne Hitzestress und Tropennächte

Hat der Mai seine Wonne verloren?

In den letzten Jahren wurde der Mai immer mal wieder verregnet. Auch in diesem Jahr zeigte sich der Mai, vor seinem sommerlichen Finale, häufig bewölkt und immer mal wieder nass. Trotzdem gilt der Mai als Wonnemonat. Wie passt das zusammen?

 

Weidemonat Mai

„Wonne“ ist Synonym, aber auch Steigerung zu „Freude“. Der Frühling verleiht Freude. Die Tage werden länger und länger, alles blüht und es wird scheinbar täglich wärmer. Mit der Vollblüte der Vegetation konzentrieren sich im Mai diese Gefühle. So werden vor allem in Deutschland im Mai zahlreiche Volksbräuche, wie die Walpurgisnacht, der Maibaum, das Maisingen und die Mairitte gefeiert. Ländlichere Gemeinden der Schweiz kennen den Maibaum und in Zürich findet jährlich ein Maisingen statt. Ursprünglich war der Mai als Weidemonat bekannt, da in dieser Zeit das Vieh vom Stall wieder auf die Weiden gebracht werden konnte. Der Begriff winnimanod (winni = Weide) wurde dann auf wunnimonad (wunni = Wonne) abgeändert. Der Legende nach sogar durch Karl den Grossen persönlich.

Früher war der Mai in Zürich sonniger. In den 70er- und 80er-Jahre war er häufig trüb und in den letzten Jahren gab es aber wieder mehr Sonne.

Wonnemonat Mai

Trotz der sommerlichen Tage Ende Mai 2018 gab es im diesjährigen Mai wieder viele (10) trübe Tage mit keinen oder nur wenigen Sonnenstunden. Ist der Mai 2018 eine Ausnahme oder kann der Begriff Wonnemonat nicht in Zusammenhang mit dem Maiwetter gebracht werden?

Wie jeder andere Monat in der Schweiz weist auch der Mai grosse Jahr-zu-Jahr-Schwankungen auf. Auf einen kühl-nassen Mai kann ein trocken-sonniger Mai folgen. Trotzdem zeigen sich am Beobachtungsort Zürich spannende langjährige Entwicklungen, die teilweise einzigartig für den Monat Mai sind. Ein Blick in die Wetterannalen von Zürich zeigt, dass sich die Maimonate seit 1901 in drei Phasen einteilen lassen. In der Periode von 1901 bis 1960 präsentierte sich der Mai innerhalb der üblichen Jahr-zu-Jahr-Schwankungen relativ stabil. Es war kein langjähriger Trend zu beobachten. Die durchschnittlichen Höchstwerte lagen zwischen 18 und 19 Grad und die nächtlichen Tiefstwerte etwas über 7 Grad. In jedem dritten Jahr gab es mindestens eine Frostnacht im Mai. Die Maie in den Jahren 1909, 1935, 1941 und 1957 brachten sogar 4 bis 5 Frostnächte in Zürich. In praktisch jedem Jahr gab es aber auch mindestens einen Sommertag im Mai mit über 25 Grad. Hochsommerliche Maie mit 10 oder sogar 16 Sommertagen waren auch dabei, wie beispielsweise in den Jahren 1931, 1945 und 1953. Kühle Nächte und warme Nachmittage – wie sie zwischen 1901 und 1960 im Mai häufig anzutreffen waren, deuten auf hochdruckbestimmtes Wetter. Und dies manifestierte sich auch in der Sonnenscheindauer. So brachten die Maimonate durchschnittlich mehr als 200 Sonnenstunden. In dieser Zeit blieb im Mai auch der Regen häufig Mangelware. Zahlreiche Maimonate mit nur rund 50 mm sind bekannt. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass der Wonnemonat Mai seinem Namen in der Periode von 1901-1960 wettertechnisch häufig gerecht wurde. Kleiner Wermutstropfen waren die heimtückischen Frostnächte, welche recht häufig auftraten.

Früher war der Mai in Zürich trockener, in den letzten Jahren häufiger nass.

Wonne verloren?

In den 60er-, 70er- und 80er-Jahren war ein spürbarer Wandel des Maiwetters feststellbar. In dieser Zeit war der Mai kühler, trüber und kühler. In zahlreichen Jahren wurde kein einziger Sommertag mit über 25 Grad im Mai registriert. Die durchschnittliche Sonnenscheindauer sackte um mehr als 30 Stunden ab. Im Mai 1978 gab es weniger als 110 Sonnenstunden, 1984 waren es sogar weniger als 100 Stunden. Gleichzeitig stiegen die Niederschlagssummen an. Dies obwohl extrem nasse Maie ausblieben. Sehr trockene Maimonate traten aber nur noch ganz selten auf, so dass sich die durchschnittliche Regenmenge um rund 20 mm erhöhte. Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: der Mai hatte seit Wonne in den 60er-, 70er und 80er-Jahre verloren.

 

Wieder mehr Freude

In den letzten 30 Jahren hat sich der Mai wiederum gewandelt. Der fünfte Monat des Jahres ist in dieser kurzen Zeit um fast zwei Grad wärmer geworden und bringt daher auch wieder jährlich Sommertage mit über 25 Grad. Erstaunlich ist vor allem der markante Temperaturanstieg in den Mainächten. Während sich die Höchstwerte kaum verändert haben, sind die Nächte heutzutage im Durchschnitt zwei Grad milder als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese Erwärmung zeigt sich auch im deutlichen Rückgang von Frostnächten im Mai. In Zürich wurde letztmals im Jahr 1979 eine Frostnacht im Mai registriert. Zudem zeigt sich auch die Sonne wieder deutlich häufiger als noch in den Jahrzehnten davor. Die Maimonate 2011, 2012 und 2017 mit bis zu 280 Sonnenstunden sind dafür nur Beispiele. Insgesamt kommt der Mai im Durchschnitt wieder auf über 190 Sonnenstunden, ein Plus von 20 Stunden gegenüber den trüben Jahrzehnten davor. Gleichzeitig ist der Mai aber auch nässer geworden. So gehören die Maimonate 1994 und 1999 mit 250-300 mm Niederschlag zu den zwei nässesten in der Messreihe. Seit der Jahrtausendwende brachten gleich sechs Maie mehr als 150 mm Regen. Sehr trockene Maimonate blieben zudem aus, so dass der Mai heute im Durchschnitt 124 mm Regen bringt, oder 25% mehr als noch vor rund 100 Jahren. Trotz mehr Regen bereitet der Mai wettertechnisch wieder mehr Freude als noch in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren. Die Wonne der frühen Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts hat er allerdings noch nicht wieder erreicht.

Hat der Mai seine Wonne verloren?

2016 war ein überdurchschnittliches Wetterjahr

Das Wetterjahr 2016 war warm, nass und trotzdem sonnig. Auf die rekordnahe Winterwärme folgte ein sehr nasses erstes Halbjahr. Der Sommer kam erst spät, verweilte mit grosser Wärme aber bis im September.

Im Dezember 2016 herrschte Hochdruckwetter.
Abweichung des Luftdrucks über Europa gegenüber 1981-2010. Quelle: esrl.noaa.gov

Das Wetterjahr 2016 endete mit dem trockensten Dezember im Mittelland seit Messbeginn. Die letzten nennenswerten Niederschläge des Jahres 2016 fielen bereits am 19. November. Danach war es bis zum Jahresende staubtrocken. Die lang anhaltende Trockenheit hielt bis zum 2. Januar und reihte somit 43 Trockentage ohne Niederschläge aneinander. Damit gehörte die Dürrephase im Mittelland zu den fünf markantesten seit Messbeginn im Jahr 1864. Der Grund ist mit dem beständigen Hochdruckwetter rasch gefunden. Wiederholt legten sich ausgeprägte Hochdruckgebiete über Mitteleuropa, die alle Regen- und Schneewolken im grossen Bogen um die Alpen ziehen liessen. Temperaturmässig zeigten sich jedoch deutliche Gegensätze zwischen den Berglagen und den Niederungen. Während sich im Flachland ein Kaltluftsee bildete, herrschten in der Höhe sehr milde Verhältnisse. Während das Jungfraujoch mit 3,6 Grad über der Norm der Periode 1981-2010 den drittwärmsten Dezember seit Messbeginn registrierte, blieb die Dezembertemperatur in Zürich 0,7 Grad unter der Norm. Pünktlich zu Weihnachten stellte sich eine auch für das Flachland milde Westwindlage ein. Niederschläge blieben aber grösstenteils aus. Bereits am 27. Dezember meldete sich das Hochdruckwetter mit voller Kraft zurück. In Zürich wurde mit über 1044 hPa der höchste Luftdruck seit Messbeginn registriert. Zusammengefasst war der Dezember 2016 in Zürich hochdruckbestimmt, kalt und trocken. Damit wiederspiegelt der letzte Monat das Wetterjahr 2016 in keiner Weise. Denn 2016 geht als warmes und nasses Jahr in die Wetterannalen ein.

2016 war warm. Vor allem der Jahresbeginn sowie der Spätsommer haben zum Wärmeüberschuss beigetragen.

Winter: sehr mild und wechselhaft

Januar und Februar 2016 brachten fast durchwegs unbeständiges und mildes Westwindwetter. Eine festinstallierte West- bis Südwestströmung führte mit teils stürmischen Winden milde und feuchte Atlantikluft in den Alpenraum. Entsprechend waren die ersten zwei Monate des Jahres knapp 3 Grad übertemperiert, sehr nass und trüb. Im Januar 2016 summierten sich die Niederschläge in Zürich auf 146 mm, mehr als das Doppelte gegenüber der Norm 1981-2010. Mit nur 50 Sonnenstunden im Januar und 60 im Februar war der Jahresauftakt ausgesprochen sonnenarm. Zusammen mit dem sehr milden Dezember 2015 war der Winter 2015/16 der zweitwärmsten seit Messbeginn. Noch etwas höhere Temperaturen brachte lediglich der Rekordwinter 2006/07.

Frühling: Kühl und unbeständig

Der meteorologische Frühling (März bis Mai) startete mit Hochdruck im März. Weite Strecken des Monats wurden durch die Bise geprägt, welche trockene und kühle Luft ins Schweizer Mittelland führte. Hochnebelartige Bewölkung verdeckte die Sonne häufig, so dass sich die Luft auch nicht in der Frühlingssonne erwärmen konnte. Ein markanter Wetterwechsel zum Monatswechsel vom März in den April brachte mit Föhn gebietsweise die mildesten Märztage seit Ende des 19. Jahrhunderts. April und Mai waren dann wieder unbeständig und nass. Die Strömung drehte aber allmählich von Südwesten auf Nordwesten, so dass die Temperaturen vor allem im Mai häufig im unterdurchschnittlichen Bereich lagen. Im April sorgten einige Föhnintervalle für insgesamt leicht überdurchschnittliche Temperaturverhältnisse.

2016 war nass. Bis Mitte Juli gab es ergiebige Niederschläge. Danach war es deutlich trockener. Im Dezember gab es praktisch gar keine Niederschläge.

Sommer: Nass, dann sehr sonnig

Der Sommer kam im Juni noch kaum auf Touren. In Zürich gab es lediglich fünf Sommertage mit über 25 Grad. Diese kamen zusammen mit dem ersten Hitzeschub der Saison gegen Ende Juni. Ansonsten war der Juni geprägt von trüber und sehr nasser Witterung. Entweder waren es Stauniederschläge oder starke Gewitterregen, welche wiederholt grosse Regenmengen niedergingen liessen. An einzelnen Messstandorten der MeteoSchweiz war es einer der nassesten Junimonate seit Messbeginn vor über 100 Jahren. Lokale Überschwemmungen waren die logische Folge. Der Juli brachte dann das erste sommerliche Hochdruckgebiet. Trotz Hochdruck wurden die sonnig-warmen Tage immer wieder durch Gewitter gestört. Nach dem ersten Julidrittel führte eine Nordwestlage nochmals recht kühle und sehr nasse Luftmassen an die Alpen. Schnee fiel nochmals bis 1600 Meter über Meer hinunter. Alleine am 12. Juli summierten sich die Regenfälle in Zürich auf 60 mm (rund 50% der üblichen Juliregenmenge). Trotz der trüben und nassen Witterung verharrten die Temperaturen meistens im durchschnittlichen Bereich. Mitte Juli kam dann die Erlösung. Die folgenden Wochen waren dann deutlich sonniger, trockener und wärmer als die Periode von Anfang April bis Mitte Juli. Die dreieinhalb Monate seit Anfang April waren für mehr als die Hälfte des jährlichen Niederschlags 2016 verantwortlich. Die Alpennordseite registrierte regional das niederschlagsreichste erste Halbjahr seit Messbeginn. Handkehrum fielen rund 35% der Jahresbesonnung 2016 auf die Periode zwischen Mitte Juli und Ende September (2,5 Monate). Von Mitte August bis Mitte September gab es nicht nur viel Sonnenschein sondern auch wiederholt heisse Phasen. Die Periode von Ende August bis Mitte September war geprägt durch extreme Wärme. An verschiedenen Stationen wurden neue Temperaturrekorde aufgestellt. Auch Zürich erlebte den drittwärmsten September seit 1864. Mit knapp 2,7 Grad brachte der September die grösste positive Temperaturabweichung des vergangenen Jahres.

Herbst: vom Sommer in den Winter

Der in Zürich 1,4 Grad zu kalte Oktober riss die Schweiz schlagartig aus dem ungewöhnlich warmen Spätsommer. Der Oktober brachte in Zürich gleichzeitig die grösste negative Temperaturabweichung. Mehrere Schneefälle bis in mittlere Lagen waren bereits die ersten Vorboten des kommenden Winters. Im November ging es gleich weiter mit frühwinterlicher Kälte. Dann aber bäumte sich der Spätsommer mit viel Föhnunterstützung nochmals auf und brachte eine ungewöhnliche Wärme zum Novemberende zurück. Die Föhnluft kämpfte sich bis nach Zürich vor und liess die Temperaturen am 21. und 22. November auf knapp 20 Grad steigen. Danach machte sich Hochdruck über der Schweiz breit und startete die anfangs erwähnte Trockenperiode, welche bis zum Jahresende anhielt.

2016 war sonnig. Bis im Mai lief alles nach Fahrplan. Der Juni war dann trüb, der Spätsommer und der Dezember waren dann aber sehr sonnig.

Jahresbilanz

Das Jahr 2016 war am Zürichberg mit durchschnittlich 9,9 Grad sechs Zehntelgrad milder als die Norm 1981-2010. Im landesweiten Mittel, wie auch in Zürich, gehört es zu den zehn wärmsten Jahren seit Messbeginn 1864. Mit 51 Sommertagen mit über 25 Grad in Zürich gab es mehr als 10 Sommertage mehr als im langjährlichen Durchschnitt. An acht Tagen stieg das Quecksilber über 30 Grad. In durchschnittlichen Jahren geschieht dies lediglich sechsmal. In 81 Nächten sank die Temperatur 2016 unter den Gefrierpunkt. Dieser Wert liegt leicht über dem Erwartungswert der Jahre 1981-2010. Eistage mit Ganztags-Temperaturen unter null Grad gab es 2016 hingegen mit sieben Tagen nur sehr selten. Nur in einzelnen Jahren seit 1864 gab es noch weniger Eistage als 2016. Die Jahresniederschläge lagen 14%, die Sonnenscheindauer 6% über dem Referenzwert. Zu trocken waren die Monate März, August, September, Oktober und Dezember. Mehr Sonne als üblich gab es im Juli, August, September und Dezember. Zu warm, nässer und sonniger als normal: 2016 war ein überdurchschnittliches Wetterjahr.

 

Weiterführende Links:
MeteoSchweiz

2016 war ein überdurchschnittliches Wetterjahr

Hitze-Spätsommer anstatt Frühherbst

Von Mitte August bis Mitte September sorgte Hochdruckeinfluss in Mitteleuropa für überwiegend sonniges und sommerlich warmes Wetter. Zürich wurde mit Sonnenschein und Wärme verwöhnt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In welchen Kategorien wurden sogar Rekorde gebrochen?  

Mit dem Ende des Hochsommers Mitte August startete der diesjährige Sommer erst richtig durch. Seit Mitte August dominiert in weiten Teilen Europas und damit auch in der Schweiz nahezu ohne Unterbrechung Hochdruckwetter. Dabei machen sich ausgehend von den Azoren immer wieder Hochdruckgebiete auf den Weg Richtung Osten und sorgen somit auch bei uns für anhaltend sonniges und trockenes Sommerwetter, obwohl es meteorologisch betrachtet bereits Frühherbst ist. In den 32 Tagen von Mitte August bis Mitte September herrschte vorwiegend stabiles Sommerwetter. Nur an sechs Tagen gab es Niederschläge. In der gleichen Periode schien die Sonne ganze 280 Stunden lang. In Zürich war es der sonnigste Spätsommer seit mehr als 50 Jahren. Zum Vergleich: vor einem Jahr gab es in der gleichen Zeitspanne von Mitte August bis Mitte September mit 150 Stunden nur rund halb so viel Sonnenschein zu geniessen. Der Spätsommer 2016 war nicht nur sehr sonnig und trocken, sondern auch ausgesprochen warm. Fast täglich stiegen die Temperaturen auf sommerliche Werte über 25 Grad. Mit 19 Sommertagen (Tageshöchstwert über 25 Grad) zwischen Mitte August und Mitte September gab es so viele wie praktisch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts. Nur im Spätsommer des Jahres 1911 gab es mit 20 Sommertagen in Zürich noch einen Sommertag mehr. Sommerliche Temperaturen sind insbesondere für die erste Septemberhälfte keine Seltenheit, immerhin gehört dieser Monat noch überwiegend zum astronomischen Sommer, der am 22. September endet. Als ungewöhnlich kann aber sicherlich die lange Dauer dieser warmen Witterung bezeichnet werden, wie auch der Deutsche Wetterdienst DWD in seinem täglichen Bulletin schreibt.

So heiss wie heuer war der Spätsommer kaum jemals zuvor. Nur 1911 und 2011 brachten ähnlich hohe Temperaturen in Zürich.
So heiss wie heuer war der Spätsommer kaum jemals zuvor. Nur 1911 und 2011 brachten ähnlich hohe Temperaturen in Zürich.

Heissester Spätsommer

Am Zürichberg erreichte der Spätsommer von Mitte August bis Mitte September eine durchschnittliche Temperatur von 19,3 Grad. Damit war der Spätsommer 2016 mehr als drei Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Zusammen mit 1911 und 2011, welche gleich hohe Temperaturen brachten, erlebte Zürich heuer den heissesten Spätsommer mindestens der letzten 115 Jahre. Im Tessin war vor allem die grosse Wärme in den ersten zwei Septemberwochen herausragend. Mit einer Durchschnittstemperatur von 23 Grad liegt der neue Rekord weit über den bisherigen Höchstwerten von 21,4 Grad in den Jahren 2011 und 1929 sowie 21,6 Grad im Jahr 1895.

1911 oder 2011?

In Zürich teilt sich der Spätsommer 2016 die Krone des wärmsten Spätsommers zusammen mit jenen aus den Jahren 1911 und 2011. Im September 1911 war Mitte Monat dann aber endgültig Schluss mit Hochsommerwetter. Die zweite Monatshälfte war trüb, kühl und nass, wie aus den historischen Messreihen der MeteoSchweiz hervorgeht. Auch der darauffolgende Oktober war recht garstig und kühl. Auch im September 2011 erfolgte Mitte Monat ein Wetterumschwung. Dieser war jedoch nur von kurzer Dauer, bevor sich das letzte Septemberdrittel abermals warm und sonnig präsentierte. Jedoch brachte auch der Oktober 2011 dann kein goldenes, sondern trübes und nasses Herbstwetter. Der zweiten Septemberhälfte 2016 und dem weiteren Verlauf des eigentlichen Herbstes 2016 stehen folglich noch alle Optionen offen.

Hitze-Spätsommer anstatt Frühherbst

Der Sommer danach

Der Sommer erfüllte vielleicht nicht alle Erwartungen, trotzdem war er einer der wärmsten seit Messbeginn. Nach einem nassen Start wurde der Sommer immer trockener. Die Besonnung war durchschnittlich.  

Der Sommer 2016 hatte von Anfang an einen schweren Stand. Mit dem letztjährigen Hitzesommer 2015 waren die Erwartungen an den diesjährigen Sommer extrem hoch – ja praktisch kaum zu erfüllen. Und so kam es dann auch. Der Sommer 2016 konnte den hohen Anforderungen nicht gerecht werden, obwohl er sogar überdurchschnittlich war. Die tragische Geschichte des „Sommers danach“ erlebte Mitteleuropa bereits 2004, der Sommer war damals eigentlich gar nicht so schlecht, konnte jedoch nach dem Jahrhundertsommer 2003 eigentlich nur verlieren. In der Meteorologie dauert der Sommer vom 1. Juni bis zum 31. August. Höchste Zeit also, sachlich Bilanz zu ziehen.

Der Sommer 2016 war warm aber über weite Strecken kühler als im heissen Vorjahr. Rot gefärbt wird der kühle Sommerbeginn, der Hitzeschub Ende Juni, der Kälterückfall Mitte Juli sowie das heisse Sommerende gut ersichtlich.
Der Sommer 2016 war warm aber über weite Strecken kühler als im heissen Vorjahr. Rot gefärbt wird der kühle Sommerbeginn, der Hitzeschub Ende Juni, der Kälterückfall Mitte Juli sowie das heisse Sommerende gut ersichtlich.

Sommerlicher Steigerungslauf

Der Sommer 2016 startete sehr verhalten. Das Warten auf die erste sommerliche Periode schien schier endlos. Erst am 22. Juni stiegen die Höchsttemperaturen zum ersten Mal über die Sommermarke von 25 Grad (auch im Mai gab es einige Tage mit sommerlichen Temperaturen). Davor waren die ersten zwei Junidrittel geprägt von sehr viel Regen – nur gerade an vier Tagen blieb es davor im Juni trocken – und einer ausgeprägten Sonnenarmut. Die ersten 21 Junitage waren mit nur gerade 60 Sonnenstunden in Zürich dann auch so sonnenarm wie nie zuvor in der mehr als 100-jährigen Messreihe. Ab dem 22. Juni lagen dann zumindest die Temperaturen im hochsommerlichen Bereich – am 23./24. Juni wurde es mit rund 32 Grad am Zürichberg dann auch richtig heiss. Bis Ende Juni gab es aber weiterhin teils heftige Gewitter mit ergiebigen Niederschlägen. Erst der Juli brachte wettertechnisch eine Beruhigung. Vom 4.-11. Juli baute sich eine erste Hochsommerphase auf mit viel Sonnenschein, hohen Temperaturen und mehrtägiger Trockenheit. Die 8-tägige Regenpause vom 3.-10. Juli war gleichzeitig die längste Trockenperiode des Sommers 2016. Im langjährigen Durchschnitt gibt es mindestens einmal in einem Sommer eine Trockenphase von rund 12 Tagen. Der Hochsommer bekam dann aber zur Julimitte einen herben Dämpfer. Während vier Tagen verharrten die Temperaturmaxima unter 20 Grad und die Nächte waren mit knapp unter 10 Grad in Zürich empfindlich frisch. Gleichzeitig regnete es anhaltend. Das Sommerwetter schwenkte in der Folge wieder in die heisse Phase und bescherte Zürich eine heisse zweite Julihälfte mit durchschnittlich mehr als 20 Grad. Der wechselhafte Charakter des Sommers schien nach zwei Hochsommerwochen schon fast vergessen, wurde dann aber vom August erneut in Erinnerung gerufen. Vor allem die Periode vom 5.-12. August war wechselhaft und häufig grau, jedoch anders als noch im Juni und Juli weitgehend trocken. Wiederum die zweite Monatshälfte brachte auch im August das konstantere Wetter. So war auch die zweite Augusthälfte im Mittel rund 20 Grad warm und bescherte viele Sommertage mit Höchstwerten über 25 Grad und viel Sonnenschein. Nachdem sich der Sommer 2016 temperaturmässig kaum von seiner extremen Seite zeigte, legte das Sommerende dann doch noch einen Zahn zu. Für die Periode 25. bis 31. August gab es Rekordwerte. In Genf erreichte die Temperatur am 27. August 33.5 Grad, in Basel 33.8 Grad. In Genf ist es der deutlich höchste Wert für Ende August seit Messbeginn 1864. Die Niederschlagsaktivität nahm im Laufe des Sommers deutlich ab. Lag der Juni-Niederschlag noch in vielen Gebieten der Schweiz weit über dem Durchschnitt, war der Juli aufgrund der unterschiedlichen Gewitteraktivität bereits geprägt von regional sehr unterschiedlichen Niederschlagsmengen. Im August blieben die Regenmengen dann in vielen Gebieten deutlich unterdurchschnittlich. In Zürich fiel im August weniger als zwei Drittel der üblichen Summe. In der Westschweiz, im Wallis und im Tessin fiel lokal nicht einmal ein Drittel der normalen Augustsummen.

Verlauf der Tagesmittel-, Höchst- und Tiefsttemperaturen im Sommer 2016 (Juni-August) in Zürich-Witikon.
Verlauf der Tagesmittel-, Höchst- und Tiefsttemperaturen im Sommer 2016 (Juni-August) in Zürich-Witikon.

Sommer unter den wärmsten

Unter dem Strich war der Sommer 2016 in Zürich mit 435 mm dann insgesamt nässer als im langjährigen Durchschnitt, jedoch trockener als in den Jahren 2012 und 2014. Mit mehr als 610 Sonnenstunden schien die Sonne in Zürich leicht häufiger als in der Referenzperiode 1981-2010. Im vorangegangenen Sommer waren es mit knapp 780 Sonnenstunden jedoch deutlich mehr. In den Jahren 2010 und 2014 gab es jeweils weniger Sonne als heuer. Die durchschnittliche Sommertemperatur erreichte am Zürichberg mit 18,2 allerdings einen hohen Wert. Über die ganze Schweiz gemittelt lag die Sommertemperatur 0,7 Grad über der Norm 1981-2010. Somit gehört der Sommer 2016 zu den zehn wärmsten Sommern seit Messbeginn 1864. Das Wallis erlebte regional mit einem Überschuss von 1,3 Grad den viertwärmsten Sommer seit Messbeginn 1864.

Der Sommer 2016 brachte deutlich überdurchschnittliche Temperaturen und sehr viele Sommer- und Hitzetage. Im Vorjahr brachte der Sommer 2015 in diesen Kategorien jeweils fast Rekordwerte. Heitere Tage gab es in diesem Jahr unterdurchschnittlich wenige (letztes Jahr enorm viele). Die Niederschlagsmengen waren heuer überdurchschnittlich (2015 fast rekordtief).
Der Sommer 2016 brachte deutlich überdurchschnittliche Temperaturen und sehr viele Sommer- und Hitzetage. Im Vorjahr brachte der Sommer 2015 in diesen Kategorien jeweils fast Rekordwerte. Heitere Tage gab es in diesem Jahr unterdurchschnittlich wenige (letztes Jahr enorm viele). Die Niederschlagsmengen waren heuer überdurchschnittlich (2015 fast rekordtief).

2016 heisser als 2004

Den hohen Erwartungen aus dem Hitzesommer 2015 wurde der diesjährige Sommer 2016 zwar nicht gerecht, allerdings war die Ernüchterung weniger dramatisch als im Sommer 2004 nach dem Hitzesommer 2003. So gab es im Sommer 2003 insgesamt 26 Hitzetage mit mehr als 30 Grad. Ein Jahr danach brachte der Sommer 2004 in Zürich keinen einzigen Hitzetag zustande. Nach den ebenfalls 26 Hitzetagen aus dem Jahr 2015 gab es heuer zumindest 8 Hitzetage, im langjährigen Durchschnitt 1981-2010 sind es übrigens lediglich 6 Tage mit mehr als 30 Grad.

Der Sommer danach

Sommer im Jahr 2050: das heutige Wetter einfach ein paar Grad wärmer

Der Juni 2016 war in Zürich so trüb wie seit 20 Jahren nicht mehr. Trotzdem waren die Temperaturen nicht unterdurchschnittlich. Trübe Junis werden eben auch immer wärmer.

Die globale Erwärmung zeigt sich auch bei schlechtem Wetter: trübe Junis werden immer wärmer.
Die globale Erwärmung zeigt sich auch bei schlechtem Wetter: trübe Junis werden immer wärmer.

Mit dem Juni ging bereits der erste Sommermonat 2016 zu Ende. Der Juni zeigte sich überwiegend trüb und regnerisch. Sommerliche Hitze gab es nur an vereinzelten Tagen in der zweiten Monatshälfte. Immer wieder gab es Gewitter mit kräftigen Regenfällen, die zu lokalen Überschwemmungen führten. Das Verhältnis von 20 nassen zu 10 trockenen Tagen ist schon sehr ungewöhnlich. Mehr Regentage als im Juni 2016 gab es in Zürich seit 1901 nur im Juni 1980, als es an 22 Tagen mehr als 1 mm Regen gab. Zwar ist der Juni in Mitteleuropa so etwas wie ein Regenmonat, doch ist dies normalerweise den starken gewittrigen Regenfällen und nicht der hohen Anzahl Regentage zuzuschreiben. Im vergangenen Juni kam beides zusammen: hohe Niederschlagsmengen an zu vielen Tagen. Über den gesamten Juni summierten sich die Niederschläge am Zürichberg auf 228 mm, das sind 80% mehr als in einem durchschnittlichen Juni. Der Juni 2016 gehörte damit zu den nassesten Junis seit Messbeginn. Seit 1901 waren lediglich der Juni 1953 und 1987 noch niederschlagsreicher. Im Juni 1953 fiel 257 mm Regen in Zürich. Die vielen Regentage im Juni 2016 schlugen sich auch in der Sonnenscheindauer nieder. So war der vergangene Monat in Zürich gleichzeitig der nasseste seit 1987 sowie der sonnenärmste seit 1997. Die Sonne lachte nur gerade 140 Stunden am Himmel. Weniger Sonne in einem Juni gab es in Zürich seit 1901 erst viermal.

Gemittelt nicht zu kühl

Trotz oft trüber Witterung war der Juni in der Schweiz über den ganzen Monat gemittelt 0,2 Grad übertemperiert, verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010. Am Zürichberg war er mit durchschnittlich 16,4 Grad genau richtig temperiert. Letztmals kühler war es im Juni 2013. Der Durchschnitt sagt jedoch einmal mehr wenig über die zeitliche Verteilung der Temperaturen aus. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die häufige Bewölkung verhinderten die nächtliche Auskühlung ebenso wie das tägliche Aufwärmen. Die Folge waren milde Nächte und kühle Tage. Dies zeigte sich eindrücklich in der Anzahl Sommertage mit Tageshöchsttemperaturen über 25 Grad (fotometeo). In einem durchschnittlichen Juni sind in Zürich 9 Sommertage zu erwarten, im Juni 2016 waren es lediglich 5. Der kurze aber heftige Hitzeschub vom 22.-24. Juni sorgte dann mit Temperaturen bis 32 Grad in Zürich für zwei Hitzetage (Tagesmaximum über 30 Grad). Nochmals sommerlich wurde es einige Tage später am 28./29. Juni mit Temperaturen gegen 26 Grad. Ansonsten dominierten die kühlen und weitgehend unsommerlichen Phasen.

Trübe Junis immer wärmer

Trübe Junis wie in diesem Jahr mit viel Regen, zahlreichen Regentagen und nur sehr wenig Sonne kommen in Zürich immer mal wieder vor. Witterungsmässig ähnlich wie in diesem Jahr verliefen letztmals die Junis 1916, 1933, 1953, 1980, 1987, 1990 und 1997. Erstaunlich dabei ist, dass trübe Junis bisher auch immer kühl ausfielen. So brachten es die trüben Junis 1916 und 1933 lediglich auf einen Durchschnitt von 12,9 Grad. Die Junis waren also knapp vier Grad kälter als der trübe Juni 2016. Auch 1953, 1980, 1987 und 1990 waren die verregneten und sonnenarmen Junis mit 14 bis 15 Grad deutlich kühler als der Juni 2016. Als es 1997 in Zürich letztmals einen so trüben Juni gab, war er mit 15,5 Grad zumindest nicht mehr gar so kühl, aber trotzdem noch rund ein Grad kälter als heuer. Der Juni 2016 ist somit der wärmste Juni unter den trübsten. Die globale Erwärmung macht sich eben nicht nur in heissen und trockenen Sommern bemerkbar, sondern auch damit, dass trübe Monate nicht mehr ganz so kühl ausfallen wie noch vor 100, 50 oder 20 Jahren. Ähnliches gilt wohl für die Zukunft. Das beste Abbild des Klimas in Zürich 2050 oder 2070 ist vermutlich wohl das heutige Wetter – einfach ein paar Grad wärmer.

Sommer im Jahr 2050: das heutige Wetter einfach ein paar Grad wärmer

Zu warme Frühlinge bleiben die Norm

Der diesjährige Frühling reiht sich mit gemittelt 10 Grad in Zürich knapp hinter den Top 10 der wärmsten seit Messbeginn im Jahr 1864 ein. Damit setzt sich der Trend hin zu deutlich wärmeren Frühlingen fort. In den letzten 28 Jahren brachte lediglich der Frühling 2013 Temperaturen, die unter der Klimanormperiode 1961-1990 lagen. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre sind die Frühlinge in Zürich mit 9,9 Grad fast 2 Grad wärmer, verglichen mit der Referenzperiode. Warme Frühlinge sind zur Norm geworden und sie werden immer wärmer.

Frühling2015_infographic

Grosse Wärme im März und April

Das Wärmeplus des diesjährigen Frühlings stammt vor allem aus den Monaten März und April, welche beide mehr als 1 Grad übertemperiert in die Wetterannalen eingingen, verglichen mit den Jahren 1981-2010. Der Mai konnte das hohe Temperaturniveau der Vormonate vorerst aufnehmen, aber nicht bis zum Ende halten und schloss nach einer deutlichen Tempertaturkorrektur in der zweiten Monatshälfte durchschnittlich ab.

Der Witterungsverlauf der drei Frühlingsmonate März bis Mai ähnelte sich erstaunlicherweise über weite Strecken. Zu Monatsbeginn gab es jeweils mit nordwestlicher Strömung wenig Sonne und immer wieder Regen. Es folgte eine mehrwöchige Schönwetterperiode, die insbesondere im März aber auch im April ausgeprägt war und kaum durch Niederschlagsereignisse unterbrochen wurde. Während im März und April jeweils im mittleren Monatsdrittel Hochdruck dominerte, war es im Mai eher eine Südwestströmung, die heiteres und sehr warmes Wetter brachte. Demzufolge blieb es aber im Mai nicht mehr als eine Woche am Stück trocken. Die feuchtwarme Luft aus Südwesten liess dann auch die ersten heftigen Gewitter der Saison übers Land ziehen. Das letzte Monatsdrittel war dann in allen Monaten durch Niederschläge geprägt. Während diese im März und April kurz vor Monatsende und sehr heftig auftraten, kamen sie im Mai zu Beginn des letzten Monatsdrittels und waren in der Region Zürich nicht mehr so heftig.

 

Alle Frühlingsmonate zu nass

Drei grosse Niederschlagsereignisse – Ende März, Ende April und Anfang Mai – sorgten dafür, dass jeder einzelne Frühlingsmonat in diesem Jahr als zu nass eingestuft werden muss. Während der März nur geringfügig nässer war als seine Vorgänger in der Periode 1981-2010, gab es im April und Mai grosse Niederschlagsüberschüsse, wie Daten von MeteoSchweiz zeigen. In absoluten Zahlen brachten April und Mai ähnliche Regenmengen, da der April aber im langjährigen Durchschnitt als trockener eingestuft wird, ist die relative Abweichung mit einem Plus von 75% im April besonders gross. Mit aufsummiert rund 380 mm war der Frühling 2015 rund 30% nässer als im langjährigen Vergleich der Jahre 1981-2010, dies entspricht einem Überschuss von knapp 100 mm. Auf dem Zürichberg war es der nässeste Frühling seit 10 Jahren, als 2006 mit einer Niederschlagssumme von mehr als 500 mm der feuchteste Frühling seit Messbeginn registriert wurde.

 

Nass und trotzdem sonnig

Die grossen Niederschlagsmengen im diesjährigen Frühling trüben das Bild etwas zu stark. So blieb die Anzahl Tage mit Regen im März und April leicht unterdurchschnittlich und aufgrund der langanhaltenden Schönwetterperioden im März und April verzeichneten diese Monate grosse Sonnenerträge. Während März und April noch ein Sonnenplus von 40-50% vorweisen konnten, blieb der Mai durchschnittlich. Unter dem Strich war der Frühling mit mehr als 580 Sonnenstunden deutlich sonniger als im langjährigen Vergleich. In der Periode 1981-2010 brachten die Frühlinge im Durchschnitt 450 Stunden mit Sonnenschein. Der diesjährige Frühling war somit der drittsonnigste der letzten zehn Jahre. Letztmals sonniger war es im Jahr 2011, als der Frühling 740 Sonnenstunden brachte und gleich als sonnigster Frühling in die bisherige Wettergeschichte von Zürich einging.

 

Viele Frosttage, erste Sommertage

Charakteristisch für mehrtägige Schönwetterperioden in der ersten März- und Aprilhälfte gab es in diesem Frühling relativ viele Nachtfröste. Spätfröste blieben jedoch aus, da der letzte Frost in diesem Jahr mit dem 8. April im langjährigen Durchschnitt sogar als leicht zu früh eingestuft werden darf. Mit 15 Frosttagen gab es aber trotzdem einige mehr als in einem durchschnittlichen Frühling. Mit dem Heranströmen von sehr warmer Luft aus der Sahara brachten die Tage vom 11. bis 13. Mai in Zürich dann die ersten Sommertage des Jahres mit Höchstwerten über 25 Grad. Lokal wurden auch die erste Hitzetage des Jahres gemessen. Mit den drei erfassten Sommertagen liegt der Frühling 2015 genau auf dem klimatologischen Erwartungswert. In einem warmen Frühling wie in diesem Jahr wären durchaus auch mehr Sommertage zu erwarten, jedoch fehlte dazu eine langanhaltenden Schönwetterperiode im Mai. Sommertage im April oder sogar März sind selten, sodass Schönwetterperioden in diesen Monaten erst frühsommerliche Werte aber keine Sommertage bringen. Zwischen 1961 und 2014 trat der erste Sommertag mit mehr als 25 Grad im Mittel am 15. Mai auf. Demzufolge wurde es im diesjährigen Frühling etwas früher sommerlich als im langjährigen Durchschnitt. Letztmals früher startete der Sommer im Jahr 2012, als der erste Sommertag auf dem Zürichberg am 28. April erfasst wurde. Der frühste Termin des ersten Sommertages stammt vom 6. April 1961. Am längsten musste Zürich im Jahr 1990 auf den Sommer warten. Damals dauerte es bis zum 19. Juni, ehe das Thermometer zum ersten Mal 25 Grad anzeigte.

Am 1. Juni beginnt der meteorologische Sommer. Mit den ersten Sommertagen im Mai kam er dieses Jahr frühzeitig. Er soll aber bekanntlich nicht nur früh kommen sondern auch lange bleiben.

Zu warme Frühlinge bleiben die Norm