Kommen bald frostfreie Winter und 40-Grad-Sommer?

Die kälteste Nacht des vergangenen Winters war ausgesprochen mild. Damit bestätigt sich der langjährige Trend. Auch die Jahreshöchsttemperaturen im Sommer erreichen immer höhere Werte.

Zürich erlebte eines der wärmsten Winterhalbjahre seit Messbeginn vor über 150 Jahren. Das Halbjahr von Oktober 2018 bis März 2019 wies am Zürichberg ein Wärmeüberschuss von rund anderthalb Grad gegenüber der Periode 1981-2010 vor. In den letzten 30 Jahren gab es eine ganze Reihe Winterhalbjahre, die ähnlich mild über die Bühne gingen wie aktuell. In der Zeit davor wurden solch milde Winterhalbjahre mit durchschnittlich über 5 Grad Celsius nie beobachtet. Noch wärmer im vergangenen Winterhalbjahr war es im Winterhalbjahr 2015/16 sowie vor allem im bisher wärmsten Winterhalbjahr 2006/07, welches nochmals ein Grad milder ausfiel.

Abgesehen vom Januar 2019 waren alle Monate des vergangenen Winterhalbjahres übertemperiert. Vor allem die Monate Dezember, Februar und März haben zum deutlichen Wärmeplus beigetragen. Richtig kalt wurde es im Winterhalbjahr 2018/19 nie.

Auch die Extreme werden immer wärmer: Die kälteste Nacht ist in Zürich heute rund drei Grad wärmer als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Kälteste Nacht

Die tiefste Temperatur des vergangenen Winterhalbjahres am Zürichberg wurde in der Nacht auf den 23. Januar 2019 gemessen. Das Thermometer zeigte -5,7 Grad an. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gab es erst einen Winter in Zürich, in dem die kälteste Nacht noch milder ausfiel als heuer. So war die kälteste Nacht des Winterhalbjahres 2016/17 gerade mal -4,3 Grad kalt. Deutlich kälter wurde es in der kältesten Nacht im letztjährigen Winter 2017/18. Damals fiel die Quecksilbersäule in der Nacht auf den 28. Februar am Zürichberg auf -13,1 Grad. Eisige Temperaturen unter -15 Grad gab es in Zürich in den letzten 30 Jahren nur im Winterhalbjahr 2011/12. Damals drückte eine markante Kältewelle im Februar das Thermometer am Zürichberg während der kältesten Nacht auf -16,9 Grad.

In der Zeit vor den 70er-Jahren traten solch eisige Nächte alle paar Winter auf. In seltenen Fällen sank das Thermometer sogar unter die -20-Grad-Marke. Die kälteste Nacht seit mindestens Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte Zürich am 12. Februar 1929 als knapp -25 Grad gemessen wurden.

Die globale Erwärmung führte bereits zu einer spürbaren Milderung der kältesten Nächte. Noch stärker als die jahreszeitlichen Durchschnittstemperaturen steigen die Temperaturen in den kältesten Nächten. In der Periode 1901 bis 1930 war die kälteste Nacht in Zürich im Durchschnitt noch -13,2 Grad kalt. In den letzten 30 Jahren war die kälteste Nacht im Schnitt noch -10,2 Grad kalt. So sind die kälteten Nächte des Winterhalbjahres heute drei Grad wärmer als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gemäss den neuen Klimaszenarien für die Schweiz (CH2018) erwärmen sich die kältesten Nächte des Jahres bis Mitte Jahrhundert um weitere 2 bis 6 Grad. Ohne globalen Klimaschutz würde die kälteste Nacht bis zum Ende des Jahrhunderts in Zürich sogar um 5 bis 9 Grad wärmer ausfallen als heute. Dann wären sogar Winter denkbar, in denen die kälteste Nacht des Jahres in Zürich nicht einmal Frost bringt.  

40-Grad-Marke

Mit dem April beginnt nun das Sommerhalbjahr. Was im Winterhalbjahr die kälteste Nacht ist, ist im Sommerhalbjahr die Höchsttemperatur. Im letztjährigen Hitzesommer lag die Höchsttemperatur in Zürich beispielsweise bei 34,6 Grad. Noch heisser wurde es im Sommer 2013 mit 35 Grad. Über 35 Grad gab es in Zürich bisher in fünf weiteren Sommern: 1921, 1928, 1947, 1983 und 2003. Der Rekordwert von 36,4 Grad aus dem Hitzesommer 2003 hält bis heute. Auch hier zeigt sich eine deutliche zeitliche Entwicklung hin zu heisseren Jahreshöchsttemperaturen. Sie liegen heute um anderthalb Grad höher als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die neuen Klimaszenarien zeigen, dass neben der Hitze zukünftig auch die Trockenheit im Sommer immer häufiger zum Problem werden kann. Aufgrund der geringen Bodenfeuchte kann in solchen Hitzesommern weniger Wasser verdunsten, wobei die Kühlung des Bodens ausbleibt. Daher ist in Zukunft bei fortschreitendem Klimawandel mit einem erheblichen Anstieg der Jahreshöchsttemperatur zu rechnen. Die heissesten Sommertage werden in naher Zukunft (2020-2049) voraussichtlich um weitere 1 bis 3 Grad heisser. Bis Mitte Jahrhundert sogar um bis zu 6 Grad. Ohne globalen Klimaschutz dürfte die Jahreshöchsttemperatur in Zürich bis Ende des Jahrhunderts (2070-2099) sogar um 4 bis 9 Grad zulegen. Das bedeutet, dass Zürich sich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts mit der 40-Grad-Marke auseinandersetzen werden muss.


Auch die Extreme werden immer wärmer: Die Jahreshöchsttemperatur stieg um mehr als anderthalb Grad.
Kommen bald frostfreie Winter und 40-Grad-Sommer?

Ein Sommerhalbjahr der Rekorde

Mitteleuropa, die Schweiz und Zürich erlebten ein Rekord-Sommerhalbjahr. Bei praktisch allen relevanten Wetterparametern schwingt das Sommerhalbjahr 2018 obenaus oder gehört in die Top 5 seit Messbeginn vor rund 150 Jahren. In der Meteorologie wird die Zeitspanne von Anfang April bis Ende September als Sommerhalbjahr bezeichnet. Das Winterhalbjahr dauert entsprechend von Oktober bis März. Die sechs Sommerhalbjahrmonate 2018 wurden von einer aussergewöhnlichen Wärme, staubiger Trockenheit und eitel Sonnenschein geprägt. Verglichen mit der langjährigen Normperiode der Jahre 1981-2010 gingen alle einzelnen Monate deutlich übertemperiert, zu trocken und zu sonnig in die Wetterbücher ein. In der Summe resultierte so über das gesamte Sommerhalbjahr 2018 ein bis anhin einzigartiges Rekordhalbjahr.

 

Rekordwärme

Die durchschnittliche Lufttemperatur zwischen April und September kam in Zürich bei 17,5 Grad zu liegen. So warm war ein Sommerhalbjahr seit Messbeginn 1864 noch nie. Die letzten sechs Monate waren 2,6 Grad wärmer als der 30-jährigen Mittelwert der Periode 1981-2010 und 0,3 Grad wärmer als das Sommerhalbjahr des legendären Hitzesommers 2003. Damit setzt das Sommerhalbjahr einen neuen Höhepunkt und ist Teil einer neuen Ära der Sommerwärme, wie es MeteoSchweiz treffend ausformulierte. Neun der zehn heissesten Sommerhalbjahre in Zürich wurden in den Jahren seit 2003 gemessen. Die einzige Ausnahme liefert das Sommerhalbjahr 1947, welches bis heute als drittwärmstes Sommerhalbjahr gilt. Sommerhalbjahre in Zürich zeigten seit Anfang des 20. Jahrhunderts nur wenige Temperaturänderungen und waren im Durchschnitt knapp 13,9 Grad mild. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts setzte eine deutliche Erwärmung des Sommerhalbjahrs ein. So ist das Sommerhalbjahr seit 2001 im Durchschnitt 15,6 Grad warm. Das ist eine Erwärmung von knapp 2 Grad innert kürzester Zeit.

So heiss wie im 2018 war ein Sommerhalbjahr (April-September) in Zürich in den letzten mindestens 154 Jahren noch nie. Es ist eine starke Häufung extrem warmer Sommerhalbjahre seit Beginn des 21. Jahrhunderts zu beobachten.

Sommertage ohne Ende

An 142 der 183 Sommerhalbjahrtagen stieg die Tageshöchsttemperatur am Zürichberg über 20 Grad. Der bisherige Rekordwert wurde dabei um ganze zehn Tage überboten. Die mittlere Tageshöchsttemperatur erreichte mit über 23 Grad ebenfalls einen neuen Rekordwert. Auch die nächtlichen Tiefstwerte lagen mit durchschnittlich 12,5 Grad über dem bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2003. Das Quecksilber stieg am Zürichberg an 76 Tagen über die Sommermarke von 25 Grad. Noch mehr Sommertage erlebte Zürich einzig im Sommerhalbjahr 2003. Damals gab es noch zehn Sommertage mehr als heuer. Ebenfalls sehr viele Sommertage brachte das Sommerhalbjahr 1947: insgesamt 69. Etwas weniger extrem zeigt sich das abgelaufene Sommerhalbjahr in Sachen Hitze. Eine intensive Hitzewelle rollte zwar zwischen Mitte Juli und Anfang August über die Nordschweiz, ansonsten zeigte sich das Sommerhalbjahr aber meistens konstant sehr warm – nicht aber extrem heiss. Dies zeigt sich in der Anzahl Hitzetage. Im Sommerhalbjahr 2018 wurden 18 Hitzetage mit einer Höchsttemperatur über 30 Grad erfasst. Das ist zwar deutlich mehr als im langjährigen Durchschnitt, welcher von lediglich sechs Hitzetagen ausgeht, aber in bereits drei Sommerhalbjahren gab es noch mehr Hitzetage als 2018. So brachten die Jahre 1947, 2003 und 2015 im Sommerhalbjahr alle je 26 Hitzetage.

 

Dürre und Sonnenschein pur

Extrem war neben der Rekordwärme auch die ausgeprägte Trockenheit, welche das Sommerhalbjahr 2018 dominierte. Seit April fielen in Zürich lediglich 400 mm Regen. Das sind gerade mal 60 Prozent der üblichen Niederschlagsmengen. Das Regendefizit entspricht der Regenmenge zweier Sommermonate. Das Sommerhalbjahr war damit in Zürich so trocken wie seit 69 Jahren nicht mehr. Noch etwas trockener waren die Sommerhalbjahre 1947 und 1949. Hohe Temperaturen und Trockenheit entstehen durch langanhaltende Schönwetterlagen. Entsprechend leistete im Sommerhalbjahr 2018 auch die Sonne zahlreiche Überstunden. Mit 1‘462 Sonnenstunden in Zürich zwischen April und September 2018 war es das sonnigste Sommerhalbjahr seit mehr als 70 Jahren. Diese Periode  brachte mehr Sonnenschein als beispielsweise das ganze Jahr 1994. Noch sonniger waren die Sommerhalbjahre 1911 und 1945 und 1947 mit 1‘470 bis 1‘520 Sonnenstunden.

 

Die Rekordwärme im Sommerhalbjahr 2018 hat durchaus einen Einfluss auf die Energiekosten im Gebäudebereich. Die Heizkosten steigen und sinken analog mit den Temperaturen. Ein meteorologischer Indikator dafür sind die Heizgradtage. Am Anfang und Ende des Sommerhalbjahrs wird in der Schweiz je nach Witterung geheizt. Im Sommerhalbjahr 2018 erreichten die Heizgradtage einen Wert von 235. Noch tiefer war dieser Wert lediglich im Sommerhalbjahr 2009. Im Durchschnitt liegt er bei über 640. Anders sieht es beim Kühlbedarf aus. Immer häufiger werden Gebäude im Sommer gekühlt. Je höher die Aussentemperatur, desto mehr Energie braucht es zur Kühlung. Ein Indikator dafür sind die Kühlgradtage. Dieser Indikator stieg heuer auf einen Wert von 263. Noch höher stieg er lediglich im Sommerhalbjahr 2003. Im langjährigen Durchschnitt liegt er allerdings nur bei 85. Im Sommerhalbjahr 2018 musste aufgrund der Rekordwärme natürlich nicht geheizt, jedoch aber umso mehr gekühlt werden.

Ein Sommerhalbjahr der Rekorde