Lokale Kältewellen in Zeiten der globalen Erwärmung

Im laufenden Winter konnten über Europa erstaunlich grosse Luftdruckgegensätze beobachtet werden. Zwischen hohem Luftdruck über dem Atlantik und tiefem Luftdruck von Grönland bis nach Nordwesteuropa bildete sich in der zweiten Dezemberhälfte eine kräftige Westströmung aus, welche seither mehr oder weniger standhielt. Diese scharfe Grenze trennt die kalte Polarluft von der subtropischen Warmluft und ist auch als Frontalzone bekannt. Kleine Störungen an der Frontalzone führen zu einer Vermischung und Verwirbelung der zwei unterschiedlichen Luftmassen. Dadurch wird der Prozess einer Tiefdruckbildung in Kraft gesetzt. Je ausgeprägter die Frontalzone, desto einfacher und häufiger bilden sich kleine Tiefs, die dann rasch an Stärke zulegen können und mit der starken Westströmung als Sturmtiefs auf Europa treffen. Diese stürmische Grosswetterlage bescherte Mitteleuropa im Januar 2018 gleich drei Sturmtiefs in kurzer Abfolge. Zuerst fegte das Sturmtief Burglind mit Orkanböen über die Schweiz, bevor eine Woche später Evi und Friederike erneut orkanartige Böen im Flachland auslösten, einzelne Bäume umstürzen liessen und Dächer abdeckten.

Von Ende Dezember 2017 bis Mitte Januar 2018 wurden die USA von einer eisigen Kältewelle getroffen. In der Arktis, in Europa und Asien war es gleichzeitig aber deutlich zu warm. Lokale Kältewellen sind kein Widerspruch zur globalen Erwärmung. Bildquelle: University of Maine, ClimateReanalyzer.org

 

Milder Winter

Die stürmischen Westwinde peitschen milde Meeresluft nach Mitteleuropa. Der überdurchschnittlich warme Atlantik ist verantwortlich dafür, dass die Westströmung in diesem Jahr speziell milde Luft in die Schweiz führt. Entsprechend fiel der Januar 2018 bisher rund drei Grad milder aus, verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010. Die ersten 12 Januartage blieben in Zürich sogar komplett frostfrei. Normalerweise gibt es im Januar in Zürich in zwei von drei Nächten Frost.

Das stürmische und milde Winterwetter in diesem Jahr täuscht darüber hinweg, wie der letzte Winter war. Oder können Sie sich an den letzten Januar erinnern?

 

Eisiger Januar 2017

Vor einem Jahr herrschte in der Schweiz eisige Kälte. Mit einer Durchschnittstemperatur von -3 Grad war es in Zürich der kälteste Jänner seit 30 Jahren. Es war rund sechs Grad kälter als im diesjährigen Januar. Kältewellen, wie sie die Schweiz im letzten Januar erlebte, finden auch im aktuellen Winter statt. In diesem Jahr traf es bisher aber nicht Europa, sondern Nordamerika. Der mittlere Westen und Nordosten der USA erlebten Ende Dezember und Anfang Januar zwei eisigkalte Wochen. Es war die heftigste Kältewelle seit 36 Jahren. Europa, Asien und Nordamerika wurden in den letzten Wintern immer wieder von harten Kältewellen getroffen. In diese Kategorie fällt auch der Februar 2012, welcher in Zürich -3,5 Grad kalt ausfiel.

Sehr milde und eisigkalte Wintermonate wechseln sich in den letzten Jahren scheinbar zufällig ab. Es stellt sich die Frage, ob diese unterschiedlichen Extreme zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden können? Und wie werden sich die zukünftigen Winter im Zuge der globalen Erwärmung in Mitteleuropa präsentieren?

 

Deutlich wärmere Winter

Heftige Kältewellen und eisigkalte Wintermonate sind in den letzten Jahren auf der Nordhemisphäre und auch in Mitteleuropa scheinbar wieder häufiger aufgetreten. Nichtsdestotrotz zeigt sich in einer langjährigen Betrachtung ein eindeutiger Erwärmungstrend. Praktisch überall, in Sibirien, Mitteleuropa und den USA, sind die Winter in den letzten 50, 100 und 150 Jahren deutlich milder geworden. Seit 1864 sind die Winter in der Schweiz um ganze 2 Grad wärmer geworden. Zwischen 1880 und 1890 lag die Wintertemperatur auf einem ausgesprochen tiefen Niveau. Von 1900 bis 1980 zeigte die Wintertemperatur dann einen auffallend ruhigen Verlauf ohne langfristige Änderung. 1987/88 erfolgte in Mitteleuropa ein sprungartiger Wechsel zu einer ausgeprägten Warmwinterphase, die in den letzten 15 Jahren durch einige Kältewellen etwas gedämpft wurde. Wie auf einer Treppe, welche aufwärts beschritten wird, pendelten sich die Temperaturen seither auf eindeutig höherem Niveau als zuvor ein. Sehr tiefe Wintertemperaturen traten seit Ende des 20. Jahrhunderts nicht mehr auf. Der kälteste Winter der letzten 30 Jahren brachte 2005/06 eine Durchschnittstemperatur von -0,9 Grad. In den Jahrzehnten davor gab es mehrere Winter, die sogar kälter als -4 Grad ausfielen. Die letzten 30 Winter sind also insgesamt deutlich milder als die Winter davor. Es zeigt sich aber, dass seit 1990 keine weitere Erwärmung des Winters stattgefunden hat. Dieses Phänomen ist nicht nur in der Schweiz zu beobachten, sondern in verschiedenen Gebieten der Nordhemisphäre.

Die Winter sind in der Schweiz seit 1864/65 um rund 2 Grad wärmer geworden. Bildquelle: MeteoSchweiz

 

Geschwächter Polarwirbel

Der Grund für die Erwärmungspause der Winter sind die bereits erwähnten Kältewellen, welche verschiedene Orten auf der Nordhemisphäre immer wieder mal treffen. Kältewellen im Winter sind natürlich nichts Aussergewöhnliches und bedürfen eigentlich keiner Erklärung. Das Wetter hat seinen natürlichen Spielraum und nutzt diesen hin und wieder aus. Trotzdem gibt es eine plausible Erklärung, weshalb heftige Kältewellen im Winter trotz globaler Erwärmung häufiger zu beobachten sind.

Mehrere wissenschaftliche Arbeiten geben Hinweise darauf, dass der Rückgang des arktischen Meereises zu den Kälteausbrüchen in den USA, Europa und Asien beigetragen hat. Ein sehr wichtiger Faktor ist im Klimageschehen der sogenannte Polarwirbel, ein Westwindband, welches die Nordhemisphäre im hohen Norden umschliesst und normalerweise die kalte Luft über der Arktis von der warmen Subtropenluft trennt. So präsentiert sich der Polarwirbel aktuell auch über dem Atlantik, wie eingangs ausgeführt. Wird dieser Polarwirbel aber geschwächt, kann die kalte Luft aus der Arktis weit in den Süden entweichen, was oftmals mit einem welligen (mäandrierenden) Westwindband zusammenhängt. So zeigt sich, dass langanhaltende Schwächephasen des Polarwirbels zu den kalten Wintern im nördlichen Eurasien beigetragen haben. Solche Schwächephasen des Polarwirbels können durch eine überdurchschnittlich warme Arktis ausgelöst werden. Und genau das geschieht im Zuge der globalen Erwärmung. Die Arktis erwärmt sich vor allem im Herbst und Winter rasant. Das fehlende Meereis verhindert eine Auskühlung im Herbst, so dass die Nordpolregion bis tief in den Winter mit Wärme versorgt bleibt.

 

Die Klimaszenarien rechnen auch in Zukunft mit einer weiteren Zunahme der Wintertemperaturen auf der Nordhemisphäre. Andere Jahreszeiten, allen voran der Sommer, erwärmen sich in Mitteleuropa und der Schweiz aber deutlich schneller als der Winter. Der wohl auch zukünftig geschwächte Polarwirbel wird jedoch dafür sorgen, dass die Nordhalbkugel und der Alpenraum auch in den nächsten Jahren ab und zu von ausgeprägten Kältewellen aus der Arktis getroffen werden. Die weitere Wintererwärmung könnte sich also wiederum in Form eines nächsten Schrittes aufwärts auf der Treppe der globalen Erwärmung präsentieren, gefolgt von einzelnen kalten Wintermonaten.

Lokale Kältewellen in Zeiten der globalen Erwärmung

Wetterjahr 2017: sehr warm und sonnig

Die Schweiz und Zürich blicken, trotz eines eisigen Starts, erneut auf eines der wärmsten Jahre in der 154-jährigen Messperiode zurück. Während die Niederschläge durchschnittlich ausfielen, machte die Sonne zahlreiche Überstunden.

 

Sehr kalter Januar

Der erste Monat des Wetterjahrs 2017 brachte der Schweiz und Zürich den kältesten Januar seit 30 Jahren. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von -3 Grad war der Jänner in Zürich um mehr als drei Grad zu kalt. Es war zwar der kälteste Januar seit 1987, jedoch nicht der kälteste Wintermonat seit 30 Jahren. Vor fünf Jahren, im Februar 2012, war es mit durchschnittlich -3,5 Grad in Zürich nochmals ein ganzes Stück kälter. Für die letzten 30 Jahre sind das extrem tiefe Monatsmittel. Wird der Betrachtungshorizont jedoch erweitert, so zeigen sich in Zürich deutlich kältere Wintermonate. Der Januar 1963, welcher die Seegfrörni brachte, war beispielsweise eisige -6,3 Grad. Der Dezember 1879 war in Zürich sogar durchschnittlich -9 Grad kalt.

 

Nach eisigem Start waren die Monate Februar, März, Mai, Juni, August und Oktober in Zürich deutlich zu warm, verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010.

Schneearmer Winter

Mit dem Januar verabschiedete sich dann auch der Winter. Es schien, als ob der Februar den eisigkalten Januar sogleich auch wieder kompensieren wollte. So verging ein Februar ohne einen einzigen Eistag, also ohne Temperaturen ganztags unter dem Gefrierpunkt. Am 23. Februar wurde am Messstandort Zürich mit 18,8 Grad ein neuer Februar-Temperaturrekord aufgestellt. Der Winter 2016/17 (Dezember 2016 bis Februar 2017) war in Zürich unter dem Strich kühler, verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010. Jedoch etwas milder als beispielsweise der Winter 2012/13. Der Winter blieb zudem extrem trocken und schneearm. In den Bergen führte dies zu einer rekordnahen Besonnung.

 

Drittwärmster Frühling

Der extreme Wärmeüberschuss hielt sich auch im darauffolgenden März. So erlebte Zürich den zweitwärmsten März seit Messbeginn im Jahr 1864. Vor allem zur Monatsmitte und am Monatsende wurde Zürich mit viel wärmender Märzsonne verwohnt. Die Niederschläge erreichten zudem lediglich 81% der Normwerte. Der April 2017 war extrem und durchschnittlich zugleich. So täuschen die durchschnittlichen Monatswerte darüber hinweg, dass einer überwiegend sonnigen und milden ersten Monatshälfte eine kalte, mit Schneefällen und scharfen Nachtfrösten angereicherte zweite Monatshälfte gegenüberstand. Die unterkühlte Witterung hielt noch bis zum 8. Mai an. Danach folgte eine deutliche Milderung. Ab Maimitte wurde der Frühling zunehmend sommerlich. Zürich registrierte den wärmsten Mai seit 2011. Ausserdem blieb der Mai 2017 extrem trocken und verbuchte zahlreiche Sonnenstunden. Die warmen März und Mai reichten dann auch aus, um in der Schweiz und in Zürich den drittwärmsten Frühling seit Messbeginn im Jahr 1864 zu verbuchen. Noch wärmer waren bisher nur die Frühlinge der Jahre 2007 und 2011.

 

Der Juli war 2017 der nässeste, der Oktober der trockenste Monat in Zürich.

Drittheissester Sommer

Auf den drittwärmsten Frühling folgte der drittwärmste Sommer seit Messbeginn im Jahr 1864. Noch heisser waren bisher lediglich die Sommer der Jahre 2015 und 2003. Der Sommer 2017 erlebte mit dem Juni bereits früh seinen Höhepunkt. Der sechste Monat des Jahres war in Zürich mit durchschnittlich 19,9 Grad der wärmste und mit über 250 Sonnenstunden der sonnigste des Jahres. Zeitgleich war es der zweitheisseste Juni seit mehr als 150 Jahren. Weniger heiss und immer wieder durch starke Gewitter mit Hagel durchzogen, präsentierte sich der anschliessende Juli. Mit 172 mm fiel im Juli 2017 rund 40% zu viel Regen und er war der nässeste Monat des Jahres. Nach zwei sehr trockenen Monaten kamen die Niederschläge jedoch gelegen, denn bereits im August blieben sie wieder unterdurchschnittlich und die Hitze kam zurück. Zürich registrierte sogleich wieder den achtheissesten August seit Messbeginn im Jahr 1864.

In fast allen Monaten machte die Sonne im Wetterjahr 2017 in Zürich Überstunden. Am sonnigsten war es im Juni.

Achterbahnfahrt im Herbst

Der Sommer fand mit dem September ein abruptes Ende. Die Septembertemperatur blieb in Zürich im Monatsmittel ein Grad unter der Norm der Jahre 1981 bis 2010. In den Bergen hielt bereits der neue Winter Einzug. Auf dem Weissfluhjoch wurden so viele Neuschneetage wie noch nie in einem September registriert. Der kühle September wurde durch einen milden und ausgesprochen sonnigen Oktober kompensiert. Der Oktober bestach insbesondere durch einen ausgeprägten Altweibersommer zur Monatsmitte. Als Kehrseite

zum Schönwetter war Regen erneut Mangelware. Mit lediglich 40 mm fiel in Zürich weniger als die Hälfte der üblichen Regenmengen im Oktober. Der Oktober blieb somit der trockenste Monat des Wetterjahres 2017. Total gegensätzlich präsentierte sich in der Folge der November. Er war nass und trüb. Trotz durchschnittlichen Temperaturen fiel mehrmals Schnee bis in tiefere Lagen. Im Flachland blieb der Schnee jedoch noch nicht liegen. Die Achterbahnfahrt des Herbstes 2017 brachte in Zürich einen kleinen Wärmeüberschuss von drei Zehntelgrad hervor. Die Niederschläge blieben unterdurchschnittlich und die Sonnenscheindauer summierte sich dank des sehr sonnigen Oktobers gebietsweise auf rekordhohe Werte.

Der letzte Monat des Wetterjahres 2017 war geprägt von wiederholten Schneefällen bis in die Niederungen des Flachlands. Entsprechend war der Dezember überdurchschnittlich feucht und präsentierte ein geringfügiges Wärmedefizit.

 

Jahresbilanz 2017

Verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010 waren nur die Monate Januar und September eindeutig zu kalt. April, November und Dezember waren durchschnittlich und alle anderen Monate zu warm. Deutlich zu warm waren Februar, März und Juni. Mit durchschnittlich 10,2 Grad war das Jahr 2017 in Zürich das achtwärmste seit Messbeginn im Jahr 1864. Die täglichen Tageshöchsttemperaturen erreichten mit gemittelt 15 Grad sogar den zweithöchsten Wert in der Messgeschichte. Zum heissen Sommer 2017 passen die zahlreich ausgewiesenen Sommer- und Hitzetage mit täglichen Höchstwerten von über 25, respektive 30 Grad. So zählt das Jahr 2017 total 65 Sommer- und 23 Hitzetage. Nur in den Sommern 1947 und 2003 gab es mehr Sommertage als im Jahr 2017. Bei den Hitzetagen ist es der viertgrösste Wert. Hier brachte zusätzlich der Sommer 2015 noch einige Hitzetage mehr. Erstaunlich war auch die Anzahl Tropennächte, in denen das Thermometer nicht unter 20 Grad sank: 2017 gab es sechs, mehr gab es nur im Sommer 2015. Der Wärmeüberschuss im Sommerhalbjahr 2017 widerspiegelt sich zudem in den Kühlgradtagen, welche ein Indikator für den Kühlbedarf in Gebäuden sind. Mit 237 Kühlgradtagen wurde 2017 der dritthöchste Wert seit 1864 erreicht. Handkehrum erreichten die Heizgradtage trotz des eisigen Januars mit 3243 in Zürich lediglich den zehnttiefsten Wert. Je tiefer die Heizgradtage, desto geringer der Wärmebedarf in den Gebäuden.

Die Niederschläge summierten sich in Zürich auf durchschnittliche Werte. Deutlich zu trocken waren Mai, Juni und Oktober. Zu viel Niederschlag bekamen die Monate Januar, April, Juli und Dezember.

Zur extremen Wärme gesellten sich auch ungewöhnlich viele Sonnenstunden. So war 2017 in Zürich mit mehr als 1800 Sonnenstunden eines der 20 sonnigsten seit 1901. Verglichen mit einem durchschnittlichen Jahr schien die Sonne knapp 20 % oder mehr als 280 Stunden länger. Dies schlägt sich auch in der Anzahl heiterer Tage nieder, welche mit 64 an der Zahl einen hohen Wert erreichten. Dem gegenüber stehen 134 trübe Tage mit nur wenig Sonne. Dies klingt nach viel, doch es ist einer der tiefsten Werte seit 1901. Nochmals deutlich weniger trübe Tage gab es in den Wetterjahren 1911 und 2003.

Wetterjahr 2017: sehr warm und sonnig

Bei welcher Wetter-App herrscht eitler Sonnenschein?

Auf den Smartphones sind sie nicht mehr wegzudenken: Wetter-Apps können das Wetter zwar auch nicht beeinflussen, aber zumindest schöner darstellen. Dieser Artikel hat bekannte und weniger bekannte Wetter-Apps auf dem Radar und zeigt ihre Hochs und Tiefs.

Wie wird das Wetter am Wochenende? Kann der Tennismatch noch fertig gespielt werden oder kommt schon die nächste Regenfront? Wie stark hat der Sturm letzte Nacht gewütet? Unsere Fragen rund ums Wetter beantworten wir heutzutage mit ein paar Klicks in unseren Wetter-Apps auf unseren Smartphones. Es gibt zahlreiche Wetter-Apps in den App-Stores und fast täglich kommen neue dazu. Alle mit einem etwas anderen Erscheinungsbild, alle mit ein paar neuen Funktionen und fast alle mit einer anderen Wetterprognose für die nächsten Tage. Auch wenn es hunderte Wetter-Apps gibt, haben sich einige wenige Apps als Froschkönige etabliert. Dieser Artikel beleuchtet die populärsten Apps, deckt Relevantes auf und sagt, was jeder über Wetter-Apps wissen muss.

Zweierlei Wetter-Apps

Eine gute Wetter-App liefert verlässliche Wetterinformationen, genaue Prognosen und bietet eine einfache und personalisierte Bedienung. Um beurteilen zu können, ob die Wetter-App verlässliche und gute Prognosen liefert, sollte sich jeder fragen: «Wer steckt dahinter?». Es gibt grundsätzlich zwei Gruppen von Wetter-Apps: Apps der Wetterbüros wie bspw. die App von MeteoSchweiz oder SRF Meteo, die ihre eigenen Daten, Dienste und Prognosen präsentieren, und Wetter-Apps wie «Wetter Alarm», «Landi Wetter», «Wetter Live» oder «Wetter für die Schweiz» von Firmen oder Entwicklern, die eingekaufte Wetterdaten neu darstellen. Hinter den Apps der ersten Gruppe stecken immer ortskundige Meteorologen, so dass die Qualität und Zuverlässigkeit grundsätzlich höher ist als bei der zweiten Gruppe. Grosse Unterschiede gibt es bei den rundum beliebten Orts- oder Punktprognosen. So kann zum Beispiel eine Lokalprognose für die Postleitzahl 8053 oder für den Bürkliplatz abgerufen werden. Solche Punktprognosen werden immer automatisch aus Wettermodellen generiert, sind also keine Prognosen von erfahrenen Meteorologen. Wie gut diese Punktprognosen sind, ist davon abhängig, wie gut das verwendete Wettermodell ist. Die App WeatherPro von MeteoGroup hat sich auf diese automatischen Punktprognosen spezialisiert und erreicht daher weltweit wie auch in der Schweiz eine hohe Qualität. Aber auch MeteoSchweiz, SRF Meteo und meteoblue haben eigene Modelle und Berechnungsverfahren, um eine hohe Zuverlässigkeit dieser automatischen Punktprognosen zu liefern. Anders sieht es bei Apps wie WetterOnline, «wetter.com», «Yahoo! Wetter», oder AccuWeather aus. Diese verwenden als Basis für ihre Punktprognosen in der Schweiz grob aufgelöste Weltwettermodelle, welche in der kleinräumigen und topografisch anspruchsvollen Schweiz völlig durchfallen und praktisch unbrauchbar sind. Gleiches gilt auch für die vorinstallierte iPhone-Wetter-App, weil sie Daten von «The Weather Channel» verwendet und in der Schweiz ein No-Go ist.

Ein Hoch auf diese drei Wetter-Apps

Die wertvollsten Informationen können übrigens in den Lauftexten des «Wetterberichts» in den Apps von MeteoSchweiz und SRF Meteo gefunden werden. Diese Texte werden von erfahrenen Meteorologen verfasst und mehrmals täglich aktualisiert. Diese Berichte schildern den Wetterablauf der nächsten Tage detailliert und geben einen viel besseren Überblick als einfache Sonne-Wolken-Regen-Symbole. Im Ausland geben die Punktprognosen von «WeatherPro» einen guten Überblick. Die Apps «MeteoSwiss», «SRF Meteo» und «WeatherPro» gehören deshalb auf jedes Smartphone.

 

SRF Meteo

Die App von SRF Meteo bringt die landesweit bekannten Wolken-animationen vom Fernsehen auf die Smartphones. Die App verfügt über einen von Meteo-rologen verfassten Wetterbericht und weltweite Orts-prognosen. Die Lokalprognosen in der Schweiz basieren auf einem hochaufgelösten Wettermodell speziell für Mitteleuropa. Mehrmals täglich werden Beiträge im Blog namens «Meteo-News» auf der App veröffentlicht.

Meine Erfahrung:

Intuitive Bedienung mit Glamour-Effekt. Die Expertise der Meteorologen kommt mit den standardisierten Ortsprognosen und den knappen Wetterberichten zu kurz.

Radar unterscheidet zwischen Regen und Schnee, Wetterbericht von Meteorologen, Saisonspezials wie Schneekarten.

Wenig detaillierter Wetterbericht, Grafiken wirken etwas überladen, keine Stationsmesswerte.

Bewertung:

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MeteoSwiss

Die offizielle App des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz besticht durch ihre individualisierbaren Darstellungs-möglichkeiten. Neben einem detaillierten Wetterbericht für die nächsten fünf Tage und einem Ausblick auf die Tage 6 und 7 ist auch ein Trend für die nächsten 14 Tage in Textform enthalten. Die Wetterprognosen und die Radarprognose stammen von einem hochaufgelösten Wettervorhersage-modell speziell für den Alpenraum.

Meine Erfahrung:

Den Wetterbericht und die Blogbeiträge lese ich jeden Tag. Im Sommer vertraue ich auf den Niederschlagsradar der MeteoSchweiz App.

Wetterbericht von Meteorologen, Radarprognose, zahlreiche Messwerte, intuitive Bedienung.

Im Ausland unbrauchbar, Radar unterscheidet nicht zwischen Regen und Schnee, keine Klimadaten zugänglich.

Bewertung:

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WeatherPro

Bei der Wetter-App «WeatherPro» von MeteoGroup stehen automatisierte Punktprognosen im Zentrum. Und genau darauf, hat sich MeteoGroup unter anderem spezialisiert. Die Prognosen von «WeatherPro» werden von amerikanischen und europäischen Modellen gefüttert und mit statistischen Verfahren, sogenannten Model Output Statistics (MOS) auf die lokalen Gegebenheiten angepasst. Damit gelingen weltweit verlässliche Prognosen.

Meine Erfahrung:

Ob in der Schweiz oder im Ausland: für eine einfache Lokalprognose nutze ich immer «WeatherPro». Wetterberichte von Meteorologen suche ich hier aber vergebens.

Weltweite Lokalprognosen, hohe Prognosegüte, einfaches und anschauliches Design.

Kein Wetterbericht von Meteorologen, Kein verlässlicher Radar für die Schweiz, exklusive Inhalte der Premium-Version.

Bewertung:

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meteoblue

Die App von meteoblue, einem Spin-off der Universität Basel, liefert weltweit ortsgenaue Wetterinformationen in hoher Qualität. Dafür verfolgt meteoblue einen sogenannten Ensemble-Ansatz und kombiniert und gewichtet verschiedene Wettermodelle miteinander, um daraus eine präzise Ortsprognose abzuleiten. Mit «Where2Go» bietet die App die einzigartige Möglichkeit, das beste Wetter für die nächsten Tage in einem Umkreis von z.B. 30 km zu finden.

Meine Erfahrung:

Seine Hochschulherkunft kann die App von meteoblue kaum verbergen. Vieles wirkt akademisch und detailverliebt. Wer genau das sucht, kommt mit meteoblue voll auf seine Kosten.

Weltweite Lokalprognosen auf Land und See, zahlreiche Wettermodelle, Where2Go, europäische Wind-Strömungsanimation.

Inhalte (z.B. Meteogramme) nicht Smartphone-optimiert, kein Wetterbericht von Meteorologen, Radar zu kompliziert.

Bewertung:

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MeteoNews

Die App von MeteoNews gibt es als einzige nur in der Bezahlversion. Für den Download sind 4 Franken fällig. Die App liefert Wetterprognosen und aktuelle Messwerte für Ortschaften in der Schweiz und Frankreich sowie für zahlreiche Orte weltweit. Die App liefert zudem Wintersportberichte der relevanten Skiorte und die Wassertemperaturen von Seen, Flüssen und Freibädern in der Schweiz und von Stränden in Feriendestinationen.

Meine Erfahrung:

Die App von MeteoNews macht einen veralteten und verstaubten Eindruck. Die letzte Aktualisierung muss Jahre zurückliegen. Der Kaufpreis von 4 Franken ist nicht gerechtfertigt.

Wassertemperaturen und Wintersportberichte, aktuelle und vergangene Messwerte, Webcams.

Unübersichtlich, veraltetes Design, geringer Funktionsumfang, nur in der Bezahlversion erhältlich.

Bewertung:

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Wetter Alarm

Der «Wetter Alarm» war eine der ersten Wetter-Apps der Schweiz. Heute wird sie von den kantonalen Gebäude-versicherungen und der Helvetia Versicherung betrieben. Die Wetterdaten werden von SRF Meteo geliefert. «Wetter Alarm» informiert per App und Push-Nachrichten über aufkommende Unwetter in der Schweiz. Zudem können Ortsprognosen der kommenden 5 Tage für die ganze Schweiz abgerufen werden.

Meine Erfahrung:

In Punkto Design und Übersicht gibt der «Wetter Alarm» den Takt vor. Im Sommer hilft der exklusive Blitzradar beim Beobachten von Gewittern.

Schönes, intuitives Design, Blitzradar, Pegelstände, Informationen zu Gewässern, Push-Mitteilungen vor Unwettern.

Kein Wetterbericht von Meteorologen, im Ausland unbrauchbar, keine aktuellen Wetterdaten.

Bewertung:

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Bei welcher Wetter-App herrscht eitler Sonnenschein?

Rekordwärme in der ersten Frühlingshälfte

Der Frühling 2017 ist bisher so warm wie nie seit Messbeginn. Nur drei Jahre, respektive sechs Jahre nach den letzten beiden Rekordfrühlingen. Ob auch die zweite Frühlingshälfte warm verläuft, bleibt aber ein Geheimnis.

Die Geschichte wiederholt sich bekanntlich. Und so ist es auch mit dem Frühlingswetter. Dieses ist heuer, drei Jahre nach dem letzten Rekordfrühling, so warm wie noch nie seit mehr als 100 Jahren. In der Meteorologie dauert der Frühling vom 1. März bis zum 31. Mai. Es ist also bereits Frühlings-Halbzeit. Und diese erste Halbzeit brachte in Zürich mehr Frühling, als in vielen Jahren überhaupt der ganze Frühling im Stand war. Die Lufttemperatur erreichte in der Periode vom 1. März bis 15. April auf dem Zürichberg einen Durchschnitt von 9,4 Grad. Die erste Frühlingshälfte war damit um deutliche 3,4 Grad übertemperiert, verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Zürich erlebte gleichzeitig auch die wärmste erste Frühlingshälfte seit mindestens Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Temperaturniveau ist dem Kalender rund ein Monat voraus. Und das begann nicht erst im März – bereits der Februar war so mild wie ein Märzmonat. Der März brachte dann durchwegs Apriltemperaturen und in der ersten Aprilhälfte erreichte das Thermometer bereits „Maiwärme“. Die erste Frühlingshälfte 2017 war mit 9,4 Grad sogar wärmer als das langjährige Mittel des Gesamtfrühlings – also die Periode März bis Mai – welches zwischen 1981-2010 9,1 Grad vorweist. Dies erstaunt umso mehr, da die zweite Frühlingshälfte (16. April bis 31. Mai) normalerweise deutlich wärmer ausfällt als die erste (1. März bis 15. April). Dieser Vergleich bringt zutage, wie markant die diesjährige Temperaturanomalie ist.

Die erste Frühlingshälfte (1. März-15. April) war heuer mit durchschnittlich 9,4 Grad in Zürich so warm wie nie zuvor seit Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Top 5

So warm wie 2017 war die erste Frühlingshalbzeit noch nie, umso erstaunlicher erscheint die Tatsache, dass erst das Jahr 2014 und davor 2011 ähnlich hohe Temperaturen in der ersten Frühlingshälfte hervorbrachten. Es scheint als wollen sich die Rekordfrühlinge im 3-Jahres-Rythmthmus wiederholen. Die ersten Frühlingshalbzeiten in den Jahren 2011 und 2014 waren praktisch identisch zum diesjährigen Rekord. Wie heuer war die Periode vom 1. März bis 15. April durch Trockenheit und sehr viel Sonnenschein geprägt. Am trockensten und sonnigsten war es 2011. Damals fiel in dieser Periode nur gerade 37 Liter Regen pro Quadratmeter und die Sonne strahlte 316 Stunden über Zürich. Vor drei Jahren wie auch 2017 waren es immerhin rund 50 Liter Regen, gleichzeitig gab es etwas mehr als 300 Sonnenstunden. Temperaturtechnisch können die Vorjahre der aktuellen Anomalie das Wasser nicht reichen. So erreichte die erste Frühlingshälfte 2011 eine mittlere Lufttemperatur von 8,5 Grad, 2014 waren es 8,8 Grad. Damit gehören sie alle in die Top 5 der wärmsten seit mindestens 1901. Die 2.-wärmste erste Frühlingshälfte wird im Jahr 1981 gefunden. Damals erreichte die Durchschnittstemperatur 9,1 Grad. Jedoch fiel damals in der gleichen Periode mehr als doppelt so viel Regen verglichen mit 2017, und die Sonne schien mehr als 100 Stunden weniger häufig. Es war mehrfach bewölkt. Dies zeigte sich auch in den sehr milden Nächten. So sank das Thermometer 1981 in den Nächten jeweils nur auf 5,3 Grad. 2017 waren die Nächte in der ersten Frühlingshalbzeit mit durchschnittlich 4,4 Grad deutlich kühler, was ein Zeichen dafür ist, dass die Nächte häufig klar und die Tage anschliessend sonnig verliefen. Ebenfalls sehr mild zeigte sich die erste Frühlingshälfte 1961, welche 8,6 Grad am Zürichberg erreichte. Auch witterungstechnisch gibt es viele Parallelen zum aktuellen Frühling. So war es auch 1961 trocken und sonnig, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt wie in diesem Jahr.

Sommer oder Schnee im Mai?

Dass eine rekordwarme erste Frühlingshälfte keine Garantie für eine weiterhin hochfrühlingshafte zweite Hälfte gibt, offenbart ebenfalls ein Blick in die Wetterbücher. Vor drei Jahren gab es in der zweiten Aprilhälfte sowie im Mai wiederholt ausgeprägte Kaltluftvorstösse. Der Mai verlief insgesamt kühl und regenreich. Auch 1981 kehrte das Wetter in der zweiten Frühlingshalbzeit. Die zweite Aprilhälfte war sehr kühl – respektive nochmals spätwinterlich. Im Mai 1981 folgte ein ständiges Auf und Ab. Noch extremer verlief der Frühling 1961, als nach der sehr milden ersten Frühlingshälfte ein ausserordentlich kalter Mai folgte. Der Mai war sogar kühler als der vorangegangene April und am 28. Mai gab es sogar nochmals messbaren Schnee in Zürich. Es war bis heute der späteste Schneefall in Zürich seit Messbeginn 1931. Ganz anders verlief die zweite Frühlingshälfte 2011, welche der ersten Hälfte nacheiferte. Der einmonatige Temperaturvorsprung blieb erhalten und so war der Mai 2011 so warm wie ein durchschnittlicher Juni und die Trockenheit setzte sich fort. Dem Frühling 2017 kann nun also die Gretchenfrage gestellt werden.

Kälteeinbruch zur Monatsmitte (Ostern 2017)

Von rekordwarm zu fast rekordkalt in nur einer Woche.
Rekordwärme in der ersten Frühlingshälfte

Der Frühling kommt zwei Wochen früher

Der Frühling kommt in Folge des Klimawandels immer früher und mit ihm seine Boten in Flora und Fauna.

Der erste meteorologische Frühlingsmonat, der März, ist bereits weit fortgeschritten. Bisher war der März deutlich zu mild. Ursache für die milde Witterung war hauptsächlich eine dominierende Westwetterlage, bei welcher Tiefdruckgebiete in schneller Abfolge vom Atlantik kommend über Skandinavien zogen. Mitteleuropa wurde dabei aus Südwesten mit milder Subtropenluft bedient. Wintereinbrüche, wie sie sonst im März vorkommen können, blieben daher aus. Mitte März stellte sich eine über mehrere Tage anhaltende Hochdrucklage ein, welche für viel Sonnenschein und sehr milde Temperaturen sorgte. Das Wochenmittel (Durchschnitt aller Temperaturmessungen während sieben Tagen, Tag und Nacht) stieg daher das erste Mal in diesem Jahr über 8 Grad.

 

Start der Feldarbeit

Im Durchschnitt der Jahre seit 1991 lag das Wochenmittel Mitte März bei 6,3 Grad. Der Frühling 2017 ist verglichen damit bisher 2 Grad wärmer. Im Durchschnitt der Jahre 1961-1990 erreichte das Wochenmittel Mitte März erst 4.2 Grad. Bei diesem Vergleich ist der diesjährige Frühlingsbeginn sogar 4 Grad übertemperiert. So erstaunt es kaum, dass um den 20. März die Grünlandtemperatursumme bereits die magische Grenze von 200 erreichte – so dass der nachhaltige Vegetationsbeginn eingeläutet wurde. Die Grünlandtemperatursumme ist eine Spezialform der Wachstumsgradtage, die in der Agrometeorologie verwendet wird. Sie wird herangezogen, um in Mitteleuropa den Termin für das Einsetzen der Feldarbeit nach dem Winter zu bestimmen.

 

Frühling in drei Akten

Das Erreichen der Grünlandtemperatursumme von 200 gilt als Übergang vom Vorfrühling zum Erstfrühling (auch Mittfrühling). Die erste Phase des Frühlings, der Vorfrühling, startet bereits im Januar – häufiger im Februar oder Anfang März – mit der Blüte der Hasel, Erle und Schneeglöckchen. Als zweite Frühlingsphase folgt der Erstfrühling, gekennzeichnet durch die Blüte der Forsythie (ab einer Grünlandtemperatursumme von 200), der Blattentfaltung von Johannisbeere und später mit der Blüte von Kirsche und Birne. Die Wiesen ergrünen und die Birke setzt ihre Pollen frei, bevor sie, wie auch die Rosskastanie, austreibt. Der Blühbeginn der Birke ist heuer in Zürich auf den 24. März prognostiziert – aufgrund der milden Witterung rund 11 Tage früher als üblicherweise. Die Bauern beginnen mit dem Setzen von Kartoffeln und der Aussaat der Zuckerrüben. Die letzte Phase des Frühlings wird Vollfrühling genannt und präsentiert die Blüte des Flieders und später der Himbeere. Der Vollfrühling startet meist Ende Februar im Südwesten von Portugal und erreicht etwa 90 Tage später(Ende Mai) das etwa 3’600 km entfernte Finnland. Er zieht in Europa also mit etwa 40 km pro Tag nordwärts.

 

Frühlingsboten

Wie in der Flora gibt es auch in der Fauna typische Frühlingsboten. Sobald im März die Sonne die Luft genügend erwärmt, trauen sich erste Insekten heraus. So ist der Marienkäfer ein typischer Bote des Frühlings. Sobald die Märznächte nicht mehr frostig sind und die Bodentemperatur über 5 Grad steigt, beginnt der Wanderzug der Kröten, Frösche und Molche zu einem nahe gelegenen stehenden Gewässer, um zu laichen. Vor allem regnerisches Wetter beschleunigt das Wanderverhalten. Bei Bodenfrost wird die Wanderung unterbrochen und die Tiere graben sich wieder ein. Zum Schutz der Tiere sind an gut frequentierten Strassen deshalb jetzt wieder Krötenzäune aufgestellt. Zugvögel sind weitere Frühlingsboten. Dabei richten sich die verschiedenen Arten nach einem klaren Zeitplan. Star und Bachstelze künden den Vorfrühling an, Mauersegler und Nachtigall kehren häufig in der zweiten Aprilhälfte – also im Vollfrühling zurück.

„Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“. Das Sprichwort deutet an, dass auch innerhalb einer Art nicht alle Individuen gleichzeitig heimkehren, wie die Vogelwarte Sempach berichtet. Die ersten Rauchschwalben werden häufig bereits um den 20. März gesichtet, der Hauptharst in der ersten Aprilhälfte und die letzten erst Ende Mai. Bei vielen Arten treffen die Männchen mehrere Tage vor den Weibchen ein, um einen guten Brutplatz zu ergattern.

Frühlingsindex als Mass für die Vegetationsentwicklung; dunkelgrüne Jahre mit späterer, hellgrüne Jahre mit früherer Vegetationsentwicklung; gelb das 5-jährige gewichtete Mittel.
(Grafik: MeteoSchweiz)

Frühlingsindex

Die MeteoSchweiz „vermisst“ mit Hilfe von zahlreichen freiwilligen Beobachtern den Frühling jährlich höchst wissenschaftlich im Rahmen des Frühlingsindex. Dieser zeigt den Zeitpunkt der Vegetationsentwicklung im Frühling im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt. Der jährlich ermittelte Index fasst die phänologischen Frühlingsphasen zusammen. Da die Temperatur für die Entwicklung der Pflanzen ein zentraler Faktor ist, eignet sich der Frühlingsindex als Mass für die Auswirkungen des Klimawandels auf die Vegetation. Der Frühlingsindex wird anhand von zehn verschiedenen phänologischen Frühlingserscheinungen ermittelt und jeweils Ende Mai berechnet. Darin fliessen die Beobachtungen ein, die im betreffenden Jahr an rund 80 Stationen in der Schweiz erfasst werden. Der Index zeigt so beispielsweise, dass sich die Vegetation im Jahr 2016 im Frühling früher als im Mittel entwickelte. Im Januar und Februar betrug der Vorsprung der Vegetation drei bis vier Wochen. Kälteeinbrüche verkleinerten den Vorsprung im März und April auf etwa eine Woche und im Mai lag die Vegetationsentwicklung ungefähr im Durchschnitt, wie MeteoSchweiz schreibt.

Das Datum, an dem das Wochenmittel der Temperatur in Zürich über 12 Grad klettert hat sich seit 1991 deutlich nach vorne verschoben. Zuvor war dies rund 90 Jahre lang um den 12. Mai der Fall, heutzutage bereits am 26. April.

Früher Frühling

Ein früher Frühlingsbeginn wie im vergangenen und heuer wieder im aktuellen Jahr sind in den letzten Jahren immer häufiger aufgetreten. Es ist eine direkte Folge des globalen Temperaturanstiegs, welcher auch die Frühlingstemperaturen in der Schweiz deutlich nach oben hievt. Ein Blick auf die Frühlingstemperaturen in Zürich seit 1901 zeigt, dass der Frühling heutzutage immer früher kommt. In der 30-jährigen Periode 1901-1930 überstieg das Wochenmittel erstmals Mitte Mai die 12-Grad-Grenze. Im Zeitraum 1931-1960 war dies im Durchschnitt vier Tage früher, am 10. Mai der Fall. Zwischen 1961-1990 dann jedoch wieder am 13. Mai. Die historischen Wetterdaten zeigen, dass während rund 90 Jahren die 12-Grad-Grenze im Frühling recht konstant jeweils zwischen dem 10.-14. Mai überschritten wurde. In den 26 Jahren seit 1991 zeigt sich ein ganz anderes Bild. Das Wochenmittel überschreitet seither bereits am 26. April die 12-Grad-Grenze – mehr als zwei Wochen früher als noch in der Periode zwischen 1961-1990!

Der Frühling kommt zwei Wochen früher

Februarfrühling

Milde Temperaturen in Zürich, Rekordtemperaturen auf Island und rekordtiefe Ausdehnung des Meereises an beiden Polen des Planeten. Der Februar 2017 spürt den Frühling. Eine Bestandesaufnahme von Pol zu Pol.

Frühlingsgefühle im Februar? Zwischen dem 14.-17. Februar stiegen die Temperaturen auf ungewöhnlich milde Werte für Mitte Februar. Mit fast 17 Grad in Chur, 16 Grad im Wallis und rund 14 Grad im Flachland kamen zweifelsfrei erste Frühlingsgefühle auf. Allgemein begann der Februar 2017 nach dem hochwinterlichen Januar ein neues Kapitel. In einer Westwindströmung gelangte während der ersten Februarwoche sehr milde und feuchte Atlantikluft nach Mitteleuropa. Die Temperaturen lagen 3 bis 5 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. In der Folge baute sich über dem Nordostatlantik ein kräftiges Hochdruckgebiet auf, welches die Westwindzirkulation abermals diesen Winter blockierte. Das Hoch führte an der Ostflanke zu Beginn wieder etwas kältere Luft nach Mitteleuropa, verlagerte seinen Kern dann aber rasch nach Südosten, so dass hochdruckbestimmtes Wetter auch Mitteleuropa dominierte. In der schon kräftigen Februarsonne bedeutete dies Sonnenschein und bis zu 10 Grad Höchsttemperaturen. In der Folge wurde die Witterung wieder stärker zonal und damit unbeständiger, nicht aber kälter, so dass sich insgesamt ein milder Februar abzeichnet. Es steht also ausser Frage, dass der Februar den Frühling spürt.

Ein kalter Januar gefolgt von einem milden Februar. Diese Konstellation kommt in der Schweiz relativ selten vor. In der über 150-jährigen Messreihe von MeteoSchweiz sind nur acht solche Jahre zu finden. Letztmals 1997. Häufiger folgt auf einen kalten Januar auch ein kalter Februar, wie zum Beispiel in den Jahren 2006, 2009 und 2010, oder auf einen milden Januar ein kalter Februar. Auch der zweite Fall ist in Mitteleuropa aus den letzten Jahren bestens bekannt, wie die Jahre 2012, 2013 und 2015 illustrieren.

Blühbeginn

Bei dieser Februarmilde erstaunt es nicht, dass auch die Frühblüher Hasel und Erle den nahen Frühling spüren. Pollengeplagte juckt es bereits wieder in der Nase. Der Blühbeginn der Hasel fand am 16. Februar statt – jener der Erle ist auf den 23. Februar prognostiziert. In der Westschweiz blühen die Erlen aber bereits seit einer knappen Woche, so dass bei geeigneten Windverhältnissen auch in Zürich schon mässige Pollenkonzentrationen auftreten können. Blühende Hasel- und Erlengewächse sind für Mitte Februar aber keinesfalls aussergewöhnlich. Im Gegenteil: Der diesjährige Blühbeginn in Zürich ist sogar zwei Wochen nach Termin. Grund dafür war der sehr kalte Januar – die Vegetation verharrte den ganzen Monat über in der Winterruhe. In den letzten Jahren, als der Januar regelmässig mit ungewöhnlicher Wärme auftrumpfte, konnte der Blühbeginn von Hasel und Erle vielfach bereits im Januar verzeichnet werden.

Gesamte Meereisbedeckung am Nord- und Südpol. Der jährliche Verlauf wird geprägt durch die Ausdehnung und den Rückzug des Meereises an beiden Polen. Aufgrund der gegensätzlichen Jahreszeiten und der grösseren Eismassen am Südpol zeigt sich das charakteristische Muster mit zwei Spitzen im Juni und November. Seit September 2016 zeichnet sich eine dramatische Entwicklung der globalen Meereisbedeckung ab: so wenig Meereis wie aktuell gab seit Beobachtungsbeginn 1979 noch nie.

Eisschmelze im Winter

Nicht nur das lokale, auch das globale Wetter spielt weiterhin verrückt. Am deutlichsten zeigt sich das zurzeit an den beiden Polen der Erde. Am Nordpol, nördlich des 80. Breitengrades, gab es seit Dezember 2015 keinen einzigen Tag während der Polarnacht (Oktober bis März) mehr, welcher kälter war verglichen mit dem langjährigen Mittel der Jahre 1958-2002. Seit Herbst 2016 erlebte die Arktis bereits vier winterliche „Hitzewellen“ mit Temperaturen, die bis zu 20 Grad über dem Durchschnitt lagen. Das wäre, wie wenn es in der Schweiz mitten im Januar 25 Grad werden würde. Für die Nordpolregion bedeutet dies -10 anstatt -30 Grad. Lokal kann dies jedoch ein krasses Ausmass annehmen. So wurde am 12. Februar in Eyjabakkar, im Osten von Island, eine Höchsttemperatur von frühlingshaften 19,1 Grad gemessen. Die konstante Wärme am Nordpol hat zur Folge, dass sich das Meereis in der Arktis viel langsamer ausdehnt als in anderen Jahren. Im Januar und Februar wurden neue Negativrekorde der Meereisbedeckung beobachtet. Obwohl sich das Eis normalerweise noch bis Mitte März weiter ausdehnt, gab es Mitte Februar sogar schon einzelne Tage mit einem Netto-Eisverlust. Eisschmelze mitten im Winter ist schon sehr aussergewöhnlich. Es scheint klar zu sein: Die Arktis spürt bereits den Frühling.

Zweiter Frühling in der Antarktis

Das Meereis fehlt in diesem Februar aber nicht nur am Nordpol, sondern auch am Südpol in der Antarktis. Am Südpol wird in rund einem Monat das jährliche Meereis-Minimum erwartet, denn es ist zurzeit Sommer auf der Südhemisphäre. Doch dieses Jahr zog sich das Meereis deutlich stärker zurück als in den Jahren zuvor. Blieb das Meereis in den letzten Jahren erstaunlich konstant, respektive war es in einigen Jahren sogar überdurchschnittlich, so beschleunigte sich das Abschmelzen in den letzten zwei Jahren umso schneller. Der bereits 2016 beobachtete starke Rückzug setzt sich nun auch 2017 fort. Noch nie seit Beobachtungsbeginn der Meereisbedeckung in der Antarktis 1979 gab es im Januar und Februar so wenig Meereis. Kein Zweifel: Die Antarktis erlebt ihren zweiten Frühling. Zwei Negativrekorde in der Meereisbedeckung an beiden Polen der Erde. Das heisst, dass global noch nie seit 1979 so wenig Meereis unseren Planeten bedeckte wie zurzeit. Mitte Februar waren nur noch etwas mehr als 13,5 Millionen Quadratkilometer mit Meereis bedeckt. Dieser neue Negativrekord unterschreitet den alten Rekordwert um beinahe 1 Million Quadratkilometer! Im langjährigen Durchschnitt dehnt sich das Meereis im Februar global auf 15,5 Millionen Quadratkilometer aus. Aktuell ist die von Meereis bedeckte Fläche also rund 13% kleiner als üblicherweise zu dieser Jahreszeit.

Es scheint, als ob alle den Frühling spüren würden. Doch ein milder Februar macht noch lange keinen Frühling. Der Winter dürfte zwar überstanden sein, denn ab Ende Februar startet der Frühling normalerweise mit seinem Temperaturanstieg, welcher bis im Juli oder August anhält. Dieser Temperaturanstieg verläuft aber keinesfalls linear. Viel eher ist es ein treppenartiger Anstieg der Temperaturen mit Perioden der starken Erwärmung gefolgt von kurzen Kälterückfällen. Die steilsten Temperaturanstiege brachten in den letzten Jahren jeweils die Perioden Mitte und Ende März, Ende April und Ende Mai.

Februarfrühling

Kalter aber kein eisiger Januar

Mitteleuropa, die Schweiz und Zürich erlebten einen der kältesten Januarmonate seit 30 Jahren. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von minus 3 Grad war der Januar am Zürichberg mehr als drei Grad kälter gegenüber der Referenzperiode 1981-2010.

Der Januar 2017 gehört zu den 30 kältesten seit Messbeginn 1864. Damit passt er so gar nicht ins Bild der letzten Jahre. Denn es war der erste unterkühlte Jänner seit sieben Jahren. Letztmals kälter war der erste Monat des Jahres in Zürich 1987 mit minus 4,3 und 1985 mit minus 5,4 Grad durchschnittlicher Lufttemperatur. Auch wenn wir schlotterten, der Januar 2017 ist auch in jüngerer Zeit nicht das Mass aller Dinge, wie MeteoSchweiz schreibt. Vor nur fünf Jahren brachte der Februar 2012 in Zürich mit minus 3,5 Grad noch tiefere Temperaturen.

Selbstgemachte Eistage

Zustande kam die Januarkälte 2017 durch winterliche Hochdruckgebiete. Wie schon im Dezember war auch der Januar geprägt von hohem Luftdruck. Es handelte sich aber nicht um klassische winterliche Sibirienhochs, sondern um eine mitteleuropäische Eigenproduktion. Während Sibirienhochs ganz Europa eisiges Wetter bringen, liegen bei Hochs über Mitteleuropa die nördlichen Teile Europas, vor allem die skandinavischen Länder, häufig in einer etwas milderen westlichen Strömung, Mitteleuropa dagegen bekommt Luft aus dem Osten, respektive produziert seine Kaltluft unter der Schirmherrschaft des Hochs selbst. Diese bodennahe Kaltluftproduktion hat sich schon während der winterlichen Hochs im Dezember 2016 abgezeichnet, verstärkte sich durch das Einfliessen arktischer Luftmassen im Januar aber entscheidend. So war der Dezember 2016 erst leicht unterkühlt. Ein entscheidender Unterschied war auch in der Schneedecke auszumachen. Während der Dezember aufgrund fehlender Niederschläge schneefrei über die Bühne ging, blieben die spärlichen Schneefälle von Anfang Januar in der Folge den ganzen Monat über liegen. Erst mit einer Schneedecke wird die mitteleuropäische Kältemaschine dann auch richtig effizient. So wurden im Januar 2017 in Zürich 18 Tage mit Dauerfrost, sogenannte Eistage, registriert. Also Tage, an denen die Lufttemperatur ganztags unter null Grad verharrte. Damit gehört der Januar 2017 zu den 15 eisigsten Januarmonaten seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Letztmals mehr Dauerfrost brachte der Januar 1997 mit insgesamt 19 Eistagen.

Die längsten Kältewellen erlebte Zürich im Winter 1916/17 und 1996/97 mit 25, respektive 24 Tagen Dauerfrost ohne Unterbruch.

Kältewelle in Zahlen

Die Anzahl Eistage gibt Aufschluss über die Konstanz eines winterlichen Monats. Doch die zeitliche Abgrenzung der eigentlichen Kältewelle stimmt nicht mit dem kalendarischen Monatsanfang und -ende überein.

Genau genommen erlebte Zürich zwei aufeinanderfolgende Kältewellen. Die erste startete am 30. Dezember und dauerte knapp zwei Wochen bis zum 10. Januar. Nach einer kurzen Verschnaufpause mit Temperaturen bis 5 Grad und Westwind, brach gleich die zweite, die intensivere Kältewelle über Mitteleuropa herein. Sie dauerte vom 14.-26. Januar. Während dieser Periode herrschte anhaltender Dauerfrost. Es konnten also 13 zusammenhängende Eistage beobachtet werden. Die Anzahl zusammenhängender Eistage gibt somit Aufschluss über die Länge einer Kältewelle. Letztmals länger dauerte eine Kältewelle im Februar 2012 mit 16 Tagen Dauerfrost. Die Kältewelle im Januar 2017 gehört aber zu den 17 längsten seit 1901.

Die Intensität einer Kältewelle lässt sich mit einem weiteren Indikator ausdrücken. Mit dem Temperaturdurchschnitt über 14 aneinanderfolgende Tage.

Gemittelt über 14 Tage sank die Temperatur in Zürich während der zweiten Kältewelle im Januar 2017 auf minus 5,4 Grad. Damit war die diesjährige Kältewelle nicht wirklich aussergewöhnlich. Im langjährigen Durchschnitt seit 1901 treten Kältewellen in gleicher oder höherer Intensität sogar alle 3 bis 4 Jahre auf. Die Kältewelle im Februar 2012 erreichte mit minus 9,9 Grad einen spürbar tieferen Wert.

Die diesjährige Kältewelle im Januar 2017 war die intensivste und längste seit Februar 2012. Im langjährigen Vergleich hebt sie sich am ehesten über ihre Länge, keinesfalls jedoch über ihre Intensität von anderen ab.

Harter Winter?

Für Aufsehen sorgte vor allem das tiefe Januarmonatsmittel der Temperatur, welche durch die rasche Abfolge von zwei rund zweiwöchigen Kältewellen zustande kam, so dass der Januar 2017 praktisch durchgehend kalt aber nie richtig eisigkalt war. Zusammen mit dem schon recht kalten Dezember ist der Winter 2016/17 in Zürich bisher recht hart. Dies zeigt sich eindrücklich in der Summe aller negativen Tagesmitteltemperaturen im bisherigen Winter. Meteorologen sprechen von der Kältesumme eines Winters. Am 31. Januar liegt sie im langjährigen Durchschnitt bei minus 108. Heuer lag die Kältesumme an diesem Datum bereits bei minus 130. Zum Vergleich: Vor einem Jahr stand die Kältesumme am 31. Januar nach anhaltender Winterwärme bei rekordverdächtigen minus 17. Der Winterverlauf kann Ende Januar aber auch richtig hart sein. So lag die Kältesumme Ende Januar 1963 schon bei minus 355, 1941 zumindest bei minus 293.

Mit dem Monatswechsel in den Februar kam der Wetterumschwung. Zum ersten Mal diesen Winter konnte sich der mildernde Westwind für mehrere Tage in Folge etablieren und führte laue aber auch sehr feuchte Luftmassen nach Mitteleuropa. Nach einer zweieinhalbmonatigen Trockenperiode fiel vom 30. Januar bis zum 1. Februar in Zürich innert kurzer Zeit so viel Niederschlag wie üblicherweise im ganzen Monat zu erwarten wäre. Die Temperaturen sprangen in die Höhe. In Zürich gab es Anfang Februar knapp 10, in Genf sogar 15 Grad. So kamen schon fast leise Frühlingsgefühle auf.

Ob sich der Winter von diesem Rückschlag nochmals erholen kann, muss sich zeigen. Was sich sagen lässt, ist, dass in den letzten vier Jahrzehnten massive Kältewellen aus unserem Winterklima fast verschwunden sind.

Kalter aber kein eisiger Januar

Blockiertes Winterwetter

Obwohl das Jahr 2016 global erneut das wärmste seit Messbeginn war, verläuft der diesjährige Winter in Europa äusserst hart. Europa wurde im Januar gleich von zwei Kältewellen heimgesucht. Mitverantwortlich sind blockierte Wetterlagen und möglicherweise die viel zu warme Arktis.

Die globale Erwärmung hat nach 2014 und 2015 auch im vergangenen Jahr 2016 ein Ausrufezeichen gesetzt. Nachdem bereits die beiden Vorjahre jeweils die global wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen waren, setzte 2016 abermals einen neuen Rekord. Dies geht aus drei unabhängigen Datensätzen der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA, der US-Klimabehörde NOAA und des britischen Klimadienstes MetOffice zusammen mit der Universität von East Anglia (UEA) hervor. Während die NASA mit Satelliten die Erdatmosphäre aus dem Weltall beobachtet und misst, aggregieren NOAA und die Datenreihe HadCRUT4 (MetOffice mit UEA) mit unzählige Messdaten von Bodenwetterstationen, Bojen, Schiffen, usw., um die durchschnittliche Temperatur der Land- und Ozeanoberflächen zu bestimmen. Trotz unterschiedlicher Herangehensweise kommen alle zum gleichen Schluss: 2016 war 1,1 Grad wärmer (gegenüber der Periode 1850-1990) und damit erneut das wärmste Jahr mindestens seit den 1850er Jahren. Am extremsten waren die Abweichungen in der Arktis rund um Spitzbergen, wo das vergangene Jahr rund 8 Grad wärmer war gegenüber der Referenzperiode 1981-2010! Zum Vergleich: in der Schweiz war 2016 „lediglich“ 0,7 Grad milder und gehörte trotzdem zu den zehn wärmsten Jahren seit 1864.

Blockiertes Strömungsmuster und Abweichung der Lufttemperatur gegenüber 1981-2010 vom 12.-18. Januar 2017. Kartenmaterial: www.karstenhaustein.com/climate

Extrem warme Arktis

Die grössten Temperaturüberschüsse in der Nordpolarregion zeigten sich vor allem zwischen Oktober und Dezember. Und auch im noch jungen neuen Jahr war die Arktis gebietsweise 20 Grad wärmer als üblicherweise in dieser Jahreszeit. Inmitten der Polarnacht steigen die Temperaturen zeitweise sogar über den Gefrierpunkt. Die Folgen: das Meereis dehnt sich viel weniger rasch aus und bedeckt deutlich geringere Flächen als normalerweise. Dies hat weitreichende Auswirkungen auf die Strömung auf der Nordhemisphäre. Möglicherweise zeigt der Jetstream, das Starkwindband in rund 10-15 km Höhe, kräftigere Ausschläge mit grossen Trögen bis weit in den Süden. Die warme, eisfreie Arktis wirkt wie eine Pumpe, welche die kalte Luft in die mittleren Breiten (Eurasien, Nordamerika) presst. Bleiben diese Ausschläge über längere Zeit bestehen, sprechen Meteorologen von einem „Blocking“. Dies führt zu extremen und langanhaltenden Wetteranomalien.

Extremer Winter

Ein solches Blocking erlebte die Schweiz mit dem anhaltenden Hochdruckwetter zwischen Ende November und Ende Dezember, als während 43 Tagen keine Niederschläge fielen und die Temperaturen in der Höhe rund 5 Grad übertemperiert waren. Mit dem Jahreswechsel kam der Wetterwechsel. Am 5. Januar steuerte ein umfangreiches Tiefdruckgebiet über Skandinavien aus Nordwesten feuchte und kalte Schneeluft nach Mitteleuropa. Es war der erste Polarluftausbruch des Winters. Die Winde drehten auf Nordosten und führten eisige Luft in die Schweiz. Nach einer klaren Nacht war es am Morgen des 7. Januars bitterkalt. Mit -14,6 Grad in Zürich-Witikon war es die kälteste Nacht seit 5 Jahren. In der Folge erwachte der Atlantik aus dem Winterschlaf, liess die Westwinde für einmal wehen und schickte eine Kostprobe nach Europa. Westlich der Bretagne entwickelte sich das Sturmtief Egon, welches am 12. Januar über Europa brauste. Egon brachte nur eine kurzfristige Milderung. Zu kleinräumig war das Sturmtief, um die Kaltluft nachhaltig aus dem Lande zu räumen. Das Sturmtief war ein Ausreisser und der Westwind versiegte wieder. Die Strömung war daraufhin erneut meridional und dadurch geprägt von grossen Trögen nach Süden und Rücken nach Norden. So erstaunte es nicht, dass ab dem 14. Januar aus Osten der zweite Kaltluftvorstoss erfolgte.

Hoch über Tief

Die zweite Kältewelle im Januar 2017, welche am 14. Januar einsetzte, war besonders langlebig. Erneut war ein Blocking verantwortlich für die Ausdauer. Genauer spezifiziert handelte es sich um ein „High-over-Low-Blocking“. Diese Art von Blocking entsteht, wenn sich ein Hochdruckgebiet (High) von den Britischen Inseln bis nach Russland erstreckt und gleichzeitig ein Tiefdruckgebiet (Low) über dem Mittelmeer zu liegen kommt. Zu erwarten wäre die umgekehrte Situation mit einem Hochdruckgebiet im Süden über dem Mittelmeerraum und Tiefdruckgebieten im Norden bei den Britischen Inseln. Im Januar 2017 lag die Schweiz während dem High-over-Low-Blocking am Rand des Hochs im Norden, so dass mit einer markanten Bisenströmung sehr kalte Luft zur Alpennordseite gelangte.

Eine geschlossene Schneedecke von Deuschland bis in die Türkei und von der Schweiz bis nach Finnland. Quelle: http://zoz.cbk.waw.pl/

Weitere Kältewellen?

Nach dem sehr kalten Januar 2017 drängt sich die Frage auf, wie es mit dem Winter weitergehen wird. Der Pfäffikersee ist bereits eisbedeckt. Bei einem erneuten Kaltluftvorstoss im Februar würde im Kanton Zürich auch der Greifensee überfrieren. Damit Ende Februar auch der Zürichsee zugefroren wäre, müssten die kommenden 30 Tage im Schnitt eisige minus 6 Grad kalt sein. Eine Zürichseegfrörni ist auch heuer unwahrscheinlich, jedoch in diesem Winter mit blockierten Wetterlagen nicht unmöglich. In eine ganz andere Richtung tendiert die US-Klimabehörde NOAA mit ihrer Monatsprognose für Europa. Für den Februar 2017 sagen sie flächendeckend teils deutlich überdurchschnittliche Temperaturen voraus. Vor dem Hintergrund der aktuell sehr ausgedehnten Schneebedeckung in Europa ist dieser Vorhersage jedoch skeptisch gegenüber zu stehen. Nichtsdestotrotz könnte das Aufleben der Westwinde mit milder Atlantikluft den zweiten Teil des Winters noch in ganz andere Bahnen lenken.

Blockiertes Winterwetter

Winterwetter 2016/17: Längere kalte Phasen und viel Schnee?

Ein Warmwinter wie im letzten Jahr ist unwahrscheinlich. Eisig kalt wird der bevorstehende Winter aber wohl auch nicht. Dafür ist der nahe Atlantik zu warm.   

Die Vorhersage der mittleren Temperaturabweichung über die kommenden drei Monate (Dezember bis Februar). In Europa werden durchschnittliche Temperaturen erwartet. Eingezeichnet sind zudem die zu erwartenden Strömungsmuster in diesem Winter. Eine schwache Westwinddrift und blockierende Hochs über dem nordöstlichen Atlantik. (Bildquelle: Met Office)
Die Vorhersage der mittleren Temperaturabweichung über die kommenden drei Monate (Dezember bis Februar). In Europa werden durchschnittliche Temperaturen erwartet. Eingezeichnet sind zudem die zu erwartenden Strömungsmuster in diesem Winter. Eine schwache Westwinddrift und blockierende Hochs über dem nordöstlichen Atlantik (Bildquelle: Met Office).

Ein Blick in die Wetterbücher zeigt, dass die Schweiz vor einem Jahr am Anfang eines ausgesprochen milden Winters stand. Alle drei Wintermonate Dezember, Januar und Februar waren deutlich wärmer als im langjährigen Durchschnitt. Langanhaltende Kältephasen blieben komplett aus. Nochmals ein Jahr früher erlebte die Schweiz einen zweigeteilten Winter. Nach einer extrem milden Winterhälfte wurde es im Januar und Februar 2015 immer kälter. Der Februar war dann richtig winterlich mit langanhaltenden Frostperioden. Der Winter 2013/14 war hingegen durchgehend übertemperiert. Vor allem Januar und Februar 2014 wurden ihrem Namen als Wintermonate nicht gerecht. Noch etwas weiter zurück finden sich erneut zwei Winter (2011/12 und 2012/13), die mild starteten und in einen eisigen Februar mündeten. Während sich kalte und warme Februare in den letzten Jahren fröhlich abwechselten und mal winterlich, mal frühlingshaft daherkamen, war die erste Winterhälfte (Dezember bis Mitte Januar) seit sechs Jahren nie mehr unterkühlt. Wie präsentiert sich nun der anstehende Winter? Stellt sich die Gretchenfrage wieder erst in der zweiten Januarhälfte oder gibt es gar einen kalten Winterstart?

Weltmeer als Frühindikator

Ausschlaggebend für das Winterwetter in Mitteleuropa sind die geografische Lage, die Wellenstruktur und die Ausprägung des Jetstreams auf der Nordhemisphäre, denn diese bestimmen die Position und Intensität der vorherrschenden Druckgebilde in und rund um Europa. Der Jetstream kann als riesiges Starkwindband oder Schlauch verstanden werden, welcher die Nordhalbkugel umkreist und die kalte Polarluft im Norden von der subtropisch warmen Luft im Süden trennt. Zwei wichtige Fragen, die sich im Vorfeld des Winters stellen, sind: Liegt der Jetstream an der gewohnten Stelle oder verläuft er weiter nördlich oder südlich? Weist der Jetstream eine starke mäandrierende Struktur vor – ist also eine starke Wellenbewegung mit Ausschlägen nach Norden und Süden (meridional) zu erwarten oder verläuft er geradlinig von Westen nach Osten (zonal)?

Um abschätzen zu können, wie und wo der Jetstream im anstehenden Winter zu liegen kommt, lohnt sich ein Blick auf die Oberflächentemperatur der Weltmeere. Da Wasser ein guter Wärmespeicher ist, reagieren die Wassertemperaturen viel träger auf Veränderungen. Starke Abweichungen in der Oberflächentemperatur der Weltmeere sind deshalb meist über Monate hinweg zu beobachten und weisen keine kurzfristigen Fluktuationen vor, wie wir es bei der Lufttemperatur kennen. Gleichzeitig beeinflussen die Weltmeere die Temperaturverteilung und die Strömungen in der Atmosphäre und somit den Jetstream. So erwärmt ein warmer Ozean die darüber liegende Atmosphäre und fördert die Bildung von Tiefdruckgebieten, kaltes Wasser kühlt diese entsprechend und begünstigt die Bildung von Hochdruckgebieten. Die Temperaturverteilung auf den Weltmeeren im Spätherbst ist deshalb ein geeigneter Frühindikator, um Witterungstrends für den anstehenden Winter abzuschätzen.

Abweichung der Oberflächentemperatur auf den Weltmeeren. (NOAA)
Abweichung der Oberflächentemperatur auf den Weltmeeren Ende November 2016 (NOAA).

Negative NAO

Den grössten Einfluss auf das Winterwetter in Mitteleuropa verübt der Nordatlantik. Im November präsentierte sich der Nordatlantik über weite Gebiete überdurchschnittlich warm, insbesondere an der Ostküste der USA und vor Neufundland. Zwischen der Südspitze Grönlands und Island zeigt sich hingegen ein grosses Gebiet mit unterdurchschnittlich temperiertem Oberflächenwasser. Rund um Europa, insbesondere auch im Nordpolarmeer, ist das Meer hingegen deutlich wärmer als sonst zu dieser Jahreszeit. Der Kälte-Wärme-Pol zwischen Island und Neufundland begünstigt die negative Phase der Nordatlantische Oszillation NAO, in der die Westwinddrift (Jetstream) weiter im Süden verläuft und dem Mittelmeerraum viel Niederschlag bringt. Mittel- und Nordeuropa erhalten weniger Warmluftzufuhr vom Atlantik und sind zwischenzeitlich stärker kontinental geprägt. Kaltluftvorstösse aus dem bereits eisigkalten Sibirien werden somit wahrscheinlicher. Vor allem in der ersten Winterhälfte wirkt diesem Zustand jedoch der überdurchschnittlich warme Atlantik rund um Europa entgegen, welcher kleinräumige Tiefdruckgebiete hervorbringt und somit immer wieder milde Meeresluft nach Mittel- und Nordeuropa transportiert wird. Die Chance auf Kaltluftvorstösse steigt folglich vor allem in der zweiten Winterhälfte.

Abweichung des mittleren Luftdrucks vom langjährigen Mittel im Winter 2016/17 gemäss Vorhersagemodell der MetOffice. Das Prognosesystem sagt eine negative NAO voraus. (MetOffice)
Abweichung des mittleren Luftdrucks vom langjährigen Mittel im Winter 2016/17 gemäss Vorhersagemodell der MetOffice. Das Prognosesystem sagt eine negative NAO voraus (MetOffice).

Positive PDO

Neben dem Atlantik muss auch auf dem Pazifik ein Augenmerk liegen. Seit Oktober sind dort die Kriterien für ein La Niña erfüllt. Ein schwaches La Niña-Muster dürfte sich über den ganzen Nordwinter hinweg halten. Die direkten Auswirkungen auf Mitteleuropa sind aber vernachlässigbar. Spannender ist die Wirkungskette über die Pazifische Dekaden-Oszillation PDO, welche die Strömung über dem Nordpazifik und den USA beschreibt und einen Einfluss auf den Atlantik und somit Europa ausüben kann. Eine starke, länger anhaltende La Niña-Phase bewirkt häufig eine negative PDO. Da La Niña aber in den nächsten Monaten nur schwach ausgeprägt sein wird und ohnehin erst in der Anfangsphase ist, befindet sich der Nordpazifik momentan noch in der positiven PDO-Phase, eine Nachwirkung des starken El Niño im vergangenen Jahr. Die positiven PDO-Phase manifestiert sich durch den gut sichtbaren Warmwassergürtel entlang der Pazifikküste von Mexiko über Kalifornien bis nach Alaska. Die Warmwasseranomalie umschliesst dabei hufeisenförmig eine ausgeprägte Kaltwasseranomalie im zentralen Nordpazifik. Das beschriebene Muster bewirkt Warmluftzufuhr vom subtropischen Pazifik in die Weststaaten der USA. Das Downstream-Development begünstigt die oben eingezeichneten Druckanomalien bis auf den Atlantik mit den entsprechenden Luftmassenströmen. Diese Konstellation erhöht also in der Fernwirkung die Wahrscheinlichkeit zeitweiliger Bildung von Hochdruckgebieten über dem Nordatlantik, welche die Westströmung blockiert und Europa Polarluft aus Nordwest bis Nord zuführen kann (fotometeo). Diese Situation bringt häufig viel Schnee am Alpennordhang. Die entscheidende Frage bei meridionalen Wetterlagen ist, wo genau sich das blockierende Hoch bildet. Denn auf der Vorderseite des Hochs wird kalte Polarluft nach Süden transportiert. Auf der Rückseite hingegen sehr milde Subtropenluft nach Norden verfrachtet.

Das Winterwetter lässt sich natürlich nicht über drei Monate hinweg prognostizieren. Tendenzen können aber früh erkannt werden. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass ein Warmwinter wie im letzten Jahr unwahrscheinlich ist. Der warme Atlantik rund um Europa verhindert jedoch einen eisigen Winter in Europa. Die abschätzbaren Trends deuten aber darauf hin, dass längere kalte Phasen (vor allem in der zweiten Winterhälfte) und Nordstaulagen mit viel Schnee am Alpennordhang (vor allem in der ersten Winterhälfte) deutlich wahrscheinlicher sind als noch vor einem Jahr.

Winterwetter 2016/17: Längere kalte Phasen und viel Schnee?

Licht auf den möglichen Atomausstieg

Ein Atomausstieg in der Schweiz ist möglich. Im Winter wären jedoch mehr Importe nötig als heutzutage. Für die Versorgungssicherheit und die Umwelt wäre das aber nicht per se schlecht.   

Am 27. November stimmt das Schweizer Stimmvolk über die Initiative „für den geordneten Ausstieg aus der Atomenergie“ ab. Die Volksinitiative will den Bau neuer Kernkraftwerke in der Schweiz verbieten und die Laufzeit der bestehenden Kernkraftwerke begrenzen. Der Bund soll zudem dafür sorgen, dass weniger Energie verbraucht, die Energieeffizienz erhöht und erneuerbare Energien gefördert werden. Für Diskussionsbedarf sorgt indes die Forderung nach einer klaren Begrenzung der Laufzeit bestehender Kernkraftwerke. Bei Annahme der Initiative müssten die drei kleinen Kernkraftwerke Beznau 1 und 2 sowie Mühleberg im Jahr 2017 abgeschaltet werden. Die beiden Kraftwerk-Schwergewichte Gösgen und Leibstadt wären noch bis im Jahr 2024, respektive 2029 am Netz. Doch was würde ein Ja zum Atomausstieg am 27. November konkret bedeuten?

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Neue und alte Energiewelt auf engstem Raum. Wenn die Schweiz Strom aus Deutschland importiert, stammt dieser Strom nicht zwingend von deutschen Kraftwerken sondern kann theoretisch von jedem anderen europäischen Kraftwerk stammen. Bildquelle: iStock

Im Winter kein Strom?

Die Schweiz verbraucht pro Jahr rund 63’000 GWh Strom. Alle Schweizer Kernkraftwerke zusammen haben im Jahr 2014 insgesamt 26’000 GWh Strom produziert – oder eine Strommenge, die rund 40% des Schweizerischen Bedarfs im Jahr deckt. Nach einem Ja zur Atomausstiegsinitiative und dem schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie muss diese Strommenge von rund 26’000 GWh jedes Jahr anders produziert oder beschafft werden. Eine Möglichkeit ist die Ausweitung der Inlandproduktion, vor allem durch den Ausbau der erneuerbaren Energien. Eine andere Option ist, auf mehr Importe aus dem europäischen Strommarkt zu setzen. Gegenüber der Schweiz erscheint der gesamte europäische Strommarkt wie ein unerschöpfliches Reservoir. In der Region der europäischen Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E, also von Spanien bis Finnland und von Grossbritannien bis Griechenland, wurde alleine im Jahr 2014 eine Strommenge von 3,2 Millionen GWh produziert. Alle Kernkraftwerke zusammen machen also weniger als 1% der gesamten europäischen Stromproduktion aus. Ob und wann die Schweiz ihre Kernkraftwerke abschaltet, ist dem europäischen Strommarkt mehr oder weniger egal. Effekte hat es kaum welche. Dafür ist die produzierte Strommenge viel zu klein.

Starkes Netz

Viel entscheidender ist die Rolle des Schweizer Stromübertragungsnetzes. Im Herzen Europas hat die Schweiz eine wichtige Drehscheibenfunktion. Rund elf Prozent des europäischen Stroms fliessen durch die Schweiz. Dies stellt eine grosse Herausforderung und Verantwortung dar, doch profitiert die Schweiz auch in mehrfacher Hinsicht von dieser Rolle. So schreibt die Übertragungsnetzbetreiberin Swissgrid: „Als Transitland ist die Schweiz gut in den europäischen Stromverbund integriert. Import- und Exportmöglichkeiten sorgen dafür, dass in der Schweiz immer genügend Strom zur Verfügung steht.“

Je mehr Erneuerbare desto weniger Importe

Durch den starken Ausbau der erneuerbaren Energien in der Schweiz können die Importe jedoch reduziert werden. Das Potential der Wasserkraft ist in der Schweiz aber nahezu erschöpft. Beliebig ausbaubar ist diese Energieform also nicht. Windkraftprojekte haben in der Schweiz zudem einen sehr schweren Stand. Im Jahr 2015 haben Windenergieanlagen in der Schweiz nur gerade 110 GWh Strom produziert und konnten damit lediglich 0,2% des Landesverbrauchs decken. Die Hoffnung liegt berechtigterweise bei der Sonnenenergie. Photovoltaikanlagen auf Hausdächern erleben einen regelrechten Boom. Die installierte Leistung erreichte Ende 2015 1,3 Gigawatt. Dies entspricht der Leistung eines grossen Kernkraftwerks. Der produzierte Strom deckte bereits rund 2% des einheimischen Strombedarfs. Und das dürfte erst der Anfang sein. Der Zubau der Photovoltaik dürfte in den nächsten Jahren in rasantem Tempo weitergehen.

Mühleberg bis 2019?

Der Nachteil der Sonnenenergie ist jedoch ihre Nichtverfügbarkeit in der Nacht und in dunklen Wintermonaten. Ein Teil des an sonnigen Tagen produzierten Stroms kann jedoch in grossen Saisonspeichern und Batterien zwischengespeichert werden. Trotzdem ist die Schweiz vor allem im Winterhalbjahr auf Stromimporte angewiesen. Das wäre jedoch nichts Neues. Bereits seit vielen Jahren ist die Schweiz jeweils im Winterhalbjahr Stromimporteur. Nach dem Abschalten der Kernkraftwerke würden die Stromimporte im Winter folglich weiter zunehmen. Möglich wäre dies, da die Schweiz ein leistungsfähiges Stromnetz hat und in Europa genügend alternative Erzeugungskapazitäten vorhanden sind. So schreibt auch die Swissgrid: „Ein Atomausstieg in der Schweiz ist grundsätzlich möglich.“ Gleichzeitig macht die Übertragungsnetzbetreiberin jedoch auf eine Herausforderung aufmerksam. Während Swissgrid für die Ausserbetriebnahme von Beznau 1 und 2 keine Probleme sieht, ortet sie Probleme bei der Ausserbetriebnahme des Kernkraftwerks Mühleberg im Raum Bern. Dort sind die Transformatorenkapazitäten aktuell noch zu gering, um die steigende Menge an Importstrom bis auf die tiefen Stromnetzebenen zu transformieren und so die Endkunden bedienen zu können. Allenfalls müsste das Kernkraftwerk bei Annahme der Atomausstiegsinitiative noch bis 2019 am Netz bleiben. Dann schaltet die Betreiberin BKW sein Kernkraftwerk sowieso ab. Spätestens dann muss die Transformierungsleistung im Raum Bern also erhöht sein, damit unabhängig von der Atomausstiegsinitiative die Versorgungssicherheit gewährleistet bleibt.

Dreckstrom aus Deutschland?

Ein Ja zur Atomausstiegsinitiative ist also kein Nein zur Versorgungssicherheit, bedeutet aber deutlich mehr Stromimporte im Winter. Drohen also bei einem Ja Importe aus deutschen Kohlekraftwerken?

Ein Ja zur Atomausstiegsinitiative ist kein Nein zur Versorgungssicherheit.

Die physikalische Herkunft des Stroms, der aus der Steckdose kommt, lässt sich eigentlich unmöglich bestimmen. Den Elektronen sieht man nicht an, ob sie aus einem Kern-, einem Kohlekraftwerk oder von einer Photovoltaikanlage produziert wurden. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass der europäische Strommarkt sehr eng miteinander verbunden und in regem Handelsaustausch ist. Das bedeutet, dass wenn die Schweiz Strom aus Deutschland importiert, dieser Importstrom nicht zwingend von deutschen Kraftwerken sondern von theoretisch jedem anderen europäischen Kraftwerk stammen könnte. Um zu beurteilen, wie dreckig der Importstrom also wäre, sollte man sich nicht nur die deutschen Kohlekraftwerke sondern vielmehr den gesamteuropäische Strommix vor Augen halten. Dabei zeigt sich, dass der europäische Strommix, verglichen mit dem Schweizer Atomstrom, zwar mit höheren CO2-Emissonen behaftet ist, nicht aber mit einer höheren Belastung der Umwelt über den ganzen Lebenszyklus, also unter Berücksichtigung von Auswirkungen auf Klima, Gesundheit, Ökosysteme und Ressourcen. Durch den perspektivisch starken Ausbau der erneuerbaren Energien in Europa verbessert sich der europäische Strommix zudem stetig, so dass die Umweltbelastung des Importstroms weiter zurückgeht.

Strom kennt keine Grenzen

Ein Atomausstieg in der Schweiz ist grundsätzlich möglich. Die Annahme der Initiative würde das Übertragungsnetz kurzfristig vor einige Herausforderungen stellen, die mit einem leicht verzögerten Ausstieg möglicherweise umgangen werden könnten. Die Auswirkungsbeurteilung auf die Umwelt ist nicht so trivial, wie von den Gegnern proklamiert. Entscheidend für die Versorgungssicherheit wie auch für den Klima- und Umweltschutz ist eine enge Kooperation der Schweiz mit den europäischen Nachbarländern innerhalb des europäischen Strommarktes. Denn Strom kennt keine Grenzen.

Licht auf den möglichen Atomausstieg