Das Märchen von der weissen Weihnacht

Im Kinderbuch, in Erzählungen, in unseren Erinnerungen und vor allem in den Warenhäusern wird Weihnachten durchwegs winterlich weiss dargestellt. In Zürich liegt jedoch über Weihnachten nur selten Schnee. Schuld daran ist das Weihnachtstauwetter.

Der Dezember im Jahr 2003 verlief wie im Bilderbuch. Nach einer grünen und eher milden ersten Dezemberhälfte stellte sich die Wetterlage um und brachte pünktlich auf den 4. Advent Schnee bis ins Flachland. In Zürich lag vom 22.-27. Dezember eine geschlossene, wenn auch sehr dünne Schneedecke (2 Zentimeter).

Weihnachtstauwetter
Es war das bis heute letzte Mal mit richtig weissen Weihnachten (24.-26. Dezember) in Zürich. Viel häufiger ist das Umgekehrte der Fall. So wie im letzten Jahr, als in Zürich bis zum 21. Dezember eine geschlossene Schneedecke von bis zu 7 Zentimeter lag und ausgerechnet über die Weihnachtstage mit milder Atlantikluft Tauwetter einsetzte. So präsentierten sich die Wiesen vom 22.-27. Dezember 2017 grün und erst am 28. Dezember schneite es wieder bis ins Flachland. Häufig bringt der Dezember in der ersten Monatshälfte und vor allem kurz vor Weihnachten Schnee nach Zürich. Dieser wird aber genauso oft ausgerechnet über die Weihnachtstage von milden Westwinden wieder weggefegt. Dieser Witterungsregelfall ist als „Weihnachtstauwetter“ bekannt und kommt durchschnittlich alle drei bis vier Jahre vor. Neben 2017 war dies letztmals auch 2012, 2011, 2009 und 2005 der Fall.

Schneewahrscheinlichkeit je Dezembertag.
Schnee an Weihnachten ist in Zürich selten: Die Wahrscheinlichkeit für eine Schneedecke am 24. Dezember liegt unter 30%. Die Chancen für Schnee stehen vor Weihnachten und in der Altjahrswoche deutlich besser.

Grüner Dezember
Neben dem Weihnachtstauwetter gibt es weitere Wetterlagen, die grüne anstatt weisse Weihnachten bescheren. So kann es während des ganzen Dezembers bitterkalt aber trocken sein. Dann ist der Boden zwar gefroren aber eben nicht weiss. Aber auch milde Dezember sind grüne Dezember. Die Festtage sind dann ebenfalls windig und mild, aber es herrscht kein Tauwetter, weil im ganzen Dezember noch praktisch kein Schnee gefallen ist und es daher nichts „aufzutauen“ gibt. Seit der Jahrtausendwende erlebte Zürich bereits sieben grüne Dezember, dies entspricht 40 Prozent aller Dezember.
Grüne Dezember gab es auch schon früher. Vor allem in den 40er- und 50er-Jahren mussten die Zürcher immer wieder mit schneefreien Dezembern vorliebnehmen. Nach schneereicheren 60er- und 70er-Dezembern wurden die Dezember ab 1982 wieder spürbar grüner.

Schneereiches Jahresende
Die Weihnachtstage (24.-26. Dezember) waren in den letzten sieben Jahren in Zürich jeweils durchgehend grün. Seit 1991 waren zwei Drittel der Weihnachten grün. Nur jedes dritte Jahr sind zumindest ein oder zwei Weihnachtstage schneebedeckt. Letztmals war dies 2008 und 2010 der Fall. Nur zweimal seit 1991 war Weihnachten durchgehend weiss. Durchgehend weisse Weihnachten waren schon früher (seit 1931) selten, aber es gab sie doch deutlich häufiger als in jüngster Zeit. Zwischen 1931 und 1960 war immerhin eine von vier Weihnachten ganz weiss, zwischen 1961 und 1990 war sogar mehr als jede dritte Weihnacht schneebedeckt.
Häufiger als an Weihnachten kommt der Schnee in der Altjahrswoche. Auch in jüngster Zeit sind die Landschaften zwischen den Jahren in mehr als jedem zweiten Jahr zumindest teilweise verzuckert. Zwischen 1961 und 1990 waren sogar noch zwei von drei Altjahrswochen zumindest teilweise weiss.
Schnee war im Dezember noch nie ein Garant. Doch in jüngster Zeit haben sich grüne Dezember stark gehäuft. Die Vorstellung von einer weissen Adventszeit, weissen Weihnachten und einer schneereichen Altjahrswoche in Zürich wird damit immer mehr zur Wunschvorstellung. Auch der Dezember 2018 verlief in Zürich bisher grün. Ob das Märchen der weissen Weihnacht dieses Jahr wohl noch wahr wird?

Das Märchen von der weissen Weihnacht

Rekordwärme in der ersten Frühlingshälfte

Der Frühling 2017 ist bisher so warm wie nie seit Messbeginn. Nur drei Jahre, respektive sechs Jahre nach den letzten beiden Rekordfrühlingen. Ob auch die zweite Frühlingshälfte warm verläuft, bleibt aber ein Geheimnis.

Die Geschichte wiederholt sich bekanntlich. Und so ist es auch mit dem Frühlingswetter. Dieses ist heuer, drei Jahre nach dem letzten Rekordfrühling, so warm wie noch nie seit mehr als 100 Jahren. In der Meteorologie dauert der Frühling vom 1. März bis zum 31. Mai. Es ist also bereits Frühlings-Halbzeit. Und diese erste Halbzeit brachte in Zürich mehr Frühling, als in vielen Jahren überhaupt der ganze Frühling im Stand war. Die Lufttemperatur erreichte in der Periode vom 1. März bis 15. April auf dem Zürichberg einen Durchschnitt von 9,4 Grad. Die erste Frühlingshälfte war damit um deutliche 3,4 Grad übertemperiert, verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Zürich erlebte gleichzeitig auch die wärmste erste Frühlingshälfte seit mindestens Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Temperaturniveau ist dem Kalender rund ein Monat voraus. Und das begann nicht erst im März – bereits der Februar war so mild wie ein Märzmonat. Der März brachte dann durchwegs Apriltemperaturen und in der ersten Aprilhälfte erreichte das Thermometer bereits „Maiwärme“. Die erste Frühlingshälfte 2017 war mit 9,4 Grad sogar wärmer als das langjährige Mittel des Gesamtfrühlings – also die Periode März bis Mai – welches zwischen 1981-2010 9,1 Grad vorweist. Dies erstaunt umso mehr, da die zweite Frühlingshälfte (16. April bis 31. Mai) normalerweise deutlich wärmer ausfällt als die erste (1. März bis 15. April). Dieser Vergleich bringt zutage, wie markant die diesjährige Temperaturanomalie ist.

Die erste Frühlingshälfte (1. März-15. April) war heuer mit durchschnittlich 9,4 Grad in Zürich so warm wie nie zuvor seit Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Top 5

So warm wie 2017 war die erste Frühlingshalbzeit noch nie, umso erstaunlicher erscheint die Tatsache, dass erst das Jahr 2014 und davor 2011 ähnlich hohe Temperaturen in der ersten Frühlingshälfte hervorbrachten. Es scheint als wollen sich die Rekordfrühlinge im 3-Jahres-Rythmthmus wiederholen. Die ersten Frühlingshalbzeiten in den Jahren 2011 und 2014 waren praktisch identisch zum diesjährigen Rekord. Wie heuer war die Periode vom 1. März bis 15. April durch Trockenheit und sehr viel Sonnenschein geprägt. Am trockensten und sonnigsten war es 2011. Damals fiel in dieser Periode nur gerade 37 Liter Regen pro Quadratmeter und die Sonne strahlte 316 Stunden über Zürich. Vor drei Jahren wie auch 2017 waren es immerhin rund 50 Liter Regen, gleichzeitig gab es etwas mehr als 300 Sonnenstunden. Temperaturtechnisch können die Vorjahre der aktuellen Anomalie das Wasser nicht reichen. So erreichte die erste Frühlingshälfte 2011 eine mittlere Lufttemperatur von 8,5 Grad, 2014 waren es 8,8 Grad. Damit gehören sie alle in die Top 5 der wärmsten seit mindestens 1901. Die 2.-wärmste erste Frühlingshälfte wird im Jahr 1981 gefunden. Damals erreichte die Durchschnittstemperatur 9,1 Grad. Jedoch fiel damals in der gleichen Periode mehr als doppelt so viel Regen verglichen mit 2017, und die Sonne schien mehr als 100 Stunden weniger häufig. Es war mehrfach bewölkt. Dies zeigte sich auch in den sehr milden Nächten. So sank das Thermometer 1981 in den Nächten jeweils nur auf 5,3 Grad. 2017 waren die Nächte in der ersten Frühlingshalbzeit mit durchschnittlich 4,4 Grad deutlich kühler, was ein Zeichen dafür ist, dass die Nächte häufig klar und die Tage anschliessend sonnig verliefen. Ebenfalls sehr mild zeigte sich die erste Frühlingshälfte 1961, welche 8,6 Grad am Zürichberg erreichte. Auch witterungstechnisch gibt es viele Parallelen zum aktuellen Frühling. So war es auch 1961 trocken und sonnig, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt wie in diesem Jahr.

Sommer oder Schnee im Mai?

Dass eine rekordwarme erste Frühlingshälfte keine Garantie für eine weiterhin hochfrühlingshafte zweite Hälfte gibt, offenbart ebenfalls ein Blick in die Wetterbücher. Vor drei Jahren gab es in der zweiten Aprilhälfte sowie im Mai wiederholt ausgeprägte Kaltluftvorstösse. Der Mai verlief insgesamt kühl und regenreich. Auch 1981 kehrte das Wetter in der zweiten Frühlingshalbzeit. Die zweite Aprilhälfte war sehr kühl – respektive nochmals spätwinterlich. Im Mai 1981 folgte ein ständiges Auf und Ab. Noch extremer verlief der Frühling 1961, als nach der sehr milden ersten Frühlingshälfte ein ausserordentlich kalter Mai folgte. Der Mai war sogar kühler als der vorangegangene April und am 28. Mai gab es sogar nochmals messbaren Schnee in Zürich. Es war bis heute der späteste Schneefall in Zürich seit Messbeginn 1931. Ganz anders verlief die zweite Frühlingshälfte 2011, welche der ersten Hälfte nacheiferte. Der einmonatige Temperaturvorsprung blieb erhalten und so war der Mai 2011 so warm wie ein durchschnittlicher Juni und die Trockenheit setzte sich fort. Dem Frühling 2017 kann nun also die Gretchenfrage gestellt werden.

Kälteeinbruch zur Monatsmitte (Ostern 2017)

Von rekordwarm zu fast rekordkalt in nur einer Woche.

Rekordwärme in der ersten Frühlingshälfte

Sehr kalte Tage werden immer seltener

Der Klimawandel ist in der Schweiz Realität. Sehr warme Tage treten viel häufiger auf als noch vor wenigen Jahren. Sehr kalte Tage sind eine Seltenheit geworden.

«Die Schweiz reagiert sehr empfindlich auf den Klimawandel. Im Vergleich zum globalen Mittel ist die Erwärmung im Alpenraum rund doppelt so stark. Der Natur- und Kulturraum Schweiz ist in vielfältiger Weise von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen.» Das steht in neuen Bericht «Brennpunkt Klima Schweiz», der Anfang November in Bern vorgestellt wurde. Mehr als 70 Wissenschaftler haben daran in den letzten drei Jahren gearbeitet. Ziel war es, die Ergebnisse des Fünften IPCC-Sachstandsberichtes (IPCC AR5) zusammenzutragen und einen spezifischen Schweiz-Bezug auszuarbeiten. Thomas Stocker, Professor für Klima- und Umweltphysik an der Universität Bern, unterstreicht, dass der Bericht einen neuen Standard setzt: «Ausgehend von den physikalischen Grundlagen wird das Thema Klimawandel umfassend betrachtet.» Der Bericht zeigt, wie sich das Schweizer Klima je nach Szenarien in Zukunft verändern könnte und spricht über Auswirkungen für Landwirtschaft, Tourismus und Ressourcen in der Schweiz. Zum Schluss spannen die beteiligten Wissenschaftler konkrete Handlungsfelder auf, die zeigen, wie die Schweiz mitwirken kann, den Klimawandel einzudämmen aber auch, inwiefern sich die hiesige Wirtschaft und Gesellschaft anpassen kann. Für Thomas Stocker ist klar: «Dieser Bericht ist ein Must für jede Person, die sich mit der Zukunft unseres Landes auseinandersetzt.»

Schweizer Klima im Wandel

Seit Messbeginn im Jahr 1864 ist es in der Schweiz im Durchschnitt um 1,9 Grad wärmer geworden. Eindrücklich zeigt sich der Wandel des Schweizer Klimas im prozentualen Anteil sehr kalter und sehr warmer Tage im Verlauf eines Wetterjahres. Sehr kalte, respektive sehr warme Tage sind Tage mit einer durchschnittlichen Temperatur, die zu den kältesten, respektive wärmsten 10 Prozent der Referenzperiode der Jahre 1961-1990 zählen. Im «Normalzustand» waren 10 Prozent der Tage eines Jahres sehr kalt und 10 Prozent sehr warm. Wobei hier die Abweichung vom jahreszeitlichen Erwartungswert und nicht die absolute Temperatur entscheidend ist. Somit kann auch ein sehr kühler Sommertag zu den sehr kalten Tagen zählen und ein sehr milder Wintertag zu den sehr warmen Tagen.

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Sehr warme Tage, die wärmer sind als 90 Prozent der Tage in der Periode 1961-1990, haben in Zürich seit 1989 sprunghaft zugenommen. Rohdaten: ECA&D

Im auslaufenden Jahr 2016 zählten in Zürich 55 Tage, also 16 Prozent aller Tage im Jahr, zu den sehr warmen. Dem gegenüber standen 22 Tage oder 6 Prozent der Tage, die heuer sehr kalt waren. Auf einen sehr kalten Tag folgten 2016 in Zürich folglich zweieinhalb sehr warme Tage. Damit ist 2016 jedoch keinesfalls extrem. Die beiden Vorjahre brachten pro sehr kalten Tag sogar acht sehr warme in 2015 und elf in 2014. Im Schnitt kommen heutzutage auf jeden sehr kalten Tag rund vier sehr warme Tage. Letztmals mehr sehr kalte als sehr warme Tage brachte das Jahr 1987 in Zürich. Damals standen 41 sehr warmen, 51 sehr kalte Tage gegenüber.

Sehr kalte Tage, die kälter sind als 90 Prozent der Tage in der Periode 1961-1990, haben in Zürich seit 1901 deutlich abgenommen. Rohdaten: ECA&D
Sehr kalte Tage, die kälter sind als 90 Prozent der Tage in der Periode 1961-1990, haben in Zürich seit 1901 deutlich abgenommen. Rohdaten: ECA&D

Sehr kalte Tage – eine Seltenheit

In den letzten 115 Jahren ist die Anzahl sehr kalter Tage im Jahr stark gesunken. Zählten um 1901 noch 60 Tage im Jahr zu den sehr kalten, sind es heutzutage noch rund 20. Trotz jährlichen Schwankungen zeigt sich, dass das Verschwinden sehr kalter Tage im Jahr recht gleichmässig verläuft. Grössere «Klimasprünge» sind nicht auszumachen. Ins Auge sticht jedoch das Jahr 1956 mit insgesamt 88 sehr kalten Tagen, was fast jeder vierte Tag im Jahr war.

Die Entwicklung der sehr warmen Tage zeigt sich erwartungsgemäss genau umgekehrt. Waren um 1901 rund 25 Tage im Jahr sehr warm, sind es im heutigen Klima bereits 65 Tage. Auffallend dabei ist die langjährige Entwicklung. Nach einer Häufung sehr warmer Tage um das Jahr 1947 nahm ihre Zahl bis 1987 wieder ab. 1988 folgte dann ein grosser Sprung auf ein ganz neues Niveau mit einer erstmaligen Höchstzahl im Jahr 1994. Seither kommen Jahre mit einer grossen Anzahl sehr warmer Tage immer häufiger vor. Hervorzuheben sind zusammen mit 1994 vor allem die Jahre 2003 und 2015 mit jeweils mehr als 100 sehr warmen Tagen pro Jahr.

Das Schweizer Klima befindet sich also bereits mitten im Wandel. Und was bedeutet das für das wohl wichtigste Element der aktuellen Wintersaison – den Schnee?

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Verhältnis sehr warmer zu sehr kalter Tage im Jahr. Rohdaten: ECA&D

Schnee im Klimawandel

Der erste Schnee fällt in Zürich im langjährigen Durchschnitt im letzten Novemberdrittel. In jedem dritten Jahr gibt es den ersten Schnee sogar bereits vor dem 13. November, wie aus Daten von MeteoSchweiz hervorgeht. In 30 Prozent der Jahre fällt der erste Schnee in Zürich jedoch erst nach dem 2. Dezember. Der «erste Schnee» wird in der Statistik definiert als ein Ereignis mit mindestens einem Zentimeter messbarem Neuschnee am Boden. Der Winter 2016/17 wartet in Zürich immer noch auf seinen ersten Schnee. Auch vor zwei Jahren fiel der erste Schnee erst Ende Dezember. Eine Tendenz zu späterem ersten Schneefall lässt sich aber (noch) nicht erkennen. Trotz immer weniger sehr kalter und immer mehr sehr warmer Tage zeigen sich aktuell noch keine eindeutigen Verschiebungen im Termin des ersten Schnees. Bei der Dauer der Schneebedeckung in den Bergen zeigen sich jedoch bereits feststellbare Veränderungen. Die Dauer hat seit 1970 in den Schweizer Alpen auch in höheren Lagen abgenommen, wie eine Studie der Universität Neuenburg, der WSL und des SLF zeigt. Verantwortlich dafür ist aber in erster Linie eine frühere Schneeschmelze im Frühling.

 

Sehr kalte Tage werden immer seltener

September 2015: letzte Sommertage und erster Schnee in den Bergen

Der September 2015 zeigte sich wahrlich nicht von seiner spätsommerlichen Seite. Häufig überwog wechselhaftes, kühles aber nicht überall auch niederschlagsreiches Wetter.

Die Windrose im September in Zürich zeigt deutlich, dass die Windrichtung Nordost dominierte.
Die Windrose im September in Zürich zeigt deutlich, dass die Windrichtung Nordost dominierte.

Ein besonders in hohen Luftschichten ausgeprägtes und mit reichlich Kaltluft ausgefülltes Tief sorgte pünktlich zum astronomischen Herbstbeginn am 23. September für den ersten Neuschnee der Saison in den Alpen. Die Schneefallgrenze sank dabei bis auf 1500 Meter über Meer ab. Kurz nachdem sich der Hitzesommer 2015 verabschiedete, klopft – zumindest in den Alpen – auch schon wieder der Winter an. Letztmals Schnee (knapp) unter die 2000-Meter-Marke fiel im Übrigen am 20. Juni 2015, wie MeteoSchweiz schreibt. Danach mussten alle Schneeliebhaber eine lange Durststrecke bis zum astronomischen Herbstanfang überwinden. Dies ist eher ungewöhnlich, gehören doch Kaltlufteinbrüche zu einem “normalen” sommerlichen Witterungsverlauf. In Arosa (1840 müM) liegt im Sommer (Juni, Juli, August) im langjährigen Schnitt beispielsweise an etwa drei Tagen Schnee, die mittlere Neuschneesumme beträgt 18 cm. Im laufenden Jahr waren es 0 cm. Der Wintereinbruch in den Alpen ist also keinesfalls ungewöhnlich.

Zwischendurch bäumte sich der Sommer dann doch noch ein letztes Mal auf und brachte spätsommerliche Temperaturen. Am Zürichberg stiegen die Temperaturen am 12. September auf 26,4 Grad. Im Rheintal wurde es einige Tag später am 16. September mit reichlich Unterstützung des Föhns sogar über 28 Grad warm.

Über grosse Strecken herbstlich mit letzten sommerlichen Höhepunkten.
Über grosse Strecken herbstlich mit letzten sommerlichen Höhepunkten.

Unter dem Strich überwogen dann aber doch die kühlen Witterungsabschnitte, so dass der September in Zürich mehr als ein halbes Grad kühler ausfiel als im langjährigen Durchschnitt und ein Grad kälter als im Mittel des laufenden Jahrzehnts. Ähnlich kühl war der September 2010. Somit war der September als erster Monat seit Februar 2015 wieder unterkühlt. Während die Besonnung in etwa durchschnittlich ausfiel, setzte sich die sommerliche Trockenheit fort. In Zürich blieben die Niederschlagsmengen auch im September unterdurchschnittlich.

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Ein weiterer Monat geht zu trocken zu Ende. In Zürich fielen nur rund 50 mm. Üblicherweise sind es im September doppelt so viel.

September 2015: letzte Sommertage und erster Schnee in den Bergen

Startschuss für den phänologischen Frühlingsanfang

Der Frühling bringt häufig den letzten Schnee im Flachland. Das Hauptinteresse liegt aber beim Aufblühen der Vegetation: gehört der Frühling 2015 zu den Frühaufstehern?

 

Kein Märzwinter

Mit dem Februar wird Winter assoziiert, mit dem März aber bereits Frühling. Auch wenn der meteorologische Winter mit dem Februar zu Ende geht, sind winterliche Verhältnisse vor allem in der ersten Märzhälfte selbst im Flachland fester Bestandteil des Schweizer Klimas, wie MeteoSchweiz schildert. Unter dem Witterungsregelfall „Märzwinter“ wird eine Häufung von Neuschneetagen mit entsprechend kalter Witterung um den 6. März herum beschrieben. Während die Häufigkeit von Neuschneefällen Ende Februar erstmals abnimmt, ist Anfang März selbst in den letzten Jahrzehnten nochmals mit einer Zunahme von Neuschneefällen zu rechnen. In jedem zweiten bis dritten Jahr gibt es nochmals eine winterliche Episode mit Schnee und Kälte auf dem Zürichberg. Allgemein nimmt die Häufigkeit von Neuschneefällen nach dem Märzwinter dann aber rasch ab. Das heisst aber nicht, dass nach diesem Datum kein Schnee mehr fallen kann. Sogar der launische April bringt selten noch wenig Schnee. In Zürich liegt der mittlere Termin des letzten Schnees in der Periode seit 1931 sogar am 6. April. In 30% der Jahre fiel der letzte Schnee sogar um den 15. April.  Allerdings verschwindet dieser in der starken Frühlingssonne dann jeweils rasch. In diesem Jahr blieb Zürich vom Märzwinter verschont. Der Frühlingsdurchbruch mit viel Sonne und sehr milden Temperaturen liess nicht lange auf sich warten. Ein Winterrückfall wird von Tag zu Tag unwahrscheinlicher.

 

Starker Pollenflug

Die Entwicklung der Vegetation ist im Frühling massgeblich von der Witterung – insbesondere von der Lufttemperatur abhängig. So erstaunt es nicht, dass die Hasel und Erle in Zürich bereits an den sehr milden Tagen um den 13. Januar aufblühten und somit die Vegetationsperiode 2015 sowie die heurige Pollensaison eröffneten. Wie aus Pollenmessungen von MeteoSchweiz hervorgeht, ging der Pollenflug mit der winterlich kalten Witterung Ende Januar und im Februar nochmals deutlich zurück. Erst mit dem Temperaturanstieg Ende Februar und vor allem Anfang März setzten die Sträucher und Bäume wieder deutlich mehr Pollen frei. Während das erste Aufblühen Mitte Januar in Zürich rund zwei bis drei Wochen früher als im langjährigen Durchschnitt beobachtet werden konnte, so ist der starke Pollenflug Anfang März als durchaus normal einzuschätzen. Nachdem nun der Startschuss für die Vegetationsentwicklung gefallen ist, folgt gegen Mitte März häufig die Blüte der Esche und Anfang April der Birke und Hagebuche. Diese Arten können bei überdurchschnittlich milder Witterung aber durchaus bereits in der zweiten Märzhälfte aufblühen. Buche und Eiche folgen dann planmässig im letzten Aprildrittel auf dem Zürichberg, bevor im Mai dann die Gräser ihre sehr allergenen Pollen freisetzen. Während die meisten Sträucher und Bäume zuerst aufblühen und anschliessend oder fast gleichzeitig ihre Blätter entfalten, so machen es die Edelkastanien genau umgekehrt. Ihre Blattentfalltung ist meistens im März oder April, bei sehr milder Witterung auch deutlich früher. Ihre prächtigen, weissen bis roten Blüten präsentieren sie aber erst im Frühsommer, meistens im Juni.

Gemessen an der Grünlandtemperatursumme war der Frühling 2015 ein Frühaufsteher. Der Vorsprung wurde durch den kalten Februar aber wieder zunichtegemacht. Aktuell ist der Frühling 2015 in Zürich (dicke grüne Linie) verglichen mit dem langjährigen Mittel 1901-2014 (grüne Fläche zeigt die Streuung: Interquartilsabstand) sogar leicht in Verzug.
Gemessen an der Grünlandtemperatursumme war der Frühling 2015 ein Frühaufsteher. Der Vorsprung wurde durch den kalten Februar aber wieder zunichtegemacht. Aktuell ist der Frühling 2015 in Zürich (dicke grüne Linie) verglichen mit dem langjährigen Mittel 1901-2014 (grüne Fläche zeigt die Streuung: Interquartilsabstand) sogar leicht im Verzug.

Starkes Symbol

Für Allergiker ist das Aufblühen der Pflanzen gleichbedeutend mit dem Aufleuchten der Alarmglocken ihres Immunsystems. Die Schönheit des Frühlings können sie vor allem bei nicht-allergenen Pflanzen geniessen. Das grösste Schauspiel präsentieren indes auch jene Bäume, welche kaum Allergien auslösen. So ist die Blüte der Obstbäume das eigentliche Symbolbild des Schweizer Frühlings. Als Erster blüht Ende März und im April der Kirschbaum, gefolgt von Birnen- und Apfelbäumen, welche häufig Mitte April und im Mai blühen. Das frühlingshafte Schauspiel entzückt nicht nur die Gemüter, sondern ist auch ein sehr guter Indikator für die Auswirkungen des globalen Temperaturanstiegs. Als Folge der Temperaturzunahme in der Schweiz entwickelt sich die Vegetation im Frühling und Sommer heutzutage deutlich früher als vor einigen Jahrzehnten. Auch die Pollensaison beginnt tendenziell immer früher. Um fassbare Aussagen zu treffen sind deshalb langjährige Beobachtungsreihen äusserst wertvoll. Zwei solche Messreihen werden von der MeteoSchweiz gepflegt. Seit 1808 wird der Zeitpunkt des Blattausbruchs der Rosskastanie in Genf registriert, seit 1894 die Kirschblüte in Liestal. Obwohl der Blattausbruch der Rosskastanie von Genf von Jahr zu Jahr sehr stark variiert, ist seit 1900 ein deutlicher Trend zu früheren Eintrittsterminen ersichtlich. Eine Rolle spielt dabei die globale Erwärmung. Jedoch sind auch andere Veränderungen im Zeitverlauf, vor allem die städtische Entwicklung nicht zu vernachlässigen. Im Jahr 1816 öffneten sich die ersten Knospen erst am 23. April, am frühesten wurde dieses Ereignis im 2002 am 29. Dezember beobachtet. Beim wilden Kirschbaum am Waldrand bei Liestal ist ab 1990 ein Trend zu früheren Eintrittsterminen festzustellen. Die Variationsbreite dieser phänologischen Beobachtung ist deutlich kleiner als beim Blattausbruch der Rosskastanie in Genf.

Werden im Frühling 2015 nach dem sehr frühen Aufblühen der Hasel und der Erle auch die anstehenden phänologischen Phasen frühzeitig einsetzen? Die Grünlandtemperatursumme ist ein guter Indikator für den Fortschritt des Frühlings. Dabei werden ab Jahresbeginn alle positiven Tagesmittel aufsummiert. Im Januar wird mit dem Faktor 0,5 multipliziert, im Februar mit dem Faktor 0,75, und ab März geht dann der „volle“ Tageswert in die Summe ein. Wird im Frühjahr die Summe von 200 überschritten, ist der nachhaltige Vegetationsbeginn erreicht. Hintergrund ist die Stickstoffaufnahme und -verarbeitung des Bodens, welcher von dieser Temperatursumme abhängig ist. Mitte März 2015 lag die Grünlandtemperatursumme auf dem Zürichberg bei rund 110. Im Vergleich zum langjährigen Mittel befindet sich der Frühling zurzeit sogar leicht im Rückstand. In sehr milden Frühlingen stand Zürich zu dieser Zeit schon kurz vor dem Frühlingsdurchbruch in der Vegetation. In diesem Jahr scheint ein durchschnittlicher Zeitpunkt wahrscheinlich – dies dürfte dann Ende März der Fall sein.

Startschuss für den phänologischen Frühlingsanfang

Sieben wissenswerte Fakten zum Frühling

Die Vögel zwitschern. Die Sonne scheint von Tag zu Tag länger und stärker. Krokusse und Schneeglöckchen setzen bunte Farbtupfer in die braunen, kahlen Wiesen. Die ersten Störche  kehren aus ihrem Winterquartier Spanien zurück in die Schweiz. Die Zeichen sind eindeutig. Der Frühling steht vor der Tür. Meteorologisch beginnt der Frühling am 1. März und endet am 31. Mai. Sieben wissenswerten Fakten sollten sie über die anstehende Jahreszeit wissen.

1. Phänologischer Frühling

Im Frühling erwacht die Vegetation aus dem Winterschlaf. Mit dem Blühbeginn des Hasels beginnt der phänologische Frühling. Aufgrund des aussergewöhnlich milden Winters war dies heuer auf dem Zürichberg bereits am 13. Januar der Fall. Rund 3 Wochen früher als im langjährigen Mittel. Auch der Saisonstart der Erle hatte dieses Jahr einen zeitlichen Vorsprung. Um den phänologischen Frühling als Gesamtheit zu charakterisieren, werden von rund 80 Stationen des phänologischen Messnetzes von MeteoSchweiz zehn Phasen von neun Pflanzenarten beobachtet. So sind exemplarisch der Nadelaustrieb der Lärche oder die Blattentfaltung der Buche sowie die Blüte des Löwenzahns wichtig.

2. Schnee im Frühling?

Obwohl es scheint, dass der Winter vorbei ist, kann es auch im Frühling zu Schneefällen kommen. Im langjährigen Durchschnitt 1981-2010 treten in Zürich im März drei Tage mit Schneefällen auf. Im April ist es dann nur noch einer. Betrachtet man die Periode zwischen 1931 und dem letzten Jahr, so lag der mittlere Termin des letzten Schneefalls am 6. April. In jedem dritten Jahr fällt der letzte Schnee aber vor dem 25. März. Erstaunlicherweise konnte der letzte Schneefall aber auch in jedem dritten Jahr nach dem 15. April beobachtet werden. So auch im vergangenen Jahr, als es am 20. April zum letzten Mal schneite.

3. Märzwinter

Winterliche Verhältnisse in der ersten Märzhälfte sind selbst im Flachland ein fester Bestandteil des Schweizer Klimas, wie MeteoSchweiz schreibt. Aus Schneedaten für Zürich seit 1931 geht hervor, dass die durchschnittliche Schneehöhe gegen Ende Februar erwartungsgemäss geringer wird, bevor sie aber zwischen dem 5.-8. März aufgrund von neuen Schneefällen wieder sprunghaft ansteigt. Danach sackt die durchschnittliche Schneehöhe in Zürich rasant ab. Der Märzwinter kann deshalb zu den sogenannten Singularitäten gezählt werden. Eine Singularität ist ein Witterungsregelfall, der sich durch eine signifikante Abweichung des erwarteten Wetterablaufes auszeichnet. So gehört auch das Weihnachtstauwetter zu den Singularitäten.

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Die mittleren Schneehöhen 1931-2013 von Zürich zeigen den typischen Märzwinter Anfang Monat (linke Grafik). Die durchschnittliche tägliche Sonnenscheindauer zeigt, dass es anfang April häufig trüb ist (rechte Grafik). Datenquelle: ECA&D

4. Trüber Aprilanfang

Ein weiterer Witterungsregelfall ist anfangs April zu erkennen. In dieser Zeit sinken die langjährigen Tageshöchstwerte nach einem kontinuierlichen Steigerungslauf entgegen den Erwartungen wieder. So liegen die Höchstwerte Anfang April rund ein Grad tiefer, als noch Ende März. Ein Blick in die Wetterdaten zeigt, dass in dieser Periode auch die Sonne weniger lange scheint und es deutlich höhere Niederschlagssignale gibt, als in den Tagen davor und danach. Ein trüber Start in den April ist also der Regelfall.

5. Die Eisheiligen

Die Eisheiligen sind wohl der bekannteste Witterungsregelfall. Zu Unrecht, denn eigentlich sind die Eisheiligen klimatologisch nicht zu beweisen. Die Eisheiligen prophezeien einen Kälterückfall zwischen dem 11.-15. Mai. Jedoch ist ein solcher Kälterückfall in den Wetterdaten nicht auszumachen. Kälterückfälle kommen im Mai zwar immer wieder vor, jedoch sind diese gleichmässig über den Monat verteilt und treten jedes Jahr zu einem anderen Zeitpunkt auf. Häufig wurde es in der Zeit der eigentlichen Eisheiligen in den letzten Jahren sogar ungewöhnlich heiss, so dass sogar die Rede von den „Schweissheiligen“ war. Im Mai gibt es im langjährigen Durchschnitt drei Sommertage mit Höchsttemperaturen über 25 Grad. Diese treten aber häufiger Ende Monat auf.

6. Wärmere Frühlinge

Im Laufe der 1980er-Jahre erfolgte ein Temperatursprung zu deutlich höheren saisonalen Temperaturen. So haben sich die Frühlinge in Zürich in den letzten 50 Jahren um anderthalb Grad erwärmt! Nach einer langen Reihe übertemperierter Frühlinge wurde letztes Jahr der erste unterkühlte Frühling seit 25 Jahren beobachtet. Mit durchschnittlich 7,4 Grad war der Frühling in Zürich um 1,7 Grad kälter als der Referenzwert der Jahre 1981-2010.

7. Milder Frühling 2014?

Doch wie wird der anstehende Frühling? Erleben wir eine Rückkehr zu den warmen Frühlingen oder wiederholt sich die Geschichte des Vorjahres? Ein Jahr ohne Frühling wie im letzten Jahr scheint unwahrscheinlich. Aktuelle Berechnungen vom britischen Wetterdienst MetOffice und vom International Research Institute for Climate and Society zeigen eine Tendenz zu überdurchschnittlichen Temperaturverhältnissen im Frühling 2014. Jedoch gibt es auch Hinweise, dass der Frühling feuchter als normal werden könnte.

Von den letzten Schneefällen im März bis zu den ersten Sommertagen im Mai: Der Frühling bringt den Übergang vom Winter in den Sommer. Dieser Übergang ist aber nicht stetig sondern vielmehr ein Auf und Ab. Das wertvolle an der bevorstehenden Jahreszeit ist aber das Aufwachen und Erblühen der Vegetation in der wärmenden Frühlingssonne.

Sieben wissenswerte Fakten zum Frühling