Rekordwärme in der ersten Frühlingshälfte

Der Frühling 2017 ist bisher so warm wie nie seit Messbeginn. Nur drei Jahre, respektive sechs Jahre nach den letzten beiden Rekordfrühlingen. Ob auch die zweite Frühlingshälfte warm verläuft, bleibt aber ein Geheimnis.

Die Geschichte wiederholt sich bekanntlich. Und so ist es auch mit dem Frühlingswetter. Dieses ist heuer, drei Jahre nach dem letzten Rekordfrühling, so warm wie noch nie seit mehr als 100 Jahren. In der Meteorologie dauert der Frühling vom 1. März bis zum 31. Mai. Es ist also bereits Frühlings-Halbzeit. Und diese erste Halbzeit brachte in Zürich mehr Frühling, als in vielen Jahren überhaupt der ganze Frühling im Stand war. Die Lufttemperatur erreichte in der Periode vom 1. März bis 15. April auf dem Zürichberg einen Durchschnitt von 9,4 Grad. Die erste Frühlingshälfte war damit um deutliche 3,4 Grad übertemperiert, verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Zürich erlebte gleichzeitig auch die wärmste erste Frühlingshälfte seit mindestens Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Temperaturniveau ist dem Kalender rund ein Monat voraus. Und das begann nicht erst im März – bereits der Februar war so mild wie ein Märzmonat. Der März brachte dann durchwegs Apriltemperaturen und in der ersten Aprilhälfte erreichte das Thermometer bereits „Maiwärme“. Die erste Frühlingshälfte 2017 war mit 9,4 Grad sogar wärmer als das langjährige Mittel des Gesamtfrühlings – also die Periode März bis Mai – welches zwischen 1981-2010 9,1 Grad vorweist. Dies erstaunt umso mehr, da die zweite Frühlingshälfte (16. April bis 31. Mai) normalerweise deutlich wärmer ausfällt als die erste (1. März bis 15. April). Dieser Vergleich bringt zutage, wie markant die diesjährige Temperaturanomalie ist.

Die erste Frühlingshälfte (1. März-15. April) war heuer mit durchschnittlich 9,4 Grad in Zürich so warm wie nie zuvor seit Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Top 5

So warm wie 2017 war die erste Frühlingshalbzeit noch nie, umso erstaunlicher erscheint die Tatsache, dass erst das Jahr 2014 und davor 2011 ähnlich hohe Temperaturen in der ersten Frühlingshälfte hervorbrachten. Es scheint als wollen sich die Rekordfrühlinge im 3-Jahres-Rythmthmus wiederholen. Die ersten Frühlingshalbzeiten in den Jahren 2011 und 2014 waren praktisch identisch zum diesjährigen Rekord. Wie heuer war die Periode vom 1. März bis 15. April durch Trockenheit und sehr viel Sonnenschein geprägt. Am trockensten und sonnigsten war es 2011. Damals fiel in dieser Periode nur gerade 37 Liter Regen pro Quadratmeter und die Sonne strahlte 316 Stunden über Zürich. Vor drei Jahren wie auch 2017 waren es immerhin rund 50 Liter Regen, gleichzeitig gab es etwas mehr als 300 Sonnenstunden. Temperaturtechnisch können die Vorjahre der aktuellen Anomalie das Wasser nicht reichen. So erreichte die erste Frühlingshälfte 2011 eine mittlere Lufttemperatur von 8,5 Grad, 2014 waren es 8,8 Grad. Damit gehören sie alle in die Top 5 der wärmsten seit mindestens 1901. Die 2.-wärmste erste Frühlingshälfte wird im Jahr 1981 gefunden. Damals erreichte die Durchschnittstemperatur 9,1 Grad. Jedoch fiel damals in der gleichen Periode mehr als doppelt so viel Regen verglichen mit 2017, und die Sonne schien mehr als 100 Stunden weniger häufig. Es war mehrfach bewölkt. Dies zeigte sich auch in den sehr milden Nächten. So sank das Thermometer 1981 in den Nächten jeweils nur auf 5,3 Grad. 2017 waren die Nächte in der ersten Frühlingshalbzeit mit durchschnittlich 4,4 Grad deutlich kühler, was ein Zeichen dafür ist, dass die Nächte häufig klar und die Tage anschliessend sonnig verliefen. Ebenfalls sehr mild zeigte sich die erste Frühlingshälfte 1961, welche 8,6 Grad am Zürichberg erreichte. Auch witterungstechnisch gibt es viele Parallelen zum aktuellen Frühling. So war es auch 1961 trocken und sonnig, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt wie in diesem Jahr.

Sommer oder Schnee im Mai?

Dass eine rekordwarme erste Frühlingshälfte keine Garantie für eine weiterhin hochfrühlingshafte zweite Hälfte gibt, offenbart ebenfalls ein Blick in die Wetterbücher. Vor drei Jahren gab es in der zweiten Aprilhälfte sowie im Mai wiederholt ausgeprägte Kaltluftvorstösse. Der Mai verlief insgesamt kühl und regenreich. Auch 1981 kehrte das Wetter in der zweiten Frühlingshalbzeit. Die zweite Aprilhälfte war sehr kühl – respektive nochmals spätwinterlich. Im Mai 1981 folgte ein ständiges Auf und Ab. Noch extremer verlief der Frühling 1961, als nach der sehr milden ersten Frühlingshälfte ein ausserordentlich kalter Mai folgte. Der Mai war sogar kühler als der vorangegangene April und am 28. Mai gab es sogar nochmals messbaren Schnee in Zürich. Es war bis heute der späteste Schneefall in Zürich seit Messbeginn 1931. Ganz anders verlief die zweite Frühlingshälfte 2011, welche der ersten Hälfte nacheiferte. Der einmonatige Temperaturvorsprung blieb erhalten und so war der Mai 2011 so warm wie ein durchschnittlicher Juni und die Trockenheit setzte sich fort. Dem Frühling 2017 kann nun also die Gretchenfrage gestellt werden.

Kälteeinbruch zur Monatsmitte (Ostern 2017)

Von rekordwarm zu fast rekordkalt in nur einer Woche.
Rekordwärme in der ersten Frühlingshälfte

Trotz kühlem Mai – Frühling 2014 einer der wärmsten

Zürich ist im Sommer angekommen. Der treppenähnliche Weg vom Winter in den Sommer war geprägt von einem steilen Start und einem nachfolgend seitwärtsgerichteten Auf und Ab. 

 

Seit dem ersten Juni befindet sich die Nordhalbkugel im meteorologischen Sommer. Dieser dauert bis am 31. August. Nach verhaltenem Start stiegen die Temperaturen an Pfingsten erstmals in den hochsommerlichen Bereich. Hohe Temperaturen und die langen Tage machen das Sommerfeeling perfekt. Für die nächsten rund zwei Monate dominiert das Licht – die Tage dauern fast doppelt so lange wie die Nächte. Anfang Juni beträgt die Tageslänge in Zürich bereits 15 Stunden und 41 Minuten. Dieser Wert steigt bis zur Sommersonnenwende am 21. Juni auf 15 Stunden und 57 Minuten. Danach werden die Tage tendenziell zwar bereits wieder kürzer – dies ist jedoch im ersten Monat noch kaum spürbar. So beträgt die Tageslänge Ende Juli immer noch rund 15 Stunden, erst ab August verkürzt sie sich wieder spürbar. Ende August gibt es in Zürich noch 13 Stunden und 24 Minuten Tageslicht.

 

Warmer Frühling – heisser Sommer?

Tendenziell legt der Frühling die Basis für den Sommer. Ein Blick in die Klimahistorie zeigt nämlich, dass die Chancen für einen warmen Sommer nach einem warmen Frühling besser stehen als nach einem kühlen Frühling. Die letzten rund 20 Jahre haben diesen Zusammenhang aber deutlich abgeschwächt. So folgten nach dem sehr warmen Frühling 2007 und 2011 leicht zu kühle Sommer. Letztes Jahr folgte auf einen sehr kühlen Frühling aber der wärmste Sommer seit zehn Jahren. Obwohl 1994 und 2003 auf einen warmen Frühling auch ein heisser Sommer folgte, zeigen die letzten Jahre, dass der vorangehende Frühling trotzdem nur wenig über den kommenden Sommer bekannt gibt. Ein Blick zurück lohnt sich trotzdem und zeigt, wie der Frühling 2014 einzustufen ist.

 

Frühling2014_Treppenmodell_web
Der Verlauf der Temperaturen vom Winter in den Sommer gestaltet sich in der Schweiz typischerweise treppenähnlich, so auch dieses Jahr: Zwei Stufen hoch, eine Stufe hinab.

 

Wieder in den Top 10

Der meteorologische Frühling 2014 (März-Mai) startete wie die Feuerwehr. Die erste Hälfte, März bis Mitte April, war rekordverdächtig warm. März wie April waren verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010 um mehr als 2 Grad übertemperiert. Ab Mitte April setzte das für den mitteleuropäischen Frühling eigentlich typische Wettermuster ein: milde und sonnige Tage wurden von kühlen und nassen Tagen abgelöst. Ein unbeständiges Auf und Ab, in welchem der Frühling auf der Treppe vom Winter in den Sommer zwei Stufen emporsteigt, um dann wieder eine Stufe abwärts zu gehen. Im Mai waren grosse Schritte nach oben selten. Unter dem Strich war der Mai 2014 dann verglichen mit den Jahren 1981-2010 um etwas mehr als ein halbes Grad unterkühlt und somit der zweite zu kühle Mai in Folge. Im Vorjahr fiel das Wärmedefizit mit fast zweieinhalb Grad jedoch deutlich markanter aus. Zieht man das Maitemperaturmittel der Jahre 1961-1990 heran, so war der diesjährige Mai sogar etwas zu mild. Alle diesjährigen Frühlingsmonate zusammen waren in Zürich im Durchschnitt 10,3 Grad mild und brachten einen Wärmeüberschuss von mehr als einem Grad gegenüber dem Referenzwert der Jahre 1981-2010. In Zürich folgte somit auf den 5.-wärmsten Winter der 8.-wärmste Frühling seit Messbeginn 1864. Dies zeigt, wie aussergewöhnlich warm das letzte Halbjahr verlief.

 

Warmjahr 2014?

Verglichen mit dem kühlen Vorjahres-Frühling war der diesjährige Frühling fast drei Grad wärmer und reiht sich ein in das Muster der deutlichen Häufung warmer Frühlinge seit rund 25 Jahren. Vor allem die letzten zehn Jahre brachten einen Rekordfrühling nach dem anderen. 2012, 2011, 2009 und 2007 waren in Zürich die wärmsten Frühlinge seit Messbeginn. Ein Frühling wie jener in diesem Jahr wäre noch vor zehn Jahren einer der wärmsten überhaupt gewesen. Nun reicht es „nur“ noch auf Rang 8.

Der Frühling setzte die seit letztem Sommer eingesetzte Wärmeperiode fort. Das bisherige Jahr 2014 (Januar-Mai) war in der Limmatstadt das 3.-wärmste seit Messbeginn 1864. Wärmer war die gleiche Periode nur 2011 und vor allem 2007. Während 2011 am Ende des Jahres dann sogar das schweizweit wärmste Jahr überhaupt darstellte, stürtzte das Wetterjahr 2007 in der zweiten Hälfte nach einem durchzogenen Sommer und einem kühlen Herbst regelrecht ab und landete „nur“ auf Platz 6 der wärmsten Jahre. Ähnliches wiederholte sich 1990.

Zusammenfassend gilt der Befund, dass die Chancen auf ein sehr warmes Jahr 2014 gut stehen. Da aber noch nicht einmal die halbe Strecke zurückgelegt ist, sollten keine voreiligen Schlüsse gezogen werden. Nach oben wie auch nach unten gibt es noch viel Luft.

 

Trotz kühlem Mai – Frühling 2014 einer der wärmsten

Der Frühling in Zürich wird immer wärmer

Auf dem Zürichberg war der Frühling 2012 der viertwärmste der Messreihe mit Beginn im Jahr 1864. Die Temperaturen lagen zweieinhalb Grad über der Normwertperiode 1961-1990. Damit setzt der diesjährige Frühling den Aufwärtstrend fort. 

Fruehling-Temperaturen

Seit Anfang der 80er-Jahre erwärmen sich die Frühling mit 0,8 Grad pro Jahrzehnt!
Wetterdaten: MeteoSwiss

Die sechs wärmsten Frühlinge in Zürich wurden alle seit 2000 beobachtet, die fünf wärmsten fanden allesamt in den letzten zehn Jahren statt und die vier wärmsten liegen alle nicht mehr als sechs Jahre zurück. Im Sport würde dieses Phänomen Rekordjagt genannt werden, in der Klimatologie dürfte es ein Zeichen des Klimawandels sein. Wie aus Daten von MeteoSchweiz hervorgeht, war der am 31. Mai zu Ende gegangene Frühling auf dem Zürichberg mit durchschnittlich 10,5 Grad zwar ein Grad kühler als sein letztjähriger Vorgänger aber trotzdem der viertwärmste in der Messreihe. Zum grossen Wärmeüberschuss hat vor allem der stark übertemperierte März beigetragen. So lag die Mitteltemperatur des März im Bereich eines leicht zu warmen Aprils! In der Südschweiz war der dritte Monat des Jahres örtlich bis zu fünf Grad zu warm und somit der wärmste in der Messreihe. Nach dem eisigen Februar wurde der Alpenraum gleich in den Hochfrühling katapultiert. Der April konnte in der Folge nur ein bescheidenes Wärmepolster vorweisen. Nach einem durchzogenen und über weite Strecken trüben April, der lange Zeit kühler war als der vorangegangene März, folgte ein heisses Aprilfinale, so dass die Mitteltemperatur noch deutlich angehoben wurde. Während des Föhnsturms wurden verbreitet die höchsten Apriltemperaturen seit Messbeginn registriert. Auf dem Zürichberg wurde es am 28. April mit 28,8 Grad hochsommerlich warm. In der Nacht auf den 29. April sank das Thermometer nicht unter 20 Grad, was einer so genannten Tropennacht gleichkommt. In Zürich war es die erste Tropennacht überhaupt in einem April. Der Mai begann dann mit Starkniederschlägen, welche die lange Trockenheit etwas entschärften. Kurz darauf folgte aber der nächste Hitzeschub. So wurde am 11. Mai die 30-Grad-Marke auf dem Zürichberg nur knapp verfehlt. An anderen Orten des Mittellandes reichte es für einen Hitzetag. Auch dank des sommerlichen Monatsendes war der Mai mehr als 2 Grad zu warm.

Trocken und sonnig
Der Frühling 2012 war auch ein Frühling des Sonnenscheins. Bereits im März zeigte sich die Sonne mehr als 200 Stunden und auch im Mai gab es erneut 200 Sonnenstunden. Nur der April war häufig trüb und brachte nur rund 120 Sonnenstunden hervor. Mit 550 bis 600 Stunden Sonnenschein war es ein sehr sonniger Frühling. Die sonnige Witterung wurde im März und April auch von der weiterhin anhaltenden Trockenheit begleitet. Der März brachte nur rund einen Drittel, der April zwei Drittel der üblichen Niederschlagsmengen. Mit zwei Starkniederschlagsereignissen war zumindest der Mai durchschnittlich feucht. Seit Juli 2010 befindet sich die Region Zürich in einer Trockenheit, seither sind die über 12 Monate betrachteten Niederschlagssummen deutlich unterdurchschnittlich. Zurzeit fehlen rund 120 Liter Wasser pro Quadratmeter. Vor einem Jahr war die Lage mit einem Defizit von 180 Liter noch etwas angespannter.

2 Grad wärmer
Die trockenen Frühlingsmonate der letzten Jahre täuschen jedoch ein wenig und erzählen nur die halbe Wahrheit. Beim Betrachten des 30-jährigen Mittels der Niederschlagssummen fällt auf, dass die Niederschläge im März und vor allem im Mai in den letzten Jahrzehnten zugenommen haben. Der Mai bringt heute im Durchschnitt 20 Liter mehr Niederschlag pro Quadratmeter als noch vor 20 Jahren. Nur im April haben die Niederschläge über die letzten Dekaden leicht abgenommen. Viel eindeutiger sind die Trends bei den Temperaturen. Keine Jahreszeit erwärmt sich so stark und so rasch wie der Frühling! Seit 1990 wurden alle Frühlingsmonate in Zürich 1,2 bis 1,3 Grad wärmer. So sind heute Frühlinge rund 2 Grad wärmer als noch um 1880. Die Frühlingsmonate erwärmten sich in den letzten 30 Jahren mit einer Rate von 0,8 Grad pro Jahrzehnt. Die Sommermonate kommen auf eine Rate von 0,4 Grad pro Dekade und die Herbst-und Winter auf nur 0,1 bis 0,2 Grad pro 10 Jahre. Über die letzten 50 Jahre betrachtet, haben sich die Herbst- und Wintermonate aber auf um 0,3 bis 0,4 pro Dekade erwärmt. Wenn die Erwärmungstrends im gleichen Stil anhalten, sind in weniger als 20 Jahren Frühlinge wie der diesjährige bereits Durchschnitt und keine Rekorde mehr.

Der Frühling in Zürich wird immer wärmer