Ein Sommerhalbjahr der Rekorde

Mitteleuropa, die Schweiz und Zürich erlebten ein Rekord-Sommerhalbjahr. Bei praktisch allen relevanten Wetterparametern schwingt das Sommerhalbjahr 2018 obenaus oder gehört in die Top 5 seit Messbeginn vor rund 150 Jahren. In der Meteorologie wird die Zeitspanne von Anfang April bis Ende September als Sommerhalbjahr bezeichnet. Das Winterhalbjahr dauert entsprechend von Oktober bis März. Die sechs Sommerhalbjahrmonate 2018 wurden von einer aussergewöhnlichen Wärme, staubiger Trockenheit und eitel Sonnenschein geprägt. Verglichen mit der langjährigen Normperiode der Jahre 1981-2010 gingen alle einzelnen Monate deutlich übertemperiert, zu trocken und zu sonnig in die Wetterbücher ein. In der Summe resultierte so über das gesamte Sommerhalbjahr 2018 ein bis anhin einzigartiges Rekordhalbjahr.

 

Rekordwärme

Die durchschnittliche Lufttemperatur zwischen April und September kam in Zürich bei 17,5 Grad zu liegen. So warm war ein Sommerhalbjahr seit Messbeginn 1864 noch nie. Die letzten sechs Monate waren 2,6 Grad wärmer als der 30-jährigen Mittelwert der Periode 1981-2010 und 0,3 Grad wärmer als das Sommerhalbjahr des legendären Hitzesommers 2003. Damit setzt das Sommerhalbjahr einen neuen Höhepunkt und ist Teil einer neuen Ära der Sommerwärme, wie es MeteoSchweiz treffend ausformulierte. Neun der zehn heissesten Sommerhalbjahre in Zürich wurden in den Jahren seit 2003 gemessen. Die einzige Ausnahme liefert das Sommerhalbjahr 1947, welches bis heute als drittwärmstes Sommerhalbjahr gilt. Sommerhalbjahre in Zürich zeigten seit Anfang des 20. Jahrhunderts nur wenige Temperaturänderungen und waren im Durchschnitt knapp 13,9 Grad mild. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts setzte eine deutliche Erwärmung des Sommerhalbjahrs ein. So ist das Sommerhalbjahr seit 2001 im Durchschnitt 15,6 Grad warm. Das ist eine Erwärmung von knapp 2 Grad innert kürzester Zeit.

So heiss wie im 2018 war ein Sommerhalbjahr (April-September) in Zürich in den letzten mindestens 154 Jahren noch nie. Es ist eine starke Häufung extrem warmer Sommerhalbjahre seit Beginn des 21. Jahrhunderts zu beobachten.

Sommertage ohne Ende

An 142 der 183 Sommerhalbjahrtagen stieg die Tageshöchsttemperatur am Zürichberg über 20 Grad. Der bisherige Rekordwert wurde dabei um ganze zehn Tage überboten. Die mittlere Tageshöchsttemperatur erreichte mit über 23 Grad ebenfalls einen neuen Rekordwert. Auch die nächtlichen Tiefstwerte lagen mit durchschnittlich 12,5 Grad über dem bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2003. Das Quecksilber stieg am Zürichberg an 76 Tagen über die Sommermarke von 25 Grad. Noch mehr Sommertage erlebte Zürich einzig im Sommerhalbjahr 2003. Damals gab es noch zehn Sommertage mehr als heuer. Ebenfalls sehr viele Sommertage brachte das Sommerhalbjahr 1947: insgesamt 69. Etwas weniger extrem zeigt sich das abgelaufene Sommerhalbjahr in Sachen Hitze. Eine intensive Hitzewelle rollte zwar zwischen Mitte Juli und Anfang August über die Nordschweiz, ansonsten zeigte sich das Sommerhalbjahr aber meistens konstant sehr warm – nicht aber extrem heiss. Dies zeigt sich in der Anzahl Hitzetage. Im Sommerhalbjahr 2018 wurden 18 Hitzetage mit einer Höchsttemperatur über 30 Grad erfasst. Das ist zwar deutlich mehr als im langjährigen Durchschnitt, welcher von lediglich sechs Hitzetagen ausgeht, aber in bereits drei Sommerhalbjahren gab es noch mehr Hitzetage als 2018. So brachten die Jahre 1947, 2003 und 2015 im Sommerhalbjahr alle je 26 Hitzetage.

 

Dürre und Sonnenschein pur

Extrem war neben der Rekordwärme auch die ausgeprägte Trockenheit, welche das Sommerhalbjahr 2018 dominierte. Seit April fielen in Zürich lediglich 400 mm Regen. Das sind gerade mal 60 Prozent der üblichen Niederschlagsmengen. Das Regendefizit entspricht der Regenmenge zweier Sommermonate. Das Sommerhalbjahr war damit in Zürich so trocken wie seit 69 Jahren nicht mehr. Noch etwas trockener waren die Sommerhalbjahre 1947 und 1949. Hohe Temperaturen und Trockenheit entstehen durch langanhaltende Schönwetterlagen. Entsprechend leistete im Sommerhalbjahr 2018 auch die Sonne zahlreiche Überstunden. Mit 1‘462 Sonnenstunden in Zürich zwischen April und September 2018 war es das sonnigste Sommerhalbjahr seit mehr als 70 Jahren. Diese Periode  brachte mehr Sonnenschein als beispielsweise das ganze Jahr 1994. Noch sonniger waren die Sommerhalbjahre 1911 und 1945 und 1947 mit 1‘470 bis 1‘520 Sonnenstunden.

 

Die Rekordwärme im Sommerhalbjahr 2018 hat durchaus einen Einfluss auf die Energiekosten im Gebäudebereich. Die Heizkosten steigen und sinken analog mit den Temperaturen. Ein meteorologischer Indikator dafür sind die Heizgradtage. Am Anfang und Ende des Sommerhalbjahrs wird in der Schweiz je nach Witterung geheizt. Im Sommerhalbjahr 2018 erreichten die Heizgradtage einen Wert von 235. Noch tiefer war dieser Wert lediglich im Sommerhalbjahr 2009. Im Durchschnitt liegt er bei über 640. Anders sieht es beim Kühlbedarf aus. Immer häufiger werden Gebäude im Sommer gekühlt. Je höher die Aussentemperatur, desto mehr Energie braucht es zur Kühlung. Ein Indikator dafür sind die Kühlgradtage. Dieser Indikator stieg heuer auf einen Wert von 263. Noch höher stieg er lediglich im Sommerhalbjahr 2003. Im langjährigen Durchschnitt liegt er allerdings nur bei 85. Im Sommerhalbjahr 2018 musste aufgrund der Rekordwärme natürlich nicht geheizt, jedoch aber umso mehr gekühlt werden.

Ein Sommerhalbjahr der Rekorde

Ein Januar ohne Schnee und Eis – im Flachland

Das Jahr 2018 startete gleich mit einem neuen Monatsrekord für den Januar. In Zürich erreichte die Januartemperatur 2018 einen neuen Rekordwert von 4,7 Grad. Systematisch gemessen wird in Zürich seit 1864. Der Januar 2018 fühlt sich im Vergleich mit Frühlingsmonaten sogar wohler als mit eigentlich Gleichgesinnten. So war der Januar so mild wie ein durchschnittlicher März und wärmer als die Hälfte aller Märzmonate seit 1864. Der bisherige Januarrekord lag noch gar nicht weit in der Vergangenheit. Im Januar 2007 war es in Zürich nur wenige Zehntelgrad kühler als in diesem Jahr. Anders am Messstandort Genf, dort erreichte die Januartemperatur 2018 den alles überragenden Rekordwert von 6,2 Grad. Die bisher mildesten Januarmonate lieferten in Genf um 4,5 Grad. Auch im landesweiten Mittel ist es der mildeste Januar seit Messbeginn.

Der Januar 2018 war in Zürich praktisch durchwegs deutlich zu warm. Nur am 14. Januar lag die Tagesmittel-Temperatur etwas unter dem langjährigen Durchschnitt.

Schnee nur in den Bergen

Eine konstante Westströmung flutete den Alpenraum mit sehr milder aber auch feuchter Luft aus dem Atlantik und dem Mittelmeerraum. In den Bergen waren daher die Bedingungen für riesige Schneemengen perfekt. In Arosa erreichte die Neuschneesumme im Januar 2,85 Meter. Es ist die fünfthöchste Januarsumme seit Messbeginn 1890. Ganz anders präsentierte sich die Schneelage im Flachland. In Zürich wurde im ganzen Januar 2018 kein einziger Tag mit Neuschnee registriert. Schneefreie Jänner sind in Zürich zwar selten, aber nicht einmalig. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind fünf weitere Januare (1974, 1975, 1989, 1990 und 2008) ohne Schnee bekannt. Im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010 sind im Januar fünf Tage mit Neuschnee und 12 Tage mit einer Schneedecke zu erwarten. Während der Januar schneetechnisch in den Bergen also klar überdurchschnittlich ausfiel, machte sich im Flachland grosse Schneearmut breit.

Neben dem Schnee machte sich auch der Frost rar – sehr rar. Nur in vier Nächten sank das Thermometer unter den Gefrierpunkt. Selbst in klaren Nächten sank das Quecksilber mitten im Januar in Zürich nur auf 2-4 Grad. So wenige Frostnächte in einem Januar gab es noch nie seit mindestens 120 Jahren. Der bisherige Rekord von neun Frostnächten im Januar 2007 wurde dabei deutlich unterboten. Bei so wenigen Frostnächten erstaunt es kaum, dass auch Eistage mit Dauerfrost im Januar 2018 überhaupt kein Thema waren. Mit keinem einzigen Eistag reiht sich der Januar 2018 in eine sehr exklusive Gruppe ein. Vorher war dies nur aus den drei Januarmonaten 1916, 1936 und 1988 bekannt. Selbst in den sehr milden Januaren 2007, 2014 und 2015 gab es ein bis vier Eistage mit Dauerfrost. Die Klimanormwerte der Jahre 1981-2010 lassen im Januar immerhin 20 Frostnächte und 9 Eistage erwarten.

 

Kalter Frühling?

Der grosse Wärmeüberschuss im Januar 2018 zeigte sich auch in teils frühlingshaft milden Nachmittagen. An sechs Tagen zeigte das Thermometer Werte über 10 Grad an. Für einmal ist dies aber kein neuer Rekordwert. Im Januar 1993 gab es sogar 10 Tage, 2007 sogar 11 Tage mit Höchstwerten über 10 Grad. Die Milde liess bereits Haselsträucher und Erlen erblühen. Der Blühbeginn kann als „sehr früh“ bezeichnet werden. Der Vorsprung beträgt im Durchschnitt ganze 25 Tage. An einigen Standorten wurde der Blühbeginn der Hasel sogar noch nie so früh beobachtet wie in diesem Jahr. In Bauernregeln werden milde Jänner gefürchtet und mit kalten, anstehenden Frühlingsmonaten in Verbindung gebracht. So heisst es: „Lässt der Januar Wasser fallen, lässt der Lenz es gefrieren“ und „Wirft der Maulwurf seine Hügel neu, währt der Winter bis zum Mai.“ Viele alte Volkssprüche lassen zudem einen spezifischen Zusammenhang mit dem Monat Mai vermuten. „Wieviel Regentropfen ein Januar, soviel Schneeflocken im Mai.“ Die durch die Milde gestörte Winterruhe solle sich zudem negativ auf die Vegetationsentwicklung im ganzen Jahr auswirken: „Im Januar viel Regen und wenig Schnee, tut Saaten, Wiesen und Bäumen weh“ und „Wächst das Gras im Januar, so wächst es schlecht im ganzen Jahr.“

Klimatologisch lässt sich allerdings kein Zusammenhang zwischen einem milden Januar und irgendeinem kalten oder schneereichen Frühlingsmonat ableiten. Betrachtet man die 20 wärmsten Januarmonate seit 1864, so zeigt sich eher ein umgekehrtes Bild. Auf einen sehr milden Januar folgt auch ein sehr milder Frühling. Beispiele dafür stammen aus den Jahren 1920, 1924, 1948, 1993, 1999, 2007, 2008 und 2014. Jedes Mal folgte auf einen sehr milden Januar auch ein sehr milder Frühling. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Im Jahr 1877 war der Januar mit durchschnittlich 2 Grad recht mild. März, April und Mai waren dann aber deutlich zu kühl. Oder auch 1975, als auf einen sehr milden Januar ebenfalls ein insgesamt kühler Frühling folgte. Eine weitere Bauernregel deutet dann aber trotzdem auf einen guten Frühling hin. So heisst es: „Der Januar muss krachen, soll der Frühling lachen.“ Mit den vielen Stürmen, die teils sogar Wintergewitter brachten, hat es im Januar 2018 so richtig gekracht. Das sind gute Aussichten für den Frühling. Vorher ist aber nochmals Winter angesagt. Der Februar kann es in sich haben, wie uns die Jahre 2012, 2013 und 2015 gezeigt haben.

Ein Januar ohne Schnee und Eis – im Flachland

Globale Rekordwärme setzt sich auch in der Schweiz durch

Global fallen dieses Jahr die Temperaturrekorde: Der Juli 2015 war der wärmste je gemessene Monat und auch der August, September und Oktober 2015 waren allesamt Rekordmonate. Zudem dürfte das Jahr 2015 gemäss der Weltorganisation für Meteorologie global gesehen das wärmste Jahr seit Messbeginn werden. Der sich abzeichnende, globale Temperaturrekord für das Jahr 2015 könnte zudem zum ersten Mal die Marke von 1 °C Temperaturanstieg gegenüber dem vorindustriellen Niveau durchschreiten. Damit wäre bereits die Hälfte der 2-Grad-Erwärmung erreicht, welche der UNO-Klimagipfel 2009 als Grenze festlegte, um gefährliche Auswirkungen der Klimaänderung zu limitieren. Die globalen Klimaverhandlungen sind zurzeit in der nächsten Runde: Vom 30. November bis 11. Dezember 2015 findet in Paris die UN-Klimakonferenz mit Teilnahme der Schweiz statt. Ein zentrales Ziel der Konferenz ist eine neue, umfassende internationale Klimaschutz-Vereinbarung.

Der November 2015 egalisierte in Zürich den bisherigen Novemberrekord aus dem Jahre 1994.

 

Herbst nach Rekord-November doch zu warm

Trotz der globalen Temperaturrekorde konnte sich der Herbst 2015 in Mitteleuropa lange Zeit vor der schon fast omnipräsenten Wärme auf dem Globus „verstecken“. So waren heuer mit dem September und Oktober die ersten zwei Herbstmonate kühler als im langjährigen Mittelwert der Periode 1981-2010. Das Temperaturdefizit belief sich auf ein halbes bis knapp ein ganzes Grad Celsius. Der September war so kühl wie seit 2010 nicht mehr und ganze zwei Grad kälter als im Vorjahr. Von Spätsommerwetter konnte kaum an einem Tag die Rede sein. Vielmehr machte der September schon richtig auf Vollherbst und es fühlte sich an, wie wenn schon Oktober wäre. Mit dem Oktober kam dann auch schon der November – zumindest was die Temperaturen in den ersten zwei Monatsdritteln anbelangte. Von einem Altweibersommer fehlte jede Spur: es herrschte Novembertristesse mitten im Oktober. Im letzten Oktoberdrittel schwappte dann die globale Wärme auch wieder nach Mitteleuropa und beendete eine knapp zweimonatige „Kältephase“. Mit der Wärme kam auch die Sonne zurück. In der Folge erlebte die Schweiz goldene letzte Oktobertage und einen Martinisommer wie wohl nie zuvor seit Messbeginn. Die rund vierwöchige Herbstwärme war so ausgeprägt, dass auch der Wintereinbruch in der letzten Novemberwoche mit erneut unterkühlten Temperaturen nichts mehr ausrichten konnte. Der November 2015 egalisierte in Zürich mit durchschnittlich 7,8 Grad den bisherigen Novemberrekord aus dem Jahre 1994. So war der Herbst 2015 unter dem Strich trotzdem 0,6 Grad übertemperiert. Von den zwölf Herbstwochen waren zwar sieben Wochen leicht unterkühlt, doch die fünf zu warmen Wochen brachten Rekordwärme und vermochten die kühleren im Durchschnitt deutlich zu überbieten. Der Herbst 2015 war mit durchschnittlich 10 Grad zwar knapp anderthalb Grad kühler als sein Vorgänger, doch er setzte die Phase mit durchwegs zu warmen Herbstperioden seit 2011 fort. Nur unmerklich kühler war der Herbst jeweils in den Jahren 2012 und 2013.

Grosse Trockenheit

Anders als die Temperaturen änderten die Niederschläge ihr Muster im Verlauf des Herbstes nicht. Die seit Sommermitte anhaltende Niederschlagsarmut setzte sich im Herbst fort. Die Trockenheit hält nun schon seit fünf Monaten an. Die Abweichungen zu den monatlichen Normwerten verringern sich zwar, trotzdem blieben alle Herbstmonate unter ihren Erwartungen. Der November brachte mit 64 mm am Zürichberg wieder mehr Niederschlag als in den zwei vorangegangenen Monaten, im langjährigen Mittelwert 1981-2010 müssten es aber alleine im November 79 mm sein. Mit total 152 mm Niederschlag brachte der Herbst 2015 nur gerade 57 Prozent der erwarteten Niederschläge und war somit ausgesprochen trocken. Extrem war die Trockenheit alleine im Herbst jedoch nicht. Erst in den Jahren 2007 und 2011 gab es mit 138 respektive 149 mm noch weniger Regen. Der trockenste Herbst in Zürich seit 1864 wurde im Jahre 1920 aufgezeichnet mit nur gerade 96 mm Niederschlag.

November-Sonne
Der November war in Zürich ausgesprochen sonnig. Nur die Jahre 1981 und 1986 brachten noch gut 10-20 Stunden mehr November-Sonnenschein.

Viel Sonne im November

Der Herbst 2015 brachte über die ganze Strecke aufsummiert 311 Sonnenstunden am Zürichberg. Das sind rund 11 Prozent mehr als im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Auch während des kühlen Herbstbeginns gab es längere Perioden mit vorwiegend hochdruckbestimmter Witterung, wie MeteoSchweiz schreibt. So beispielsweise vom 24. bis am 30. September und vom 19. bis am 27. Oktober. Während der Nebel im September noch oft ausblieb, blieb er im Oktober dann hartnäckiger, so dass der Oktober mit lediglich 89 Prozent des Solls als einziger Herbstmonat als zu trüb einzustufen ist. Wieder überall sehr sonnig zeigten sich die ersten drei Novemberwochen. Mit 101 Sonnenstunden in Zürich war es einer der sonnigsten November seit 1901. Nur die November aus den Jahren 1981 und 1986 brachten noch 10-20 Stunden mehr Besonnung.

Abweichung der Jahrestemperatur vom vorindustriellen Mittel (1864-1990) für die globale Temperatur (rot) und Zürich (blau) von 1864-2015 (inkl. Mass für die Unsicherheit 2015). Quelle: MetOffice HadCRUT4-Datensatz, MeteoSchweiz.
Abweichung der Jahrestemperatur vom vorindustriellen Mittel (1864-1990) für die globale Temperatur (rot) und Zürich (blau) von 1864-2015 (inkl. Mass für die Unsicherheit 2015). Quelle: MetOffice HadCRUT4-Datensatz, MeteoSchweiz.

Mailand oder Napoli?  

Weniger als ein Monat vor Ende des Jahres 2015 zeichnet es sich immer deutlicher ab: 2015 wird nicht nur global, sondern auch in der Schweiz erneut ein sehr warmes Jahr. Schweizweit und am Zürichberg wird 2015 eines der vier wärmsten Jahre seit Messbeginn 1864 werden, je nach Ausgang des Dezembers. Die Abweichung zum vorindustriellen Niveau ist für die Schweiz aber nicht 1 Grad, sondern rund 2,5 Grad, wie eine Auswertung von MeteoSchweiz zeigt. Das heisst, dass die lokale Erwärmung in der Schweiz deutlich stärker ist als global. Zudem bedeutet dies, dass das globale 2-Grad-Ziel für die Schweiz bis Ende des Jahrhunderts lokal eine Erwärmung von 4‒5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau ausmachen dürfte. Was dies bedeuten könnte, zeigt folgendes Gedankenspiel: Bei Erreichung des globalen 2-Grad-Ziels wird in Zürich ein Klima herrschen wie noch gestern in Mailand. Verfehlt die Weltgemeinschaft aber das 2-Grad-Ziel, bekommt es die Alpennordseite sogar mit dem „Siesta-Klima“ von Napoli zu tun. Der ganze Mittelmeerraum „rückt“ analog ins afrikanische Sahara-Klima nach und die Sahara selber wird zum Glutofen. Während es für Zürich heisst: Mailand oder Napoli, geht es bei vielen anderen Weltbürgern ums nackte Überleben. So richten sich alle Augen auf einen hoffentlich vielversprechenden Ausgang der aktuellen Klimakonferenz in Paris.

 

Titelbild: Klima-Allianz: #dennichliebe Event Zürich

Globale Rekordwärme setzt sich auch in der Schweiz durch

Jahrhundert-Martinisommer und anhaltende Trockenheit

Mitteleuropa erlebte einen noch nie dagewesenen Martinisommer. Eine herbstliche Hitzewelle liess die Temperaturen in Mitteleuropa und in der Schweiz so hoch steigen wie nie zuvor in dieser Jahreszeit. Gleichzeitig verschärfte sich die Trockenheit.

Ein markanter Wetterumschwung am 21. November beendete einen bis dahin rekordverdächtig milden November. Die erste Novemberhälfte war in Mitteleuropa und in der Schweiz geprägt durch aussergewöhnlich hohe Temperaturen. Die extremsten Abweichungen zum langjährigen Referenzwert der Jahre 1981-2010 wurden mit 6 bis 8 Grad zu warmen Temperaturen in den Berglagen und auf den Hügelzügen beobachtet. So waren die durchschnittlichen Temperaturen in der Stadt Zürich rund 4 Grad, auf dem Zürichberg knapp 5 Grad und auf dem Hörnli 7 Grad übertemperiert. Eingesetzt hat diese herbstliche Hitzewelle bereits im letzten Oktoberdrittel. Zwischen dem 21. Oktober und dem 20. November erlebte Mitteleuropa heuer einen Martini-sommer, der alle Rekorde sprengt. Diese 4-wöchige Hitzeperiode mitten im Herbst kann nur durch Superlative beschrieben werden: es war ein Jahrhundert-Martinisommer. Ein Blick in die Wetterbücher bestätigt den Befund. Noch nie seit mindestens 1901 war die Periode vom 21. Oktober bis 20. November so warm. Verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt 1981-2010 waren die Temperaturen 3,2 Grad übertemperiert. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2006 wurde gleich um einige Zehntelsgrade überboten. Noch eindeutiger zeigt sich der ausgezeichnete Martinisommer in der Höhe, wo beispielsweise auf dem Jungfraujoch oder in Samedan neue Allzeit-November-Höchstwerte gemessen wurden. In beiden Fällen handelt es sich um sehr lange Messreihen mit Messbeginn im 19. Jahrhundert, was die Rekorde umso bemerkenswerter macht.

2015 erlebte Mitteleuropa und die Schweiz einen Jahrhundert-Martinisommer. Auch in Zürich war es vom 21.10.-20.11. so warm wie nie zuvor seit mindestens 1901.
2015 erlebte Mitteleuropa und die Schweiz einen Jahrhundert-Martinisommer. Auch in Zürich war es vom 21.10.-20.11. so warm wie nie zuvor seit mindestens 1901.

Kein Rekordherbst

Die Schweiz erlebte zwar einen Jahrhundert-Martinisommer. Für einen Rekordherbst reicht es aber nicht. Der Schein trügt, denn im September und in den ersten zwei Oktoberdritteln dominierten meist unterdurchschnittliche Temperaturen. Der meteorologische Herbst dauert vom 1. September bis zum 30. November. Mit dem jüngsten Wintereinbruch wird sich auch der Wärmeübschuss des Novembers noch etwas nach unten korrigieren. Unter dem Strich wird der Herbst einige Zehntelgrad übertemperiert ausfallen, jedoch deutlich kühler als im sehr milden Vorjahr. Der Herbst 2015 wird voraussichtlich so kühl wie seit 2010 nicht mehr. Der bisherige Rekord-Herbst aus dem Jahr 2006 war beachtliche 2,5 Grad wärmer als der diesjährige.

Eine solch ausgeprägte Trockenheit in der Periode von Juli-November wie in diesem Jahr kam bisher seit Messbeginn in 1864 erst zweimal vor.
Eine solch ausgeprägte Trockenheit in der Periode von Juli-November wie in diesem Jahr kam bisher seit Messbeginn in 1864 erst zweimal vor.

Staubtrocken

Aussergewöhnlich war neben den Temperaturen auch die Besonnung. Aufgrund einer beachtenswerten Nebelabsenz erreichten die Sonnenstunden bereits Mitte November in Zürich 140 Prozent des Solls für den gesamten Monat. Grossflächig fiel in der ersten Monatshälfte auch kein Tropfen Regen. Die seit Mitte Jahr anhaltende Trockenheit verschärfte sich weiter. Die letzte ergiebige Niederschlagsserie liegt schon fast ein halbes Jahr zurück: vom 14.-23. Juni fielen in Zürich rund 100 mm Regen, an den Voralpen deutlich mehr. Seither waren Juli, August, September, Oktober und jetzt auch der November deutlich zu trocken. In den letzten fünf Monaten fielen in Zürich gerade einmal rund 200 mm. Unter Berücksichtigung der zu erwartenden Niederschläge bis Ende November sind es in der Periode Juli-November knapp 250 mm. Verglichen mit einem durchschnittlichen Jahr fehlen in der Bilanz 260 mm Niederschlag. Das sind beinahe historische Ausmasse. Nur im Jahre 1949 war die erwähnte 5-monatige Periode in Zürich noch ein wenig trockener. Damals fehlten 270 mm in der Niederschlagsbilanz. Ähnlich trocken war es in dieser Periode auch 1864. Ausgeprägte Trockenperioden über mehrere Monate gab es letztmals im ersten Halbjahr 2011 und während des Hitzesommers 2003. Ein trockener Hochsommer gefolgt von einem trockenen Herbst, wie in diesem Jahr, gab es in den letzten Jahren nie mehr. Dank einem eher feuchten ersten Halbjahr ist das Niederschlagsdefizit 2015 gar nicht allzu gross. Es fehlen lediglich rund 100 mm. Die aktuelle Trockenheit hat aufgrund der Jahreszeit auch verhältnismässig geringe negative Auswirkungen. Da sich Natur und somit auch die Landwirtschaft auf die Winterruhe vorbereiten, gibt es kaum Ernteausfälle. Härter trifft es Fische in kleinen, versiegten Flüssen oder die stillstehenden Kleinwasserkraftwerke. Würde zudem ein kalt-trockener Winter folgen, wäre lokal auch die Trinkwasserversorgung gefährdet. Die nächsten Niederschläge sind also durchaus willkommen.

Jahrhundert-Martinisommer und anhaltende Trockenheit

Das grosse Osterwetter Ranking der letzten 114 Jahre

Nach neutestamentlicher Überlieferung ereignete sich die Auferstehung Christi in den Tagen des jüdischen Pessachfests, das im Frühling stattfindet. Auf dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 wurde das Datum des Osterfestes daher auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt. Vereinbartes Datum für den dem Frühlingsvollmond vorangehenden Frühlingsanfang ist der 21. März, sodass der frühste Ostersonntag auf den 22. März fällt und im spätesten Fall auf den 25. April. Nach dem Datum des Osterfestes richten sich fast alle anderen beweglichen Feiertage im Kirchenjahr. Dieses Jahr präsentiert sich der Vollmond während dem Osterwochenende. Der erste Frühlingsvollmond zeigt sich heuer am Karsamstag, 4. April 2015. Gemäss Vereinbarung fällt deshalb der Ostersonntag auf den 5. April.

 

Früher Ostertermin

Für das verlängerte Frühlingswochenende wünschen sich alle sonniges und mildes Frühlingswetter. Ein Vergleich der Osterwochenenden seit 1901 in Zürich zeigt, dass zwischen sommerlich warm und winterlich verschneit in der Schweiz fast alles möglich ist an Ostern. Aussagen über langfristige Trends wie: „Ostern werden immer wärmer“ oder „Ostern werden immer trüber“ sind natürlich möglich, machen aber wenig Sinn, da sich der Ostertermin innerhalb einer Datumsspannbreite von mehr als einem Monat bewegt. Ob Ostern Ende März oder Ende April stattfindet, entscheidet tendenziell, ob Ostern warm oder kalt werden. Und auch die tägliche Sonnenscheindauer ist Ende April höher als als Ende März. Der launische April zeigt jedoch, dass durchaus in einigen Jahren ein Osterwochenende Anfang April durchaus sonniger und wärmer ausfallen kann und dann im weiteren Verlauf des Aprils kühle und regnerische Wochenenden folgen. Das Osterwetter ist aber für fast alle Schweizer, die das lange Wochenende zuhause planen, zumindest für den Moment eine der wichtigsten Nebensachen und auf der Strasse das spannenste Smalltalk-Thema. Das folgende Osterwetter Ranking der letzten mehr als 100 Jahre gibt dafür die nötige Grundlage. Das Osterwochenende wird jeweils vom Karfreitag bis Ostermontag analysiert.

 

Die fünf wärmsten und fünf kältesten Ostern seit 1901 in Zürich.
Die fünf wärmsten und fünf kältesten Ostern seit 1901 in Zürich.

Sommerliche Ostern

Es gibt ein Osterwochenende in Zürich, welches wettertechnisch als Mass aller Dinge der letzten mehr als 100 Jahre gilt: Ostern 1949 waren in Zürich gleichzeitig die wärmsten, ja sogar heissesten und sonnigsten. In der Periode vom Karfreitag bis Ostermonat fiel kein Tropfen Regen. Mit einer Durchschnittstemperatur von sommerlichen 18 Grad war es mehr als 2 Grad wärmer als das zweitwärmste Osterwochenende aus dem Jahr 2011 mit gemittelt 15,8 Grad. An allen vier Ostertagen im Jahr 1949 stieg das Quecksilber am Nachmittag in Zürich über die Sommermarke von 25 Grad. Der absolute Osterhöchstwert wurde ebenfalls im Jahr 1949, nämlich am Ostermonat dem 18. April mit hochsommerlichen 28,6 Grad gemessen. Während Höchsttemperaturen von über 20 Grad an Ostern in Zürich in rund 10 Prozent aller Ostertage seit 1901 auftreten, sind Sommertage mit mehr als 25 Grad äusserst selten. Von den 9 Sommertagen an allen 456 Ostertagen seit 1901 in Zürich entfielen 4 auf das Jahr 1949. Das letzte Mal sommerlich waren Ostern im Jahr 2000 mit einem Höchstwert von 25,7 Grad. Auch in den Jahren 2009 und 2011 wurde es an je drei der vier Ostertagen zumindest mehr als 20 Grad warm.

 

Die fünf sonnenreichsten und die fünf sonnenärmsten Ostern seit 1901 in Zürich.
Die fünf sonnenreichsten und die fünf sonnenärmsten Ostern seit 1901 in Zürich.

Winterliche Ostern

Zur Osterzeit ist hochsommerliches wie auch winterliches Wetter möglich. Dies bewies das Osterwochenende im Jahr 1977, welches mit einer mittleren Temperatur von 0,5 Grad das kälteste Osterwochenende in Zürich seit 1901 bot. Das Zweitkälteste liegt noch nicht weit zurück und stammt aus dem Jahr 2008. Mit durchschnittlich 0,7 Grad war es ebenfalls winterlich. Auch 2013, das viertkälteste Osterwochenende, war mit 1,1 Grad nicht sonderlich frühlingshaft. Ostern sind auch keinesfalls immer frostfrei. Erst im Jahr 2012 und 2013 gab es leichte Nachtfröste. An Ostern 2013 brachte sogar jede Nacht zwischen Karfreitag und Ostermonat Hüttenfrost. Die absolut tiefste Ostertemperatur wurde mit -5,6 Grad am Karfreitag, 25. März 1932 registriert.

 

Sonnigste Ostern

Vier Tage Dauer-Sonnenschein wünschen sich die meisten am Osterwochenende. In den letzten 114 Osterwochenenden war dies in Zürich immerhin 7 Mal der Fall. Am sonnigsten war es mit insgesamt mehr als 50 Sonnenstunden wie bereits erwähnt im Jahr 1949. Aber auch Ostern 1911 und 1976 brachten mehr als 47 Sonnenstunden. Letztmals richtig sonnig war es im Jahr 2002 mit rund 44 Sonnenstunden. So sonnig Ostern sein können, umso trüber können sie in anderen Jahren ausfallen. So gab es 1931 und 1964 während den vier Ostertagen kaum Sonne. Mit insgesamt nur 0,3 Sonnenstunden war es 1964 am sonnenärmsten.

 

Sintflut an Ostern

Dauerregen wünscht sich niemand am Osterwochenende. Im Jahr 1901 war dies jedoch der Fall. Zwischen Karfreitag und Ostermonat fielen in Zürich knapp 83 mm Regen, soviel wie sonst im ganzen April. Auch 1913 und 1985 waren mit rund 40 mm sehr nass. Die Ostertage sind aber erstaunlicherweise recht häufig trocken. In mehr als jedem vierten Jahr fällt sogar an keinem der vier Ostertage Regen! So gibt es seit 1901 eine ganze Reihe komplett trockener Osterwochenenden. Letztmals war dies 2007, 2009 und 2011 der Fall.

 

Wetterumbruch an Ostern

Der launische Frühling kann auch während dem Osterwochenende zuschlagen. So ist eine Kombination zwischen sommerlich warm und winterlich kalt auch im gleichen Jahr durchaus denkbar. Einen regelrechten Wetterumbruch erlebte Zürich im Jahr 1932, als am Karsamstag noch Höchstwerte von knapp 27 Grad gemessen wurden, bevor ein Temperatursturz die Quecksilbersäule auf 2 Grad absacken liess.

 

Ostern 2015

Ostern finden dieses Jahr ziemlich früh im Kalenderjahr statt. Hochsommerliche Ostern sind deshalb eher unwahrscheinlich. Die Schweiz liegt zurzeit in einer lebhaften Westströmung, so dass eher wechselhafte Ostertage zu erwarten sind. Ostern 2015 werden sich also eher im Mittelfeld des ewigen Osterrankings platzieren und bereits in wenigen Jahren wettertechnisch vergessen sein.

Das grosse Osterwetter Ranking der letzten 114 Jahre