Spätsommer und Frühherbst laden zum Baden ein

Im Frühsommer braucht es Geduld, bis der Zürichsee badetauglich ist. Dafür kann dann bis im Frühherbst gebadet werden. Die Badesaison im Zürichsee dauert im Schnitt ganze 110 Tage.

Am Mittwoch 24. August 2016 überquerten wiederum tausende Schwimmende den Zürichsee im Stadtzürcher Becken vom Strandbad Mythenquai in das 1,5 km entfernte Seebad Tiefenbrunnen. Mit einer Wassertemperatur von über 24 Grad einen Meter unter der Wasseroberfläche herrschten angenehme Bedingungen. Ein Blick ins Archiv der Zürichsee-Temperaturen der Messstation Tiefenbrunnen der letzten zehn Jahre zeigt, dass der Zürichsee heuer Ende August übertemperiert ist. Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre (2007-2016) war der Zürichsee Ende August jeweils 22 Grad warm. Dabei gibt es natürlich grosse Jahr-zu-Jahr-Schwankungen. So war der Zürichsee Ende August 2009 und 2012 sogar noch knapp 25 Grad warm. Im 2010 und 2014 hingegen waren es Ende August lediglich kühle 19 Grad.

Wassertemperatur-Zürichsee
Der Zürichsee erreicht häufig im August seine Jahreshöchsttemperatur. Die Badesaison mit einer Wassertemperatur über 20 Grad dauert im Mittel 76 Tage.

Aktuelle Wassertemperatur beim Mythenquai

Aktuelle Wassertemperatur beim Tiefenbrunnen

Tropischer Zürichsee

Im Jahresverlauf erreicht der Zürichsee zwischen dem 3. und 15. August seine Jahreshöchsttemperatur. In den letzten zehn Jahren war er in dieser Periode noch nie kühler als 20 Grad. Im langjährigen Durchschnitt erreicht die Wassertemperatur des Zürichsees am 7. August mit 22,7 Grad (Tagesdurchschnitt) sein Jahresmaximum. Im Hitzesommer 2015 vor einem Jahr stieg die Wassertemperatur des Zürichsees während der Hitzewelle Anfang Juli auf tropische Werte. So zeigte das Wasserthermometer am 7. Juli 2015 im Tiefenbrunnen erstaunliche 27,5 Grad.

Bis es soweit ist, zeigt der Zürichsee im Frühsommer typischerweise einen steilen Anstieg in der Wassertemperatur. Wer Ende Mai oder Anfang Juni an einem heissen Tag schwimmen will, muss abgehärtet sein. In einem durchschnittlichen Jahr hat sich der Zürichsee bis zum 1. Juni jeweils erst auf 15,9 Grad erwärmt. Die Wärmeaufnahme ist aber gross und der See wird von Tag zu Tag wärmer. Bereits eine Woche später, am 8. Juni, zeigt das Thermometer durchschnittlich schon badetaugliche 18 Grad an. Die Jahr-zu-Jahr-Schwankungen sind aber gerade im Frühsommer gross. Im Jahr 2010 war der Zürichsee Anfang Juni erst kühle 10 Grad, 2012 hingegen bereits 19 Grad.

Baden im Herbst

Ab Mitte August wird der Zürichsee langsam wieder kühler. Der Wärmeverlust im Spätsommer und Herbst geht aber kontinuierlicher und langsamer vonstatten als der Anstieg im Frühsommer. Die 18-Grad-Marke, welche am 8. Juni überschritten wird, unterschreitet der Zürichsee erst wieder am 25. September. Das Stadtzüricher Seebecken ist folglich im langjährigen Durchschnitt während 110 Tagen im Jahr badetaugliche 18 Grad warm. Die Badesaison mit mehr als 20 Grad Wassertemperatur dauert im Zürichsee vom 28. Juni bis zum 11. September, im Mittel 76 Tage lang. Ähnliche Wassertemperaturen wie sie Anfang Juni gemessen werden, erreicht der Zürichsee erst wieder nach dem 12. Oktober. Der Spätsommer und Frühherbst lädt also durchaus zum Baden im See ein.

Bis zur Weihnachtszeit sinkt die Wassertemperatur auf durchschnittlich 6-8 Grad ab. Die Jahr-zu-Jahr-Schwankungen sind dabei sehr klein. Der Zürichsee verliert bis zum meteorologischen Frühlingsbeginn Anfang März aber weiter an Energie. Das Jahresminimum der Wassertemperatur wird jeweils zwischen dem 11. Februar und dem 6. März erreicht. Der absolute Tiefpunkt der Zürichsee-Wassertemperatur der letzten zehn Jahre wurde während der Kältewelle im Februar 2012 registriert, als der Zürichsee am 26. Februar einen Meter unter der Oberfläche nur gerade 3,3 Grad kalt war.

Schneeschmelze und Regen ohne Einfluss

Die Zürichsee-Wassertemperatur wird hauptsächlich durch die Ein- und Abstrahlung beeinflusst. Die Einstrahlung ist im Sommer jeweils gross – wird jedoch durch das vorherrschende Wetter beeinflusst. Je mehr Sonneneinstrahlung, desto wärmer wird der See. Die Lufttemperatur spielt hingegen nur eine untergeordnete Rolle. In klaren Nächten gibt der See durch Abstrahlung viel Wärme ab und die Wassertemperatur sinkt. In bedeckten Nächten wird die langwellige Abstrahlung durch die Wolken gleich wieder auf die Erdoberfläche zurückgeschickt, so dass kaum Energie verloren geht. Für einen tropisch warmen Zürichsee bräuchte es folglich sonnige Tage und bewölkte Nächte. An bewölkten Tagen und klaren Nächten würde der Zürichsee hingegen kalt bleiben. Der kurzfristige Wassertemperaturverlauf des Zürichsees wird zudem deutlich durch den Wind beeinflusst. Starke Winde sorgen für Durchmischung des Seewassers. Dadurch kann kühleres Tiefenwasser an die Oberfläche steigen. In den obersten Schichten des Sees sinkt somit die Wassertemperatur. Bei Windstille und sonnigen Tagen kann sich das Oberflächenwasser hingegen optimal aufwärmen. Andere Faktoren wie Zu- und Abflüsse, Schneeschmelze oder Regen haben, entgegen landläufiger Vorstellung, keinen relevanten Einfluss auf die Wassertemperatur des Zürichsees.

Spätsommer und Frühherbst laden zum Baden ein

Das grosse Osterwetter Ranking der letzten 114 Jahre

Nach neutestamentlicher Überlieferung ereignete sich die Auferstehung Christi in den Tagen des jüdischen Pessachfests, das im Frühling stattfindet. Auf dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 wurde das Datum des Osterfestes daher auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt. Vereinbartes Datum für den dem Frühlingsvollmond vorangehenden Frühlingsanfang ist der 21. März, sodass der frühste Ostersonntag auf den 22. März fällt und im spätesten Fall auf den 25. April. Nach dem Datum des Osterfestes richten sich fast alle anderen beweglichen Feiertage im Kirchenjahr. Dieses Jahr präsentiert sich der Vollmond während dem Osterwochenende. Der erste Frühlingsvollmond zeigt sich heuer am Karsamstag, 4. April 2015. Gemäss Vereinbarung fällt deshalb der Ostersonntag auf den 5. April.

 

Früher Ostertermin

Für das verlängerte Frühlingswochenende wünschen sich alle sonniges und mildes Frühlingswetter. Ein Vergleich der Osterwochenenden seit 1901 in Zürich zeigt, dass zwischen sommerlich warm und winterlich verschneit in der Schweiz fast alles möglich ist an Ostern. Aussagen über langfristige Trends wie: „Ostern werden immer wärmer“ oder „Ostern werden immer trüber“ sind natürlich möglich, machen aber wenig Sinn, da sich der Ostertermin innerhalb einer Datumsspannbreite von mehr als einem Monat bewegt. Ob Ostern Ende März oder Ende April stattfindet, entscheidet tendenziell, ob Ostern warm oder kalt werden. Und auch die tägliche Sonnenscheindauer ist Ende April höher als als Ende März. Der launische April zeigt jedoch, dass durchaus in einigen Jahren ein Osterwochenende Anfang April durchaus sonniger und wärmer ausfallen kann und dann im weiteren Verlauf des Aprils kühle und regnerische Wochenenden folgen. Das Osterwetter ist aber für fast alle Schweizer, die das lange Wochenende zuhause planen, zumindest für den Moment eine der wichtigsten Nebensachen und auf der Strasse das spannenste Smalltalk-Thema. Das folgende Osterwetter Ranking der letzten mehr als 100 Jahre gibt dafür die nötige Grundlage. Das Osterwochenende wird jeweils vom Karfreitag bis Ostermontag analysiert.

 

Die fünf wärmsten und fünf kältesten Ostern seit 1901 in Zürich.
Die fünf wärmsten und fünf kältesten Ostern seit 1901 in Zürich.

Sommerliche Ostern

Es gibt ein Osterwochenende in Zürich, welches wettertechnisch als Mass aller Dinge der letzten mehr als 100 Jahre gilt: Ostern 1949 waren in Zürich gleichzeitig die wärmsten, ja sogar heissesten und sonnigsten. In der Periode vom Karfreitag bis Ostermonat fiel kein Tropfen Regen. Mit einer Durchschnittstemperatur von sommerlichen 18 Grad war es mehr als 2 Grad wärmer als das zweitwärmste Osterwochenende aus dem Jahr 2011 mit gemittelt 15,8 Grad. An allen vier Ostertagen im Jahr 1949 stieg das Quecksilber am Nachmittag in Zürich über die Sommermarke von 25 Grad. Der absolute Osterhöchstwert wurde ebenfalls im Jahr 1949, nämlich am Ostermonat dem 18. April mit hochsommerlichen 28,6 Grad gemessen. Während Höchsttemperaturen von über 20 Grad an Ostern in Zürich in rund 10 Prozent aller Ostertage seit 1901 auftreten, sind Sommertage mit mehr als 25 Grad äusserst selten. Von den 9 Sommertagen an allen 456 Ostertagen seit 1901 in Zürich entfielen 4 auf das Jahr 1949. Das letzte Mal sommerlich waren Ostern im Jahr 2000 mit einem Höchstwert von 25,7 Grad. Auch in den Jahren 2009 und 2011 wurde es an je drei der vier Ostertagen zumindest mehr als 20 Grad warm.

 

Die fünf sonnenreichsten und die fünf sonnenärmsten Ostern seit 1901 in Zürich.
Die fünf sonnenreichsten und die fünf sonnenärmsten Ostern seit 1901 in Zürich.

Winterliche Ostern

Zur Osterzeit ist hochsommerliches wie auch winterliches Wetter möglich. Dies bewies das Osterwochenende im Jahr 1977, welches mit einer mittleren Temperatur von 0,5 Grad das kälteste Osterwochenende in Zürich seit 1901 bot. Das Zweitkälteste liegt noch nicht weit zurück und stammt aus dem Jahr 2008. Mit durchschnittlich 0,7 Grad war es ebenfalls winterlich. Auch 2013, das viertkälteste Osterwochenende, war mit 1,1 Grad nicht sonderlich frühlingshaft. Ostern sind auch keinesfalls immer frostfrei. Erst im Jahr 2012 und 2013 gab es leichte Nachtfröste. An Ostern 2013 brachte sogar jede Nacht zwischen Karfreitag und Ostermonat Hüttenfrost. Die absolut tiefste Ostertemperatur wurde mit -5,6 Grad am Karfreitag, 25. März 1932 registriert.

 

Sonnigste Ostern

Vier Tage Dauer-Sonnenschein wünschen sich die meisten am Osterwochenende. In den letzten 114 Osterwochenenden war dies in Zürich immerhin 7 Mal der Fall. Am sonnigsten war es mit insgesamt mehr als 50 Sonnenstunden wie bereits erwähnt im Jahr 1949. Aber auch Ostern 1911 und 1976 brachten mehr als 47 Sonnenstunden. Letztmals richtig sonnig war es im Jahr 2002 mit rund 44 Sonnenstunden. So sonnig Ostern sein können, umso trüber können sie in anderen Jahren ausfallen. So gab es 1931 und 1964 während den vier Ostertagen kaum Sonne. Mit insgesamt nur 0,3 Sonnenstunden war es 1964 am sonnenärmsten.

 

Sintflut an Ostern

Dauerregen wünscht sich niemand am Osterwochenende. Im Jahr 1901 war dies jedoch der Fall. Zwischen Karfreitag und Ostermonat fielen in Zürich knapp 83 mm Regen, soviel wie sonst im ganzen April. Auch 1913 und 1985 waren mit rund 40 mm sehr nass. Die Ostertage sind aber erstaunlicherweise recht häufig trocken. In mehr als jedem vierten Jahr fällt sogar an keinem der vier Ostertage Regen! So gibt es seit 1901 eine ganze Reihe komplett trockener Osterwochenenden. Letztmals war dies 2007, 2009 und 2011 der Fall.

 

Wetterumbruch an Ostern

Der launische Frühling kann auch während dem Osterwochenende zuschlagen. So ist eine Kombination zwischen sommerlich warm und winterlich kalt auch im gleichen Jahr durchaus denkbar. Einen regelrechten Wetterumbruch erlebte Zürich im Jahr 1932, als am Karsamstag noch Höchstwerte von knapp 27 Grad gemessen wurden, bevor ein Temperatursturz die Quecksilbersäule auf 2 Grad absacken liess.

 

Ostern 2015

Ostern finden dieses Jahr ziemlich früh im Kalenderjahr statt. Hochsommerliche Ostern sind deshalb eher unwahrscheinlich. Die Schweiz liegt zurzeit in einer lebhaften Westströmung, so dass eher wechselhafte Ostertage zu erwarten sind. Ostern 2015 werden sich also eher im Mittelfeld des ewigen Osterrankings platzieren und bereits in wenigen Jahren wettertechnisch vergessen sein.

Das grosse Osterwetter Ranking der letzten 114 Jahre