Facetten des Klimawandels in der Schweiz

Seit rund einem Jahr veröffentlicht MeteoSchweiz jährlich einen Klimareport, welcher als Fokusthema den aktuellen Stand des Klimawandels in der Schweiz behandelt. Von Jahr zu Jahr verändert sich zwar nichts Grundlegendes beim Klimawandel, doch der Report diskutiert die langjährige Klimaentwicklung und liefert somit einen wichtigen Beitrag zur Klimadiskussion in der Schweiz.

Das wohl charakteristischste Merkmal des Klimawandels in der Schweiz ist der langjährige Temperaturanstieg. Das wiederum warme Jahr 2012 leistet einen weiteren Beitrag zur Temperaturzunahme in der Schweiz, sowohl betreffend Jahr als auch betreffend Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst. Der im Juni veröffentlichte Klimareport behandelt aber auch andere lokale Kenngrössen, welche sich im Zuge des globalen Klimawandels verändern werden. Ein grosses Augenmerk liegt auf den Niederschlägen, wobei nicht annähernd so robuste Muster festgestellt werden, wie bei den Temperaturen. Die Jahresniederschläge haben im Schweizer Mittelland über die letzten 150 Jahre betrachtet spürbar zugenommen, wobei der grösste Anteil auf die signifikante Zunahme der winterlichen Niederschläge fällt, welche seit 1864 um rund 30 Prozent angestiegen sind. In den letzten 50 Jahren hat sich dieses Muster jedoch nicht mehr bestätigt. Die grössten Veränderungen in den letzten fünf Dekaden, welche jedoch auch auf das Konto der natürlichen Variabilität fallen könnten, zeigen die Frühlings- und Herbstmonate. Während der Frühling im Schweizer Mittelland rund sechs Prozent trockener wurde, nahmen die Niederschläge im Herbst um satte 24 Prozent zu.

Trockene Vegetationsperiode

Trockenheit kann auf verschiedene Arten verstanden werden, wie im Klimareport von MeteoSchweiz zu lesen ist. Ganz allgemein ist sie als Niederschlagsdefizit über eine längere Zeit wie Monate, Jahre oder sogar Jahrzehnte definiert. Je nach Dauer einer Trockenheit betrifft die Wasserknappheit verschiedene Bereiche. Kurzfristige Dürrphasen sind speziell für die Landwirtschaft von Bedeutung, während die Wasser- und Energieversorgung vor allem an Tendenzen über mehrere Jahre interessiert ist. Trockenphasen sind vor allem im Sommerhalbjahr, während der Vegetationsperiode kritisch, da dann natürlicherweise auch viel Wasser durch die Verdunstung verloren geht. Ein wichtiger Parameter in der Klimabeobachtung ist deshalb die Wasserbilanz der Monate April bis September. Der diesjährige Klimareport zeigt, dass die letzten fünf Jahre während der Vegetationsperiode allesamt trockener waren als im langjährigen Mittel. Eine ähnliche Häufung wurde letztmals um 1870 beobachtet. Temperatur und Niederschläge sind nicht die einzigen Parameter, welche sich in den letzten Dekaden teilweise deutlich verändert haben.

Steigende Nullgradgrenze

Beim aerologischen Standort Payerne werden täglich Ballonsondierungen vorgenommen. Dabei lässt man riesige Luftballone aufsteigen, welche einige Messinstrumente, wie Temperaturfühler, Barometer (Messung des Luftdrucks) und einen Ortungssensor mittragen. Dank dieser langjährigen Sondierungsreihe kann auch der Verlauf der Nullgradgrenze beobachtet werden. Im Jahr 2012 lag diese im Mittel bei knapp 2500 Meter über Meer und ergab erneut einen hohen Wert in der Messreihe ab 1959. Die im Jahr 2012 an den Bodenmessstationen festgestellte überdurchschnittliche Wärme findet damit auch Ausdruck in der freien Atmosphäre. Augenfällig ist die ausgesprochen tiefe Lage der Nullgradgrenze im 2010 (2200 m ü. M.) gefolgt von der Rekordhöhe im Jahr 2011 (2680 m ü. M.), womit sehr schön aufgezeigt wird, wie gross die Variabilität von Jahr zu Jahr sein kann, ganz entsprechend der Variabilität der Jahresmitteltemperatur. Über die letzten 50 Jahre betrachtet stieg die Nullgradgrenze deutlich an. Lag sie um 1960 im Jahresmittel noch unter 2200, so kommt sie heutzutage durchschnittlich bei 2500 Meter über Meer zu liegen.

Anzahl Stunden pro Monat mit Mineralstaubeintrag aus der Sahara an der Messstation Jungfraujoch. (Quelle: MeteoSchweiz)
Anzahl Stunden pro Monat mit Mineralstaubeintrag aus der Sahara an der Messstation Jungfraujoch. (Quelle: MeteoSchweiz)

Wüstenstaub und Blattausbruch

Warme Jahre gehen häufig auch mit einer grossen Anzahl Stunden mit Saharastaub in der Luft einher. Der Grund dafür liegt in der vorherrschenden Windrichtung. Warme Luft kommt aus dem Süden und kann, sofern diese vorher über die Wüste Sahara streift, auch Mineralstäube mitbringen. Seit 2001 werden in der alpinen Forschungsstation Jungfraujoch kontinuierliche Messungen solcher Staubpartikel durchgeführt. Jedes Jahr werden zwischen 10 und 40 Saharastaubereignisse beobachtet. 2012 gab es vor allem in den Monaten August und Oktober mit je mehr als 100 Stunden Saharastaub in der Luft überdurchschnittliche Werte.

Dass die heimische Natur bereits auf den Klimawandel reagiert, zeigt sich bildhaft am Blattausbruch der Rosskastanie in Genf. Diese phänologische Messreihe geht bis 1808 zurück. Damals fand die Blattentfaltung Ende März oder Anfang April statt. Heutzutage, rund 200 Jahre später, ist dies bereits im Februar zu erwarten. Neben dem deutlichen Anstieg des Temperaturniveaus zeigt der Klimawandel also viele andere Facetten – auch in der Schweiz.

Facetten des Klimawandels in der Schweiz

Global Warming Generation

Die jungen Menschen, die heute zwischen 20 und 25 Jahre alt sind, gehören zur ersten Global Warming Generation (GWG). Die GWG ist die Generation, welche die Auswirkungen des Klimawandels und der Energieherausforderung zu spüren bekommt und diese Probleme in den kommenden Dekaden auch lösen muss.

Mit dem Temperatursprung 1988 stiegen die Temperaturen in der Schweiz und in ganz Europa überdurchschnittlich stark an. Zwischen 1988 und 2009 war es in Zürich mit gemittelt 9,6 Grad um erstaunliche 1,2 Grad wärmer als noch zwischen 1966 und 1987. Auch der Meeresspiegel stieg seit damals um etwa drei Zentimeter. Aber grade wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, sollte man den Kopf nicht hängen lassen. Die Generation, welche während dem Temperatursprung geboren wurde, also jene, welche heute zwischen 20 und 25 Jahre alt sind, kennt kein stabiles Klima sondern nur den langjährigen Anstieg der Temperaturkurve. Seit Geburt ist unsere Generation der globalen Erwärmung und ihren Folgen ausgesetzt, die berühmte Klimanorm kennen wir nicht. Schneearme Winter haben unsere Kindheit geprägt – mit heissen Sommern sind wir aufgewachsen. Wir, die erste „Global Warming Generation“!
Die höheren Temperaturen sind sicher nicht der einzige Grund, warum es in der Global Warming Generation (GWG) so wichtig ist, cool zu sein, aber wer von uns ist noch auf dem Zürichsee Schlittschuh gelaufen? Wären nicht alle zu mehr Coolness fähig?

Der Mensch ist wie eine Waage: Die Schultern sind die Waagschalen, in denen auf der einen Seite die Gewissheit lastet, dass sich das Klima so rasch erwärmt wie nie. Die andere, mächtigere von beiden, trägt die schlechten Gewohnheiten im Umgang mit der Natur.
Frühere Generationen füllten die Gewohnheitswaagschale mit umweltschädlichen Gepflogenheiten, weil keiner dem Märchen einer globalen Erwärmung Glauben schenken wollte. Die GWG füllt sich ihre Gewissheitswaagschale aber fortlaufend mit neuen wissenschaftlichen Tatsachen des Klimawandels.

Macht uns das nicht verantwortlich, uns unserer persönlichen Waage anzunehmen? Wir sollten die massigere Waagschale um ein paar schlechte Angewohnheiten erleichtern und mit einer nachhaltigen, cooleren Lebensweise das Gleichgewicht erlangen.
Viele von unserer Generation sind sich ihrer Pflichten bewusst. Dies kann unterem anderem festgestellt werden, wenn man während des Einschamponierens lieber frierend unter der Dusche steht, um ohne schlechtes Gewissen in den Tag zu starten. Weiter gibt es in fast jeder WG neuerdings Stromschienen, die uns mit ihrem penetrant orangeleuchtenden Licht stets daran erinnern, dass unnötig Strom fliesst. Und wenn man im Winter in der kalten Wohnung sitzt, da die Heizung bekanntlich auf der niedrigsten Stufe läuft, und sich eine warme Suppe wünscht, kümmert sich die GWG mehr um die CO-Bilanz der Suppenzutaten als um deren Preis.Die GWG ist auf Klimaschutz sensibilisiert und versucht sich in einem nachhaltigeren Lebensstil. Trotzdem ist die Waagschale unseres Volkes alles andere als ausgeglichen. Das grosse Umdenken hat noch nicht stattgefunden. Wie auch, wenn die einflussreichen Entscheidungspositionen mit Personen aus älteren Generationen als der GWG besetzt sind. Wird sich erst etwas ändern, wenn die GWG an den Hebeln der Macht sitzt?

Die erste GWG wird in rund 20 Jahren die Rolle der Entscheidungsträger innehaben. Nach weiteren 20 Jahren wird die erste und die zweite GWG in Politik und Wirtschaft führend – ältere Generationen sprechen dann keine Machtwörter mehr. Doch 20 oder sogar 40 Jahre dürfen wir nicht auf das grosse Umdenken warten. Deshalb unsere Botschaft an die Global Warming Generation: Nehmt eure Verantwortung wahr und engagiert euch schon heute für den Klimaschutz und lehrt älteren Generationen das Umdenken.

Global Warming Generation