Wohlfühlsommer 2018 ohne Hitzestress und Tropennächte

Hochsommerliche Temperaturen, viel Sonnenschein und Trockenheit. Der diesjährige Sommer gehört in Zürich bisher zu den viertwärmsten seit mehr als 100 Jahren. Die grosse Wärme in der Schweiz ist aber nicht erst seit Sommerbeginn am 1. Juni ein Thema, denn gefühlt hat der Sommer in diesem Jahr bereits im April eingesetzt. Seit April dominieren Schönwetterlagen und die Temperaturen bewegen sich deutlich über den Erwartungen. Das widerspiegelt sich auch in der Statistik. Noch nie seit Messbeginn 1864 war die 3-Monatsperiode April bis Juni in Zürich so warm wie in diesem Jahr. Mit durchschnittlich 15,8 Grad am Zürichberg wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2003 um vier Zehntelgrad überboten. Über die gesamte Periode gesehen lagen die Temperaturen drei bis vier Grad über dem Normwert. Dieser Wärmeüberschuss zeigt sich auch in der Statistik des ersten Halbjahrs 2018. Trotz des sehr kalten Februars resultierte in Zürich das viertwärmste erste Halbjahr seit 1901. Nur die Jahre 2007, 2011 und 2014 brachten bisher in Zürich einen noch grösseren Wärmeüberschuss in den ersten sechs Monaten. Im Rekordjahr 2007 war das erste Halbjahr noch gut ein Grad wärmer als heuer.

 

Überzählig: Sommertage

Der meteorologische Sommer dauert vom 1. Juni bis zum 31. August. Die erste Sommerhalbzeit (1. Juni bis 15. Juli) war in Zürich wie eingangs erwähnt die viertwärmste seit Messbeginn. Am Zürichberg erreichte die Durchschnittstemperatur rund 19 Grad. Wärmer war es lediglich in den beiden Hitzesommern 2003 und 2015 sowie im letztjährigen Sommer 2017. Obwohl der bisherige Sommer sehr warm ist, blieb er in der ersten Halbzeit aber weit hinter dem Rekordwert von 21 Grad aus 2003 zurück. Erstaunlich am bisherigen Sommerverlauf ist die hohe Konstanz. Die Tageshöchsttemperaturen liegen im Durchschnitt bei über 25 Grad und damit ähnlich hoch wie in den ersten Hälften der Rekordsommer 2015 und 2017. Nur der Hitzesommer 2003 weist mit knapp 28 Grad deutlich höhere Tageshöchstwerte vor. In der ersten Sommerhalbzeit stieg das Thermometer am Zürichberg an 25 von 45 Tagen über die Sommermarke von 25 Grad. Mehr Sommertage in der ersten Sommerhälfte gab es lediglich in den Jahren 1976, 2006 und 2003. In all diesen Kategorien spielt der diesjährige Sommer bisher ganz vorne mit. Doch etwas blieb bisher fast komplett aus: die Hitze.

 

Überfällig: Hitzetage

In der ersten Sommerhälfte wurde die Hitzemarke von 30 Grad am Zürichberg nie überschritten. Das gab es letztmals vor 15 Jahren. Damals, im Jahr 2004, gab es dann während des ganzen Sommers am Zürichberg keinen einzigen Hitzetag. Über eine deutlich längere Zeitperiode betrachtet kommt es allerdings alle zwei Jahre vor, dass in der ersten Sommerhälfte noch keine Hitzetage registriert werden. Fehlende Hitzetage sind also keine Seltenheit, aufgrund des grossen Wärmeüberschusses des laufenden Sommers waren die ersten Hitzetage aber eigentlich längst überfällig. Am 24.7.2018 war es dann auch am Zürichberg soweit und der erste Hitzetag mit über 30 Grad wurde Tatsache. Auch in den Folgetagen stieg das Quecksilber jeweils über die 30-Grad-Marke. Das der Sommer 2018 mit bisher nur wenigen Hitzetage zu den wärmsten gehört, liegt daran, dass Kälterückfälle bisher komplett ausblieben. In Zürich fielt das Quecksilber im laufenden Sommer noch nie unter 10 Grad. Im Durchschnitt waren die bisherigen Sommernächte in Zürich mit 13,8 Grad sehr mild. Wie bei den Hitzetagen blieben auch Tropennächte mit nächtlichen Temperaturen über 20 Grad bisher aus. Wärmere Sommernächte in der ersten Sommerhalbzeit gab es bisher nur in den Sommern 2003, 2017 und 2015, wo jeweils Tropennächte zu ertragen waren.

Der Sommer 2018 kann deshalb als Wohlfühlsommer bezeichnet werden. Er brachte bisher konstant sehr warmes Wetter – schwüle Hitzewellen und Tropennächte blieben aber aus. Wie kommt das und woran unterscheidet sich der diesjährige Sommer von den Hitzesommern aus 2003 und 2015?

 

Übergrösse: Azorenhoch

Überdurchschnittliche Sommertemperaturen in Mitteleuropa gehen immer einher mit einer grossräumigen Ausdehnung des Azorenhochs bis in den europäischen Kontinent. So unterbindet das Hochdruckgebiet die Zufuhr kühler Atlantikluft und die Luftmassen über dem Kontinent können sich gut aufheizen. Ausschlaggebend ist die genaue Lage des Azorenhochs, denn sie entscheidet über Wohlfühl- oder Hitzesommer. Im Hitzesommer 2015 dehnte sich das Azorenhoch in östlicher Richtung bis Polen und in nördlicher Richtung über Grossbritannien bis nach Island aus, wobei der Kern des Hochs bis zur Bretagne reichte. Gestützt wurde das Azorenhoch durch eine Blockierung der Höhenströmung über Ostgrönland, was tiefen Luftdruck über dem Nordatlantik und tiefen Luftdruck im hohen Norden über dem Lappland auslöste. So konnte sich eine Art Omegawetterlage einstellen, welche als sehr konstant und langlebig gilt. Deutlich ausgeprägter war dieses Muster im Hitzesommer 2003. Damals war die Blockierung der Höhenströmung im hohen Norden deutlicher ausgeprägt und erstreckte sich von Ostgrönland bis über die Barentssee nördlich von Norwegen. Die Ausdehnung des Azorenhochs wurde so durch zwei standhafte Tiefdruckgebiete südlich von Island und Russland gefestigt und es konnte sich eine bilderbuchartige Omegawetterlage ausgestalten. Im laufenden Sommer hat sich das Azorenhoch vor allem weit in den Norden, aber weniger stark in östliche Richtung ausgedehnt. Das widerspiegelt sich auch in der langanhaltenden Trockenheit in Grossbritannien und Norwegen in diesem Frühling und Sommer. Die Blockierung der Wetterlage liegt dabei direkt über den britischen Inseln, während im Mittelmeerraum eher tiefer Luftdruck herrscht. Eine Omegawetterlage kann so nicht entstehen, wodurch auch die Zufuhr heisser Luft aus dem Süden fehlt. Vielmehr herrscht über dem Alpenraum häufig Bisenströmung. Diese ist trockener aber auch weniger heiss als die feuchtwarmen Luftmassen aus dem Mittelmeerraum. Entsprechend gab es in der ersten Sommerhälfte in Zürich lediglich an zehn Tagen Regen. Weniger Regentage gab es nur im Jahr 1949 mit acht Regentagen. Vom 14. Juni bis zum 2. Juli fiel kein Regen in Zürich. Mit 19 zusammenhängenden Trockentagen war es eine der zehntlängsten Trockenphasen in Zürich seit 1864. Einzig die Sommer 1865 und 1947 brachten mit 42 und 33 zusammenhängenden Trockentagen noch deutlich ausgeprägtere Dürren. Der Sommer 2018 gehört auch insgesamt zu den zehn trockensten seit 1901. Wo Regen fehlt kommt häufig die Sonne zum Zug. Diese zeigte sich in der ersten Sommerhälfte bereits an über 400 Stunden. Seit der Jahrtausendwende brachten nur die Hitzesommer 2003 und 2015 ebenfalls mehr als 400 Sonnenstunden in der ersten Sommerhalbzeit aufs Messband.

Das Azorenhoch hat sich auch im laufenden Sommer bis nach Mitteleuropa ausgebreitet, hat heuer aber eine nordwestlichere Lage eingenommen. So erlebt die Schweiz bisher anstatt Hitzestress und Tropennächte einen Wohlfühlsommer.

Die Lage des Azorenhochs entscheidet über Hitze- oder Wohlfühlsommer. Abgebildet ist jeweils der durchschnittliche Luftdruck über Europa in der ersten Sommerhälfte (1. Juni bis 15. Juli).

> NOAA Earth System Research Laboratory

Wohlfühlsommer 2018 ohne Hitzestress und Tropennächte

Grosswetterlage: Es tropft wie aus einem undichten Wasserhahn

Auch dieses Jahr sorgt eine Omega-Wetterlage für Sommerwetter-Kapriolen in Europa. Während im Alpenraum und im nördlichen Mittelmeer Rekordniederschlagsmengen fallen, geniesst Skandianvien den perfekten Sommer.

Im Alpenraum und im nördlichen Mittelmeer war der Juli 2014 zu kühl. Perfektes Sommerwetter herrschte in Skandinavien, wo ein Wärmeüberschuss von bis zu 6 Grad zustande kam.
Im Alpenraum und im nördlichen Mittelmeer war der Juli 2014 zu kühl. Perfektes Sommerwetter herrschte in Skandinavien, wo ein Wärmeüberschuss von bis zu 6 Grad zustande kam.

 

Was ist heuer bloss mit dem Sommerwetter los? Mit 20 Regentagen und etwas weniger als 200 Liter Regen pro Quadratmeter erlebte Zürich einen der zehn nassesten Julis seit Anfang des letzten Jahrhunderts. Auf dem Zürichberg gab es rund 50 % mehr Regen als im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010.  Ähnlich viel Niederschlag in Zürich brachte letztmals der Juli 2011. Damals fielen die Niederschläge jedoch etwas konzentrierter, so dass Herr und Frau Zürcher insgesamt weniger Regentage hinnehmen mussten als in diesem Jahr. Von Ost nach West, entlang des Alpennordhanges, wurden im diesjährigen Juli neue Rekordniederschlagssummen gemessen. So beispielsweise im Zürcher Oberland, wie MeteoSchweiz mitteilt. An der Messstation oberhalb von Montreux wurden extreme 500 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Rund dreimal soviel wie sonst in einem Juli. Soviele Regentage wie in diesem Juli gab es seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Allgemein wünscht sich kaum jemand den Juli 2000 zurück. Wettertechnisch war es vor 14 Jahren noch um einiges „unsommerlicher“. Die Temperaturen lagen mit durchschnittlich 16 Grad im Juli 2000 deutlich unter dem diesjährigen Niveau, welches rund anderthalb Grad wärmer ausfiel. Verglichen mit der Referenztemperatur aus den Jahren 1981-2010 war der Juli 2014 in Zürich um rund ein Grad unterkühlt. Ähnliche Monatsmittel wurden beispielsweise 2004, 2007 und 2011 gemessen. Letztmals kühler war es vor erst drei Jahren.

Sonnige, sommerliche Tage machten sich im Juli 2014 rar, doch es gab sie. Insgesamt zehn Mal stieg das Thermometer auf dem Zürichberg über 25 Grad (Sommertag), zweimal über 30 Grad (Hitzetag). Während im langjährigen Zürcher Klimamittel vier Sommertage mehr zu erwarten sind, liegt der gemessene Wert der Hitzetage sogar im üblichen Bereich. Im Juli 2000 gab es nur gerade mal vier Sommertage und überhaupt keinen Hitzetag.

Juli-Tempverlauf
Der Juli 2014 war deutlich kühler als sein Vorgänger. Letztmals kühler war es vor drei Jahren.

2013 brachte den perfekten Sommer

Düster sieht die Bilanz des Julis 2014 im Vergleich mit seinem Vorgänger aus. Viele dürften sich erinnern: der Juli 2013 war mit 21,4 Grad in Zürich einer der wärmsten überhaupt und brachte mit 24 Sommertagen praktisch durchgehend hochsommerliches Wetter. Dank einer Hitzewelle im letzten Monatsdrittel kam der Juli 2013 auch auf sechs Hitzetage. Zudem fiel nur an sechs Tagen Regen und mit mehr als 300 Sonnenstunden erlebte Zürich einer der sonnigsten Julis. Mitverantwortlich dafür, dass der diesjährige Hochsommer so schlecht abschneidet, ist also vor allem auch sein Vorgänger. Der letztjährige Sommer ist noch stark im Gedächtnis verankert und dient in der aktuellen Saison als Sommer-Referenz. Dabei gerät rasch in Vergessenheit, dass die Schweiz vor einem Jahr einer der schönsten Sommer überhaupt erlebte. Nicht jeder Sommer kann so sein wie 2013.

Juli-Sonnenscheinverlauf
Die Sonne zeigte sich in diesem Juli nur selten. Letztmals war der Juli 2000 sonnenärmer in Zürich.

Omegahoch bringt Hitze und Überschwemmungen

Wenn das Wetter in den Sommermonaten verrückt spielt, ist die Omega-Wetterlage im Spiel. Das haben uns die letzten Jahre gezeigt und so ist es auch in diesem Jahr wieder geschehen. Diese spezielle Wetterlage wird durch ein mächtiges Hochdruckgebiet nördlich des eigentlichen Hochdruckgürtels der Subtropen charakterisiert, welches von mehreren flankierenden, abgelösten Tiefs stabilisiert wird. Die sonst vom Atlantik kommenden Westwinde, welche immer wieder Wetterwechsel bringen, werden so blockiert und in einem weiten Bogen um das zentrale Hochdruckgebiet umgeleitet. Das entstandene Strömungsmuster erinnert stark an den griechischen Buchstaben Omega. Die Omega-Wetterlage ist äusserst stabil und erneuert sich häufig über mehrere Wochen selbstständig. Solche Wetterlagen sind in den letzten Sommern immer wieder beobachtet worden, wobei die Lage des dominierenden Hochs nicht in jedem Fall identisch war. Diese ist aber entscheidend und bestimmt über den Ausgang der Sommerwitterung. So brachte eine Omega-Wetterlage Mitteleuropa den Hitzesommer 2003. Gleichzeitig regnete es in Osteuropa den ganzen Sommer heftig. Das selbe Spiel wiederholte sich in abgeschwächter Form im Frühsommer 2006. 2010 löste eine Omega-Wetterlage die historische Hitzewelle rund um Moskau aus. Ebenfalls als Folge dieser Wetterlage gab es in Pakistan schwere Überschwemmungen. Die Omega-Wetterlage bringt spürbare Abweichungen vom Normalzustand in Form von Hitze auf der einen und Überschwemmungen auf der anderen Seite.

Juli-Niedverlauf
Der Juli 2014 war in Zürich deutlich zu nass, jedoch wurden die Rekordsummen weit verpasst. Anders sah es im Zürcher Oberland aus, wo gebietsweise neue Rekordniederschlagssummen gemessen wurden.

Hitze am Finnischen Meerbusen

Dieses Jahr lag das Omega-Hoch von Ende Juni bis Ende Juli über Skandinavien und brachte den Gebieten vom Norden Deutschlands über Polen bis Estland und den Skandinavischen Ländern einen regelrechten Hitzemonat Juli. Dort war der Juli mit durchschnittlich 21 Grad gebietsweise wärmer als an den Mittelmeerküsten von Südfrankreich oder der Adria. Die Ostsee erwärmte sich im Finnischen Meerbusen bis auf 23 Grad und war somit ähnlich warm wie der Golf von Genua. Selbst in Lappland war der Juli 2014 wärmer als im Alpenraum. Die Kehrseite der Medaille bekamen dieses Jahr vor allem der Alpenraum sowie die Mittelmeerregion von Südfrankreich über Italien bis in den Balkan zu spüren. Hier war der Juli zu kühl und vor allem enorm nass. Zwischen dem zentralen Hoch über Skandinavien und dem schwächer ausgeprächten Azorenhoch gab es eine undichte Schwachstelle, von wo aus immer wieder kleinräumige Tiefs vom Nordatlantik über Frankreich in den Golf von Genau gelangen konnten. Diese Szene wiederholte sich im Juli ständig und erinnerte an einen tropfenden Wasserhahn. Ende Juli löste sich die Omega-Wetterlage auf und nährte somit die Hoffnung auf sommerlichere Verhältnisse in der verbleibenden Sommerzeit.

Grosswetterlage: Es tropft wie aus einem undichten Wasserhahn

Wie kalt war der Juli 2011 wirklich? Ein Vergleich gibt Aufschluss

Der Juli 2011 wird in der Schweiz wohl der kälteste seit 2000. Damals war die Sommerkälte in Europa noch deutlich ausgeprägter. Wie bereits im letzten Jahr herrscht in Westrussland grosse Hitze.  

2000

2000
Eine Troglage* über Mitteleuropa sorgt für kaltes Hochsommerwetter und ergiebige Niederschläge. Grosse Teile Europas erleben einen deutlich zu kalten Juli. Vor allem Frankreich, Luxemburg, Deutschland und die Schweiz sind stark unterkühlt.

2001

2001
Eine anhaltende Südströmung über Westrussland sorgt dort für grosse Hitze. In Mitteleuropa bekommt man nur sporadisch von den überdurchschnittlichen Temperaturen im Osten zu spüren. Erneut liegt Mitteleuropa zeitweise im Einfluss der Trog-Wetterlage.

2002

2002
Der Juli 2002 war in Westeuropa geprägt durch eine zonale Strömung. So strömte immer wieder kühle und feuchte Atlantikluft nach West- und Mitteleuropa. Über Westrussland lag erneut eine aussergewöhnliche Hitze.

2003

2003
Der Juli im Hitzesommer 2003 war verglichen mit dem Juni und August praktisch durchschnittlich. Trotzdem war auch der Juli 2003 von einer Omega-Wetterlage geprägt, so dass mehrheitlich überdurchschnittliche Temperaturen vorherrschten. In Südosteuropa war es für einmal zu kühl.

2004

2004
Wie im Juli 2002 war der Juli 2004 ebenfalss durch den Westwind und somit kühle, feuchte Atlantikluft geprägt. Diesmal reichte die zonale Strömung aber bis weit in den Kontinent, so dass auch Westrussland einen kühlen Sommer erlebte.

2005

2005
Ein leicht übertemperierter Sommermonat unter Einfluss des Azorenhochs. Zeitweise herrschte Nordwestströmung vor, so dass die Temperaturüberschüsse gedämpft ausfielen.

2006

2006
Der Hitze-Juli im Jahre 2006. Der heisseste Juli seit Messbeginn im Mitteleuropa. Eine konstante Omega-Lagesorgte für sonnige, trockene und heisse Verhältnisse. Im Osten, auf der Vorderseite des Hochdruckkeils, erlebten die Menschen einen kühlen Sommer. 

2007

2007
Ein massives Tiefdruckgebiet über Skandinavien sorgte über weite Strecken des Monats für Westwind und führte kühle Atlantikluft nach Mitteleuropa. Nur über dem Balikum herrschte Gluthitze.

2008

2008
Ein Sommermonat unter schwachem Azorenhocheinfluss. Zeitweise auch mit zonaler Strömung, die Störungen nach Mitteleuropa führten. Allgemein kaum nenneswerte Temperaturanomalien in Europa.

2009

2009
Erneut ein unspektakulärer Juli. Erneut unter schwachem Azorenhocheinfluss. Zeitweise aber auch in der zonalen Strömung. Kaum Temperaturabweichungen in Europa.

2010

2010
Über weite Strecken ein neuer Hitzemonat in Mitteleuropa und lange Zeit heisser als der Rekordmonat 2006. Bis am 23. geprägt durch eine Omega-Wetterlage über Mittel und Osteuropa. Danach Trog über Mitteleuropa mit massiver Abkühlung. Westrussland blieb unter dem Omega und erlebte den heissesten Sommer seit Menschengedenken.

2011

2011
“Trog über Mitteleuropa”. Mehr gibt es zum Juli 2011 eigentlich nicht zu sagen. Eine eingefahrene Wetterlage sorgte über weite Strecken für kühle, nasse und sonnenarme Juliwitterung. Die Sommerkälte ist aber viel weniger ausgeprägt als im Juli 2000 (ganz oben). So beschränkt sich die Kälte dieses Jahr auf die Iberische Halbinsel, Frankreich, die Benelux-Staaten, Deutschland und die Schweiz und ist weniger unterdurchschnittlich als 2000. Skandinavien und Westrussland erleben erneut einen heissen Juli.

2012

2012
Ein unbeständiger aber durchschnittlicher Juli. Mal war der Alpenraum im Einfluss des viel zu heissen und trockenen Südosteuropa, mal im Bereich der kühl-feuchten Luft über Nordwesteuropa.

2013

2013
Ein extrem sonniger, trockener und warmer Juli: Der perfekte Hochsommermonat. Nach recht frischem Monatsstart wurde es immer heisser.

*Als Troglage bezeichnet man ein Gebiet mit tiefem Luftdruck im Bereich der Rückseite eines kräftigen, bereits zu altern beginnenden Tiefs. Der aus hochreichender Kaltluft bestehende Trog ist an der starken zyklonalen Krümmung der Isobaren zu erkennen. (MeteoSchweiz)

Galerie

Sommer von A bis Z

Hitze bei über 30 Grad, Melone zum Frühstück, konstante Omega-Wetterlage und ein schneefreies Vrenelisgärtli: das  A und O des Zürcher Sommers.

A nfang: Der meteorologische Sommer beginnt am 1. Juni, ab dem 21. Juni sprechen auch die Astronomen von Sommer, dann steht die Sonne senkrecht über dem nördlichen Wendekreis.

B adi: Die Zürcher Sommerbäder zählen heutzutage rund 1 Million Badebesucher pro Saison, vor 40 Jahren waren es noch 700-tausend mehr, obwohl die Sommer damals noch deutlich kühler waren.

C hriesi: Seit dem 18. Juni werden in der Schweiz wieder Chriesi geerntet, rund 10 Tage später als im letzten Jahr. Doch die Ernte 2010 verspricht mit geschätzt 2134 Tonnen Tafelkirschen überdurchschnittlich gut zu werden.

D urchschnitt: Die Zürcher Sommermonate Juni bis August sind im Schnitt der Jahre 1988 bis 2009 knapp 18 Grad warm. Zwischen schottischen 14,3 Grad im Juni 1995 und spanischen 22,7 Grad im August 2003 gab es in den letzten Jahren viel Abwechslung.

E rwärmung: Die Klimaforscher erwarten bis ins Jahr 2050 ein Erwärmung der Sommermonate von gut 3 Grad, die spanischen werden dann viel häufiger auftreten als die schottischen Sommermonate.

F öhn: Im ersten Junidrittel gab es diesen Sommer einen markanten Föhnsturm über mehrere Tage. Die Föhnwinde stiessen bis nach Zürich vor. Ein Phänomen, welches im Sommer höchst selten auftritt. Selbst in den Föhntälern sind zwischen Juni und August monatlich nur mit 5 bis 15 Stunden Föhn zu rechnen. Zum Vergleich: im April sind es bis 90 Stunden.

G letscherschmelze: Heisse, staubtrockene Sommer setzen den Schweizer Gletschern stark zu. Im warmen 2009 verlor beispielsweise der 6,4 Kilometer lange Ried-Gletscher im Wallis 500 Meter an Länge.

H itze: Von einem „Hitzetag“ sprechen die Meteorologen, wenn die Tageshöchsttemperatur im Schatten über 30 Grad steigt. Eine Hitzewarnung wird vom Bundesamt für Umwelt ausgerufen, wenn an mindestens drei Tagen in Folge der Hitzeindex von 90 überschritten wird. (30 Grad und 60% Luftfeuchte oder 32 Grad und 40% Luftfeuchte usw.)

I slandtief: Das aus dem Wetterbericht bekannte Tiefdruckgebiet hält auch im Sommer die Westwinde aufrecht. Wenn es nur schwach ausgeprägt ist und weit nach Norden abgedrängt wird, herrscht bei uns sonniges Sommerwetter.

J uli-Baisse: Ein neues Witterungsphänomen, welches einen spürbaren Temperaturrückgang anfangs Juli beschreibt, bevor sich der Hochsommer durchsetzen kann.

K altfront: Beim Durchgang einer Kaltfront stürzt die Temperatur ab. Hinter der Front ist das Wetter kühl, windig und es gibt häufig Regenschauer. Der Sommer muss wieder von null starten. Ein Sommer bleibt umso schöner in Erinnerung, je weniger Kaltfronten über das Land ziehen.

L andregen: Nach einer trockenen Periode ist der Landregen vor allem bei Bauern sehr willkommen. Der lang anhaltende, feine Regen tritt bei Warmfronten auf und kann optimal im Boden versickern.

M elone: Wir finden sie beim gemütlichen Frühstück auf der Terrasse oder beim Sonnenbad am Seeufer. Die Wassermelone gehört übrigens zu den wenigen Lebensmitteln, die mehr Kalorien verbrennen als sie enthalten und ist im Sommer deshalb sehr beliebt.

N iederschlag: Viele wissen es nicht, einige ahnen es. Der Sommer ist bei uns die niederschlagsreichste Zeit des Jahres. Zwischen Juni und August fallen in Zürich durchschnittlich mehr als 370 Liter pro Quadratmeter oder 35 Prozent des Jahresniederschlags.

O mega-Wetterlage: Sie ist die perfekte Wetterlage für einen heissen und sonnigen Sommer. Dabei dehnt sich ein grossräumiges Subtropenhoch, das Azorenhoch, bis nach Mittel- und Nordeuropa aus und unterbricht somit die Westwindzirkulation. Der so entstandene Hochdruckrücken weist ein Zirkulationsmuster vor, welches an den griechischen Buchstaben Omega erinnert.

P egel: Der regulierte Pegel des Zürichsees bewegt sich konstant um 406 Meter. Die Wassertemperatur ist aber starken Schwankungen ausgesetzt. Anfangs Juli war der Zürichsee bereits 25 Grad warm. Im Hitzesommer 2003 war er Mitte August rund 28 Grad.

Q uellwolken: Sie entstehen an heissen Sommernachmittagen und zeigen die instabile Schichtung der Atmosphäre an. Das Emporschiessen der Wolkenteilchen wird durch die Thermik verursacht.

R isiko: Harmlose Quellwolken können innert kurzer Zeit zu bedrohlichen Gewitterwolken heranwachsen. Speziell gefährliche Gewittertage werden von den Meteorologen frühzeitig erkannt. Mit dem gratis SMS-Dienst „Wetteralarm“ (www.wetteralarm.ch) kann das Risiko vor donnernden Überraschungen minimiert werden.

S iebenschläfer: „Das Wetter am Siebenschläfertag (27. Juni) sieben Wochen bleiben mag.“ Zürich erlebte einen hochsommerlich warmen und sonnigen Siebenschläfer 2010. Folgt jetzt der Hitzesommer?

T ropennacht: Das Duvet klebt am nackten Körper, der Ventilator summt neben dem Bett. Wenn die Temperaturen nachts nie unter 20 Grad sinken, herrschen wirklich tropische Verhältnisse. In der Nacht auf den 10. Juni, wie auch um den 3. Juli gab es in der Region Zürich Tropennächte.

U V-Index: Die Wärmestrahlung der Sonne können wir spüren, die sichtbare Strahlung nimmt unser Auge wahr, doch die gefährlichen, ultravioletten Strahlen können wir weder spüren noch sehen. Der UV-Index zeigt auf, wir stark die Strahlung ist und wie Sie sich schützen können.

V renelisgärtli: Ein deutliches Zeichen für einen heissen Sommer ist der Blick auf ein schneefreies Vrenelisgärtli. Ende August 2009 war es zum dritten Mal seit Menschengedenken ausgeapert.

W itikon: Verbringen Sie heisse Sommertage in Witikon. 200 Meter über der Zürcher Altstadt ist es häufig 2 bis 3 Grad kühler als im Stadtzentrum.

X treme: Auch in Zürich kann es über 36 Grad heiss werden, wie am 13. August 2003.

Y acht: Geniessen Sie die langen Sommerabende auf einer Yacht. Die Sonne geht auf dem Zürichsee Ende Juli nach 21 Uhr unter.

Z ürich: Weshalb in die Ferne schweifen, in Zürich ist der Sommer doch am schönsten.

Sommer von A bis Z