Das Märchen von der weissen Weihnacht

Im Kinderbuch, in Erzählungen, in unseren Erinnerungen und vor allem in den Warenhäusern wird Weihnachten durchwegs winterlich weiss dargestellt. In Zürich liegt jedoch über Weihnachten nur selten Schnee. Schuld daran ist das Weihnachtstauwetter.

Der Dezember im Jahr 2003 verlief wie im Bilderbuch. Nach einer grünen und eher milden ersten Dezemberhälfte stellte sich die Wetterlage um und brachte pünktlich auf den 4. Advent Schnee bis ins Flachland. In Zürich lag vom 22.-27. Dezember eine geschlossene, wenn auch sehr dünne Schneedecke (2 Zentimeter).

Weihnachtstauwetter
Es war das bis heute letzte Mal mit richtig weissen Weihnachten (24.-26. Dezember) in Zürich. Viel häufiger ist das Umgekehrte der Fall. So wie im letzten Jahr, als in Zürich bis zum 21. Dezember eine geschlossene Schneedecke von bis zu 7 Zentimeter lag und ausgerechnet über die Weihnachtstage mit milder Atlantikluft Tauwetter einsetzte. So präsentierten sich die Wiesen vom 22.-27. Dezember 2017 grün und erst am 28. Dezember schneite es wieder bis ins Flachland. Häufig bringt der Dezember in der ersten Monatshälfte und vor allem kurz vor Weihnachten Schnee nach Zürich. Dieser wird aber genauso oft ausgerechnet über die Weihnachtstage von milden Westwinden wieder weggefegt. Dieser Witterungsregelfall ist als „Weihnachtstauwetter“ bekannt und kommt durchschnittlich alle drei bis vier Jahre vor. Neben 2017 war dies letztmals auch 2012, 2011, 2009 und 2005 der Fall.

Schneewahrscheinlichkeit je Dezembertag.
Schnee an Weihnachten ist in Zürich selten: Die Wahrscheinlichkeit für eine Schneedecke am 24. Dezember liegt unter 30%. Die Chancen für Schnee stehen vor Weihnachten und in der Altjahrswoche deutlich besser.

Grüner Dezember
Neben dem Weihnachtstauwetter gibt es weitere Wetterlagen, die grüne anstatt weisse Weihnachten bescheren. So kann es während des ganzen Dezembers bitterkalt aber trocken sein. Dann ist der Boden zwar gefroren aber eben nicht weiss. Aber auch milde Dezember sind grüne Dezember. Die Festtage sind dann ebenfalls windig und mild, aber es herrscht kein Tauwetter, weil im ganzen Dezember noch praktisch kein Schnee gefallen ist und es daher nichts „aufzutauen“ gibt. Seit der Jahrtausendwende erlebte Zürich bereits sieben grüne Dezember, dies entspricht 40 Prozent aller Dezember.
Grüne Dezember gab es auch schon früher. Vor allem in den 40er- und 50er-Jahren mussten die Zürcher immer wieder mit schneefreien Dezembern vorliebnehmen. Nach schneereicheren 60er- und 70er-Dezembern wurden die Dezember ab 1982 wieder spürbar grüner.

Schneereiches Jahresende
Die Weihnachtstage (24.-26. Dezember) waren in den letzten sieben Jahren in Zürich jeweils durchgehend grün. Seit 1991 waren zwei Drittel der Weihnachten grün. Nur jedes dritte Jahr sind zumindest ein oder zwei Weihnachtstage schneebedeckt. Letztmals war dies 2008 und 2010 der Fall. Nur zweimal seit 1991 war Weihnachten durchgehend weiss. Durchgehend weisse Weihnachten waren schon früher (seit 1931) selten, aber es gab sie doch deutlich häufiger als in jüngster Zeit. Zwischen 1931 und 1960 war immerhin eine von vier Weihnachten ganz weiss, zwischen 1961 und 1990 war sogar mehr als jede dritte Weihnacht schneebedeckt.
Häufiger als an Weihnachten kommt der Schnee in der Altjahrswoche. Auch in jüngster Zeit sind die Landschaften zwischen den Jahren in mehr als jedem zweiten Jahr zumindest teilweise verzuckert. Zwischen 1961 und 1990 waren sogar noch zwei von drei Altjahrswochen zumindest teilweise weiss.
Schnee war im Dezember noch nie ein Garant. Doch in jüngster Zeit haben sich grüne Dezember stark gehäuft. Die Vorstellung von einer weissen Adventszeit, weissen Weihnachten und einer schneereichen Altjahrswoche in Zürich wird damit immer mehr zur Wunschvorstellung. Auch der Dezember 2018 verlief in Zürich bisher grün. Ob das Märchen der weissen Weihnacht dieses Jahr wohl noch wahr wird?

Das Märchen von der weissen Weihnacht

Ein Zürcher Winter von A bis Z

In wenigen Tagen beginnt der meteorologische Winter. Das Winter-ABC hilft, die kalte Jahreszeit besser zu verstehen.

 

Anfang: Der meteorologische Winter beginnt am 1. Dezember, ab dem 21. sprechen auch die Astronomen von Winter, dann steht die Sonne senkrecht über dem südlichen Wendekreis und die Nordhemisphäre erlebt den kürzesten Tag.

 

Bedeckt: Der Winter bringt am meisten trübe Tage. Im Dezember gibt es in Zürich im Schnitt 22 trübe Tage mit weniger als 20 Prozent der möglichen Sonnenscheindauer. Auch im Januar sind es noch 19, im Februar noch 15 trübe Tage.

 

Cut-off: Als „Kaltlufttropfen“ oder Cut-off-Tiefs werden kalte Höhentiefs ohne Fronten bezeichnet, unter denen sich im Bodenfeld keine oder nur eine schwache zyklonale Zirkulation befindet. Sie treten überwiegend im Winter über dem Festland in Erscheinung.

 

Durchschnitt: Der Winter in Zürich weist im Mittel der Jahre 1981-2010 eine durchschnittliche Temperatur von 1,0 Grad vor. Der kälteste Winter seit Messbeginn erlebte Zürich 1891. Damals war es im Schnitt eisige -5 Grad.

 

Eis: Steigt das Thermometer den ganzen Tag nicht über den Gefrierpunkt, sprechen Meteorologen von einem Eistag. Diese treten in Zürich mit 9 Tagen am häufigsten im Januar auf. Der Dezember bringt im Schnitt 7, der Februar 6 Eistage.

 

Frost: Fällt die Quecksilbersäule mindestens einmal am Tag unter die Null-Grad-Grenze, so sind die Kriterien eines Frosttages erfüllt. In einem durchschnittlichen Zürcher Winter gibt es 54 Frosttage, also an 60 Prozent aller Wintertage.

 

Gradtage: Die Summe der täglich ermittelten Differenzen zwischen einer angestrebten Raumlufttemperatur (20°C) und des Tagesmittels der Aussenlufttemperatur aller Heiztage (<12°C) wird Heizgradtage genannt und ist ein guter Indikator für den Heizwärmebedarf.

 

Hochnebel: Er entsteht im Winter vor allem bei Bisenlagen. Mit Nordostwinden wird kalte Luft in die „Badewanne“ Mittelland zwischen Alpen und Jurabogen unter die leichtere, milde Hochdruckluft geführt und bleibt dort liegen. Die Hochsaison des Nebels ist zwar im Oktober und November, aber auch die Wintermonate bringen noch viele Nebeltage.

 

Islandtief: Das aus dem Wetterbericht bekannte Tiefdruckgebiet spielt im Winter eine entscheidende Rolle. Wenn es nur schwach ausgeprägt ist, fliesst aus Nordosten sibirische Kaltluft bis nach Europa. Ist es hingegen stark ausgeprägt, führen stramme Westwinde milde Atlantikluft in die Schweiz.

 

Schnee gehört zum Winter. Die Anzahl Schneetage wie auch die maximale Schneehöhe schwankt in Zürich von Jahr zu Jahr aber stark. So gab es im Winter 2012/13 sehr viele Schneetage, während im letzten Winter 2013/14 nur einzelne Tage mit Schnee verzeichnet wurden.
Schnee gehört zum Winter. Die Anzahl Schneetage wie auch die maximale Schneehöhe schwankt in Zürich von Jahr zu Jahr aber stark. So gab es im Winter 2012/13 sehr viele Schneetage, während im letzten Winter 2013/14 nur einzelne Tage mit Schnee verzeichnet wurden.

 

Jahreszeiten: Der meteorologische Winter ist mit einer Dauer von 90 Tagen die kürzeste Jahreszeit.

 

Klimawandel: Gemäss Szenarien zur Klimaänderung in der Schweiz CH2011 erwärmen sich die Wintermonate bis 2035 um weitere 1,2 Grad, bis 2060 sogar um rund 2 Grad. Beim Niederschlag sind im Flachland kaum langfristige Veränderungen zu erwarten.

 

Lawinen:  Das SLF sammelt seit dem Winter 1936/37 alle Daten von Lawinenunfällen in der Schweiz. Pro Jahr werden beim SLF mehr als 100 Lawinenunfälle mit erfassten Personen registriert. Im Mittel über die gesamte Periode starben jährlich 25 Personen in Lawinen.

 

Märzwinter: Auch wenn der klimatologische Winter mit dem Februar zu Ende geht und sich dann viele auf den lang ersehnten Frühling freuen, sind winterliche Verhältnisse in der ersten Märzhälfte selbst im Flachland der Alpennordseite ein fester Bestandteil des Schweizer Klimas. Der mittlere Termin des letzten Schneefalls ist sogar der 6. April in Zürich.

 

Niederschlag: Viele wissen es nicht, einige ahnen es. Der Winter ist in Zürich die trockenste Jahreszeit. Mit 210 mm fallen im Winter weniger als 20 Prozent der Jahresniederschläge.

 

Oszillation: Die Nordatlantische Oszillation beschreibt die Druckschaukel zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch. Sie kennt zwei entgegengesetzte Zustände, welche für mildes, feuchtes oder kaltes, trockenes Winterwetter in der Schweiz stehen.

 

Prognose: Wie wird der Winter? Der britische Wetterdienst rechnet für Mitteleuropa wie im Vorjahr mit überdurchschnittlichen Temperaturen. Ein amerikanischer Dienst prophezeit uns handkehrum sehr viel Schnee.

 

Quecksilber: An einem durchschnittlichen Tag im Dezember steigt die Quecksilbersäule in Zürich am frühen Nachmittag auf vier, im Januar auf drei und im Februar auf fünf Grad.

 

Risiko: Das Risiko, Neuschnee wegschaufeln zu müssen, ist im Februar am grössten. Im Schnitt gibt es im Februar fünf Tage mit Neuschnee auf dem Zürichberg und einen aufsummierten Neuschneezuwachs von 22 cm.

 

Schnee: Im letzten Jahr gab es in Zürich nur gerade fünf Tage mit Schnee. Im Mittel der letzten 30 Jahre waren es 31 Schneetage.

 

Termin: Der Termin des ersten messbaren Schnees ist von der aktuellen Wetterlage abhängig und damit recht zufällig. Der frühste erste Schnee konnte in Zürich an einem 7. Oktober im Jahr 1936 beobachtet werden. Normalerweise fällt der erste Schnee um den 22. November.

 

Urner: Der Föhn, auch ältester Urner genannt, weht zwar am häufigsten im Frühling, doch auch im Herbst und Winter bringt er in unregelmässigen Abständen milde Temperaturen und Schönwetter auf der Alpennordseite.

 

Vorjahr: Der Winter 2013/14 war mit durchschnittlich 3 Grad in Zürich der 5.-wärmste seit Messbeginn 1864 und der wärmste seit sieben Jahren.

 

Weisse Weihnachten: In Zürich lag in den letzten 84 Jahren nur in 40 Prozent der Jahre an mindestens einem der Weihnachtstage Schnee.

 

Xtrem: Auch in Zürich kann es arktisch kalt werden. Die tiefste Temperatur seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in Zürich am 12. Februar 1929 mit -24,2 Grad gemessen.

 

Yamase: Ein Yamase ist ein regionales Windsystems über dem Nordosten Japans. Es handelt sich um einen Kaltlufteinbruch, der mit hohen Windgeschwindigkeiten aus Ost bis Nord einhergeht. Im Spätwinter können solch heftige Kaltlufteinbrüche starken Schneefall oder vereisenden Regen mit sich bringen, wobei das öffentliche Leben oft zum Erliegen kommt.

 

Zürich: Vorfreude auf den Winterzauber oder nur Durchhalten bis zum Frühlingsbeginn. Jede Zürcherin und jeder Zürcher hat eine ganz persönliche Meinung zum Winter.

Ein Zürcher Winter von A bis Z