2018: ein Wetterjahr wie am Mittelmeer

Der Dezember 2018 reiht sich nahtlos in die Reihe zu warmer Monate seit April ein. Bereits seit neun Monaten liegen die Temperaturen in der Schweiz deutlich über dem langjährigen Durchschnittswert der Periode 1981-2010. Zwei ausgeprägte Westwindlagen, die erste Anfang Dezember, die zweite kurz vor Weihnachten (Weihnachtstauwetter), sind verantwortlich für den grossen Wärmeüberschuss des letzten Monats des Wetterjahres 2018. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von 3 Grad erlebte Zürich nach 2011, 2014 und 2015 den vierten sehr milden Dezember im laufenden Jahrzehnt. Verglichen mit dem langjährigen Mittel war der Dezember 2018 um knapp anderthalb Grad zu warm.

Das Jahr 2018 bricht alle Rekorde seit mindestens 1864. So warm war es in Zürich seit Messbeginn nie.

Mediterranes Klima

Bezüglich Niederschlagsmengen reiht sich der Dezember zwar nicht in die Reihe der Vormonate ein, aber in ein mediterranes Muster, welches wir bereits aus dem Vorjahr kennen. Schon der Dezember 2017 gehörte in die Kategorie „nass“ und nun summierten sich die Niederschläge auch im jüngsten Dezember in Zürich auf über 130 mm. Dies entspricht rund 160 Prozent der üblichen Niederschlagsmengen in einem Dezember. Die monatelange Trockenheit – seit Februar waren alle Monate zu trocken – nahm somit ein vorläufiges Ende. Nur der Januar brachte im Wetterjahr 2018 bisher überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Januar und Dezember 2018 waren nicht nur zu nass in ihrer eigenen Monatskategorie, sondern sie waren insgesamt die beiden nässesten Monate im Jahr 2018. In den drei Wintermonaten Januar, Februar und Dezember des Wetterjahres 2018 fiel mehr Niederschlag als in allen anderen Jahreszeiten. Selbst die sonst niederschlagsreichen drei Sommermonate Juni bis August brachten 2018 deutlich weniger Niederschlag. Zürich gehört üblicherweise in die gemässigten Breiten. Der Sommer ist dabei die regenreichste Jahreszeit des Jahres. Die zweithöchsten Niederschlagsmengen bringt der Frühling. Am trockensten ist es im Winter. Das diesjährige Niederschlagsmuster mit einem nassen Winter und einem trockenen Sommerhalbjahr ist als „Mittelmeerklima“ bekannt. Bis zu einem gewissen Grad gewährt uns das Wetterjahr 2018 einen Blick in die Zukunft. Laut den neusten Klimaszenarien CH2018 werden die Winter gegenüber der langjährigen Referenzperiode 1981-2010 deutlich nässer und die Sommer trockener. Während in der aktuell gültigen Referenz häufig der Juli oder August den nässesten Monat des Jahres stellen, gehören Juli, August und September in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts gemäss Klimaszenarien häufig zu den trockensten des Jahres. Anders als es Zürich im Wetterjahr 2018 erlebt hat, sollen aber auch die Frühlingsmonate sowie Oktober und November nässer werden als im heutigen Klima. Der Frühling dürfte vor dem Winter neu zur nässesten Jahreszeit in Zürich werden. Der Wonnemonat Mai könnte regelmässig regelrecht ins Wasser fallen. Auch 2018 wurde die Trockenheit im Mai von einzelnen, aber sehr intensiven Niederschlagsereignissen unterbrochen. Innert kürzester Zeit summierten sich riesige Regenmengen, so dass der Wonnemonat Mai 2018 schlussendlich nur marginal zu trocken ausfiel. Insgesamt erlebte die Ostschweiz allerdings von Frühling bis Herbst eine Jahrhundert-Dürre. In den acht Monaten von April bis November fielen nur 59 Prozent der Norm 1981-2010, wie MeteoSchweiz mitteilte. Es fehlte der Regen von mehr als drei normalen Sommermonaten. Das ist das deutlich massivste Regendefizit für die Periode April bis November in der Ostschweiz seit Messbeginn 1864. Alle übrigen sehr regenarmen April-November-Perioden lieferten 64 Prozent der Norm oder mehr. Die sehr nassen Monate Januar und Dezember kompensierten aber einen beachtlichen Teil des Niederschlagsdefizits, so dass das Wetterjahr 2018 mit drei Viertel der üblichen Niederschlagsmengen nicht als extrem trocken gilt. Seit 1864 waren 16 Jahre trockener als 2018. Allerdings liegen, abgesehen von 2003, alle diese Trockenjahre mehr als 60 Jahre zurück.

Neuer Jahresrekord

Nicht nur das Niederschlagsmuster erinnerte 2018 ans Mittelmeerklima, auch das Temperaturniveau war im mediterranen Bereich. Zehn von zwölf Monatstemperaturen lagen deutlich über der Norm, vier davon im extremen Bereich. Einzig die Monate Februar und März waren unterkühlt. Die schier unendliche Wärme führte nicht nur zu einem neuen Jahresrekord. Mit durchschnittlich 11,1 Grad erreichte die Jahrestemperatur in Zürich auch den höchsten Wert seit Messbeginn 1864. Das Jahr 2018 ist das vierte in kurzer Folge mit neuer Rekordtemperatur. Gegenüber den bisherigen Rekordjahren 2015 mit 10,6 Grad, 2014 mit 10,6 Grad und 2011 mit 10,5 Grad hebt es sich deutlich ab. Massgeblich zum neuen Jahresrekord beigetragen haben die vier Monate Januar, April, Juli und August, welche allesamt extrem warm ausfielen. Juli und August waren auch absolut betrachtet mit durchschnittlich rund 21 Grad die wärmsten Monate des Jahres. Solch hohe Sommertemperaturen sind normalerweise eher im Mittelmeerraum zu erwarten. Insgesamt herrschten 2018 mit durchschnittlich 11 Grad mediterrane Temperaturverhältnisse. Zürich ist 2018 ins Südtessin abgedriftet. So schreibt die Klimareferenz der Jahre 1981-2010 für Stabio im Jahresmittel 11,1 Grad vor. Mit über 1900 Sonnenstunden gehört das Jahr 2018 in Zürich zudem zu den zehn sonnigsten seit Messbeginn. Zur Trockenheit und Wärme gesellten sich folglich auch überdurchschnittlich viele Sonnenstunden – wie sich es für ein richtiges Mittelmeerklima gehört.  

2018: ein Wetterjahr wie am Mittelmeer

Menschgemachter Klimawandel lässt Mittelmeerraum austrocknen

Seit zwei Dekaden nehmen winterliche Trockenperioden im Mittelmeerraum signifikant zu. Eine kürzlich veröffentlichte Studie von NOAA Wissenschaftler zeigt, dass dafür auch der Anthropogener Klimawandel verantwortlich gemacht werden kann. 

mittelmeertrockenheit

Anfangs November verursachte eine über mehrere Tage andauernde Föhnlage sintflutartige Regenfälle auf der Alpensüdseite. Hart getroffen wurden die französische Mittelmeerküste, die Poebene sowie der Golf von Genua. Der mehrtägige Dauerregen brachte dem Tessin bis zu 280 Liter Regen pro Quadratmeter, wie eine Auswertung von MeteoSchweiz zeigt. In Norditalien waren es verbunden mit heftigen Gewittern lokal noch grössere Mengen. Die enormen Niederschlagsmengen führten deshalb in Norditalien auch zu verheerenden Überschwemmungen. Intensive Niederschlagsmengen und Dauerregen sind auf der Alpensüdseite keine Seltenheit, trotzdem hat der Mittelmeerraum in den letzten Jahren im Sommer und im Winter häufiger mit ausgeprägten Trockenperioden Schlagzeile gemacht. Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Forschern der NOAA und Kollegen des CIRES zeigt, dass Trockenphasen im Winter im Mittelmeerraum in den letzten zwei Dekaden signifikant häufiger auftraten. Zehn der zwölf trockensten Winter in der mehr als 100-jährigen Messreihe wurden in den letzten 20 Jahren beobachtet. Die Intensität und die Häufigkeit, so die Forscher, können kein Zufall sein und lassen sich nicht allein mit natürlicher Variabilität erklären. Die Natur erlaubt trockene und nasse Jahre, doch der beobachtete Trend wurde durch einen externen Antrieb hervorgerufen.

Winterzeit ist Regenzeit
Das ist eine Hiobsbotschaft für den Mittelmeerraum, eine Region, welche den Grossteil der dringend benötigten Niederschläge im Winter registriert. Von Gibraltar bis in den Mittleren Osten haben zwischen 1971 und 2010 die winterlichen Trockenperioden deutlich zugenommen. Die Wissenschaftler nutzten Beobachtungen und Klimamodelle, um die häufigere Winter-Trockenheit zu ergründen. Sie analysierten natürliche Variabilität, welche vor allem durch die bekannte Nordatlantische Oszillation (NAO) ausgelöst wird und den durch Treibhausgasemissionen verursachten Klimawandel. Der anthropogene Klimawandel macht gemäss den Forschern rund die Hälfte der zunehmenden Trockenperioden zwischen 1902 und 2010 aus. Andere Faktoren, wie die NAO, haben möglicherweise auch ihren Beitrag beigesteuert. Zudem zeigt sich, dass die markanten Veränderungen im Winter plötzlich von einem Jahr aufs andere stattgefunden haben. Diesen „Klimasprung“ konnte die Forschergruppe mit einem Model beweisen. Einen analogen Klimasprung erlebte die Schweiz im Winter 1987/88. Seither sind die Winter sprunghaft wärmer und es wurden keine richtigen Kaltwinter mehr beobachtet.

Der Grund liegt im Meer
Treibender Faktor für die Abnahme der Winter-Niederschläge im Mittelmeerraum ist die markante Erwärmung des tropischen Atlantiks, welcher sich im Zuge der vom Mensch verursachten, globalen Erwärmung in den letzten Dekaden stärker erwärmte, als andere Gebiete im Ozean. Dies führte zu einer Verstärkung und einer Nordverlagerung des subtropischen Hochs und somit zu mehr Trockenheit. Das Auftreten der Temperaturänderung im Meer und der Trockenperioden ist konsistent.
Der Mittelmeerraum wurde bereits in den letzten Jahren als „Hotspot“ des Klimawandels identifiziert, da es in den kommenden Dekaden zu grossen Veränderungen bei Temperatur und Niederschlägen kommen wird. Der bereits bekannte Wasserstress und die rasch wachsende Bevölkerung sind weitere Indizien dafür, dass dem Mittelmeerraum im Zuge des fortschreitenden Klimawandels schwierige Zeiten bevorstehen. Anpassungszeit bleibt kaum, denn der Klimawandel hat bereits eingesetzt.

Menschgemachter Klimawandel lässt Mittelmeerraum austrocknen