Bei welcher Wetter-App herrscht eitler Sonnenschein?

Auf den Smartphones sind sie nicht mehr wegzudenken: Wetter-Apps können das Wetter zwar auch nicht beeinflussen, aber zumindest schöner darstellen. Dieser Artikel hat bekannte und weniger bekannte Wetter-Apps auf dem Radar und zeigt ihre Hochs und Tiefs.

Wie wird das Wetter am Wochenende? Kann der Tennismatch noch fertig gespielt werden oder kommt schon die nächste Regenfront? Wie stark hat der Sturm letzte Nacht gewütet? Unsere Fragen rund ums Wetter beantworten wir heutzutage mit ein paar Klicks in unseren Wetter-Apps auf unseren Smartphones. Es gibt zahlreiche Wetter-Apps in den App-Stores und fast täglich kommen neue dazu. Alle mit einem etwas anderen Erscheinungsbild, alle mit ein paar neuen Funktionen und fast alle mit einer anderen Wetterprognose für die nächsten Tage. Auch wenn es hunderte Wetter-Apps gibt, haben sich einige wenige Apps als Froschkönige etabliert. Dieser Artikel beleuchtet die populärsten Apps, deckt Relevantes auf und sagt, was jeder über Wetter-Apps wissen muss.

Zweierlei Wetter-Apps

Eine gute Wetter-App liefert verlässliche Wetterinformationen, genaue Prognosen und bietet eine einfache und personalisierte Bedienung. Um beurteilen zu können, ob die Wetter-App verlässliche und gute Prognosen liefert, sollte sich jeder fragen: «Wer steckt dahinter?». Es gibt grundsätzlich zwei Gruppen von Wetter-Apps: Apps der Wetterbüros wie bspw. die App von MeteoSchweiz oder SRF Meteo, die ihre eigenen Daten, Dienste und Prognosen präsentieren, und Wetter-Apps wie «Wetter Alarm», «Landi Wetter», «Wetter Live» oder «Wetter für die Schweiz» von Firmen oder Entwicklern, die eingekaufte Wetterdaten neu darstellen. Hinter den Apps der ersten Gruppe stecken immer ortskundige Meteorologen, so dass die Qualität und Zuverlässigkeit grundsätzlich höher ist als bei der zweiten Gruppe. Grosse Unterschiede gibt es bei den rundum beliebten Orts- oder Punktprognosen. So kann zum Beispiel eine Lokalprognose für die Postleitzahl 8053 oder für den Bürkliplatz abgerufen werden. Solche Punktprognosen werden immer automatisch aus Wettermodellen generiert, sind also keine Prognosen von erfahrenen Meteorologen. Wie gut diese Punktprognosen sind, ist davon abhängig, wie gut das verwendete Wettermodell ist. Die App WeatherPro von MeteoGroup hat sich auf diese automatischen Punktprognosen spezialisiert und erreicht daher weltweit wie auch in der Schweiz eine hohe Qualität. Aber auch MeteoSchweiz, SRF Meteo und meteoblue haben eigene Modelle und Berechnungsverfahren, um eine hohe Zuverlässigkeit dieser automatischen Punktprognosen zu liefern. Anders sieht es bei Apps wie WetterOnline, «wetter.com», «Yahoo! Wetter», oder AccuWeather aus. Diese verwenden als Basis für ihre Punktprognosen in der Schweiz grob aufgelöste Weltwettermodelle, welche in der kleinräumigen und topografisch anspruchsvollen Schweiz völlig durchfallen und praktisch unbrauchbar sind. Gleiches gilt auch für die vorinstallierte iPhone-Wetter-App, weil sie Daten von «The Weather Channel» verwendet und in der Schweiz ein No-Go ist.

Ein Hoch auf diese drei Wetter-Apps

Die wertvollsten Informationen können übrigens in den Lauftexten des «Wetterberichts» in den Apps von MeteoSchweiz und SRF Meteo gefunden werden. Diese Texte werden von erfahrenen Meteorologen verfasst und mehrmals täglich aktualisiert. Diese Berichte schildern den Wetterablauf der nächsten Tage detailliert und geben einen viel besseren Überblick als einfache Sonne-Wolken-Regen-Symbole. Im Ausland geben die Punktprognosen von «WeatherPro» einen guten Überblick. Die Apps «MeteoSwiss», «SRF Meteo» und «WeatherPro» gehören deshalb auf jedes Smartphone.

 

SRF Meteo

Die App von SRF Meteo bringt die landesweit bekannten Wolken-animationen vom Fernsehen auf die Smartphones. Die App verfügt über einen von Meteo-rologen verfassten Wetterbericht und weltweite Orts-prognosen. Die Lokalprognosen in der Schweiz basieren auf einem hochaufgelösten Wettermodell speziell für Mitteleuropa. Mehrmals täglich werden Beiträge im Blog namens «Meteo-News» auf der App veröffentlicht.

Meine Erfahrung:

Intuitive Bedienung mit Glamour-Effekt. Die Expertise der Meteorologen kommt mit den standardisierten Ortsprognosen und den knappen Wetterberichten zu kurz.

Radar unterscheidet zwischen Regen und Schnee, Wetterbericht von Meteorologen, Saisonspezials wie Schneekarten.

Wenig detaillierter Wetterbericht, Grafiken wirken etwas überladen, keine Stationsmesswerte.

Bewertung:

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MeteoSwiss

Die offizielle App des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz besticht durch ihre individualisierbaren Darstellungs-möglichkeiten. Neben einem detaillierten Wetterbericht für die nächsten fünf Tage und einem Ausblick auf die Tage 6 und 7 ist auch ein Trend für die nächsten 14 Tage in Textform enthalten. Die Wetterprognosen und die Radarprognose stammen von einem hochaufgelösten Wettervorhersage-modell speziell für den Alpenraum.

Meine Erfahrung:

Den Wetterbericht und die Blogbeiträge lese ich jeden Tag. Im Sommer vertraue ich auf den Niederschlagsradar der MeteoSchweiz App.

Wetterbericht von Meteorologen, Radarprognose, zahlreiche Messwerte, intuitive Bedienung.

Im Ausland unbrauchbar, Radar unterscheidet nicht zwischen Regen und Schnee, keine Klimadaten zugänglich.

Bewertung:

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WeatherPro

Bei der Wetter-App «WeatherPro» von MeteoGroup stehen automatisierte Punktprognosen im Zentrum. Und genau darauf, hat sich MeteoGroup unter anderem spezialisiert. Die Prognosen von «WeatherPro» werden von amerikanischen und europäischen Modellen gefüttert und mit statistischen Verfahren, sogenannten Model Output Statistics (MOS) auf die lokalen Gegebenheiten angepasst. Damit gelingen weltweit verlässliche Prognosen.

Meine Erfahrung:

Ob in der Schweiz oder im Ausland: für eine einfache Lokalprognose nutze ich immer «WeatherPro». Wetterberichte von Meteorologen suche ich hier aber vergebens.

Weltweite Lokalprognosen, hohe Prognosegüte, einfaches und anschauliches Design.

Kein Wetterbericht von Meteorologen, Kein verlässlicher Radar für die Schweiz, exklusive Inhalte der Premium-Version.

Bewertung:

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meteoblue

Die App von meteoblue, einem Spin-off der Universität Basel, liefert weltweit ortsgenaue Wetterinformationen in hoher Qualität. Dafür verfolgt meteoblue einen sogenannten Ensemble-Ansatz und kombiniert und gewichtet verschiedene Wettermodelle miteinander, um daraus eine präzise Ortsprognose abzuleiten. Mit «Where2Go» bietet die App die einzigartige Möglichkeit, das beste Wetter für die nächsten Tage in einem Umkreis von z.B. 30 km zu finden.

Meine Erfahrung:

Seine Hochschulherkunft kann die App von meteoblue kaum verbergen. Vieles wirkt akademisch und detailverliebt. Wer genau das sucht, kommt mit meteoblue voll auf seine Kosten.

Weltweite Lokalprognosen auf Land und See, zahlreiche Wettermodelle, Where2Go, europäische Wind-Strömungsanimation.

Inhalte (z.B. Meteogramme) nicht Smartphone-optimiert, kein Wetterbericht von Meteorologen, Radar zu kompliziert.

Bewertung:

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MeteoNews

Die App von MeteoNews gibt es als einzige nur in der Bezahlversion. Für den Download sind 4 Franken fällig. Die App liefert Wetterprognosen und aktuelle Messwerte für Ortschaften in der Schweiz und Frankreich sowie für zahlreiche Orte weltweit. Die App liefert zudem Wintersportberichte der relevanten Skiorte und die Wassertemperaturen von Seen, Flüssen und Freibädern in der Schweiz und von Stränden in Feriendestinationen.

Meine Erfahrung:

Die App von MeteoNews macht einen veralteten und verstaubten Eindruck. Die letzte Aktualisierung muss Jahre zurückliegen. Der Kaufpreis von 4 Franken ist nicht gerechtfertigt.

Wassertemperaturen und Wintersportberichte, aktuelle und vergangene Messwerte, Webcams.

Unübersichtlich, veraltetes Design, geringer Funktionsumfang, nur in der Bezahlversion erhältlich.

Bewertung:

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Wetter Alarm

Der «Wetter Alarm» war eine der ersten Wetter-Apps der Schweiz. Heute wird sie von den kantonalen Gebäude-versicherungen und der Helvetia Versicherung betrieben. Die Wetterdaten werden von SRF Meteo geliefert. «Wetter Alarm» informiert per App und Push-Nachrichten über aufkommende Unwetter in der Schweiz. Zudem können Ortsprognosen der kommenden 5 Tage für die ganze Schweiz abgerufen werden.

Meine Erfahrung:

In Punkto Design und Übersicht gibt der «Wetter Alarm» den Takt vor. Im Sommer hilft der exklusive Blitzradar beim Beobachten von Gewittern.

Schönes, intuitives Design, Blitzradar, Pegelstände, Informationen zu Gewässern, Push-Mitteilungen vor Unwettern.

Kein Wetterbericht von Meteorologen, im Ausland unbrauchbar, keine aktuellen Wetterdaten.

Bewertung:

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Bei welcher Wetter-App herrscht eitler Sonnenschein?

2014: Wärmstes Jahr der Erde – auch in Zürich?

Angetrieben von rekordwarmen Ozeanen jagen sich seit Monaten die globalen Temperaturrekorde. 2014 ist auf dem Weg zum global wärmsten Jahr seit 1880. Reicht es auch in Zürich für einen neuen Temperaturrekord?

Die globale Durchschnittstemperatur über dem Land und den Ozeanen erreichte im August 2014 einen neuen Höchstwert in der seit 1880 laufenden Messreihe. Es war gleichzeitig der 38. August in Folge mit einer gemittelten Temperatur, die über dem Durchschnitt des 20. Jahrhunderts lag. Der letzte zu kühle August auf globaler Bühne konnte 1976 beobachtet werden. Gleiches gilt für die Periode Juni bis August. Mit einer positiven Abweichung von 0,7 Grad gegenüber dem Mittel des 20. Jahrhunderts war es global so warm wie nie. Angetrieben wird diese „Hitzeperiode“ von den rekordwarmen Ozeanen. Über den Landmassen ist das hohe Temperaturniveau (noch) nicht überall zu spüren. So war der Sommer in Mittel- und Südeuropa, über der Osthälfte der USA sowie auf einem breiten Band von Sibirien bis nach China nur durchschnittlich oder sogar zu kühl. So erstaunt es kaum, dass die gemittelte Temperatur über den globalen Landmassen in den Monaten Juni bis August so kühl war wie nie mehr seit 2005. Die Weltmeere aber bedecken 71 Prozent der Erdoberfläche – wenn sie zu warm sind, steigt auch die globale Durchschnittstemperatur. Und genau dies geschieht auch dieses Jahr. Erstaunlich an der Sache ist bloss, dass wir zurzeit noch nicht einmal El Niño-Verhältnisse vorfinden. Diese sind sonst für sehr warme Ozeantemperaturen (vor allem im Pazifik) verantwortlich. Die Modelle rechnen aber mit einer Wahrscheinlichkeit von 60-65 Prozent, dass sich im Verlaufe des Herbstes und Winters ein El Niño etablieren wird. Dann dürften die Weltmeere insgesamt noch wärmer werden.

Global wärmstes Jahr?

Bereits die aktuelle Periode von Januar bis August war global die 3.-wärmste seit Messbeginn 1880. Und, so scheint es, wird es dieses Jahr immer noch wärmer. Wenn es so weitergeht, wird 2014 das global wärmste Jahr und stösst das Jahr 2010 vom Thron. Doch wie sehen die möglichen Szenarien bis zum Jahresende aus und reicht es dann wirklich für das wärmste Jahr seit Messbeginn? Anhand von fünf Szenarien wagen wir einen Blick in die nahe Zukunft. Dabei hilft der sogenannte „year-to-date“-Ansatz. Mit anderen Worten; der Januar-Wert entspricht dem Januar-Wert, der Februar-Wert entspricht dem Mittelwert von Januar bis Februar und so weiter. Das aktuelle Jahr wird so mit den fünf bisher wärmsten Jahren (2010, 2005, 1998, 2003, und 2013) verglichen.

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Fünf Szenarien skizzieren den Weg bis zum Jahresende auf globaler Ebene. Zum Vergleich sind die vier wärmsten Jahre abgebildet, jeweils mit dem Ansatz “year-to-date”: der Januar-Wert entspricht dem Januar-Wert, der Februar-Wert entspricht dem Mittelwert von Januar bis Februar und so weiter.

Szenario 1 (orange): Wenn jeder noch anstehende Monat im Jahr 2014, also September bis Dezember, rekordwarm wird, dürfte 2014 mit Abstand zum global wärmsten Jahr seit Messbeginn werden. Unrealistisch ist dies nicht, vor allem im Hinblick auf ein anstehendes El  Niño-Ereignis. Zudem waren vier der letzten zwölf Monate, nämlich November 2013, Mai, Juni und August 2014, bereits rekordverdächtig warm.

Szenario 2 (violett): Wenn jeder noch anstehende Monat im Jahr 2014 der 3.-wärmste in der Messreihe darstellt, wird 2014 ebenfalls zum global wärmsten Jahr seit Messbeginn. Jeder der vergangenen fünf Monate hat dieses Kriterium erfüllt.

Szenario 3 (hellblau): Auch wenn jeder noch anstehende Monat dem Durchschnitt der jeweils zehn wärmsten Monatswerte entspricht, wird 2014 global ein neuer Hitzerekord aufgestellt.  Jeder der letzten zwölf Monate, ausser dem Februar, erfüllte diese Anforderung.

Szenario 4 (dunkelblau): Wenn jeder noch anstehende Monat dem Durchschnitt des 21. Jahrhunderts (2001-2013) entspricht, wird 2014 global zum 2.-wärmsten Jahr seit Messbeginn (gleich warm wie 2005).

Szenario 5 (grün): Wenn jeder noch anstehende Monat im Jahr 2014 der 10.-wärmste in der Messreihe darstellt, wird 2014 zum global 3.-wärmsten Jahr seit Messbeginn (gleich warm wie 1998). Jeder der vergangenen zwölf Monate (ausser Februar) hat dieses Kriterium erfüllt.

Gut möglich, dass die globale Temperaturkurve in diesem Jahr also einen neuen Jahresrekordwert setzt. Das heisst aber nicht, dass es auf der ganzen Erdoberfläche rekordverdächtig zu und her ging. Die Chance auf ein rekordwarmes Jahr 2014 in Zürich ist zwar noch in Takt, wohl aber eher unwahrscheinlich.

Rekordwärme in Zürich?

Wenn die fünf oben beschriebenen Szenarien auf Zürich angewendet werden, würde sich das Bild folgendermassen präsentieren: Mit einer Abweichung von 1,2 Grad gegenüber dem Mittel 1981-2010 sind die Jahre 2011 und 1994 zurzeit die Rekordhalter in Zürich, wie aus Daten von MeteoSchweiz hervorgeht. Weiter gehören die Jahre 2002, 2000 und 2003 zu den fünf wärmsten seit Messbeginn 1864. Wären nun gemäss Szeanrio 1 oder 2 die Monate Oktober bis Dezember in Zürich jeweils mindestens die 3.-wärmsten ihrer Sorte, so wäre das Jahr 2014 mit Abstand das wärmste Jahr seit Messbeginn in Zürich. Diese beiden Szenarien scheinen für Zürich aber sehr unwahrscheinlich. Die Szenarien 3 und 5 sind jedoch durchaus möglich für Zürich. Wenn also die Monate Oktober bis Dezember jeweils sehr warm ausfallen (jeweils mindestens 10.-wärmster Monat seiner Reihe), so würde das Jahr 2014 in Zürich ebenfalls zum wärmsten Jahr seit Messbeginn werden – in etwa gleich warm wie 2011 und 1994. Durchaus realistisch scheint auch, dass die Monate Oktober bis Dezember in Zürich dem Mittel der letzten 13 Jahre entspricht, dann wäre 2014 immerhin das 6.-wärmste Jahr seit Messbeginn. Damit es für die Top 5 reicht, braucht es also noch einen Endspurt – zu gross waren heuer die Wärmeeinbussen im bescheidenen Sommer.

Fünf Szenarien skizzieren den Weg bis zum Jahresende in Zürich. Zum Vergleich sind die vier wärmsten Jahre abgebildet, jeweils mit dem Ansatz "year-to-date": der Januar-Wert entspricht dem Januar-Wert, der Februar-Wert entspricht dem Mittelwert von Januar bis Februar und so weiter.
Fünf Szenarien skizzieren den Weg bis zum Jahresende in Zürich. Zum Vergleich sind die vier wärmsten Jahre abgebildet, jeweils mit dem Ansatz “year-to-date”: der Januar-Wert entspricht dem Januar-Wert, der Februar-Wert entspricht dem Mittelwert von Januar bis Februar und so weiter.
2014: Wärmstes Jahr der Erde – auch in Zürich?

Klimawandel in der aktuellen Eiszeit

Die Geschichte der Klimaveränderungen ist schon so alt wie die Geschichte der Erde selbst. Seit rund viereinhalb Milliarden Jahren schwankt das Klima zwischen Warm- und Eiszeiten hin und her. Konstant waren die Parameter in der Atmosphäre noch nie. Bedeutet das nun, dass die gegenwärtig viel umschriebene und heiss diskutierte globale Erwärmung nur ein politwissenschaftliches Konstrukt ist, oder dass an den aktuellen Klimaveränderungen nichts Aussergewöhnliches dran ist?

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Veränderung der saisonalen Durchschnittstemperaturen (DJF=Winter, MAM=Frühling, usw.) in der Nordschweiz bis 2020-2049 (blau), 2045-2074 (rot), 2070-2099 (grün) mit Unsicherheiten (Balken) verglichen mit der Referenz 1980-2009. Die grauen Balken zeigen die bisherige natürliche Variabilität. (CH2011, MeteoSwiss, ETH)

Klima ≠ Wetter
Wetter und Klima, zwei Begriffe, die immer wieder zusammen verwendet werden. Doch zwischen den beiden Ausdrücken liegen Welten. „Klima ist das, was man erwartet, Wetter ist das, was man bekommt.” Das Klima umfasst sowohl das „Durchschnittswetter” wie auch einzelne Extremereignisse. Das Wort „Klima” stammt aus dem Griechischen und lässt sich vom Wort klinein ableiten, was „neigen” bedeutet. Dabei ist die Neigung der Erdachse relativ zur Bahnebene der Erde um die Sonne gemeint. Diese Ekliptikschiefe ist dafür verantwortlich, dass im Nordsommer die Nordhalbkugel und während des Südsommers die untere Erdhalbkugel stärkere Sonneneinstrahlung erfährt. Die Sonneneinstrahlung ist also der Motor für das irdische Klima. Dieses setzt sich aus einer einfachen Energiebilanz zusammen: Die auf der Erde ankommenden Sonnenstrahlen abzüglich der Ausstrahlung und der reflektierten Strahlen, welche von der Erde ins All zurückgeschickt werden.

Klima = Energiebilanz
Wird mehr Wärme absorbiert, also von der Erde gespeichert, als ausgestrahlt, erwärmt sich das Erdklima und umgekehrt. Klimaschwankungen entstehen, wenn diese Energiebilanz verändert wird. Die Variabilität des Klimas ist ein herausragendes Charakteristikum. Kein Jahr ist wie das andere. Dabei verändert sich das Klima auf natürliche Weise. Es gibt drei Hauptgründe dafür: Erstens, Veränderungen der ankommenden Sonnenstrahlung durch die Orbitalverschiebungen (Umlaufbahn der Erde, Schiefe der Erdachse etc.) oder durch die Sonnenaktivität selber. Zweitens, Veränderungen der Reflektion der Wärmestrahlung der Erde. Eine helle Erde mit Schnee, Eis und vielen Wolken reflektiert allgemein mehr Sonnenlicht zurück ins All, als eine dunkle, eisfrei Erde. Drittens, Veränderungen der Zusammensetzung der Gase in der Atmosphäre, also Veränderungen des Treibhauseffekts. Je mehr Treibhausgase wie Kohlendioxid und Methan sich in der Atmosphäre befinden, desto mehr reflektierende Wärmestrahlung der Erde wird in der Atmosphäre zurückgehalten, desto wärmer wird es.

Vor 4.5 Milliarden Jahren entstand das Sonnensystem und somit der bewohnbare Globus. In den ersten rund 3 Milliarden Jahren gab es zwei lange Warmzeiten, in denen die Temperaturen viel höher waren als heute und ein Eiszeitalter mit kalten Verhältnissen. Während der letzten Milliarde Jahre vor heute, hat sich das Erdklima immer wieder markant verändert. Es gab weitere fünf Warmzeiten mit deutlich wärmeren Verhältnissen als heute und sechs zusätzliche Eiszeitalter. Ein solches Eiszeitalter dauert meist rund 50 bis 65 Millionen Jahre und trat im letzten Jahrmilliarde rund alle 150 Millionen Jahre auf. In jedem Eiszeitalter gibt es Eiszeitepochen, die rund 2.4 Millionen Jahre dauern. Diese Eiszeitepochen sind durch Warmphasen mit rund 2 bis 3 Grad höheren Temperaturen als heute und durch Kaltphasen geprägt, in denen es rund 4 bis 6 Grad kälter ist als in jüngster Zeit. Diese kälteren Phasen in den Eiszeitepochen nennt man auch Eiszeitzyklen, welche rund 100’000 bis 125’000 Jahre anhalten. In jedem einzelnen Eiszeitzyklus findet man aber auch interglaziale Warmzeiten, welche rund 10’000 Jahre dauern. Selbst in diesen interglazialen Warmzeiten sind kältere und wärmere Phasen ersichtlich. Solange Eis an den Polen der Erde vorhanden ist, befindet sich der blaue Planet in einer Eiszeit. Heutzutage, im Jahr 2012, befindet sich der blaue Planet gemäss Klimatheorie in einer interglazialen Warmzeit des Eiszeitzyklus, der vor rund 125’000 Jahr begann. Dieser Eiszeitzyklus gehört zur 2,4 Millionen Jahre alten, sechsten Eiszeitepoche des siebten Eiszeitalters der Erdgeschichte, welches bereits 65 Millionen Jahre alt ist. Die aktuelle interglaziale Warmzeit heisst Holozän und setzte rund 11’000 vor Christus ein. Seit damals blieb das Klima relativ konstant, was die Entwicklung und Ausbreitung des Homo Sapiens begünstigte.

Rasanter Temperaturanstieg
Es gab schon immer Klimaschwankungen und es wird auch immer solche geben. Doch ist die menschliche Spezies überhaupt auf Klimaschwankungen vorbereitet? Nach mehr als zehntausend Jahren stabilen Klimas müssen sich der Mensch, die Tier- und Pflanzenwelt nun behaupten. Auch wenn sich die globale Temperatur in den nächsten Jahren aufgrund der Klimaänderung um vielleicht vier Grad nach oben bewegt, werden die Temperaturen einer ausgeprägten Warmzeit, wie vor rund 50 Millionen Jahren im Eozän, wohl nicht erreicht. Trotzdem ist die globale Erwärmung problematisch,  denn in der Vergangenheit erhöhte sich die Temperatur beispielsweise während 20’000 Jahren um neun Grad, was einem Anstieg von weniger als einem Zehntelgrad pro 100 Jahre entspricht. Zurzeit weisst der Anstieg der globalen Temperaturen aber einen Trend von knapp einem Grad pro Jahrhundert auf. In der Schweiz erwärmte sich das Klima sogar um 1,5 Grad in 100 Jahren. Die aktuelle globale Erwärmung ist geprägt von einem sehr rasanten und ca. dreissigmal Mal stärkeren Anstieg, als das sonst aus der Klimageschichte zu erwarten wäre. Ausgelöst wurde dieser Temperaturanstieg durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe und den dadurch deutlich höheren CO 2-Gehalt in der Atmosphäre. Primär ist nicht die Temperaturhöhe sondern die Geschwindigkeit des Temperaturanstiegs das Erstaunliche am menschgemachten Klimawandel. In den nächsten 50 bis 100 Jahren werden globale Temperaturen erreicht, die höher sind als in den letzten paar Millionen Jahren und die somit noch kein Homo Sapiens erlebte. Ob die Menschheit damit zurecht kommt, ist in der Erdgeschichte nur eine Nebensache.

Klimawandel in der aktuellen Eiszeit