Trübe Apriltage nach schneearmem Flachlandwinter

Auf dem Zürichberg herrschte bereits Frühsommer – zumindest fühlten sich die starke Frühlingssonne und die laue Luft im März so an. Die Märztemperaturen lagen schweizweit deutlich über der Norm. Auf dem Zürichberg war der dritte Monat des Jahres 2012 um 4 Grad zu warm. Nur gerade an 4 Tagen gab es Niederschläge, die im Flachland als Regen nieder gingen. Schnee gab es in den Niederungen nicht mehr.

slp_mrz

 

Im März wurde Mitteleuropa von einem mächtigen Hoch dominiert.
Wetterdaten: NCEP/NCAR

Der letzte messbare Schneefall auf dem Zürichberg ereignete sich am 17. Februar. Mit dem April ging aber auch der Märzsommer zu Ende. Der launische April macht seinem Namen dieses Jahr mal wieder alle Ehre. So gab es sogar Schneeflocken, welche am Ostersonntag am Zürichberg beobachtet werden konnten. Diese reichten aber definitionsgemäss nicht für ein Schneeereignis. Obwohl sich der April bisher kühl und nass gestaltet, ist auch auf dem Zürichberg kaum noch mit Schnee zu rechnen, so dass der letzte Schneetermin in der Saison 2011/12 jener vom 17. Februar bleibt. Dieser Termin ist als sehr früh einzustufen. So zeigt die Schneemessreihe der MeteoSchweiz, dass nur in 30 Prozent der Jahre der letzte Schnee vor dem 25. März fällt. Üblicherweise ist der letzte Schnee der Saison aber um den 6. April in Zürich zu erwarten. Also auch wenn einige Zentimeter Schnee an Ostern 2012 liegen geblieben wären, würde dieser Termin im langjährigen Erwartungswert liegen. Im Schnitt kommt es sogar jedes dritte Jahr vor, dass der letzte Schneefall sogar nach dem 15. April fällt. Ein schneemässig extremes Jahr war 1961. Damals gab es auf dem Zürichberg sogar am 28. Mai, kurz vor dem meteorologischen Sommerbeginn nochmals messbaren Neuschnee.

Wenig Schnee im Flachland
Die Schneesaison war auf dem Zürichberg in vielen Belangen deutlich unterdurchschnittlich. Bereits der Termin des ersten Schnees der Saison war mit dem 17. Dezember spät. Nur jedes dritte Jahr ist nach dem 2. Dezember mit dem ersten Schnee in Zürich zu rechnen. Zusammen mit dem frühen Termin des letzten Schnees dauerte die „Schneesaison” nur gerade 62 Tage. Normalerweise dauert sie mit 135 Tagen mehr als doppelt so lange. In dieser 62-tägigen Schneesaison auf dem Zürichberg gab es 36 Tage mit messbarem Schnee, 20 Tage mit Neuschnee und 27 Tage mit einer mehr als fünf Zentimeter dicken Schneedecke. Aufsummiert fielen rund 62 Zentimeter Schnee. Sehr ähnlich bezüglich Schneetage präsentierte sich die Lage vor einem Jahr. Jedoch summierten sich die gefallenen Schneemengen damals auf rund einen Meter. Ganz anders sah es aber in der Schneesaison 2009/10 aus, welche vom 1. Dezember bis zum 1. April dauerte und insgesamt 72 Tage mit Schnee und 31 Tage mit Neuschnee brachte. Noch länger und härter präsentierte sich die Lage vor drei Jahren, als es bereits am 30. Oktober zum ersten Mal einschneite und die folgende Saison dann 34 Neuschneetage brachte. An 54 Tagen lag auf dem Zürichberg sogar eine geschlossene, fünf Zentimeter dicke Schneeschicht. Total fielen in dieser Saison knapp 2 Meter Schnee auf dem Zürichberg. Dauer der Schneesaison und Anzahl der Schneetage korrelieren aber nicht immer so schön. Ein Beispiel dafür liefert die Saison 2007/08. Bereits am 15. November wurde der erste Schnee registriert und erst am 7. April fiel der letzte Schnee. In dieser 143-tägigen Periode gab es aber nur sieben Neuschneetage und nur gerade drei Tage mit einer geschlossenen Schneedecke und einer aufsummierten Schneemenge von 33 Zentimeter.
Während die Schneesaison 2011/12 im Flachland also unterdurchschnittlich ausfiel, sind die Schneeverhältnisse in den Bergen weiterhin stark überdurchschnittlich. Trotz des sehr warmen März liegen am östlichen Alpennordhang noch immer 130 bis 140 Prozent der sonst üblichen Schneemenge zu dieser Jahreszeit. An der MeteoSchweiz Station auf dem Säntis liegen noch immer knapp 6 Meter Schnee.

Nordstau
Diese überdurchschnittlichen Schneemengen sind nicht auf den vergangenen März zurückzuführen, denn dieser war praktisch ausschliesslich hochdruckbestimmt und brachte kaum Niederschläge. Mit einem gemittelten Luftdruck von mehr als 1025 Hektopascal auf dem Zürichberg wird dies auch in den Messwerten gut sichtbar. Über den ganzen Monat gesehen lag das Hochdruckzentrum über Frankreich. Das mächtige Hoch erstreckte sich von den Azoren über die Britischen Inseln und in einem weiten Bogen über Skandinavien, Osteuropa bis in den Mittelmeerraum. Die Schweiz profitierte von der wärmenden und trocknenden Absinkbewegung im Zentrum des Hochs, welche für das milde und sehr sonnige Märzwetter verantwortlich war. Nach diesem Wonnemonat folgte der wettertechnische Absturz in den April. Das erste Aprildrittel war auf dem Zürichberg gemittelt 7,5 Grad. Dieser Wert liegt im langjährigen Normbereich. Bereits an 5 Tagen kletterte das Thermometer aber nicht über 10 Grad. Mit 20 Liter Regen pro Quadratmeter fielt bereits mehr Niederschlag als vorher im ganzen März. Die Niederschläge waren bitter nötig, auch wenn viele die sonnige und warme Witterung noch einige Wochen länger ausgehalten hätten. Während Mitteleuropa im März im Einflussbereich des erwähnten Hochdruckgebiets lag, gestaltet sich die Wetterlage anfangs April komplett anders. Bereits der durchschnittliche Luftdruck von 1008 Hektopascal im ersten Aprildrittel lässt wenig Gutes erahnen. Das wetterbestimmende Hoch hat sich über den Atlantik zurückgezogen und blockiert seit Aprilanfang die zonale Strömung. Gleichzeitig hat sich über Nordskandinavien und Russland ein kräftiges Tief gebildet. Zwischen diesen beiden Druckgebilden erstreckt sich eine „atmosphärische Autobahn” von Nord nach Süd und führt kühle und feuchte Luftmassen aus dem Nordmeer nach Mitteleuropa und in die Schweiz. An den Alpen kommt es zum Nordstau. Dementsprechend gestaltet sich die Witterung auf der Alpennordseite trüb, kühl und nass. Das erste April-Hoch lässt also noch auf sich warten, doch sobald es kommt, geht der Frühling so richtig los.

slp_apr_

Anderes Bild im April: über Nordosteuropa herrscht Tiefdruck, über dem Atlantik Hochdruck. Mitteleuropa liegt so in einer kühlen und feuchten Nordströmung.
Wetterdaten: NCEP/NCAR

Trübe Apriltage nach schneearmem Flachlandwinter