Vom Yin und Yang des Zürcher Juliwetters

Die erste Julihälfte war in Zürich unterkühlt, nass und sonnenarm. Eine trübe erste Monatshälfte ist aber nichts Aussergewöhnliches, wie ein Blick in die Wetterannalen zeigt. Besserung verspricht die zweite Julihälfte.

Zum Glück war da noch die Fussball-WM, ansonsten wäre das Gejammer über das Nicht-Sommerwetter in der ersten Julihälfte wohl nicht auszuhalten gewesen. Nach einem sehr sonnigen und über weite Strecken hochsommerlichen Juni mit einer erinnerungsträchtigen Hitzewelle über die Pfingsttage konnte die erste Julihälfte das Niveau nicht halten. Ganz im Gegenteil: es kam zu einem regelrechten Absturz in eine frühherbstliche Tristesse. Obwohl es an der ersten Julihälfte 2014 nichts schönzureden gibt, zeigt ein Blick in die Historie, dass eine trübe erste Julihälfte, vor allem in den letzten Jahrzehnten, nichts Ungewöhnliches darstellt. Dieses Phänomen ist unter Meteorologen auch als „Julitrübe“ oder „Juli-Baisse“ bekannt.

 

Defizit an Sommertagen

Mit durchschnittlich 16 Grad gehört die erste Julihälfte auf dem Zürichberg mit einem Wärmedefizit von rund 2 Grad zu den 26 kühlsten seit 1901. Letztmals kühler war diese Periode vor 10 Jahren. Noch etwas kühler als heuer war es auch in den Jahren 1993 und 2000. Ganz andere Verhältnisse herrschten vor einem Jahr, als es rund 4 Grad wärmer war. 2013 wiesen die ersten 15 Julitage durchschnittlich knapp 20 Grad auf. Deutlicher Rekordhalter ist das Jahr 2010. Vor vier Jahren war die erste Julihälfte tropische 23,8 Grad warm in Zürich. Gleichzeitig wurden damals 14 Sommertage mit mehr als 25 Grad und 7 Hitzetage mit mehr als 30 Grad registriert. Zum Vergleich: in diesem Jahr bescherte uns die erste Julihälfte in Zürich 2-3 Sommertage und überhaupt keinen Hitzetag. In der Referenzperiode 1981-2010 wurden durchschnittlich 6 Sommertage erfasst und einmal pro Jahr stieg das Thermometer durchschnittlich über 30 Grad.

Die erste Julihälfte kann temperaturmässig aber noch deutlich garstiger sein. So war die Periode vom 1. bis 15. Juli 1948 nur gerade 12 Grad kalt, also nochmals 4 Grad kühler als in diesem Jahr. Gleichzeitig gab es keinen einzigen Tag mit Höchstwerten über 25 Grad. Keine Sommertage und sehr kühle Temperaturen in dieser Zeitspanne gab es auch 1909 und letztmals 1980. Fehlende Hitzetage mit Höchsttemperaturen über 30 Grad sind in Zürich keine Seltenheit. In jedem zweiten Jahr ist dies im Durchschnitt der Fall, wie auch letztmals 2012 und davor 2009.

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Mit rund 16 Grad war die erste Julihälfte in Zürich rund 3 Grad kühler als vor einem Jahr. Ähnlich kühl war es letztmals 2004, 2005 und 2007.

Heizen im Juli?

Der Juli ist erfahrungsgemäss jener Monat im Jahr, an dem die Heizung ganz abgeschaltet wird. Entscheidend dafür sind die Heiztage, welche in der Klimatologie als Tage mit einer Durchschnittstemperatur unter 12 Grad definiert sind. Gemäss Referenz der Jahre 1981-2010 gibt es in Zürich in der ersten Julihälfte einen Heiztag. Die erste Julihälfte 2014 war zwar durchgehend unterkühlt, jedoch blieben sehr kühle Tage fast ganz aus, so dass auch dieses Jahr nur ein Heiztag registriert wurde. In sehr kühlen Jahren brachte die erste Julihälfte in Zürich sogar 6 bis 8 Heiztage, wie beispielsweise 1909, 1948 oder 1954. Bei solchen Verhältnisse würde man heutzutage wohl sogar im Juli die Heizung erneut hochfahren. Soweit kam es in diesem Jahr zum Glück nicht.

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Heiztage mit einer Tagesmitteltemperatur unter 12 Grad sind in der ersten Julihälfte selten. Vor allem in den letzten Jahren traten sie kaum auf. Dieses Jahr gab es wie bereits im letzten Jahr einen Heiztag.

Trüb und nass

Mit 90 bis 100 mm war die erste Julihälfte in Zürich auch deutlich zu nass. Verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010 fiel 40 bis 50 Prozent mehr Niederschlag. Gegenüber dem Vorjahr wurde in diesem Jahr sogar dreimal mehr Niederschlag gemessen. Viel Niederschlag in dieser Zeit ist jedoch nichts Aussergewöhnliches. 2011 und 2012 fielen mit 120 bis 130 mm in Zürich regelrecht ins Wasser. Es zeigt sich sogar ein langfristiger Trend hin zu mehr Niederschlag in dieser Zeitspanne. Brachten die Jahre 1970 bis 1990 im Schnitt nur rund 50 mm Regen, sind es heute mehr als 70 mm, gleichviel wie auch schon von 1910 bis 1960.

Die Statistiken zeigen, dass die erste Julihälfte zwar unterdurchschnittlich war, jedoch nicht stark negativ abfällt. In einer Kategorie muss sich 2014 jedoch verstecken. So waren 12 der 15 ersten Julitage auch Regentage (mehr als 1 mm Regen). Dieser Wert ist fast rekordverdächtig. Mehr gab es nur im Jahr 2000 mit 13 Regentagen. Es erstaunt kaum, dass diese 2 Wochen somit auch zu sonnenarm waren. Mit nur 80 Sonnenstunden klafft ein Defizit von rund 20 Stunden auf.

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Die erste Julihälfte war dieses Jahr sehr trüb und nass. An 12 der ersten 15 Julitagen gab es Regen. Mehr Regentage gab es nur im Jahr 2000.

Die bessere zweite Hälfte

Die erste Julihälfte war in Zürich also rund 2 Grad zu kalt, 50 Prozent zu nass und brachte 20 Sonnenstunden weniger als in der Referenzperiode 1981-2010. Diese Defizite sind in der zweiten Hälfte durchaus noch aufzuholen, die Aufholjagt wurde ja pünktlich zur Monatsmitte mit der Rückkehr des Hochssommers eingeläutet. Dieses Phänomen ist nicht neu. Die zweite Julihälfte ist seit jeher und vor allem in der jüngeren Vergangenheit die „bessere“. Seit 1990 war die erste Julihälfte nur dreimal wärmer als die zweite Hälfte. In allen anderen Jahren war die zweite Julihälfte um rund 2 Grad wärmer als die erste. Es erstaunt kaum, dass die zweite Julihälfte somit auch mehr Sommertage und mehr Hitzetage bringt. Der sommerliche Charakter der zweiten Monatshälfte zeigt sich auch bei der Sonnenscheindauer. Zwischen 1981 und 2010 brachte sie rund 20 Stunden mehr Sonnenschein als die erste Monatshälfte. Hoffen wir, dass auch der Juli 2014 eine bessere zweite Hälfte hat.

Vom Yin und Yang des Zürcher Juliwetters

Das ist die “Juli-Baisse”

Empfindlich kühle Luft liegt über Mitteleuropa. Gestern, am 8. Juli, lagen die Höchstwerte in zürich um 15 Grad. Auch am 9. und 10. Juli wird es kaum wärmer. Dazu ist es trüb und regnerisch. Der Sommer macht Pause. Doch wie ungewöhnlich ist ein solch trüber und kühler Julistart eigentlich? 

Kälterückfälle gehören seit eh und je zum mitteleuropäischen Frühsommer und werden seit langer Zeit beobachtet. Im Volksmund wird ein Kaltlufteinbruch im Juni mit der Schafskälte in Verbindung gebracht. Diese bezeichnet einen Witterungsregelfall, welcher Mitte Juni, zur Zeit der Schafschur, nasskaltes Wetter aus Nordwesten bringt. Ein Witterungsregelfall, auch Singularität genannt, ist eine deutliche Abweichung vom klimatischen Jahresgang, welche regelmässig zu bestimmten Kalendertagen auftritt. Deshalb ist sie auch im Durchschnitt der langjährigen Messreihe nachweisbar.

Trübe und kühle Tage im Juli hingegen sind im Volksgedächtnis nicht vorhanden, obwohl  Kälterückfälle in der ersten Julihälfte in den letzten 30 Jahren sehr häufig beobachtet wurden. Es handelt sich um eine “Julitrübe” oder “Juli-Baisse”. Um die Juli-Baisse nachzuweisen, werfen wir einen Blick auf das Mittel der Tageshöchsttemperaturen in Zürich. Da an regnerischen, trüben Sommertagen vor allem die Nachmittagstemperaturen gedämpft werden, müsste in dieser Reihe die Juli-Baisse am besten ersichtlich sein. Tatsächlich ist zwischen 1987 und 2007  die Juli-Baisse deutlich nachweisbar (siehe Grafik).

sommerverlauf

Juli-Baisse

In früheren Jahren, wie auch heutzutage ist zwischen Ende Juni und anfangs Juli regelmässig mit sehr hohen Temperaturen zu rechnen. Diese Hitze wird dann aber häufig von einem erneuten, schwächeren Temperaturrückgang in der ersten Julidekade beendet, bevor sich der Hochsommer ab Mitte Juli endgültig durchsetzt. Während diese Juli-Baisse zwischen 1901 und 1960 nur schwach ausgeprägt war, gehört sie heutzutage zum Sommermuster. So müssen wir zwischen dem 2. und dem 11. Juli häufig mit einer spürbaren Abkühlung rechnen. Während die Schafskälte im Zuge der Klimaänderung verschwand, konnte sich die Juli-Baisse etablieren.

Hält sich der Sommer an den Fahrplan, soll es schon bald Hochsommer werden!

 

 

Das ist die “Juli-Baisse”

Die Schafskälte gibt es nicht mehr: das neue Phänomen heisst Juli-Baisse

Empfindlich kühle Luft lag vom 18. bis 22. Juni 2010 über Zürich – von Sommer keine Spur. Nach der Hitze zu Junibeginn dachten wir, dass wir dieses Jahr vom berühmten Kälterückfall im Juni verschont bleiben würden. Doch wir lagen falsch. Schwere, dunkle Wolken hingen über den Hügeln und brachten grosse Regenmengen, allein am 18 und 19. Juni fielen auf dem Zürichberg über 60 Liter pro Quadratmeter. Am 20. verharrte das Thermometer in der Limmatstadt selbst am Nachmittag bei frischen 11,7 Grad. Den Start ins letzte Junidrittel hatten sich viele anders vorgestellt. Doch wie ist dieser Kälterückfall einzuordnen, handelte es sich um die berühmte Schafskälte? Im Jahr 2009 verlief die Juniwitterung übrigens beängstigend ähnlich.

sommerverlauf

Die Schafskälte, wie wir sie früher kannten, ist also aus dem heutigen Sommermuster verschwunden: Während die Schafskälte der Klimaänderung zum Opfer fiel, konnte sich die Juli-Baisse etablieren.

Schnee von gestern
Mit der starken Sonneneinstrahlung auf der Nordhalbkugel reduziert sich über dem Nordpol das Kaltluftreservoir im Juni täglich. Die Temperaturunterschiede zwischen Pol- und Äquatorregionen werden abgebaut, trotzdem stösst noch zeitweise ein Schwall polarstämmiger Luft nach Süden, zum Beispiel nach Mitteleuropa. Diese Kaltluftausbrüche werden Kaltlufttropfen genannt, da sie ringsum von warmer Sommerluft umgeben sind und deshalb nur eine kurze Überlebenschance haben. Während dem Durchzug des Kaltlufttropfens ändert das Wetter aber abrupt von Sommer auf Herbst. Solche Kälterückfälle gehören seit eh und je zum mitteleuropäischen Frühsommer und werden seit langer Zeit beobachtet. Im Volksmund wird ein Kaltlufteinbruch im Juni mit der Schafskälte in Verbindung gebracht. Diese bezeichnet einen Witterungsregelfall, welcher Mitte Juni, zur Zeit der Schafschur, nasskaltes Wetter aus Nordwesten bringt. Ein Witterungsregelfall, auch Singularität genannt, ist eine deutliche Abweichung vom klimatischen Jahresgang, welche regelmässig zu bestimmten Kalendertagen auftritt. Deshalb ist sie auch im Durchschnitt der langjährigen Messreihe nachweisbar. Um die Schafskälte nachzuweisen, werfen wir einen Blick auf das Mittel der Tageshöchsttemperaturen in Zürich. Da an regnerischen, trüben Sommertagen vor allem die Nachmittagstemperaturen gedämpft werden, müsste in dieser Reihe die Schafskälte am besten ersichtlich sein. Tatsächlich ist zwischen 1901 und 1960  die Schafskälte deutlich nachweisbar. So liegt das Mittel der Tageshöchsttemperaturen zum Junibeginn bei rund 21,5 Grad und sinkt dann zwischen dem 10. und dem 16. auf rund 19,5 Grad, bevor es wieder auf das alte Niveau von rund 21,5 Grad ansteigt. Dieser Temperaturrückgang um 2 Grad während diesen Tagen erscheint marginal, doch bei einem Mittel über 60 Jahre ist das beachtlich! Natürlich konnte die Schafskälte in den einzelnen Jahren deutlich tiefere Höchsttemperaturen bringen. In Arosa, auf 1850 Meter über Meer, ging die Schafskälte häufig mit dem letzten Schneefall der Saison einher.

Deutliche Junierwärmung
In den letzten rund 20 Jahren erwärmte sich der Juni im Zuge der globalen Erwärmung deutlich, so ist er heutzutage gut 1,5 Grad wärmer als noch vor 50 Jahren. Nun stellt sich die Frage, ob sich neben den Temperaturen auch die Witterung veränderte? Ist die Schafskälte auch im wärmeren Klima von Zürich noch nachweisbar? Wir betrachten dazu den Verlauf der gemittelten Tageshöchstwerte zwischen 1987 und 2007. Das Ergebnis ist erstaunlich: der deutliche Temperaturrückgang zur Monatsmitte fehlt, die Tageshöchsttemperaturen steigen im Mittel täglich etwas höher an und weisen keine eindeutige Unregelmässigkeit mehr auf. Die Schafskälte, wie wir sie früher kannten, ist also aus dem heutigen Sommermuster verschwunden. Die schwachen Einbrüche im Temperaturmittelverlauf, wie beispielsweise am 6., 11., 22. oder 27. Juni zeigen aber auf, dass es auch in der Zeit der globalen Erwärmung Kaltlufteinbrüche im Juni gab und geben wird. Aus der regelmässig und pünktlich auftretenden Schafskälte wurden spontane, unregelmässige Kaltlufteinbrüche. Der diesjährige Rückfall um den 22. ist ein gutes Beispiel dafür und darf aufgrund der Unpünktlichkeit nicht als Schafskälte bezeichnet werden.

Juli-Baisse
In früheren Jahren, wie auch heutzutage ist zwischen Ende Juni und anfangs Juli regelmässig mit sehr hohen Temperaturen zu rechnen. Diese Hitze wird dann aber häufig von einem erneuten, schwächeren Temperaturrückgang in der ersten Julidekade beendet, bevor sich der Hochsommer ab Mitte Juli endgültig durchsetzt. Während diese Juli-Baisse zwischen 1901 und 1960 nur schwach ausgeprägt war, gehört sie heutzutage zum Sommermuster. So müssen wir zwischen dem 2. und dem 11. Juli häufig mit einer spürbaren Abkühlung rechnen. Während die Schafskälte im Zuge der Klimaänderung verschwand, konnte sich die Juli-Baisse etablieren.

 

Die Schafskälte gibt es nicht mehr: das neue Phänomen heisst Juli-Baisse