Wenn es im Januar wärmer ist als im Juli

Die zweite Winterhalbzeit ist bereits angebrochen. Mittlerweile hat er, der Winter, sich auch zurückgemeldet und bleibt uns bis mindestens Ende Januar mehr oder weniger erhalten.

Wie in den Vormonaten fuhr auch die erste Januarhälfte 2015 in der ganzen Schweiz einen deutlichen Wärmeüberschuss ein. Auf dem Zürichberg war es mehr als 3 Grad wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Der Schneepracht, welche zwischen Weihnachten und Neujahr fiel, ging es rasch wieder an den Kragen. Nach einer kurzen Pause drehten die Höhenwinde wieder auf West und vom Atlantik zog eine Serie von Orkantiefs über Europa und führte sehr milde Meeresluft bis weit in den Kontinent hinein. Am 10. Januar zog das Orkantief „Felix“ vom Norden Schottlands zur Norwegischen Küste. Die Schweiz befand sich an diesem Tag im Warmluftsektor zwischen der Warm- und der Kaltfront von Felix. Nachdem in der vorangegangenen Nacht die Höhenwinde aufgrund eines massiven Druckgefälles ihr Maximum erreichten, stellte sich tagsüber ziemlich sonniges Wetter ein. Die stürmischen Winde, in Zürich wurden gemäss MeteoSchweiz Böenspitzen von 95 km/h gemessen, sorgten für eine gute Durchmischung und brachten die milden Luftmassen bis zum Boden. Dementsprechend sank das Thermometer während der ganzen Nacht nie unter 10 Grad. Mit den Sonnenstrahlen kletterte das Thermometer dann auf dem Zürichberg sogar bis auf 15,4 Grad.

Der Tagesmittelwert des 10. Januars markierte mit 12,6 Grad für Zürich einen neuen Allzeit-Rekord für den Monat Januar. Noch nie seit mindestens 1864 war ein Januartag so warm wie der 10. Januar 2015. Verglichen mit dem langjährigen Referenzwert war dieser Januartag mehr als 12 Grad übertemperiert. Der 10. Januar war sogar wärmer als fünf Tage des vergangenen Sommers. Der 9. und 10. Juli 2015 wiesen beispielhaft nur gerade ein Tagesmittel von 11,4 und 10,8 Grad auf und waren somit noch ein gutes Stück kühler als der 10. Januar 2015.

janu

Kurzmitteilung

Das ist die “Juli-Baisse”

Empfindlich kühle Luft liegt über Mitteleuropa. Gestern, am 8. Juli, lagen die Höchstwerte in zürich um 15 Grad. Auch am 9. und 10. Juli wird es kaum wärmer. Dazu ist es trüb und regnerisch. Der Sommer macht Pause. Doch wie ungewöhnlich ist ein solch trüber und kühler Julistart eigentlich? 

Kälterückfälle gehören seit eh und je zum mitteleuropäischen Frühsommer und werden seit langer Zeit beobachtet. Im Volksmund wird ein Kaltlufteinbruch im Juni mit der Schafskälte in Verbindung gebracht. Diese bezeichnet einen Witterungsregelfall, welcher Mitte Juni, zur Zeit der Schafschur, nasskaltes Wetter aus Nordwesten bringt. Ein Witterungsregelfall, auch Singularität genannt, ist eine deutliche Abweichung vom klimatischen Jahresgang, welche regelmässig zu bestimmten Kalendertagen auftritt. Deshalb ist sie auch im Durchschnitt der langjährigen Messreihe nachweisbar.

Trübe und kühle Tage im Juli hingegen sind im Volksgedächtnis nicht vorhanden, obwohl  Kälterückfälle in der ersten Julihälfte in den letzten 30 Jahren sehr häufig beobachtet wurden. Es handelt sich um eine “Julitrübe” oder “Juli-Baisse”. Um die Juli-Baisse nachzuweisen, werfen wir einen Blick auf das Mittel der Tageshöchsttemperaturen in Zürich. Da an regnerischen, trüben Sommertagen vor allem die Nachmittagstemperaturen gedämpft werden, müsste in dieser Reihe die Juli-Baisse am besten ersichtlich sein. Tatsächlich ist zwischen 1987 und 2007  die Juli-Baisse deutlich nachweisbar (siehe Grafik).

sommerverlauf

Juli-Baisse

In früheren Jahren, wie auch heutzutage ist zwischen Ende Juni und anfangs Juli regelmässig mit sehr hohen Temperaturen zu rechnen. Diese Hitze wird dann aber häufig von einem erneuten, schwächeren Temperaturrückgang in der ersten Julidekade beendet, bevor sich der Hochsommer ab Mitte Juli endgültig durchsetzt. Während diese Juli-Baisse zwischen 1901 und 1960 nur schwach ausgeprägt war, gehört sie heutzutage zum Sommermuster. So müssen wir zwischen dem 2. und dem 11. Juli häufig mit einer spürbaren Abkühlung rechnen. Während die Schafskälte im Zuge der Klimaänderung verschwand, konnte sich die Juli-Baisse etablieren.

Hält sich der Sommer an den Fahrplan, soll es schon bald Hochsommer werden!

 

 

Das ist die “Juli-Baisse”