Wetterjahr 2014: Ruhiger Start – turbulentes Ende?

Sonnig, warm und trocken präsentiert sich das angelaufene Wetterjahr 2014 in Zürich. Auf globaler Bühne bahnen sich im zweiten Halbjahr Wetterkapriolen an.

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Das erste Quartal 2014 gehört zu den zehn sonnenreichsten seit 1901. Das erste Quartal des Vorjahres war hingegen eines der trübsten.

Unterschiedlicher könnte der Jahresbeginn 2014 verglichen mit dem Vorjahr, nicht sein. Das erste Jahresquartal 2014 war verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010 rund zweieinhalb Grad zu warm und somit mehr als vier Grad wärmer als im Vorjahr. Damals liessen die Monate Januar bis März in Zürich das Quecksilber durchschnittlich nur auf 0,6 Grad steigen. Die durchschnittlich 4,8 Grad im selben Zeitraum 2014 hievten sich auf der ewigen Rekordliste auf Rang zwei. Das erste Quartal war in Zürich nur 2007 um wenige Zehntelgrad wärmer und 1990 gleich mild wie in diesem Jahr. Aktuell befindet sich Mitteleuropa in einer Wärmephase. Die vergangenen 12 Monate waren so warm wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Den grössten Beitrag dazu leisteten die letzten vier und vor allem die letzten drei Monate. Die positive Abweichung der Durchschnittstemperatur der letzten drei Monate in Zürich war so ausgeprägt wie letztmals im Mai 2011. Zur Erinnerung: 2011 wurde in der Schweiz anschliessend zum bisher wärmsten Jahr seit Messbeginn erkoren.

Verkehrte Welt

Das erste Quartal 2014 war nicht nur deutlich wärmer als vor einem Jahr, es war auch spürbar sonniger. So zählten die Meteorologen in Zürich vom Jahresbeginn bis Ende März 360 Sonnenstunden – gut 100 Stunden mehr als im langjährigen Mittel 1981-2010. Verkehrte Welt herrschte vor einem Jahr. Die Monate Januar bis März 2013 waren meist grau in grau und kamen, verglichen mit 2014, nicht mal auf halb so viele Sonnenstunden. Noch trüber war der Jahresstart lediglich in den Jahren 1904 und 1964. So war das erste Quartal 2013 das 3.-trübste seit 1901. Hingegen erlebte Zürich dieses Jahr das 8.-sonnigste erste Quartal. Am sonnigsten waren die Monate Januar bis März seit 1901 in Zürich vor zwei Jahren: 2012 zeigte sich die Sonne im ersten Jahresquartal noch 40 Stunden länger als heuer. Diese sonnige Phase zeichnete sich bereits im Dezember letzten Jahres ab. So war der Dezember in Zürich der sonnenreichste seit 1884. Zusammen mit dem freundlichen Jahresstart brachte der Winter (Dezember-Februar) 2013/14 so wenig trübe Tage wie nie seit Messbeginn. Ein trüber Tag wird in der Meteorologie als Tag definiert, an welchem die tatsächlich gemessene Sonnenscheindauer weniger als 20% der theoretischen Sonnenscheindauer erreicht. Im vergangenen Winter konnten nur 39 dieser trüben Tage gezählt werden.

Warmblütiges Christkind

Global gesehen war das erste Jahresquartal erneut deutlich übertemperiert. Gemäss ersten Daten der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) waren die Monate Januar bis März die 6.-wärmsten seit Messbeginn. Das Jahr 2014 dürfte auf der globalen Bühne das Feuerwerk jedoch erst in der zweiten Jahreshälfte zünden und temperaturmässig zu einem regelrechten Schlussspurt ansetzen. Den Grund dafür sehen Klimatologen in einem sich anbahnenden El Niño-Ereignis, welches sich nun immer deutlicher abzeichnet. El Niño, aus dem spanischen übersetzt „der Junge, das Kind“ oder auch „das Christuskind“ – so nennt man die mehr oder weniger regelmässig wiederkehrende, ungewöhnliche Erwärmung des Meerwassers im tropischen Pazifik – hat einen weitreichenden Einfluss auf das Klima. Der Name ist vom Zeitpunkt des Auftretens abgeleitet, nämlich zur Weihnachtszeit. Er stammt von peruanischen Fischern, die den Effekt aufgrund der dadurch ausbleibenden Fischschwärme wirtschaftlich zu spüren bekommen. Durch die Erwärmung des Oberflächenwassers des tropischen Pazifiks um einige wenige Grad Celsius (im Jahrhundert-Ereignis 1997/98 um mehr als 4 Grad) ist El Niño in der Lage, die durchschnittliche globale Jahrestemperatur um einige Zehntelgrad zu erhöhen.

Wetterkapriolen

Aufgrund der weitreichenden Folgen eines solchen Ereignisses informiert die NOAA in einem wöchentlich aktualisierten Bulletin über die Entwicklung des El Niños. Im letzten Monat hat sich der tropische Pazifik gebietsweise bereits um 2 Grad erwärmt. Da die Wassertemperaturen vorher aber unterdurchschnittlich waren, sprechen die Experten zurzeit noch nicht von einem El Niño-Ereignis. Sie erwarten aber, dass sich ein solches im Laufe des Sommers und Herbstes etablieren könnte. Wenn das El Niño-Ereignis wie prognostiziert eintritt, ist in der zweiten Jahreshälfte, vor allem gegen Jahresende, mit extremen Wetterkapriolen in Südamerika, Südostasien sowie Australien zu rechnen und 2014 dürfte global zum wärmsten Jahr seit Messbeginn vor mehr als 130 Jahren werden. Die letzten Jahre gehörten auf globaler Bühne immer zu den wärmsten Jahren. Neue Rekorde gab es aber seit einigen Jahren nicht mehr. Die zusätzliche, geringfügige Erwärmung durch El Niño könnte dies ändern. Auf das Wetter in der Schweiz hätte ein El Niño-Ereignis primär keinen eindeutigen Einfluss.

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Das erste Quartal 2014 war das 2.-wärmste seit Messbeginn 1864. Vor einem Jahr war das erste Quartal hingegen deutlich unterkühlt.

 

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