Dürresommer 2018 als Mahnmal der Klimaänderung

Der diesjährige Sommer präsentiert sich in weiten Teilen Europas sonnig, staubtrocken und heiss. In Mittel- und Nordeuropa gehört der Juli 2018 zu den heissesten und trockensten Monaten in der gesamten Messhistorie. In Zürich war er zusammen mit dem Juli 1994 der viertwärmste Juli und der sechstheisseste Monat überhaupt seit 1864.

Innerhalb eines Monats hat die Trockenheit aus dem grünen Europa eine braune Steppenlandschaft gemacht. Der Dürresommer 2018 wird dank Satellitenbilder eindrücklich sichtbar (contains modified Copernicus Sentinel data, 2018, processed by ESA.

Staubtrocken

Die aussergewöhnliche Wetterlage dauert nicht erst seit Juli. Bereits seit April liegt Europa unter dem Einfluss des subtropischen Hochdruckgürtels. Regenfronten schaffen es seit Monaten nicht mehr bis aufs europäische Festland. Mit der Dürre mutierte das saftig grüne Europa innert Monatsfrist zur braunen Steppenlandschaft, wie aus Satellitenbildern eindrücklich zu erkennen ist. In Zürich war es die trockenste April-Juli-Periode seit über 100 Jahren. Über die vier Monate ist im Raum Zürich nur die Hälfte des langjährigen Durchschnitts (1981‒2010) gefallen. Mit der Trockenheit stieg die Waldbrandgefahr stetig an. Ende Juli wurde im ganzen Land ein Feuerverbot im Wald und Waldesnähe verhängt. In den trockensten Alpentälern wurde Feuer im Freien allgemein untersagt.

So trocken wie 2018 war es in Zürich in der Periode April bis Juli noch nie seit 1901. Ein langfristiger Trend in Richtung mehr Trockenheit ist aber (noch) nicht zu erkennen.

Rekordwarm

Zur Trockenheit gesellten sich rekordhohe Temperaturen. Die Viermonatsperiode April‒Juli war in Zürich mit durchschnittlich über 17 Grad knapp drei Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt. Der bisherige Rekordwert aus dem Hitzejahr 2003 erreichte in Zürich 16,5 Grad. Wärme und Trockenheit stehen in einem positiven Rückkoppelungseffekt zueinander. Je höher die Temperaturen, desto kräftiger die Verdunstung, wodurch sich das Wasserdefizit im Boden massiv akzentuiert. Andererseits wird es bei sonnigen Tagen während Dürrephasen immer heisser, da die Sonnenstrahlen nicht zuerst für die energieaufwändige Verdunstung der Bodenfeuchte aufgewendet werden muss (mit kühlendem Effekt auf die Lufttemperatur) sondern direkt in Wärme umgewandelt werden können. Das zeigt sich eindrücklich an der Anzahl Hitzetage. Obwohl die grosse Wärme seit April andauerte, wurde der erste Hitzetag mit Temperaturen über 30 Grad erst am 24. Juli beobachtet. Seither steigen die Tageshöchstwerte aber fast täglich über die Hitzemarke von 30 Grad und praktisch in der ganzen Schweiz wurden Hitzewarnungen ausgesprochen.

So warm wie 2018 war es in Zürich in der Periode April bis Juli noch nie seit 1901. Das aktuelle Jahr setzt dabei den Trend hin zu mehr Frühlings- und Sommerwärme fort.

Zahlreiche Hitzetage und Trockenheit im Sommer. Das aktuelle Wettergeschehen offenbart einen Blick auf den Schweizer Sommer der Zukunft, denn die Klimaszenarien für die Schweiz rechnen mit einer deutlichen Zunahme der Sommertemperaturen sowie mit einer Abnahme der sommerlichen Niederschläge. In den nächsten Jahrzehnten ist entsprechend häufiger mit Sommertrockenheit zu rechnen. Die Frage, ob der Dürresommer 2018 bereits ein Zeichen der Klimaänderung ist, lässt sich allerdings nicht so einfach beantworten.

 

Trend zu mehr Hitze

Fakt ist: Seit der vorindustriellen Periode um 1900 ist die April-Juli-Temperatur in Zürich um 2 Grad angestiegen. Markant war der Temperaturanstieg vor allem seit 1980, wie Messwerte von MeteoSchweiz eindrücklich zeigen. Hintergrund ist die Häufung von ausgesprochen warmen Frühlings- und Sommermonaten in den letzten Jahren. Neun der zehn heissesten Monate in Zürich wurden nach 1980 beobachtet, sechs davon nach der Jahrtausendwende. In diesen Top 10 sind neben dem diesjährigen Juli auch jene aus den Sommern 2013 und 2015. Dieser Temperaturanstieg weist eindrücklich auf die laufende Klimaänderung hin. Diese Entwicklung kann nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa beobachtet werden. Und auch auf dem amerikanischen Kontinent und in Asien traten Hitzewellen in den letzten Jahren immer häufiger auf. Die heissen und trockenen Sommer in Europa in den Jahren 1947 und 1976 brachten anderswo auf der Nordhalbkugel kühle Sommer. Heutzutage ist es nichts Aussergewöhnliches mehr, wenn weltweit mehrere Hitzewellen auf einmal und dann auch noch langanhaltend auftreten. Auch im Sommer 2018 erlebt die Nordhalbkugel mit Europa, Nordamerika und Japan gleich drei grossflächige Hitzewellen. Die drei Hitzewellen haben zwar nichts direkt miteinander zu tun. Was aber die drei Ereignisse verbindet, ist der grössere Kontext, in dem sie stehen: der Klimawandel. Die neue Normalität bei der Temperatur hat also bereits angefangen. Ein Vergleich der letzten zwanzig Jahre zeigt, dass fast überall auf der Welt die Durchschnittstemperaturen gestiegen sind. Besonders eindeutig ist dabei die Entwicklung auf der Nordhalbkugel. Gleichzeitig werden aber auch die Ausreisser nach oben in diesen Regionen immer heftiger. Hitzemonate wie der Juli 2018 treten mit dem Klimawandel folglich häufiger auf.

 

Kein Trend zu Trockenheit

Fakt ist aber auch, dass die Sommerniederschläge in den letzten Jahrzehnten keine eindeutige Richtung kennen. Auf einen nassen Sommer folgt ein trockener. Ein staubtrockener Sommer 2018 steht alleine nicht für eine langfristige Veränderungen beim Niederschlag. Erst 2016 war die April-Juli-Periode die niederschlagsreichste seit über 100 Jahren. Die letzten Jahre haben vor allem die grosse Jahr-zu-Jahr-Schwankung aufgezeigt, nicht aber einen Trend eingeläutet. Während sich die Schweiz bei den Temperaturen schon mitten in der Klimaänderung befindet und folglich die kommenden Sommer der nächsten Jahrzehnte weiter an Wärme zulegen werden, ist bei den Niederschlägen erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts mit einem eindeutigen Klimawandel-Signal zu rechnen. Dann dürften die Sommerniederschläge in der Schweiz deutlich abnehmen. Mit fortschreitendem Klimawandel zeigen die Klimamodelle ein Muster mit Niederschlagszunahmen im Norden und -abnahmen im Süden Europas. Dieses Muster verschiebt sich mit dem Gang der Jahreszeiten. Im Sommer liegt die Schweiz im Einfluss der wachsenden Niederschlagsabnahme im Mittelmeerraum. Ausgelöst wird diese Veränderung durch die grossräumige Änderung der Zirkulation über Europa, wodurch die subtropische Zone sich weiter nach Norden (Süd- bis Zentraleuropa) verschiebt.

Dürresommer 2018 als Mahnmal der Klimaänderung

Globale Hitzewelle geht langsam zu Ende

Ein starker El Niño hat in den vergangenen Monaten die globalen Temperaturen in die Höhe schnellen lassen. So heiss wie in den letzten Monaten war es seit Messbeginn nie. Am Horizont bahnt sich jedoch schon eine kühlere Phase an.

Die globalen Temperaturen sind im ersten Halbjahr 2016 in neue Höhen geschnellt.
Die globalen Temperaturen sind im ersten Halbjahr 2016 in neue Höhen geschnellt. Datenquelle: NOAA

Aus Schweizer Perspektive ist es wohl kaum zu glauben. Hierzulande erleben wir einen durchzogenen und kühlen Frühling und Frühsommer, während gleichzeitig das globale Temperaturniveau neue Sphären erreichte. Seit letztem August war jeder einzelne Monat auf globaler Ebene der wärmste seit Messbeginn, also der letzten mindestens 150 Jahre. Rekordmonate mit neuen Temperaturhöchstwerten ist sich die Erde aus den letzten Jahren gewohnt – zu oft traten solche auf. Doch dieses Mal ist es anders. Die Art und Weise mit welcher Wucht die globale Hitzewelle seit letztem August zuschlägt, ist beängstigend. Die globale Oberflächentemperatur ist regelrecht in die Höhe geschnellt und distanzierte die bisherigen Rekorde um Welten. Der Höhepunkt der globalen Hitzewelle liegt schon einige Monate hinter uns. So war der Februar weltweit um 0,9 Grad wärmer als der Durchschnitt der Periode 1981-2010. Der bisherige Höchstwert stammte aus dem Februar 2010 mit einer Abweichung von weniger als 0,4 Grad. Ein ähnliches Bild zeigt sich in allen Monaten zwischen Dezember 2015 und März 2016. Seither liegen die Temperaturen zwar weiterhin in Rekordhöhe, jedoch baut sich der grosse Wärmeüberschuss stetig ab. Auch der diesjährige Juni erreicht im Durchschnitt über die gesamte Erdoberfläche wohl einen neuen Rekordwert – als elfter Monat in Folge. Die Periode Januar bis Juni 2016 geht folglich als mit Abstand wärmstes erstes Halbjahr seit Messbeginn in die Wetterannalen ein.

Globale Oberflächentemperatur (Luft+Ozean) Abweichung vom Durchschnitt 1981-2010, Quelle: NOAA
Globale Oberflächentemperatur (Luft+Ozean)
Abweichung vom Durchschnitt 1981-2010. Datenquelle: NOAA

Der König ist tot

Hauptursache für das Hochschnellen der globalen Temperaturen war eine Abweichung im ozeanischen und atmosphärischen Zirkulationsmuster im Pazifik. Diese ist unter dem Namen El Niño/La Niña (ENSO) Zirkulation bekannt und kann die globalen Temperaturen in der Grössenordnung von einigen Zehntelgrad ins Positive oder Negative beeinflussen. Die Zirkulation kennt eine warme (El Niño; span. „der Junge”) und eine kalte Phase (La Niña; span. „Mädchen”). Die Periode zwischen 1998 und 2014 war geprägt durch häufige La Niña-Ereignisse, was mitverantwortlich dafür war, dass die globalen Temperaturen in dieser Zeitspanne gehemmt blieben und kaum anstiegen. Die Klimaforscher verwiesen wiederholt auf das Zirkulationsmuster im Pazifik und prognostizierten ein Hochschnellen der weltweiten Temperaturen sobald das Zirkulationsmuster wieder in die warme El Niño-Phase wechseln würde – sie behielten recht. Und es war nicht irgendein El Niño-Ereignis, welches sich im Laufe des vergangenen Jahres im Pazifik aufbaute, es war eines der stärksten überhaupt. Neben dem Rekord-El Niño aus dem Jahre 1997/98 ist es der König unter den El Niños. Während eines El Niños flauen die Ost-Passatwinde über dem pazifischen Raum ab und verursachen dadurch mehr Konvektion und starke Regenfälle über dem zentralen und östlichen Pazifik (inkl. Pazifikküste Südamerikas). Gleichzeitig trocknen die Regionen im Westpazifik (Indonesien) aus. Ein El Niño-Ereignis unterbindet das Aufsteigen kühlen Tiefenwassers an der Pazifikküste Südamerikas und erwärmt somit den riesigen pazifischen Ozean an der Oberfläche. Gleichzeitig wird die darüber liegende Luft erwärmt. Dies geschieht in solcher Stärke, dass dadurch das globale Temperaturniveau beeinflusst wird. Das starke El Niño-Ereignis erreichte seinen Höhepunkt während unseren Wintermonaten im Januar/Februar 2016. Seither schwächt es sich deutlich ab. Im diesjährigen Juni wurde der aktuelle El Niño offiziell als beendet erklärt.

 

Lang lebe die Königin

Es ist nicht so, dass im pazifischen Raum immer ein El Niño oder eine La Niña regiert. Häufig befindet sich das ozeanische und atmosphärische Zirkulationsmuster auch in einem neutralen Zustand. Die Chance einer La Niña-Phase (kalte Phase) nach einem zu Ende gehenden El Niño ist aber gross. Erklären lässt sich dies mit der Schwingung einer Feder. Die ENSO-Zirkulation kann mathematisch gut mit einer Federschwingung umschrieben werden. Zieht man eine Feder stark aus ihrer neutralen Position (El Niño) und lässt sie dann los, so stoppt diese nicht an der ursprünglichen Position (neutral) sondern schlägt auf der anderen Seite ebenfalls aus (La Niña). So erstaunt es kaum, dass die Fachwelt bis Jahresende einen Wechsel in die La Niña-Phase erwartet. Das Witterungsmuster kehrt sich dabei um. Die westlichen Regionen des Pazifiks (Indonesien) bekommen dann sehr viel Regen ab, während im östlichen Pazifik und an der südamerikanischen Westküste trockene und kalte Witterung dominiert. La Niña fördert das Aufsteigen kalten Tiefenwassers im Ostpazifik, wodurch auch die Atmosphäre abgekühlt wird. Wie beim El Niño geschieht das in so einer Intensität, dass es global messbar ist.

Mit dem Wechsel in die kalte La Niña-Phase wird sich die globale Hitzewelle im Laufe dieses Jahres weiter abschwächen. Je nachdem wie rasch der Phasenwechsel über die Bühne geht und wie stark das aufkommende La Niña-Ereignis sein wird, werden die Temperaturen darauf reagieren. Der Wärmeüberschuss aus dem ersten Halbjahr 2016 ist aber so immens, dass das Jahr 2016 trotz weniger heissem zweiten Halbjahr zum global wärmsten Jahr werden dürfte. Das bisherige Rekordjahr 2015 müsste dann schon wieder das Feld räumen. Inwiefern das sich anbahnende La Niña-Ereignis die Witterung in Europa beeinflussen wird, ist schwierig abzuschätzen. Bis zu Winterbeginn im Dezember dürfte es kaum eine Auswirkung auf das europäische Wetter haben. Die Vergangenheit zeigt, dass bei sehr starken La Niñas tendenziell die europäischen Winter strenger ausfallen. Wir werden sehen.

Globale Hitzewelle geht langsam zu Ende

Tropennächte und Hitzetage: macht sich die globale Erwärmung bemerkbar?

Der trockenste und heisseste Monat überhaupt in der über 150-jährigen Messreihe wollte der Juli 2015 scheinbar dann doch nicht werden. Ein für die Jahreszeit sehr seltenes Sturmtief griff am 25. Juli ins Geschehen ein und stutzte den Rekordmonat am Ende noch soweit zurecht, dass er sich nun die Krone mit anderen Extremmonaten der letzten Jahre teilen muss. Die dann doch recht frische und windige letzte Juliwoche liess den grossen Wärmeüberschuss schmelzen, so dass der Juli 2015 mit durchschnittlich 22 Grad in Zürich in etwa gleich heiss war wie der Juli 1983 und sogar etwas kühler als der Juli 2006, der es auf 22,5 Grad brachte. Der vergangene Monat gehört jedoch nicht nur zu den wärmsten Julis sondern zu den wärmsten Monaten überhaupt in Zürich. Nur der Juni und August aus dem Hitzesommer 2003 und wie erwähnt der Juli 2006 waren noch einige Zehntelsgrad wärmer. Unter Berücksichtigung der vorherrschenden Trockenheit, in Zürich fielen im ganzen Monat nur 30-40 mm Regen, war der Juli 2015 noch extremer. Letztmals trockener war ein Sommermonat im August 1991, damals war es aber im Schnitt zwei Grad kühler. Ähnlich trocken, aber auch rund 4 Grad kühler war es im Juni 2006. Ein Abbild des diesjährigen Julis ist der Juli 1983, welcher ähnliche Temperaturverhältnisse und in etwa die gleichen bescheidenen Niederschlagsmengen hervorbrachte. Damals schien die Sonne mit 290 Stunden nicht ganz so oft wie im diesjährigen Juli, als 300 Sonnenstunden registriert wurden. Mit 303 Sonnenstunden war auch der Juli 2013 sehr sonnig. Vor zwei Jahren war es jedoch verglichen mit heuer rund anderthalb Grad kühler. Über 300 Sonnenstunden hatte letztmals auch der Juli 2006. Unerreicht bleibt weiterhin der Juli 1911 mit rund 370 Sonnenstunden. Zum Vergleich: Im trüben letztjährigen Juli gab es nur gerade 170 Stunden Besonnung.

Häufigere und längere Hitzewellen

Nach diesem Hitzemonat Juli rückt die Frage in den Vordergrund, ob sich Häufigkeit und Intensität von Hitzeperioden möglicherweise in Zukunft verändern werden. Mit der beobachteten und erwarteten globalen Erwärmung scheint eine These nahe zu liegen: Höhere Temperaturen = häufigere und intensivere Hitzeperioden.

Wie MeteoSchweiz schreibt, wird diese These durch Klimasimulationen unterstützt, jedoch scheint die Situation komplexer zu sein. So spielen neben einer durchschnittlichen Erwärmung auch deren Jahresgang sowie Faktoren wie Änderungen in der Persistenz (d.h. der Beständigkeit) von Hitzeperioden und unterschiedliche Entwicklungen von Minimal-, Mittel- und Maximaltemperaturen eine Rolle. Die MeteoSchweiz und das Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich zeigen in ihren jüngsten Berechnungen einen ersten quantitativen Blick in die Schweiz der Zukunft. Dabei verwendeten sie für die Analyse 14 regionale Klimasimulationen des europäischen Forschungsprojektes ENSEMBLES, die bereits zur Erstellung der CH2011 Klimaszenarien (ch2011) verwendet wurden. Alle Simulationen basieren auf einem Treibhausgas-Emissionsszenario des IPCC, dem ein rasches, ökonomisches Wachstum und ein Nebeneinander fossiler und erneuerbarer Energieträger zugrunde liegen.

Die unterschiedlichen Simulationen zeigen ein konsistentes Bild: sowohl Häufigkeit als auch Intensität von sommerlichen Hitzeperioden werden deutlich zunehmen. Während einer zweiwöchigen Hitzeperiode lag die durchschnittliche Maximum-Temperatur in der Referenzperiode 1980-2009 in Zürich bei 27,5 Grad. Im vergangenen Juli erreichte sie Werte von 30 Grad, im Hitzesommer 2003 waren es mehr als 32 Grad. In den nächsten 20 Jahren steigt dieser Wert in Zürich schon auf 28-30, bis 2070 auf bis zu 32 und bis Ende Jahrhundert auf über 35 Grad. Doch wie häufig treten solche Hitzewellen auf? Hitzewellen mit sieben oder mehr Tagen mit einer Höchsttemperatur von über 30 Grad waren in der Referenzperiode 1980-2009 in Zürich sehr selten und kamen nur rund alle 10 Jahre vor. In den nächsten 20 Jahren könnten solche Hitzewellen schon in jedem vierten Jahr, Mitte Jahrhundert schon jedes zweite und Ende Jahrhundert einmal pro Jahr vorkommen. Wie MeteoSchweiz schreibt, ist trotz aller Modellunsicherheit die zukünftige Zunahme von Intensität und Häufigkeit von Hitzewellen ein robustes Signal, lediglich in der konkreten Ausprägung dieser Zunahme unterscheiden sich die Modelle voneinander.

Die einzelnen Stunden im Tag haben in den letzten 30 Jahren (1985-2014) in Zürich nicht gleichmässig auf die globale Erwärmung reagiert: Die Nachtstunden im Frühling, Sommer und Herbst haben sich deutlich stärker erwärmt, als die Tagesstunden. Rund zwei Drittel der generellen Erwärmung entfällt auf die Nacht.
Die einzelnen Stunden im Tag haben in den letzten 30 Jahren (1985-2014) in Zürich nicht gleichmässig auf die globale Erwärmung reagiert: Die Nachtstunden im Frühling, Sommer und Herbst haben sich deutlich stärker erwärmt, als die Tagesstunden. Rund zwei Drittel der generellen Erwärmung entfällt auf die Nacht.

Während wir schliefen

Ob die durchschnittlichen Höchsttemperaturen während einer zweiwöchigen Hitzewelle Ende Jahrhundert in Zürich Werte von 35 Grad erreichen, darf jedoch mit einer gewissen Skepsis hinterfragt werden. So haben sich in den letzten 30 Jahren Muster der generellen Erwärmung gezeigt, welche einem unaufhaltsamen Anstieg der Höchsttemperaturen widersprechen. Eine Auswertung stündlicher Temperaturdaten der NASA für das östliche Schweizer Mittelland in der Periode 1985-2014 zeigt, dass zwei Drittel der beobachteten Erwärmung auf die Nacht (20-8 Uhr) und nur ein Drittel auf die Tageszeit (8-20 Uhr) fällt. Die Erwärmungstrends in den Nachtstunden waren gegenüber den Tagesstunden zwischen 1985-2014 im Sommer mehr als doppelt so gross. Während sich die Stunden von 8-20 Uhr nur um 0,2 Grad pro Jahrzehnt erwärmten, sind die nächtlichen Stunden teilweise mehr als 0,4 Grad pro 10 Jahre wärmer geworden. Dieser Zusammenhang wurde auch bei der Hitzewelle im vergangenen Juli ersichtlich, als die Nachttemperaturen rekordverdächtig hoch blieben, während die Tageshöchstwerte am Nachmittag noch um 2-3 Grad von den absoluten Rekordwerten entfernt blieben. Ein ähnliches Bild zeigt sich übrigens im Frühling und Herbst. Im Herbst waren die Erwärmungstrends der letzten 30 Jahre in der Nacht sogar dreimal so gross wie jene am Tag. Insgesamt am stärksten erwärmten sich die Frühlingsstunden mit einer Rate von 0,3-0,5 Grad pro 10 Jahre. Eine leichte Abkühlung erfuhren hingegen die Wintermonate in der Periode 1985-2014. Über einen längeren Zeitraum betrachtet (50-150 Jahre), haben sich auch die Wintermonate in Zürich deutlich erwärmt, jedoch kam die Wintererwärmung in den letzten Jahrzehnten zum Stillstand.

Der Grund dafür, dass sich die Nächte deutlich stärker erwärmen als die Tage, liegt möglicherweise im steigenden Wasserdampfgehalt in der Atmosphäre. Je wärmer die Atmosphäre wird, desto mehr Wasserdampf kann die Luft aufnehmen – die Luftfeuchtigkeit steigt somit an. Dies bedeutet, dass sich rascher Wolken bilden können, welche die Ausstrahlung in den Nächten verhindern, gleichzeitig aber auch die Einstrahlung am Tag mindern. So wird die Nacht gegenüber dem Tag proportional immer wärmer. Ein wesentlicher Teil der Erwärmung findet in der Schweiz somit in der Nacht statt. Bleibt dieses Muster auch in Zukunft bestehen, dürfte die Anzahl der Tropennächte deutlich schneller ansteigen als die Anzahl der Hitzetage.

Tropennächte und Hitzetage: macht sich die globale Erwärmung bemerkbar?

Hitze, Sonne, Trockenheit

Die Hitze hält weite Teile Europas weiter fest im Griff. Der Juli könnte alle Rekorde brechen. Ein Hitzesommer 2015 wird immer wahrscheinlicher.

Hitzewellen rollen von der Iberischen Halbinsel nach Frankreich und zum Alpenraum. Nach einer sehr heissen ersten Julihälfte waren bereits die nächsten Hitzeschübe absehbar. Die Weltmeteorologie-Organisation (WMO) verlängerte das Ende Juni einberufene Klimaüberwachungsbulletin bezüglich andauernder Hitze- und Trockenperiode über weiten Teilen Europas um weitere zwei Wochen (vorerst bis Ende Juli).

Rekordhitze Anfang Juli

In der ersten Juliwoche erlebte die Schweiz eine der extremsten Hitzewochen seit Messbeginn vor über 150 Jahren, wie MeteoSchweiz berichtet. Auf dem Zürichberg erreichte die durchschnittliche Tageshöchst-Temperatur mit 33,3 Grad den dritthöchsten Wert seit Messbeginn. Ein gutes Stück heisser war es nur Anfang August im Hitzesommer 2003 mit 34,9 Grad und in der letzten Juliwoche 1947 mit 33,6 Grad. Am heissesten war die Hitzewoche in Genf, wo das 7-Tagesmittel der Höchsttemperaturen 36,3 Grad erreichte. Sie war praktisch gleich heiss wie die Rekord-Hitzewoche im August 2003. Zum Abschluss der Hitzewoche Anfang Juli registrierte die MeteoSchweiz-Messstation in Genf am 7. Juli 2015 mit 39,7 Grad die höchste je auf der Alpennordseite und die höchste je in einem Juli gemessene Temperatur. In den östlichen Landesteilen waren weniger die Tageshöchstwerte als vielmehr die nächtlichen Tiefstwerte rekordverdächtig. In Zürich erreichte das 7-Tagesmittel der Tiefsttemperaturen mit 19,4 Grad den zweithöchsten Wert seit 1901. Die Nächte waren über die ganze Hitzewoche betrachtet somit in etwa gleich warm wie im August des Hitzesommers 2003, als diese 19,6 Grad vorwiesen. Sinkt die Temperatur während der ganzen Nacht nie unter 20 Grad, so sprechen Meteorologen von einer Tropennacht. Diese sind auf dem Zürichberg sehr selten. Bis zum Jahr 2014 gab es in der Witterungshistorie seit 1901 von Zürich erst 17 Tropennächte. In keinem einzigen Jahr gab es bisher mehr als zwei Tropennächte. Zwei Tropennächte gab es bis heute in den Sommern 1952, 1983, 2002, 2003 und 2013. In diesem Jahr gab es allein in der Hitzewoche von Anfang Juli auf dem Zürichberg in fünf aufeinanderfolgenden Nächten eine Tropennacht. Der Juli 2015 stösst in Sachen Tropennächten somit in neue Sphären vor.

Angetrieben durch die tropischen Nächte und den sehr heissen Tagen waren der 5. und 7. Juli in Zürich mit 27,7 und 27,8 Grad im Durchschnitt die heissesten Tage überhaupt. Der bisherige Rekord wurde mit 27,7 Grad am 27. Juli 2013 beobachtet und wurde also nur knapp zwei Jahre alt.

Die Hitzewoche von Anfang Juli brachte in weiten Teilen Europas rekordhohe Temperaturen. Von Spanien und Frankreich bis nach Deutschland und auch in der Schweiz stieg das Thermometer bis auf knapp 40 Grad.
Die Hitzewoche von Anfang Juli brachte in weiten Teilen Europas rekordhohe Temperaturen. Von Spanien und Frankreich bis nach Deutschland und auch in der Schweiz stieg das Thermometer bis auf knapp 40 Grad. In Farbe wird die Abweichung der Lufttemperatur (in °C) gegenüber der Referenzperiode 1981-2010 in der ersten Juliwoche angezeigt. 

Sommerhalbzeit

Der meteorologische Sommer dauert vom 1. Juni bis zum 31. August. Sommerhalbzeit war folglich am 15. Juli. Nachdem bereits der Juni deutlich zu warm ausfiel und der Juli mit grosser Hitze startete, erstaunt es kaum, dass der Sommer 2015 bisher mit durchschnittlich 20 Grad in Zürich den zweithöchsten Wert erreicht. Wärmer war die erste Sommerhälfte lediglich im Hitzesommer 2003, als im Durchschnitt 21,3 Grad gemessen wurden. Bereits zur Sommerhalbezeit wurden in Zürich 27 Sommertage mit einer Höchsttemperatur von über 25 Grad erfasst. Das sind sechs mehr als im ganzen letztjährigen Sommer, der aber auch unterdurchschnittlich kühl ausfiel. Noch extremer ist die Anzahl der Hitzetage mit Höchstwerten über 30 Grad. In der ersten Sommerhälfte stöhnte Zürich bereits an 11 Tagen unter der Hitze. In einem durchschnittlichen Sommer sind bis Mitte Juli nur 3 Hitzetage zu erwarten. Seit Ende Juni herrscht auch zunehmend Trockenheit in weiten Teilen der Schweiz. Bis Mitte Juli fiel nur rund die Hälfte der Niederschläge verglichen mit dem Vorjahr. Trockener war die erste Sommerhälfte letztmals im Jahr 2006 und 2003. Mit der Trockenheit steigt auch die Anzahl Sonnenstunden stetig an. Mit mehr als 400 Sonnenstunden gab es bis Mitte Juli so viel Sonne wie nie mehr seit 2003. Der Sommer besticht bis jetzt mit viel Hitze, Sonne und Trockenheit. Die Kehrseiten werden aber allmählich ersichtlich. So herrscht in praktisch der ganzen Schweiz mässige bis hohe Waldbrandgefahr, wobei erste kleine Brände im Laufe des Julis bereits ausbrachen. Zudem leidet die Landwirtschaft, vor allem in der Westschweiz, unter der Trockenheit. Da kleinere Flüsse Niedrigwasser führen, wurde gebietsweise ein Wasserentnahme-Verbot ausgesprochen. Dort drohen Ernteverluste.

Die Halbzeitbilanz (1. Juni-15. Juli) des Sommers spricht eine deutliche Sprache. Der Sommer ist in Zürich bisher 3 Grad übertemperiert und der zweitwärmste in der Messreihe.
Die Halbzeitbilanz (1. Juni-15. Juli) des Sommers spricht eine deutliche Sprache. Der Sommer ist in Zürich bisher 3 Grad übertemperiert und der zweitwärmste in der Messreihe.

Auf den Fersen des Hitzesommers

Die Hitzewoche Anfang Juli wurde am 8. zwar von einer schwachen Kaltfront beendet, die Temperaturen blieben aber auch in der Folge hochsommerlich. Bis zur Monatsmitte war der Juli knapp 5 Grad übertemperiert verglichen mit dem langjährigen Mittelwert der Jahre 1981-2010. Mit einer mittleren Temperatur von 23,7 Grad war es in Zürich mit Abstand die wärmste erste Julihälfte seit Messbeginn. Gleichzeitig waren die ersten zwei Juliwochen so trocken wie seit 1949 nie mehr. In Zürich fiel nur gerade 6 mm Niederschlag. Bei einer potentiellen Verdunstungsrate von bis zu 6 mm pro Tag, ist der Oberboden dementsprechend staubtrocken.

Wie MeteoSchweiz berichtet, deuten die Vorhersagen der Wettermodelle auch für die zweite Julihälfte Temperaturen auf sehr hohem Niveau an. Hochrechnungen zufolge könnte der Juli 2015 auch in Zürich als bislang wärmster Juli oder sogar als wärmster Monat überhaupt in die Wetterbücher eingehen. Der bisherige Rekordhalter in Zürich ist der August 2003 mit durchschnittlich 22,7 Grad. Weiter deuten die Langfristvorhersagen von MeteoSchweiz auch auf überdurchschnittliche Temperaturen in den ersten Augustwochen hin. Spätestens dann wäre der Sommer 2015 dicht auf den Fersen des Hitzesommers 2003. Vorhersagen über mehrere Wochen sind jedoch bekanntlich mit hoher Unsicherheit behaftet, können aber zur Vorbereitung bei anstehenden Hitzewellen grossen Nutzen stiften.

Hitze, Sonne, Trockenheit

Hitzewellen: die markantesten in der Geschichte Zürichs

„Für eine mindestens zweiwöchige Periode ist in Europa mit deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen und zunehmender Trockenheit zu rechnen.“ Das hielt Ende Juni die Weltmeteorologie-Organisation (WMO) in einem speziellen Klimaüberwachungs-Bulletin fest. Nun sind wir mitten drin in der Hitzewelle. Die betroffene Region erstreckt sich von Portugal bis Polen und von England bis Kroatien. Das Hitzezentrum lag zunächst über Nordspanien und Frankreich und bewegte sich dann langsam Richtung Nordosten.

 

Hitze über Europa und der Schweiz

Ende Juni ist über West- und Mitteleuropa ein sehr kräftiges Hochdruckgebiet wetterwirksam geworden. So wurden in Andalusien bereits am 29. Juni Höchsttemperaturen von 43 Grad gemessen. Am 30. Juni erreichte die heisse Luft auch Frankreich. So wurden in Cazaux, südwestlich von Bordeaux 40.2 Grad registriert, wie MeteoSchweiz schreibt. Am 1. Juli begann die Hitzeperiode dann auch in der Schweiz, als in Genf und im Wallis knapp 35 Grad, in Zürich 32 Grad gemessen wurden. Selbst im 1304 Meter hoch gelegenen Scuol wurde mit 30.5 Grad ein Hitzetag erreicht, wie MeteoSchweiz schreibt. Die Höchstwerte werden im Übrigen im Hochsommer jeweils zwischen 16:00 und 18:00 Uhr gemessen. In den folgenden Tagen strömte immer heissere, allmählich auch feuchtere Luft, welche ihren Ursprung in der Westsahara hat, in Richtung Schweiz.

 

Langanhaltende Hitze

Auffallend an der ausserordentlichen Hitzewelle ist vor allem auch die Dauer der Hitzebelastung. Höchsttemperaturen von 33 bis 36 Grad – gebietsweise sind sogar höhere Werte möglich – über mehr als fünf Tage sind doch eher selten. Eine abschliessende Analyse zur Hitzewelle und die Einordnung in die langjährige Klimatologie ist erst nach Ende der Hitzewelle möglich. Spannend ist jedoch ein Blick in die Vergangenheit auf der Suche nach der grössten Hitzewelle in der Geschichte von Zürich.

 

Hitzeperioden mit mehr als fünf zusammenhängender Hitzetage sind selten. Markant waren die Hitzeperioden 1911, 1947 und 2003. Wo wird sich 2015 einreihen?
Hitzeperioden mit mehr als fünf zusammenhängender Hitzetage sind selten. Markant waren die Hitzeperioden 1911, 1947 und 2003. Wo wird sich 2015 einreihen?

Die letzte zweiwöchige Hitzeperiode, welche in den Tieflagen der ganzen Schweiz eine durchschnittliche Tageshöchsttemperatur von 30 Grad oder mehr brachte, war jene vom Rekord-Juli 2006. Auf dem Zürichberg lag das höchste 14-Tagesmittel damals bei knapp 31 Grad. Seit 1901 waren nur vier 14-Tagesmittel der Höchsttemperatur heisser. Die Hitzewellen von Ende Juli bis Anfang August im Jahr 1911 und 1947, jene vom Juli 1983 und nochmals ein ganzes Stück heisser war die 2-wöchige Hitzeperiode im August 2003 mit durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen von 33 Grad in Zürich. Der Rekordwert aus dem Jahr 2003 gilt fast als unantastbar, es wäre erstaunlich, wenn dieser Wert bereits mit der aktuellen Hitzewelle, 13 Jahre später fallen würde.

Im Hitzesommer 2003 gab es mehrere Hitzewellen. Am markantesten waren jene im Juni und dann vor allem jene Anfang August. Maximal reihten sich in Zürich 11 Tage mit einer Höchsttemperatur von mehr als 30 Grad (sogenannte Hitzetage) aneinander. Dies entspricht aber erstaunlicherweise nicht ganz dem langjährigen Rekord. Zwischen Ende Juli und Anfang August 1947 war es nämlich an 12 aufeinanderfolgenden Tagen brütend heiss. Während der erwähnten Hitzeperiode 1911 waren es 10 Hitzetage in Folge. Im Rekord-Juli 2006 waren es immerhin 8 Tage. Solch lange Hitzeperioden wurden seither nicht mehr beobachtet. Eine Hitzewelle kommt selten allein, sodass in den Hitzesommer 1947 und 2003 im ganzen Sommer insgesamt 26 respektive 27 Hitzetage mit mehr als 30 Grad gemessenwurden.

 

Knapp 38 Grad in Zürich

Hitzewellen bleiben vor allem aufgrund ihrer Dauer in Erinnerung, aber auch wegen ihrer maximalen Höchsttemperatur. Die höchste je in Zürich gemessene Temperatur seit 1901 stammt mit 36,4 Grad wahrscheinlich auch aus dem Hitzesommer 2003. In der nicht homogenisierten Temperaturhistorie sind aber auch höhere Werte für Zürich ersichtlich. Jedoch lag damals die Referenzwetterstation von Zürich zuerst mitten in der Innenstadt bei der Urania-Sternwarte und später auf dem Gelände der ETH Zürich, bevor sie an den heutigen Standort in Zürich-Fluntern verlegt wurde. Die tatsächlich gemessenen Werte sind deshalb nicht vergleichbar und müssen nachträglich um die Stationsverschiebungen korrigiert werden. Ohne diese Korrektur aber, gemessen mitten in der Stadt Zürich, beträgt die höchste je gemessene Temperatur in Zürich 37,7 Grad und stammt aus dem Juli 1947.

 

Wie kann man „Hitze“ messen?

Das Empfinden von Hitze hängt nicht nur von der Temperatur ab, sondern auch von der in der Luft enthaltenen Feuchtigkeit. Hohe Temperaturen sind bei tiefer relativer Luftfeuchtigkeit viel besser zu ertragen. Dies lässt sich sehr schön am Beispiel einer finnischen Sauna veranschaulichen, in welcher die Lufttemperatur von etwa 90 Grad nur ertragbar ist, weil die Feuchtigkeit sehr gering ist. Um also „Hitze“ zu messen verwendet die MeteoSchweiz einen Heat Index, in welchem die Temperatur sowie die Luftfeuchtigkeit zu einer Ziffer verrechnet werden. Wird an mindesten 3 Tagen in Folge ein Heat Index grösser als 90 erwartet, gibt MeteoSchweiz eine Warnung der Stufe 3 für Hitze aus. Ein Heat Index grösser als 90 kommt bei 29 Grad und 70 Prozent Luftfeuchte oder aber bei 33 Grad und 35 Prozent Feuchte zustande. Für eine Warnung Stufe 4 muss über mindestens 5 Tage ein Heat Index grösser als 93 erwartet werden, so wie in der aktuellen Hitzewelle.

Hitzewellen: die markantesten in der Geschichte Zürichs

Wie heiss ist die WM 2014 wirklich?

Der Sommer ist hierzulande mit einer Hitzewelle in der ersten Junihälfte fulminant gestartet. Das hiesige Wetter ist aber nur Nebensache. Die ganze Welt blickt nach Brasilien. Doch wie heiss ist die WM 2014 wirklich?
Die erste Junihälfte gehört in Zürich mit einer Durchschnittstemperatur von über 18 Grad zu den 10-wärmsten seit 1864. Auf dem Zürichberg stieg das Thermometer in der ersten Monatshälfte gleich achtmal über die Sommermarke von 25 Grad, so häufig wie sonst in einem ganzen Juni zu erwarten wäre. Seit 1981 brachten nur die Juni 1982 und 2003 noch mehr Sommertage in der ersten Monatshälfte. Im Hitzejuni 2003 wurde die Sommermarke von 25 Grad sogar an jedem Tag der ersten Monatshälfte erreicht. Gleich viermal in Folge – pünktlich über die Pfingstfeiertage – wurde dieses Jahr sogar die Hitzemarke von 30 Grad überboten. Nur in den Jahren 1948 und 2003 gab es in der ersten Junihälfte mit je 5 Hitzetagen noch mehr heisse Tage. Die erste Junihälfte war in allen Belangen sehr hochsommerlich. So waren auch die Nächte ausgesprochen mild. In den ersten 15 Tagen sackte das Quecksilber gleich fünfmal nicht unter 15 Grad. Häufiger konnte dies nur 1937 mit achtmal und im Hitzesommer 2003 mit unglaublichen dreizehn Mal beobachtet werden. Die erste Junihälfte 2014 spielte also definitiv in der obersten Liga mit – auch wenn die Werte von 2003 längst nicht erreicht wurden.

klimadiagramme
Das Klima im WM-Land Brasilien weisst in den Monaten Juni und Juli grosse Unterschiede zwischen dem Norden und dem Süden auf. Im Süden Brasiliens, wo jetzt „Winter” herrscht, ist es zurzeit deutlich kühler als in Zürich.

WM-Winter
Ebenfalls in der obersten Liga spielt sich die seit dem 12. Juni laufende Fussballweltmeisterschaft in Brasilien ab. Im Vorfeld war (viel zu) häufig das vorherrschende südamerikanische Wetter und die vermeintliche Hitze ein Gesprächsthema. Während Mitteleuropa in der heissen ersten Junihälfte so richtig in den WM-Sommer startete, herrscht in Brasilien, welches auf der Südhemisphäre liegt, im Juni und Juli Winter. Wie bereits vor vier Jahren in Südafrika ist die diesjährige Fussballweltmeisterschaft also korrekterweise eine Winter-WM.

Trockenes Brasilia
In zwölf Städten werden die Länderspiele ausgetragen und sie liegen in Brasilien weit verstreut, von Manaus im tropischen Regenwald bis Porto Alegre an der Atlantikküste im Süden des Landes. Brasilien erstreckt sich vom Äquator bis zum 34. südlichen Breitengrad. Auf die Nordhemisphäre gespiegelt entspricht dies etwa der geografischen Lage von Nordafrika. Klimatisch bestehen zwischen dem Norden und dem Süden Brasiliens grosse Unterschiede, zumal die Monate Juni und Juli auf der Südhalbkugel wie erwähnt Wintermonate sind. Während das Klima im Norden des Landes, im Amazonasgebiet, durchaus das ganze Jahr über ähnliche Temperaturen und Niederschlagsverhältnisse bringt, herrscht im Süden Brasiliens ein warm-gemässigtes Klima mit deutlich ausgeprägten Jahreszeiten. So sind die Temperaturen in den „Wintermonaten“ Juni und Juli in der Hauptstadt Brasilia mit den hiesigen Verhältnissen in einem durchschnittlichen Schweizer Juli vergleichbar. Das Winterhalbjahr, wenn sich konstante subtropische Hochdruckgebiete über den Süden Brasiliens legen, ist gleichzeitig die Trockenzeit. Im Austragungsort Brasilia beispielsweise herrscht also perfektes Fussballwetter.

Kühles Curitiba
Noch weiter im Süden Brasiliens sind die Jahreszeiten noch stärker ausgeprägt und somit die Bedingungen noch angenehmer im brasilianischen Winter. Die Austragungsorte Sao Paulo und Porto Alegre weisen im Juni und Juli Durchschnittstemperaturen von rund 15 Grad vor. So mild, wie hierzulande ein warmer Mai ist. Der kühlste Austragungsort der WM 2014 in Brasilien ist Curitiba. Auf knapp 1000 Meter über Meer gelegen, zeigt das Thermometer hier im Juli im Mittel nur noch knapp 13 Grad an. Der Süden Brasiliens bietet im derzeitigen Winter folglich beste Verhältnisse für die WM. Von Hitzestress kann hier nicht die Rede sein. Erst mit den immer steiler einfallenden Sonnenstrahlen in der Periode September bis Dezember kehren mit der innertropischen Konvergenzzone auch wieder ergiebige Niederschläge und schwüle Hitze zurück.

Tropisches Manaus
Das ganze Jahr sehr viel Regen fällt im Amazonasgebiet im Norden des Landes. Gleichzeitig liegen die Nachmittagstemperaturen die ganze Zeit um 30 Grad bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Jahreszeiten gibt es keine. Der Austragungsort Manaus, welcher mitten im Amazonasgebiet liegt und wo die Schweizer ihr letztes WM-Spiel bestritten, ist deshalb auch der schwülste Spielort der WM 2014. Die Bedingungen sind dort durchaus anspruchsvoll und eigentlich nicht für das Fussballspielen geeignet. Auch die Spielorte an der nordöstlichen Küste Brasiliens, wie Fortaleza, Recife oder Salvador erhalten während der WM-Monate durch die Passatwinde viel Regen, dort sind durchaus Niederschlagsmengen von bis 300 mm im Monat möglich. Gleichzeitig ist es auch hier das ganze Jahr tropisch heiss.
Während der tropische Norden des Landes während der WM heiss-feuchte Verhältnisse bietet und den Spielern an der WM alles abverlangt, zeigt sich der gemässigte Süden des Landes im derzeit „winterlichen“ Brasilien von seiner klimatisch besten Seite. Pauschalisierte Kommentare und Diskussionen über eine erdrückende Hitze in Brasilien zeugen von Unverständnis und sind weit gefehlt.

Wie heiss ist die WM 2014 wirklich?

Hitzewelle 2012: Allzeitwärme in der Höhe und heisse Nächte

Die Hitzewelle zwischen dem 18. und 22. August 2012 war intensiv und brachte einige Rekorde zum fallen, vor allem in erhöhten Lagen. Das Augenmerk richtet sich vor allem auf den neuen Temperaturrekord auf der höchstgelegenen Messstation der MeteoSchweiz, dem Jungfraujoch auf 3580 Meter über Meer.

Rekordtemp_pqe6485m

Die Höchsten Temperaturen in Zürich-Fluntern seit 1950.
Daten: MeteoSwiss

Am frühen Sonntagabend (19. August) wurden erstaunliche 12,8 Grad gemessen. Verblüffend waren die Temperaturen auf rund 1300 Meter über Meer, wo am Sonntag in Goms und Scuol rund 32 Grad registriert wurden. Diese Werte waren nahe an den Allzeitrekorden.
Im Flachland der Alpennordseite kamen die Temperaturen anfangs eher zögerlich auf hohe Werte. Eine Inversion auf rund 1000 Meter über Meer und offensichtlich auch der noch feuchte Boden dämpften den Temperaturanstieg. In Zürich wurde der Hitzetag (30 Grad) anfangs sogar knapp verpasst. Etwas verzögert zu den Höchstwerten in der Höhe wurde es am Montag (20. August) dann auch in den Niederungen sehr heiss. Mit 36,9 Grad wurde der Höhepunkt der Hitzewelle in Sion erreicht, dies war gleichzeitig der höchste je gemessene Wert in einer zweiten Augusthälfte, wie MeteoSchweiz mitteilt. Zum absoluten Hitzerekord aus dem Sommer 2003 fehlten lediglich 0,9 Grad. Auch in der Stadt Zürich brannte die Hitzewelle mit bis zu 35 Grad. An der Station Zürichberg wurden zwar die höchsten Temperaturen des Jahres 2012 abgelesen, aber mit 32,9 Grad lagen diese noch mehr als 3 Grad vom Hitzerekord 2003 entfernt. Im Laufe der Hitzewelle wurde die Warmluftmasse in immer tiefere Luftschichten gemischt, so dass verbreitet Tropennächte mit Temperaturen über 20 Grad beobachtet werden konnten. Das höchste Nachtminimum wurde in leicht erhöhter Lage im Baselbiet mit 22,9 Grad gemessen. Noch nie seit Messbeginn war eine Nacht so warm. Auch Zürich litt unter einer Tropennacht.

Kurzmitteilung