Wo sich der Sommer 2014 einreiht

Der Sommer war unterdurchschnittlich aber nicht extrem. Ein Blick in die Statistik der verschiedenen Sommerparameter gibt Aufschluss. 

Der meteorologische Sommer dauert vom 1. Juni bis zum 31. August. Dieses Jahr  verlief er für viele nicht wunschgemäss und entsprach überhaupt nicht den mediterranen Vorstellungen von lauen Sommernächten beim Grillieren mit Freunden, morgendlichen Schwimmaktionen, um mit kühlem Kopf in den heissen Tag zu starten oder von einer Gelati-Pause an einem schwülen Nachmittag. Dass dieser Sommer aussergewöhnlich und über weite Strecken unsommerlich war, zeigt auch ein Blick in die diesjährige Statistik. Ein Vergleich mit seinen Vorgängern seit Anfang des letzten Jahrhunderts dürfte die subjektive Wahrnehmung des vergangenen Sommers aber stark relativieren.

sommer2014
Während der Sommer 2014 in Zürich temperaturmässig nicht abfällt, gehört er bezüglich Sommertage, Niederschlagsmenge und Sonnenscheindauer zu den schlechtesten 25 Prozent. Der Sommer 2013 hingegen positionierte sich in Zürich in allen Kategorien unter den Besten.

Nicht kühl – kaum Sommertage

„Der Sommer 2014 war im Schweizer Mittel, wie auch in der Region Zürich leicht zu warm.“ Diese Aussage dürfte viele irritieren, trotzdem würde sie so im offiziellen Saison-Bulletin von MeteoSchweiz stehen, hätte das Bundesamt nicht vor rund anderthalb Jahren eine neue Referenzperiode eingeführt. Bis dahin galt die Periode zwischen 1961-1990 als Referenz, seit Januar 2012 wird die Witterung mit der aktuelleren Periode 1981-2010 verglichen, so dass der Veränderung des Schweizer Klimas Rechnung getragen werden kann. Verglichen mit den Jahren 1961-1990 war der diesjährige Sommer in Zürich mit gemittelt 17,2 Grad mehr als ein halbes Grad übertemperiert. Letztmals war der Sommer 1987 kühler als die Referenzperiode 1961-1990. Deshalb entspricht der Vergleich mit der aktuelleren Referenzperiode 1981-2010 mehr den Vorstellungen der Betroffenen. So war der Sommer 2014 rund ein halbes Grad unterkühlt. Etwa gleich warm war es letztmals erst 2007. Kühler war der Sommer aber letztmals vor 15 Jahren im Jahr 1999. Temperaturmässig fällt der Sommer 2014 also nicht aus dem Rahmen. Wieso aber sind dann dieses Jahr kaum Sommergefühle aufgekommen? Dies dürfte vor allem an der deutlich unterdurchschnittlichen Anzahl an Sommertagen liegen. Meteorologen sprechen von einem Sommertag, wenn das Quecksilber einmal am Tag über 25 Grad steigt. Wird sogar die 30-Grad-Marke geknackt, wird von einem Hitzetag gesprochen. Diesen Sommer gab es in Zürich 23 Sommertage. Letztes und vorletztes Jahr waren es 42 resp. 40. Im Jahrhundertsommer 2003 waren es sagenhafte 73 Sommertage. Gleich wenige Sommertage wie in diesem Jahr gab es in Zürich letztmals 1988 und 1989. Deutlich weniger Sommertage gab es letztmals 1980, als nur gerade 18 solcher Tage gezählt wurden. Anders sieht das Bild bei den Hitzetagen aus. Der diesjährige Sommer zählt sechs Hitzetage und liegt damit voll im Durchschnitt der letzten 30 Jahre. Zwischen 2007 und 2009 bspw. brachten alle Sommer weniger Hitzetage als in diesem Jahr.

Nass und sonnenarm

Unsommerlich waren nicht nur die spärliche Anzahl an Sommertagen, sondern auch die grossen Niederschlagsmengen. In Zürich brachten die vergangenen Monate rund 460 mm Regen. Das sind über 20 Prozent mehr als im langjährigen Durchschnitt der letzten 30 Jahre. Jedoch sind nasse Sommer keine Seltenheit. Erst 2012 oder 2007 war der Sommer in Zürich noch nässer als heuer. Der unbeständige Wettercharakter zeigt sich vor allem an der grossen Anzahl Regentage. So gab es diesen Sommer an 44 Tagen mindestens 1 mm Niederschlag. Letztes Jahr waren es lediglich 25 Regentage. Erst 2007 gab es aber mit 46 Regentagen noch mehr nasse Tage. Wenn es regnet, scheint die Sonne nicht. Und so war es auch in diesem Sommer. Mit rund 580 Stunden Sonnenschein brachte der Sommer 2014 nur 90-95 Prozent der üblichen Sonnenscheindauer. Sehr sonnig war es im letzten Sommer mit 740 Sonnenstunden. Im Sommer 2010 gab es hingegen mit rund 510 Stunden noch weniger Sonne als heuer.

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In einer Kategorie hat jedoch der Sommer 2014 die Nase vorn und gehört zu den “besten” Sommer überhaupt. So wurden in diesem Sommer in Zürich kaum Heizgradtage registriert. Es war also häufig kühl aber nie richtig kühl in diesem Sommer. Zumindest in Zürich blieben die Heizungen ausgeschaltet. Auch in Bezug auf die Anzahl Hitzetage schlägt sich der Sommer 2014 nicht schlecht.

Tiefdruck Schweiz

Das Sommerwetter war 2014 sehr häufig tiefdruckbestimmt. Nicht selten lag das Tiefdruckgebiet genau über der Schweiz. Hochdruckphasen blieben gänzlich aus, so dass auch mehrere aneinander folgende Tage mit sonnigem Wetter fehlten. Dementsprechend schwer fiel auch die Planung für die verschiedensten Sommer-Events und Gartenpartys aus. Das einzige Beständige war das Unbeständige in diesem Sommer. Vor allem im Juni gab es aber auch viele heitere Tage, so dass der Sommer insgesamt auf 26 schöne Tage kam, an denen sich die Sonne sehr gut in Szene setzen konnte. 2011 waren es letztmals weniger, als nur 20 heitere Tage erfasst wurden. Aber es gab auch die trüben Tage, an denen sich die Sonne kaum oder gar nicht zeigte. Im Sommer 2014 waren es 23 Tage in Grau. Noch trister war es im Sommer 2010 mit 41 trüben Tagen.

Höhepunkt im Juni selten, trüber Hochsommer

Die Statistik zeigt, dass der Sommer 2014 zwar in vielen Bereichen unterdurchschnittlich war, jedoch die meisten Parameter in der Spannbreite der letzten Jahre liegen und somit nicht sonderlich aussergewöhnlich sind. Als wirklich ungewöhnlich lässt sich die sehr geringe Anzahl an Sommertagen und das vollständige Ausbleiben einer Hochdruckphase einordnen. Zudem erlebte Zürich vor einem Jahr einer der schönsten Sommer seit Messbeginn, so dass fast jeder Sommer dagegen alt ausgesehen hätte. Der absolute Höhepunkt des diesjährigen Sommers war die mehrtägige Hitzewelle im Juni um Pfingsten. Der Juni war gleichzeitig der wärmste, sonnigste und trockenste Sommermonat. Dass der Juni temperaturmässig bereits den Höhepunkt des Sommers markiert, kommt ca. alle zehn Jahre vor. Letztmals war dies 2002 der Fall – und somit statistisch überfällig. Vielleicht ist das ein kleiner Trost.

 

Wo sich der Sommer 2014 einreiht

Grosswetterlage: Es tropft wie aus einem undichten Wasserhahn

Auch dieses Jahr sorgt eine Omega-Wetterlage für Sommerwetter-Kapriolen in Europa. Während im Alpenraum und im nördlichen Mittelmeer Rekordniederschlagsmengen fallen, geniesst Skandianvien den perfekten Sommer.

Im Alpenraum und im nördlichen Mittelmeer war der Juli 2014 zu kühl. Perfektes Sommerwetter herrschte in Skandinavien, wo ein Wärmeüberschuss von bis zu 6 Grad zustande kam.
Im Alpenraum und im nördlichen Mittelmeer war der Juli 2014 zu kühl. Perfektes Sommerwetter herrschte in Skandinavien, wo ein Wärmeüberschuss von bis zu 6 Grad zustande kam.

 

Was ist heuer bloss mit dem Sommerwetter los? Mit 20 Regentagen und etwas weniger als 200 Liter Regen pro Quadratmeter erlebte Zürich einen der zehn nassesten Julis seit Anfang des letzten Jahrhunderts. Auf dem Zürichberg gab es rund 50 % mehr Regen als im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010.  Ähnlich viel Niederschlag in Zürich brachte letztmals der Juli 2011. Damals fielen die Niederschläge jedoch etwas konzentrierter, so dass Herr und Frau Zürcher insgesamt weniger Regentage hinnehmen mussten als in diesem Jahr. Von Ost nach West, entlang des Alpennordhanges, wurden im diesjährigen Juli neue Rekordniederschlagssummen gemessen. So beispielsweise im Zürcher Oberland, wie MeteoSchweiz mitteilt. An der Messstation oberhalb von Montreux wurden extreme 500 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Rund dreimal soviel wie sonst in einem Juli. Soviele Regentage wie in diesem Juli gab es seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Allgemein wünscht sich kaum jemand den Juli 2000 zurück. Wettertechnisch war es vor 14 Jahren noch um einiges „unsommerlicher“. Die Temperaturen lagen mit durchschnittlich 16 Grad im Juli 2000 deutlich unter dem diesjährigen Niveau, welches rund anderthalb Grad wärmer ausfiel. Verglichen mit der Referenztemperatur aus den Jahren 1981-2010 war der Juli 2014 in Zürich um rund ein Grad unterkühlt. Ähnliche Monatsmittel wurden beispielsweise 2004, 2007 und 2011 gemessen. Letztmals kühler war es vor erst drei Jahren.

Sonnige, sommerliche Tage machten sich im Juli 2014 rar, doch es gab sie. Insgesamt zehn Mal stieg das Thermometer auf dem Zürichberg über 25 Grad (Sommertag), zweimal über 30 Grad (Hitzetag). Während im langjährigen Zürcher Klimamittel vier Sommertage mehr zu erwarten sind, liegt der gemessene Wert der Hitzetage sogar im üblichen Bereich. Im Juli 2000 gab es nur gerade mal vier Sommertage und überhaupt keinen Hitzetag.

Juli-Tempverlauf
Der Juli 2014 war deutlich kühler als sein Vorgänger. Letztmals kühler war es vor drei Jahren.

2013 brachte den perfekten Sommer

Düster sieht die Bilanz des Julis 2014 im Vergleich mit seinem Vorgänger aus. Viele dürften sich erinnern: der Juli 2013 war mit 21,4 Grad in Zürich einer der wärmsten überhaupt und brachte mit 24 Sommertagen praktisch durchgehend hochsommerliches Wetter. Dank einer Hitzewelle im letzten Monatsdrittel kam der Juli 2013 auch auf sechs Hitzetage. Zudem fiel nur an sechs Tagen Regen und mit mehr als 300 Sonnenstunden erlebte Zürich einer der sonnigsten Julis. Mitverantwortlich dafür, dass der diesjährige Hochsommer so schlecht abschneidet, ist also vor allem auch sein Vorgänger. Der letztjährige Sommer ist noch stark im Gedächtnis verankert und dient in der aktuellen Saison als Sommer-Referenz. Dabei gerät rasch in Vergessenheit, dass die Schweiz vor einem Jahr einer der schönsten Sommer überhaupt erlebte. Nicht jeder Sommer kann so sein wie 2013.

Juli-Sonnenscheinverlauf
Die Sonne zeigte sich in diesem Juli nur selten. Letztmals war der Juli 2000 sonnenärmer in Zürich.

Omegahoch bringt Hitze und Überschwemmungen

Wenn das Wetter in den Sommermonaten verrückt spielt, ist die Omega-Wetterlage im Spiel. Das haben uns die letzten Jahre gezeigt und so ist es auch in diesem Jahr wieder geschehen. Diese spezielle Wetterlage wird durch ein mächtiges Hochdruckgebiet nördlich des eigentlichen Hochdruckgürtels der Subtropen charakterisiert, welches von mehreren flankierenden, abgelösten Tiefs stabilisiert wird. Die sonst vom Atlantik kommenden Westwinde, welche immer wieder Wetterwechsel bringen, werden so blockiert und in einem weiten Bogen um das zentrale Hochdruckgebiet umgeleitet. Das entstandene Strömungsmuster erinnert stark an den griechischen Buchstaben Omega. Die Omega-Wetterlage ist äusserst stabil und erneuert sich häufig über mehrere Wochen selbstständig. Solche Wetterlagen sind in den letzten Sommern immer wieder beobachtet worden, wobei die Lage des dominierenden Hochs nicht in jedem Fall identisch war. Diese ist aber entscheidend und bestimmt über den Ausgang der Sommerwitterung. So brachte eine Omega-Wetterlage Mitteleuropa den Hitzesommer 2003. Gleichzeitig regnete es in Osteuropa den ganzen Sommer heftig. Das selbe Spiel wiederholte sich in abgeschwächter Form im Frühsommer 2006. 2010 löste eine Omega-Wetterlage die historische Hitzewelle rund um Moskau aus. Ebenfalls als Folge dieser Wetterlage gab es in Pakistan schwere Überschwemmungen. Die Omega-Wetterlage bringt spürbare Abweichungen vom Normalzustand in Form von Hitze auf der einen und Überschwemmungen auf der anderen Seite.

Juli-Niedverlauf
Der Juli 2014 war in Zürich deutlich zu nass, jedoch wurden die Rekordsummen weit verpasst. Anders sah es im Zürcher Oberland aus, wo gebietsweise neue Rekordniederschlagssummen gemessen wurden.

Hitze am Finnischen Meerbusen

Dieses Jahr lag das Omega-Hoch von Ende Juni bis Ende Juli über Skandinavien und brachte den Gebieten vom Norden Deutschlands über Polen bis Estland und den Skandinavischen Ländern einen regelrechten Hitzemonat Juli. Dort war der Juli mit durchschnittlich 21 Grad gebietsweise wärmer als an den Mittelmeerküsten von Südfrankreich oder der Adria. Die Ostsee erwärmte sich im Finnischen Meerbusen bis auf 23 Grad und war somit ähnlich warm wie der Golf von Genua. Selbst in Lappland war der Juli 2014 wärmer als im Alpenraum. Die Kehrseite der Medaille bekamen dieses Jahr vor allem der Alpenraum sowie die Mittelmeerregion von Südfrankreich über Italien bis in den Balkan zu spüren. Hier war der Juli zu kühl und vor allem enorm nass. Zwischen dem zentralen Hoch über Skandinavien und dem schwächer ausgeprächten Azorenhoch gab es eine undichte Schwachstelle, von wo aus immer wieder kleinräumige Tiefs vom Nordatlantik über Frankreich in den Golf von Genau gelangen konnten. Diese Szene wiederholte sich im Juli ständig und erinnerte an einen tropfenden Wasserhahn. Ende Juli löste sich die Omega-Wetterlage auf und nährte somit die Hoffnung auf sommerlichere Verhältnisse in der verbleibenden Sommerzeit.

Grosswetterlage: Es tropft wie aus einem undichten Wasserhahn

Vom Yin und Yang des Zürcher Juliwetters

Die erste Julihälfte war in Zürich unterkühlt, nass und sonnenarm. Eine trübe erste Monatshälfte ist aber nichts Aussergewöhnliches, wie ein Blick in die Wetterannalen zeigt. Besserung verspricht die zweite Julihälfte.

Zum Glück war da noch die Fussball-WM, ansonsten wäre das Gejammer über das Nicht-Sommerwetter in der ersten Julihälfte wohl nicht auszuhalten gewesen. Nach einem sehr sonnigen und über weite Strecken hochsommerlichen Juni mit einer erinnerungsträchtigen Hitzewelle über die Pfingsttage konnte die erste Julihälfte das Niveau nicht halten. Ganz im Gegenteil: es kam zu einem regelrechten Absturz in eine frühherbstliche Tristesse. Obwohl es an der ersten Julihälfte 2014 nichts schönzureden gibt, zeigt ein Blick in die Historie, dass eine trübe erste Julihälfte, vor allem in den letzten Jahrzehnten, nichts Ungewöhnliches darstellt. Dieses Phänomen ist unter Meteorologen auch als „Julitrübe“ oder „Juli-Baisse“ bekannt.

 

Defizit an Sommertagen

Mit durchschnittlich 16 Grad gehört die erste Julihälfte auf dem Zürichberg mit einem Wärmedefizit von rund 2 Grad zu den 26 kühlsten seit 1901. Letztmals kühler war diese Periode vor 10 Jahren. Noch etwas kühler als heuer war es auch in den Jahren 1993 und 2000. Ganz andere Verhältnisse herrschten vor einem Jahr, als es rund 4 Grad wärmer war. 2013 wiesen die ersten 15 Julitage durchschnittlich knapp 20 Grad auf. Deutlicher Rekordhalter ist das Jahr 2010. Vor vier Jahren war die erste Julihälfte tropische 23,8 Grad warm in Zürich. Gleichzeitig wurden damals 14 Sommertage mit mehr als 25 Grad und 7 Hitzetage mit mehr als 30 Grad registriert. Zum Vergleich: in diesem Jahr bescherte uns die erste Julihälfte in Zürich 2-3 Sommertage und überhaupt keinen Hitzetag. In der Referenzperiode 1981-2010 wurden durchschnittlich 6 Sommertage erfasst und einmal pro Jahr stieg das Thermometer durchschnittlich über 30 Grad.

Die erste Julihälfte kann temperaturmässig aber noch deutlich garstiger sein. So war die Periode vom 1. bis 15. Juli 1948 nur gerade 12 Grad kalt, also nochmals 4 Grad kühler als in diesem Jahr. Gleichzeitig gab es keinen einzigen Tag mit Höchstwerten über 25 Grad. Keine Sommertage und sehr kühle Temperaturen in dieser Zeitspanne gab es auch 1909 und letztmals 1980. Fehlende Hitzetage mit Höchsttemperaturen über 30 Grad sind in Zürich keine Seltenheit. In jedem zweiten Jahr ist dies im Durchschnitt der Fall, wie auch letztmals 2012 und davor 2009.

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Mit rund 16 Grad war die erste Julihälfte in Zürich rund 3 Grad kühler als vor einem Jahr. Ähnlich kühl war es letztmals 2004, 2005 und 2007.

Heizen im Juli?

Der Juli ist erfahrungsgemäss jener Monat im Jahr, an dem die Heizung ganz abgeschaltet wird. Entscheidend dafür sind die Heiztage, welche in der Klimatologie als Tage mit einer Durchschnittstemperatur unter 12 Grad definiert sind. Gemäss Referenz der Jahre 1981-2010 gibt es in Zürich in der ersten Julihälfte einen Heiztag. Die erste Julihälfte 2014 war zwar durchgehend unterkühlt, jedoch blieben sehr kühle Tage fast ganz aus, so dass auch dieses Jahr nur ein Heiztag registriert wurde. In sehr kühlen Jahren brachte die erste Julihälfte in Zürich sogar 6 bis 8 Heiztage, wie beispielsweise 1909, 1948 oder 1954. Bei solchen Verhältnisse würde man heutzutage wohl sogar im Juli die Heizung erneut hochfahren. Soweit kam es in diesem Jahr zum Glück nicht.

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Heiztage mit einer Tagesmitteltemperatur unter 12 Grad sind in der ersten Julihälfte selten. Vor allem in den letzten Jahren traten sie kaum auf. Dieses Jahr gab es wie bereits im letzten Jahr einen Heiztag.

Trüb und nass

Mit 90 bis 100 mm war die erste Julihälfte in Zürich auch deutlich zu nass. Verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010 fiel 40 bis 50 Prozent mehr Niederschlag. Gegenüber dem Vorjahr wurde in diesem Jahr sogar dreimal mehr Niederschlag gemessen. Viel Niederschlag in dieser Zeit ist jedoch nichts Aussergewöhnliches. 2011 und 2012 fielen mit 120 bis 130 mm in Zürich regelrecht ins Wasser. Es zeigt sich sogar ein langfristiger Trend hin zu mehr Niederschlag in dieser Zeitspanne. Brachten die Jahre 1970 bis 1990 im Schnitt nur rund 50 mm Regen, sind es heute mehr als 70 mm, gleichviel wie auch schon von 1910 bis 1960.

Die Statistiken zeigen, dass die erste Julihälfte zwar unterdurchschnittlich war, jedoch nicht stark negativ abfällt. In einer Kategorie muss sich 2014 jedoch verstecken. So waren 12 der 15 ersten Julitage auch Regentage (mehr als 1 mm Regen). Dieser Wert ist fast rekordverdächtig. Mehr gab es nur im Jahr 2000 mit 13 Regentagen. Es erstaunt kaum, dass diese 2 Wochen somit auch zu sonnenarm waren. Mit nur 80 Sonnenstunden klafft ein Defizit von rund 20 Stunden auf.

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Die erste Julihälfte war dieses Jahr sehr trüb und nass. An 12 der ersten 15 Julitagen gab es Regen. Mehr Regentage gab es nur im Jahr 2000.

Die bessere zweite Hälfte

Die erste Julihälfte war in Zürich also rund 2 Grad zu kalt, 50 Prozent zu nass und brachte 20 Sonnenstunden weniger als in der Referenzperiode 1981-2010. Diese Defizite sind in der zweiten Hälfte durchaus noch aufzuholen, die Aufholjagt wurde ja pünktlich zur Monatsmitte mit der Rückkehr des Hochssommers eingeläutet. Dieses Phänomen ist nicht neu. Die zweite Julihälfte ist seit jeher und vor allem in der jüngeren Vergangenheit die „bessere“. Seit 1990 war die erste Julihälfte nur dreimal wärmer als die zweite Hälfte. In allen anderen Jahren war die zweite Julihälfte um rund 2 Grad wärmer als die erste. Es erstaunt kaum, dass die zweite Julihälfte somit auch mehr Sommertage und mehr Hitzetage bringt. Der sommerliche Charakter der zweiten Monatshälfte zeigt sich auch bei der Sonnenscheindauer. Zwischen 1981 und 2010 brachte sie rund 20 Stunden mehr Sonnenschein als die erste Monatshälfte. Hoffen wir, dass auch der Juli 2014 eine bessere zweite Hälfte hat.

Vom Yin und Yang des Zürcher Juliwetters

Sommer von A bis Z

Hitze bei über 30 Grad, Melone zum Frühstück, konstante Omega-Wetterlage und ein schneefreies Vrenelisgärtli: das  A und O des Zürcher Sommers.

A nfang: Der meteorologische Sommer beginnt am 1. Juni, ab dem 21. Juni sprechen auch die Astronomen von Sommer, dann steht die Sonne senkrecht über dem nördlichen Wendekreis.

B adi: Die Zürcher Sommerbäder zählen heutzutage rund 1 Million Badebesucher pro Saison, vor 40 Jahren waren es noch 700-tausend mehr, obwohl die Sommer damals noch deutlich kühler waren.

C hriesi: Seit dem 18. Juni werden in der Schweiz wieder Chriesi geerntet, rund 10 Tage später als im letzten Jahr. Doch die Ernte 2010 verspricht mit geschätzt 2134 Tonnen Tafelkirschen überdurchschnittlich gut zu werden.

D urchschnitt: Die Zürcher Sommermonate Juni bis August sind im Schnitt der Jahre 1988 bis 2009 knapp 18 Grad warm. Zwischen schottischen 14,3 Grad im Juni 1995 und spanischen 22,7 Grad im August 2003 gab es in den letzten Jahren viel Abwechslung.

E rwärmung: Die Klimaforscher erwarten bis ins Jahr 2050 ein Erwärmung der Sommermonate von gut 3 Grad, die spanischen werden dann viel häufiger auftreten als die schottischen Sommermonate.

F öhn: Im ersten Junidrittel gab es diesen Sommer einen markanten Föhnsturm über mehrere Tage. Die Föhnwinde stiessen bis nach Zürich vor. Ein Phänomen, welches im Sommer höchst selten auftritt. Selbst in den Föhntälern sind zwischen Juni und August monatlich nur mit 5 bis 15 Stunden Föhn zu rechnen. Zum Vergleich: im April sind es bis 90 Stunden.

G letscherschmelze: Heisse, staubtrockene Sommer setzen den Schweizer Gletschern stark zu. Im warmen 2009 verlor beispielsweise der 6,4 Kilometer lange Ried-Gletscher im Wallis 500 Meter an Länge.

H itze: Von einem „Hitzetag“ sprechen die Meteorologen, wenn die Tageshöchsttemperatur im Schatten über 30 Grad steigt. Eine Hitzewarnung wird vom Bundesamt für Umwelt ausgerufen, wenn an mindestens drei Tagen in Folge der Hitzeindex von 90 überschritten wird. (30 Grad und 60% Luftfeuchte oder 32 Grad und 40% Luftfeuchte usw.)

I slandtief: Das aus dem Wetterbericht bekannte Tiefdruckgebiet hält auch im Sommer die Westwinde aufrecht. Wenn es nur schwach ausgeprägt ist und weit nach Norden abgedrängt wird, herrscht bei uns sonniges Sommerwetter.

J uli-Baisse: Ein neues Witterungsphänomen, welches einen spürbaren Temperaturrückgang anfangs Juli beschreibt, bevor sich der Hochsommer durchsetzen kann.

K altfront: Beim Durchgang einer Kaltfront stürzt die Temperatur ab. Hinter der Front ist das Wetter kühl, windig und es gibt häufig Regenschauer. Der Sommer muss wieder von null starten. Ein Sommer bleibt umso schöner in Erinnerung, je weniger Kaltfronten über das Land ziehen.

L andregen: Nach einer trockenen Periode ist der Landregen vor allem bei Bauern sehr willkommen. Der lang anhaltende, feine Regen tritt bei Warmfronten auf und kann optimal im Boden versickern.

M elone: Wir finden sie beim gemütlichen Frühstück auf der Terrasse oder beim Sonnenbad am Seeufer. Die Wassermelone gehört übrigens zu den wenigen Lebensmitteln, die mehr Kalorien verbrennen als sie enthalten und ist im Sommer deshalb sehr beliebt.

N iederschlag: Viele wissen es nicht, einige ahnen es. Der Sommer ist bei uns die niederschlagsreichste Zeit des Jahres. Zwischen Juni und August fallen in Zürich durchschnittlich mehr als 370 Liter pro Quadratmeter oder 35 Prozent des Jahresniederschlags.

O mega-Wetterlage: Sie ist die perfekte Wetterlage für einen heissen und sonnigen Sommer. Dabei dehnt sich ein grossräumiges Subtropenhoch, das Azorenhoch, bis nach Mittel- und Nordeuropa aus und unterbricht somit die Westwindzirkulation. Der so entstandene Hochdruckrücken weist ein Zirkulationsmuster vor, welches an den griechischen Buchstaben Omega erinnert.

P egel: Der regulierte Pegel des Zürichsees bewegt sich konstant um 406 Meter. Die Wassertemperatur ist aber starken Schwankungen ausgesetzt. Anfangs Juli war der Zürichsee bereits 25 Grad warm. Im Hitzesommer 2003 war er Mitte August rund 28 Grad.

Q uellwolken: Sie entstehen an heissen Sommernachmittagen und zeigen die instabile Schichtung der Atmosphäre an. Das Emporschiessen der Wolkenteilchen wird durch die Thermik verursacht.

R isiko: Harmlose Quellwolken können innert kurzer Zeit zu bedrohlichen Gewitterwolken heranwachsen. Speziell gefährliche Gewittertage werden von den Meteorologen frühzeitig erkannt. Mit dem gratis SMS-Dienst „Wetteralarm“ (www.wetteralarm.ch) kann das Risiko vor donnernden Überraschungen minimiert werden.

S iebenschläfer: „Das Wetter am Siebenschläfertag (27. Juni) sieben Wochen bleiben mag.“ Zürich erlebte einen hochsommerlich warmen und sonnigen Siebenschläfer 2010. Folgt jetzt der Hitzesommer?

T ropennacht: Das Duvet klebt am nackten Körper, der Ventilator summt neben dem Bett. Wenn die Temperaturen nachts nie unter 20 Grad sinken, herrschen wirklich tropische Verhältnisse. In der Nacht auf den 10. Juni, wie auch um den 3. Juli gab es in der Region Zürich Tropennächte.

U V-Index: Die Wärmestrahlung der Sonne können wir spüren, die sichtbare Strahlung nimmt unser Auge wahr, doch die gefährlichen, ultravioletten Strahlen können wir weder spüren noch sehen. Der UV-Index zeigt auf, wir stark die Strahlung ist und wie Sie sich schützen können.

V renelisgärtli: Ein deutliches Zeichen für einen heissen Sommer ist der Blick auf ein schneefreies Vrenelisgärtli. Ende August 2009 war es zum dritten Mal seit Menschengedenken ausgeapert.

W itikon: Verbringen Sie heisse Sommertage in Witikon. 200 Meter über der Zürcher Altstadt ist es häufig 2 bis 3 Grad kühler als im Stadtzentrum.

X treme: Auch in Zürich kann es über 36 Grad heiss werden, wie am 13. August 2003.

Y acht: Geniessen Sie die langen Sommerabende auf einer Yacht. Die Sonne geht auf dem Zürichsee Ende Juli nach 21 Uhr unter.

Z ürich: Weshalb in die Ferne schweifen, in Zürich ist der Sommer doch am schönsten.

Sommer von A bis Z