Ein Sommerhalbjahr der Rekorde

Mitteleuropa, die Schweiz und Zürich erlebten ein Rekord-Sommerhalbjahr. Bei praktisch allen relevanten Wetterparametern schwingt das Sommerhalbjahr 2018 obenaus oder gehört in die Top 5 seit Messbeginn vor rund 150 Jahren. In der Meteorologie wird die Zeitspanne von Anfang April bis Ende September als Sommerhalbjahr bezeichnet. Das Winterhalbjahr dauert entsprechend von Oktober bis März. Die sechs Sommerhalbjahrmonate 2018 wurden von einer aussergewöhnlichen Wärme, staubiger Trockenheit und eitel Sonnenschein geprägt. Verglichen mit der langjährigen Normperiode der Jahre 1981-2010 gingen alle einzelnen Monate deutlich übertemperiert, zu trocken und zu sonnig in die Wetterbücher ein. In der Summe resultierte so über das gesamte Sommerhalbjahr 2018 ein bis anhin einzigartiges Rekordhalbjahr.

 

Rekordwärme

Die durchschnittliche Lufttemperatur zwischen April und September kam in Zürich bei 17,5 Grad zu liegen. So warm war ein Sommerhalbjahr seit Messbeginn 1864 noch nie. Die letzten sechs Monate waren 2,6 Grad wärmer als der 30-jährigen Mittelwert der Periode 1981-2010 und 0,3 Grad wärmer als das Sommerhalbjahr des legendären Hitzesommers 2003. Damit setzt das Sommerhalbjahr einen neuen Höhepunkt und ist Teil einer neuen Ära der Sommerwärme, wie es MeteoSchweiz treffend ausformulierte. Neun der zehn heissesten Sommerhalbjahre in Zürich wurden in den Jahren seit 2003 gemessen. Die einzige Ausnahme liefert das Sommerhalbjahr 1947, welches bis heute als drittwärmstes Sommerhalbjahr gilt. Sommerhalbjahre in Zürich zeigten seit Anfang des 20. Jahrhunderts nur wenige Temperaturänderungen und waren im Durchschnitt knapp 13,9 Grad mild. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts setzte eine deutliche Erwärmung des Sommerhalbjahrs ein. So ist das Sommerhalbjahr seit 2001 im Durchschnitt 15,6 Grad warm. Das ist eine Erwärmung von knapp 2 Grad innert kürzester Zeit.

So heiss wie im 2018 war ein Sommerhalbjahr (April-September) in Zürich in den letzten mindestens 154 Jahren noch nie. Es ist eine starke Häufung extrem warmer Sommerhalbjahre seit Beginn des 21. Jahrhunderts zu beobachten.

Sommertage ohne Ende

An 142 der 183 Sommerhalbjahrtagen stieg die Tageshöchsttemperatur am Zürichberg über 20 Grad. Der bisherige Rekordwert wurde dabei um ganze zehn Tage überboten. Die mittlere Tageshöchsttemperatur erreichte mit über 23 Grad ebenfalls einen neuen Rekordwert. Auch die nächtlichen Tiefstwerte lagen mit durchschnittlich 12,5 Grad über dem bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2003. Das Quecksilber stieg am Zürichberg an 76 Tagen über die Sommermarke von 25 Grad. Noch mehr Sommertage erlebte Zürich einzig im Sommerhalbjahr 2003. Damals gab es noch zehn Sommertage mehr als heuer. Ebenfalls sehr viele Sommertage brachte das Sommerhalbjahr 1947: insgesamt 69. Etwas weniger extrem zeigt sich das abgelaufene Sommerhalbjahr in Sachen Hitze. Eine intensive Hitzewelle rollte zwar zwischen Mitte Juli und Anfang August über die Nordschweiz, ansonsten zeigte sich das Sommerhalbjahr aber meistens konstant sehr warm – nicht aber extrem heiss. Dies zeigt sich in der Anzahl Hitzetage. Im Sommerhalbjahr 2018 wurden 18 Hitzetage mit einer Höchsttemperatur über 30 Grad erfasst. Das ist zwar deutlich mehr als im langjährigen Durchschnitt, welcher von lediglich sechs Hitzetagen ausgeht, aber in bereits drei Sommerhalbjahren gab es noch mehr Hitzetage als 2018. So brachten die Jahre 1947, 2003 und 2015 im Sommerhalbjahr alle je 26 Hitzetage.

 

Dürre und Sonnenschein pur

Extrem war neben der Rekordwärme auch die ausgeprägte Trockenheit, welche das Sommerhalbjahr 2018 dominierte. Seit April fielen in Zürich lediglich 400 mm Regen. Das sind gerade mal 60 Prozent der üblichen Niederschlagsmengen. Das Regendefizit entspricht der Regenmenge zweier Sommermonate. Das Sommerhalbjahr war damit in Zürich so trocken wie seit 69 Jahren nicht mehr. Noch etwas trockener waren die Sommerhalbjahre 1947 und 1949. Hohe Temperaturen und Trockenheit entstehen durch langanhaltende Schönwetterlagen. Entsprechend leistete im Sommerhalbjahr 2018 auch die Sonne zahlreiche Überstunden. Mit 1‘462 Sonnenstunden in Zürich zwischen April und September 2018 war es das sonnigste Sommerhalbjahr seit mehr als 70 Jahren. Diese Periode  brachte mehr Sonnenschein als beispielsweise das ganze Jahr 1994. Noch sonniger waren die Sommerhalbjahre 1911 und 1945 und 1947 mit 1‘470 bis 1‘520 Sonnenstunden.

 

Die Rekordwärme im Sommerhalbjahr 2018 hat durchaus einen Einfluss auf die Energiekosten im Gebäudebereich. Die Heizkosten steigen und sinken analog mit den Temperaturen. Ein meteorologischer Indikator dafür sind die Heizgradtage. Am Anfang und Ende des Sommerhalbjahrs wird in der Schweiz je nach Witterung geheizt. Im Sommerhalbjahr 2018 erreichten die Heizgradtage einen Wert von 235. Noch tiefer war dieser Wert lediglich im Sommerhalbjahr 2009. Im Durchschnitt liegt er bei über 640. Anders sieht es beim Kühlbedarf aus. Immer häufiger werden Gebäude im Sommer gekühlt. Je höher die Aussentemperatur, desto mehr Energie braucht es zur Kühlung. Ein Indikator dafür sind die Kühlgradtage. Dieser Indikator stieg heuer auf einen Wert von 263. Noch höher stieg er lediglich im Sommerhalbjahr 2003. Im langjährigen Durchschnitt liegt er allerdings nur bei 85. Im Sommerhalbjahr 2018 musste aufgrund der Rekordwärme natürlich nicht geheizt, jedoch aber umso mehr gekühlt werden.

Ein Sommerhalbjahr der Rekorde

Fünf Beweise für den Hitzesommer 2018

Ende Juli 2018 tauchte das Schlagwort „Hitzesommer“ wieder auf. Seither wird es in zahlreichen Medien zur Berichterstattung des diesjährigen Sommers verwendet. Berühmt wurde der „Hitzesommer“ im Jahr 2003 – als Mitteleuropa den heissesten Sommer mindestens seit Messbeginn Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte. Aber auch der Sommer 2015 wurde vom BAFU zum Hitzesommer hochgestuft, und auch im letzten Jahr trat das Schlagwort hie und da in Erscheinung. Retroperspektivisch gelten auch die Sommer 1911, 1947 und 1983 als Hitzesommer.

Von Seiten der Wissenschaft gibt es keine klaren Kriterien, die ein Sommer erfüllen muss, damit er als Hitzesommer gilt. Vielmehr machen die öffentliche Wahrnehmung und die Medienarbeit einen Sommer zum Hitzesommer. Der meteorologische Sommer 2018 – der seit Ende Juli als Hitzesommer gilt – dauert per Definition vom 1. Juni bis zum 31. August. Nun ist er also vorbei, der Sommer 2018. Wie er im Vergleich zu den anderen (Hitze-)Sommern abschneidet, lässt sich jetzt also eindeutig zeigen. Eines vorweg: der Thron des heissesten Sommers seit Menschengedenken blieb unangetastet. Der Hitzesommer 2003 bleibt in dieser Hinsicht fast immer das Mass aller Dinge. Trotzdem lassen sich rasch sieben Beweise finden, die zeigen, dass der Sommer 2018 eindeutig das Etikett „Hitzesommer“ verdient.

Extreme Tage hinsichtlich Wärme nehmen in den letzten Jahren eindeutig zu. Der Sommer 2018 brachte knapp 60 deutlich zu warme Tage. Das ist der zweithöchste Wert seit 1901.

1. Durchgehend warm

Zürich erlebte 2018 einer der heissesten Sommer seit Messbeginn. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von knapp über 20 Grad war der Sommer in etwa gleich warm wie der (Hitze-)Sommer 2015 und somit der zweitwärmste seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnung in Zürich im Jahre 1864. Im Hitzesommer 2003 lag die Durchschnittstemperatur in Zürich nochmals um rund ein Grad höher als 2015 und 2018. Wie es sich für einen Hitzesommer gehört, war es zwischen Anfang Juni und Ende August praktisch konstant zu warm. Der diesjährige Sommer zeichnete sich nicht durch extreme Hitzewellen aus, sondern durch langanhaltend grosse Wärme. Werden alle Sommertage vom 1. Juni bis zum 31. August in die Kategorien warm, normal und kalt eingeteilt, so zeigt sich, dass im Sommer 2018 zum ersten Mal überhaupt seit Messbeginn 1901 kein einziger Tag in die Kategorie kalt fällt. 58 der 92 Sommertage wurden 2018 als „warm“ eingestuft – das ist der zweithöchste Wert seit Messbeginn. Weitere 34 Tage im Sommer 2018 waren normal-temperiert. Als „kalt“ gilt ein Tag, wenn er mindestens drei Grad kälter ist als der Durchschnitt des entsprechenden Tages der Periode 1961-1990. Entsprechend weisen „warme“ Tage eine positive Abweichung von mindestens drei Grad vor. Alles dazwischen gilt als normal-temperiert. Zum Vergleich: im Hitzesommer 2003 waren 71 der 92 Tage zu warm, aber auch drei zu kalt. Und auch im Hitzesommer 2015 gab es drei kalte Tage. Die (Hitze-)Sommer 1947 und 1983 müssen sogar 5 respektive 8 zu kalte Tage verbuchen und weisen „nur“ 37, respektive 45 warme Tage vor. Auch im letztjährigen Sommer gab es mit 48 zu warmen Tagen einen Spitzenwert.

 

2. Intensive Hitzewelle

Zu einem Hitzesommer gehören Hitzewellen. So richtig heiss, mit täglichen Hitzewerten von über 30 Grad war es in Zürich zwischen dem 30. Juli und dem 8. August. Diese zehntägige Hitzewelle brachte in den tiefen Lagen der Alpennordseite eine mittlere Höchsttemperatur von 32 bis 34 Grad. So war es in Zürich, Basel und Luzern die dritt-, teilweise die viert- intensivste Zehntages-Hitzewelle seit Messbeginn im 19. Jahrhundert. Letztmals heisser während zehn Tagen war es an diesen Messstandorten im Hitzesommer 2003 mit einer mittleren Höchsttemperatur von 34 bis 37 Grad.

 

3. Grosse Dürre

Der Sommer 2018 gehört zu den trockensten seit Messbeginn. Zwischen Juni und August fielen nur gerade 200 mm Regen – also nur rund die Hälfte der üblichen Regenmengen. Letztmals trockener war der (Hitze-)Sommer 1983. Auch der (Hitze-)Sommer 1947 und der Sommer 1949 brachten noch weniger Regen. Die Dürre reicht aber weiter zurück. So hat sich die monatelange Regenarmut in der Ostschweiz zu einem Jahrhundert-Ereignis entwickelt. Im Gebiet zwischen Zürichsee/Walensee und Bodensee fielen in den fünf Monaten von April bis August im Mittel nur 45 Prozent der normalen Regensumme. Hier fehlt der Regen von zweieinhalb bis drei normalen Sommermonaten, wie Auswertungen von MeteoSchweiz zeigen. Gemäss MeteoSchweiz handelt es sich um das deutlich massivste April-August- Regendefizit in der Ostschweiz seit Messbeginn 1864. Auf Rang zwei liegt die April-August Periode aus dem Jahr 1870 mit nur 50 Prozent der Norm 1981‒2010. Im Zuge der Trockenheit sind die Pegel der Schweizer Seen teilweise auf neue Sommerrekordtiefstwerte gesunken. Auch der Pegel des Zürichsees erreichte Ende August einen neuen Sommertiefststand. In anderen Jahren lag der Pegel aber im Spätwinter jeweils noch tiefer.

 

4. Sonnenschein pur

Wo Wärme und Trockenheit ist, ist auch Sonnenschein. Und so war es auch im Sommer 2018. Mit insgesamt 800 Sonnenstunden erlebte Zürich den sonnigsten Sommer seit 2003. Der Hitzesommer 2003 brachte noch 50 Sonnenstunden mehr als 2018. Ähnlich sonnig wie heuer waren auch die Sommer 2013 und 2015.

 

5. Zahlreiche Sommertage

Gemessen an den Sommertagen – also an Tagen mit einer Höchsttemperatur von 25 Grad oder mehr – spielt der diesjährige Sommer ganz oben mit. Abgesehen vom Hitzesommer 2003 gab es heuer mit 56 noch nie so viele Sommertage. Im Hitzesommer 2003 waren es sogar 74 Sommertage. Die Hitze von Mitte Juli bis Mitte August liess auch die Anzahl Hitzetage mit Höchstwerten über 30 Grad stark ansteigen. Am Zürichberg wurden im Sommer 2018 insgesamt 18 Hitzetage registriert. Das ist der vierthöchste Wert seit 1901. Mit 25-26 Hitzetagen gab es nur in den (Hitze-)Sommern 1947, 2003 und 2015. Und auch die Tropennächte mit Tiefstwerten von über 20 Grad fehlten im diesjährigen Sommer nicht.

Der Sommer 2018 hat also eindeutig das Prädikat „Hitzesommer“ verdient.

Fünf Beweise für den Hitzesommer 2018

Wohlfühlsommer 2018 ohne Hitzestress und Tropennächte

Hochsommerliche Temperaturen, viel Sonnenschein und Trockenheit. Der diesjährige Sommer gehört in Zürich bisher zu den viertwärmsten seit mehr als 100 Jahren. Die grosse Wärme in der Schweiz ist aber nicht erst seit Sommerbeginn am 1. Juni ein Thema, denn gefühlt hat der Sommer in diesem Jahr bereits im April eingesetzt. Seit April dominieren Schönwetterlagen und die Temperaturen bewegen sich deutlich über den Erwartungen. Das widerspiegelt sich auch in der Statistik. Noch nie seit Messbeginn 1864 war die 3-Monatsperiode April bis Juni in Zürich so warm wie in diesem Jahr. Mit durchschnittlich 15,8 Grad am Zürichberg wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2003 um vier Zehntelgrad überboten. Über die gesamte Periode gesehen lagen die Temperaturen drei bis vier Grad über dem Normwert. Dieser Wärmeüberschuss zeigt sich auch in der Statistik des ersten Halbjahrs 2018. Trotz des sehr kalten Februars resultierte in Zürich das viertwärmste erste Halbjahr seit 1901. Nur die Jahre 2007, 2011 und 2014 brachten bisher in Zürich einen noch grösseren Wärmeüberschuss in den ersten sechs Monaten. Im Rekordjahr 2007 war das erste Halbjahr noch gut ein Grad wärmer als heuer.

 

Überzählig: Sommertage

Der meteorologische Sommer dauert vom 1. Juni bis zum 31. August. Die erste Sommerhalbzeit (1. Juni bis 15. Juli) war in Zürich wie eingangs erwähnt die viertwärmste seit Messbeginn. Am Zürichberg erreichte die Durchschnittstemperatur rund 19 Grad. Wärmer war es lediglich in den beiden Hitzesommern 2003 und 2015 sowie im letztjährigen Sommer 2017. Obwohl der bisherige Sommer sehr warm ist, blieb er in der ersten Halbzeit aber weit hinter dem Rekordwert von 21 Grad aus 2003 zurück. Erstaunlich am bisherigen Sommerverlauf ist die hohe Konstanz. Die Tageshöchsttemperaturen liegen im Durchschnitt bei über 25 Grad und damit ähnlich hoch wie in den ersten Hälften der Rekordsommer 2015 und 2017. Nur der Hitzesommer 2003 weist mit knapp 28 Grad deutlich höhere Tageshöchstwerte vor. In der ersten Sommerhalbzeit stieg das Thermometer am Zürichberg an 25 von 45 Tagen über die Sommermarke von 25 Grad. Mehr Sommertage in der ersten Sommerhälfte gab es lediglich in den Jahren 1976, 2006 und 2003. In all diesen Kategorien spielt der diesjährige Sommer bisher ganz vorne mit. Doch etwas blieb bisher fast komplett aus: die Hitze.

 

Überfällig: Hitzetage

In der ersten Sommerhälfte wurde die Hitzemarke von 30 Grad am Zürichberg nie überschritten. Das gab es letztmals vor 15 Jahren. Damals, im Jahr 2004, gab es dann während des ganzen Sommers am Zürichberg keinen einzigen Hitzetag. Über eine deutlich längere Zeitperiode betrachtet kommt es allerdings alle zwei Jahre vor, dass in der ersten Sommerhälfte noch keine Hitzetage registriert werden. Fehlende Hitzetage sind also keine Seltenheit, aufgrund des grossen Wärmeüberschusses des laufenden Sommers waren die ersten Hitzetage aber eigentlich längst überfällig. Am 24.7.2018 war es dann auch am Zürichberg soweit und der erste Hitzetag mit über 30 Grad wurde Tatsache. Auch in den Folgetagen stieg das Quecksilber jeweils über die 30-Grad-Marke. Das der Sommer 2018 mit bisher nur wenigen Hitzetage zu den wärmsten gehört, liegt daran, dass Kälterückfälle bisher komplett ausblieben. In Zürich fielt das Quecksilber im laufenden Sommer noch nie unter 10 Grad. Im Durchschnitt waren die bisherigen Sommernächte in Zürich mit 13,8 Grad sehr mild. Wie bei den Hitzetagen blieben auch Tropennächte mit nächtlichen Temperaturen über 20 Grad bisher aus. Wärmere Sommernächte in der ersten Sommerhalbzeit gab es bisher nur in den Sommern 2003, 2017 und 2015, wo jeweils Tropennächte zu ertragen waren.

Der Sommer 2018 kann deshalb als Wohlfühlsommer bezeichnet werden. Er brachte bisher konstant sehr warmes Wetter – schwüle Hitzewellen und Tropennächte blieben aber aus. Wie kommt das und woran unterscheidet sich der diesjährige Sommer von den Hitzesommern aus 2003 und 2015?

 

Übergrösse: Azorenhoch

Überdurchschnittliche Sommertemperaturen in Mitteleuropa gehen immer einher mit einer grossräumigen Ausdehnung des Azorenhochs bis in den europäischen Kontinent. So unterbindet das Hochdruckgebiet die Zufuhr kühler Atlantikluft und die Luftmassen über dem Kontinent können sich gut aufheizen. Ausschlaggebend ist die genaue Lage des Azorenhochs, denn sie entscheidet über Wohlfühl- oder Hitzesommer. Im Hitzesommer 2015 dehnte sich das Azorenhoch in östlicher Richtung bis Polen und in nördlicher Richtung über Grossbritannien bis nach Island aus, wobei der Kern des Hochs bis zur Bretagne reichte. Gestützt wurde das Azorenhoch durch eine Blockierung der Höhenströmung über Ostgrönland, was tiefen Luftdruck über dem Nordatlantik und tiefen Luftdruck im hohen Norden über dem Lappland auslöste. So konnte sich eine Art Omegawetterlage einstellen, welche als sehr konstant und langlebig gilt. Deutlich ausgeprägter war dieses Muster im Hitzesommer 2003. Damals war die Blockierung der Höhenströmung im hohen Norden deutlicher ausgeprägt und erstreckte sich von Ostgrönland bis über die Barentssee nördlich von Norwegen. Die Ausdehnung des Azorenhochs wurde so durch zwei standhafte Tiefdruckgebiete südlich von Island und Russland gefestigt und es konnte sich eine bilderbuchartige Omegawetterlage ausgestalten. Im laufenden Sommer hat sich das Azorenhoch vor allem weit in den Norden, aber weniger stark in östliche Richtung ausgedehnt. Das widerspiegelt sich auch in der langanhaltenden Trockenheit in Grossbritannien und Norwegen in diesem Frühling und Sommer. Die Blockierung der Wetterlage liegt dabei direkt über den britischen Inseln, während im Mittelmeerraum eher tiefer Luftdruck herrscht. Eine Omegawetterlage kann so nicht entstehen, wodurch auch die Zufuhr heisser Luft aus dem Süden fehlt. Vielmehr herrscht über dem Alpenraum häufig Bisenströmung. Diese ist trockener aber auch weniger heiss als die feuchtwarmen Luftmassen aus dem Mittelmeerraum. Entsprechend gab es in der ersten Sommerhälfte in Zürich lediglich an zehn Tagen Regen. Weniger Regentage gab es nur im Jahr 1949 mit acht Regentagen. Vom 14. Juni bis zum 2. Juli fiel kein Regen in Zürich. Mit 19 zusammenhängenden Trockentagen war es eine der zehntlängsten Trockenphasen in Zürich seit 1864. Einzig die Sommer 1865 und 1947 brachten mit 42 und 33 zusammenhängenden Trockentagen noch deutlich ausgeprägtere Dürren. Der Sommer 2018 gehört auch insgesamt zu den zehn trockensten seit 1901. Wo Regen fehlt kommt häufig die Sonne zum Zug. Diese zeigte sich in der ersten Sommerhälfte bereits an über 400 Stunden. Seit der Jahrtausendwende brachten nur die Hitzesommer 2003 und 2015 ebenfalls mehr als 400 Sonnenstunden in der ersten Sommerhalbzeit aufs Messband.

Das Azorenhoch hat sich auch im laufenden Sommer bis nach Mitteleuropa ausgebreitet, hat heuer aber eine nordwestlichere Lage eingenommen. So erlebt die Schweiz bisher anstatt Hitzestress und Tropennächte einen Wohlfühlsommer.

Die Lage des Azorenhochs entscheidet über Hitze- oder Wohlfühlsommer. Abgebildet ist jeweils der durchschnittliche Luftdruck über Europa in der ersten Sommerhälfte (1. Juni bis 15. Juli).

> NOAA Earth System Research Laboratory

Wohlfühlsommer 2018 ohne Hitzestress und Tropennächte

Wetterjahr 2017: sehr warm und sonnig

Die Schweiz und Zürich blicken, trotz eines eisigen Starts, erneut auf eines der wärmsten Jahre in der 154-jährigen Messperiode zurück. Während die Niederschläge durchschnittlich ausfielen, machte die Sonne zahlreiche Überstunden.

 

Sehr kalter Januar

Der erste Monat des Wetterjahrs 2017 brachte der Schweiz und Zürich den kältesten Januar seit 30 Jahren. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von -3 Grad war der Jänner in Zürich um mehr als drei Grad zu kalt. Es war zwar der kälteste Januar seit 1987, jedoch nicht der kälteste Wintermonat seit 30 Jahren. Vor fünf Jahren, im Februar 2012, war es mit durchschnittlich -3,5 Grad in Zürich nochmals ein ganzes Stück kälter. Für die letzten 30 Jahre sind das extrem tiefe Monatsmittel. Wird der Betrachtungshorizont jedoch erweitert, so zeigen sich in Zürich deutlich kältere Wintermonate. Der Januar 1963, welcher die Seegfrörni brachte, war beispielsweise eisige -6,3 Grad. Der Dezember 1879 war in Zürich sogar durchschnittlich -9 Grad kalt.

 

Nach eisigem Start waren die Monate Februar, März, Mai, Juni, August und Oktober in Zürich deutlich zu warm, verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010.

Schneearmer Winter

Mit dem Januar verabschiedete sich dann auch der Winter. Es schien, als ob der Februar den eisigkalten Januar sogleich auch wieder kompensieren wollte. So verging ein Februar ohne einen einzigen Eistag, also ohne Temperaturen ganztags unter dem Gefrierpunkt. Am 23. Februar wurde am Messstandort Zürich mit 18,8 Grad ein neuer Februar-Temperaturrekord aufgestellt. Der Winter 2016/17 (Dezember 2016 bis Februar 2017) war in Zürich unter dem Strich kühler, verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010. Jedoch etwas milder als beispielsweise der Winter 2012/13. Der Winter blieb zudem extrem trocken und schneearm. In den Bergen führte dies zu einer rekordnahen Besonnung.

 

Drittwärmster Frühling

Der extreme Wärmeüberschuss hielt sich auch im darauffolgenden März. So erlebte Zürich den zweitwärmsten März seit Messbeginn im Jahr 1864. Vor allem zur Monatsmitte und am Monatsende wurde Zürich mit viel wärmender Märzsonne verwohnt. Die Niederschläge erreichten zudem lediglich 81% der Normwerte. Der April 2017 war extrem und durchschnittlich zugleich. So täuschen die durchschnittlichen Monatswerte darüber hinweg, dass einer überwiegend sonnigen und milden ersten Monatshälfte eine kalte, mit Schneefällen und scharfen Nachtfrösten angereicherte zweite Monatshälfte gegenüberstand. Die unterkühlte Witterung hielt noch bis zum 8. Mai an. Danach folgte eine deutliche Milderung. Ab Maimitte wurde der Frühling zunehmend sommerlich. Zürich registrierte den wärmsten Mai seit 2011. Ausserdem blieb der Mai 2017 extrem trocken und verbuchte zahlreiche Sonnenstunden. Die warmen März und Mai reichten dann auch aus, um in der Schweiz und in Zürich den drittwärmsten Frühling seit Messbeginn im Jahr 1864 zu verbuchen. Noch wärmer waren bisher nur die Frühlinge der Jahre 2007 und 2011.

 

Der Juli war 2017 der nässeste, der Oktober der trockenste Monat in Zürich.

Drittheissester Sommer

Auf den drittwärmsten Frühling folgte der drittwärmste Sommer seit Messbeginn im Jahr 1864. Noch heisser waren bisher lediglich die Sommer der Jahre 2015 und 2003. Der Sommer 2017 erlebte mit dem Juni bereits früh seinen Höhepunkt. Der sechste Monat des Jahres war in Zürich mit durchschnittlich 19,9 Grad der wärmste und mit über 250 Sonnenstunden der sonnigste des Jahres. Zeitgleich war es der zweitheisseste Juni seit mehr als 150 Jahren. Weniger heiss und immer wieder durch starke Gewitter mit Hagel durchzogen, präsentierte sich der anschliessende Juli. Mit 172 mm fiel im Juli 2017 rund 40% zu viel Regen und er war der nässeste Monat des Jahres. Nach zwei sehr trockenen Monaten kamen die Niederschläge jedoch gelegen, denn bereits im August blieben sie wieder unterdurchschnittlich und die Hitze kam zurück. Zürich registrierte sogleich wieder den achtheissesten August seit Messbeginn im Jahr 1864.

In fast allen Monaten machte die Sonne im Wetterjahr 2017 in Zürich Überstunden. Am sonnigsten war es im Juni.

Achterbahnfahrt im Herbst

Der Sommer fand mit dem September ein abruptes Ende. Die Septembertemperatur blieb in Zürich im Monatsmittel ein Grad unter der Norm der Jahre 1981 bis 2010. In den Bergen hielt bereits der neue Winter Einzug. Auf dem Weissfluhjoch wurden so viele Neuschneetage wie noch nie in einem September registriert. Der kühle September wurde durch einen milden und ausgesprochen sonnigen Oktober kompensiert. Der Oktober bestach insbesondere durch einen ausgeprägten Altweibersommer zur Monatsmitte. Als Kehrseite

zum Schönwetter war Regen erneut Mangelware. Mit lediglich 40 mm fiel in Zürich weniger als die Hälfte der üblichen Regenmengen im Oktober. Der Oktober blieb somit der trockenste Monat des Wetterjahres 2017. Total gegensätzlich präsentierte sich in der Folge der November. Er war nass und trüb. Trotz durchschnittlichen Temperaturen fiel mehrmals Schnee bis in tiefere Lagen. Im Flachland blieb der Schnee jedoch noch nicht liegen. Die Achterbahnfahrt des Herbstes 2017 brachte in Zürich einen kleinen Wärmeüberschuss von drei Zehntelgrad hervor. Die Niederschläge blieben unterdurchschnittlich und die Sonnenscheindauer summierte sich dank des sehr sonnigen Oktobers gebietsweise auf rekordhohe Werte.

Der letzte Monat des Wetterjahres 2017 war geprägt von wiederholten Schneefällen bis in die Niederungen des Flachlands. Entsprechend war der Dezember überdurchschnittlich feucht und präsentierte ein geringfügiges Wärmedefizit.

 

Jahresbilanz 2017

Verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010 waren nur die Monate Januar und September eindeutig zu kalt. April, November und Dezember waren durchschnittlich und alle anderen Monate zu warm. Deutlich zu warm waren Februar, März und Juni. Mit durchschnittlich 10,2 Grad war das Jahr 2017 in Zürich das achtwärmste seit Messbeginn im Jahr 1864. Die täglichen Tageshöchsttemperaturen erreichten mit gemittelt 15 Grad sogar den zweithöchsten Wert in der Messgeschichte. Zum heissen Sommer 2017 passen die zahlreich ausgewiesenen Sommer- und Hitzetage mit täglichen Höchstwerten von über 25, respektive 30 Grad. So zählt das Jahr 2017 total 65 Sommer- und 23 Hitzetage. Nur in den Sommern 1947 und 2003 gab es mehr Sommertage als im Jahr 2017. Bei den Hitzetagen ist es der viertgrösste Wert. Hier brachte zusätzlich der Sommer 2015 noch einige Hitzetage mehr. Erstaunlich war auch die Anzahl Tropennächte, in denen das Thermometer nicht unter 20 Grad sank: 2017 gab es sechs, mehr gab es nur im Sommer 2015. Der Wärmeüberschuss im Sommerhalbjahr 2017 widerspiegelt sich zudem in den Kühlgradtagen, welche ein Indikator für den Kühlbedarf in Gebäuden sind. Mit 237 Kühlgradtagen wurde 2017 der dritthöchste Wert seit 1864 erreicht. Handkehrum erreichten die Heizgradtage trotz des eisigen Januars mit 3243 in Zürich lediglich den zehnttiefsten Wert. Je tiefer die Heizgradtage, desto geringer der Wärmebedarf in den Gebäuden.

Die Niederschläge summierten sich in Zürich auf durchschnittliche Werte. Deutlich zu trocken waren Mai, Juni und Oktober. Zu viel Niederschlag bekamen die Monate Januar, April, Juli und Dezember.

Zur extremen Wärme gesellten sich auch ungewöhnlich viele Sonnenstunden. So war 2017 in Zürich mit mehr als 1800 Sonnenstunden eines der 20 sonnigsten seit 1901. Verglichen mit einem durchschnittlichen Jahr schien die Sonne knapp 20 % oder mehr als 280 Stunden länger. Dies schlägt sich auch in der Anzahl heiterer Tage nieder, welche mit 64 an der Zahl einen hohen Wert erreichten. Dem gegenüber stehen 134 trübe Tage mit nur wenig Sonne. Dies klingt nach viel, doch es ist einer der tiefsten Werte seit 1901. Nochmals deutlich weniger trübe Tage gab es in den Wetterjahren 1911 und 2003.

Wetterjahr 2017: sehr warm und sonnig

2016 war ein überdurchschnittliches Wetterjahr

Das Wetterjahr 2016 war warm, nass und trotzdem sonnig. Auf die rekordnahe Winterwärme folgte ein sehr nasses erstes Halbjahr. Der Sommer kam erst spät, verweilte mit grosser Wärme aber bis im September.

Im Dezember 2016 herrschte Hochdruckwetter.
Abweichung des Luftdrucks über Europa gegenüber 1981-2010. Quelle: esrl.noaa.gov

Das Wetterjahr 2016 endete mit dem trockensten Dezember im Mittelland seit Messbeginn. Die letzten nennenswerten Niederschläge des Jahres 2016 fielen bereits am 19. November. Danach war es bis zum Jahresende staubtrocken. Die lang anhaltende Trockenheit hielt bis zum 2. Januar und reihte somit 43 Trockentage ohne Niederschläge aneinander. Damit gehörte die Dürrephase im Mittelland zu den fünf markantesten seit Messbeginn im Jahr 1864. Der Grund ist mit dem beständigen Hochdruckwetter rasch gefunden. Wiederholt legten sich ausgeprägte Hochdruckgebiete über Mitteleuropa, die alle Regen- und Schneewolken im grossen Bogen um die Alpen ziehen liessen. Temperaturmässig zeigten sich jedoch deutliche Gegensätze zwischen den Berglagen und den Niederungen. Während sich im Flachland ein Kaltluftsee bildete, herrschten in der Höhe sehr milde Verhältnisse. Während das Jungfraujoch mit 3,6 Grad über der Norm der Periode 1981-2010 den drittwärmsten Dezember seit Messbeginn registrierte, blieb die Dezembertemperatur in Zürich 0,7 Grad unter der Norm. Pünktlich zu Weihnachten stellte sich eine auch für das Flachland milde Westwindlage ein. Niederschläge blieben aber grösstenteils aus. Bereits am 27. Dezember meldete sich das Hochdruckwetter mit voller Kraft zurück. In Zürich wurde mit über 1044 hPa der höchste Luftdruck seit Messbeginn registriert. Zusammengefasst war der Dezember 2016 in Zürich hochdruckbestimmt, kalt und trocken. Damit wiederspiegelt der letzte Monat das Wetterjahr 2016 in keiner Weise. Denn 2016 geht als warmes und nasses Jahr in die Wetterannalen ein.

2016 war warm. Vor allem der Jahresbeginn sowie der Spätsommer haben zum Wärmeüberschuss beigetragen.

Winter: sehr mild und wechselhaft

Januar und Februar 2016 brachten fast durchwegs unbeständiges und mildes Westwindwetter. Eine festinstallierte West- bis Südwestströmung führte mit teils stürmischen Winden milde und feuchte Atlantikluft in den Alpenraum. Entsprechend waren die ersten zwei Monate des Jahres knapp 3 Grad übertemperiert, sehr nass und trüb. Im Januar 2016 summierten sich die Niederschläge in Zürich auf 146 mm, mehr als das Doppelte gegenüber der Norm 1981-2010. Mit nur 50 Sonnenstunden im Januar und 60 im Februar war der Jahresauftakt ausgesprochen sonnenarm. Zusammen mit dem sehr milden Dezember 2015 war der Winter 2015/16 der zweitwärmsten seit Messbeginn. Noch etwas höhere Temperaturen brachte lediglich der Rekordwinter 2006/07.

Frühling: Kühl und unbeständig

Der meteorologische Frühling (März bis Mai) startete mit Hochdruck im März. Weite Strecken des Monats wurden durch die Bise geprägt, welche trockene und kühle Luft ins Schweizer Mittelland führte. Hochnebelartige Bewölkung verdeckte die Sonne häufig, so dass sich die Luft auch nicht in der Frühlingssonne erwärmen konnte. Ein markanter Wetterwechsel zum Monatswechsel vom März in den April brachte mit Föhn gebietsweise die mildesten Märztage seit Ende des 19. Jahrhunderts. April und Mai waren dann wieder unbeständig und nass. Die Strömung drehte aber allmählich von Südwesten auf Nordwesten, so dass die Temperaturen vor allem im Mai häufig im unterdurchschnittlichen Bereich lagen. Im April sorgten einige Föhnintervalle für insgesamt leicht überdurchschnittliche Temperaturverhältnisse.

2016 war nass. Bis Mitte Juli gab es ergiebige Niederschläge. Danach war es deutlich trockener. Im Dezember gab es praktisch gar keine Niederschläge.

Sommer: Nass, dann sehr sonnig

Der Sommer kam im Juni noch kaum auf Touren. In Zürich gab es lediglich fünf Sommertage mit über 25 Grad. Diese kamen zusammen mit dem ersten Hitzeschub der Saison gegen Ende Juni. Ansonsten war der Juni geprägt von trüber und sehr nasser Witterung. Entweder waren es Stauniederschläge oder starke Gewitterregen, welche wiederholt grosse Regenmengen niedergingen liessen. An einzelnen Messstandorten der MeteoSchweiz war es einer der nassesten Junimonate seit Messbeginn vor über 100 Jahren. Lokale Überschwemmungen waren die logische Folge. Der Juli brachte dann das erste sommerliche Hochdruckgebiet. Trotz Hochdruck wurden die sonnig-warmen Tage immer wieder durch Gewitter gestört. Nach dem ersten Julidrittel führte eine Nordwestlage nochmals recht kühle und sehr nasse Luftmassen an die Alpen. Schnee fiel nochmals bis 1600 Meter über Meer hinunter. Alleine am 12. Juli summierten sich die Regenfälle in Zürich auf 60 mm (rund 50% der üblichen Juliregenmenge). Trotz der trüben und nassen Witterung verharrten die Temperaturen meistens im durchschnittlichen Bereich. Mitte Juli kam dann die Erlösung. Die folgenden Wochen waren dann deutlich sonniger, trockener und wärmer als die Periode von Anfang April bis Mitte Juli. Die dreieinhalb Monate seit Anfang April waren für mehr als die Hälfte des jährlichen Niederschlags 2016 verantwortlich. Die Alpennordseite registrierte regional das niederschlagsreichste erste Halbjahr seit Messbeginn. Handkehrum fielen rund 35% der Jahresbesonnung 2016 auf die Periode zwischen Mitte Juli und Ende September (2,5 Monate). Von Mitte August bis Mitte September gab es nicht nur viel Sonnenschein sondern auch wiederholt heisse Phasen. Die Periode von Ende August bis Mitte September war geprägt durch extreme Wärme. An verschiedenen Stationen wurden neue Temperaturrekorde aufgestellt. Auch Zürich erlebte den drittwärmsten September seit 1864. Mit knapp 2,7 Grad brachte der September die grösste positive Temperaturabweichung des vergangenen Jahres.

Herbst: vom Sommer in den Winter

Der in Zürich 1,4 Grad zu kalte Oktober riss die Schweiz schlagartig aus dem ungewöhnlich warmen Spätsommer. Der Oktober brachte in Zürich gleichzeitig die grösste negative Temperaturabweichung. Mehrere Schneefälle bis in mittlere Lagen waren bereits die ersten Vorboten des kommenden Winters. Im November ging es gleich weiter mit frühwinterlicher Kälte. Dann aber bäumte sich der Spätsommer mit viel Föhnunterstützung nochmals auf und brachte eine ungewöhnliche Wärme zum Novemberende zurück. Die Föhnluft kämpfte sich bis nach Zürich vor und liess die Temperaturen am 21. und 22. November auf knapp 20 Grad steigen. Danach machte sich Hochdruck über der Schweiz breit und startete die anfangs erwähnte Trockenperiode, welche bis zum Jahresende anhielt.

2016 war sonnig. Bis im Mai lief alles nach Fahrplan. Der Juni war dann trüb, der Spätsommer und der Dezember waren dann aber sehr sonnig.

Jahresbilanz

Das Jahr 2016 war am Zürichberg mit durchschnittlich 9,9 Grad sechs Zehntelgrad milder als die Norm 1981-2010. Im landesweiten Mittel, wie auch in Zürich, gehört es zu den zehn wärmsten Jahren seit Messbeginn 1864. Mit 51 Sommertagen mit über 25 Grad in Zürich gab es mehr als 10 Sommertage mehr als im langjährlichen Durchschnitt. An acht Tagen stieg das Quecksilber über 30 Grad. In durchschnittlichen Jahren geschieht dies lediglich sechsmal. In 81 Nächten sank die Temperatur 2016 unter den Gefrierpunkt. Dieser Wert liegt leicht über dem Erwartungswert der Jahre 1981-2010. Eistage mit Ganztags-Temperaturen unter null Grad gab es 2016 hingegen mit sieben Tagen nur sehr selten. Nur in einzelnen Jahren seit 1864 gab es noch weniger Eistage als 2016. Die Jahresniederschläge lagen 14%, die Sonnenscheindauer 6% über dem Referenzwert. Zu trocken waren die Monate März, August, September, Oktober und Dezember. Mehr Sonne als üblich gab es im Juli, August, September und Dezember. Zu warm, nässer und sonniger als normal: 2016 war ein überdurchschnittliches Wetterjahr.

 

Weiterführende Links:
MeteoSchweiz

2016 war ein überdurchschnittliches Wetterjahr

Der Sommer danach

Der Sommer erfüllte vielleicht nicht alle Erwartungen, trotzdem war er einer der wärmsten seit Messbeginn. Nach einem nassen Start wurde der Sommer immer trockener. Die Besonnung war durchschnittlich.  

Der Sommer 2016 hatte von Anfang an einen schweren Stand. Mit dem letztjährigen Hitzesommer 2015 waren die Erwartungen an den diesjährigen Sommer extrem hoch – ja praktisch kaum zu erfüllen. Und so kam es dann auch. Der Sommer 2016 konnte den hohen Anforderungen nicht gerecht werden, obwohl er sogar überdurchschnittlich war. Die tragische Geschichte des „Sommers danach“ erlebte Mitteleuropa bereits 2004, der Sommer war damals eigentlich gar nicht so schlecht, konnte jedoch nach dem Jahrhundertsommer 2003 eigentlich nur verlieren. In der Meteorologie dauert der Sommer vom 1. Juni bis zum 31. August. Höchste Zeit also, sachlich Bilanz zu ziehen.

Der Sommer 2016 war warm aber über weite Strecken kühler als im heissen Vorjahr. Rot gefärbt wird der kühle Sommerbeginn, der Hitzeschub Ende Juni, der Kälterückfall Mitte Juli sowie das heisse Sommerende gut ersichtlich.
Der Sommer 2016 war warm aber über weite Strecken kühler als im heissen Vorjahr. Rot gefärbt wird der kühle Sommerbeginn, der Hitzeschub Ende Juni, der Kälterückfall Mitte Juli sowie das heisse Sommerende gut ersichtlich.

Sommerlicher Steigerungslauf

Der Sommer 2016 startete sehr verhalten. Das Warten auf die erste sommerliche Periode schien schier endlos. Erst am 22. Juni stiegen die Höchsttemperaturen zum ersten Mal über die Sommermarke von 25 Grad (auch im Mai gab es einige Tage mit sommerlichen Temperaturen). Davor waren die ersten zwei Junidrittel geprägt von sehr viel Regen – nur gerade an vier Tagen blieb es davor im Juni trocken – und einer ausgeprägten Sonnenarmut. Die ersten 21 Junitage waren mit nur gerade 60 Sonnenstunden in Zürich dann auch so sonnenarm wie nie zuvor in der mehr als 100-jährigen Messreihe. Ab dem 22. Juni lagen dann zumindest die Temperaturen im hochsommerlichen Bereich – am 23./24. Juni wurde es mit rund 32 Grad am Zürichberg dann auch richtig heiss. Bis Ende Juni gab es aber weiterhin teils heftige Gewitter mit ergiebigen Niederschlägen. Erst der Juli brachte wettertechnisch eine Beruhigung. Vom 4.-11. Juli baute sich eine erste Hochsommerphase auf mit viel Sonnenschein, hohen Temperaturen und mehrtägiger Trockenheit. Die 8-tägige Regenpause vom 3.-10. Juli war gleichzeitig die längste Trockenperiode des Sommers 2016. Im langjährigen Durchschnitt gibt es mindestens einmal in einem Sommer eine Trockenphase von rund 12 Tagen. Der Hochsommer bekam dann aber zur Julimitte einen herben Dämpfer. Während vier Tagen verharrten die Temperaturmaxima unter 20 Grad und die Nächte waren mit knapp unter 10 Grad in Zürich empfindlich frisch. Gleichzeitig regnete es anhaltend. Das Sommerwetter schwenkte in der Folge wieder in die heisse Phase und bescherte Zürich eine heisse zweite Julihälfte mit durchschnittlich mehr als 20 Grad. Der wechselhafte Charakter des Sommers schien nach zwei Hochsommerwochen schon fast vergessen, wurde dann aber vom August erneut in Erinnerung gerufen. Vor allem die Periode vom 5.-12. August war wechselhaft und häufig grau, jedoch anders als noch im Juni und Juli weitgehend trocken. Wiederum die zweite Monatshälfte brachte auch im August das konstantere Wetter. So war auch die zweite Augusthälfte im Mittel rund 20 Grad warm und bescherte viele Sommertage mit Höchstwerten über 25 Grad und viel Sonnenschein. Nachdem sich der Sommer 2016 temperaturmässig kaum von seiner extremen Seite zeigte, legte das Sommerende dann doch noch einen Zahn zu. Für die Periode 25. bis 31. August gab es Rekordwerte. In Genf erreichte die Temperatur am 27. August 33.5 Grad, in Basel 33.8 Grad. In Genf ist es der deutlich höchste Wert für Ende August seit Messbeginn 1864. Die Niederschlagsaktivität nahm im Laufe des Sommers deutlich ab. Lag der Juni-Niederschlag noch in vielen Gebieten der Schweiz weit über dem Durchschnitt, war der Juli aufgrund der unterschiedlichen Gewitteraktivität bereits geprägt von regional sehr unterschiedlichen Niederschlagsmengen. Im August blieben die Regenmengen dann in vielen Gebieten deutlich unterdurchschnittlich. In Zürich fiel im August weniger als zwei Drittel der üblichen Summe. In der Westschweiz, im Wallis und im Tessin fiel lokal nicht einmal ein Drittel der normalen Augustsummen.

Verlauf der Tagesmittel-, Höchst- und Tiefsttemperaturen im Sommer 2016 (Juni-August) in Zürich-Witikon.
Verlauf der Tagesmittel-, Höchst- und Tiefsttemperaturen im Sommer 2016 (Juni-August) in Zürich-Witikon.

Sommer unter den wärmsten

Unter dem Strich war der Sommer 2016 in Zürich mit 435 mm dann insgesamt nässer als im langjährigen Durchschnitt, jedoch trockener als in den Jahren 2012 und 2014. Mit mehr als 610 Sonnenstunden schien die Sonne in Zürich leicht häufiger als in der Referenzperiode 1981-2010. Im vorangegangenen Sommer waren es mit knapp 780 Sonnenstunden jedoch deutlich mehr. In den Jahren 2010 und 2014 gab es jeweils weniger Sonne als heuer. Die durchschnittliche Sommertemperatur erreichte am Zürichberg mit 18,2 allerdings einen hohen Wert. Über die ganze Schweiz gemittelt lag die Sommertemperatur 0,7 Grad über der Norm 1981-2010. Somit gehört der Sommer 2016 zu den zehn wärmsten Sommern seit Messbeginn 1864. Das Wallis erlebte regional mit einem Überschuss von 1,3 Grad den viertwärmsten Sommer seit Messbeginn 1864.

Der Sommer 2016 brachte deutlich überdurchschnittliche Temperaturen und sehr viele Sommer- und Hitzetage. Im Vorjahr brachte der Sommer 2015 in diesen Kategorien jeweils fast Rekordwerte. Heitere Tage gab es in diesem Jahr unterdurchschnittlich wenige (letztes Jahr enorm viele). Die Niederschlagsmengen waren heuer überdurchschnittlich (2015 fast rekordtief).
Der Sommer 2016 brachte deutlich überdurchschnittliche Temperaturen und sehr viele Sommer- und Hitzetage. Im Vorjahr brachte der Sommer 2015 in diesen Kategorien jeweils fast Rekordwerte. Heitere Tage gab es in diesem Jahr unterdurchschnittlich wenige (letztes Jahr enorm viele). Die Niederschlagsmengen waren heuer überdurchschnittlich (2015 fast rekordtief).

2016 heisser als 2004

Den hohen Erwartungen aus dem Hitzesommer 2015 wurde der diesjährige Sommer 2016 zwar nicht gerecht, allerdings war die Ernüchterung weniger dramatisch als im Sommer 2004 nach dem Hitzesommer 2003. So gab es im Sommer 2003 insgesamt 26 Hitzetage mit mehr als 30 Grad. Ein Jahr danach brachte der Sommer 2004 in Zürich keinen einzigen Hitzetag zustande. Nach den ebenfalls 26 Hitzetagen aus dem Jahr 2015 gab es heuer zumindest 8 Hitzetage, im langjährigen Durchschnitt 1981-2010 sind es übrigens lediglich 6 Tage mit mehr als 30 Grad.

Der Sommer danach

Sommer im Jahr 2050: das heutige Wetter einfach ein paar Grad wärmer

Der Juni 2016 war in Zürich so trüb wie seit 20 Jahren nicht mehr. Trotzdem waren die Temperaturen nicht unterdurchschnittlich. Trübe Junis werden eben auch immer wärmer.

Die globale Erwärmung zeigt sich auch bei schlechtem Wetter: trübe Junis werden immer wärmer.
Die globale Erwärmung zeigt sich auch bei schlechtem Wetter: trübe Junis werden immer wärmer.

Mit dem Juni ging bereits der erste Sommermonat 2016 zu Ende. Der Juni zeigte sich überwiegend trüb und regnerisch. Sommerliche Hitze gab es nur an vereinzelten Tagen in der zweiten Monatshälfte. Immer wieder gab es Gewitter mit kräftigen Regenfällen, die zu lokalen Überschwemmungen führten. Das Verhältnis von 20 nassen zu 10 trockenen Tagen ist schon sehr ungewöhnlich. Mehr Regentage als im Juni 2016 gab es in Zürich seit 1901 nur im Juni 1980, als es an 22 Tagen mehr als 1 mm Regen gab. Zwar ist der Juni in Mitteleuropa so etwas wie ein Regenmonat, doch ist dies normalerweise den starken gewittrigen Regenfällen und nicht der hohen Anzahl Regentage zuzuschreiben. Im vergangenen Juni kam beides zusammen: hohe Niederschlagsmengen an zu vielen Tagen. Über den gesamten Juni summierten sich die Niederschläge am Zürichberg auf 228 mm, das sind 80% mehr als in einem durchschnittlichen Juni. Der Juni 2016 gehörte damit zu den nassesten Junis seit Messbeginn. Seit 1901 waren lediglich der Juni 1953 und 1987 noch niederschlagsreicher. Im Juni 1953 fiel 257 mm Regen in Zürich. Die vielen Regentage im Juni 2016 schlugen sich auch in der Sonnenscheindauer nieder. So war der vergangene Monat in Zürich gleichzeitig der nasseste seit 1987 sowie der sonnenärmste seit 1997. Die Sonne lachte nur gerade 140 Stunden am Himmel. Weniger Sonne in einem Juni gab es in Zürich seit 1901 erst viermal.

Gemittelt nicht zu kühl

Trotz oft trüber Witterung war der Juni in der Schweiz über den ganzen Monat gemittelt 0,2 Grad übertemperiert, verglichen mit der Referenzperiode 1981-2010. Am Zürichberg war er mit durchschnittlich 16,4 Grad genau richtig temperiert. Letztmals kühler war es im Juni 2013. Der Durchschnitt sagt jedoch einmal mehr wenig über die zeitliche Verteilung der Temperaturen aus. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die häufige Bewölkung verhinderten die nächtliche Auskühlung ebenso wie das tägliche Aufwärmen. Die Folge waren milde Nächte und kühle Tage. Dies zeigte sich eindrücklich in der Anzahl Sommertage mit Tageshöchsttemperaturen über 25 Grad (fotometeo). In einem durchschnittlichen Juni sind in Zürich 9 Sommertage zu erwarten, im Juni 2016 waren es lediglich 5. Der kurze aber heftige Hitzeschub vom 22.-24. Juni sorgte dann mit Temperaturen bis 32 Grad in Zürich für zwei Hitzetage (Tagesmaximum über 30 Grad). Nochmals sommerlich wurde es einige Tage später am 28./29. Juni mit Temperaturen gegen 26 Grad. Ansonsten dominierten die kühlen und weitgehend unsommerlichen Phasen.

Trübe Junis immer wärmer

Trübe Junis wie in diesem Jahr mit viel Regen, zahlreichen Regentagen und nur sehr wenig Sonne kommen in Zürich immer mal wieder vor. Witterungsmässig ähnlich wie in diesem Jahr verliefen letztmals die Junis 1916, 1933, 1953, 1980, 1987, 1990 und 1997. Erstaunlich dabei ist, dass trübe Junis bisher auch immer kühl ausfielen. So brachten es die trüben Junis 1916 und 1933 lediglich auf einen Durchschnitt von 12,9 Grad. Die Junis waren also knapp vier Grad kälter als der trübe Juni 2016. Auch 1953, 1980, 1987 und 1990 waren die verregneten und sonnenarmen Junis mit 14 bis 15 Grad deutlich kühler als der Juni 2016. Als es 1997 in Zürich letztmals einen so trüben Juni gab, war er mit 15,5 Grad zumindest nicht mehr gar so kühl, aber trotzdem noch rund ein Grad kälter als heuer. Der Juni 2016 ist somit der wärmste Juni unter den trübsten. Die globale Erwärmung macht sich eben nicht nur in heissen und trockenen Sommern bemerkbar, sondern auch damit, dass trübe Monate nicht mehr ganz so kühl ausfallen wie noch vor 100, 50 oder 20 Jahren. Ähnliches gilt wohl für die Zukunft. Das beste Abbild des Klimas in Zürich 2050 oder 2070 ist vermutlich wohl das heutige Wetter – einfach ein paar Grad wärmer.

Sommer im Jahr 2050: das heutige Wetter einfach ein paar Grad wärmer

Tropennächte und Hitzetage: macht sich die globale Erwärmung bemerkbar?

Der trockenste und heisseste Monat überhaupt in der über 150-jährigen Messreihe wollte der Juli 2015 scheinbar dann doch nicht werden. Ein für die Jahreszeit sehr seltenes Sturmtief griff am 25. Juli ins Geschehen ein und stutzte den Rekordmonat am Ende noch soweit zurecht, dass er sich nun die Krone mit anderen Extremmonaten der letzten Jahre teilen muss. Die dann doch recht frische und windige letzte Juliwoche liess den grossen Wärmeüberschuss schmelzen, so dass der Juli 2015 mit durchschnittlich 22 Grad in Zürich in etwa gleich heiss war wie der Juli 1983 und sogar etwas kühler als der Juli 2006, der es auf 22,5 Grad brachte. Der vergangene Monat gehört jedoch nicht nur zu den wärmsten Julis sondern zu den wärmsten Monaten überhaupt in Zürich. Nur der Juni und August aus dem Hitzesommer 2003 und wie erwähnt der Juli 2006 waren noch einige Zehntelsgrad wärmer. Unter Berücksichtigung der vorherrschenden Trockenheit, in Zürich fielen im ganzen Monat nur 30-40 mm Regen, war der Juli 2015 noch extremer. Letztmals trockener war ein Sommermonat im August 1991, damals war es aber im Schnitt zwei Grad kühler. Ähnlich trocken, aber auch rund 4 Grad kühler war es im Juni 2006. Ein Abbild des diesjährigen Julis ist der Juli 1983, welcher ähnliche Temperaturverhältnisse und in etwa die gleichen bescheidenen Niederschlagsmengen hervorbrachte. Damals schien die Sonne mit 290 Stunden nicht ganz so oft wie im diesjährigen Juli, als 300 Sonnenstunden registriert wurden. Mit 303 Sonnenstunden war auch der Juli 2013 sehr sonnig. Vor zwei Jahren war es jedoch verglichen mit heuer rund anderthalb Grad kühler. Über 300 Sonnenstunden hatte letztmals auch der Juli 2006. Unerreicht bleibt weiterhin der Juli 1911 mit rund 370 Sonnenstunden. Zum Vergleich: Im trüben letztjährigen Juli gab es nur gerade 170 Stunden Besonnung.

Häufigere und längere Hitzewellen

Nach diesem Hitzemonat Juli rückt die Frage in den Vordergrund, ob sich Häufigkeit und Intensität von Hitzeperioden möglicherweise in Zukunft verändern werden. Mit der beobachteten und erwarteten globalen Erwärmung scheint eine These nahe zu liegen: Höhere Temperaturen = häufigere und intensivere Hitzeperioden.

Wie MeteoSchweiz schreibt, wird diese These durch Klimasimulationen unterstützt, jedoch scheint die Situation komplexer zu sein. So spielen neben einer durchschnittlichen Erwärmung auch deren Jahresgang sowie Faktoren wie Änderungen in der Persistenz (d.h. der Beständigkeit) von Hitzeperioden und unterschiedliche Entwicklungen von Minimal-, Mittel- und Maximaltemperaturen eine Rolle. Die MeteoSchweiz und das Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich zeigen in ihren jüngsten Berechnungen einen ersten quantitativen Blick in die Schweiz der Zukunft. Dabei verwendeten sie für die Analyse 14 regionale Klimasimulationen des europäischen Forschungsprojektes ENSEMBLES, die bereits zur Erstellung der CH2011 Klimaszenarien (ch2011) verwendet wurden. Alle Simulationen basieren auf einem Treibhausgas-Emissionsszenario des IPCC, dem ein rasches, ökonomisches Wachstum und ein Nebeneinander fossiler und erneuerbarer Energieträger zugrunde liegen.

Die unterschiedlichen Simulationen zeigen ein konsistentes Bild: sowohl Häufigkeit als auch Intensität von sommerlichen Hitzeperioden werden deutlich zunehmen. Während einer zweiwöchigen Hitzeperiode lag die durchschnittliche Maximum-Temperatur in der Referenzperiode 1980-2009 in Zürich bei 27,5 Grad. Im vergangenen Juli erreichte sie Werte von 30 Grad, im Hitzesommer 2003 waren es mehr als 32 Grad. In den nächsten 20 Jahren steigt dieser Wert in Zürich schon auf 28-30, bis 2070 auf bis zu 32 und bis Ende Jahrhundert auf über 35 Grad. Doch wie häufig treten solche Hitzewellen auf? Hitzewellen mit sieben oder mehr Tagen mit einer Höchsttemperatur von über 30 Grad waren in der Referenzperiode 1980-2009 in Zürich sehr selten und kamen nur rund alle 10 Jahre vor. In den nächsten 20 Jahren könnten solche Hitzewellen schon in jedem vierten Jahr, Mitte Jahrhundert schon jedes zweite und Ende Jahrhundert einmal pro Jahr vorkommen. Wie MeteoSchweiz schreibt, ist trotz aller Modellunsicherheit die zukünftige Zunahme von Intensität und Häufigkeit von Hitzewellen ein robustes Signal, lediglich in der konkreten Ausprägung dieser Zunahme unterscheiden sich die Modelle voneinander.

Die einzelnen Stunden im Tag haben in den letzten 30 Jahren (1985-2014) in Zürich nicht gleichmässig auf die globale Erwärmung reagiert: Die Nachtstunden im Frühling, Sommer und Herbst haben sich deutlich stärker erwärmt, als die Tagesstunden. Rund zwei Drittel der generellen Erwärmung entfällt auf die Nacht.
Die einzelnen Stunden im Tag haben in den letzten 30 Jahren (1985-2014) in Zürich nicht gleichmässig auf die globale Erwärmung reagiert: Die Nachtstunden im Frühling, Sommer und Herbst haben sich deutlich stärker erwärmt, als die Tagesstunden. Rund zwei Drittel der generellen Erwärmung entfällt auf die Nacht.

Während wir schliefen

Ob die durchschnittlichen Höchsttemperaturen während einer zweiwöchigen Hitzewelle Ende Jahrhundert in Zürich Werte von 35 Grad erreichen, darf jedoch mit einer gewissen Skepsis hinterfragt werden. So haben sich in den letzten 30 Jahren Muster der generellen Erwärmung gezeigt, welche einem unaufhaltsamen Anstieg der Höchsttemperaturen widersprechen. Eine Auswertung stündlicher Temperaturdaten der NASA für das östliche Schweizer Mittelland in der Periode 1985-2014 zeigt, dass zwei Drittel der beobachteten Erwärmung auf die Nacht (20-8 Uhr) und nur ein Drittel auf die Tageszeit (8-20 Uhr) fällt. Die Erwärmungstrends in den Nachtstunden waren gegenüber den Tagesstunden zwischen 1985-2014 im Sommer mehr als doppelt so gross. Während sich die Stunden von 8-20 Uhr nur um 0,2 Grad pro Jahrzehnt erwärmten, sind die nächtlichen Stunden teilweise mehr als 0,4 Grad pro 10 Jahre wärmer geworden. Dieser Zusammenhang wurde auch bei der Hitzewelle im vergangenen Juli ersichtlich, als die Nachttemperaturen rekordverdächtig hoch blieben, während die Tageshöchstwerte am Nachmittag noch um 2-3 Grad von den absoluten Rekordwerten entfernt blieben. Ein ähnliches Bild zeigt sich übrigens im Frühling und Herbst. Im Herbst waren die Erwärmungstrends der letzten 30 Jahre in der Nacht sogar dreimal so gross wie jene am Tag. Insgesamt am stärksten erwärmten sich die Frühlingsstunden mit einer Rate von 0,3-0,5 Grad pro 10 Jahre. Eine leichte Abkühlung erfuhren hingegen die Wintermonate in der Periode 1985-2014. Über einen längeren Zeitraum betrachtet (50-150 Jahre), haben sich auch die Wintermonate in Zürich deutlich erwärmt, jedoch kam die Wintererwärmung in den letzten Jahrzehnten zum Stillstand.

Der Grund dafür, dass sich die Nächte deutlich stärker erwärmen als die Tage, liegt möglicherweise im steigenden Wasserdampfgehalt in der Atmosphäre. Je wärmer die Atmosphäre wird, desto mehr Wasserdampf kann die Luft aufnehmen – die Luftfeuchtigkeit steigt somit an. Dies bedeutet, dass sich rascher Wolken bilden können, welche die Ausstrahlung in den Nächten verhindern, gleichzeitig aber auch die Einstrahlung am Tag mindern. So wird die Nacht gegenüber dem Tag proportional immer wärmer. Ein wesentlicher Teil der Erwärmung findet in der Schweiz somit in der Nacht statt. Bleibt dieses Muster auch in Zukunft bestehen, dürfte die Anzahl der Tropennächte deutlich schneller ansteigen als die Anzahl der Hitzetage.

Tropennächte und Hitzetage: macht sich die globale Erwärmung bemerkbar?

Zu warme Frühlinge bleiben die Norm

Der diesjährige Frühling reiht sich mit gemittelt 10 Grad in Zürich knapp hinter den Top 10 der wärmsten seit Messbeginn im Jahr 1864 ein. Damit setzt sich der Trend hin zu deutlich wärmeren Frühlingen fort. In den letzten 28 Jahren brachte lediglich der Frühling 2013 Temperaturen, die unter der Klimanormperiode 1961-1990 lagen. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre sind die Frühlinge in Zürich mit 9,9 Grad fast 2 Grad wärmer, verglichen mit der Referenzperiode. Warme Frühlinge sind zur Norm geworden und sie werden immer wärmer.

Frühling2015_infographic

Grosse Wärme im März und April

Das Wärmeplus des diesjährigen Frühlings stammt vor allem aus den Monaten März und April, welche beide mehr als 1 Grad übertemperiert in die Wetterannalen eingingen, verglichen mit den Jahren 1981-2010. Der Mai konnte das hohe Temperaturniveau der Vormonate vorerst aufnehmen, aber nicht bis zum Ende halten und schloss nach einer deutlichen Tempertaturkorrektur in der zweiten Monatshälfte durchschnittlich ab.

Der Witterungsverlauf der drei Frühlingsmonate März bis Mai ähnelte sich erstaunlicherweise über weite Strecken. Zu Monatsbeginn gab es jeweils mit nordwestlicher Strömung wenig Sonne und immer wieder Regen. Es folgte eine mehrwöchige Schönwetterperiode, die insbesondere im März aber auch im April ausgeprägt war und kaum durch Niederschlagsereignisse unterbrochen wurde. Während im März und April jeweils im mittleren Monatsdrittel Hochdruck dominerte, war es im Mai eher eine Südwestströmung, die heiteres und sehr warmes Wetter brachte. Demzufolge blieb es aber im Mai nicht mehr als eine Woche am Stück trocken. Die feuchtwarme Luft aus Südwesten liess dann auch die ersten heftigen Gewitter der Saison übers Land ziehen. Das letzte Monatsdrittel war dann in allen Monaten durch Niederschläge geprägt. Während diese im März und April kurz vor Monatsende und sehr heftig auftraten, kamen sie im Mai zu Beginn des letzten Monatsdrittels und waren in der Region Zürich nicht mehr so heftig.

 

Alle Frühlingsmonate zu nass

Drei grosse Niederschlagsereignisse – Ende März, Ende April und Anfang Mai – sorgten dafür, dass jeder einzelne Frühlingsmonat in diesem Jahr als zu nass eingestuft werden muss. Während der März nur geringfügig nässer war als seine Vorgänger in der Periode 1981-2010, gab es im April und Mai grosse Niederschlagsüberschüsse, wie Daten von MeteoSchweiz zeigen. In absoluten Zahlen brachten April und Mai ähnliche Regenmengen, da der April aber im langjährigen Durchschnitt als trockener eingestuft wird, ist die relative Abweichung mit einem Plus von 75% im April besonders gross. Mit aufsummiert rund 380 mm war der Frühling 2015 rund 30% nässer als im langjährigen Vergleich der Jahre 1981-2010, dies entspricht einem Überschuss von knapp 100 mm. Auf dem Zürichberg war es der nässeste Frühling seit 10 Jahren, als 2006 mit einer Niederschlagssumme von mehr als 500 mm der feuchteste Frühling seit Messbeginn registriert wurde.

 

Nass und trotzdem sonnig

Die grossen Niederschlagsmengen im diesjährigen Frühling trüben das Bild etwas zu stark. So blieb die Anzahl Tage mit Regen im März und April leicht unterdurchschnittlich und aufgrund der langanhaltenden Schönwetterperioden im März und April verzeichneten diese Monate grosse Sonnenerträge. Während März und April noch ein Sonnenplus von 40-50% vorweisen konnten, blieb der Mai durchschnittlich. Unter dem Strich war der Frühling mit mehr als 580 Sonnenstunden deutlich sonniger als im langjährigen Vergleich. In der Periode 1981-2010 brachten die Frühlinge im Durchschnitt 450 Stunden mit Sonnenschein. Der diesjährige Frühling war somit der drittsonnigste der letzten zehn Jahre. Letztmals sonniger war es im Jahr 2011, als der Frühling 740 Sonnenstunden brachte und gleich als sonnigster Frühling in die bisherige Wettergeschichte von Zürich einging.

 

Viele Frosttage, erste Sommertage

Charakteristisch für mehrtägige Schönwetterperioden in der ersten März- und Aprilhälfte gab es in diesem Frühling relativ viele Nachtfröste. Spätfröste blieben jedoch aus, da der letzte Frost in diesem Jahr mit dem 8. April im langjährigen Durchschnitt sogar als leicht zu früh eingestuft werden darf. Mit 15 Frosttagen gab es aber trotzdem einige mehr als in einem durchschnittlichen Frühling. Mit dem Heranströmen von sehr warmer Luft aus der Sahara brachten die Tage vom 11. bis 13. Mai in Zürich dann die ersten Sommertage des Jahres mit Höchstwerten über 25 Grad. Lokal wurden auch die erste Hitzetage des Jahres gemessen. Mit den drei erfassten Sommertagen liegt der Frühling 2015 genau auf dem klimatologischen Erwartungswert. In einem warmen Frühling wie in diesem Jahr wären durchaus auch mehr Sommertage zu erwarten, jedoch fehlte dazu eine langanhaltenden Schönwetterperiode im Mai. Sommertage im April oder sogar März sind selten, sodass Schönwetterperioden in diesen Monaten erst frühsommerliche Werte aber keine Sommertage bringen. Zwischen 1961 und 2014 trat der erste Sommertag mit mehr als 25 Grad im Mittel am 15. Mai auf. Demzufolge wurde es im diesjährigen Frühling etwas früher sommerlich als im langjährigen Durchschnitt. Letztmals früher startete der Sommer im Jahr 2012, als der erste Sommertag auf dem Zürichberg am 28. April erfasst wurde. Der frühste Termin des ersten Sommertages stammt vom 6. April 1961. Am längsten musste Zürich im Jahr 1990 auf den Sommer warten. Damals dauerte es bis zum 19. Juni, ehe das Thermometer zum ersten Mal 25 Grad anzeigte.

Am 1. Juni beginnt der meteorologische Sommer. Mit den ersten Sommertagen im Mai kam er dieses Jahr frühzeitig. Er soll aber bekanntlich nicht nur früh kommen sondern auch lange bleiben.

Zu warme Frühlinge bleiben die Norm

Wärmstes Jahr: ohne Sommer und mit eisigem Ende

Auf globaler wie lokaler Ebene war das Jahr 2014 das wärmste seit mindestens 150 Jahren. In Zürich war das Witterungsjahr 2014 zudem sonniger und eine Spur trockener als im langjährigen Durchschnitt. Der Winter 2013/14 wie auch der Frühling 2014 gehörten zu den 10 wärmsten seit Messbeginn 1864. Im Herbst 2014 wurden sogar die zweithöchsten Temperaturen gemessen. Nur der Sommer fällt aus der Reihe. Dieser war kühl, grau und nass.

 

Kein Schnee und viel zu warm

Während Anfang Jahr 2014 auf der Alpensüdseite in den Bergen eine überdurchschnittliche Schneedecke lag, erreichten die Schneehöhen am Alpennordhang an einigen Orten massiv unterdurchschnittliche Werte. Im Flachland der Alpennordseite blieb der Januar 2014 vielerorts sogar ganz schneefrei, wie MeteoSchweiz mitteilte. Derart schneearm blieb ein Januar im Flachland letztmals 2008 und 1996. Die ersten zwei Monatsdrittel waren durch West- und Südwestströmung geprägt. Die Temperaturen lagen weit über der Norm. Im Januar 2014 ergab sich die seltene Situation, dass im Flachland der Alpennordseite flächendeckend kein einziger Eistag aufgezeichnet wurde, wie MeteoSchweiz bekannt gab. Ähnliches war letztmals vor 26 Jahren im Januar 1988 der Fall. So erstaunte es nicht, dass bereits die ersten Haselsträucher zu blühen begannen. Auch der Februar setzte fort, was der Januar begann. Täglich lagen die Temperaturen fast überall in der Schweiz über der Norm 1981-2010. Massive Ausreiser nach oben waren aber nicht dabei, sodass der Februar in Zürich 2,8 Grad zu warm in die Wetterannalen eingeht. Kein anderer Monat brachte in Zürich im 2014 einen grösseren Wärmeüberschuss.

Die ersten vier Monate im 2014 brachten anhaltende Wärme in Zürich. Nach einem zu kühlen Mai, Juli und August ginge es von September bis Dezember wieder rekordverdächtig warm weiter. 2014 war in Zürich das wärmste Jahr seit mindestens 150 Jahren.
Die ersten vier Monate im 2014 brachten anhaltende Wärme in Zürich. Nach einem zu kühlen Mai, Juli und August ginge es von September bis Dezember wieder rekordverdächtig warm weiter. 2014 war in Zürich das wärmste Jahr seit mindestens 150 Jahren.

Früher Frühlingsbeginn 

Aufgrund der Schneearmut und der anhaltend viel zu hohen Temperaturen in den ersten Monaten des Jahres kam nie richtig Winterstimmung auf. Vielmehr setzte sich schon bald wieder der Frühling in Szene. Nach letzten Niederschlägen am 6. März hiess es bis am 21. März fast ununterbrochen „ganze Schweiz sonnig“. Eine ähnlich anhaltende Schönwetterperiode im März trat letztmals in den Jahren 2003 und 1993 auf. In der schon kräftigen Frühlingssonne stiegen die Temperaturen im Tessin erstmals auf sommerliche 25 Grad. In Zürich brachte der März lediglich ein Drittel der üblichen Niederschlagsmengen und war der trockenste Monat des Jahres. Die Sonnenscheindauer erreichte mehr als 160 Prozent der üblichen Werte. Kein anderer Monat brachte verhältnismässig mehr Sonne im Wetterjahr 2014. Anhaltend mild zeigte sich auch die erste Aprilhälfte. Erneut lagen die Tagesmitteltemperaturen 5 bis 7 Grad über der Norm der Jahre 1981-2010. Die hohen Apriltemperaturen wurden von viel Sonnenschein begleitet. Wie bereits im Februar und März gelangte auch im April erneut viel Saharastaub via Luft in die Schweiz. Dies unterstreicht exemplarisch, wo der Ursprung der deutlich zu milden Luftmassen über der Schweiz lag. „Pünktlich“ auf die Osterfeiertage floss kühle Luft aus Norden zur Schweiz und lies die Schneefallgrenze rasch bis in tiefe Lagen absinken. Nach dem österlichen Wintereinbruch kamen die Wärme und die Sonne zurück, bevor es am Sechseläuten-Montag erneut zu ergiebigen Niederschlägen und einer deutlichen Abkühlung kam. Bereits Anfang April konnten blühende Kirschbäume beobachtet werden. Mit einem Vorsprung von bis zu 20 Tage gegenüber dem Mittel begannen im Laufe des Aprils auch die Obstbäume zu blühen.

nied2014
Nach einem trockenen ersten Halbjahr brachte der Hochsommer sehr viel Regen. Das Jahr ging dann auf dem Zürichberg wieder eher zu trocken zu Ende. Insgesamt war 2014 leicht zu trocken.

Wechselhafter Frühsommer

Der Mai begann dann kühl und regnerisch. Ein wechselhafter Wettercharakter blieb uns bis zur Monatsmitte erhalten. Unter dem Strich brachte der Mai durchschnittliche Niederschlagsmengen und genügend Sonnenschein. Die Temperaturen blieben aber erstmals im 2014 unter dem Erwartungswert. Erst gegen Monatsende brachte eine Föhnströmung Wärme und Saharastaub in die Schweiz. Nach einigen wechselhaften Junitagen setzte sich am 7. Juni die Hitzewelle des Pfingstwochenendes ein. Heisse Afrikaluft strömte nach Mitteleuropa und liess die Temperaturen in Zürich am 9. Juni auf 33,7 Grad steigen. Niemand ahnte, dass dies bereits der Höhepunkt des Sommers war. An vielen Messstandorten gab es Rekord-Temperaturen für die erste Junihälfte. Im Wallis wurde es beispielsweise 36,2  Grad heiss. Der restliche Juni blieb zwar mit Temperaturen zwischen 21 und 27 Grad mehrheitlich sommerlich. Jedoch setzten mit abschwächendem Hochdruck zum Teil heftige Gewittertätigkeit ein. Bis am 22. Juni blieb es aber in vielen Gebieten der Nordschweiz ausgesprochen trocken. Das erste Halbjahr wies ein deutliches Niederschlagsdefizit auf. Zum Fussball-WM-Auftakt fielen am 12. Juni innerhalb einer Stunde 37 mm Regen in Zürich. Dies entspricht einem Ereignis, welches nur alle 10 Jahre zu erwarten ist. Der regenreichste Tag des Jahres war mit knapp 45 mm der 29. Juni. Der Juni war insgesamt deutlich zu warm und mit gemittelt 18 Grad der wärmste Monat des Jahres und brachte auch überdurchschnittlich viel Sonnenschein. Jedoch war er auch etwas zu nass.

Alle Monate im 2014 ausser die Hochsommermonate Juli und August brachten genügend oder überdurchschnittlich viel Sonnenschein. 2014 war insgesamt sonnenreicher als normal.
Alle Monate im 2014 ausser die Hochsommermonate Juli und August brachten genügend oder überdurchschnittlich viel Sonnenschein. 2014 war insgesamt sonnenreicher als normal.

Trüb-nasser, kühler Sommer

Statt mit heissem Badewetter startete der Juli im Mittelland mit Nebelfeldern und sehr frischen Morgentemperaturen. Insgesamt blieb der Juli über weite Strecken nass und kalt. Häufige und kräftige Regenfälle liessen die anhaltende Trockenheit in den ersten Monaten des Jahres rasch vergessen. Mit mehr als 190 mm und mehr als 150 Prozent der Norm war der Juli in Zürich der nässeste Monat des Jahres. Westlich der Reuss wurden an zahlreichen Messstandorten neue Rekordregensummen für den Monat Juli gemessen, wie MeteoSchweiz mitteilte. Gleichzeitig führte das häufige Regenwetter dazu, dass in der Region Genfersee, im Wallis, im Berner Oberland und auf der Alpensüdseite sowie im Oberengadin der Juli 2014 der sonnenärmste seit Messbeginn war. Auch im August konnte sich kein Sommerwetter durchsetzen. Es war der zweit- bis viertkälteste August der letzten 30 Jahre. Erneut fielen Starkniederschläge und erneut gab es eine grosse Sonnenarmut. Längere Schönwetterperioden blieben komplett aus. Nach der rekordtiefen Sonnenscheindauer im Juli brachte auch der August im Tessin Rekord-Sonnenarmut. In Zürich gab es in beiden Monaten nur 78 Prozent der üblichen Besonnung.

Sommer im Herbst

Der September war wechselhaft, brachte aber auch noch längere Phasen mit spätsommerlicher Witterung und Sonnenschein. Im Mittel war der September zu warm und zu trocken. Nach dem kalten Sommer zeigten sich im September aber bereits früh deutliche Herbstanzeichen in der Vegetation. Der Oktober brachte gebietsweise Rekordtemperaturen. Über die ganze Schweiz gemittelt war es der viertwärmste Oktober seit Messbeginn vor 150 Jahren. Zwischen Föhnströmungen und Hochdruckwetter gab es zudem viele Sonnenstunden. Diese Vorzeichen änderten sich auch im November nicht. So bewegten sich die Temperaturen im Rekordbereich und mit wiederholten Föhnströmungen gab es im Tessin Jahrhundertniederschläge verbunden mit Hochwasser am Lago Maggiore und am Lago di Lugano. Die vielfach sonnigen Wochenenden und anhaltende Wärme kompensierten den verregneten Sommer und liessen Frühlingsblumen nochmals aufblühen und Walderdbeeren reifen. Auch der Dezember blieb bis Weihnachten extrem mild jedoch aber auch sonnenarm. Ein kräftiger Wintereinbruch am Stephanstag, verbunden mit Rekordschnee und eisiger Kälte beendete auf unkonventionelle Art und Weise das wärmste Jahr in der Messgeschichte. Am Morgen des 29. Dezember sank die Minimum-temperatur im Mittelland in der kalten Luft und mit aufklarendem Himmel bei windstillen Verhältnissen rund zwei Meter über dem frischen Schnee extrem tief ab. In Hallau im Kanton Schaffhausen fiel sie auf minus 21,1 Grad, wie MeteoSchweiz berichtete. Das ist an diesem Messstandort der weitaus tiefste Dezemberwert in der über 50-jährigen Messreihe. Auch auf dem Zürichberg wurde es mit minus 13,8 Grad sehr kalt. Dies war die tiefste Dezembertemperatur seit 2009. Am Morgen des 31. Dezembers wurde in Zürich mit einer Gesamtschneehöhe von 38 cm der höchste Dezemberwert seit mindestens 1949 registriert. Zudem lag mehr Schnee in Zürich als in Arosa.

Im Klimadiagramm 2014 von Zürich ist der trockene Jahresbeginn verbunden mit einem steilen Temperaturanstieg und einem anschliessend kühl-nassen Sommer gut ersichtlich.
Im Klimadiagramm 2014 von Zürich ist der trockene Jahresbeginn verbunden mit einem steilen Temperaturanstieg und einem anschliessend kühl-nassen Sommer gut ersichtlich.

Jahresbilanz

Mit einem Wärmeüberschuss von 1,3 Grad und einer gemittelten Temperatur von 10,6 Grad war das Jahr 2014 in Zürich das wärmste seit Messbeginn 1864. Es distanzierte die bisherigen Rekordhalter 1994 und 2011 um rund 0,15 Grad. Nach dem kalten Sommer hätten wohl nicht viele auf ein neues Rekordjahr gewettet. Tatsächlich war ein fulminanter Schlussspurt mit Rekordtemperaturen von Oktober bis Weihnachten nötig für dieses Resultat. Auch über die ganze Schweiz gemittelt war 2014 etwas wärmer als 2011 und somit das wärmste in der Messreihe. In der Südschweiz hingegen waren die Jahre 2011 und 2007 noch ein Stück wärmer als 2014. Mit etwas mehr als 1000 mm Niederschlag blieb das Jahr in Zürich leicht trockener als in der Referenzperiode 1981-2010. Mit 126 Regentagen gab es acht Tage weniger Niederschlag als in einem durchschnittlichen Jahr. Gleichzeitig war 2014 mit mehr als 1700 Sonnenstunden rund 10 Prozent sonniger als normal und dies trotz des sehr sonnenarmen Sommers. Im Jahr 2014 wurden in Zürich lediglich 44 Frosttage mit Tiefstwerten unter null Grad registriert. Das sind so wenige wie selten. Nur die Jahre 1994, 2000 und 2002 brachten in Zürich noch etwas weniger Frosttage. Mit 2 bis 3 Eistagen, an denen Dauerfrost herrschte, gab es rekordverdächtig wenige in Zürich. Ähnliches war bisher nur aus dem Jahr 1974 bekannt. Diese Werte unterstreichen die Rekordwärme dieses Jahres. Untypisch für ein Warmjahr aber erklärbar mit dem kalten Sommer, gab es in Zürich im 2014 lediglich 27 Sommertage mit mehr als 25 Grad und nur sechs Hitzetage mit mehr als 30 Grad. Letztmals weniger Sommertage gab es 1996. Die sechs Hitzetage liegen zwar im langjährigen Mittel, jedoch gab es alleine im letzten Jahr doppelt so viele. Rekordwärme und Sommerhitze fallen eben nicht immer zusammen.

Wärmstes Jahr: ohne Sommer und mit eisigem Ende