Wohlfühlsommer 2018 ohne Hitzestress und Tropennächte

Hochsommerliche Temperaturen, viel Sonnenschein und Trockenheit. Der diesjährige Sommer gehört in Zürich bisher zu den viertwärmsten seit mehr als 100 Jahren. Die grosse Wärme in der Schweiz ist aber nicht erst seit Sommerbeginn am 1. Juni ein Thema, denn gefühlt hat der Sommer in diesem Jahr bereits im April eingesetzt. Seit April dominieren Schönwetterlagen und die Temperaturen bewegen sich deutlich über den Erwartungen. Das widerspiegelt sich auch in der Statistik. Noch nie seit Messbeginn 1864 war die 3-Monatsperiode April bis Juni in Zürich so warm wie in diesem Jahr. Mit durchschnittlich 15,8 Grad am Zürichberg wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2003 um vier Zehntelgrad überboten. Über die gesamte Periode gesehen lagen die Temperaturen drei bis vier Grad über dem Normwert. Dieser Wärmeüberschuss zeigt sich auch in der Statistik des ersten Halbjahrs 2018. Trotz des sehr kalten Februars resultierte in Zürich das viertwärmste erste Halbjahr seit 1901. Nur die Jahre 2007, 2011 und 2014 brachten bisher in Zürich einen noch grösseren Wärmeüberschuss in den ersten sechs Monaten. Im Rekordjahr 2007 war das erste Halbjahr noch gut ein Grad wärmer als heuer.

 

Überzählig: Sommertage

Der meteorologische Sommer dauert vom 1. Juni bis zum 31. August. Die erste Sommerhalbzeit (1. Juni bis 15. Juli) war in Zürich wie eingangs erwähnt die viertwärmste seit Messbeginn. Am Zürichberg erreichte die Durchschnittstemperatur rund 19 Grad. Wärmer war es lediglich in den beiden Hitzesommern 2003 und 2015 sowie im letztjährigen Sommer 2017. Obwohl der bisherige Sommer sehr warm ist, blieb er in der ersten Halbzeit aber weit hinter dem Rekordwert von 21 Grad aus 2003 zurück. Erstaunlich am bisherigen Sommerverlauf ist die hohe Konstanz. Die Tageshöchsttemperaturen liegen im Durchschnitt bei über 25 Grad und damit ähnlich hoch wie in den ersten Hälften der Rekordsommer 2015 und 2017. Nur der Hitzesommer 2003 weist mit knapp 28 Grad deutlich höhere Tageshöchstwerte vor. In der ersten Sommerhalbzeit stieg das Thermometer am Zürichberg an 25 von 45 Tagen über die Sommermarke von 25 Grad. Mehr Sommertage in der ersten Sommerhälfte gab es lediglich in den Jahren 1976, 2006 und 2003. In all diesen Kategorien spielt der diesjährige Sommer bisher ganz vorne mit. Doch etwas blieb bisher fast komplett aus: die Hitze.

 

Überfällig: Hitzetage

In der ersten Sommerhälfte wurde die Hitzemarke von 30 Grad am Zürichberg nie überschritten. Das gab es letztmals vor 15 Jahren. Damals, im Jahr 2004, gab es dann während des ganzen Sommers am Zürichberg keinen einzigen Hitzetag. Über eine deutlich längere Zeitperiode betrachtet kommt es allerdings alle zwei Jahre vor, dass in der ersten Sommerhälfte noch keine Hitzetage registriert werden. Fehlende Hitzetage sind also keine Seltenheit, aufgrund des grossen Wärmeüberschusses des laufenden Sommers waren die ersten Hitzetage aber eigentlich längst überfällig. Am 24.7.2018 war es dann auch am Zürichberg soweit und der erste Hitzetag mit über 30 Grad wurde Tatsache. Auch in den Folgetagen stieg das Quecksilber jeweils über die 30-Grad-Marke. Das der Sommer 2018 mit bisher nur wenigen Hitzetage zu den wärmsten gehört, liegt daran, dass Kälterückfälle bisher komplett ausblieben. In Zürich fielt das Quecksilber im laufenden Sommer noch nie unter 10 Grad. Im Durchschnitt waren die bisherigen Sommernächte in Zürich mit 13,8 Grad sehr mild. Wie bei den Hitzetagen blieben auch Tropennächte mit nächtlichen Temperaturen über 20 Grad bisher aus. Wärmere Sommernächte in der ersten Sommerhalbzeit gab es bisher nur in den Sommern 2003, 2017 und 2015, wo jeweils Tropennächte zu ertragen waren.

Der Sommer 2018 kann deshalb als Wohlfühlsommer bezeichnet werden. Er brachte bisher konstant sehr warmes Wetter – schwüle Hitzewellen und Tropennächte blieben aber aus. Wie kommt das und woran unterscheidet sich der diesjährige Sommer von den Hitzesommern aus 2003 und 2015?

 

Übergrösse: Azorenhoch

Überdurchschnittliche Sommertemperaturen in Mitteleuropa gehen immer einher mit einer grossräumigen Ausdehnung des Azorenhochs bis in den europäischen Kontinent. So unterbindet das Hochdruckgebiet die Zufuhr kühler Atlantikluft und die Luftmassen über dem Kontinent können sich gut aufheizen. Ausschlaggebend ist die genaue Lage des Azorenhochs, denn sie entscheidet über Wohlfühl- oder Hitzesommer. Im Hitzesommer 2015 dehnte sich das Azorenhoch in östlicher Richtung bis Polen und in nördlicher Richtung über Grossbritannien bis nach Island aus, wobei der Kern des Hochs bis zur Bretagne reichte. Gestützt wurde das Azorenhoch durch eine Blockierung der Höhenströmung über Ostgrönland, was tiefen Luftdruck über dem Nordatlantik und tiefen Luftdruck im hohen Norden über dem Lappland auslöste. So konnte sich eine Art Omegawetterlage einstellen, welche als sehr konstant und langlebig gilt. Deutlich ausgeprägter war dieses Muster im Hitzesommer 2003. Damals war die Blockierung der Höhenströmung im hohen Norden deutlicher ausgeprägt und erstreckte sich von Ostgrönland bis über die Barentssee nördlich von Norwegen. Die Ausdehnung des Azorenhochs wurde so durch zwei standhafte Tiefdruckgebiete südlich von Island und Russland gefestigt und es konnte sich eine bilderbuchartige Omegawetterlage ausgestalten. Im laufenden Sommer hat sich das Azorenhoch vor allem weit in den Norden, aber weniger stark in östliche Richtung ausgedehnt. Das widerspiegelt sich auch in der langanhaltenden Trockenheit in Grossbritannien und Norwegen in diesem Frühling und Sommer. Die Blockierung der Wetterlage liegt dabei direkt über den britischen Inseln, während im Mittelmeerraum eher tiefer Luftdruck herrscht. Eine Omegawetterlage kann so nicht entstehen, wodurch auch die Zufuhr heisser Luft aus dem Süden fehlt. Vielmehr herrscht über dem Alpenraum häufig Bisenströmung. Diese ist trockener aber auch weniger heiss als die feuchtwarmen Luftmassen aus dem Mittelmeerraum. Entsprechend gab es in der ersten Sommerhälfte in Zürich lediglich an zehn Tagen Regen. Weniger Regentage gab es nur im Jahr 1949 mit acht Regentagen. Vom 14. Juni bis zum 2. Juli fiel kein Regen in Zürich. Mit 19 zusammenhängenden Trockentagen war es eine der zehntlängsten Trockenphasen in Zürich seit 1864. Einzig die Sommer 1865 und 1947 brachten mit 42 und 33 zusammenhängenden Trockentagen noch deutlich ausgeprägtere Dürren. Der Sommer 2018 gehört auch insgesamt zu den zehn trockensten seit 1901. Wo Regen fehlt kommt häufig die Sonne zum Zug. Diese zeigte sich in der ersten Sommerhälfte bereits an über 400 Stunden. Seit der Jahrtausendwende brachten nur die Hitzesommer 2003 und 2015 ebenfalls mehr als 400 Sonnenstunden in der ersten Sommerhalbzeit aufs Messband.

Das Azorenhoch hat sich auch im laufenden Sommer bis nach Mitteleuropa ausgebreitet, hat heuer aber eine nordwestlichere Lage eingenommen. So erlebt die Schweiz bisher anstatt Hitzestress und Tropennächte einen Wohlfühlsommer.

Die Lage des Azorenhochs entscheidet über Hitze- oder Wohlfühlsommer. Abgebildet ist jeweils der durchschnittliche Luftdruck über Europa in der ersten Sommerhälfte (1. Juni bis 15. Juli).

> NOAA Earth System Research Laboratory

Wohlfühlsommer 2018 ohne Hitzestress und Tropennächte

Zürich ist eine Wärmeinsel

Der Jahresverlauf der Witterung in Mitteleuropa besteht aus einer Folge typischer Wettersituationen, den „Grosswetterlagen“. Diese ergeben sich aus weiträumigen Luftdruckverteilungen und den daraus resultierenden Strömungsmustern. An der Ostseite eines mächtigen Hochdruckgebietes, das sich vom Nordatlantik zu den Britischen Inseln verlagerte, lag der Alpenraum Anfang September in einer Nordlage. In Nord-Süd-Richtung wurde somit kalte Luft in die Schweiz geführt und beendete den Hitzesommer pünktlich zum meteorologischen Herbstanfang am 1. September. In den drei vorangegangenen Sommermonaten dominierten Südwestlagen. Diese führten subtropische Luft in den Alpenraum und hat den Hitzesommer 2015 erst möglich gemacht. Nord- und Ostlagen (Bise) waren im ganzen Sommer äusserst selten.

Temperaturverlauf 3 Wetterstationen Zürich
In der Stadtmitte am Central ist es vor allem in den Nächten deutlich wärmer als in Erlenbach oder in Witikon am Zürichberg.

Stadtklima

Die Grosswetterlage bringt in Zürich überall die gleiche vorherrschende Witterung. Trotzdem sind Unterschiede ersichtlich, die wie im Falle des Hitzesommers 2015 nicht unbedeutend sind. Vor allem die Temperaturen in Städten unterscheidet sich stark gegenüber dem Umland. Die dichte Bebauung und fehlende Vegetation sowie die Emission von Luftschadstoffen und Abwärme können in Städten zu einer höheren Lufttemperatur und Schadstoffkonzentration führen. Das „Stadtklima“ kann gesundheitliche Schäden (erhöhte Sterblichkeit und Krankheiten) und Veränderungen (auch positive) der Flora und Fauna verursachen.

Die Stadt als Wärmeinsel. In der Stadt ist die Temperatur vor allem am Abend und in der Nacht deutlich höher als im Umland.
Die Stadt als Wärmeinsel. In der Stadt ist die Temperatur vor allem am Abend und in der Nacht deutlich höher als im Umland.

Städtische Wärmeinseln

Die Wärmeinsel, in der englischen Fachsprache „Urban Heat Island“, ist ein typisches Merkmal des Stadtklimas. Der verbaute Stein heizt sich schneller auf. Er ist aber auch ein besserer Wärmespeicher, und gibt seine Wärme nachts langsamer ab. Die nächtliche Abstrahlung der Wärme wird auch durch die Einengung des Horizonts in „Strassenschluchten“ teilweise unterbunden. Ein weiterer Faktor, der zur Erwärmung der Innenstädte führt, ist die grossräumige Flächenversiegelung. Niederschlagswasser läuft daher schnell ab und steht nicht für die Verdunstung zur Verfügung. Da die Verdunstung Wärme verbraucht, führt auch dieser Effekt zu einer geringeren Abkühlung der Städte.

Der Hitzesommer 2015 brachte im Stadtzentrum aufgrund von Wärmeinsel-Effekten deutlich mehr sehr heisse Tage und Tropennächte als beispielsweise am rechten Zürichseeufer oder am Zürichberg.
Der Hitzesommer 2015 brachte im Stadtzentrum aufgrund von Wärmeinsel-Effekten deutlich mehr sehr heisse Tage und Tropennächte als beispielsweise am rechten Zürichseeufer oder am Zürichberg.

Extreme Hitze in der Innenstadt

Der Wärmeinsel-Effekt war im diesjährigen Hitzesommer 2015 in Zürich deutlich zu spüren, wie der Vergleich von drei Wetterstationsdaten in und um Zürich zeigt. Die durchschnittliche Temperatur im Hitzesommer 2015 (1. Juni-31. August) lag in Witikon auf dem Zürichberg auf 608 Meter über Meer bei 20 Grad. In Erlenbach am rechten Zürichseeufer war es im Mittel mit 20,9 Grad schon spürbar wärmer. Dies vor allem, weil Erlenbach mit 517 m ü. M. tiefer liegt. Zusätzlich sorgt die Lage am Südhang für höhere Nachmittagstemperaturen und die Nähe zum Zürichsee sorgt für mildere Nächte. Noch wärmer war es aber in der Innenstadt am Central. Mit durchschnittlich 22,3 Grad war der Sommer 2015 im Stadtzentrum somit mehr als zwei Grad wärmer als in Witikon und mehr als ein Grad wärmer als in Erlenbach. Die tiefere Lage des Stadtzentrums (417 m ü. M.) kann nicht der alleinige Grund sein. Die Temperatur nimmt mit der Höhe in einem ungestörten Umfeld lediglich um ein halbes bis höchstens ein Grad pro 100 Meter ab. Die deutlich höhere Temperatur am Central ist folglich auf den städtischen Wärmeinsel-Effekt zurückzuführen. Im Hitzesommer 2015 war diese Wärmeinsel ausgesprochen heiss: An 37 Tagen stieg die Höchsttemperatur über 30 Grad, Meteorologen sprechen dann von einem Hitzetag. Auch in Erlenbach gab es mit 36 Hitzetagen von Juni bis August extrem viele Hitzetage. Am Stadtrand im Grünen und in leicht erhöhter Lage gab es in Witikon hingegen mit 28 deutlich weniger Hitzetage, wenn auch so viele wie nie zuvor. Der Sommer 2015 war so heiss, dass es am Central und in Erlenbach sogar 9 Tage mit Höchsttemperaturen über 35 Grad gab. In Witikon gab es „nur“ einen davon. Kleiner waren die Unterschiede bei der Anzahl Sommertage mit Höchsttemperaturen über 25 Grad. Auf dem Zürichberg in Witikon gab es 54, in Erlenbach 62 und im Stadtzentrum am Central 60. Hier zeigt sich, dass die Anzahl Sommertage stärker von der Grosswetterlage und weniger von der Lage in der Stadt abhängt. Dies scheint logisch. An einem regnerischen Tag wird es auch im Stadtzentrum nicht sommerlich warm, da durch die fehlende Sonneneinstrahlung der Wärmeinsel-Effekt ausbleibt. Den grössten Effekt haben städtische Wärmeinseln aber auf die Abend- und Nachttemperatur, wenn die versiegelten Flächen und Gebäude als Wärmespeicher fungieren. Dies zeigt sich eindrücklich an der Anzahl Tropennächte, in denen die Temperatur die ganze Nacht nie unter 20 Grad fällt. Während es in Witikon auf dem Zürichberg nur zwei und in Erlenbach acht dieser heissen Nächte gab, waren es im Stadtzentrum sage und schreibe 25 Tropennächte. Sehr heisse Tage und tropische Nächte stellen eine hohe Belastung für die Stadtbevölkerung dar. Die Häufigkeit und Intensität dürfte im Zuge der globalen Erwärmung auch hierzulande zunehmen. Abhilfe schaffen vor allem begrünte Dächer und Fassaden sowie mehr Grünflächen und Bäume in der Stadt.

Zürich ist eine Wärmeinsel

Zürcher Hitzesommer 2015: So heiss wie im Tessin des 20. Jh.

Der Schweizer Sommer 2015 war einer der extremsten der letzten rund 500 Jahre. Hitze, Trockenheit und viel Sonnenschein prägten die drei meteorologischen Sommermonate Juni, Juli und August. Makellos war er aber nicht, so gab es in jedem Monat auch einen „Kälteeinbruch“.

Temperaturverlauf des Zürcher Hitzesommers 2015 (rot) im Vergleich zur Norm 1981-2010. Angezeigt sind jeweils Höchst- und Tiefstwerte eines Tages. Die vier Hitzewellen und drei „Kälterückfälle“ sind gut erkennbar.
Temperaturverlauf des Zürcher Hitzesommers 2015 (rot) im Vergleich zur Norm 1981-2010. Angezeigt sind jeweils Höchst- und Tiefstwerte eines Tages. Die vier Hitzewellen und drei „Kälterückfälle“ sind gut erkennbar.

Die Schweiz erlebte ihren zweiten Hitzesommer im 21. Jahrhundert. Nur zwölf Jahre nach dem Jahrhundertsommer 2003 war es wieder soweit. Die Sommerhitze 2015 belegt in allen Regionen der Schweiz Rang Zwei seit dem Messbeginn 1864. Die Wärmeüberschüsse liegen überall zwischen drei und vier Grad über der Norm 1961-1990, wie MeteoSchweiz mitteilt. Damit tritt der Sommer 2015 mitten in die riesige Lücke zwischen dem Jahrhundertsommer 2003 (+4,7 °C) und den bis anhin zweitwärmsten Sommern der Jahre 1947 und 1994 (+2,4 °C). Der Schweizer Sommer 2015 distanziert somit alle bisherigen Rekordsommer um mehr als ein Grad, mit Ausnahme des legendären Hitzesommers 2003. Dieser lag nochmals rund ein Grad über dem Sommer 2015 und thront nach wie vor über allen anderen.

Hitzesommer 2015

In Zürich erreichte der heisse Sommer 2015 eine durchschnittliche Temperatur von rund 20 Grad. Damit war er so warm wie ein typischer Tessiner Sommer im 20. Jahrhundert. Die durchschnittlichen Höchsttemperaturen, die typischerweise am späteren Nachmittag gemessen werden, stiegen auf 26 Grad. Auch in dieser Sparte brachte nur der Hitzesommer 2003 höhere mittlere Höchsttemperaturen. Damals lagen die Werte aber mit 28 Grad noch ein ganzes Stück höher als in diesem Sommer. Kleiner sind die Unterschiede bei den mittleren Tiefstwerten, welche normalerweise am frühen Morgen kurz nach Sonnenaufgang gemessen werden. Diese erreichen heuer durchschnittlich 15 Grad, so mild wie nie abgesehen von 2003 mit durchschnittlich 16 Grad. In der Kategorie „Tropennächte“, also Sommernächte, in denen die Temperatur nie unter 20 Grad fällt, setzt der diesjährige Sommer neue Massstäbe. In Zürich wurden bis zum Sommerende 7 Tropennächte registriert, so viele wie nie seit Messbeginn. Die bisherigen Rekordwerte lagen bei maximal 2 Tropennächte pro Sommer.

Der Sommer 2015 ist in vielen Kategorien auf Augenhöhe mit dem Hitzesommer 2003. Heuer gab es aber deutlich weniger Sommertage dafür so viele Tropennächte wie nie zuvor.
Der Sommer 2015 ist in vielen Kategorien auf Augenhöhe mit dem Hitzesommer 2003. Heuer gab es aber deutlich weniger Sommertage dafür so viele Tropennächte wie nie zuvor.

Drei Wochen trüb und kühl

Der Sommer 2015 war heiss, aber nicht makellos. Dies unterscheidet ihn auch deutlich vom Hitzesommer 2003, welcher deutlich konstanter über die Bühne ging. Heuer machte der Sommer in jedem Monat eine Woche Pause: vom 18.-24. Juni, vom 26. Juli-1. August und vom 15.-20. August. Alle anderen Perioden waren geprägt von sehr heissen Phasen mit insgesamt vier Hitzewellen, die längste und extremste dauerte einen Monat: von Ende Juni bis Ende Juli. Dieses Auf und Ab im Sommer 2015 schlägt sich auch in den Zahlen nieder.

Bei den Anzahl Tagen mit einer Höchsttemperatur von mehr als 25 Grad, sogenannten Sommertagen, gab es noch Luft nach oben. Mit 53 Sommertagen von Juni bis August gab es mindestens drei Sommer seit 1901, die noch mehr Sommertage brachten. Ähnlich viele gab es in den Jahren 1911 und 1928 mit insgesamt 55 Sommertagen. In einer anderen Liga spielt hier der Hitzesommer 2003, welcher 74 Sommertage brachte, also nochmals 21 Tage mehr – oder genau diese drei Wochen, als der Sommer in diesem Jahr pausierte. Bei den Hitzetagen mit einer Höchsttemperatur von über 30 Grad gab es allerdings kaum einen Unterschied zu den bisherigen Rekordsommern. Mit mehr als 25 Hitzetagen auf dem Zürichberg gab es gleich viele 1947 und 2003. Im langjährigen Mittel 1981-2010 sind in Zürich lediglich 5 Hitzetage pro Jahr zu erwarten. Von Juni bis August gab es auch 18 trübe Tage mit weniger als 3 Sonnenstunden am Tag. Diese Schwachstellen hatte der Sommer 2003 nicht. Damals gab es lediglich 8 trübe Tage.

Arider Sommer

Der Sommer 2015 brachte nicht nur viele Hitzetage sondern auch grosse Trockenheit. Nachdem der Juni zumindest an den Voralpen und im östlichen Mittelland normale Niederschlagssummen brachte, versiegten die Himmelsschleusen in den Hochsommermonaten Juli und August fast gänzlich. Über den ganzen Sommer betrachtet fielen in Zürich mit rund 200 mm lediglich etwas mehr als die Hälfte der üblichen Niederschlagssummen. Es war einer der trockensten Sommer in der Messgeschichte von Zürich und so trocken wie seit 32 Jahren nicht mehr. Zur Trockenheit kam sehr viel Sonnenschein hinzu. Die Sonne schien im Sommer 2015 in Zürich mehr als 770 Stunden. In den letzten 50 Jahren war nur der Sommer 2003 sonniger. In den 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts gab es in Zürich jedoch einige Sommer, die mehr als 800 Sonnenstunden brachten. Weiterhin unerreicht bleibt der Rekordhalter in Sachen Sommersonnenschein aus dem Jahr 1911 mit rund 900 Sonnenstunden.

Viel Sonnenschein, hohe Temperaturen und Trockenheit sind Charakteristika von mediterranen Sommern, in denen mehr Wasser verdunstet als durch Niederschläge fällt. Das Wasserdefizit wird stetig grösser. Meteorologen sprechen dann von ariden Sommermonaten.

Abweichung der Sommertemperatur in der Schweiz vom langjährigen Durchschnitt . Überdurchschnittliche Sommertemperaturen sind rot unterdurchschnittliche blau angegeben. Die schwarze Kurve zeigt den Temperaturverlauf gemittelt über 20 Jahre. Die beiden Hitzesommer 2003 und 2015 heben sich deutlich ab. Quelle: MeteoSchweiz
Abweichung der Sommertemperatur in der Schweiz vom langjährigen Durchschnitt . Überdurchschnittliche Sommertemperaturen sind rot unterdurchschnittliche blau angegeben. Die schwarze Kurve zeigt den Temperaturverlauf gemittelt über 20 Jahre. Die beiden Hitzesommer 2003 und 2015 heben sich deutlich ab. Quelle: MeteoSchweiz

500 Jahre Klimavariation  

Der Schweizer Sommer 2015 war extrem und verlässt zusammen mit dem Hitzesommer 2003 die seit über 500 Jahren bekannte sommerliche Temperaturvariation deutlich. Dies verdeutlicht ein Blick in die europäische Klimabibel „Wetternachhersage – 500 Jahre Klimavariationen und Naturkatastrophen“ von Christian Pfister. Zusätzlich zu langjährigen Wetterbeobachtungen wertete er unzählige Daten und Beschreibungen aus natürlichen (Baumringe, Pollen) und gesellschaftlichen Archiven (historische Dokumente) aus und erlaubt somit den Blick zurück bis ins Jahr 1496. So zeigt sich, dass der Sommer 2015 nicht nur der zweitwärmste seit Beginn instrumenteller Messungen im Jahre 1864 war, sondern möglicherweise sogar der zweitwärmste seit 1496. Die längste Dürrephase brachte der heurige Sommer aber nicht, so zitiert Pfister in seinem Buch eine Überlieferung aus dem Hitzesommer 1623, als es vom 9. Juni bis 11. August, also während 61 Tagen im Thurgau keinen Tropfen regnete. Hitze und Trockenheit führten dazu, dass das Obst noch an den Bäumen verdarb.

Charakteristisch für alle Hitzesommer ist die Grosswetterlage, welche durch ein starkes Azorenhoch geprägt ist, welches sich bis nach Osteuropa ausdehnt. Nördlich davon sitzt das Islandtief. So wird aus Südwesten sehr warme Luft herangeführt, welche sich unter Hochdruck abtrocknet und über dem Kontinent aufheizt. Ostwetterlagen fehlen während Hitzesommern praktisch gänzlich. Dies war auch in diesem Jahr nicht anders.

Zürcher Hitzesommer 2015: So heiss wie im Tessin des 20. Jh.