Wohlfühlsommer 2018 ohne Hitzestress und Tropennächte

Hochsommerliche Temperaturen, viel Sonnenschein und Trockenheit. Der diesjährige Sommer gehört in Zürich bisher zu den viertwärmsten seit mehr als 100 Jahren. Die grosse Wärme in der Schweiz ist aber nicht erst seit Sommerbeginn am 1. Juni ein Thema, denn gefühlt hat der Sommer in diesem Jahr bereits im April eingesetzt. Seit April dominieren Schönwetterlagen und die Temperaturen bewegen sich deutlich über den Erwartungen. Das widerspiegelt sich auch in der Statistik. Noch nie seit Messbeginn 1864 war die 3-Monatsperiode April bis Juni in Zürich so warm wie in diesem Jahr. Mit durchschnittlich 15,8 Grad am Zürichberg wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2003 um vier Zehntelgrad überboten. Über die gesamte Periode gesehen lagen die Temperaturen drei bis vier Grad über dem Normwert. Dieser Wärmeüberschuss zeigt sich auch in der Statistik des ersten Halbjahrs 2018. Trotz des sehr kalten Februars resultierte in Zürich das viertwärmste erste Halbjahr seit 1901. Nur die Jahre 2007, 2011 und 2014 brachten bisher in Zürich einen noch grösseren Wärmeüberschuss in den ersten sechs Monaten. Im Rekordjahr 2007 war das erste Halbjahr noch gut ein Grad wärmer als heuer.

 

Überzählig: Sommertage

Der meteorologische Sommer dauert vom 1. Juni bis zum 31. August. Die erste Sommerhalbzeit (1. Juni bis 15. Juli) war in Zürich wie eingangs erwähnt die viertwärmste seit Messbeginn. Am Zürichberg erreichte die Durchschnittstemperatur rund 19 Grad. Wärmer war es lediglich in den beiden Hitzesommern 2003 und 2015 sowie im letztjährigen Sommer 2017. Obwohl der bisherige Sommer sehr warm ist, blieb er in der ersten Halbzeit aber weit hinter dem Rekordwert von 21 Grad aus 2003 zurück. Erstaunlich am bisherigen Sommerverlauf ist die hohe Konstanz. Die Tageshöchsttemperaturen liegen im Durchschnitt bei über 25 Grad und damit ähnlich hoch wie in den ersten Hälften der Rekordsommer 2015 und 2017. Nur der Hitzesommer 2003 weist mit knapp 28 Grad deutlich höhere Tageshöchstwerte vor. In der ersten Sommerhalbzeit stieg das Thermometer am Zürichberg an 25 von 45 Tagen über die Sommermarke von 25 Grad. Mehr Sommertage in der ersten Sommerhälfte gab es lediglich in den Jahren 1976, 2006 und 2003. In all diesen Kategorien spielt der diesjährige Sommer bisher ganz vorne mit. Doch etwas blieb bisher fast komplett aus: die Hitze.

 

Überfällig: Hitzetage

In der ersten Sommerhälfte wurde die Hitzemarke von 30 Grad am Zürichberg nie überschritten. Das gab es letztmals vor 15 Jahren. Damals, im Jahr 2004, gab es dann während des ganzen Sommers am Zürichberg keinen einzigen Hitzetag. Über eine deutlich längere Zeitperiode betrachtet kommt es allerdings alle zwei Jahre vor, dass in der ersten Sommerhälfte noch keine Hitzetage registriert werden. Fehlende Hitzetage sind also keine Seltenheit, aufgrund des grossen Wärmeüberschusses des laufenden Sommers waren die ersten Hitzetage aber eigentlich längst überfällig. Am 24.7.2018 war es dann auch am Zürichberg soweit und der erste Hitzetag mit über 30 Grad wurde Tatsache. Auch in den Folgetagen stieg das Quecksilber jeweils über die 30-Grad-Marke. Das der Sommer 2018 mit bisher nur wenigen Hitzetage zu den wärmsten gehört, liegt daran, dass Kälterückfälle bisher komplett ausblieben. In Zürich fielt das Quecksilber im laufenden Sommer noch nie unter 10 Grad. Im Durchschnitt waren die bisherigen Sommernächte in Zürich mit 13,8 Grad sehr mild. Wie bei den Hitzetagen blieben auch Tropennächte mit nächtlichen Temperaturen über 20 Grad bisher aus. Wärmere Sommernächte in der ersten Sommerhalbzeit gab es bisher nur in den Sommern 2003, 2017 und 2015, wo jeweils Tropennächte zu ertragen waren.

Der Sommer 2018 kann deshalb als Wohlfühlsommer bezeichnet werden. Er brachte bisher konstant sehr warmes Wetter – schwüle Hitzewellen und Tropennächte blieben aber aus. Wie kommt das und woran unterscheidet sich der diesjährige Sommer von den Hitzesommern aus 2003 und 2015?

 

Übergrösse: Azorenhoch

Überdurchschnittliche Sommertemperaturen in Mitteleuropa gehen immer einher mit einer grossräumigen Ausdehnung des Azorenhochs bis in den europäischen Kontinent. So unterbindet das Hochdruckgebiet die Zufuhr kühler Atlantikluft und die Luftmassen über dem Kontinent können sich gut aufheizen. Ausschlaggebend ist die genaue Lage des Azorenhochs, denn sie entscheidet über Wohlfühl- oder Hitzesommer. Im Hitzesommer 2015 dehnte sich das Azorenhoch in östlicher Richtung bis Polen und in nördlicher Richtung über Grossbritannien bis nach Island aus, wobei der Kern des Hochs bis zur Bretagne reichte. Gestützt wurde das Azorenhoch durch eine Blockierung der Höhenströmung über Ostgrönland, was tiefen Luftdruck über dem Nordatlantik und tiefen Luftdruck im hohen Norden über dem Lappland auslöste. So konnte sich eine Art Omegawetterlage einstellen, welche als sehr konstant und langlebig gilt. Deutlich ausgeprägter war dieses Muster im Hitzesommer 2003. Damals war die Blockierung der Höhenströmung im hohen Norden deutlicher ausgeprägt und erstreckte sich von Ostgrönland bis über die Barentssee nördlich von Norwegen. Die Ausdehnung des Azorenhochs wurde so durch zwei standhafte Tiefdruckgebiete südlich von Island und Russland gefestigt und es konnte sich eine bilderbuchartige Omegawetterlage ausgestalten. Im laufenden Sommer hat sich das Azorenhoch vor allem weit in den Norden, aber weniger stark in östliche Richtung ausgedehnt. Das widerspiegelt sich auch in der langanhaltenden Trockenheit in Grossbritannien und Norwegen in diesem Frühling und Sommer. Die Blockierung der Wetterlage liegt dabei direkt über den britischen Inseln, während im Mittelmeerraum eher tiefer Luftdruck herrscht. Eine Omegawetterlage kann so nicht entstehen, wodurch auch die Zufuhr heisser Luft aus dem Süden fehlt. Vielmehr herrscht über dem Alpenraum häufig Bisenströmung. Diese ist trockener aber auch weniger heiss als die feuchtwarmen Luftmassen aus dem Mittelmeerraum. Entsprechend gab es in der ersten Sommerhälfte in Zürich lediglich an zehn Tagen Regen. Weniger Regentage gab es nur im Jahr 1949 mit acht Regentagen. Vom 14. Juni bis zum 2. Juli fiel kein Regen in Zürich. Mit 19 zusammenhängenden Trockentagen war es eine der zehntlängsten Trockenphasen in Zürich seit 1864. Einzig die Sommer 1865 und 1947 brachten mit 42 und 33 zusammenhängenden Trockentagen noch deutlich ausgeprägtere Dürren. Der Sommer 2018 gehört auch insgesamt zu den zehn trockensten seit 1901. Wo Regen fehlt kommt häufig die Sonne zum Zug. Diese zeigte sich in der ersten Sommerhälfte bereits an über 400 Stunden. Seit der Jahrtausendwende brachten nur die Hitzesommer 2003 und 2015 ebenfalls mehr als 400 Sonnenstunden in der ersten Sommerhalbzeit aufs Messband.

Das Azorenhoch hat sich auch im laufenden Sommer bis nach Mitteleuropa ausgebreitet, hat heuer aber eine nordwestlichere Lage eingenommen. So erlebt die Schweiz bisher anstatt Hitzestress und Tropennächte einen Wohlfühlsommer.

Die Lage des Azorenhochs entscheidet über Hitze- oder Wohlfühlsommer. Abgebildet ist jeweils der durchschnittliche Luftdruck über Europa in der ersten Sommerhälfte (1. Juni bis 15. Juli).

> NOAA Earth System Research Laboratory

Wohlfühlsommer 2018 ohne Hitzestress und Tropennächte

Zürcher Hitzesommer 2015: So heiss wie im Tessin des 20. Jh.

Der Schweizer Sommer 2015 war einer der extremsten der letzten rund 500 Jahre. Hitze, Trockenheit und viel Sonnenschein prägten die drei meteorologischen Sommermonate Juni, Juli und August. Makellos war er aber nicht, so gab es in jedem Monat auch einen „Kälteeinbruch“.

Temperaturverlauf des Zürcher Hitzesommers 2015 (rot) im Vergleich zur Norm 1981-2010. Angezeigt sind jeweils Höchst- und Tiefstwerte eines Tages. Die vier Hitzewellen und drei „Kälterückfälle“ sind gut erkennbar.
Temperaturverlauf des Zürcher Hitzesommers 2015 (rot) im Vergleich zur Norm 1981-2010. Angezeigt sind jeweils Höchst- und Tiefstwerte eines Tages. Die vier Hitzewellen und drei „Kälterückfälle“ sind gut erkennbar.

Die Schweiz erlebte ihren zweiten Hitzesommer im 21. Jahrhundert. Nur zwölf Jahre nach dem Jahrhundertsommer 2003 war es wieder soweit. Die Sommerhitze 2015 belegt in allen Regionen der Schweiz Rang Zwei seit dem Messbeginn 1864. Die Wärmeüberschüsse liegen überall zwischen drei und vier Grad über der Norm 1961-1990, wie MeteoSchweiz mitteilt. Damit tritt der Sommer 2015 mitten in die riesige Lücke zwischen dem Jahrhundertsommer 2003 (+4,7 °C) und den bis anhin zweitwärmsten Sommern der Jahre 1947 und 1994 (+2,4 °C). Der Schweizer Sommer 2015 distanziert somit alle bisherigen Rekordsommer um mehr als ein Grad, mit Ausnahme des legendären Hitzesommers 2003. Dieser lag nochmals rund ein Grad über dem Sommer 2015 und thront nach wie vor über allen anderen.

Hitzesommer 2015

In Zürich erreichte der heisse Sommer 2015 eine durchschnittliche Temperatur von rund 20 Grad. Damit war er so warm wie ein typischer Tessiner Sommer im 20. Jahrhundert. Die durchschnittlichen Höchsttemperaturen, die typischerweise am späteren Nachmittag gemessen werden, stiegen auf 26 Grad. Auch in dieser Sparte brachte nur der Hitzesommer 2003 höhere mittlere Höchsttemperaturen. Damals lagen die Werte aber mit 28 Grad noch ein ganzes Stück höher als in diesem Sommer. Kleiner sind die Unterschiede bei den mittleren Tiefstwerten, welche normalerweise am frühen Morgen kurz nach Sonnenaufgang gemessen werden. Diese erreichen heuer durchschnittlich 15 Grad, so mild wie nie abgesehen von 2003 mit durchschnittlich 16 Grad. In der Kategorie „Tropennächte“, also Sommernächte, in denen die Temperatur nie unter 20 Grad fällt, setzt der diesjährige Sommer neue Massstäbe. In Zürich wurden bis zum Sommerende 7 Tropennächte registriert, so viele wie nie seit Messbeginn. Die bisherigen Rekordwerte lagen bei maximal 2 Tropennächte pro Sommer.

Der Sommer 2015 ist in vielen Kategorien auf Augenhöhe mit dem Hitzesommer 2003. Heuer gab es aber deutlich weniger Sommertage dafür so viele Tropennächte wie nie zuvor.
Der Sommer 2015 ist in vielen Kategorien auf Augenhöhe mit dem Hitzesommer 2003. Heuer gab es aber deutlich weniger Sommertage dafür so viele Tropennächte wie nie zuvor.

Drei Wochen trüb und kühl

Der Sommer 2015 war heiss, aber nicht makellos. Dies unterscheidet ihn auch deutlich vom Hitzesommer 2003, welcher deutlich konstanter über die Bühne ging. Heuer machte der Sommer in jedem Monat eine Woche Pause: vom 18.-24. Juni, vom 26. Juli-1. August und vom 15.-20. August. Alle anderen Perioden waren geprägt von sehr heissen Phasen mit insgesamt vier Hitzewellen, die längste und extremste dauerte einen Monat: von Ende Juni bis Ende Juli. Dieses Auf und Ab im Sommer 2015 schlägt sich auch in den Zahlen nieder.

Bei den Anzahl Tagen mit einer Höchsttemperatur von mehr als 25 Grad, sogenannten Sommertagen, gab es noch Luft nach oben. Mit 53 Sommertagen von Juni bis August gab es mindestens drei Sommer seit 1901, die noch mehr Sommertage brachten. Ähnlich viele gab es in den Jahren 1911 und 1928 mit insgesamt 55 Sommertagen. In einer anderen Liga spielt hier der Hitzesommer 2003, welcher 74 Sommertage brachte, also nochmals 21 Tage mehr – oder genau diese drei Wochen, als der Sommer in diesem Jahr pausierte. Bei den Hitzetagen mit einer Höchsttemperatur von über 30 Grad gab es allerdings kaum einen Unterschied zu den bisherigen Rekordsommern. Mit mehr als 25 Hitzetagen auf dem Zürichberg gab es gleich viele 1947 und 2003. Im langjährigen Mittel 1981-2010 sind in Zürich lediglich 5 Hitzetage pro Jahr zu erwarten. Von Juni bis August gab es auch 18 trübe Tage mit weniger als 3 Sonnenstunden am Tag. Diese Schwachstellen hatte der Sommer 2003 nicht. Damals gab es lediglich 8 trübe Tage.

Arider Sommer

Der Sommer 2015 brachte nicht nur viele Hitzetage sondern auch grosse Trockenheit. Nachdem der Juni zumindest an den Voralpen und im östlichen Mittelland normale Niederschlagssummen brachte, versiegten die Himmelsschleusen in den Hochsommermonaten Juli und August fast gänzlich. Über den ganzen Sommer betrachtet fielen in Zürich mit rund 200 mm lediglich etwas mehr als die Hälfte der üblichen Niederschlagssummen. Es war einer der trockensten Sommer in der Messgeschichte von Zürich und so trocken wie seit 32 Jahren nicht mehr. Zur Trockenheit kam sehr viel Sonnenschein hinzu. Die Sonne schien im Sommer 2015 in Zürich mehr als 770 Stunden. In den letzten 50 Jahren war nur der Sommer 2003 sonniger. In den 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts gab es in Zürich jedoch einige Sommer, die mehr als 800 Sonnenstunden brachten. Weiterhin unerreicht bleibt der Rekordhalter in Sachen Sommersonnenschein aus dem Jahr 1911 mit rund 900 Sonnenstunden.

Viel Sonnenschein, hohe Temperaturen und Trockenheit sind Charakteristika von mediterranen Sommern, in denen mehr Wasser verdunstet als durch Niederschläge fällt. Das Wasserdefizit wird stetig grösser. Meteorologen sprechen dann von ariden Sommermonaten.

Abweichung der Sommertemperatur in der Schweiz vom langjährigen Durchschnitt . Überdurchschnittliche Sommertemperaturen sind rot unterdurchschnittliche blau angegeben. Die schwarze Kurve zeigt den Temperaturverlauf gemittelt über 20 Jahre. Die beiden Hitzesommer 2003 und 2015 heben sich deutlich ab. Quelle: MeteoSchweiz
Abweichung der Sommertemperatur in der Schweiz vom langjährigen Durchschnitt . Überdurchschnittliche Sommertemperaturen sind rot unterdurchschnittliche blau angegeben. Die schwarze Kurve zeigt den Temperaturverlauf gemittelt über 20 Jahre. Die beiden Hitzesommer 2003 und 2015 heben sich deutlich ab. Quelle: MeteoSchweiz

500 Jahre Klimavariation  

Der Schweizer Sommer 2015 war extrem und verlässt zusammen mit dem Hitzesommer 2003 die seit über 500 Jahren bekannte sommerliche Temperaturvariation deutlich. Dies verdeutlicht ein Blick in die europäische Klimabibel „Wetternachhersage – 500 Jahre Klimavariationen und Naturkatastrophen“ von Christian Pfister. Zusätzlich zu langjährigen Wetterbeobachtungen wertete er unzählige Daten und Beschreibungen aus natürlichen (Baumringe, Pollen) und gesellschaftlichen Archiven (historische Dokumente) aus und erlaubt somit den Blick zurück bis ins Jahr 1496. So zeigt sich, dass der Sommer 2015 nicht nur der zweitwärmste seit Beginn instrumenteller Messungen im Jahre 1864 war, sondern möglicherweise sogar der zweitwärmste seit 1496. Die längste Dürrephase brachte der heurige Sommer aber nicht, so zitiert Pfister in seinem Buch eine Überlieferung aus dem Hitzesommer 1623, als es vom 9. Juni bis 11. August, also während 61 Tagen im Thurgau keinen Tropfen regnete. Hitze und Trockenheit führten dazu, dass das Obst noch an den Bäumen verdarb.

Charakteristisch für alle Hitzesommer ist die Grosswetterlage, welche durch ein starkes Azorenhoch geprägt ist, welches sich bis nach Osteuropa ausdehnt. Nördlich davon sitzt das Islandtief. So wird aus Südwesten sehr warme Luft herangeführt, welche sich unter Hochdruck abtrocknet und über dem Kontinent aufheizt. Ostwetterlagen fehlen während Hitzesommern praktisch gänzlich. Dies war auch in diesem Jahr nicht anders.

Zürcher Hitzesommer 2015: So heiss wie im Tessin des 20. Jh.

Hitze, Sonne, Trockenheit

Die Hitze hält weite Teile Europas weiter fest im Griff. Der Juli könnte alle Rekorde brechen. Ein Hitzesommer 2015 wird immer wahrscheinlicher.

Hitzewellen rollen von der Iberischen Halbinsel nach Frankreich und zum Alpenraum. Nach einer sehr heissen ersten Julihälfte waren bereits die nächsten Hitzeschübe absehbar. Die Weltmeteorologie-Organisation (WMO) verlängerte das Ende Juni einberufene Klimaüberwachungsbulletin bezüglich andauernder Hitze- und Trockenperiode über weiten Teilen Europas um weitere zwei Wochen (vorerst bis Ende Juli).

Rekordhitze Anfang Juli

In der ersten Juliwoche erlebte die Schweiz eine der extremsten Hitzewochen seit Messbeginn vor über 150 Jahren, wie MeteoSchweiz berichtet. Auf dem Zürichberg erreichte die durchschnittliche Tageshöchst-Temperatur mit 33,3 Grad den dritthöchsten Wert seit Messbeginn. Ein gutes Stück heisser war es nur Anfang August im Hitzesommer 2003 mit 34,9 Grad und in der letzten Juliwoche 1947 mit 33,6 Grad. Am heissesten war die Hitzewoche in Genf, wo das 7-Tagesmittel der Höchsttemperaturen 36,3 Grad erreichte. Sie war praktisch gleich heiss wie die Rekord-Hitzewoche im August 2003. Zum Abschluss der Hitzewoche Anfang Juli registrierte die MeteoSchweiz-Messstation in Genf am 7. Juli 2015 mit 39,7 Grad die höchste je auf der Alpennordseite und die höchste je in einem Juli gemessene Temperatur. In den östlichen Landesteilen waren weniger die Tageshöchstwerte als vielmehr die nächtlichen Tiefstwerte rekordverdächtig. In Zürich erreichte das 7-Tagesmittel der Tiefsttemperaturen mit 19,4 Grad den zweithöchsten Wert seit 1901. Die Nächte waren über die ganze Hitzewoche betrachtet somit in etwa gleich warm wie im August des Hitzesommers 2003, als diese 19,6 Grad vorwiesen. Sinkt die Temperatur während der ganzen Nacht nie unter 20 Grad, so sprechen Meteorologen von einer Tropennacht. Diese sind auf dem Zürichberg sehr selten. Bis zum Jahr 2014 gab es in der Witterungshistorie seit 1901 von Zürich erst 17 Tropennächte. In keinem einzigen Jahr gab es bisher mehr als zwei Tropennächte. Zwei Tropennächte gab es bis heute in den Sommern 1952, 1983, 2002, 2003 und 2013. In diesem Jahr gab es allein in der Hitzewoche von Anfang Juli auf dem Zürichberg in fünf aufeinanderfolgenden Nächten eine Tropennacht. Der Juli 2015 stösst in Sachen Tropennächten somit in neue Sphären vor.

Angetrieben durch die tropischen Nächte und den sehr heissen Tagen waren der 5. und 7. Juli in Zürich mit 27,7 und 27,8 Grad im Durchschnitt die heissesten Tage überhaupt. Der bisherige Rekord wurde mit 27,7 Grad am 27. Juli 2013 beobachtet und wurde also nur knapp zwei Jahre alt.

Die Hitzewoche von Anfang Juli brachte in weiten Teilen Europas rekordhohe Temperaturen. Von Spanien und Frankreich bis nach Deutschland und auch in der Schweiz stieg das Thermometer bis auf knapp 40 Grad.
Die Hitzewoche von Anfang Juli brachte in weiten Teilen Europas rekordhohe Temperaturen. Von Spanien und Frankreich bis nach Deutschland und auch in der Schweiz stieg das Thermometer bis auf knapp 40 Grad. In Farbe wird die Abweichung der Lufttemperatur (in °C) gegenüber der Referenzperiode 1981-2010 in der ersten Juliwoche angezeigt. 

Sommerhalbzeit

Der meteorologische Sommer dauert vom 1. Juni bis zum 31. August. Sommerhalbzeit war folglich am 15. Juli. Nachdem bereits der Juni deutlich zu warm ausfiel und der Juli mit grosser Hitze startete, erstaunt es kaum, dass der Sommer 2015 bisher mit durchschnittlich 20 Grad in Zürich den zweithöchsten Wert erreicht. Wärmer war die erste Sommerhälfte lediglich im Hitzesommer 2003, als im Durchschnitt 21,3 Grad gemessen wurden. Bereits zur Sommerhalbezeit wurden in Zürich 27 Sommertage mit einer Höchsttemperatur von über 25 Grad erfasst. Das sind sechs mehr als im ganzen letztjährigen Sommer, der aber auch unterdurchschnittlich kühl ausfiel. Noch extremer ist die Anzahl der Hitzetage mit Höchstwerten über 30 Grad. In der ersten Sommerhälfte stöhnte Zürich bereits an 11 Tagen unter der Hitze. In einem durchschnittlichen Sommer sind bis Mitte Juli nur 3 Hitzetage zu erwarten. Seit Ende Juni herrscht auch zunehmend Trockenheit in weiten Teilen der Schweiz. Bis Mitte Juli fiel nur rund die Hälfte der Niederschläge verglichen mit dem Vorjahr. Trockener war die erste Sommerhälfte letztmals im Jahr 2006 und 2003. Mit der Trockenheit steigt auch die Anzahl Sonnenstunden stetig an. Mit mehr als 400 Sonnenstunden gab es bis Mitte Juli so viel Sonne wie nie mehr seit 2003. Der Sommer besticht bis jetzt mit viel Hitze, Sonne und Trockenheit. Die Kehrseiten werden aber allmählich ersichtlich. So herrscht in praktisch der ganzen Schweiz mässige bis hohe Waldbrandgefahr, wobei erste kleine Brände im Laufe des Julis bereits ausbrachen. Zudem leidet die Landwirtschaft, vor allem in der Westschweiz, unter der Trockenheit. Da kleinere Flüsse Niedrigwasser führen, wurde gebietsweise ein Wasserentnahme-Verbot ausgesprochen. Dort drohen Ernteverluste.

Die Halbzeitbilanz (1. Juni-15. Juli) des Sommers spricht eine deutliche Sprache. Der Sommer ist in Zürich bisher 3 Grad übertemperiert und der zweitwärmste in der Messreihe.
Die Halbzeitbilanz (1. Juni-15. Juli) des Sommers spricht eine deutliche Sprache. Der Sommer ist in Zürich bisher 3 Grad übertemperiert und der zweitwärmste in der Messreihe.

Auf den Fersen des Hitzesommers

Die Hitzewoche Anfang Juli wurde am 8. zwar von einer schwachen Kaltfront beendet, die Temperaturen blieben aber auch in der Folge hochsommerlich. Bis zur Monatsmitte war der Juli knapp 5 Grad übertemperiert verglichen mit dem langjährigen Mittelwert der Jahre 1981-2010. Mit einer mittleren Temperatur von 23,7 Grad war es in Zürich mit Abstand die wärmste erste Julihälfte seit Messbeginn. Gleichzeitig waren die ersten zwei Juliwochen so trocken wie seit 1949 nie mehr. In Zürich fiel nur gerade 6 mm Niederschlag. Bei einer potentiellen Verdunstungsrate von bis zu 6 mm pro Tag, ist der Oberboden dementsprechend staubtrocken.

Wie MeteoSchweiz berichtet, deuten die Vorhersagen der Wettermodelle auch für die zweite Julihälfte Temperaturen auf sehr hohem Niveau an. Hochrechnungen zufolge könnte der Juli 2015 auch in Zürich als bislang wärmster Juli oder sogar als wärmster Monat überhaupt in die Wetterbücher eingehen. Der bisherige Rekordhalter in Zürich ist der August 2003 mit durchschnittlich 22,7 Grad. Weiter deuten die Langfristvorhersagen von MeteoSchweiz auch auf überdurchschnittliche Temperaturen in den ersten Augustwochen hin. Spätestens dann wäre der Sommer 2015 dicht auf den Fersen des Hitzesommers 2003. Vorhersagen über mehrere Wochen sind jedoch bekanntlich mit hoher Unsicherheit behaftet, können aber zur Vorbereitung bei anstehenden Hitzewellen grossen Nutzen stiften.

Hitze, Sonne, Trockenheit

Hitzewellen: die markantesten in der Geschichte Zürichs

„Für eine mindestens zweiwöchige Periode ist in Europa mit deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen und zunehmender Trockenheit zu rechnen.“ Das hielt Ende Juni die Weltmeteorologie-Organisation (WMO) in einem speziellen Klimaüberwachungs-Bulletin fest. Nun sind wir mitten drin in der Hitzewelle. Die betroffene Region erstreckt sich von Portugal bis Polen und von England bis Kroatien. Das Hitzezentrum lag zunächst über Nordspanien und Frankreich und bewegte sich dann langsam Richtung Nordosten.

 

Hitze über Europa und der Schweiz

Ende Juni ist über West- und Mitteleuropa ein sehr kräftiges Hochdruckgebiet wetterwirksam geworden. So wurden in Andalusien bereits am 29. Juni Höchsttemperaturen von 43 Grad gemessen. Am 30. Juni erreichte die heisse Luft auch Frankreich. So wurden in Cazaux, südwestlich von Bordeaux 40.2 Grad registriert, wie MeteoSchweiz schreibt. Am 1. Juli begann die Hitzeperiode dann auch in der Schweiz, als in Genf und im Wallis knapp 35 Grad, in Zürich 32 Grad gemessen wurden. Selbst im 1304 Meter hoch gelegenen Scuol wurde mit 30.5 Grad ein Hitzetag erreicht, wie MeteoSchweiz schreibt. Die Höchstwerte werden im Übrigen im Hochsommer jeweils zwischen 16:00 und 18:00 Uhr gemessen. In den folgenden Tagen strömte immer heissere, allmählich auch feuchtere Luft, welche ihren Ursprung in der Westsahara hat, in Richtung Schweiz.

 

Langanhaltende Hitze

Auffallend an der ausserordentlichen Hitzewelle ist vor allem auch die Dauer der Hitzebelastung. Höchsttemperaturen von 33 bis 36 Grad – gebietsweise sind sogar höhere Werte möglich – über mehr als fünf Tage sind doch eher selten. Eine abschliessende Analyse zur Hitzewelle und die Einordnung in die langjährige Klimatologie ist erst nach Ende der Hitzewelle möglich. Spannend ist jedoch ein Blick in die Vergangenheit auf der Suche nach der grössten Hitzewelle in der Geschichte von Zürich.

 

Hitzeperioden mit mehr als fünf zusammenhängender Hitzetage sind selten. Markant waren die Hitzeperioden 1911, 1947 und 2003. Wo wird sich 2015 einreihen?
Hitzeperioden mit mehr als fünf zusammenhängender Hitzetage sind selten. Markant waren die Hitzeperioden 1911, 1947 und 2003. Wo wird sich 2015 einreihen?

Die letzte zweiwöchige Hitzeperiode, welche in den Tieflagen der ganzen Schweiz eine durchschnittliche Tageshöchsttemperatur von 30 Grad oder mehr brachte, war jene vom Rekord-Juli 2006. Auf dem Zürichberg lag das höchste 14-Tagesmittel damals bei knapp 31 Grad. Seit 1901 waren nur vier 14-Tagesmittel der Höchsttemperatur heisser. Die Hitzewellen von Ende Juli bis Anfang August im Jahr 1911 und 1947, jene vom Juli 1983 und nochmals ein ganzes Stück heisser war die 2-wöchige Hitzeperiode im August 2003 mit durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen von 33 Grad in Zürich. Der Rekordwert aus dem Jahr 2003 gilt fast als unantastbar, es wäre erstaunlich, wenn dieser Wert bereits mit der aktuellen Hitzewelle, 13 Jahre später fallen würde.

Im Hitzesommer 2003 gab es mehrere Hitzewellen. Am markantesten waren jene im Juni und dann vor allem jene Anfang August. Maximal reihten sich in Zürich 11 Tage mit einer Höchsttemperatur von mehr als 30 Grad (sogenannte Hitzetage) aneinander. Dies entspricht aber erstaunlicherweise nicht ganz dem langjährigen Rekord. Zwischen Ende Juli und Anfang August 1947 war es nämlich an 12 aufeinanderfolgenden Tagen brütend heiss. Während der erwähnten Hitzeperiode 1911 waren es 10 Hitzetage in Folge. Im Rekord-Juli 2006 waren es immerhin 8 Tage. Solch lange Hitzeperioden wurden seither nicht mehr beobachtet. Eine Hitzewelle kommt selten allein, sodass in den Hitzesommer 1947 und 2003 im ganzen Sommer insgesamt 26 respektive 27 Hitzetage mit mehr als 30 Grad gemessenwurden.

 

Knapp 38 Grad in Zürich

Hitzewellen bleiben vor allem aufgrund ihrer Dauer in Erinnerung, aber auch wegen ihrer maximalen Höchsttemperatur. Die höchste je in Zürich gemessene Temperatur seit 1901 stammt mit 36,4 Grad wahrscheinlich auch aus dem Hitzesommer 2003. In der nicht homogenisierten Temperaturhistorie sind aber auch höhere Werte für Zürich ersichtlich. Jedoch lag damals die Referenzwetterstation von Zürich zuerst mitten in der Innenstadt bei der Urania-Sternwarte und später auf dem Gelände der ETH Zürich, bevor sie an den heutigen Standort in Zürich-Fluntern verlegt wurde. Die tatsächlich gemessenen Werte sind deshalb nicht vergleichbar und müssen nachträglich um die Stationsverschiebungen korrigiert werden. Ohne diese Korrektur aber, gemessen mitten in der Stadt Zürich, beträgt die höchste je gemessene Temperatur in Zürich 37,7 Grad und stammt aus dem Juli 1947.

 

Wie kann man „Hitze“ messen?

Das Empfinden von Hitze hängt nicht nur von der Temperatur ab, sondern auch von der in der Luft enthaltenen Feuchtigkeit. Hohe Temperaturen sind bei tiefer relativer Luftfeuchtigkeit viel besser zu ertragen. Dies lässt sich sehr schön am Beispiel einer finnischen Sauna veranschaulichen, in welcher die Lufttemperatur von etwa 90 Grad nur ertragbar ist, weil die Feuchtigkeit sehr gering ist. Um also „Hitze“ zu messen verwendet die MeteoSchweiz einen Heat Index, in welchem die Temperatur sowie die Luftfeuchtigkeit zu einer Ziffer verrechnet werden. Wird an mindesten 3 Tagen in Folge ein Heat Index grösser als 90 erwartet, gibt MeteoSchweiz eine Warnung der Stufe 3 für Hitze aus. Ein Heat Index grösser als 90 kommt bei 29 Grad und 70 Prozent Luftfeuchte oder aber bei 33 Grad und 35 Prozent Feuchte zustande. Für eine Warnung Stufe 4 muss über mindestens 5 Tage ein Heat Index grösser als 93 erwartet werden, so wie in der aktuellen Hitzewelle.

Hitzewellen: die markantesten in der Geschichte Zürichs

Des Bauers Frust mit dem Frühlingsfrost

Der Frühling startete mild und sonnig. Die Vegetation entwickelte sich rasch. Die Nachtfröste zu Ostern kamen daher ungelegen. Doch wann ist es Zeit für den letzten Frost?

 

Bald ist es Frühlingshalbzeit. Der meteorologische Frühling startet am 1. März und dauert bis zum 31. Mai. Der erste Frühlingsmonat war heuer in Zürich mit durchschnittlich 6,4 Grad auf dem Zürichberg rund ein Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010 und rund ein Grad kälter als im Vorjahr. Vor zwei Jahren war der März mit gemittelt lediglich 2,5 Grad jedoch deutlich kälter als im aktuellen Jahr. Die Jahr-zu-Jahr-Schwankungen sind wie in anderen Monaten auch relativ gross, trotzdem zeigt sich auch im Monat März eine eindeutige Erwärmungstendenz. Der letzte richtig kalte März mit einer Mitteltemperatur von nur gerade 1 Grad stammt aus dem Jahr 1987. Davor gab es mindestens alle zehn Jahre einen winterlichen März. Sehr kalt war der März mit nur wenig über null Grad auch im 1971. Der kälteste März stammt übrigens aus dem Jahr 1865 mit -1,2 Grad. Der diesjährige März war nicht nur übertemperiert sondern brachte auf dem Zürichberg mit 174 Sonnenstunden auch rund 40 Prozent mehr Besonnung als im langjährigen Mittel, wie aus Daten von MeteoSchweiz hervorgeht. Mit etwas mehr als 82 mm Niederschlag war der dritte Monat des Jahres in Zürich geringfügig zu nass. Zusammen mit dem nassen Osterwetter konnte das Niederschlagsdefizit aus dem Februar vorerst ausgeglichen werden.

 

Kalt-nasse Ostern

Das Osterwochenende vom 3. bis 6. April 2015 brachte anfangs windiges, dann trüb-nasses und am Ende kühl-sonniges Wetter. Mit einer Durchschnittstemperatur von rund 3,5 Grad waren Ostern 2015 auf dem Zürichberg relativ kühl im langjährigen Vergleich. Letztmals kälter waren Ostern vor zwei Jahren mit nur 1,1 Grad. Der Morgen des diesjährigen Ostermontags war mit -2,6 Grad in Zürich-Witikon der kälteste Ostermorgen seit 2008. An zwei der vier Ostertage fiel Niederschlag. Die Summe erreichte auf dem Zürichberg knapp 20 mm, es waren somit die nassesten Ostern seit 2008. Nach drei eher trüben Osterwochenenden in den Vorjahren, wurde Zürich mit rund 15 Sonnenstunden heuer nicht gerade mit Sonne verwöhnt. Es reichte aber für die sonnigsten Ostern seit 2011.

 

Kalter Aprilstart

Nicht nur Ostern sondern der Aprilstart insgesamt fiel 2015 deutlich unterkühlt aus. Die ersten sieben Apriltage waren auf dem Zürichberg im Durchschnitt knapp 4 Grad kühl und brachten in vier Nächten Nachtfrost. Ein kalter Aprilstart ist in der Klimatologie der Schweiz keine Seltenheit. Erst letztmals vor zwei Jahren waren die ersten sieben Apriltage mit gemittelt 2,6 Grad noch ein Stück kälter als in diesem Jahr. Allerdings gab es 2013 nur drei frostige Nächte in der ersten Aprilwoche. Letztmals mehr Frosttage zum Aprilstart gab es 1970, als fünf der ersten sieben Apriltage negative Nachttemperaturen brachten. Grosse Ähnlichkeit mit dem diesjährigen Verlauf zeigt sich auch im Frühling 2003. Nach einem kalten Februar und einem milden März startete der April mit einem späten Winterrückfall und vier frostigen Nächten in den ersten Tagen. 2003 raffte sich der April in der Folge auf und fuhr bis zum Monatsende noch ein Wärmeüberschuss ein. Es folgten ein frühsommerlicher Mai und der geschichtsträchtige Hitzesommer 2003.

 

Im langjährigen Durchschnitt tritt der letzte Nachtfrost der Saison in Zürich am 12. April auf. In den letzten 17 Jahren brachten jedoch nur die Jahre 2001 und 2013 den letzten Frost zu einem späteren Zeitpunkt.
Im langjährigen Durchschnitt tritt der letzte Nachtfrost der Saison in Zürich am 12. April auf. In den letzten 17 Jahren brachten jedoch nur die Jahre 2001 und 2013 den letzten Frost zu einem späteren Zeitpunkt.

 

Frost im Frühling

Temperaturen unter dem Gefrierpunkt können in der Land- und Forstwirtschaft während der Vegetationsperiode Frostschäden nach sich ziehen. Insbesondere bei weit fortgeschrittener Vegetationsentwicklung bergen scharfe Nachtfröste eine Gefahr für Pflanzen und Kulturen. Wird die  Grünland-Temperatursumme von 200 überschritten, setzt der nachhaltige Vegetationsbeginn ein. Dies ist je nach Witterung zwischen Mitte März und Mitte April der Fall. Heuer wurde dieser Frühlingsstartschuss Ende März abgefeuert, also unmittelbar vor den Nachtfrösten an Ostern. Empfindliche Kulturen mussten deshalb mit Vlies abgedeckt, gefährdete Topfpflanzen ins Warme gebracht werden. Ein Blick in die Wetterannalen von Zürich seit 1901 zeigt, dass der mittlere Termin des letzten Frostes in Zürich der 12. April ist. In den letzten 17 Jahren brachten nur die Jahre 2001 mit dem 23. April und 2013 mit dem 20. April den letzten Frost zu einem späteren Zeitpunkt. Vor dem Hintergrund, dass in der zweiten Aprilhälfte oder im Mai heuer keine Nachfröste mehr folgen, war der letzte Nachfrost vom 8. April 2015 also mehr oder weniger im langjährigen Durchschnitt. In mehr als 85 Prozent der Jahre tritt der letzte Frost in der Periode zwischen dem 21. März und dem 30. April auf. Frühere und spätere Termine sind eine Seltenheit. Fröste im Mai, im Volksmunde auch als Eisheilige bekannt, sind heutzutage kaum noch zu erwarten. Der letzte Mai-Frost in Zürich stammt aus dem Jahr 1979. Zwischen 1901 und 1979 war dies aber in jedem siebten Jahr der Fall. Der späteste Termin des letzten Frosts in Zürich seit 1901 stammt vom 12. Mai 1910. Landwirte und Hobbygärtner profitierten in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits von der globalen Erwärmung. Der Termin des letzten Frostes hat sich seit 1981 gegenüber den Jahrzehnten davor um rund 10 Tage nach vorne verlegt. Dieser Trend dürfte wohl auch in Zukunft anhalten und für weniger frostige Überraschungen im Frühling sorgen.

Des Bauers Frust mit dem Frühlingsfrost