Ein Sommerhalbjahr der Rekorde

Mitteleuropa, die Schweiz und Zürich erlebten ein Rekord-Sommerhalbjahr. Bei praktisch allen relevanten Wetterparametern schwingt das Sommerhalbjahr 2018 obenaus oder gehört in die Top 5 seit Messbeginn vor rund 150 Jahren. In der Meteorologie wird die Zeitspanne von Anfang April bis Ende September als Sommerhalbjahr bezeichnet. Das Winterhalbjahr dauert entsprechend von Oktober bis März. Die sechs Sommerhalbjahrmonate 2018 wurden von einer aussergewöhnlichen Wärme, staubiger Trockenheit und eitel Sonnenschein geprägt. Verglichen mit der langjährigen Normperiode der Jahre 1981-2010 gingen alle einzelnen Monate deutlich übertemperiert, zu trocken und zu sonnig in die Wetterbücher ein. In der Summe resultierte so über das gesamte Sommerhalbjahr 2018 ein bis anhin einzigartiges Rekordhalbjahr.

 

Rekordwärme

Die durchschnittliche Lufttemperatur zwischen April und September kam in Zürich bei 17,5 Grad zu liegen. So warm war ein Sommerhalbjahr seit Messbeginn 1864 noch nie. Die letzten sechs Monate waren 2,6 Grad wärmer als der 30-jährigen Mittelwert der Periode 1981-2010 und 0,3 Grad wärmer als das Sommerhalbjahr des legendären Hitzesommers 2003. Damit setzt das Sommerhalbjahr einen neuen Höhepunkt und ist Teil einer neuen Ära der Sommerwärme, wie es MeteoSchweiz treffend ausformulierte. Neun der zehn heissesten Sommerhalbjahre in Zürich wurden in den Jahren seit 2003 gemessen. Die einzige Ausnahme liefert das Sommerhalbjahr 1947, welches bis heute als drittwärmstes Sommerhalbjahr gilt. Sommerhalbjahre in Zürich zeigten seit Anfang des 20. Jahrhunderts nur wenige Temperaturänderungen und waren im Durchschnitt knapp 13,9 Grad mild. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts setzte eine deutliche Erwärmung des Sommerhalbjahrs ein. So ist das Sommerhalbjahr seit 2001 im Durchschnitt 15,6 Grad warm. Das ist eine Erwärmung von knapp 2 Grad innert kürzester Zeit.

So heiss wie im 2018 war ein Sommerhalbjahr (April-September) in Zürich in den letzten mindestens 154 Jahren noch nie. Es ist eine starke Häufung extrem warmer Sommerhalbjahre seit Beginn des 21. Jahrhunderts zu beobachten.

Sommertage ohne Ende

An 142 der 183 Sommerhalbjahrtagen stieg die Tageshöchsttemperatur am Zürichberg über 20 Grad. Der bisherige Rekordwert wurde dabei um ganze zehn Tage überboten. Die mittlere Tageshöchsttemperatur erreichte mit über 23 Grad ebenfalls einen neuen Rekordwert. Auch die nächtlichen Tiefstwerte lagen mit durchschnittlich 12,5 Grad über dem bisherigen Rekordwert aus dem Jahr 2003. Das Quecksilber stieg am Zürichberg an 76 Tagen über die Sommermarke von 25 Grad. Noch mehr Sommertage erlebte Zürich einzig im Sommerhalbjahr 2003. Damals gab es noch zehn Sommertage mehr als heuer. Ebenfalls sehr viele Sommertage brachte das Sommerhalbjahr 1947: insgesamt 69. Etwas weniger extrem zeigt sich das abgelaufene Sommerhalbjahr in Sachen Hitze. Eine intensive Hitzewelle rollte zwar zwischen Mitte Juli und Anfang August über die Nordschweiz, ansonsten zeigte sich das Sommerhalbjahr aber meistens konstant sehr warm – nicht aber extrem heiss. Dies zeigt sich in der Anzahl Hitzetage. Im Sommerhalbjahr 2018 wurden 18 Hitzetage mit einer Höchsttemperatur über 30 Grad erfasst. Das ist zwar deutlich mehr als im langjährigen Durchschnitt, welcher von lediglich sechs Hitzetagen ausgeht, aber in bereits drei Sommerhalbjahren gab es noch mehr Hitzetage als 2018. So brachten die Jahre 1947, 2003 und 2015 im Sommerhalbjahr alle je 26 Hitzetage.

 

Dürre und Sonnenschein pur

Extrem war neben der Rekordwärme auch die ausgeprägte Trockenheit, welche das Sommerhalbjahr 2018 dominierte. Seit April fielen in Zürich lediglich 400 mm Regen. Das sind gerade mal 60 Prozent der üblichen Niederschlagsmengen. Das Regendefizit entspricht der Regenmenge zweier Sommermonate. Das Sommerhalbjahr war damit in Zürich so trocken wie seit 69 Jahren nicht mehr. Noch etwas trockener waren die Sommerhalbjahre 1947 und 1949. Hohe Temperaturen und Trockenheit entstehen durch langanhaltende Schönwetterlagen. Entsprechend leistete im Sommerhalbjahr 2018 auch die Sonne zahlreiche Überstunden. Mit 1‘462 Sonnenstunden in Zürich zwischen April und September 2018 war es das sonnigste Sommerhalbjahr seit mehr als 70 Jahren. Diese Periode  brachte mehr Sonnenschein als beispielsweise das ganze Jahr 1994. Noch sonniger waren die Sommerhalbjahre 1911 und 1945 und 1947 mit 1‘470 bis 1‘520 Sonnenstunden.

 

Die Rekordwärme im Sommerhalbjahr 2018 hat durchaus einen Einfluss auf die Energiekosten im Gebäudebereich. Die Heizkosten steigen und sinken analog mit den Temperaturen. Ein meteorologischer Indikator dafür sind die Heizgradtage. Am Anfang und Ende des Sommerhalbjahrs wird in der Schweiz je nach Witterung geheizt. Im Sommerhalbjahr 2018 erreichten die Heizgradtage einen Wert von 235. Noch tiefer war dieser Wert lediglich im Sommerhalbjahr 2009. Im Durchschnitt liegt er bei über 640. Anders sieht es beim Kühlbedarf aus. Immer häufiger werden Gebäude im Sommer gekühlt. Je höher die Aussentemperatur, desto mehr Energie braucht es zur Kühlung. Ein Indikator dafür sind die Kühlgradtage. Dieser Indikator stieg heuer auf einen Wert von 263. Noch höher stieg er lediglich im Sommerhalbjahr 2003. Im langjährigen Durchschnitt liegt er allerdings nur bei 85. Im Sommerhalbjahr 2018 musste aufgrund der Rekordwärme natürlich nicht geheizt, jedoch aber umso mehr gekühlt werden.

Ein Sommerhalbjahr der Rekorde

Dürresommer 2018 als Mahnmal der Klimaänderung

Der diesjährige Sommer präsentiert sich in weiten Teilen Europas sonnig, staubtrocken und heiss. In Mittel- und Nordeuropa gehört der Juli 2018 zu den heissesten und trockensten Monaten in der gesamten Messhistorie. In Zürich war er zusammen mit dem Juli 1994 der viertwärmste Juli und der sechstheisseste Monat überhaupt seit 1864.

Innerhalb eines Monats hat die Trockenheit aus dem grünen Europa eine braune Steppenlandschaft gemacht. Der Dürresommer 2018 wird dank Satellitenbilder eindrücklich sichtbar (contains modified Copernicus Sentinel data, 2018, processed by ESA.

Staubtrocken

Die aussergewöhnliche Wetterlage dauert nicht erst seit Juli. Bereits seit April liegt Europa unter dem Einfluss des subtropischen Hochdruckgürtels. Regenfronten schaffen es seit Monaten nicht mehr bis aufs europäische Festland. Mit der Dürre mutierte das saftig grüne Europa innert Monatsfrist zur braunen Steppenlandschaft, wie aus Satellitenbildern eindrücklich zu erkennen ist. In Zürich war es die trockenste April-Juli-Periode seit über 100 Jahren. Über die vier Monate ist im Raum Zürich nur die Hälfte des langjährigen Durchschnitts (1981‒2010) gefallen. Mit der Trockenheit stieg die Waldbrandgefahr stetig an. Ende Juli wurde im ganzen Land ein Feuerverbot im Wald und Waldesnähe verhängt. In den trockensten Alpentälern wurde Feuer im Freien allgemein untersagt.

So trocken wie 2018 war es in Zürich in der Periode April bis Juli noch nie seit 1901. Ein langfristiger Trend in Richtung mehr Trockenheit ist aber (noch) nicht zu erkennen.

Rekordwarm

Zur Trockenheit gesellten sich rekordhohe Temperaturen. Die Viermonatsperiode April‒Juli war in Zürich mit durchschnittlich über 17 Grad knapp drei Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt. Der bisherige Rekordwert aus dem Hitzejahr 2003 erreichte in Zürich 16,5 Grad. Wärme und Trockenheit stehen in einem positiven Rückkoppelungseffekt zueinander. Je höher die Temperaturen, desto kräftiger die Verdunstung, wodurch sich das Wasserdefizit im Boden massiv akzentuiert. Andererseits wird es bei sonnigen Tagen während Dürrephasen immer heisser, da die Sonnenstrahlen nicht zuerst für die energieaufwändige Verdunstung der Bodenfeuchte aufgewendet werden muss (mit kühlendem Effekt auf die Lufttemperatur) sondern direkt in Wärme umgewandelt werden können. Das zeigt sich eindrücklich an der Anzahl Hitzetage. Obwohl die grosse Wärme seit April andauerte, wurde der erste Hitzetag mit Temperaturen über 30 Grad erst am 24. Juli beobachtet. Seither steigen die Tageshöchstwerte aber fast täglich über die Hitzemarke von 30 Grad und praktisch in der ganzen Schweiz wurden Hitzewarnungen ausgesprochen.

So warm wie 2018 war es in Zürich in der Periode April bis Juli noch nie seit 1901. Das aktuelle Jahr setzt dabei den Trend hin zu mehr Frühlings- und Sommerwärme fort.

Zahlreiche Hitzetage und Trockenheit im Sommer. Das aktuelle Wettergeschehen offenbart einen Blick auf den Schweizer Sommer der Zukunft, denn die Klimaszenarien für die Schweiz rechnen mit einer deutlichen Zunahme der Sommertemperaturen sowie mit einer Abnahme der sommerlichen Niederschläge. In den nächsten Jahrzehnten ist entsprechend häufiger mit Sommertrockenheit zu rechnen. Die Frage, ob der Dürresommer 2018 bereits ein Zeichen der Klimaänderung ist, lässt sich allerdings nicht so einfach beantworten.

 

Trend zu mehr Hitze

Fakt ist: Seit der vorindustriellen Periode um 1900 ist die April-Juli-Temperatur in Zürich um 2 Grad angestiegen. Markant war der Temperaturanstieg vor allem seit 1980, wie Messwerte von MeteoSchweiz eindrücklich zeigen. Hintergrund ist die Häufung von ausgesprochen warmen Frühlings- und Sommermonaten in den letzten Jahren. Neun der zehn heissesten Monate in Zürich wurden nach 1980 beobachtet, sechs davon nach der Jahrtausendwende. In diesen Top 10 sind neben dem diesjährigen Juli auch jene aus den Sommern 2013 und 2015. Dieser Temperaturanstieg weist eindrücklich auf die laufende Klimaänderung hin. Diese Entwicklung kann nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa beobachtet werden. Und auch auf dem amerikanischen Kontinent und in Asien traten Hitzewellen in den letzten Jahren immer häufiger auf. Die heissen und trockenen Sommer in Europa in den Jahren 1947 und 1976 brachten anderswo auf der Nordhalbkugel kühle Sommer. Heutzutage ist es nichts Aussergewöhnliches mehr, wenn weltweit mehrere Hitzewellen auf einmal und dann auch noch langanhaltend auftreten. Auch im Sommer 2018 erlebt die Nordhalbkugel mit Europa, Nordamerika und Japan gleich drei grossflächige Hitzewellen. Die drei Hitzewellen haben zwar nichts direkt miteinander zu tun. Was aber die drei Ereignisse verbindet, ist der grössere Kontext, in dem sie stehen: der Klimawandel. Die neue Normalität bei der Temperatur hat also bereits angefangen. Ein Vergleich der letzten zwanzig Jahre zeigt, dass fast überall auf der Welt die Durchschnittstemperaturen gestiegen sind. Besonders eindeutig ist dabei die Entwicklung auf der Nordhalbkugel. Gleichzeitig werden aber auch die Ausreisser nach oben in diesen Regionen immer heftiger. Hitzemonate wie der Juli 2018 treten mit dem Klimawandel folglich häufiger auf.

 

Kein Trend zu Trockenheit

Fakt ist aber auch, dass die Sommerniederschläge in den letzten Jahrzehnten keine eindeutige Richtung kennen. Auf einen nassen Sommer folgt ein trockener. Ein staubtrockener Sommer 2018 steht alleine nicht für eine langfristige Veränderungen beim Niederschlag. Erst 2016 war die April-Juli-Periode die niederschlagsreichste seit über 100 Jahren. Die letzten Jahre haben vor allem die grosse Jahr-zu-Jahr-Schwankung aufgezeigt, nicht aber einen Trend eingeläutet. Während sich die Schweiz bei den Temperaturen schon mitten in der Klimaänderung befindet und folglich die kommenden Sommer der nächsten Jahrzehnte weiter an Wärme zulegen werden, ist bei den Niederschlägen erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts mit einem eindeutigen Klimawandel-Signal zu rechnen. Dann dürften die Sommerniederschläge in der Schweiz deutlich abnehmen. Mit fortschreitendem Klimawandel zeigen die Klimamodelle ein Muster mit Niederschlagszunahmen im Norden und -abnahmen im Süden Europas. Dieses Muster verschiebt sich mit dem Gang der Jahreszeiten. Im Sommer liegt die Schweiz im Einfluss der wachsenden Niederschlagsabnahme im Mittelmeerraum. Ausgelöst wird diese Veränderung durch die grossräumige Änderung der Zirkulation über Europa, wodurch die subtropische Zone sich weiter nach Norden (Süd- bis Zentraleuropa) verschiebt.

Dürresommer 2018 als Mahnmal der Klimaänderung

2016 war ein überdurchschnittliches Wetterjahr

Das Wetterjahr 2016 war warm, nass und trotzdem sonnig. Auf die rekordnahe Winterwärme folgte ein sehr nasses erstes Halbjahr. Der Sommer kam erst spät, verweilte mit grosser Wärme aber bis im September.

Im Dezember 2016 herrschte Hochdruckwetter.
Abweichung des Luftdrucks über Europa gegenüber 1981-2010. Quelle: esrl.noaa.gov

Das Wetterjahr 2016 endete mit dem trockensten Dezember im Mittelland seit Messbeginn. Die letzten nennenswerten Niederschläge des Jahres 2016 fielen bereits am 19. November. Danach war es bis zum Jahresende staubtrocken. Die lang anhaltende Trockenheit hielt bis zum 2. Januar und reihte somit 43 Trockentage ohne Niederschläge aneinander. Damit gehörte die Dürrephase im Mittelland zu den fünf markantesten seit Messbeginn im Jahr 1864. Der Grund ist mit dem beständigen Hochdruckwetter rasch gefunden. Wiederholt legten sich ausgeprägte Hochdruckgebiete über Mitteleuropa, die alle Regen- und Schneewolken im grossen Bogen um die Alpen ziehen liessen. Temperaturmässig zeigten sich jedoch deutliche Gegensätze zwischen den Berglagen und den Niederungen. Während sich im Flachland ein Kaltluftsee bildete, herrschten in der Höhe sehr milde Verhältnisse. Während das Jungfraujoch mit 3,6 Grad über der Norm der Periode 1981-2010 den drittwärmsten Dezember seit Messbeginn registrierte, blieb die Dezembertemperatur in Zürich 0,7 Grad unter der Norm. Pünktlich zu Weihnachten stellte sich eine auch für das Flachland milde Westwindlage ein. Niederschläge blieben aber grösstenteils aus. Bereits am 27. Dezember meldete sich das Hochdruckwetter mit voller Kraft zurück. In Zürich wurde mit über 1044 hPa der höchste Luftdruck seit Messbeginn registriert. Zusammengefasst war der Dezember 2016 in Zürich hochdruckbestimmt, kalt und trocken. Damit wiederspiegelt der letzte Monat das Wetterjahr 2016 in keiner Weise. Denn 2016 geht als warmes und nasses Jahr in die Wetterannalen ein.

2016 war warm. Vor allem der Jahresbeginn sowie der Spätsommer haben zum Wärmeüberschuss beigetragen.

Winter: sehr mild und wechselhaft

Januar und Februar 2016 brachten fast durchwegs unbeständiges und mildes Westwindwetter. Eine festinstallierte West- bis Südwestströmung führte mit teils stürmischen Winden milde und feuchte Atlantikluft in den Alpenraum. Entsprechend waren die ersten zwei Monate des Jahres knapp 3 Grad übertemperiert, sehr nass und trüb. Im Januar 2016 summierten sich die Niederschläge in Zürich auf 146 mm, mehr als das Doppelte gegenüber der Norm 1981-2010. Mit nur 50 Sonnenstunden im Januar und 60 im Februar war der Jahresauftakt ausgesprochen sonnenarm. Zusammen mit dem sehr milden Dezember 2015 war der Winter 2015/16 der zweitwärmsten seit Messbeginn. Noch etwas höhere Temperaturen brachte lediglich der Rekordwinter 2006/07.

Frühling: Kühl und unbeständig

Der meteorologische Frühling (März bis Mai) startete mit Hochdruck im März. Weite Strecken des Monats wurden durch die Bise geprägt, welche trockene und kühle Luft ins Schweizer Mittelland führte. Hochnebelartige Bewölkung verdeckte die Sonne häufig, so dass sich die Luft auch nicht in der Frühlingssonne erwärmen konnte. Ein markanter Wetterwechsel zum Monatswechsel vom März in den April brachte mit Föhn gebietsweise die mildesten Märztage seit Ende des 19. Jahrhunderts. April und Mai waren dann wieder unbeständig und nass. Die Strömung drehte aber allmählich von Südwesten auf Nordwesten, so dass die Temperaturen vor allem im Mai häufig im unterdurchschnittlichen Bereich lagen. Im April sorgten einige Föhnintervalle für insgesamt leicht überdurchschnittliche Temperaturverhältnisse.

2016 war nass. Bis Mitte Juli gab es ergiebige Niederschläge. Danach war es deutlich trockener. Im Dezember gab es praktisch gar keine Niederschläge.

Sommer: Nass, dann sehr sonnig

Der Sommer kam im Juni noch kaum auf Touren. In Zürich gab es lediglich fünf Sommertage mit über 25 Grad. Diese kamen zusammen mit dem ersten Hitzeschub der Saison gegen Ende Juni. Ansonsten war der Juni geprägt von trüber und sehr nasser Witterung. Entweder waren es Stauniederschläge oder starke Gewitterregen, welche wiederholt grosse Regenmengen niedergingen liessen. An einzelnen Messstandorten der MeteoSchweiz war es einer der nassesten Junimonate seit Messbeginn vor über 100 Jahren. Lokale Überschwemmungen waren die logische Folge. Der Juli brachte dann das erste sommerliche Hochdruckgebiet. Trotz Hochdruck wurden die sonnig-warmen Tage immer wieder durch Gewitter gestört. Nach dem ersten Julidrittel führte eine Nordwestlage nochmals recht kühle und sehr nasse Luftmassen an die Alpen. Schnee fiel nochmals bis 1600 Meter über Meer hinunter. Alleine am 12. Juli summierten sich die Regenfälle in Zürich auf 60 mm (rund 50% der üblichen Juliregenmenge). Trotz der trüben und nassen Witterung verharrten die Temperaturen meistens im durchschnittlichen Bereich. Mitte Juli kam dann die Erlösung. Die folgenden Wochen waren dann deutlich sonniger, trockener und wärmer als die Periode von Anfang April bis Mitte Juli. Die dreieinhalb Monate seit Anfang April waren für mehr als die Hälfte des jährlichen Niederschlags 2016 verantwortlich. Die Alpennordseite registrierte regional das niederschlagsreichste erste Halbjahr seit Messbeginn. Handkehrum fielen rund 35% der Jahresbesonnung 2016 auf die Periode zwischen Mitte Juli und Ende September (2,5 Monate). Von Mitte August bis Mitte September gab es nicht nur viel Sonnenschein sondern auch wiederholt heisse Phasen. Die Periode von Ende August bis Mitte September war geprägt durch extreme Wärme. An verschiedenen Stationen wurden neue Temperaturrekorde aufgestellt. Auch Zürich erlebte den drittwärmsten September seit 1864. Mit knapp 2,7 Grad brachte der September die grösste positive Temperaturabweichung des vergangenen Jahres.

Herbst: vom Sommer in den Winter

Der in Zürich 1,4 Grad zu kalte Oktober riss die Schweiz schlagartig aus dem ungewöhnlich warmen Spätsommer. Der Oktober brachte in Zürich gleichzeitig die grösste negative Temperaturabweichung. Mehrere Schneefälle bis in mittlere Lagen waren bereits die ersten Vorboten des kommenden Winters. Im November ging es gleich weiter mit frühwinterlicher Kälte. Dann aber bäumte sich der Spätsommer mit viel Föhnunterstützung nochmals auf und brachte eine ungewöhnliche Wärme zum Novemberende zurück. Die Föhnluft kämpfte sich bis nach Zürich vor und liess die Temperaturen am 21. und 22. November auf knapp 20 Grad steigen. Danach machte sich Hochdruck über der Schweiz breit und startete die anfangs erwähnte Trockenperiode, welche bis zum Jahresende anhielt.

2016 war sonnig. Bis im Mai lief alles nach Fahrplan. Der Juni war dann trüb, der Spätsommer und der Dezember waren dann aber sehr sonnig.

Jahresbilanz

Das Jahr 2016 war am Zürichberg mit durchschnittlich 9,9 Grad sechs Zehntelgrad milder als die Norm 1981-2010. Im landesweiten Mittel, wie auch in Zürich, gehört es zu den zehn wärmsten Jahren seit Messbeginn 1864. Mit 51 Sommertagen mit über 25 Grad in Zürich gab es mehr als 10 Sommertage mehr als im langjährlichen Durchschnitt. An acht Tagen stieg das Quecksilber über 30 Grad. In durchschnittlichen Jahren geschieht dies lediglich sechsmal. In 81 Nächten sank die Temperatur 2016 unter den Gefrierpunkt. Dieser Wert liegt leicht über dem Erwartungswert der Jahre 1981-2010. Eistage mit Ganztags-Temperaturen unter null Grad gab es 2016 hingegen mit sieben Tagen nur sehr selten. Nur in einzelnen Jahren seit 1864 gab es noch weniger Eistage als 2016. Die Jahresniederschläge lagen 14%, die Sonnenscheindauer 6% über dem Referenzwert. Zu trocken waren die Monate März, August, September, Oktober und Dezember. Mehr Sonne als üblich gab es im Juli, August, September und Dezember. Zu warm, nässer und sonniger als normal: 2016 war ein überdurchschnittliches Wetterjahr.

 

Weiterführende Links:
MeteoSchweiz

2016 war ein überdurchschnittliches Wetterjahr

Hitze-Spätsommer anstatt Frühherbst

Von Mitte August bis Mitte September sorgte Hochdruckeinfluss in Mitteleuropa für überwiegend sonniges und sommerlich warmes Wetter. Zürich wurde mit Sonnenschein und Wärme verwöhnt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In welchen Kategorien wurden sogar Rekorde gebrochen?  

Mit dem Ende des Hochsommers Mitte August startete der diesjährige Sommer erst richtig durch. Seit Mitte August dominiert in weiten Teilen Europas und damit auch in der Schweiz nahezu ohne Unterbrechung Hochdruckwetter. Dabei machen sich ausgehend von den Azoren immer wieder Hochdruckgebiete auf den Weg Richtung Osten und sorgen somit auch bei uns für anhaltend sonniges und trockenes Sommerwetter, obwohl es meteorologisch betrachtet bereits Frühherbst ist. In den 32 Tagen von Mitte August bis Mitte September herrschte vorwiegend stabiles Sommerwetter. Nur an sechs Tagen gab es Niederschläge. In der gleichen Periode schien die Sonne ganze 280 Stunden lang. In Zürich war es der sonnigste Spätsommer seit mehr als 50 Jahren. Zum Vergleich: vor einem Jahr gab es in der gleichen Zeitspanne von Mitte August bis Mitte September mit 150 Stunden nur rund halb so viel Sonnenschein zu geniessen. Der Spätsommer 2016 war nicht nur sehr sonnig und trocken, sondern auch ausgesprochen warm. Fast täglich stiegen die Temperaturen auf sommerliche Werte über 25 Grad. Mit 19 Sommertagen (Tageshöchstwert über 25 Grad) zwischen Mitte August und Mitte September gab es so viele wie praktisch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts. Nur im Spätsommer des Jahres 1911 gab es mit 20 Sommertagen in Zürich noch einen Sommertag mehr. Sommerliche Temperaturen sind insbesondere für die erste Septemberhälfte keine Seltenheit, immerhin gehört dieser Monat noch überwiegend zum astronomischen Sommer, der am 22. September endet. Als ungewöhnlich kann aber sicherlich die lange Dauer dieser warmen Witterung bezeichnet werden, wie auch der Deutsche Wetterdienst DWD in seinem täglichen Bulletin schreibt.

So heiss wie heuer war der Spätsommer kaum jemals zuvor. Nur 1911 und 2011 brachten ähnlich hohe Temperaturen in Zürich.
So heiss wie heuer war der Spätsommer kaum jemals zuvor. Nur 1911 und 2011 brachten ähnlich hohe Temperaturen in Zürich.

Heissester Spätsommer

Am Zürichberg erreichte der Spätsommer von Mitte August bis Mitte September eine durchschnittliche Temperatur von 19,3 Grad. Damit war der Spätsommer 2016 mehr als drei Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Zusammen mit 1911 und 2011, welche gleich hohe Temperaturen brachten, erlebte Zürich heuer den heissesten Spätsommer mindestens der letzten 115 Jahre. Im Tessin war vor allem die grosse Wärme in den ersten zwei Septemberwochen herausragend. Mit einer Durchschnittstemperatur von 23 Grad liegt der neue Rekord weit über den bisherigen Höchstwerten von 21,4 Grad in den Jahren 2011 und 1929 sowie 21,6 Grad im Jahr 1895.

1911 oder 2011?

In Zürich teilt sich der Spätsommer 2016 die Krone des wärmsten Spätsommers zusammen mit jenen aus den Jahren 1911 und 2011. Im September 1911 war Mitte Monat dann aber endgültig Schluss mit Hochsommerwetter. Die zweite Monatshälfte war trüb, kühl und nass, wie aus den historischen Messreihen der MeteoSchweiz hervorgeht. Auch der darauffolgende Oktober war recht garstig und kühl. Auch im September 2011 erfolgte Mitte Monat ein Wetterumschwung. Dieser war jedoch nur von kurzer Dauer, bevor sich das letzte Septemberdrittel abermals warm und sonnig präsentierte. Jedoch brachte auch der Oktober 2011 dann kein goldenes, sondern trübes und nasses Herbstwetter. Der zweiten Septemberhälfte 2016 und dem weiteren Verlauf des eigentlichen Herbstes 2016 stehen folglich noch alle Optionen offen.

Hitze-Spätsommer anstatt Frühherbst

Hitze, Sonne, Trockenheit

Die Hitze hält weite Teile Europas weiter fest im Griff. Der Juli könnte alle Rekorde brechen. Ein Hitzesommer 2015 wird immer wahrscheinlicher.

Hitzewellen rollen von der Iberischen Halbinsel nach Frankreich und zum Alpenraum. Nach einer sehr heissen ersten Julihälfte waren bereits die nächsten Hitzeschübe absehbar. Die Weltmeteorologie-Organisation (WMO) verlängerte das Ende Juni einberufene Klimaüberwachungsbulletin bezüglich andauernder Hitze- und Trockenperiode über weiten Teilen Europas um weitere zwei Wochen (vorerst bis Ende Juli).

Rekordhitze Anfang Juli

In der ersten Juliwoche erlebte die Schweiz eine der extremsten Hitzewochen seit Messbeginn vor über 150 Jahren, wie MeteoSchweiz berichtet. Auf dem Zürichberg erreichte die durchschnittliche Tageshöchst-Temperatur mit 33,3 Grad den dritthöchsten Wert seit Messbeginn. Ein gutes Stück heisser war es nur Anfang August im Hitzesommer 2003 mit 34,9 Grad und in der letzten Juliwoche 1947 mit 33,6 Grad. Am heissesten war die Hitzewoche in Genf, wo das 7-Tagesmittel der Höchsttemperaturen 36,3 Grad erreichte. Sie war praktisch gleich heiss wie die Rekord-Hitzewoche im August 2003. Zum Abschluss der Hitzewoche Anfang Juli registrierte die MeteoSchweiz-Messstation in Genf am 7. Juli 2015 mit 39,7 Grad die höchste je auf der Alpennordseite und die höchste je in einem Juli gemessene Temperatur. In den östlichen Landesteilen waren weniger die Tageshöchstwerte als vielmehr die nächtlichen Tiefstwerte rekordverdächtig. In Zürich erreichte das 7-Tagesmittel der Tiefsttemperaturen mit 19,4 Grad den zweithöchsten Wert seit 1901. Die Nächte waren über die ganze Hitzewoche betrachtet somit in etwa gleich warm wie im August des Hitzesommers 2003, als diese 19,6 Grad vorwiesen. Sinkt die Temperatur während der ganzen Nacht nie unter 20 Grad, so sprechen Meteorologen von einer Tropennacht. Diese sind auf dem Zürichberg sehr selten. Bis zum Jahr 2014 gab es in der Witterungshistorie seit 1901 von Zürich erst 17 Tropennächte. In keinem einzigen Jahr gab es bisher mehr als zwei Tropennächte. Zwei Tropennächte gab es bis heute in den Sommern 1952, 1983, 2002, 2003 und 2013. In diesem Jahr gab es allein in der Hitzewoche von Anfang Juli auf dem Zürichberg in fünf aufeinanderfolgenden Nächten eine Tropennacht. Der Juli 2015 stösst in Sachen Tropennächten somit in neue Sphären vor.

Angetrieben durch die tropischen Nächte und den sehr heissen Tagen waren der 5. und 7. Juli in Zürich mit 27,7 und 27,8 Grad im Durchschnitt die heissesten Tage überhaupt. Der bisherige Rekord wurde mit 27,7 Grad am 27. Juli 2013 beobachtet und wurde also nur knapp zwei Jahre alt.

Die Hitzewoche von Anfang Juli brachte in weiten Teilen Europas rekordhohe Temperaturen. Von Spanien und Frankreich bis nach Deutschland und auch in der Schweiz stieg das Thermometer bis auf knapp 40 Grad.
Die Hitzewoche von Anfang Juli brachte in weiten Teilen Europas rekordhohe Temperaturen. Von Spanien und Frankreich bis nach Deutschland und auch in der Schweiz stieg das Thermometer bis auf knapp 40 Grad. In Farbe wird die Abweichung der Lufttemperatur (in °C) gegenüber der Referenzperiode 1981-2010 in der ersten Juliwoche angezeigt. 

Sommerhalbzeit

Der meteorologische Sommer dauert vom 1. Juni bis zum 31. August. Sommerhalbzeit war folglich am 15. Juli. Nachdem bereits der Juni deutlich zu warm ausfiel und der Juli mit grosser Hitze startete, erstaunt es kaum, dass der Sommer 2015 bisher mit durchschnittlich 20 Grad in Zürich den zweithöchsten Wert erreicht. Wärmer war die erste Sommerhälfte lediglich im Hitzesommer 2003, als im Durchschnitt 21,3 Grad gemessen wurden. Bereits zur Sommerhalbezeit wurden in Zürich 27 Sommertage mit einer Höchsttemperatur von über 25 Grad erfasst. Das sind sechs mehr als im ganzen letztjährigen Sommer, der aber auch unterdurchschnittlich kühl ausfiel. Noch extremer ist die Anzahl der Hitzetage mit Höchstwerten über 30 Grad. In der ersten Sommerhälfte stöhnte Zürich bereits an 11 Tagen unter der Hitze. In einem durchschnittlichen Sommer sind bis Mitte Juli nur 3 Hitzetage zu erwarten. Seit Ende Juni herrscht auch zunehmend Trockenheit in weiten Teilen der Schweiz. Bis Mitte Juli fiel nur rund die Hälfte der Niederschläge verglichen mit dem Vorjahr. Trockener war die erste Sommerhälfte letztmals im Jahr 2006 und 2003. Mit der Trockenheit steigt auch die Anzahl Sonnenstunden stetig an. Mit mehr als 400 Sonnenstunden gab es bis Mitte Juli so viel Sonne wie nie mehr seit 2003. Der Sommer besticht bis jetzt mit viel Hitze, Sonne und Trockenheit. Die Kehrseiten werden aber allmählich ersichtlich. So herrscht in praktisch der ganzen Schweiz mässige bis hohe Waldbrandgefahr, wobei erste kleine Brände im Laufe des Julis bereits ausbrachen. Zudem leidet die Landwirtschaft, vor allem in der Westschweiz, unter der Trockenheit. Da kleinere Flüsse Niedrigwasser führen, wurde gebietsweise ein Wasserentnahme-Verbot ausgesprochen. Dort drohen Ernteverluste.

Die Halbzeitbilanz (1. Juni-15. Juli) des Sommers spricht eine deutliche Sprache. Der Sommer ist in Zürich bisher 3 Grad übertemperiert und der zweitwärmste in der Messreihe.
Die Halbzeitbilanz (1. Juni-15. Juli) des Sommers spricht eine deutliche Sprache. Der Sommer ist in Zürich bisher 3 Grad übertemperiert und der zweitwärmste in der Messreihe.

Auf den Fersen des Hitzesommers

Die Hitzewoche Anfang Juli wurde am 8. zwar von einer schwachen Kaltfront beendet, die Temperaturen blieben aber auch in der Folge hochsommerlich. Bis zur Monatsmitte war der Juli knapp 5 Grad übertemperiert verglichen mit dem langjährigen Mittelwert der Jahre 1981-2010. Mit einer mittleren Temperatur von 23,7 Grad war es in Zürich mit Abstand die wärmste erste Julihälfte seit Messbeginn. Gleichzeitig waren die ersten zwei Juliwochen so trocken wie seit 1949 nie mehr. In Zürich fiel nur gerade 6 mm Niederschlag. Bei einer potentiellen Verdunstungsrate von bis zu 6 mm pro Tag, ist der Oberboden dementsprechend staubtrocken.

Wie MeteoSchweiz berichtet, deuten die Vorhersagen der Wettermodelle auch für die zweite Julihälfte Temperaturen auf sehr hohem Niveau an. Hochrechnungen zufolge könnte der Juli 2015 auch in Zürich als bislang wärmster Juli oder sogar als wärmster Monat überhaupt in die Wetterbücher eingehen. Der bisherige Rekordhalter in Zürich ist der August 2003 mit durchschnittlich 22,7 Grad. Weiter deuten die Langfristvorhersagen von MeteoSchweiz auch auf überdurchschnittliche Temperaturen in den ersten Augustwochen hin. Spätestens dann wäre der Sommer 2015 dicht auf den Fersen des Hitzesommers 2003. Vorhersagen über mehrere Wochen sind jedoch bekanntlich mit hoher Unsicherheit behaftet, können aber zur Vorbereitung bei anstehenden Hitzewellen grossen Nutzen stiften.

Hitze, Sonne, Trockenheit

Hitzewellen: die markantesten in der Geschichte Zürichs

„Für eine mindestens zweiwöchige Periode ist in Europa mit deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen und zunehmender Trockenheit zu rechnen.“ Das hielt Ende Juni die Weltmeteorologie-Organisation (WMO) in einem speziellen Klimaüberwachungs-Bulletin fest. Nun sind wir mitten drin in der Hitzewelle. Die betroffene Region erstreckt sich von Portugal bis Polen und von England bis Kroatien. Das Hitzezentrum lag zunächst über Nordspanien und Frankreich und bewegte sich dann langsam Richtung Nordosten.

 

Hitze über Europa und der Schweiz

Ende Juni ist über West- und Mitteleuropa ein sehr kräftiges Hochdruckgebiet wetterwirksam geworden. So wurden in Andalusien bereits am 29. Juni Höchsttemperaturen von 43 Grad gemessen. Am 30. Juni erreichte die heisse Luft auch Frankreich. So wurden in Cazaux, südwestlich von Bordeaux 40.2 Grad registriert, wie MeteoSchweiz schreibt. Am 1. Juli begann die Hitzeperiode dann auch in der Schweiz, als in Genf und im Wallis knapp 35 Grad, in Zürich 32 Grad gemessen wurden. Selbst im 1304 Meter hoch gelegenen Scuol wurde mit 30.5 Grad ein Hitzetag erreicht, wie MeteoSchweiz schreibt. Die Höchstwerte werden im Übrigen im Hochsommer jeweils zwischen 16:00 und 18:00 Uhr gemessen. In den folgenden Tagen strömte immer heissere, allmählich auch feuchtere Luft, welche ihren Ursprung in der Westsahara hat, in Richtung Schweiz.

 

Langanhaltende Hitze

Auffallend an der ausserordentlichen Hitzewelle ist vor allem auch die Dauer der Hitzebelastung. Höchsttemperaturen von 33 bis 36 Grad – gebietsweise sind sogar höhere Werte möglich – über mehr als fünf Tage sind doch eher selten. Eine abschliessende Analyse zur Hitzewelle und die Einordnung in die langjährige Klimatologie ist erst nach Ende der Hitzewelle möglich. Spannend ist jedoch ein Blick in die Vergangenheit auf der Suche nach der grössten Hitzewelle in der Geschichte von Zürich.

 

Hitzeperioden mit mehr als fünf zusammenhängender Hitzetage sind selten. Markant waren die Hitzeperioden 1911, 1947 und 2003. Wo wird sich 2015 einreihen?
Hitzeperioden mit mehr als fünf zusammenhängender Hitzetage sind selten. Markant waren die Hitzeperioden 1911, 1947 und 2003. Wo wird sich 2015 einreihen?

Die letzte zweiwöchige Hitzeperiode, welche in den Tieflagen der ganzen Schweiz eine durchschnittliche Tageshöchsttemperatur von 30 Grad oder mehr brachte, war jene vom Rekord-Juli 2006. Auf dem Zürichberg lag das höchste 14-Tagesmittel damals bei knapp 31 Grad. Seit 1901 waren nur vier 14-Tagesmittel der Höchsttemperatur heisser. Die Hitzewellen von Ende Juli bis Anfang August im Jahr 1911 und 1947, jene vom Juli 1983 und nochmals ein ganzes Stück heisser war die 2-wöchige Hitzeperiode im August 2003 mit durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen von 33 Grad in Zürich. Der Rekordwert aus dem Jahr 2003 gilt fast als unantastbar, es wäre erstaunlich, wenn dieser Wert bereits mit der aktuellen Hitzewelle, 13 Jahre später fallen würde.

Im Hitzesommer 2003 gab es mehrere Hitzewellen. Am markantesten waren jene im Juni und dann vor allem jene Anfang August. Maximal reihten sich in Zürich 11 Tage mit einer Höchsttemperatur von mehr als 30 Grad (sogenannte Hitzetage) aneinander. Dies entspricht aber erstaunlicherweise nicht ganz dem langjährigen Rekord. Zwischen Ende Juli und Anfang August 1947 war es nämlich an 12 aufeinanderfolgenden Tagen brütend heiss. Während der erwähnten Hitzeperiode 1911 waren es 10 Hitzetage in Folge. Im Rekord-Juli 2006 waren es immerhin 8 Tage. Solch lange Hitzeperioden wurden seither nicht mehr beobachtet. Eine Hitzewelle kommt selten allein, sodass in den Hitzesommer 1947 und 2003 im ganzen Sommer insgesamt 26 respektive 27 Hitzetage mit mehr als 30 Grad gemessenwurden.

 

Knapp 38 Grad in Zürich

Hitzewellen bleiben vor allem aufgrund ihrer Dauer in Erinnerung, aber auch wegen ihrer maximalen Höchsttemperatur. Die höchste je in Zürich gemessene Temperatur seit 1901 stammt mit 36,4 Grad wahrscheinlich auch aus dem Hitzesommer 2003. In der nicht homogenisierten Temperaturhistorie sind aber auch höhere Werte für Zürich ersichtlich. Jedoch lag damals die Referenzwetterstation von Zürich zuerst mitten in der Innenstadt bei der Urania-Sternwarte und später auf dem Gelände der ETH Zürich, bevor sie an den heutigen Standort in Zürich-Fluntern verlegt wurde. Die tatsächlich gemessenen Werte sind deshalb nicht vergleichbar und müssen nachträglich um die Stationsverschiebungen korrigiert werden. Ohne diese Korrektur aber, gemessen mitten in der Stadt Zürich, beträgt die höchste je gemessene Temperatur in Zürich 37,7 Grad und stammt aus dem Juli 1947.

 

Wie kann man „Hitze“ messen?

Das Empfinden von Hitze hängt nicht nur von der Temperatur ab, sondern auch von der in der Luft enthaltenen Feuchtigkeit. Hohe Temperaturen sind bei tiefer relativer Luftfeuchtigkeit viel besser zu ertragen. Dies lässt sich sehr schön am Beispiel einer finnischen Sauna veranschaulichen, in welcher die Lufttemperatur von etwa 90 Grad nur ertragbar ist, weil die Feuchtigkeit sehr gering ist. Um also „Hitze“ zu messen verwendet die MeteoSchweiz einen Heat Index, in welchem die Temperatur sowie die Luftfeuchtigkeit zu einer Ziffer verrechnet werden. Wird an mindesten 3 Tagen in Folge ein Heat Index grösser als 90 erwartet, gibt MeteoSchweiz eine Warnung der Stufe 3 für Hitze aus. Ein Heat Index grösser als 90 kommt bei 29 Grad und 70 Prozent Luftfeuchte oder aber bei 33 Grad und 35 Prozent Feuchte zustande. Für eine Warnung Stufe 4 muss über mindestens 5 Tage ein Heat Index grösser als 93 erwartet werden, so wie in der aktuellen Hitzewelle.

Hitzewellen: die markantesten in der Geschichte Zürichs