Drittwärmster Herbst seit Messbeginn

Auf den drittwärmsten Frühling und den zweitwärmsten Sommer folgte der drittwärmste Herbst seit Messbeginn. Der Eindruck täuscht nicht: Alle Jahreszeiten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erwärmt.

Mit den “Warming Stripes” wird eindrücklich ersichtlich, dass die jährlichen Quartalstemperaturen in Zürich immer wärmer werden. Daten: MeteoSchweiz, Inspiration: Ed Hawkins.

Der diesjährige Herbst gehört auf der Alpennordseite zu den niederschlagsärmsten seit Messbeginn 1864. In Zürich erreichte die Niederschlagssumme von September bis November lediglich 51 Prozent der Norm 1981-2010. Letztmals trockener war der Herbst 1969 vor knapp 50 Jahren. Auf der Alpennordseite zeigt der Herbst seit dem Jahr 2004eine ausgeprägte Tendenz zu unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen. Zwölf der letzten fünfzehn Herbste waren in Zürich zu trocken. Wobei alle drei Herbstmonate von der abnehmenden Niederschlagsaktivität betroffen sind. In Erinnerung bleibt der November 2011, wo im ganzen Monat überhaupt kein Tropfen Regen fiel. Auch heuer war die herbstliche Trockenheit im November am stärksten ausgeprägt. Am Zürichberg konnten nur 20 Prozent der üblichen Regenmengen gemessen werden. Damit setzte sich die aussergewöhnliche Trockenperiode weiter fort. In diesem Jahr brachte lediglich der Januar überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Alle anderen Monate waren teilweise deutlich zu trocken. Die Periode Februar bis November gilt in Zürich als die vierttrockenste seit Messbeginn im Jahr 1864. Das sich zu Ende neigende Jahr 2018 gehört in der Limmatstadt zu den zehn trockensten in der über 150-jährigen Messreihe.

 

Sonnig und trocken

Wo Trockenheit ist, ist häufig auch viel Sonnenschein. Und so erstaunt es nicht, dass der Herbst 2018 in Zürich auch sehr viel Sonnenschein bescherte. Im Raum Zürich bewegte sich die herbstliche Sonnenscheindauer regional weit über der Norm 1981-2010, wie MeteoSchweiz berichtet. Die Wetterstation am Zürichberg registrierte mit knapp 460 Stunden Sonnenschein, dies entspricht 147 Prozent der Norm, den drittsonnigsten Herbst seit Messbeginn 1884. Während die Nebeltage im September und Oktober rar blieben, brachte der November deutlich mehr graue Tage. Wobei nicht immer der Nebel schuldig für die trüben Verhältnisse war, sondern Tiefdruckgebiete über Westeuropa, die viele Wolken von Süden her in Richtung Schweiz führten. Im Schutz der Alpen blieb es trotz vieler Wolken im Norden aber weitgehendst trocken, während der November auf der Alpensüdseite buchstäblich ins Wasser fiel.

 

Drittwärmster Herbst

Wie die Trockenheit, so ist auch die Wärme im Witterungsjahr 2018 ein treuer Begleiter. Zürich erlebte bereits den drittwärmsten Frühling und den zweitwärmsten Sommer. Gefolgt vom drittwärmsten Herbst. In Zürich erreichte der Herbst 2018 eine Durchschnittstemperatur von 11 Grad. Auch in Zürich brachten bisher nur der Herbst 2014 mit 11,4 Gradund der Rekordherbst 2006 mit 12,2 Grad mehr Wärme. Und somit folgte in diesem Jahr der drittwärmste Herbst auf den zweitwärmsten Sommer und den drittwärmsten Frühling. Vier der fünf wärmsten Herbste wurden seit 2006 registriert.

Seit Messbeginn im Jahre 1864 hat sich der Herbst in Zürich um 1,7 Grad erwärmt. Rund ein Grad dieser Erwärmung fand allein in den letzten 50 Jahren statt. Alle Herbstmonate haben sich in den letzten Jahren erwärmt. Am stärksten von der Erwärmung betroffen ist allerdings der Oktober. Seit Beginn der Messungen 1864 ist er in Zürich um 2,4 Grad wärmer geworden. Der September war mit einer Erwärmung von 0,8 Grad bisher weniger stark betroffen.

 

Alle Jahreszeiten wärmer

Nicht alle Jahreszeiten und Monate erwärmen sich im Gleichschritt. Der Herbst ist in Zürich eigentlich die Jahreszeit mit der geringfügigsten Erwärmung in den letzten 50 Jahren. Am stärksten hat sich in jüngster Zeit der Sommer erwärmt. In den letzten 50 Jahren wurde er mit einer Erwärmung um 1,8 Grad deutlich wärmer. In der gleichen Periode hat sich auch der Frühling um 1,6 Grad erwärmt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Frühling sogar um knapp 2 Grad wärmer. Der März ist von der Frühlingserwärmung bisher am stärksten betroffen. Bei den Sommermonaten zeigt sich das Erwärmungssignal im August am ausgeprägtesten. Die Jahreszeit mit der stärksten Erwärmung seit Messbeginn 1864 ist allerdings der Winter. So sind die Winter heutzutage in Zürich 2,4 Grad wärmer als Mitte des 19. Jahrhunderts. Dabei haben sich alle Wintermonate sehr stark erwärmt. Mit einem Plus von drei Grad weist der Januar aber unter allen die markanteste Erwärmung seit 1864 vor.

Drittwärmster Herbst seit Messbeginn

Megadürre

Seit Februar sind nur unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen gefallen. Das Regendefizit ist gravierender als in den letzten Hitzesommern 2003 und 2015. Die Schweiz erlebt eine Dürre wie seit 70 Jahren nicht mehr.

Die teils anhaltenden Regengüsse vom 27.-29. Oktober waren die ersten nennenswerten seit dem 1. Oktober. Seither ist es wieder trocken. Auch im November gab es auf der Alpennordseite kaum nennenswerte Niederschläge. So erstaunt es kaum, dass auch der Oktober und November als zu trocken in die Wetterannalen eingeht, mit verbreitet nur der Hälfte der sonst üblichen Regenmengen. Die aussergewöhnliche Niederschlagssituation in der Schweiz hält damit an. Der November war bereits der zehnte zu trockene Monat in Folge. Letztmals mehr Niederschlag als im langjährigen Mittel gab es innert Monatsfrist im Januar 2018. Das Niederschlagsdefizit 2018 hat sich zu einer ausgeprägten Trockenheit – einer Dürre entwickelt. In Zürich fehlen die Regenmengen von mehr als drei typischen Sommermonaten.

Langjähriger Verlauf der Niederschlagssumme Februar bis Oktober in Zürich. Dargestellt ist das Verhältnis zur Norm 1981?2010. Die blauen Säulen zeigen überdurchschnittliche, die braunen unterdurchschnittliche Mengen. Aktuell erlebt Zürich die stärkste Dürre seit 1949.

Niedrigwasser

Symptomatisch für das grosse Niederschlagsdefizit sind die Abflüsse praktisch aller Fliessgewässer in fast der ganzen Schweiz deutlich unterdurchschnittlich, so dass im Jura, in den westlichen Voralpen und in weiten Teilen des Mittellandes eine Niedrigwassersituation vorherrscht. Nicht nur bei kleinen und mittelgrossen Flüssen werden für die Jahreszeit sehr tiefe Abflüsse beobachtet. Selbst die Aare unterhalb des Bielersees, der Alpenrhein oder der Hochrhein weisen deutlich unterdurchschnittliche Wasserstände auf. Hier liegen die Abflussmengen zurzeit nahe bei den langjährigen saisonalen Tiefstständen.

Auch die Böden präsentieren sich flächendeckend ausgetrocknet und die Seen weisen teils aussergewöhnlich tiefe Pegel für die Jahreszeit auf. Am Greifen- und Lauerzersee wurden im August so tiefe Pegelstände verzeichnet, wie sie seit Messbeginn noch nie beobachtet wurden. Auch am Zürichsee wurde Ende Oktober beispielsweise der niedrigste Wasserstand für diese Jahreszeit seit 1951 gemessen.

 

Sinkende Grundwasserstände

Infolge der unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen seit Februar gingen auch die Grundwasserstände und Quellabflüsse stark zurück. Für die tägliche Trinkwasserversorgung sind die Grundwasserbestände am relevantesten. Inklusive Quellwasser wird daraus rund 80 Prozent des Trinkwassers gewonnen. Glücklicherweise ist die Versorgung aber weiterhin gesichert. Am problematischsten ist die Lage derzeit für diejenigen Gemeinden, die ihr Trinkwasser hauptsächlich aus Quellen gewinnen, denn diese reagieren deutlich schneller auf Trockenheit. Bis Ende Oktober herrschte zudem in praktisch der ganzen Schweiz aufgrund der trockenen Wälder erhebliche bis grosse Waldbrandgefahr.

 

Noch sind die Auswirkungen der Dürre 2018 nur vereinzelt einschneidend. So klagen die Rheinhäfen in Basel, dass viele Reedereien ihren Betrieb wegen des niedrigen Wasserstandes eingestellt haben. Am Mittelrhein ist der Pegel so tief, dass keine kommerzielle Schifffahrt mehr möglich ist. Zu erwarten ist auch, dass die Schweizer Stromproduzenten aufgrund der Niedrigwassersituation weniger Strom aus Laufwasserkraft produzieren können. Die Bauern melden eine ungewöhnlich schlechte Futterernte, so dass Heu als Futtermittel knapp und teuer wird. Aufgrund der hohen Kosten reduzieren die Bauern ihre Rindviehbestände durch Schlachtungen. Verschiedene Behörden liessen zudem Brunnen abstellen oder verboten die Wassernutzung für Garten oder Swimmingpool. Hält die Trockenheit weitere Monate an, werden die Auswirkungen gravierender werden.

 

Schlimmste Dürre seit 1949

Ein Blick in die Wetterdaten zeigt, dass es die Schweiz aktuell mit der grössten Dürre seit rund 70 Jahren zu tun hat. Seit Februar sind in Zürich lediglich zwei Drittel der üblichen Regenmengen gefallen. Letztmals weniger Niederschlag brachte die Periode Februar bis Oktober im Jahr 1949, als nur gerade die Hälfte der sonst üblichen Regenmengen gemessen werden konnte. In dieser Zeit folgten gleich mehrere Trockenjahre hintereinander. 1947 war ebenfalls eine Spur trockener als 2018 und im Jahr 1943 erlebte die Schweiz eine vergleichbare Dürre wie heuer. Auch in den Jahren 1911, 1920 und 1921 sowie 1864 und 1865 hatte die Schweiz mit Dürren zu kämpfen. Die Niederschläge erreichten zwischen Februar und Oktober lediglich 60-65% der üblichen Mengen, also ähnlich wie 2018. Es zeigt sich auch, dass in der Vergangenheit die Dürren sich häufig über mehrere Jahre erstreckten. Beispiele dafür sind die Ereignisse 1864/65, 1920/21 und vor allem 1943-1949.

 

Megadürre von 1540

Die Dürre 2018 in der Schweiz erreicht bisher ein Ausmass, wie es seit Mitte des 19. Jahrhunderts schon acht Mal aufgetreten ist. Viel intensivere Dürren sind seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen nicht bekannt. Klimageschichtliche Daten verweisen aber auf intensive Dürreperioden in den Jahren 1634, 1666, 1669 und 1718 und auf eine Megadürre im Jahr 1540. Aus Rekonstruktionen von Umwelthistoriker Christian Pfister geht hervor, dass 1540 nur ein Drittel des normalen Jahresniederschlages fiel – sprich die Hälfte der Regenmengen des aktuellen Dürrejahrs 2018. Es war die längste Dürre der letzten 700 Jahre. In Zürich gab es von Mitte März bis Ende September nur sechs Niederschlagsereignisse. Im ganzen Juli fiel damals kein Tropfen Regen. Die Auswirkungen waren gravierend: Das Trinkwasser für Mensch und Tier versiegte und die Mühlen standen wegen der tiefen Pegel still.

 

Wann sich die Lage der aktuellen Trockenheit wieder normalisieren wird, hängt von der Wetterentwicklung ab. Generell braucht es eine längere Phase mit regelmässigen, ergiebigen Niederschlägen, um ein Wasserdefizit in den Böden und im Grundwasser wieder auszugleichen, und damit sich die Abflussmengen in den Fliessgewässern wieder normalisieren. Im langjährigen Vergleich weisen die Abflüsse im Spätherbst und Winter generell sinkende Tendenz auf, wodurch sich die Niedrigwassersituation weiter verschärfen könnte.

Megadürre