Globale Rekordwärme setzt sich auch in der Schweiz durch

Global fallen dieses Jahr die Temperaturrekorde: Der Juli 2015 war der wärmste je gemessene Monat und auch der August, September und Oktober 2015 waren allesamt Rekordmonate. Zudem dürfte das Jahr 2015 gemäss der Weltorganisation für Meteorologie global gesehen das wärmste Jahr seit Messbeginn werden. Der sich abzeichnende, globale Temperaturrekord für das Jahr 2015 könnte zudem zum ersten Mal die Marke von 1 °C Temperaturanstieg gegenüber dem vorindustriellen Niveau durchschreiten. Damit wäre bereits die Hälfte der 2-Grad-Erwärmung erreicht, welche der UNO-Klimagipfel 2009 als Grenze festlegte, um gefährliche Auswirkungen der Klimaänderung zu limitieren. Die globalen Klimaverhandlungen sind zurzeit in der nächsten Runde: Vom 30. November bis 11. Dezember 2015 findet in Paris die UN-Klimakonferenz mit Teilnahme der Schweiz statt. Ein zentrales Ziel der Konferenz ist eine neue, umfassende internationale Klimaschutz-Vereinbarung.

Der November 2015 egalisierte in Zürich den bisherigen Novemberrekord aus dem Jahre 1994.

 

Herbst nach Rekord-November doch zu warm

Trotz der globalen Temperaturrekorde konnte sich der Herbst 2015 in Mitteleuropa lange Zeit vor der schon fast omnipräsenten Wärme auf dem Globus „verstecken“. So waren heuer mit dem September und Oktober die ersten zwei Herbstmonate kühler als im langjährigen Mittelwert der Periode 1981-2010. Das Temperaturdefizit belief sich auf ein halbes bis knapp ein ganzes Grad Celsius. Der September war so kühl wie seit 2010 nicht mehr und ganze zwei Grad kälter als im Vorjahr. Von Spätsommerwetter konnte kaum an einem Tag die Rede sein. Vielmehr machte der September schon richtig auf Vollherbst und es fühlte sich an, wie wenn schon Oktober wäre. Mit dem Oktober kam dann auch schon der November – zumindest was die Temperaturen in den ersten zwei Monatsdritteln anbelangte. Von einem Altweibersommer fehlte jede Spur: es herrschte Novembertristesse mitten im Oktober. Im letzten Oktoberdrittel schwappte dann die globale Wärme auch wieder nach Mitteleuropa und beendete eine knapp zweimonatige „Kältephase“. Mit der Wärme kam auch die Sonne zurück. In der Folge erlebte die Schweiz goldene letzte Oktobertage und einen Martinisommer wie wohl nie zuvor seit Messbeginn. Die rund vierwöchige Herbstwärme war so ausgeprägt, dass auch der Wintereinbruch in der letzten Novemberwoche mit erneut unterkühlten Temperaturen nichts mehr ausrichten konnte. Der November 2015 egalisierte in Zürich mit durchschnittlich 7,8 Grad den bisherigen Novemberrekord aus dem Jahre 1994. So war der Herbst 2015 unter dem Strich trotzdem 0,6 Grad übertemperiert. Von den zwölf Herbstwochen waren zwar sieben Wochen leicht unterkühlt, doch die fünf zu warmen Wochen brachten Rekordwärme und vermochten die kühleren im Durchschnitt deutlich zu überbieten. Der Herbst 2015 war mit durchschnittlich 10 Grad zwar knapp anderthalb Grad kühler als sein Vorgänger, doch er setzte die Phase mit durchwegs zu warmen Herbstperioden seit 2011 fort. Nur unmerklich kühler war der Herbst jeweils in den Jahren 2012 und 2013.

Grosse Trockenheit

Anders als die Temperaturen änderten die Niederschläge ihr Muster im Verlauf des Herbstes nicht. Die seit Sommermitte anhaltende Niederschlagsarmut setzte sich im Herbst fort. Die Trockenheit hält nun schon seit fünf Monaten an. Die Abweichungen zu den monatlichen Normwerten verringern sich zwar, trotzdem blieben alle Herbstmonate unter ihren Erwartungen. Der November brachte mit 64 mm am Zürichberg wieder mehr Niederschlag als in den zwei vorangegangenen Monaten, im langjährigen Mittelwert 1981-2010 müssten es aber alleine im November 79 mm sein. Mit total 152 mm Niederschlag brachte der Herbst 2015 nur gerade 57 Prozent der erwarteten Niederschläge und war somit ausgesprochen trocken. Extrem war die Trockenheit alleine im Herbst jedoch nicht. Erst in den Jahren 2007 und 2011 gab es mit 138 respektive 149 mm noch weniger Regen. Der trockenste Herbst in Zürich seit 1864 wurde im Jahre 1920 aufgezeichnet mit nur gerade 96 mm Niederschlag.

November-Sonne
Der November war in Zürich ausgesprochen sonnig. Nur die Jahre 1981 und 1986 brachten noch gut 10-20 Stunden mehr November-Sonnenschein.

Viel Sonne im November

Der Herbst 2015 brachte über die ganze Strecke aufsummiert 311 Sonnenstunden am Zürichberg. Das sind rund 11 Prozent mehr als im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Auch während des kühlen Herbstbeginns gab es längere Perioden mit vorwiegend hochdruckbestimmter Witterung, wie MeteoSchweiz schreibt. So beispielsweise vom 24. bis am 30. September und vom 19. bis am 27. Oktober. Während der Nebel im September noch oft ausblieb, blieb er im Oktober dann hartnäckiger, so dass der Oktober mit lediglich 89 Prozent des Solls als einziger Herbstmonat als zu trüb einzustufen ist. Wieder überall sehr sonnig zeigten sich die ersten drei Novemberwochen. Mit 101 Sonnenstunden in Zürich war es einer der sonnigsten November seit 1901. Nur die November aus den Jahren 1981 und 1986 brachten noch 10-20 Stunden mehr Besonnung.

Abweichung der Jahrestemperatur vom vorindustriellen Mittel (1864-1990) für die globale Temperatur (rot) und Zürich (blau) von 1864-2015 (inkl. Mass für die Unsicherheit 2015). Quelle: MetOffice HadCRUT4-Datensatz, MeteoSchweiz.
Abweichung der Jahrestemperatur vom vorindustriellen Mittel (1864-1990) für die globale Temperatur (rot) und Zürich (blau) von 1864-2015 (inkl. Mass für die Unsicherheit 2015). Quelle: MetOffice HadCRUT4-Datensatz, MeteoSchweiz.

Mailand oder Napoli?  

Weniger als ein Monat vor Ende des Jahres 2015 zeichnet es sich immer deutlicher ab: 2015 wird nicht nur global, sondern auch in der Schweiz erneut ein sehr warmes Jahr. Schweizweit und am Zürichberg wird 2015 eines der vier wärmsten Jahre seit Messbeginn 1864 werden, je nach Ausgang des Dezembers. Die Abweichung zum vorindustriellen Niveau ist für die Schweiz aber nicht 1 Grad, sondern rund 2,5 Grad, wie eine Auswertung von MeteoSchweiz zeigt. Das heisst, dass die lokale Erwärmung in der Schweiz deutlich stärker ist als global. Zudem bedeutet dies, dass das globale 2-Grad-Ziel für die Schweiz bis Ende des Jahrhunderts lokal eine Erwärmung von 4‒5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau ausmachen dürfte. Was dies bedeuten könnte, zeigt folgendes Gedankenspiel: Bei Erreichung des globalen 2-Grad-Ziels wird in Zürich ein Klima herrschen wie noch gestern in Mailand. Verfehlt die Weltgemeinschaft aber das 2-Grad-Ziel, bekommt es die Alpennordseite sogar mit dem „Siesta-Klima“ von Napoli zu tun. Der ganze Mittelmeerraum „rückt“ analog ins afrikanische Sahara-Klima nach und die Sahara selber wird zum Glutofen. Während es für Zürich heisst: Mailand oder Napoli, geht es bei vielen anderen Weltbürgern ums nackte Überleben. So richten sich alle Augen auf einen hoffentlich vielversprechenden Ausgang der aktuellen Klimakonferenz in Paris.

 

Titelbild: Klima-Allianz: #dennichliebe Event Zürich

Globale Rekordwärme setzt sich auch in der Schweiz durch

Jahrhundert-Martinisommer und anhaltende Trockenheit

Mitteleuropa erlebte einen noch nie dagewesenen Martinisommer. Eine herbstliche Hitzewelle liess die Temperaturen in Mitteleuropa und in der Schweiz so hoch steigen wie nie zuvor in dieser Jahreszeit. Gleichzeitig verschärfte sich die Trockenheit.

Ein markanter Wetterumschwung am 21. November beendete einen bis dahin rekordverdächtig milden November. Die erste Novemberhälfte war in Mitteleuropa und in der Schweiz geprägt durch aussergewöhnlich hohe Temperaturen. Die extremsten Abweichungen zum langjährigen Referenzwert der Jahre 1981-2010 wurden mit 6 bis 8 Grad zu warmen Temperaturen in den Berglagen und auf den Hügelzügen beobachtet. So waren die durchschnittlichen Temperaturen in der Stadt Zürich rund 4 Grad, auf dem Zürichberg knapp 5 Grad und auf dem Hörnli 7 Grad übertemperiert. Eingesetzt hat diese herbstliche Hitzewelle bereits im letzten Oktoberdrittel. Zwischen dem 21. Oktober und dem 20. November erlebte Mitteleuropa heuer einen Martini-sommer, der alle Rekorde sprengt. Diese 4-wöchige Hitzeperiode mitten im Herbst kann nur durch Superlative beschrieben werden: es war ein Jahrhundert-Martinisommer. Ein Blick in die Wetterbücher bestätigt den Befund. Noch nie seit mindestens 1901 war die Periode vom 21. Oktober bis 20. November so warm. Verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt 1981-2010 waren die Temperaturen 3,2 Grad übertemperiert. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2006 wurde gleich um einige Zehntelsgrade überboten. Noch eindeutiger zeigt sich der ausgezeichnete Martinisommer in der Höhe, wo beispielsweise auf dem Jungfraujoch oder in Samedan neue Allzeit-November-Höchstwerte gemessen wurden. In beiden Fällen handelt es sich um sehr lange Messreihen mit Messbeginn im 19. Jahrhundert, was die Rekorde umso bemerkenswerter macht.

2015 erlebte Mitteleuropa und die Schweiz einen Jahrhundert-Martinisommer. Auch in Zürich war es vom 21.10.-20.11. so warm wie nie zuvor seit mindestens 1901.
2015 erlebte Mitteleuropa und die Schweiz einen Jahrhundert-Martinisommer. Auch in Zürich war es vom 21.10.-20.11. so warm wie nie zuvor seit mindestens 1901.

Kein Rekordherbst

Die Schweiz erlebte zwar einen Jahrhundert-Martinisommer. Für einen Rekordherbst reicht es aber nicht. Der Schein trügt, denn im September und in den ersten zwei Oktoberdritteln dominierten meist unterdurchschnittliche Temperaturen. Der meteorologische Herbst dauert vom 1. September bis zum 30. November. Mit dem jüngsten Wintereinbruch wird sich auch der Wärmeübschuss des Novembers noch etwas nach unten korrigieren. Unter dem Strich wird der Herbst einige Zehntelgrad übertemperiert ausfallen, jedoch deutlich kühler als im sehr milden Vorjahr. Der Herbst 2015 wird voraussichtlich so kühl wie seit 2010 nicht mehr. Der bisherige Rekord-Herbst aus dem Jahr 2006 war beachtliche 2,5 Grad wärmer als der diesjährige.

Eine solch ausgeprägte Trockenheit in der Periode von Juli-November wie in diesem Jahr kam bisher seit Messbeginn in 1864 erst zweimal vor.
Eine solch ausgeprägte Trockenheit in der Periode von Juli-November wie in diesem Jahr kam bisher seit Messbeginn in 1864 erst zweimal vor.

Staubtrocken

Aussergewöhnlich war neben den Temperaturen auch die Besonnung. Aufgrund einer beachtenswerten Nebelabsenz erreichten die Sonnenstunden bereits Mitte November in Zürich 140 Prozent des Solls für den gesamten Monat. Grossflächig fiel in der ersten Monatshälfte auch kein Tropfen Regen. Die seit Mitte Jahr anhaltende Trockenheit verschärfte sich weiter. Die letzte ergiebige Niederschlagsserie liegt schon fast ein halbes Jahr zurück: vom 14.-23. Juni fielen in Zürich rund 100 mm Regen, an den Voralpen deutlich mehr. Seither waren Juli, August, September, Oktober und jetzt auch der November deutlich zu trocken. In den letzten fünf Monaten fielen in Zürich gerade einmal rund 200 mm. Unter Berücksichtigung der zu erwartenden Niederschläge bis Ende November sind es in der Periode Juli-November knapp 250 mm. Verglichen mit einem durchschnittlichen Jahr fehlen in der Bilanz 260 mm Niederschlag. Das sind beinahe historische Ausmasse. Nur im Jahre 1949 war die erwähnte 5-monatige Periode in Zürich noch ein wenig trockener. Damals fehlten 270 mm in der Niederschlagsbilanz. Ähnlich trocken war es in dieser Periode auch 1864. Ausgeprägte Trockenperioden über mehrere Monate gab es letztmals im ersten Halbjahr 2011 und während des Hitzesommers 2003. Ein trockener Hochsommer gefolgt von einem trockenen Herbst, wie in diesem Jahr, gab es in den letzten Jahren nie mehr. Dank einem eher feuchten ersten Halbjahr ist das Niederschlagsdefizit 2015 gar nicht allzu gross. Es fehlen lediglich rund 100 mm. Die aktuelle Trockenheit hat aufgrund der Jahreszeit auch verhältnismässig geringe negative Auswirkungen. Da sich Natur und somit auch die Landwirtschaft auf die Winterruhe vorbereiten, gibt es kaum Ernteausfälle. Härter trifft es Fische in kleinen, versiegten Flüssen oder die stillstehenden Kleinwasserkraftwerke. Würde zudem ein kalt-trockener Winter folgen, wäre lokal auch die Trinkwasserversorgung gefährdet. Die nächsten Niederschläge sind also durchaus willkommen.

Jahrhundert-Martinisommer und anhaltende Trockenheit

Leuchtender Herbst am Ende einer kurzen Vegetationszeit

Ein winterlicher Kaltlufttropfen beendete die Vegetationsperiode 2015 frühzeitig. Doch weshalb verlieren Bäume im Herbst ihr Laub? Und sagt der Termin des Laubfalls etwas über den kommenden Winter aus? 

Mitte Oktober, genauer vom 13.-19. Oktober, wurde das Wettergeschehen in Mitteleuropa von einem markanten Kaltlufttropfen geprägt, der sich zuvor vom arktischen Meer auf den Weg zum Alpenraum gemacht hatte. Ein Kaltlufttropfen wird auch als Höhentief bezeichnet und ist ein kleinräumiges, in sich abgeschlossenes Tiefdruckgebiet, welches nur in hohen Luftschichten ersichtlich ist und dort mit Höhenkaltluft angereichert ist. Typischerweise ist es zwischen zwei Hochdruckgebieten eingelagert (wie ein Öltropfen in Wasser) und besitzt kein ausdifferenziertes Frontensystem. Das erwähnte Höhentief startete am 13. Oktober seine Reise über den Benelux-Ländern und wanderte weiter zur Mitte Frankreichs. Im Anschluss zog es weiter über Norditalien zu den Ostalpen. Und es hatte noch nicht genug! In der Nacht auf den 18. Oktober machte es Halt in Bayern, bevor es sich dann zur Mitte Deutschlands verlagerte und am 19. ein Comeback in der Schweiz gab, wie MeteoSchweiz schreibt. Innerhalb einer Woche wanderte der Kaltlufttropfen einmal im Gegenuhrzeigersinn rund um die Schweiz. Die Witterung war dementsprechend grau, feucht und stark unterkühlt. Die Tagesmitteltemperaturen lagen in Zürich über mehrere Tage hinweg rund 5 Grad unter dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Das Wetter erinnerte eher an Mitte November als an Mitte Oktober. Zum ersten Mal in diesem Herbst sank zudem die Schneefallgrenze zum Teil bis unter 1000 Meter.

Ein äusserst langlebiges Höhentief mit eingeschlossener Kaltluft (Kaltlufttropfen) dominierte Mitte Oktober die Witterung in Mitteleuropa. Der Kaltlufttropfen bewegte sich innert einer Woche einmal um die Schweiz.
Ein äusserst langlebiges Höhentief mit eingeschlossener Kaltluft (Kaltlufttropfen) dominierte Mitte Oktober die Witterung in Mitteleuropa. Der Kaltlufttropfen bewegte sich innert einer Woche einmal um die Schweiz.

Kurze Vegetationsperiode 2015

Mit den vorwinterlichen Temperaturen Mitte Oktober wechselte die Flora frühzeitig in die Vegetationsruhe. Der sich rhythmisch wiederholende Vegetationszyklus setzt mit der Vegetationsperiode Mitte März ein. Am Ende einer ausgeprägten Hochdruckphase wurde aus Süden sehr milde Luft in die Schweiz geführt und die Tagesmitteltemperaturen lagen an fünf Tagen in Folge über 5 Grad – der Startschuss der Vegetationsphase ist erfolgt. Als technischer Richtwert zur Abgrenzung von Vegetations- und Ruheperioden wird häufig eine anhaltende Schwellentemperatur von +5 °C angesetzt, unter welcher Pflanzen normalerweise ihren Wuchs, d. h. die Zellteilung einstellen. Ein Tag mit einer Tagesmitteltemperatur über 5 °C wird Vegetationstag genannt. In Mitteleuropa ist es üblich, die Vegetationsperiode anhand von fünf aufeinander folgenden Tagen > 5 °C zu bemessen (weil es oft kurzfristig auch im Winter leichtes Tauwetter gibt). Die Vegetationsperiode dauert am Zürichberg rund 245 Tage. Wobei sie sich im Zuge der globalen Erwärmung von 234 am Anfang des 20. Jahrhunderts auf heutzutage rund 270 Tage deutlich verlängert hat. Das Kälteintermezzo Mitte Oktober beendete die Vegetationsperiode heuer, wenn auch nicht flächendeckend, nach eher bescheidenen 213 Tagen. Ähnlich kurz war sie im Jahr 2009. Im Warmjahr 1994 dauerte sie sogar unglaubliche 334 Tage – also fast das ganze Jahr. Das Ende der Vegetationszeit wird durch die Blattverfärbung und den späteren Blattfall eindrücklich präsentiert. Doch warum verlieren die Bäume im Herbst ihr Laub?

Wieso verlieren Bäume ihr Laub?

Bäume gewinnen ihre Energie durch Fotosynthese aus Sonnenlicht. Dazu benötigen sie Chlorophyll, den grünen Blattfarbstoff. Wegen der einsetzenden Kälte und der fehlenden Sonneneinstrahlung (zu wenig Licht) kann die Fotosynthese im Winter nicht stattfinden. Hinzu kommt, dass Laubbäume über ihre Blätter viel Wasser verlieren, welches im Winter durch die Wurzeln bei gefrorenem Boden kaum nachgeliefert werden kann. So ziehen Laubbäume im Herbst frühzeitig alle Nährstoffe aus den Blättern zurück. Bei diesem Vorgang wird das Chlorophyll in den Blättern abgebaut. Zurück bleiben gelbe und rote Blattfarbstoffe. Je kälter die Nächte während der Laubverfärbung ausfallen, desto leuchtender zeigt sich die Natur, weil dann dieser Prozess beschleunigt und dadurch sogar zusätzlich gelber und roter Farbstoff aufgebaut wird. Sind dem Blatt alle Nährstoffe entzogen, wächst eine Trennschicht zwischen Blattstiel und Zweig. Beim nächsten Windstoss trennt sich der Baum schlussendlich von seinen Blättern. Durch die Laubfärbung beziehungsweise den Laubfall wird in der

Phänologie unter anderem auch der Beginn des Vollherbstes und des Spätherbstes definiert. Die phänologischen Jahreszeiten richten sich nach den für die Jahreszeit charakteristischen Entwicklungsstadien verschiedener mitteleuropäischer Pflanzen. Der Vollherbst beginnt,  wenn Rosskastanie, Eiche, Esche und Rotbuche ihr Laub verfärben. Der Spätherbst beginnt, wenn diese Baumarten ihr Laub verlieren. Blattfärbung und der Laubfall sind somit stark vom vorherrschenden Wetter im Herbst geprägt. Trotzdem gibt es alte Bauernregeln, die eine Langzeitwirkung zwischen Laubfall und zu erwartende Winterwitterung beschreiben:

“Fällt das Laub zeitig im Garten, ist schöner Herbst und gelinder Winter zu erwarten.” und “Hängt das Laub bis November hinein, wird der Winter lange sein.“

Entsprechend steht ein schöner Spätherbst und ein milder Winter bevor, denn der Blattfall hat heuer früh eingesetzt. Die Blattverfärbung und der Blattfall hängen aber vor allem von der Witterung im Herbst ab. Übersetzt besagt die alte Bauerregel also, dass das anstehende Winterwetter von der Witterung im Herbst bestimmt wird. Dies kann zwar nicht ausgeschlossen werden, jedoch sind die Zusammenhänge sehr komplex. Von einem kalten Oktober auf einen milden Winter oder umgekehrt zu schliessen, wäre deutlich zu kurz gegriffen.

Leuchtender Herbst am Ende einer kurzen Vegetationszeit

Altweibersommer: heutzutage nur noch Mythos

Der Oktober gilt als Übergangsmonat vom Spätsommer in den Herbst. Die Vegetation verabschiedet sich vor der Winterruhe in milder Farbenpracht. Die sanfte, goldene Oktobersonne verliert täglich an Stärke und steht nur noch tief über dem Horizont. Während einer Schönwetterphase im Herbst lassen sich die Facetten des goldenen Herbsts am besten geniessen. Der Altweibersommer beschreibt diese ruhige und farbenfrohe Zeit und ist ein willkommener Witterungsregelfall mitten im Herbst.

Als Witterungsregelfall oder Singularität wird eine an bestimmten Kalendertagen mehr oder weniger regelmässig auftretende Abweichung vom mittleren jährlichen Gang der meteorologischen Elemente bezeichnet, wie MeteoSchweiz schreibt. Am deutlichsten zeigt sich der Altweibersommer in Berglagen über dem Nebelmeer. Während die Wahrscheinlichkeit eines Schönwettertages im September um 40 Prozent liegt, steigt diese um Mitte Oktober auf knapp 60 Prozent an, bevor sie Ende Oktober wieder bei rund 40 Prozent zu liegen kommt. Aus der Bestimmung der Schönwetterhäufigkeit an den Tagen der Monate September und Oktober in Davos wird klar, dass der Altweibersommer ein Oktoberphänomen ist. Die Tage vom 12. bis zum 17. Oktober zeigen in den Alpen am häufigsten schönes Wetter. Doch wie steht es um den Altweibersommer im Flachland? Und wie hat sich der Altweibersommer in den letzten Jahre unter veränderten Klimabedingungen verändert?

Altweibersommer am Zürichberg

Der Altweibersommer zeigt sich erfahrungsgemäss mit milden Temperaturen, Sonnenschein und trockenen Verhältnissen.

Bei den Temperaturen gibt es in der gesamten betrachteten Periode von 1901-2014 am Zürichberg kaum nachweisbare Signale. Erwartungsgemäss wird es von Anfang bis Ende Oktober im langjährigen Durchschnitt von Tag zu Tag ein wenig kälter. Eine kleine Abweichung (Singularität) zeigen nur die Tage vom 11. bis zum 13. Oktober, wo die Temperaturen im Durchschnitt an drei Tagen in Folge höher sind als noch am 10. Oktober. Der Altweibersommer dringt in Zürich temperaturtechnisch also nur ganz schwach durch. Ähnliches gilt für die Besonnung. Naturgemäss werden die Tage bis zum 21. Dezember immer kürzer, so dass auch die durchschnittliche Anzahl der Sonnenstunden im Oktober täglich abnehmen sollte. Dies trifft auch weitgehend zu. Eine schwache positive Abweichung zeigt sich in der Periode 1901-2014 an den Tagen vom 11. und 12. Oktober, die im Mittel wieder mehr Sonne erhalten als die Vortage. Auch bei den Niederschlägen zeigt sich kein klares Bild. Die Niederschlagsmengen zeigen über den ganzen Oktober hinweg deutliche Schwankungen. Mit viel Goodwill ist eine Reduktion der Regenmengen zwischen dem 10.-21. Oktober auch in der langjährigen Statistik der Wetterstation in Zürich ersichtlich. Der Altweibersommer ist in der langjährigen Klimatologie von Zürich also nur zu erahnen, am ehesten an den Tagen um den 12. Oktober, aber nicht fundiert ersichtlich. Dies war aber nicht immer so. Früher war die Singularität des Altweibersommers im Züricher Klima deutlich nachweisbar.

Auf den Altweibersommer war früher (1925-1954) in Zürich Verlass. Mitte Oktober gab es deutlich weniger Regen als zum Monatsanfang und -ende. Dieses Muster verschwand in der Periode 1955-1984. In den letzten 30 Jahren kehrte es zögerlich zurück.
Auf den Altweibersommer war früher (1925-1954) in Zürich Verlass. Mitte Oktober gab es deutlich weniger Regen als zum Monatsanfang und -ende. Dieses Muster verschwand in der Periode 1955-1984. In den letzten 30 Jahren kehrte es zögerlich zurück.

Altweibersommer im Wandel der Zeit

In den letzten 90 Jahren hat sich der Altweibersommer Zürcher Oktoberwetter sehr dynamisch im entwickelt. In der 30-jährigen Periode von 1925-1954 war dieser in Zürich an den Tagen vom 12.-20. Oktober deutlich zu erkennen. So sank in dieser Zeitspanne die durchschnittlich zu erwartende Regenmenge auf 1,5 mm ab. Vor und nach der Periode des Altweibersommers lag diese doppelt so hoch bei rund 3 mm. In den darauffolgenden 30 Jahren von 1955-1984 verschwand dieses Muster spurlos. Die Tage vom 12.-20. Oktober brachten nun gleich viel oder sogar mehr Niederschlag wie alle anderen Tage im Oktober. Auch in den letzten 30 Jahren (1985-2014) ist das alte Muster nicht wieder zurückgekehrt. Es gibt jedoch Anzeichen eines langsamen Comebacks. Dabei lassen sich zwei Phasen erkennen, eine erste vom 13. bis zum 18. Oktober und eine zweite vom 25. bis zum 28. Oktober, doch die Jahr-zu-Jahr-Schwankungen sind zu ausgeprägt, als dass ein stabiles neues Altweibersommer-Muster erkennbar wäre. Das gleiche Bild zeigt sich bei den Höchsttemperaturen. Während in der Periode vom 1925-1954 die Temperaturen zwischen dem 10.-21. Oktober konstant auf mildem Niveau verharrten, war dies in den darauffolgenden 30-jährigen Perioden nicht mehr zu erkennen. Vielmehr sinken die Temperaturen vom Monatsanfang bis Monatsende kontinuierlich schrittweise ab. Der Altweibersommer zeigte sich im früheren Zürich von 1925-1954 auch in der Besonnung. Die Tage vom 12.-20. Oktober brachten durchschnittlich deutlich mehr Sonne als die Tage vor und nach dem Altweibersommer. Während dieses Muster in der Periode 1955-1984 gänzlich verschwand, kehrte es in den letzten 30 Jahren zaghaft zurück.

Verlässliches Altweibersommer Mitte Oktober ist unter heutigen Klimabedingungen im Flachland also nicht mehr ersichtlich. Die Anzeichen einer Rückkehr des Altweibersommers sind jedoch zu erahnen. Etwas besser stehen die Chancen auf goldiges Herbstwetter in den Bergen, die ja nicht so weit von Zürich entfernt liegen.

Altweibersommer: heutzutage nur noch Mythos