So wird das Wetterjahr 2019

Wiederkehrende Witterungsmuster der letzten zwei Jahrzehnten könnten auch das diesjährige Wetterjahr prägen. Was kommt 2019 auf Zürich zu? 

Der Januar 2019 bricht den Wärmebann, welcher seit März 2018 über Mitteleuropa liegt. Als erster seit 10 Monaten am Stück dürfte der diesjährige Januar gegenüber dem langjährigen Referenzwert der Jahre 1981-2010 zu kalt ausfallen. Für ein abschliessendes Fazit ist es noch zu früh, aber das Ende der grossen Wärme aus dem Vorjahr geht mit dem Januar 2019 zu Ende. Wie geht es nun weiter im noch jungen Wetterjahr 2019?

Der allgemeine Temperaturanstieg lässt den Februar in Zürich momentan kalt. Milde und kalte Februare wechseln sich recht gleichmässig ab. In jüngster Zeit sind es sogar wieder mehr kalte Februare als noch in den 90er-Jahren.

Neue Wettertrends

Eines vorweg: natürlich weiss niemand – ausser Petrus persönlich – wie die Witterung im Jahr 2019 ablaufen wird. Trotzdem können Trends der letzten Jahre ein Indiz dafür sein, wie sich das Wetter 2019 präsentieren wird. Denn in den jüngsten Dekaden haben sich neue Witterungsmuster etabliert. Die wichtigsten sollen hier genauer beleuchtet werden.

Eisiger Februar – sommerlicher April

Ein Trend, der besonders hervorsticht, weil er auf den ersten Blick nicht richtig ins Bild passen will, ist die Häufung kalter Wintermonate in den letzten rund 10 Jahren. Insbesondere der Februar hat es in den letzten Jahren immer wieder kalt erwischt. So waren vier der letzten sieben Februare (teils deutlich) zu kalt. Zudem fällt auf, dass eigentlich nur noch extreme Februare beobachtet wurden. Entweder eisigkalt oder frühlingshaft mild, wie beispielsweise 2016 und 2017. Die kalten Ausreisser dominieren das Bild aber zurzeit. Nachdem der Februar in den 90er- und Nullerjahren sprunghaft wärmer wurde, kühlte sich der Februar in der aktuellen Dekade sogar wieder stark ab.

Im Laufe der 80er-Jahre erhöhten sich die Frühlingstemperaturen in Zürich deutlich. In den letzten 31 Jahren waren alle Frühlinge (März bis Mai) wärmer, als vom langjährigen Referenzwert der Jahre 1961-1990 vorgeschrieben. Unterkühlt blieb der Frühling seit 1988 nur im Jahr 2013. Insbesondere der April zeigt seit 2007 eine schwindelerregende Verwandlung. So ist der April heutzutage zwei Grad wärmer als noch vor 15 Jahren! Die vier wärmsten Aprile wurde alle seit 2007 registriert.

Erst Regen dann Trockenheit

Die Periode Mai bis Oktober bringt in Zürich rund 60 Prozent des Jahresniederschlags, oder knapp 700 mm. Vor rund zwei Dekaden waren die Niederschläge gleichmässig auf die beiden 3-monatigen Abschnitte Mai bis Juli und August bis Oktober aufgeteilt. Fast in jedem zweiten Jahr war die spätsommerliche Periode von August bis Oktober nässer als der Abschnitt Mai bis Juli. Seit nun zehn Jahren kam das nie mehr vor und die spätsommerliche Periode war immer deutlich trockener als die frühsommerliche Periode. Während sich der Spätsommer (August bis Oktober) abtrocknete, bekam der Frühsommer (Mai bis Juli) in den Jahren deutlich mehr Niederschläge. Insgesamt fallen von Mai bis Oktober immer noch gleich viele Niederschläge, jedoch haben sich die Niederschläge also deutlich vom Spätsommer in den Frühsommer verschoben. Seit nun zehn Jahren erlebt Zürich häufig einen Frühsommer-Monsun, gefolgt von einer spätsommerlichen und herbstlichen Trockenzeit.

Hitzesommer

Mit der Trockenheit kam in den letzten Jahren auch immer häufiger die Hitze. So erlebte Zürich in jüngster Zeit mehrere sehr intensive Hitzewellen. Drei der vier heissesten Sommer seit Messbeginn 1864 wurden in den vergangenen vier Jahren verbucht. Heisser als die Hitzesommer 2015 und 2018 war nur der Jahrhundertsommer 2003. Die Hitze verharrt neuerdings im Sommer bis spät in die Nacht. So wurden in den letzten Jahren immer häufiger Tropennächte mit Tiefstwerten von über 20 Grad registriert. Ein Phänomen, welches vor der Jahrtausendwende praktisch nie auftrat.

Grüne Weihnachten

Im 21. Jahrhundert traten sehr tiefe Herbsttemperaturen bisher nicht mehr auf. Die Herbstmonate wurden in den letzten Jahren kontinuierlich wärmer. Insbesondere der November erwärmt sich zurzeit rasant. Der letzte kalte November liegt bereits 12 Jahre zurück. Ähnlich präsentiert sich der Dezember. Eisigkalte, verschneite Dezember sind im aktuellen Jahrzehnt noch komplett ausgeblieben. So erstaunt es auch kaum, dass Zürich bereits zum 15. Mal in Folge grüne anstatt weisse Weihnachten erlebte.

Wird sich das Wetterjahr 2019 an die neuen Witterungsmuster halten und diese fortführen oder wird heuer alles anders. Sprich: auf einen milden Februar folgt ein kalter und staubtrockener Frühling. Die Trockenheit hält bis im Juli an. Anstatt Hitze folgt dann aber ein kühler, verregneter Hochsommer. Die Fortsetzung sähe einen nass-kühlen Herbst vor, wobei der Winter bereits im November und Dezember so richtig auf Touren kommt, so dass auch an Weihnachten 2019 endlich wieder Schnee in Zürich liegt. Meteorologen blicken mit Spannung dem neuen Witterungsjahr entgegen.

So wird das Wetterjahr 2019

Vom Frühsommer-Monsun in die Spätsommer-Trockenzeit

Auf den rekordwarmen September folgt der kälteste Oktoberbeginn seit 42 Jahren. Neben kurzfristigen Wetterphänomenen etablieren sich in der Schweiz aber auch langfristige Witterungsmuster.

Was für ein Wechselbad der Gefühle: Nachdem der September 2016 in Zürich mit durchschnittlich 16,8 Grad am Zürichberg als der drittwärmste in die Wetterannalen eingeht, kam mit dem Oktober der grosse Temperatursturz. Die erste Oktoberhälfte war gemittelt nur gerade 8,4 Grad kühl. Kälter startete ein Oktober letztmals 1974. Obwohl sich September und Oktober temperaturmässig grundsätzlich voneinander unterscheiden, haben sie doch eines gemein. Beide waren geprägt von einer ausgeprägten Trockenheit.

Warme Arktis – kalte Kontinente

Anhaltender Azorenhocheinfluss sorgte im September für überdurchschnittlich viel Sonnenschein und spätsommerliche Temperaturen. In Zürich waren nur die September 2006 und 1961 leicht wärmer als der diesjährige. Anfang Oktober fiel die Temperatur in Mitteleuropa dann schlagartig auf spätherbstliches Niveau. Der Grund für den raschen Wetterwechsel und den bis anhin äusserst kalten Oktober ist ein Wetterphänomen, welches in den letzten Jahren im Herbst und Winter gehäuft auftrat. Ausgelöst wird die Wetteranomalie von der zunehmend eisfreien Arktis. Im Fachjargon wird das Phänomen WACC (Warm Arctic – Cold Continents) genannt.

Wie es der Name verrät, sind die Arktis, Grönland und die an den arktischen Ozean angrenzenden Küstengebiete stark übertemperiert. Die positiven Temperaturabweichungen über rund eine Woche liegen bei 5 bis 10 Grad! Anders sieht es über den Kontinenten der Nordhemisphäre aus. Europa, Nordamerika und südlichere Teile Sibiriens sind deutlich unterkühlt. Der Wärmeüberschuss in der Arktis ist eine Folge der stark geschrumpften Eismassen in der Arktis. Die grosse eisfreie Fläche gibt heute bis weit in den Herbst hinein Wärme an die darüber liegende Luft ab. Die Produktion kalter Luftmassen über dem Arktischen Ozean verspätet sich damit immer mehr, während über den grossen Landmassen die Luft in den zunehmend langen Nächten stark auskühlt. Der Arktische Ozean verhält sich, bedingt durch den Eismangel, mittlerweile wie ein Meer der gemässigten Breiten: Die Energieabgabe vom Wasser an die Luft bewirkt, dass sich über der Arktis, wie sonst üblich im Nordatlantik und Nordpazifik, Tiefdruckgebiete bilden. Die Advektion relativ warmer und feuchter Luft auf die angrenzenden kühlen Landmassen erzeugt dort Schneefälle, wodurch sich an den Nordrändern der Kontinente im Herbst viel rascher eine Schneedecke bildet. Das wiederum beschleunigt die Kaltluftproduktion vor Ort und WACC ist Tatsache. Diese neue Verteilung von Wärme und Kälte wirkt sich grossräumig auf die Bildung von Hochs und Tiefs und die damit einhergehenden Strömungsverhältnisse aus. Anstelle einer herbstlichen Westwinddrift, die feuchte und milde Luft nach Europa transportiert, entstehen in den subpolaren Gebieten starke Hochdruckgebiete, wie im Oktober 2016 über Skandinavien, welche die Westwinde abschnüren und kalter Luft aus Osten den Weg nach Mitteleuropa bereiten. Im Winter bringt dieses Wetterphänomen eisigkalte Witterungsabschnitte. Im Oktober bringt es uns um den goldenen Oktober.

> siehe auch: www.fotometeo.ch

Gemässigte Breiten

Der Herbst hat sich nicht nur durch das Wetterphänomen WACC verändert. In der Schweiz hat sich in den letzten Jahren allmählich ein neues Niederschlagsmuster etabliert. Die gemässigten Breiten, also Mitteleuropa, waren immer dafür bekannt, keine Regen- und Trockenzeiten zu haben. Im ganzen Jahresverlauf wechseln sich trockene und nasse Phasen, so dass sich die Niederschläge über das Jahr relativ gleichmässig verteilen. In den letzten 15 Jahren haben sich in der Schweiz nun aber schrittweise Regen- und Trockenzeiten etabliert. Die Veränderungen betreffen vor allem das Sommerhalbjahr, genauer die Periode von Mai bis Oktober.

Vor 15 Jahren waren der Frühsommer (Mai-Juli) und der Spätsommer (August-Oktober) noch gleich nass. Heutzutage bringt der Frühsommer mehr als doppelt so viel Regen wie der Spätsommer.
Vor 15 Jahren waren der Frühsommer (Mai-Juli) und der Spätsommer (August-Oktober) noch gleich nass. Heutzutage bringt der Frühsommer mehr als doppelt so viel Regen wie der Spätsommer.

Regen- und Trockenzeit

Die Periode Mai bis Oktober bringt in Zürich rund 60 Prozent des Jahresniederschlags, also knapp 700 mm. Vor rund 15 Jahren waren die Niederschläge gleichmässig auf die beiden 3-monatigen Abschnitte Mai bis Juli und August bis Oktober aufgeteilt. Fast in jedem zweiten Jahr war die spätsommerliche Periode von August bis Oktober nässer als der Abschnitt Mai bis Juli. Seit nun acht Jahren kam das nie mehr vor und die spätsommerliche Periode war immer deutlich trockener als die frühsommerliche Periode von Mai bis Juli. Während der Spätsommer (August bis Oktober) in den letzten 15 Jahren um rund ein Drittel, oder um rund 120 mm, trockener wurde, bekam der Frühsommer (Mai bis Juli) in der gleichen Periode 120 mm, oder ebenfalls rund ein Drittel, mehr Niederschläge. Insgesamt fallen von Mai bis Oktober also immer noch gleich viele Niederschläge wie vor 15 Jahren, jedoch haben sich die Niederschläge deutlich vom Spätsommer in den Frühsommer verschoben. Summierten sich die Niederschläge vor 15 Jahren noch in beiden Perioden auf gleich hohe Werte, bringt der Frühsommer heute mehr als doppelt so viel Regen wie der Spätsommer. Seit nun knapp zehn Jahren erleben wir einen Frühsommer-Monsun, gefolgt von einer spätsommerlichen und herbstlichen Trockenzeit.

Vom Frühsommer-Monsun in die Spätsommer-Trockenzeit

Zu warme Frühlinge bleiben die Norm

Der diesjährige Frühling reiht sich mit gemittelt 10 Grad in Zürich knapp hinter den Top 10 der wärmsten seit Messbeginn im Jahr 1864 ein. Damit setzt sich der Trend hin zu deutlich wärmeren Frühlingen fort. In den letzten 28 Jahren brachte lediglich der Frühling 2013 Temperaturen, die unter der Klimanormperiode 1961-1990 lagen. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre sind die Frühlinge in Zürich mit 9,9 Grad fast 2 Grad wärmer, verglichen mit der Referenzperiode. Warme Frühlinge sind zur Norm geworden und sie werden immer wärmer.

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Grosse Wärme im März und April

Das Wärmeplus des diesjährigen Frühlings stammt vor allem aus den Monaten März und April, welche beide mehr als 1 Grad übertemperiert in die Wetterannalen eingingen, verglichen mit den Jahren 1981-2010. Der Mai konnte das hohe Temperaturniveau der Vormonate vorerst aufnehmen, aber nicht bis zum Ende halten und schloss nach einer deutlichen Tempertaturkorrektur in der zweiten Monatshälfte durchschnittlich ab.

Der Witterungsverlauf der drei Frühlingsmonate März bis Mai ähnelte sich erstaunlicherweise über weite Strecken. Zu Monatsbeginn gab es jeweils mit nordwestlicher Strömung wenig Sonne und immer wieder Regen. Es folgte eine mehrwöchige Schönwetterperiode, die insbesondere im März aber auch im April ausgeprägt war und kaum durch Niederschlagsereignisse unterbrochen wurde. Während im März und April jeweils im mittleren Monatsdrittel Hochdruck dominerte, war es im Mai eher eine Südwestströmung, die heiteres und sehr warmes Wetter brachte. Demzufolge blieb es aber im Mai nicht mehr als eine Woche am Stück trocken. Die feuchtwarme Luft aus Südwesten liess dann auch die ersten heftigen Gewitter der Saison übers Land ziehen. Das letzte Monatsdrittel war dann in allen Monaten durch Niederschläge geprägt. Während diese im März und April kurz vor Monatsende und sehr heftig auftraten, kamen sie im Mai zu Beginn des letzten Monatsdrittels und waren in der Region Zürich nicht mehr so heftig.

 

Alle Frühlingsmonate zu nass

Drei grosse Niederschlagsereignisse – Ende März, Ende April und Anfang Mai – sorgten dafür, dass jeder einzelne Frühlingsmonat in diesem Jahr als zu nass eingestuft werden muss. Während der März nur geringfügig nässer war als seine Vorgänger in der Periode 1981-2010, gab es im April und Mai grosse Niederschlagsüberschüsse, wie Daten von MeteoSchweiz zeigen. In absoluten Zahlen brachten April und Mai ähnliche Regenmengen, da der April aber im langjährigen Durchschnitt als trockener eingestuft wird, ist die relative Abweichung mit einem Plus von 75% im April besonders gross. Mit aufsummiert rund 380 mm war der Frühling 2015 rund 30% nässer als im langjährigen Vergleich der Jahre 1981-2010, dies entspricht einem Überschuss von knapp 100 mm. Auf dem Zürichberg war es der nässeste Frühling seit 10 Jahren, als 2006 mit einer Niederschlagssumme von mehr als 500 mm der feuchteste Frühling seit Messbeginn registriert wurde.

 

Nass und trotzdem sonnig

Die grossen Niederschlagsmengen im diesjährigen Frühling trüben das Bild etwas zu stark. So blieb die Anzahl Tage mit Regen im März und April leicht unterdurchschnittlich und aufgrund der langanhaltenden Schönwetterperioden im März und April verzeichneten diese Monate grosse Sonnenerträge. Während März und April noch ein Sonnenplus von 40-50% vorweisen konnten, blieb der Mai durchschnittlich. Unter dem Strich war der Frühling mit mehr als 580 Sonnenstunden deutlich sonniger als im langjährigen Vergleich. In der Periode 1981-2010 brachten die Frühlinge im Durchschnitt 450 Stunden mit Sonnenschein. Der diesjährige Frühling war somit der drittsonnigste der letzten zehn Jahre. Letztmals sonniger war es im Jahr 2011, als der Frühling 740 Sonnenstunden brachte und gleich als sonnigster Frühling in die bisherige Wettergeschichte von Zürich einging.

 

Viele Frosttage, erste Sommertage

Charakteristisch für mehrtägige Schönwetterperioden in der ersten März- und Aprilhälfte gab es in diesem Frühling relativ viele Nachtfröste. Spätfröste blieben jedoch aus, da der letzte Frost in diesem Jahr mit dem 8. April im langjährigen Durchschnitt sogar als leicht zu früh eingestuft werden darf. Mit 15 Frosttagen gab es aber trotzdem einige mehr als in einem durchschnittlichen Frühling. Mit dem Heranströmen von sehr warmer Luft aus der Sahara brachten die Tage vom 11. bis 13. Mai in Zürich dann die ersten Sommertage des Jahres mit Höchstwerten über 25 Grad. Lokal wurden auch die erste Hitzetage des Jahres gemessen. Mit den drei erfassten Sommertagen liegt der Frühling 2015 genau auf dem klimatologischen Erwartungswert. In einem warmen Frühling wie in diesem Jahr wären durchaus auch mehr Sommertage zu erwarten, jedoch fehlte dazu eine langanhaltenden Schönwetterperiode im Mai. Sommertage im April oder sogar März sind selten, sodass Schönwetterperioden in diesen Monaten erst frühsommerliche Werte aber keine Sommertage bringen. Zwischen 1961 und 2014 trat der erste Sommertag mit mehr als 25 Grad im Mittel am 15. Mai auf. Demzufolge wurde es im diesjährigen Frühling etwas früher sommerlich als im langjährigen Durchschnitt. Letztmals früher startete der Sommer im Jahr 2012, als der erste Sommertag auf dem Zürichberg am 28. April erfasst wurde. Der frühste Termin des ersten Sommertages stammt vom 6. April 1961. Am längsten musste Zürich im Jahr 1990 auf den Sommer warten. Damals dauerte es bis zum 19. Juni, ehe das Thermometer zum ersten Mal 25 Grad anzeigte.

Am 1. Juni beginnt der meteorologische Sommer. Mit den ersten Sommertagen im Mai kam er dieses Jahr frühzeitig. Er soll aber bekanntlich nicht nur früh kommen sondern auch lange bleiben.

Zu warme Frühlinge bleiben die Norm

Trockenperioden und Regenphasen im Wechselspiel

Eingelagert in eine ausgeprägte westliche bis südwestliche Höhenströmung wurde der Alpenraum zwischen Ende April und Anfang Mai immer wieder von starken Regenfällen erfasst, welche an der Luftmassengrenze zwischen subtropischer Luft über dem Mittelmeerraum und weniger warmer Luft über Nordeuropa entstanden. Auf dem Zürichberg ergossen sich zwischen dem 25. April und dem 6. Mai rund 140 mm Regen. In nur 12 Tagen fiel fast so viel Regen wie sonst im März und April zusammen. Zuvor herrschte im April eigentlich Trockenheit mit lediglich zwei Regentagen zwischen dem 5. und 25. April.

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Seit Anfang Februar wechseln sich wochenlange Trockenheit und tagelanger Regen ab.

 

Muster wiederholt sich

Dieses Muster mit einer mehrwöchigen Trockenperiode und anschliessender  Regenphase konnte in diesem Jahr nun bereits zum dritten Mal in Folge beobachtet werden. So fiel vom 3.-20. Februar kein Niederschlag bevor es bis zum 4. März regnerisch war mit nur drei Tagen, die trocken über die Bühne gingen. Die Niederschlagsmengen in dieser 12-tägigen Regenperiode waren mit knapp 30 mm in Zürich jedoch bescheiden. Es folgte eine neue zweiwöchige Trockenperiode mit viel Sonnenschein vom 5.-20. März, die dann abermals von einer zweiwöchigen Regenphase mit nur drei Tagen ohne Regen abgelöst wurde. Vom 21. März bis Ostern fielen in Zürich rund 100 mm, deutlich mehr als sonst im ganzen April. Die dritte Trockenperiode verlief, wie eingangs erwähnt, zwar länger (fast drei Wochen) aber mit einem kurzen regnerischen Intermezzo in der Mitte (17. April). Die anschliessenden Regenfälle bis zum 6. Mai dauerten erneut 12 Tage und waren nur von drei regenfreien Tagen durchzogen. Die Wetterlage war immer die gleiche. Ein Hochdruckgebiet verlagerte sich über den Alpenraum. Kaum jemand ahnte, dass eine mehrwöchige Trockenperiode folgen würde, doch das Hoch wich kaum von der Stelle. Immer mehr Tiefdruckgebiete versuchten das Hochdrucksystem zu durchbrechen. Dies gelang dann jeweils und änderte die Grosswetterlage grundlegend und nachhaltig für die nächsten rund zwei Wochen. In der Meteorologie kennt man solche Wiederholungsmuster, jedoch dauern diese in der Regel fünf bis sieben Tage, aber nicht 12-20 Tage wie in diesem Jahr. Ob sich das bewährte Muster auch im weiteren Verlauf durchsetzt, werden die kommenden Wochen zeigen, in den Wettermodellen ist zumindest nichts zu erkennen. Das bedeutet jedoch nichts, denn das beobachtete Muster wurde bisher ebenfalls nicht richtig prognostiziert.

 

Der Frühsommer-Monsun ist in den letzten 25 Jahren gut erkennbar. Anfang Mai und Anfang Juli gibt es deutlich mehr Niederschläge als früher.
Der Frühsommer-Monsun ist in den letzten 25 Jahren gut erkennbar. Anfang Mai und Anfang Juli gibt es deutlich mehr Niederschläge als früher.

Frühsommer-Monsun

Mit dem Frühling steigen erfahrungsgemäss in der Schweiz auch die Temperaturen und es gibt wieder deutlich mehr Sonnenschein als im Winterhalbjahr, aber es beginnt in der Schweiz dann auch die eigentliche Regenzeit. Im Sommerhalbjahr von April bis September kann im langjährigen Mittel 60 % der jährlichen Niederschlagssumme gemessen werden. Die Monate Mai bis August sind die niederschlagsreichsten im ganzen Jahr. Das war in der Schweiz schon immer so und trotzdem hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Starke Regenfälle im Frühsommer wurden seit 1991 häufiger verzeichnet als in der Periode 1961-1990. Zwischen Mai und anfangs Juli ist in den letzten Jahren ein richtiger Frühsommer-Monsun entstanden. Die Auswertung von historischen Wetterdaten der MeteoSchweiz an der Wetterstation in Zürich zeigt, dass die 7-Tages-Niederschlagssumme in den letzten 25 Jahren (seit 1991) Anfang Mai und Anfang Juli deutlich zugenommen hat gegenüber dem langjährigen Mittel der Jahre 1961-1990. Gab es früher Anfang Mai über sieben Tage hinweg Regenmengen von 25 mm, sind es heutzutage mehr als 40 mm. Noch deutlicher ist der Niederschlagszuwachs in Zürich Anfang Juli. Während früher durchschnittliche 7-Tages-Niederschlagssummen von 25 mm erfasst wurden, waren es in den letzten 25 Jahren 45 mm. Die Niederschläge haben sich gegenüber früher aber nicht zeitlich verschoben, sondern kamen zusätzlich zur anhin schon nassen Jahreszeit noch obendrauf. Es zeigt sich, dass der Frühsommer-Monsun in Zürich in drei Schüben kommt. Ein erster Schub Anfang Mai, ein zweiter Ende Mai und Anfang Juni und ein dritter Anfang Juli. Danach wird die Witterung in der Regel etwas trockener. Diese Veränderung in den Niederschlägen passt nicht ganz in die prognostizierte Veränderung im Zuge der globalen Erwärmung. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass die Niederschläge im Sommer in Zukunft abnehmen werden. Eine Trendwende ist nach den starken Regenfällen und Mai-Überschwemmungen auch in diesem Jahr aber noch nicht absehbar. Hoffnung für einen nicht zu nassen Frühsommer bestehen aber noch. So besagt eine Bauernregel: „Auf einen nassen Mai folgt ein trockener Juni.“ Die Trefferquote dieser Regel liegt im Alpenvorland allerdings nur bei 60 %.

Trockenperioden und Regenphasen im Wechselspiel

Frühsommer-Monsun oder kalifornische Trockenheit?

Ziemlich genau vor einem Jahr wurde Mitteleuropa vom katastrophalen Elbehochwasser heimgesucht. Ein Jahr später kämpfen heute weite Teile des Balkans mit Jahrhundertüberschwemmungen. In Mitteleuropa ist es hingegen seit Jahresbeginn deutlich zu trocken und sehr sonnig. 

Sonne-Dez-Mai

Die Periode von Dezember bis Mai war in diesem Jahr in Zürich die drittsonnigste seit Anfang des letzten Jahrhunderts. Noch mehr Sonnenschein gab es nur 2007 und 2011.

Der Mai 2014 war im Schweizer Flachland unbeständig. Langanhaltende Schönwetterperioden gab es nicht und trotzdem blieben die Niederschlagssummen hinter dem langjährigen Durchschnitt zurück. Die sonst für den Mai so typischen Stauniederschläge am Alpennordhang waren heuer deutlich weniger stark ausgeprägt als in den Vorjahren. Der mitteleuropäische Frühsommer-Monsun wird seinem Namen bisher nicht gerecht. Die Trockenheit begleitet Mitteleuropa bereits seit Jahresbeginn. Auch in Zürich waren die ersten Monate des Jahres 2014 deutlich zu trocken, wie aus Daten von MeteoSchweiz hervorgeht. Der Januar brachte nur 75% der üblichen Niederschlagsmengen. Im März fiel sogar nur ein Drittel, verglichen mit der Referenz der Jahre 1981-2010. Kein Monat war bisher zu nass. Mit insgesamt 316 mm Niederschlag seit Jahresbeginn klafft auf dem Zürichberg ein Defizit von rund 100 mm.

Neues Jahr – neues Hochwasser

Vor einem Jahr sah die Lage in Mitteleuropa anders aus. Nach einem trüben und nassen Frühjahr brachte ein ergiebiger Frühsommer-Monsun Starkniederschläge und war für die schweren Elbehochwasser in Mitteleuropa verantwortlich. Mit den jüngsten Jahrhundertüberschwemmungen im Balkan trifft es aber nur ein Jahr später in diesem Frühsommer die Balkanstaaten. Zwischen den beiden katastrophalen Überschwemmungen gibt es einige Parallelen aber auch deutliche Unterschiede.

Vom Wirbel zum Genuatief

Die Ursache für die kräftigen Niederschläge war dieses wie auch schon im letzten Jahr ein sogenanntes Genuatief. Ein solches entsteht, wenn kühle Meeresluft aus dem Nordostatlantik an die Alpen fliesst (Frühsommer-Monsun) und diese anschliessend umströmt. Beim Umströmen bildet sich ein Wirbel über dem Golf von Genua. Über dem zu dieser Jahreszeit schon ziemlich warmen Mittelmeer kann der noch junge Wirbel rasch zu einem mächtigen Tiefdruckgebiet heranwachsen. Das Tiefdruckgebiet schiebt in der Folge relativ warme und sehr feuchte Luftmassen auf beide Seiten der Alpen. Wobei das Hauptniederschlagsgebiet je nach Lage und Ausprägung des Tiefs bevorzugt auf der Alpennord- oder -südseite liegt. Bereits einige Tage vor den verheerenden Überschwemmungen Mitte Mai zeichnete sich ab, dass das Hauptniederschlagsgebiet nicht wie im Vorjahr auf der Nordseite der Alpen sondern im Südosten liegen wird. Wie erwartet fielen Mitte Mai in Norditalien, Südösterreich und über den Balkanstaaten grossflächig 50-100 mm Regen. Im manchen Staulagen der Gebirge, vor allem der Ostalpen und des Dinarischen Gebirges, ergossen sich um 200 mm. Das entspricht etwa der doppelten, im gesamten Monat Mai im Durchschnitt auftretenden Niederschlagsmengen in den betroffenen Regionen. In der Folge überstieg der Pegel vieler Flüsse wie auch jener der Donau die Hochwassermarke. Anders als im Vorjahr konnten die grossen Schneemengen auf der Alpensüdseite im Laufe des sehr warmen Frühlings bereits grösstenteils tauen und abfliessen. Im letzten Jahr brachte der extrem kalte März recht spät viel Neuschnee, der zusätzlich zu den Stauniederschlägen als Tauwasser in die Flüsse kam. Zudem war das Frühjahr wie erwähnt bisher recht trocken, so dass viele Flusspegel vor dem Ereignis niedrig bis normal waren. Die Überschwemmungen im Balkan gelten zwar als Jahrhundertereignis, sind aber aufgrund der Vorgeschichte weniger heftig ausgefallen, als dies vor einem Jahr der Fall gewesen wäre.

Rekordtrockenheit in Kalifornien

Während Südeuropa unter den Hochwassern leidet, ächzt Kalifornien an der Westküste der USA unter einer der schlimmsten Trockenperioden seit Messbeginn. So erstaunte es kaum, dass der diesjährige Start in die Waldbrandsaison besonders heftig war. Die Waldbrände sind eine fast logisch erscheinende Folge der extremen Witterung der vergangenen Monate. Im Zeitraum von Anfang Mai 2013 bis Ende April 2014 wurde an vielen Stationen in Kalifornien nur etwa ein Drittel der üblichen Niederschlagsmengen gemessen. Einzig 1923/24 und 1976/77 war es in den entsprechenden Zeiträumen noch trockener, wie MeteoGroup mitteilt. Wenn man bedenkt, dass in Kalifornien von Mai bis September im Schnitt nur 10 % des Jahresniederschlags fällt, dann ist eine Entspannung der Dürresituation in absehbarer Zeit nicht wahrscheinlich.

Kalifornisches Flair war im letzten Wetterhalbjahr auch im Schweizer Mittelland zu spüren. Auf dem Zürichberg schafft es die Periode von Dezember 2013 bis Mai 2014 mit 830 Sonnenstunden auf dem 3.-sonnigsten Platz. Nur in den Vorjahren 2007 und 2011 gab es in der gleichen Periode noch mehr Sonnenstunden. Erstaunlich ist die Häufung von enorm sonnigen Perioden in den letzten Jahren – mit Ausnahme des trüben Frühjahrs 2013.

Frühsommer-Monsun oder kalifornische Trockenheit?