Zu warme Frühlinge bleiben die Norm

Der diesjährige Frühling reiht sich mit gemittelt 10 Grad in Zürich knapp hinter den Top 10 der wärmsten seit Messbeginn im Jahr 1864 ein. Damit setzt sich der Trend hin zu deutlich wärmeren Frühlingen fort. In den letzten 28 Jahren brachte lediglich der Frühling 2013 Temperaturen, die unter der Klimanormperiode 1961-1990 lagen. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre sind die Frühlinge in Zürich mit 9,9 Grad fast 2 Grad wärmer, verglichen mit der Referenzperiode. Warme Frühlinge sind zur Norm geworden und sie werden immer wärmer.

Frühling2015_infographic

Grosse Wärme im März und April

Das Wärmeplus des diesjährigen Frühlings stammt vor allem aus den Monaten März und April, welche beide mehr als 1 Grad übertemperiert in die Wetterannalen eingingen, verglichen mit den Jahren 1981-2010. Der Mai konnte das hohe Temperaturniveau der Vormonate vorerst aufnehmen, aber nicht bis zum Ende halten und schloss nach einer deutlichen Tempertaturkorrektur in der zweiten Monatshälfte durchschnittlich ab.

Der Witterungsverlauf der drei Frühlingsmonate März bis Mai ähnelte sich erstaunlicherweise über weite Strecken. Zu Monatsbeginn gab es jeweils mit nordwestlicher Strömung wenig Sonne und immer wieder Regen. Es folgte eine mehrwöchige Schönwetterperiode, die insbesondere im März aber auch im April ausgeprägt war und kaum durch Niederschlagsereignisse unterbrochen wurde. Während im März und April jeweils im mittleren Monatsdrittel Hochdruck dominerte, war es im Mai eher eine Südwestströmung, die heiteres und sehr warmes Wetter brachte. Demzufolge blieb es aber im Mai nicht mehr als eine Woche am Stück trocken. Die feuchtwarme Luft aus Südwesten liess dann auch die ersten heftigen Gewitter der Saison übers Land ziehen. Das letzte Monatsdrittel war dann in allen Monaten durch Niederschläge geprägt. Während diese im März und April kurz vor Monatsende und sehr heftig auftraten, kamen sie im Mai zu Beginn des letzten Monatsdrittels und waren in der Region Zürich nicht mehr so heftig.

 

Alle Frühlingsmonate zu nass

Drei grosse Niederschlagsereignisse – Ende März, Ende April und Anfang Mai – sorgten dafür, dass jeder einzelne Frühlingsmonat in diesem Jahr als zu nass eingestuft werden muss. Während der März nur geringfügig nässer war als seine Vorgänger in der Periode 1981-2010, gab es im April und Mai grosse Niederschlagsüberschüsse, wie Daten von MeteoSchweiz zeigen. In absoluten Zahlen brachten April und Mai ähnliche Regenmengen, da der April aber im langjährigen Durchschnitt als trockener eingestuft wird, ist die relative Abweichung mit einem Plus von 75% im April besonders gross. Mit aufsummiert rund 380 mm war der Frühling 2015 rund 30% nässer als im langjährigen Vergleich der Jahre 1981-2010, dies entspricht einem Überschuss von knapp 100 mm. Auf dem Zürichberg war es der nässeste Frühling seit 10 Jahren, als 2006 mit einer Niederschlagssumme von mehr als 500 mm der feuchteste Frühling seit Messbeginn registriert wurde.

 

Nass und trotzdem sonnig

Die grossen Niederschlagsmengen im diesjährigen Frühling trüben das Bild etwas zu stark. So blieb die Anzahl Tage mit Regen im März und April leicht unterdurchschnittlich und aufgrund der langanhaltenden Schönwetterperioden im März und April verzeichneten diese Monate grosse Sonnenerträge. Während März und April noch ein Sonnenplus von 40-50% vorweisen konnten, blieb der Mai durchschnittlich. Unter dem Strich war der Frühling mit mehr als 580 Sonnenstunden deutlich sonniger als im langjährigen Vergleich. In der Periode 1981-2010 brachten die Frühlinge im Durchschnitt 450 Stunden mit Sonnenschein. Der diesjährige Frühling war somit der drittsonnigste der letzten zehn Jahre. Letztmals sonniger war es im Jahr 2011, als der Frühling 740 Sonnenstunden brachte und gleich als sonnigster Frühling in die bisherige Wettergeschichte von Zürich einging.

 

Viele Frosttage, erste Sommertage

Charakteristisch für mehrtägige Schönwetterperioden in der ersten März- und Aprilhälfte gab es in diesem Frühling relativ viele Nachtfröste. Spätfröste blieben jedoch aus, da der letzte Frost in diesem Jahr mit dem 8. April im langjährigen Durchschnitt sogar als leicht zu früh eingestuft werden darf. Mit 15 Frosttagen gab es aber trotzdem einige mehr als in einem durchschnittlichen Frühling. Mit dem Heranströmen von sehr warmer Luft aus der Sahara brachten die Tage vom 11. bis 13. Mai in Zürich dann die ersten Sommertage des Jahres mit Höchstwerten über 25 Grad. Lokal wurden auch die erste Hitzetage des Jahres gemessen. Mit den drei erfassten Sommertagen liegt der Frühling 2015 genau auf dem klimatologischen Erwartungswert. In einem warmen Frühling wie in diesem Jahr wären durchaus auch mehr Sommertage zu erwarten, jedoch fehlte dazu eine langanhaltenden Schönwetterperiode im Mai. Sommertage im April oder sogar März sind selten, sodass Schönwetterperioden in diesen Monaten erst frühsommerliche Werte aber keine Sommertage bringen. Zwischen 1961 und 2014 trat der erste Sommertag mit mehr als 25 Grad im Mittel am 15. Mai auf. Demzufolge wurde es im diesjährigen Frühling etwas früher sommerlich als im langjährigen Durchschnitt. Letztmals früher startete der Sommer im Jahr 2012, als der erste Sommertag auf dem Zürichberg am 28. April erfasst wurde. Der frühste Termin des ersten Sommertages stammt vom 6. April 1961. Am längsten musste Zürich im Jahr 1990 auf den Sommer warten. Damals dauerte es bis zum 19. Juni, ehe das Thermometer zum ersten Mal 25 Grad anzeigte.

Am 1. Juni beginnt der meteorologische Sommer. Mit den ersten Sommertagen im Mai kam er dieses Jahr frühzeitig. Er soll aber bekanntlich nicht nur früh kommen sondern auch lange bleiben.

Zu warme Frühlinge bleiben die Norm

Trockenperioden und Regenphasen im Wechselspiel

Eingelagert in eine ausgeprägte westliche bis südwestliche Höhenströmung wurde der Alpenraum zwischen Ende April und Anfang Mai immer wieder von starken Regenfällen erfasst, welche an der Luftmassengrenze zwischen subtropischer Luft über dem Mittelmeerraum und weniger warmer Luft über Nordeuropa entstanden. Auf dem Zürichberg ergossen sich zwischen dem 25. April und dem 6. Mai rund 140 mm Regen. In nur 12 Tagen fiel fast so viel Regen wie sonst im März und April zusammen. Zuvor herrschte im April eigentlich Trockenheit mit lediglich zwei Regentagen zwischen dem 5. und 25. April.

Tagesregen_2015_ZH
Seit Anfang Februar wechseln sich wochenlange Trockenheit und tagelanger Regen ab.

 

Muster wiederholt sich

Dieses Muster mit einer mehrwöchigen Trockenperiode und anschliessender  Regenphase konnte in diesem Jahr nun bereits zum dritten Mal in Folge beobachtet werden. So fiel vom 3.-20. Februar kein Niederschlag bevor es bis zum 4. März regnerisch war mit nur drei Tagen, die trocken über die Bühne gingen. Die Niederschlagsmengen in dieser 12-tägigen Regenperiode waren mit knapp 30 mm in Zürich jedoch bescheiden. Es folgte eine neue zweiwöchige Trockenperiode mit viel Sonnenschein vom 5.-20. März, die dann abermals von einer zweiwöchigen Regenphase mit nur drei Tagen ohne Regen abgelöst wurde. Vom 21. März bis Ostern fielen in Zürich rund 100 mm, deutlich mehr als sonst im ganzen April. Die dritte Trockenperiode verlief, wie eingangs erwähnt, zwar länger (fast drei Wochen) aber mit einem kurzen regnerischen Intermezzo in der Mitte (17. April). Die anschliessenden Regenfälle bis zum 6. Mai dauerten erneut 12 Tage und waren nur von drei regenfreien Tagen durchzogen. Die Wetterlage war immer die gleiche. Ein Hochdruckgebiet verlagerte sich über den Alpenraum. Kaum jemand ahnte, dass eine mehrwöchige Trockenperiode folgen würde, doch das Hoch wich kaum von der Stelle. Immer mehr Tiefdruckgebiete versuchten das Hochdrucksystem zu durchbrechen. Dies gelang dann jeweils und änderte die Grosswetterlage grundlegend und nachhaltig für die nächsten rund zwei Wochen. In der Meteorologie kennt man solche Wiederholungsmuster, jedoch dauern diese in der Regel fünf bis sieben Tage, aber nicht 12-20 Tage wie in diesem Jahr. Ob sich das bewährte Muster auch im weiteren Verlauf durchsetzt, werden die kommenden Wochen zeigen, in den Wettermodellen ist zumindest nichts zu erkennen. Das bedeutet jedoch nichts, denn das beobachtete Muster wurde bisher ebenfalls nicht richtig prognostiziert.

 

Der Frühsommer-Monsun ist in den letzten 25 Jahren gut erkennbar. Anfang Mai und Anfang Juli gibt es deutlich mehr Niederschläge als früher.
Der Frühsommer-Monsun ist in den letzten 25 Jahren gut erkennbar. Anfang Mai und Anfang Juli gibt es deutlich mehr Niederschläge als früher.

Frühsommer-Monsun

Mit dem Frühling steigen erfahrungsgemäss in der Schweiz auch die Temperaturen und es gibt wieder deutlich mehr Sonnenschein als im Winterhalbjahr, aber es beginnt in der Schweiz dann auch die eigentliche Regenzeit. Im Sommerhalbjahr von April bis September kann im langjährigen Mittel 60 % der jährlichen Niederschlagssumme gemessen werden. Die Monate Mai bis August sind die niederschlagsreichsten im ganzen Jahr. Das war in der Schweiz schon immer so und trotzdem hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Starke Regenfälle im Frühsommer wurden seit 1991 häufiger verzeichnet als in der Periode 1961-1990. Zwischen Mai und anfangs Juli ist in den letzten Jahren ein richtiger Frühsommer-Monsun entstanden. Die Auswertung von historischen Wetterdaten der MeteoSchweiz an der Wetterstation in Zürich zeigt, dass die 7-Tages-Niederschlagssumme in den letzten 25 Jahren (seit 1991) Anfang Mai und Anfang Juli deutlich zugenommen hat gegenüber dem langjährigen Mittel der Jahre 1961-1990. Gab es früher Anfang Mai über sieben Tage hinweg Regenmengen von 25 mm, sind es heutzutage mehr als 40 mm. Noch deutlicher ist der Niederschlagszuwachs in Zürich Anfang Juli. Während früher durchschnittliche 7-Tages-Niederschlagssummen von 25 mm erfasst wurden, waren es in den letzten 25 Jahren 45 mm. Die Niederschläge haben sich gegenüber früher aber nicht zeitlich verschoben, sondern kamen zusätzlich zur anhin schon nassen Jahreszeit noch obendrauf. Es zeigt sich, dass der Frühsommer-Monsun in Zürich in drei Schüben kommt. Ein erster Schub Anfang Mai, ein zweiter Ende Mai und Anfang Juni und ein dritter Anfang Juli. Danach wird die Witterung in der Regel etwas trockener. Diese Veränderung in den Niederschlägen passt nicht ganz in die prognostizierte Veränderung im Zuge der globalen Erwärmung. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass die Niederschläge im Sommer in Zukunft abnehmen werden. Eine Trendwende ist nach den starken Regenfällen und Mai-Überschwemmungen auch in diesem Jahr aber noch nicht absehbar. Hoffnung für einen nicht zu nassen Frühsommer bestehen aber noch. So besagt eine Bauernregel: „Auf einen nassen Mai folgt ein trockener Juni.“ Die Trefferquote dieser Regel liegt im Alpenvorland allerdings nur bei 60 %.

Trockenperioden und Regenphasen im Wechselspiel

Des Bauers Frust mit dem Frühlingsfrost

Der Frühling startete mild und sonnig. Die Vegetation entwickelte sich rasch. Die Nachtfröste zu Ostern kamen daher ungelegen. Doch wann ist es Zeit für den letzten Frost?

 

Bald ist es Frühlingshalbzeit. Der meteorologische Frühling startet am 1. März und dauert bis zum 31. Mai. Der erste Frühlingsmonat war heuer in Zürich mit durchschnittlich 6,4 Grad auf dem Zürichberg rund ein Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010 und rund ein Grad kälter als im Vorjahr. Vor zwei Jahren war der März mit gemittelt lediglich 2,5 Grad jedoch deutlich kälter als im aktuellen Jahr. Die Jahr-zu-Jahr-Schwankungen sind wie in anderen Monaten auch relativ gross, trotzdem zeigt sich auch im Monat März eine eindeutige Erwärmungstendenz. Der letzte richtig kalte März mit einer Mitteltemperatur von nur gerade 1 Grad stammt aus dem Jahr 1987. Davor gab es mindestens alle zehn Jahre einen winterlichen März. Sehr kalt war der März mit nur wenig über null Grad auch im 1971. Der kälteste März stammt übrigens aus dem Jahr 1865 mit -1,2 Grad. Der diesjährige März war nicht nur übertemperiert sondern brachte auf dem Zürichberg mit 174 Sonnenstunden auch rund 40 Prozent mehr Besonnung als im langjährigen Mittel, wie aus Daten von MeteoSchweiz hervorgeht. Mit etwas mehr als 82 mm Niederschlag war der dritte Monat des Jahres in Zürich geringfügig zu nass. Zusammen mit dem nassen Osterwetter konnte das Niederschlagsdefizit aus dem Februar vorerst ausgeglichen werden.

 

Kalt-nasse Ostern

Das Osterwochenende vom 3. bis 6. April 2015 brachte anfangs windiges, dann trüb-nasses und am Ende kühl-sonniges Wetter. Mit einer Durchschnittstemperatur von rund 3,5 Grad waren Ostern 2015 auf dem Zürichberg relativ kühl im langjährigen Vergleich. Letztmals kälter waren Ostern vor zwei Jahren mit nur 1,1 Grad. Der Morgen des diesjährigen Ostermontags war mit -2,6 Grad in Zürich-Witikon der kälteste Ostermorgen seit 2008. An zwei der vier Ostertage fiel Niederschlag. Die Summe erreichte auf dem Zürichberg knapp 20 mm, es waren somit die nassesten Ostern seit 2008. Nach drei eher trüben Osterwochenenden in den Vorjahren, wurde Zürich mit rund 15 Sonnenstunden heuer nicht gerade mit Sonne verwöhnt. Es reichte aber für die sonnigsten Ostern seit 2011.

 

Kalter Aprilstart

Nicht nur Ostern sondern der Aprilstart insgesamt fiel 2015 deutlich unterkühlt aus. Die ersten sieben Apriltage waren auf dem Zürichberg im Durchschnitt knapp 4 Grad kühl und brachten in vier Nächten Nachtfrost. Ein kalter Aprilstart ist in der Klimatologie der Schweiz keine Seltenheit. Erst letztmals vor zwei Jahren waren die ersten sieben Apriltage mit gemittelt 2,6 Grad noch ein Stück kälter als in diesem Jahr. Allerdings gab es 2013 nur drei frostige Nächte in der ersten Aprilwoche. Letztmals mehr Frosttage zum Aprilstart gab es 1970, als fünf der ersten sieben Apriltage negative Nachttemperaturen brachten. Grosse Ähnlichkeit mit dem diesjährigen Verlauf zeigt sich auch im Frühling 2003. Nach einem kalten Februar und einem milden März startete der April mit einem späten Winterrückfall und vier frostigen Nächten in den ersten Tagen. 2003 raffte sich der April in der Folge auf und fuhr bis zum Monatsende noch ein Wärmeüberschuss ein. Es folgten ein frühsommerlicher Mai und der geschichtsträchtige Hitzesommer 2003.

 

Im langjährigen Durchschnitt tritt der letzte Nachtfrost der Saison in Zürich am 12. April auf. In den letzten 17 Jahren brachten jedoch nur die Jahre 2001 und 2013 den letzten Frost zu einem späteren Zeitpunkt.
Im langjährigen Durchschnitt tritt der letzte Nachtfrost der Saison in Zürich am 12. April auf. In den letzten 17 Jahren brachten jedoch nur die Jahre 2001 und 2013 den letzten Frost zu einem späteren Zeitpunkt.

 

Frost im Frühling

Temperaturen unter dem Gefrierpunkt können in der Land- und Forstwirtschaft während der Vegetationsperiode Frostschäden nach sich ziehen. Insbesondere bei weit fortgeschrittener Vegetationsentwicklung bergen scharfe Nachtfröste eine Gefahr für Pflanzen und Kulturen. Wird die  Grünland-Temperatursumme von 200 überschritten, setzt der nachhaltige Vegetationsbeginn ein. Dies ist je nach Witterung zwischen Mitte März und Mitte April der Fall. Heuer wurde dieser Frühlingsstartschuss Ende März abgefeuert, also unmittelbar vor den Nachtfrösten an Ostern. Empfindliche Kulturen mussten deshalb mit Vlies abgedeckt, gefährdete Topfpflanzen ins Warme gebracht werden. Ein Blick in die Wetterannalen von Zürich seit 1901 zeigt, dass der mittlere Termin des letzten Frostes in Zürich der 12. April ist. In den letzten 17 Jahren brachten nur die Jahre 2001 mit dem 23. April und 2013 mit dem 20. April den letzten Frost zu einem späteren Zeitpunkt. Vor dem Hintergrund, dass in der zweiten Aprilhälfte oder im Mai heuer keine Nachfröste mehr folgen, war der letzte Nachfrost vom 8. April 2015 also mehr oder weniger im langjährigen Durchschnitt. In mehr als 85 Prozent der Jahre tritt der letzte Frost in der Periode zwischen dem 21. März und dem 30. April auf. Frühere und spätere Termine sind eine Seltenheit. Fröste im Mai, im Volksmunde auch als Eisheilige bekannt, sind heutzutage kaum noch zu erwarten. Der letzte Mai-Frost in Zürich stammt aus dem Jahr 1979. Zwischen 1901 und 1979 war dies aber in jedem siebten Jahr der Fall. Der späteste Termin des letzten Frosts in Zürich seit 1901 stammt vom 12. Mai 1910. Landwirte und Hobbygärtner profitierten in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits von der globalen Erwärmung. Der Termin des letzten Frostes hat sich seit 1981 gegenüber den Jahrzehnten davor um rund 10 Tage nach vorne verlegt. Dieser Trend dürfte wohl auch in Zukunft anhalten und für weniger frostige Überraschungen im Frühling sorgen.

Des Bauers Frust mit dem Frühlingsfrost

Startschuss für den phänologischen Frühlingsanfang

Der Frühling bringt häufig den letzten Schnee im Flachland. Das Hauptinteresse liegt aber beim Aufblühen der Vegetation: gehört der Frühling 2015 zu den Frühaufstehern?

 

Kein Märzwinter

Mit dem Februar wird Winter assoziiert, mit dem März aber bereits Frühling. Auch wenn der meteorologische Winter mit dem Februar zu Ende geht, sind winterliche Verhältnisse vor allem in der ersten Märzhälfte selbst im Flachland fester Bestandteil des Schweizer Klimas, wie MeteoSchweiz schildert. Unter dem Witterungsregelfall „Märzwinter“ wird eine Häufung von Neuschneetagen mit entsprechend kalter Witterung um den 6. März herum beschrieben. Während die Häufigkeit von Neuschneefällen Ende Februar erstmals abnimmt, ist Anfang März selbst in den letzten Jahrzehnten nochmals mit einer Zunahme von Neuschneefällen zu rechnen. In jedem zweiten bis dritten Jahr gibt es nochmals eine winterliche Episode mit Schnee und Kälte auf dem Zürichberg. Allgemein nimmt die Häufigkeit von Neuschneefällen nach dem Märzwinter dann aber rasch ab. Das heisst aber nicht, dass nach diesem Datum kein Schnee mehr fallen kann. Sogar der launische April bringt selten noch wenig Schnee. In Zürich liegt der mittlere Termin des letzten Schnees in der Periode seit 1931 sogar am 6. April. In 30% der Jahre fiel der letzte Schnee sogar um den 15. April.  Allerdings verschwindet dieser in der starken Frühlingssonne dann jeweils rasch. In diesem Jahr blieb Zürich vom Märzwinter verschont. Der Frühlingsdurchbruch mit viel Sonne und sehr milden Temperaturen liess nicht lange auf sich warten. Ein Winterrückfall wird von Tag zu Tag unwahrscheinlicher.

 

Starker Pollenflug

Die Entwicklung der Vegetation ist im Frühling massgeblich von der Witterung – insbesondere von der Lufttemperatur abhängig. So erstaunt es nicht, dass die Hasel und Erle in Zürich bereits an den sehr milden Tagen um den 13. Januar aufblühten und somit die Vegetationsperiode 2015 sowie die heurige Pollensaison eröffneten. Wie aus Pollenmessungen von MeteoSchweiz hervorgeht, ging der Pollenflug mit der winterlich kalten Witterung Ende Januar und im Februar nochmals deutlich zurück. Erst mit dem Temperaturanstieg Ende Februar und vor allem Anfang März setzten die Sträucher und Bäume wieder deutlich mehr Pollen frei. Während das erste Aufblühen Mitte Januar in Zürich rund zwei bis drei Wochen früher als im langjährigen Durchschnitt beobachtet werden konnte, so ist der starke Pollenflug Anfang März als durchaus normal einzuschätzen. Nachdem nun der Startschuss für die Vegetationsentwicklung gefallen ist, folgt gegen Mitte März häufig die Blüte der Esche und Anfang April der Birke und Hagebuche. Diese Arten können bei überdurchschnittlich milder Witterung aber durchaus bereits in der zweiten Märzhälfte aufblühen. Buche und Eiche folgen dann planmässig im letzten Aprildrittel auf dem Zürichberg, bevor im Mai dann die Gräser ihre sehr allergenen Pollen freisetzen. Während die meisten Sträucher und Bäume zuerst aufblühen und anschliessend oder fast gleichzeitig ihre Blätter entfalten, so machen es die Edelkastanien genau umgekehrt. Ihre Blattentfalltung ist meistens im März oder April, bei sehr milder Witterung auch deutlich früher. Ihre prächtigen, weissen bis roten Blüten präsentieren sie aber erst im Frühsommer, meistens im Juni.

Gemessen an der Grünlandtemperatursumme war der Frühling 2015 ein Frühaufsteher. Der Vorsprung wurde durch den kalten Februar aber wieder zunichtegemacht. Aktuell ist der Frühling 2015 in Zürich (dicke grüne Linie) verglichen mit dem langjährigen Mittel 1901-2014 (grüne Fläche zeigt die Streuung: Interquartilsabstand) sogar leicht in Verzug.
Gemessen an der Grünlandtemperatursumme war der Frühling 2015 ein Frühaufsteher. Der Vorsprung wurde durch den kalten Februar aber wieder zunichtegemacht. Aktuell ist der Frühling 2015 in Zürich (dicke grüne Linie) verglichen mit dem langjährigen Mittel 1901-2014 (grüne Fläche zeigt die Streuung: Interquartilsabstand) sogar leicht im Verzug.

Starkes Symbol

Für Allergiker ist das Aufblühen der Pflanzen gleichbedeutend mit dem Aufleuchten der Alarmglocken ihres Immunsystems. Die Schönheit des Frühlings können sie vor allem bei nicht-allergenen Pflanzen geniessen. Das grösste Schauspiel präsentieren indes auch jene Bäume, welche kaum Allergien auslösen. So ist die Blüte der Obstbäume das eigentliche Symbolbild des Schweizer Frühlings. Als Erster blüht Ende März und im April der Kirschbaum, gefolgt von Birnen- und Apfelbäumen, welche häufig Mitte April und im Mai blühen. Das frühlingshafte Schauspiel entzückt nicht nur die Gemüter, sondern ist auch ein sehr guter Indikator für die Auswirkungen des globalen Temperaturanstiegs. Als Folge der Temperaturzunahme in der Schweiz entwickelt sich die Vegetation im Frühling und Sommer heutzutage deutlich früher als vor einigen Jahrzehnten. Auch die Pollensaison beginnt tendenziell immer früher. Um fassbare Aussagen zu treffen sind deshalb langjährige Beobachtungsreihen äusserst wertvoll. Zwei solche Messreihen werden von der MeteoSchweiz gepflegt. Seit 1808 wird der Zeitpunkt des Blattausbruchs der Rosskastanie in Genf registriert, seit 1894 die Kirschblüte in Liestal. Obwohl der Blattausbruch der Rosskastanie von Genf von Jahr zu Jahr sehr stark variiert, ist seit 1900 ein deutlicher Trend zu früheren Eintrittsterminen ersichtlich. Eine Rolle spielt dabei die globale Erwärmung. Jedoch sind auch andere Veränderungen im Zeitverlauf, vor allem die städtische Entwicklung nicht zu vernachlässigen. Im Jahr 1816 öffneten sich die ersten Knospen erst am 23. April, am frühesten wurde dieses Ereignis im 2002 am 29. Dezember beobachtet. Beim wilden Kirschbaum am Waldrand bei Liestal ist ab 1990 ein Trend zu früheren Eintrittsterminen festzustellen. Die Variationsbreite dieser phänologischen Beobachtung ist deutlich kleiner als beim Blattausbruch der Rosskastanie in Genf.

Werden im Frühling 2015 nach dem sehr frühen Aufblühen der Hasel und der Erle auch die anstehenden phänologischen Phasen frühzeitig einsetzen? Die Grünlandtemperatursumme ist ein guter Indikator für den Fortschritt des Frühlings. Dabei werden ab Jahresbeginn alle positiven Tagesmittel aufsummiert. Im Januar wird mit dem Faktor 0,5 multipliziert, im Februar mit dem Faktor 0,75, und ab März geht dann der „volle“ Tageswert in die Summe ein. Wird im Frühjahr die Summe von 200 überschritten, ist der nachhaltige Vegetationsbeginn erreicht. Hintergrund ist die Stickstoffaufnahme und -verarbeitung des Bodens, welcher von dieser Temperatursumme abhängig ist. Mitte März 2015 lag die Grünlandtemperatursumme auf dem Zürichberg bei rund 110. Im Vergleich zum langjährigen Mittel befindet sich der Frühling zurzeit sogar leicht im Rückstand. In sehr milden Frühlingen stand Zürich zu dieser Zeit schon kurz vor dem Frühlingsdurchbruch in der Vegetation. In diesem Jahr scheint ein durchschnittlicher Zeitpunkt wahrscheinlich – dies dürfte dann Ende März der Fall sein.

Startschuss für den phänologischen Frühlingsanfang