Hat der Mai seine Wonne verloren?

In den letzten Jahren wurde der Mai immer mal wieder verregnet. Auch in diesem Jahr zeigte sich der Mai, vor seinem sommerlichen Finale, häufig bewölkt und immer mal wieder nass. Trotzdem gilt der Mai als Wonnemonat. Wie passt das zusammen?

 

Weidemonat Mai

„Wonne“ ist Synonym, aber auch Steigerung zu „Freude“. Der Frühling verleiht Freude. Die Tage werden länger und länger, alles blüht und es wird scheinbar täglich wärmer. Mit der Vollblüte der Vegetation konzentrieren sich im Mai diese Gefühle. So werden vor allem in Deutschland im Mai zahlreiche Volksbräuche, wie die Walpurgisnacht, der Maibaum, das Maisingen und die Mairitte gefeiert. Ländlichere Gemeinden der Schweiz kennen den Maibaum und in Zürich findet jährlich ein Maisingen statt. Ursprünglich war der Mai als Weidemonat bekannt, da in dieser Zeit das Vieh vom Stall wieder auf die Weiden gebracht werden konnte. Der Begriff winnimanod (winni = Weide) wurde dann auf wunnimonad (wunni = Wonne) abgeändert. Der Legende nach sogar durch Karl den Grossen persönlich.

Früher war der Mai in Zürich sonniger. In den 70er- und 80er-Jahre war er häufig trüb und in den letzten Jahren gab es aber wieder mehr Sonne.

Wonnemonat Mai

Trotz der sommerlichen Tage Ende Mai 2018 gab es im diesjährigen Mai wieder viele (10) trübe Tage mit keinen oder nur wenigen Sonnenstunden. Ist der Mai 2018 eine Ausnahme oder kann der Begriff Wonnemonat nicht in Zusammenhang mit dem Maiwetter gebracht werden?

Wie jeder andere Monat in der Schweiz weist auch der Mai grosse Jahr-zu-Jahr-Schwankungen auf. Auf einen kühl-nassen Mai kann ein trocken-sonniger Mai folgen. Trotzdem zeigen sich am Beobachtungsort Zürich spannende langjährige Entwicklungen, die teilweise einzigartig für den Monat Mai sind. Ein Blick in die Wetterannalen von Zürich zeigt, dass sich die Maimonate seit 1901 in drei Phasen einteilen lassen. In der Periode von 1901 bis 1960 präsentierte sich der Mai innerhalb der üblichen Jahr-zu-Jahr-Schwankungen relativ stabil. Es war kein langjähriger Trend zu beobachten. Die durchschnittlichen Höchstwerte lagen zwischen 18 und 19 Grad und die nächtlichen Tiefstwerte etwas über 7 Grad. In jedem dritten Jahr gab es mindestens eine Frostnacht im Mai. Die Maie in den Jahren 1909, 1935, 1941 und 1957 brachten sogar 4 bis 5 Frostnächte in Zürich. In praktisch jedem Jahr gab es aber auch mindestens einen Sommertag im Mai mit über 25 Grad. Hochsommerliche Maie mit 10 oder sogar 16 Sommertagen waren auch dabei, wie beispielsweise in den Jahren 1931, 1945 und 1953. Kühle Nächte und warme Nachmittage – wie sie zwischen 1901 und 1960 im Mai häufig anzutreffen waren, deuten auf hochdruckbestimmtes Wetter. Und dies manifestierte sich auch in der Sonnenscheindauer. So brachten die Maimonate durchschnittlich mehr als 200 Sonnenstunden. In dieser Zeit blieb im Mai auch der Regen häufig Mangelware. Zahlreiche Maimonate mit nur rund 50 mm sind bekannt. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass der Wonnemonat Mai seinem Namen in der Periode von 1901-1960 wettertechnisch häufig gerecht wurde. Kleiner Wermutstropfen waren die heimtückischen Frostnächte, welche recht häufig auftraten.

Früher war der Mai in Zürich trockener, in den letzten Jahren häufiger nass.

Wonne verloren?

In den 60er-, 70er- und 80er-Jahren war ein spürbarer Wandel des Maiwetters feststellbar. In dieser Zeit war der Mai kühler, trüber und kühler. In zahlreichen Jahren wurde kein einziger Sommertag mit über 25 Grad im Mai registriert. Die durchschnittliche Sonnenscheindauer sackte um mehr als 30 Stunden ab. Im Mai 1978 gab es weniger als 110 Sonnenstunden, 1984 waren es sogar weniger als 100 Stunden. Gleichzeitig stiegen die Niederschlagssummen an. Dies obwohl extrem nasse Maie ausblieben. Sehr trockene Maimonate traten aber nur noch ganz selten auf, so dass sich die durchschnittliche Regenmenge um rund 20 mm erhöhte. Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: der Mai hatte seit Wonne in den 60er-, 70er und 80er-Jahre verloren.

 

Wieder mehr Freude

In den letzten 30 Jahren hat sich der Mai wiederum gewandelt. Der fünfte Monat des Jahres ist in dieser kurzen Zeit um fast zwei Grad wärmer geworden und bringt daher auch wieder jährlich Sommertage mit über 25 Grad. Erstaunlich ist vor allem der markante Temperaturanstieg in den Mainächten. Während sich die Höchstwerte kaum verändert haben, sind die Nächte heutzutage im Durchschnitt zwei Grad milder als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese Erwärmung zeigt sich auch im deutlichen Rückgang von Frostnächten im Mai. In Zürich wurde letztmals im Jahr 1979 eine Frostnacht im Mai registriert. Zudem zeigt sich auch die Sonne wieder deutlich häufiger als noch in den Jahrzehnten davor. Die Maimonate 2011, 2012 und 2017 mit bis zu 280 Sonnenstunden sind dafür nur Beispiele. Insgesamt kommt der Mai im Durchschnitt wieder auf über 190 Sonnenstunden, ein Plus von 20 Stunden gegenüber den trüben Jahrzehnten davor. Gleichzeitig ist der Mai aber auch nässer geworden. So gehören die Maimonate 1994 und 1999 mit 250-300 mm Niederschlag zu den zwei nässesten in der Messreihe. Seit der Jahrtausendwende brachten gleich sechs Maie mehr als 150 mm Regen. Sehr trockene Maimonate blieben zudem aus, so dass der Mai heute im Durchschnitt 124 mm Regen bringt, oder 25% mehr als noch vor rund 100 Jahren. Trotz mehr Regen bereitet der Mai wettertechnisch wieder mehr Freude als noch in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren. Die Wonne der frühen Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts hat er allerdings noch nicht wieder erreicht.

Hat der Mai seine Wonne verloren?

Kalter März war kein Zufall

Der Winter gab sich im März noch nicht geschlagen. Nachdem der Februar in Zürich fast drei Grad zu kalt war, blieb auch der dritte Monat des Jahres rund anderthalb Grad unter den Erwartungen. Was im Februar seinen Anfang nahm, setzte sich im März fort. So präsentierte sich der März mehrheitlich grau und winterlich kalt. Auch die Ursache für den zweiten zu kalten Monat in Folge ist die selbe und ist in der Stratosphäre über dem Nordpol zu finden.

Kaum Anzeichen von Frühling: kein einziges Mal stiegen die Temperaturen im März 2018 in Zürich über 15 Grad.

Märzwinter

Der März startete eisig kalt. Es war der Abschluss der für ihr spätes Auftreten recht intensiven Kältewelle, welche im letzten Februardrittel einsetzte. In den ersten zwei Nächten des Märzes sackte das Thermometer daher immer noch bis auf -9 Grad ab und auch tagsüber blieb es mit -3 bis 0 Grad sehr kalt. Die Kälte klang in den folgenden Tagen dann doch recht zügig ab und die Temperaturen lagen in der Folge bis Mitte Monat im jahreszeitüblichen Bereich. So wurden am Nachmittag Temperaturen um 10 Grad gemessen und in den Nächten Werte zwischen null und fünf Grad. Der Frühling schien langsam Einzug zu halten, doch die polare Kaltluft blieb in Lauerstellung und prompt wurde Mitteleuropa Mitte März von der zweiten Kältewelle des Winters heimgesucht. Aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit war sie bedeutend weniger kalt, aber für die zweite Märzhälfte doch eindrücklich. Erst am 25. März kehrten die Temperaturen wieder in den für März normalen Bereich zurück.

Auch die zweite Kältewelle war zwar ähnlich wie die erste Ende Februar ausgeprägt, aber im langjährigen Vergleich weder sonderlich intensiv noch langanhaltend. In den letzten 30 Jahren gab es in den Jahren 1996, 2006 und 2013 intensivere März-Kältewellen. Und davor zwischen 1984 und 1987 traten März-Kältewellen sogar jedes Jahr auf. In den 20er-, 30er- und 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts gehörten Kältewellen im März zur Tagesordnung. In fast jedem zweiten Jahr erlebte Mitteleuropa eine intensivere Kältewelle als in diesem Jahr. Mit insgesamt 13 Frostnächten geniesst der März 2018 in Zürich deshalb auch keine Sonderstellung. Noch bis in die späten 80er-Jahre wurden im März jeweils 15 Frosttage erwartet. In den letzten 30 Jahren korrigierte sich dieser Wert sprungartig nach unten. So werden heutzutage noch 9 Frosttage im März erwartet. Eistage, also Tage an denen das Thermometer ganztags unter dem Gefrierpunkt verharrt, waren im März aufgrund der bereits starken Sonneneinstrahlung schon immer recht selten. Im diesjährigen März wurden drei solche Eistage in Zürich registriert. In nur wenigen Jahren gab es in einem März mehr Eistage. Einen extremen März erlebte die Schweiz im Jahr 1971. Der März war so eisig, dass an acht Tagen Dauerfrost herrschte. Durchwegs frostig war der März im Jahr 1865. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von -1,2 Grad ist er bis heute der kälteste März in der über 150-jährigen Zürcher Messreihe.

Das Frühjahr 2018 ist in Zürich weiterhin sehr trüb. Die Sonnenuhr zählte Ende März erst 200 Sonnenstunden. Vor einem Jahr waren es 75 Prozent mehr. Letztmals trüber startete das Jahr in Zürich im Jahr 2013.

 

Zusammenbruch des Polarwirbels

Die beiden Kältewellen und die anhaltend trübe und kalte Witterung im Februar und März sind Folgen eines speziellen Phänomens, welches sich im Laufe des diesjährigen Februars über dem Nordpol ereignete. Durch die ständige Zufuhr sehr milder und feuchter Luftmassen in Richtung Nordpol und deren vertikaler Ausdehnung ergab sich eine „plötzliche“ Stratosphärenerwärmung. Gewöhnlich dreht sich im Winter über der Arktis in einer Höhe von 30 bis 50 Kilometern ein riesiger Kaltluftwirbel, welcher in der darunter liegenden Troposphäre, unserer Wetterschicht, die milden Westwinde anfacht. Durch die Stratosphärenerwärmung zerfiel der Kaltluftwirbel, auch als Polarwirbel bekannt, in zwei kleinere Wirbel. Die Erwärmung der Stratosphäre über der Arktis war sehr kräftig. Am 4. Februar herrschte 30 Kilometer über dem Nordpol noch eine Temperatur von minus 70 Grad. Am 14. Februar wurden schon minus 30 Grad erreicht. Bricht der Polarwirbel zusammen, beginnt der Jetstream stärker zu mäandrieren. Die Westwinde erlahmen und in der Folge kann kalte Luft aus Sibirien nach Mitteleuropa vordringen. Wie nach Rezept geschah dies Ende Februar.

Die Relevanz dieses Phänomens über dem Nordpol zeigt sich auch eindrücklich in früheren Jahren. Nach dem Zusammenbruch des Polarwirbels im Januar 2013 folgten zwei intensive Kältewellen im Februar und eine weitere ausgeprägte Kaltphase im März. Der März 2013 war entsprechend noch kälter als in diesem Jahr. Der Februar 2012 war der eisigste der letzten drei Dekaden. Zuvor ereignete sich im Januar 2012 eine Stratosphärenerwärmung mit anschliessender Schwächung des Polarwirbels. Ähnliches ereignete sich im Januar 2010 und auch damals wurde Mitteleuropa im Februar und März von eisigen Kältewellen heimgesucht. Auch in den Jahren 2004 und 2006 folgten Kältewellen im März auf eine Stratosphärenerwärmung im vorhergehenden Januar.

 

Der entzweite Polarwirbel konnte sich nicht wieder regenerieren und ermöglichte so auch die zweite Kältewelle im März. Mit der immer kräftigeren Sonneneinstrahlung und dem Ende der Polarnacht über dem Nordpol neutralisiert sich der Polarwirbel jeweils Anfang April und wechselt in den Sommermodus. Die Gefahr, dass er auch das Aprilwetter 2018 beeinflusst, ist also gering.

Kalter März war kein Zufall

Ein Januar ohne Schnee und Eis – im Flachland

Das Jahr 2018 startete gleich mit einem neuen Monatsrekord für den Januar. In Zürich erreichte die Januartemperatur 2018 einen neuen Rekordwert von 4,7 Grad. Systematisch gemessen wird in Zürich seit 1864. Der Januar 2018 fühlt sich im Vergleich mit Frühlingsmonaten sogar wohler als mit eigentlich Gleichgesinnten. So war der Januar so mild wie ein durchschnittlicher März und wärmer als die Hälfte aller Märzmonate seit 1864. Der bisherige Januarrekord lag noch gar nicht weit in der Vergangenheit. Im Januar 2007 war es in Zürich nur wenige Zehntelgrad kühler als in diesem Jahr. Anders am Messstandort Genf, dort erreichte die Januartemperatur 2018 den alles überragenden Rekordwert von 6,2 Grad. Die bisher mildesten Januarmonate lieferten in Genf um 4,5 Grad. Auch im landesweiten Mittel ist es der mildeste Januar seit Messbeginn.

Der Januar 2018 war in Zürich praktisch durchwegs deutlich zu warm. Nur am 14. Januar lag die Tagesmittel-Temperatur etwas unter dem langjährigen Durchschnitt.

Schnee nur in den Bergen

Eine konstante Westströmung flutete den Alpenraum mit sehr milder aber auch feuchter Luft aus dem Atlantik und dem Mittelmeerraum. In den Bergen waren daher die Bedingungen für riesige Schneemengen perfekt. In Arosa erreichte die Neuschneesumme im Januar 2,85 Meter. Es ist die fünfthöchste Januarsumme seit Messbeginn 1890. Ganz anders präsentierte sich die Schneelage im Flachland. In Zürich wurde im ganzen Januar 2018 kein einziger Tag mit Neuschnee registriert. Schneefreie Jänner sind in Zürich zwar selten, aber nicht einmalig. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind fünf weitere Januare (1974, 1975, 1989, 1990 und 2008) ohne Schnee bekannt. Im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010 sind im Januar fünf Tage mit Neuschnee und 12 Tage mit einer Schneedecke zu erwarten. Während der Januar schneetechnisch in den Bergen also klar überdurchschnittlich ausfiel, machte sich im Flachland grosse Schneearmut breit.

Neben dem Schnee machte sich auch der Frost rar – sehr rar. Nur in vier Nächten sank das Thermometer unter den Gefrierpunkt. Selbst in klaren Nächten sank das Quecksilber mitten im Januar in Zürich nur auf 2-4 Grad. So wenige Frostnächte in einem Januar gab es noch nie seit mindestens 120 Jahren. Der bisherige Rekord von neun Frostnächten im Januar 2007 wurde dabei deutlich unterboten. Bei so wenigen Frostnächten erstaunt es kaum, dass auch Eistage mit Dauerfrost im Januar 2018 überhaupt kein Thema waren. Mit keinem einzigen Eistag reiht sich der Januar 2018 in eine sehr exklusive Gruppe ein. Vorher war dies nur aus den drei Januarmonaten 1916, 1936 und 1988 bekannt. Selbst in den sehr milden Januaren 2007, 2014 und 2015 gab es ein bis vier Eistage mit Dauerfrost. Die Klimanormwerte der Jahre 1981-2010 lassen im Januar immerhin 20 Frostnächte und 9 Eistage erwarten.

 

Kalter Frühling?

Der grosse Wärmeüberschuss im Januar 2018 zeigte sich auch in teils frühlingshaft milden Nachmittagen. An sechs Tagen zeigte das Thermometer Werte über 10 Grad an. Für einmal ist dies aber kein neuer Rekordwert. Im Januar 1993 gab es sogar 10 Tage, 2007 sogar 11 Tage mit Höchstwerten über 10 Grad. Die Milde liess bereits Haselsträucher und Erlen erblühen. Der Blühbeginn kann als „sehr früh“ bezeichnet werden. Der Vorsprung beträgt im Durchschnitt ganze 25 Tage. An einigen Standorten wurde der Blühbeginn der Hasel sogar noch nie so früh beobachtet wie in diesem Jahr. In Bauernregeln werden milde Jänner gefürchtet und mit kalten, anstehenden Frühlingsmonaten in Verbindung gebracht. So heisst es: „Lässt der Januar Wasser fallen, lässt der Lenz es gefrieren“ und „Wirft der Maulwurf seine Hügel neu, währt der Winter bis zum Mai.“ Viele alte Volkssprüche lassen zudem einen spezifischen Zusammenhang mit dem Monat Mai vermuten. „Wieviel Regentropfen ein Januar, soviel Schneeflocken im Mai.“ Die durch die Milde gestörte Winterruhe solle sich zudem negativ auf die Vegetationsentwicklung im ganzen Jahr auswirken: „Im Januar viel Regen und wenig Schnee, tut Saaten, Wiesen und Bäumen weh“ und „Wächst das Gras im Januar, so wächst es schlecht im ganzen Jahr.“

Klimatologisch lässt sich allerdings kein Zusammenhang zwischen einem milden Januar und irgendeinem kalten oder schneereichen Frühlingsmonat ableiten. Betrachtet man die 20 wärmsten Januarmonate seit 1864, so zeigt sich eher ein umgekehrtes Bild. Auf einen sehr milden Januar folgt auch ein sehr milder Frühling. Beispiele dafür stammen aus den Jahren 1920, 1924, 1948, 1993, 1999, 2007, 2008 und 2014. Jedes Mal folgte auf einen sehr milden Januar auch ein sehr milder Frühling. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Im Jahr 1877 war der Januar mit durchschnittlich 2 Grad recht mild. März, April und Mai waren dann aber deutlich zu kühl. Oder auch 1975, als auf einen sehr milden Januar ebenfalls ein insgesamt kühler Frühling folgte. Eine weitere Bauernregel deutet dann aber trotzdem auf einen guten Frühling hin. So heisst es: „Der Januar muss krachen, soll der Frühling lachen.“ Mit den vielen Stürmen, die teils sogar Wintergewitter brachten, hat es im Januar 2018 so richtig gekracht. Das sind gute Aussichten für den Frühling. Vorher ist aber nochmals Winter angesagt. Der Februar kann es in sich haben, wie uns die Jahre 2012, 2013 und 2015 gezeigt haben.

Ein Januar ohne Schnee und Eis – im Flachland

Kalter aber kein eisiger Januar

Mitteleuropa, die Schweiz und Zürich erlebten einen der kältesten Januarmonate seit 30 Jahren. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von minus 3 Grad war der Januar am Zürichberg mehr als drei Grad kälter gegenüber der Referenzperiode 1981-2010.

Der Januar 2017 gehört zu den 30 kältesten seit Messbeginn 1864. Damit passt er so gar nicht ins Bild der letzten Jahre. Denn es war der erste unterkühlte Jänner seit sieben Jahren. Letztmals kälter war der erste Monat des Jahres in Zürich 1987 mit minus 4,3 und 1985 mit minus 5,4 Grad durchschnittlicher Lufttemperatur. Auch wenn wir schlotterten, der Januar 2017 ist auch in jüngerer Zeit nicht das Mass aller Dinge, wie MeteoSchweiz schreibt. Vor nur fünf Jahren brachte der Februar 2012 in Zürich mit minus 3,5 Grad noch tiefere Temperaturen.

Selbstgemachte Eistage

Zustande kam die Januarkälte 2017 durch winterliche Hochdruckgebiete. Wie schon im Dezember war auch der Januar geprägt von hohem Luftdruck. Es handelte sich aber nicht um klassische winterliche Sibirienhochs, sondern um eine mitteleuropäische Eigenproduktion. Während Sibirienhochs ganz Europa eisiges Wetter bringen, liegen bei Hochs über Mitteleuropa die nördlichen Teile Europas, vor allem die skandinavischen Länder, häufig in einer etwas milderen westlichen Strömung, Mitteleuropa dagegen bekommt Luft aus dem Osten, respektive produziert seine Kaltluft unter der Schirmherrschaft des Hochs selbst. Diese bodennahe Kaltluftproduktion hat sich schon während der winterlichen Hochs im Dezember 2016 abgezeichnet, verstärkte sich durch das Einfliessen arktischer Luftmassen im Januar aber entscheidend. So war der Dezember 2016 erst leicht unterkühlt. Ein entscheidender Unterschied war auch in der Schneedecke auszumachen. Während der Dezember aufgrund fehlender Niederschläge schneefrei über die Bühne ging, blieben die spärlichen Schneefälle von Anfang Januar in der Folge den ganzen Monat über liegen. Erst mit einer Schneedecke wird die mitteleuropäische Kältemaschine dann auch richtig effizient. So wurden im Januar 2017 in Zürich 18 Tage mit Dauerfrost, sogenannte Eistage, registriert. Also Tage, an denen die Lufttemperatur ganztags unter null Grad verharrte. Damit gehört der Januar 2017 zu den 15 eisigsten Januarmonaten seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Letztmals mehr Dauerfrost brachte der Januar 1997 mit insgesamt 19 Eistagen.

Die längsten Kältewellen erlebte Zürich im Winter 1916/17 und 1996/97 mit 25, respektive 24 Tagen Dauerfrost ohne Unterbruch.

Kältewelle in Zahlen

Die Anzahl Eistage gibt Aufschluss über die Konstanz eines winterlichen Monats. Doch die zeitliche Abgrenzung der eigentlichen Kältewelle stimmt nicht mit dem kalendarischen Monatsanfang und -ende überein.

Genau genommen erlebte Zürich zwei aufeinanderfolgende Kältewellen. Die erste startete am 30. Dezember und dauerte knapp zwei Wochen bis zum 10. Januar. Nach einer kurzen Verschnaufpause mit Temperaturen bis 5 Grad und Westwind, brach gleich die zweite, die intensivere Kältewelle über Mitteleuropa herein. Sie dauerte vom 14.-26. Januar. Während dieser Periode herrschte anhaltender Dauerfrost. Es konnten also 13 zusammenhängende Eistage beobachtet werden. Die Anzahl zusammenhängender Eistage gibt somit Aufschluss über die Länge einer Kältewelle. Letztmals länger dauerte eine Kältewelle im Februar 2012 mit 16 Tagen Dauerfrost. Die Kältewelle im Januar 2017 gehört aber zu den 17 längsten seit 1901.

Die Intensität einer Kältewelle lässt sich mit einem weiteren Indikator ausdrücken. Mit dem Temperaturdurchschnitt über 14 aneinanderfolgende Tage.

Gemittelt über 14 Tage sank die Temperatur in Zürich während der zweiten Kältewelle im Januar 2017 auf minus 5,4 Grad. Damit war die diesjährige Kältewelle nicht wirklich aussergewöhnlich. Im langjährigen Durchschnitt seit 1901 treten Kältewellen in gleicher oder höherer Intensität sogar alle 3 bis 4 Jahre auf. Die Kältewelle im Februar 2012 erreichte mit minus 9,9 Grad einen spürbar tieferen Wert.

Die diesjährige Kältewelle im Januar 2017 war die intensivste und längste seit Februar 2012. Im langjährigen Vergleich hebt sie sich am ehesten über ihre Länge, keinesfalls jedoch über ihre Intensität von anderen ab.

Harter Winter?

Für Aufsehen sorgte vor allem das tiefe Januarmonatsmittel der Temperatur, welche durch die rasche Abfolge von zwei rund zweiwöchigen Kältewellen zustande kam, so dass der Januar 2017 praktisch durchgehend kalt aber nie richtig eisigkalt war. Zusammen mit dem schon recht kalten Dezember ist der Winter 2016/17 in Zürich bisher recht hart. Dies zeigt sich eindrücklich in der Summe aller negativen Tagesmitteltemperaturen im bisherigen Winter. Meteorologen sprechen von der Kältesumme eines Winters. Am 31. Januar liegt sie im langjährigen Durchschnitt bei minus 108. Heuer lag die Kältesumme an diesem Datum bereits bei minus 130. Zum Vergleich: Vor einem Jahr stand die Kältesumme am 31. Januar nach anhaltender Winterwärme bei rekordverdächtigen minus 17. Der Winterverlauf kann Ende Januar aber auch richtig hart sein. So lag die Kältesumme Ende Januar 1963 schon bei minus 355, 1941 zumindest bei minus 293.

Mit dem Monatswechsel in den Februar kam der Wetterumschwung. Zum ersten Mal diesen Winter konnte sich der mildernde Westwind für mehrere Tage in Folge etablieren und führte laue aber auch sehr feuchte Luftmassen nach Mitteleuropa. Nach einer zweieinhalbmonatigen Trockenperiode fiel vom 30. Januar bis zum 1. Februar in Zürich innert kurzer Zeit so viel Niederschlag wie üblicherweise im ganzen Monat zu erwarten wäre. Die Temperaturen sprangen in die Höhe. In Zürich gab es Anfang Februar knapp 10, in Genf sogar 15 Grad. So kamen schon fast leise Frühlingsgefühle auf.

Ob sich der Winter von diesem Rückschlag nochmals erholen kann, muss sich zeigen. Was sich sagen lässt, ist, dass in den letzten vier Jahrzehnten massive Kältewellen aus unserem Winterklima fast verschwunden sind.

Kalter aber kein eisiger Januar

2016 war ein überdurchschnittliches Wetterjahr

Das Wetterjahr 2016 war warm, nass und trotzdem sonnig. Auf die rekordnahe Winterwärme folgte ein sehr nasses erstes Halbjahr. Der Sommer kam erst spät, verweilte mit grosser Wärme aber bis im September.

Im Dezember 2016 herrschte Hochdruckwetter.
Abweichung des Luftdrucks über Europa gegenüber 1981-2010. Quelle: esrl.noaa.gov

Das Wetterjahr 2016 endete mit dem trockensten Dezember im Mittelland seit Messbeginn. Die letzten nennenswerten Niederschläge des Jahres 2016 fielen bereits am 19. November. Danach war es bis zum Jahresende staubtrocken. Die lang anhaltende Trockenheit hielt bis zum 2. Januar und reihte somit 43 Trockentage ohne Niederschläge aneinander. Damit gehörte die Dürrephase im Mittelland zu den fünf markantesten seit Messbeginn im Jahr 1864. Der Grund ist mit dem beständigen Hochdruckwetter rasch gefunden. Wiederholt legten sich ausgeprägte Hochdruckgebiete über Mitteleuropa, die alle Regen- und Schneewolken im grossen Bogen um die Alpen ziehen liessen. Temperaturmässig zeigten sich jedoch deutliche Gegensätze zwischen den Berglagen und den Niederungen. Während sich im Flachland ein Kaltluftsee bildete, herrschten in der Höhe sehr milde Verhältnisse. Während das Jungfraujoch mit 3,6 Grad über der Norm der Periode 1981-2010 den drittwärmsten Dezember seit Messbeginn registrierte, blieb die Dezembertemperatur in Zürich 0,7 Grad unter der Norm. Pünktlich zu Weihnachten stellte sich eine auch für das Flachland milde Westwindlage ein. Niederschläge blieben aber grösstenteils aus. Bereits am 27. Dezember meldete sich das Hochdruckwetter mit voller Kraft zurück. In Zürich wurde mit über 1044 hPa der höchste Luftdruck seit Messbeginn registriert. Zusammengefasst war der Dezember 2016 in Zürich hochdruckbestimmt, kalt und trocken. Damit wiederspiegelt der letzte Monat das Wetterjahr 2016 in keiner Weise. Denn 2016 geht als warmes und nasses Jahr in die Wetterannalen ein.

2016 war warm. Vor allem der Jahresbeginn sowie der Spätsommer haben zum Wärmeüberschuss beigetragen.

Winter: sehr mild und wechselhaft

Januar und Februar 2016 brachten fast durchwegs unbeständiges und mildes Westwindwetter. Eine festinstallierte West- bis Südwestströmung führte mit teils stürmischen Winden milde und feuchte Atlantikluft in den Alpenraum. Entsprechend waren die ersten zwei Monate des Jahres knapp 3 Grad übertemperiert, sehr nass und trüb. Im Januar 2016 summierten sich die Niederschläge in Zürich auf 146 mm, mehr als das Doppelte gegenüber der Norm 1981-2010. Mit nur 50 Sonnenstunden im Januar und 60 im Februar war der Jahresauftakt ausgesprochen sonnenarm. Zusammen mit dem sehr milden Dezember 2015 war der Winter 2015/16 der zweitwärmsten seit Messbeginn. Noch etwas höhere Temperaturen brachte lediglich der Rekordwinter 2006/07.

Frühling: Kühl und unbeständig

Der meteorologische Frühling (März bis Mai) startete mit Hochdruck im März. Weite Strecken des Monats wurden durch die Bise geprägt, welche trockene und kühle Luft ins Schweizer Mittelland führte. Hochnebelartige Bewölkung verdeckte die Sonne häufig, so dass sich die Luft auch nicht in der Frühlingssonne erwärmen konnte. Ein markanter Wetterwechsel zum Monatswechsel vom März in den April brachte mit Föhn gebietsweise die mildesten Märztage seit Ende des 19. Jahrhunderts. April und Mai waren dann wieder unbeständig und nass. Die Strömung drehte aber allmählich von Südwesten auf Nordwesten, so dass die Temperaturen vor allem im Mai häufig im unterdurchschnittlichen Bereich lagen. Im April sorgten einige Föhnintervalle für insgesamt leicht überdurchschnittliche Temperaturverhältnisse.

2016 war nass. Bis Mitte Juli gab es ergiebige Niederschläge. Danach war es deutlich trockener. Im Dezember gab es praktisch gar keine Niederschläge.

Sommer: Nass, dann sehr sonnig

Der Sommer kam im Juni noch kaum auf Touren. In Zürich gab es lediglich fünf Sommertage mit über 25 Grad. Diese kamen zusammen mit dem ersten Hitzeschub der Saison gegen Ende Juni. Ansonsten war der Juni geprägt von trüber und sehr nasser Witterung. Entweder waren es Stauniederschläge oder starke Gewitterregen, welche wiederholt grosse Regenmengen niedergingen liessen. An einzelnen Messstandorten der MeteoSchweiz war es einer der nassesten Junimonate seit Messbeginn vor über 100 Jahren. Lokale Überschwemmungen waren die logische Folge. Der Juli brachte dann das erste sommerliche Hochdruckgebiet. Trotz Hochdruck wurden die sonnig-warmen Tage immer wieder durch Gewitter gestört. Nach dem ersten Julidrittel führte eine Nordwestlage nochmals recht kühle und sehr nasse Luftmassen an die Alpen. Schnee fiel nochmals bis 1600 Meter über Meer hinunter. Alleine am 12. Juli summierten sich die Regenfälle in Zürich auf 60 mm (rund 50% der üblichen Juliregenmenge). Trotz der trüben und nassen Witterung verharrten die Temperaturen meistens im durchschnittlichen Bereich. Mitte Juli kam dann die Erlösung. Die folgenden Wochen waren dann deutlich sonniger, trockener und wärmer als die Periode von Anfang April bis Mitte Juli. Die dreieinhalb Monate seit Anfang April waren für mehr als die Hälfte des jährlichen Niederschlags 2016 verantwortlich. Die Alpennordseite registrierte regional das niederschlagsreichste erste Halbjahr seit Messbeginn. Handkehrum fielen rund 35% der Jahresbesonnung 2016 auf die Periode zwischen Mitte Juli und Ende September (2,5 Monate). Von Mitte August bis Mitte September gab es nicht nur viel Sonnenschein sondern auch wiederholt heisse Phasen. Die Periode von Ende August bis Mitte September war geprägt durch extreme Wärme. An verschiedenen Stationen wurden neue Temperaturrekorde aufgestellt. Auch Zürich erlebte den drittwärmsten September seit 1864. Mit knapp 2,7 Grad brachte der September die grösste positive Temperaturabweichung des vergangenen Jahres.

Herbst: vom Sommer in den Winter

Der in Zürich 1,4 Grad zu kalte Oktober riss die Schweiz schlagartig aus dem ungewöhnlich warmen Spätsommer. Der Oktober brachte in Zürich gleichzeitig die grösste negative Temperaturabweichung. Mehrere Schneefälle bis in mittlere Lagen waren bereits die ersten Vorboten des kommenden Winters. Im November ging es gleich weiter mit frühwinterlicher Kälte. Dann aber bäumte sich der Spätsommer mit viel Föhnunterstützung nochmals auf und brachte eine ungewöhnliche Wärme zum Novemberende zurück. Die Föhnluft kämpfte sich bis nach Zürich vor und liess die Temperaturen am 21. und 22. November auf knapp 20 Grad steigen. Danach machte sich Hochdruck über der Schweiz breit und startete die anfangs erwähnte Trockenperiode, welche bis zum Jahresende anhielt.

2016 war sonnig. Bis im Mai lief alles nach Fahrplan. Der Juni war dann trüb, der Spätsommer und der Dezember waren dann aber sehr sonnig.

Jahresbilanz

Das Jahr 2016 war am Zürichberg mit durchschnittlich 9,9 Grad sechs Zehntelgrad milder als die Norm 1981-2010. Im landesweiten Mittel, wie auch in Zürich, gehört es zu den zehn wärmsten Jahren seit Messbeginn 1864. Mit 51 Sommertagen mit über 25 Grad in Zürich gab es mehr als 10 Sommertage mehr als im langjährlichen Durchschnitt. An acht Tagen stieg das Quecksilber über 30 Grad. In durchschnittlichen Jahren geschieht dies lediglich sechsmal. In 81 Nächten sank die Temperatur 2016 unter den Gefrierpunkt. Dieser Wert liegt leicht über dem Erwartungswert der Jahre 1981-2010. Eistage mit Ganztags-Temperaturen unter null Grad gab es 2016 hingegen mit sieben Tagen nur sehr selten. Nur in einzelnen Jahren seit 1864 gab es noch weniger Eistage als 2016. Die Jahresniederschläge lagen 14%, die Sonnenscheindauer 6% über dem Referenzwert. Zu trocken waren die Monate März, August, September, Oktober und Dezember. Mehr Sonne als üblich gab es im Juli, August, September und Dezember. Zu warm, nässer und sonniger als normal: 2016 war ein überdurchschnittliches Wetterjahr.

 

Weiterführende Links:
MeteoSchweiz

2016 war ein überdurchschnittliches Wetterjahr

Zu warme Frühlinge bleiben die Norm

Der diesjährige Frühling reiht sich mit gemittelt 10 Grad in Zürich knapp hinter den Top 10 der wärmsten seit Messbeginn im Jahr 1864 ein. Damit setzt sich der Trend hin zu deutlich wärmeren Frühlingen fort. In den letzten 28 Jahren brachte lediglich der Frühling 2013 Temperaturen, die unter der Klimanormperiode 1961-1990 lagen. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre sind die Frühlinge in Zürich mit 9,9 Grad fast 2 Grad wärmer, verglichen mit der Referenzperiode. Warme Frühlinge sind zur Norm geworden und sie werden immer wärmer.

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Grosse Wärme im März und April

Das Wärmeplus des diesjährigen Frühlings stammt vor allem aus den Monaten März und April, welche beide mehr als 1 Grad übertemperiert in die Wetterannalen eingingen, verglichen mit den Jahren 1981-2010. Der Mai konnte das hohe Temperaturniveau der Vormonate vorerst aufnehmen, aber nicht bis zum Ende halten und schloss nach einer deutlichen Tempertaturkorrektur in der zweiten Monatshälfte durchschnittlich ab.

Der Witterungsverlauf der drei Frühlingsmonate März bis Mai ähnelte sich erstaunlicherweise über weite Strecken. Zu Monatsbeginn gab es jeweils mit nordwestlicher Strömung wenig Sonne und immer wieder Regen. Es folgte eine mehrwöchige Schönwetterperiode, die insbesondere im März aber auch im April ausgeprägt war und kaum durch Niederschlagsereignisse unterbrochen wurde. Während im März und April jeweils im mittleren Monatsdrittel Hochdruck dominerte, war es im Mai eher eine Südwestströmung, die heiteres und sehr warmes Wetter brachte. Demzufolge blieb es aber im Mai nicht mehr als eine Woche am Stück trocken. Die feuchtwarme Luft aus Südwesten liess dann auch die ersten heftigen Gewitter der Saison übers Land ziehen. Das letzte Monatsdrittel war dann in allen Monaten durch Niederschläge geprägt. Während diese im März und April kurz vor Monatsende und sehr heftig auftraten, kamen sie im Mai zu Beginn des letzten Monatsdrittels und waren in der Region Zürich nicht mehr so heftig.

 

Alle Frühlingsmonate zu nass

Drei grosse Niederschlagsereignisse – Ende März, Ende April und Anfang Mai – sorgten dafür, dass jeder einzelne Frühlingsmonat in diesem Jahr als zu nass eingestuft werden muss. Während der März nur geringfügig nässer war als seine Vorgänger in der Periode 1981-2010, gab es im April und Mai grosse Niederschlagsüberschüsse, wie Daten von MeteoSchweiz zeigen. In absoluten Zahlen brachten April und Mai ähnliche Regenmengen, da der April aber im langjährigen Durchschnitt als trockener eingestuft wird, ist die relative Abweichung mit einem Plus von 75% im April besonders gross. Mit aufsummiert rund 380 mm war der Frühling 2015 rund 30% nässer als im langjährigen Vergleich der Jahre 1981-2010, dies entspricht einem Überschuss von knapp 100 mm. Auf dem Zürichberg war es der nässeste Frühling seit 10 Jahren, als 2006 mit einer Niederschlagssumme von mehr als 500 mm der feuchteste Frühling seit Messbeginn registriert wurde.

 

Nass und trotzdem sonnig

Die grossen Niederschlagsmengen im diesjährigen Frühling trüben das Bild etwas zu stark. So blieb die Anzahl Tage mit Regen im März und April leicht unterdurchschnittlich und aufgrund der langanhaltenden Schönwetterperioden im März und April verzeichneten diese Monate grosse Sonnenerträge. Während März und April noch ein Sonnenplus von 40-50% vorweisen konnten, blieb der Mai durchschnittlich. Unter dem Strich war der Frühling mit mehr als 580 Sonnenstunden deutlich sonniger als im langjährigen Vergleich. In der Periode 1981-2010 brachten die Frühlinge im Durchschnitt 450 Stunden mit Sonnenschein. Der diesjährige Frühling war somit der drittsonnigste der letzten zehn Jahre. Letztmals sonniger war es im Jahr 2011, als der Frühling 740 Sonnenstunden brachte und gleich als sonnigster Frühling in die bisherige Wettergeschichte von Zürich einging.

 

Viele Frosttage, erste Sommertage

Charakteristisch für mehrtägige Schönwetterperioden in der ersten März- und Aprilhälfte gab es in diesem Frühling relativ viele Nachtfröste. Spätfröste blieben jedoch aus, da der letzte Frost in diesem Jahr mit dem 8. April im langjährigen Durchschnitt sogar als leicht zu früh eingestuft werden darf. Mit 15 Frosttagen gab es aber trotzdem einige mehr als in einem durchschnittlichen Frühling. Mit dem Heranströmen von sehr warmer Luft aus der Sahara brachten die Tage vom 11. bis 13. Mai in Zürich dann die ersten Sommertage des Jahres mit Höchstwerten über 25 Grad. Lokal wurden auch die erste Hitzetage des Jahres gemessen. Mit den drei erfassten Sommertagen liegt der Frühling 2015 genau auf dem klimatologischen Erwartungswert. In einem warmen Frühling wie in diesem Jahr wären durchaus auch mehr Sommertage zu erwarten, jedoch fehlte dazu eine langanhaltenden Schönwetterperiode im Mai. Sommertage im April oder sogar März sind selten, sodass Schönwetterperioden in diesen Monaten erst frühsommerliche Werte aber keine Sommertage bringen. Zwischen 1961 und 2014 trat der erste Sommertag mit mehr als 25 Grad im Mittel am 15. Mai auf. Demzufolge wurde es im diesjährigen Frühling etwas früher sommerlich als im langjährigen Durchschnitt. Letztmals früher startete der Sommer im Jahr 2012, als der erste Sommertag auf dem Zürichberg am 28. April erfasst wurde. Der frühste Termin des ersten Sommertages stammt vom 6. April 1961. Am längsten musste Zürich im Jahr 1990 auf den Sommer warten. Damals dauerte es bis zum 19. Juni, ehe das Thermometer zum ersten Mal 25 Grad anzeigte.

Am 1. Juni beginnt der meteorologische Sommer. Mit den ersten Sommertagen im Mai kam er dieses Jahr frühzeitig. Er soll aber bekanntlich nicht nur früh kommen sondern auch lange bleiben.

Zu warme Frühlinge bleiben die Norm

Viele Schneetage trotz Warmwinter

Der Winter 2014/15 gehört in Zürich trotz des kalten Februars zu den wärmsten 20 Prozent seit Messbeginn im Jahr 1864. Der Winter brachte aber auch überdurchschnittlich viele Schneetage.

Der meteorologische Winter 2014/15 dauerte von Dezember bis Februar und ist somit bereits zu Ende. Er hinterlässt kein eindeutiges Bild und ist nicht einfach in die langjährige Klimareihe einzuordnen. Kein Monat glich dem nächsten und jeder zeigte spezielle Witterungsphänomene. Obwohl der diesjährige Winter abwechslungsreich und wettertechnisch spannend verlief, wird er als Ganzes unspektakulär und durchschnittlich in Erinnerung bleiben.

Winter-ZH-1864-2015
Der meteorologische Winter 2014/15 war in Zürich mit durchschnittlich 1,4 Grad überdurchschnittlich mild. So warm wie im laufenden Jahrzehnt (rote Linie) waren die Winter in Zürich seit 1864 nie. Seit 1991 haben sich die Winter jedoch nur noch geringfügig weiter erwärmt. In den kommenden Jahrzehnten ist im Zuge der globalen Erwärmung auch in der Schweiz mit einer weiteren Erwärmung zu rechnen.

 

Warmer Winter

Der diesjährige Winter wurde sukzessive kälter. Brachte der Dezember 2014 noch durchschnittlich 3 Grad in Zürich, waren es im Januar 2015 noch 2, im Februar dann sogar nur noch knapp -1 Grad. Nachdem Dezember und Januar gegenüber dem Referenzwert der Periode 1981-2010 noch um je anderthalb Grad übertemperiert waren, zeigte der Februar seine eisigen Krallen und war unter dem Strich um rund 2 Grad unterkühlt. Gemittelt über den ganzen Winter war die kalte Jahreszeit auf dem Zürichberg mit 1,4 Grad um vier Zehntelgrad milder als im langjährigen Durchschnitt, wie aus Daten von MeteoSchweiz hervorgeht. Damit war der diesjährige Winter deutlich weniger warm als der vorangegangene, welcher nochmals anderthalb Grad milder war. Trotzdem erlebte Zürich den zweitwärmsten Winter der letzten sieben Jahre. Ähnlich temperiert waren die Winter der Jahre 2003/4, 1959/60, 1929/30, 1924/25 und 1920/21. Im Vergleich mit der gesamten Messreihe seit 1864 gehört der diesjährige Winter zu den wärmsten 20 Prozent.

Kurze Kältewelle

Der meteorologische Winter begann Anfang Dezember mit einer frostfreien, Hochnebel verhangenen Woche. In der Folge kam eine markante Westströmung auf, welche bis zu Weihnachten windige und einzelne nasse Tage mit sich brachte. An sonnigen Tagen und Temperaturen über 10 Grad kamen kurz vor Weihnachten bereits wieder Frühlingsgefühle auf. Diese wurden dann aber von einem überraschenden Polarluftvorstoss zwischen Weihnachten und Neujahr abrupt unterdrückt. Der Kaltluftvorstoss war so heftig, dass am Morgen des 29. Dezember mit -13,8 Grad sogleich die tiefste Temperatur des ganzen Winters in Zürich gemessen wurde. Mit der Kälte kam auch der ersehnte Schnee in den Bergen – und im Flachland. Das neue Jahr war noch nicht alt, als sich bereits die nächste ausgeprägte Westströmung aufbaute. Erneut wurde sehr milde und häufig auch feuchte Atlantikluft in den Alpenraum geführt. Mit 15,4 Grad wurde am Nachmittag des 10. Januars dann auch die höchste Temperatur des Zürcher Winters beobachtet. Nach einer durchaus sonnigen ersten Januarhälfte, brachte die zweite Hälfte vor allem wieder trübe Verhältnisse bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und einigen Schneeschauern. Gleichzeitig floss aus Nordwesten erneut Polarluft nach Mitteleuropa. Zwischen dem 4. und 8. Februar wurden fünf Eistage mit durchgehendem Dauerfrost in Zürich beobachtet, was einer kleinen Kältewelle entsprach.

Trockener Februar

Erst zur Monatsmitte erholten sich die Temperaturen allmählich. Am 20. Februar wurden dann bereits wieder Temperaturen über 10 Grad gemessen. Der Witterungscharakter blieb mit nordwestlicher Anströmung aber wechselhaft. Trotzdem war der Februar ausgesprochen trocken. Vom 3. bis 20. Februar war es an 18 Tagen in Folge trocken. Diese zusammenhängende Trockenphase ist zwar überdurchschnittlich lang, aber längst nicht extrem. Allein im Winter 2010/11 waren es 30 zusammenhängende Tage ohne Niederschläge in Zürich. Über den ganzen Monat betrachtet, fiel in Zürich im Februar lediglich die Hälfte der üblichen Niederschlagsmenge. Da mit dem Januar aber rund anderthalb Mal so viel Niederschlag im Messgerät gemessen werden konnte und der Dezember in etwa die üblichen Mengen brachte (verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010), fällt das Niederschlagsdefizit des ganzen Winters 2014/15 nicht ganz so extrem aus. Mit rund 80 Prozent der üblichen Niederschlagsmengen blieb der diesjährige Winter aber zu trocken. Die spärliche winterliche Besonnung entsprach hingegen mehr oder weniger dem langjährigen Erwartungswert und erreichte auf dem Zürichberg rund 190 Stunden.

Schneereich aber nicht kalt   

Im Rückblick wird rasch ersichtlich, dass nur der Februar das Prädikat „winterlich“ verdient hat. Die deutlich zu warmen Monate Dezember und Januar waren hingegen über weite Strecken wenig winterlich. Ein aussagekräftiges Mass für die Strenge des Winters ist die sogenannte Kältesumme. Sie ergibt sich aus der Summe aller Tagesmitteltemperaturen, die unter dem Gefrierpunkt liegen. Tage mit einer Durchschnittstemperatur über null Grad werden ignoriert. Der Dezember und Januar brachten es je auf eine Kältesumme von rund -15. Der Februar steuerte dann alleine -40 bei. Die Kältesumme des gesamten Winters lag somit in Zürich bei rund -70. Damit liegt der diesjährige Winter im milden Viertel der langjährigen Klimareihe. Im Durchschnitt ist in Zürich eine Kältesumme von -130 zu erwarten. Im vergangenen Jahr waren es hingegen nur rund -10, im Eiswinter 1962/63 hingegen -450. Zur Einschätzung: ab einer Kältesumme von rund -300 überfriert der Zürichsee. Streng war der diesjährige Winter also nicht, schneereich aber allemal. Nach den Schneefällen zwischen Weihnachten und Neujahr gab es in der zweiten Januarhälfte immer wieder Neuschneezuwachs. Insgesamt wurden im Dezember drei, im Januar sechs und im Februar vier Tage mit Neuschnee registriert. Zwischen Mitte Januar und Mitte Februar war der Zürichberg praktisch durchgehend schneebedeckt. Allein der Februar brachte es auf 25 Tage mit einer Schneedecke. Im gesamten Winter waren es 44 Tage mit einer Schneedecke. Im Mittel der Jahre 1981-2010 waren in Zürich im Winter nur 31 Tage mit Schneedecke zu geniessen. Der Winter war somit mild und schneereich zugleich.

Viele Schneetage trotz Warmwinter

Wärmstes Jahr: ohne Sommer und mit eisigem Ende

Auf globaler wie lokaler Ebene war das Jahr 2014 das wärmste seit mindestens 150 Jahren. In Zürich war das Witterungsjahr 2014 zudem sonniger und eine Spur trockener als im langjährigen Durchschnitt. Der Winter 2013/14 wie auch der Frühling 2014 gehörten zu den 10 wärmsten seit Messbeginn 1864. Im Herbst 2014 wurden sogar die zweithöchsten Temperaturen gemessen. Nur der Sommer fällt aus der Reihe. Dieser war kühl, grau und nass.

 

Kein Schnee und viel zu warm

Während Anfang Jahr 2014 auf der Alpensüdseite in den Bergen eine überdurchschnittliche Schneedecke lag, erreichten die Schneehöhen am Alpennordhang an einigen Orten massiv unterdurchschnittliche Werte. Im Flachland der Alpennordseite blieb der Januar 2014 vielerorts sogar ganz schneefrei, wie MeteoSchweiz mitteilte. Derart schneearm blieb ein Januar im Flachland letztmals 2008 und 1996. Die ersten zwei Monatsdrittel waren durch West- und Südwestströmung geprägt. Die Temperaturen lagen weit über der Norm. Im Januar 2014 ergab sich die seltene Situation, dass im Flachland der Alpennordseite flächendeckend kein einziger Eistag aufgezeichnet wurde, wie MeteoSchweiz bekannt gab. Ähnliches war letztmals vor 26 Jahren im Januar 1988 der Fall. So erstaunte es nicht, dass bereits die ersten Haselsträucher zu blühen begannen. Auch der Februar setzte fort, was der Januar begann. Täglich lagen die Temperaturen fast überall in der Schweiz über der Norm 1981-2010. Massive Ausreiser nach oben waren aber nicht dabei, sodass der Februar in Zürich 2,8 Grad zu warm in die Wetterannalen eingeht. Kein anderer Monat brachte in Zürich im 2014 einen grösseren Wärmeüberschuss.

Die ersten vier Monate im 2014 brachten anhaltende Wärme in Zürich. Nach einem zu kühlen Mai, Juli und August ginge es von September bis Dezember wieder rekordverdächtig warm weiter. 2014 war in Zürich das wärmste Jahr seit mindestens 150 Jahren.
Die ersten vier Monate im 2014 brachten anhaltende Wärme in Zürich. Nach einem zu kühlen Mai, Juli und August ginge es von September bis Dezember wieder rekordverdächtig warm weiter. 2014 war in Zürich das wärmste Jahr seit mindestens 150 Jahren.

Früher Frühlingsbeginn 

Aufgrund der Schneearmut und der anhaltend viel zu hohen Temperaturen in den ersten Monaten des Jahres kam nie richtig Winterstimmung auf. Vielmehr setzte sich schon bald wieder der Frühling in Szene. Nach letzten Niederschlägen am 6. März hiess es bis am 21. März fast ununterbrochen „ganze Schweiz sonnig“. Eine ähnlich anhaltende Schönwetterperiode im März trat letztmals in den Jahren 2003 und 1993 auf. In der schon kräftigen Frühlingssonne stiegen die Temperaturen im Tessin erstmals auf sommerliche 25 Grad. In Zürich brachte der März lediglich ein Drittel der üblichen Niederschlagsmengen und war der trockenste Monat des Jahres. Die Sonnenscheindauer erreichte mehr als 160 Prozent der üblichen Werte. Kein anderer Monat brachte verhältnismässig mehr Sonne im Wetterjahr 2014. Anhaltend mild zeigte sich auch die erste Aprilhälfte. Erneut lagen die Tagesmitteltemperaturen 5 bis 7 Grad über der Norm der Jahre 1981-2010. Die hohen Apriltemperaturen wurden von viel Sonnenschein begleitet. Wie bereits im Februar und März gelangte auch im April erneut viel Saharastaub via Luft in die Schweiz. Dies unterstreicht exemplarisch, wo der Ursprung der deutlich zu milden Luftmassen über der Schweiz lag. „Pünktlich“ auf die Osterfeiertage floss kühle Luft aus Norden zur Schweiz und lies die Schneefallgrenze rasch bis in tiefe Lagen absinken. Nach dem österlichen Wintereinbruch kamen die Wärme und die Sonne zurück, bevor es am Sechseläuten-Montag erneut zu ergiebigen Niederschlägen und einer deutlichen Abkühlung kam. Bereits Anfang April konnten blühende Kirschbäume beobachtet werden. Mit einem Vorsprung von bis zu 20 Tage gegenüber dem Mittel begannen im Laufe des Aprils auch die Obstbäume zu blühen.

nied2014
Nach einem trockenen ersten Halbjahr brachte der Hochsommer sehr viel Regen. Das Jahr ging dann auf dem Zürichberg wieder eher zu trocken zu Ende. Insgesamt war 2014 leicht zu trocken.

Wechselhafter Frühsommer

Der Mai begann dann kühl und regnerisch. Ein wechselhafter Wettercharakter blieb uns bis zur Monatsmitte erhalten. Unter dem Strich brachte der Mai durchschnittliche Niederschlagsmengen und genügend Sonnenschein. Die Temperaturen blieben aber erstmals im 2014 unter dem Erwartungswert. Erst gegen Monatsende brachte eine Föhnströmung Wärme und Saharastaub in die Schweiz. Nach einigen wechselhaften Junitagen setzte sich am 7. Juni die Hitzewelle des Pfingstwochenendes ein. Heisse Afrikaluft strömte nach Mitteleuropa und liess die Temperaturen in Zürich am 9. Juni auf 33,7 Grad steigen. Niemand ahnte, dass dies bereits der Höhepunkt des Sommers war. An vielen Messstandorten gab es Rekord-Temperaturen für die erste Junihälfte. Im Wallis wurde es beispielsweise 36,2  Grad heiss. Der restliche Juni blieb zwar mit Temperaturen zwischen 21 und 27 Grad mehrheitlich sommerlich. Jedoch setzten mit abschwächendem Hochdruck zum Teil heftige Gewittertätigkeit ein. Bis am 22. Juni blieb es aber in vielen Gebieten der Nordschweiz ausgesprochen trocken. Das erste Halbjahr wies ein deutliches Niederschlagsdefizit auf. Zum Fussball-WM-Auftakt fielen am 12. Juni innerhalb einer Stunde 37 mm Regen in Zürich. Dies entspricht einem Ereignis, welches nur alle 10 Jahre zu erwarten ist. Der regenreichste Tag des Jahres war mit knapp 45 mm der 29. Juni. Der Juni war insgesamt deutlich zu warm und mit gemittelt 18 Grad der wärmste Monat des Jahres und brachte auch überdurchschnittlich viel Sonnenschein. Jedoch war er auch etwas zu nass.

Alle Monate im 2014 ausser die Hochsommermonate Juli und August brachten genügend oder überdurchschnittlich viel Sonnenschein. 2014 war insgesamt sonnenreicher als normal.
Alle Monate im 2014 ausser die Hochsommermonate Juli und August brachten genügend oder überdurchschnittlich viel Sonnenschein. 2014 war insgesamt sonnenreicher als normal.

Trüb-nasser, kühler Sommer

Statt mit heissem Badewetter startete der Juli im Mittelland mit Nebelfeldern und sehr frischen Morgentemperaturen. Insgesamt blieb der Juli über weite Strecken nass und kalt. Häufige und kräftige Regenfälle liessen die anhaltende Trockenheit in den ersten Monaten des Jahres rasch vergessen. Mit mehr als 190 mm und mehr als 150 Prozent der Norm war der Juli in Zürich der nässeste Monat des Jahres. Westlich der Reuss wurden an zahlreichen Messstandorten neue Rekordregensummen für den Monat Juli gemessen, wie MeteoSchweiz mitteilte. Gleichzeitig führte das häufige Regenwetter dazu, dass in der Region Genfersee, im Wallis, im Berner Oberland und auf der Alpensüdseite sowie im Oberengadin der Juli 2014 der sonnenärmste seit Messbeginn war. Auch im August konnte sich kein Sommerwetter durchsetzen. Es war der zweit- bis viertkälteste August der letzten 30 Jahre. Erneut fielen Starkniederschläge und erneut gab es eine grosse Sonnenarmut. Längere Schönwetterperioden blieben komplett aus. Nach der rekordtiefen Sonnenscheindauer im Juli brachte auch der August im Tessin Rekord-Sonnenarmut. In Zürich gab es in beiden Monaten nur 78 Prozent der üblichen Besonnung.

Sommer im Herbst

Der September war wechselhaft, brachte aber auch noch längere Phasen mit spätsommerlicher Witterung und Sonnenschein. Im Mittel war der September zu warm und zu trocken. Nach dem kalten Sommer zeigten sich im September aber bereits früh deutliche Herbstanzeichen in der Vegetation. Der Oktober brachte gebietsweise Rekordtemperaturen. Über die ganze Schweiz gemittelt war es der viertwärmste Oktober seit Messbeginn vor 150 Jahren. Zwischen Föhnströmungen und Hochdruckwetter gab es zudem viele Sonnenstunden. Diese Vorzeichen änderten sich auch im November nicht. So bewegten sich die Temperaturen im Rekordbereich und mit wiederholten Föhnströmungen gab es im Tessin Jahrhundertniederschläge verbunden mit Hochwasser am Lago Maggiore und am Lago di Lugano. Die vielfach sonnigen Wochenenden und anhaltende Wärme kompensierten den verregneten Sommer und liessen Frühlingsblumen nochmals aufblühen und Walderdbeeren reifen. Auch der Dezember blieb bis Weihnachten extrem mild jedoch aber auch sonnenarm. Ein kräftiger Wintereinbruch am Stephanstag, verbunden mit Rekordschnee und eisiger Kälte beendete auf unkonventionelle Art und Weise das wärmste Jahr in der Messgeschichte. Am Morgen des 29. Dezember sank die Minimum-temperatur im Mittelland in der kalten Luft und mit aufklarendem Himmel bei windstillen Verhältnissen rund zwei Meter über dem frischen Schnee extrem tief ab. In Hallau im Kanton Schaffhausen fiel sie auf minus 21,1 Grad, wie MeteoSchweiz berichtete. Das ist an diesem Messstandort der weitaus tiefste Dezemberwert in der über 50-jährigen Messreihe. Auch auf dem Zürichberg wurde es mit minus 13,8 Grad sehr kalt. Dies war die tiefste Dezembertemperatur seit 2009. Am Morgen des 31. Dezembers wurde in Zürich mit einer Gesamtschneehöhe von 38 cm der höchste Dezemberwert seit mindestens 1949 registriert. Zudem lag mehr Schnee in Zürich als in Arosa.

Im Klimadiagramm 2014 von Zürich ist der trockene Jahresbeginn verbunden mit einem steilen Temperaturanstieg und einem anschliessend kühl-nassen Sommer gut ersichtlich.
Im Klimadiagramm 2014 von Zürich ist der trockene Jahresbeginn verbunden mit einem steilen Temperaturanstieg und einem anschliessend kühl-nassen Sommer gut ersichtlich.

Jahresbilanz

Mit einem Wärmeüberschuss von 1,3 Grad und einer gemittelten Temperatur von 10,6 Grad war das Jahr 2014 in Zürich das wärmste seit Messbeginn 1864. Es distanzierte die bisherigen Rekordhalter 1994 und 2011 um rund 0,15 Grad. Nach dem kalten Sommer hätten wohl nicht viele auf ein neues Rekordjahr gewettet. Tatsächlich war ein fulminanter Schlussspurt mit Rekordtemperaturen von Oktober bis Weihnachten nötig für dieses Resultat. Auch über die ganze Schweiz gemittelt war 2014 etwas wärmer als 2011 und somit das wärmste in der Messreihe. In der Südschweiz hingegen waren die Jahre 2011 und 2007 noch ein Stück wärmer als 2014. Mit etwas mehr als 1000 mm Niederschlag blieb das Jahr in Zürich leicht trockener als in der Referenzperiode 1981-2010. Mit 126 Regentagen gab es acht Tage weniger Niederschlag als in einem durchschnittlichen Jahr. Gleichzeitig war 2014 mit mehr als 1700 Sonnenstunden rund 10 Prozent sonniger als normal und dies trotz des sehr sonnenarmen Sommers. Im Jahr 2014 wurden in Zürich lediglich 44 Frosttage mit Tiefstwerten unter null Grad registriert. Das sind so wenige wie selten. Nur die Jahre 1994, 2000 und 2002 brachten in Zürich noch etwas weniger Frosttage. Mit 2 bis 3 Eistagen, an denen Dauerfrost herrschte, gab es rekordverdächtig wenige in Zürich. Ähnliches war bisher nur aus dem Jahr 1974 bekannt. Diese Werte unterstreichen die Rekordwärme dieses Jahres. Untypisch für ein Warmjahr aber erklärbar mit dem kalten Sommer, gab es in Zürich im 2014 lediglich 27 Sommertage mit mehr als 25 Grad und nur sechs Hitzetage mit mehr als 30 Grad. Letztmals weniger Sommertage gab es 1996. Die sechs Hitzetage liegen zwar im langjährigen Mittel, jedoch gab es alleine im letzten Jahr doppelt so viele. Rekordwärme und Sommerhitze fallen eben nicht immer zusammen.

Wärmstes Jahr: ohne Sommer und mit eisigem Ende

Überwiegend negative Klimafolgen für die Schweiz

Der Klimawandel verändert unsere Umwelt und hat Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft – auch in der Schweiz.

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Anzahl Tropennächte mit einer Tiefsttempreatur über 20 Grad pro Jahr für die letzten 30 Jahre dieses Jahrhunderts unter Annahme gemässigter zukünftiger CO2-Emissionen aber ohne durchgreifende, internationale Klimapolitik.

Der Temperaturanstieg und die Verschiebungen im jährlichen Niederschlagsmuster beeinflussen die Schweizer Wasserversorgung, setzen das terrestrische Ökosystem unter Druck und verändern die Biodiversität. Einwandernde Tiere und Pflanzen aus dem Süden verdrängen die einheimischen Arten. Gletscherschmelze, Felsstürze und Trockenperioden kennt die Schweiz aus den vergangenen Jahren. Im Zuge der globalen Erwärmung dürften diese Ereignisse häufiger und intensiver auftreten.

Beste Schätzung

Mitte März wurde in Bern die CH2014-Impacts-Initiative vorgestellt. Das gemeinsame Projekt Schweizerischer Forschungsinstitutionen nutzt die Schweizer Klimaszenarien CH2011, um mögliche ökologische, gesellschaftliche oder ökonomische Folgen der Klimaveränderung in der Schweiz zu quantifizieren. Die Klimafolgenstudie berücksichtigt die Bandbreite der Klimaänderung, bezogen auf Temperatur und Niederschlag für das 21. Jahrhundert gemäss verschiedenen weltweiten Emissionsszenarien bis Ende Jahrhundert. Diese Szenarien beschreiben das Ausmass des zukünftigen Treibhausgas-Ausstosses. Der Grad der Klimafolgen hängt weiter stark von der Betrachtungsperiode ab. Der untersuchte Zeitraum wurde deshalb in drei Zukunftsperioden aufgeteilt, wobei immer eine Veränderung gegenüber den letzten rund 30 Jahre angegeben wird. Also in einer Zeit, wo bereits Klimafolgen zu spüren waren. Der Tatsache, dass Klimamodelle Unsicherheiten bringen und auf lokaler Ebene, wie der Schweiz, natürliche Wetterschwankungen einen erheblichen Teil der jährlichen Variabilität ausmachen, wird Rechnung getragen, indem verschiedene Modelle berücksichtigt wurden und diese mehrmals mit leicht veränderten Startwerten gerechnet wurden. Aus diesem „Strauss“ von Simulationen wurden drei Schätzungen abgeleitet. Wobei es sich dabei um eine beste Schätzung sowie eine tiefe und hohe Schätzung handelt. Die 140-seitige Studie CH2014 identifiziert wichtige Klimafolgen für verschiedene Regionen der Schweiz. Dabei zeigt sich, dass der Klimawandel in der Schweiz Vor- und Nachteile bringt.

Tropennächte

Die zugrunde liegenden Klimaprojektionen zeigen ohne Massnahmen zur Reduktion des Klimawandels einen zusätzlichen Temperaturanstieg von drei bis vier Grad bis Ende Jahrhundert in der Schweiz und eine Abnahme der sommerlichen Niederschläge um 20 bis 30 Prozent. Nur mit griffigen Massnahmen zur Reduktion der Treibhausgase kann die Erwärmung in der Schweiz unter zwei Grad und die Abnahme der sommerlichen Niederschläge unter 15 Prozent gehalten werden. Ob sich die Durchschnittstemperaturen in der Schweiz zusätzlich um weniger als zwei oder doch um vier Grad erhöhen, beeinflusst nicht überraschend die Anzahl Sommertage beispielsweise im Schweizer Mittelland. Zürich erlebte in den letzten 30 Jahren jährlich 40 bis 50 Sommertage mit einer Tageshöchsttemperatur von mindestens 25 Grad. Bei einer Erhöhung der Durchschnittstemperatur um weniger als zwei Grad würde sich die jährliche Anzahl Sommertage auf mehr als 60 erhöhen. Bei einem Durchschnittstemperaturanstieg von drei bis vier Grad gäbe es in der Limmatstadt jährlich sogar bis zu 100 Sommertage. Ähnliches gilt für die Anzahl Tropennächte mit einer Tiefsttemperatur, die nicht unter 20 Grad fällt. Heute kommen solche Schweissnächte kaum vor. Je nach Erwärmung gibt es in Zukunft fünf bis fünfzehn solcher Tropennächte auf dem Zürichberg. Dies führt gemäss Klimafolgestudie einerseits zu einem attraktiveren Sommertourismus-Standort aber andererseits zu mehr Hitzestress und somit zu einer steigenden Anzahl Krankenhausaufenthalte.

Längere Vegetationsperiode

Markant ist weiter der Einfluss des Temperaturanstiegs auf die Länge der Vegetationsperiode. Im hohen Szenario verlängert sich die Vegetationsperiode um ganze zwei Monate. Im tiefen Szenario um zwei bis vier Wochen. Gemäss CH2014 dürfte die Vegetationsperiode Ende Jahrhundert regelmässig bereits Mitte Februar starten. Der diesjährige Winterverlauf mit dem frühen Frühlingsdurchbruch würde somit zur Norm. Wie es auch diesen Winter bemerkbar war, reduziert sich der Heizbedarf stark bei milder Witterung. Gemäss der vorliegenden Klimafolgenstudie reduziert sich die Anzahl Heizgradtage um mehr als 25 Prozent. Die heisseren Sommer erhöhen jedoch handkehrum den Energiebedarf fürs Kühlen um einen Faktor zwei bis acht!

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Künstlicher Schnee

CH2014 zeigt, dass ohne entscheidende klimapolitische Massnahmen in allen betrachteten Szenarien und Perioden die Schweizer Skigebiete mit einer kürzeren Saisondauer rechnen müssen. Mit künstlicher Beschneiung kann diese Klimafolge jedoch erheblich reduziert werden. Weitere Simulationen zeigen, dass die Eismasse der Schweizer Gletscher bis Ende Jahrhundert ohne griffige, globale Klimapolitik nahezu vollständig verlorengeht. Dies führt auch dazu, dass es zu einer Verschiebung der Abflussregime in den Schweizer Flüssen kommt. In Zukunft werden die Flüsse im Sommer weniger und im Winter mehr Wasser führen als noch heutzutage. Die Abflussmenge übers ganze Jahr betrachtet, wird sich jedoch kaum verändern. Die starke Erwärmung der grundwasserführenden Schichten durch den Klimawandel könnte zu einer Verschlechterung der Grundwasserqualität führen.

Edler Wein

In der ganzen Schweiz wird sich die Vielfalt von verbreiteten Vogel- und Pflanzenarten ändern. Die Artenvielfalt dürfte im flachen Mittelland abnehmen, in erhöhten Lagen jedoch zunehmen, da durch die längere Vegetationsperiode neue Lebensräume entstehen. Bei ungebremstem Klimawandel könnte das Schweizer Mittelland als Lebensraum für die heute weitverbreiteten Fichten und Buchen aufgrund von häufigem Trockenstress ungeeignet werden. Simulationen zeigen zudem, dass Schädlinge in einer wärmeren Umwelt besser zurechtkommen und die Schweizer Ackerkultur unter Druck setzen. Eine positive Klimafolge für die Landwirtschaft zeichnet sich vorerst im Weinbau ab, da die höheren Temperaturen eine breitere Auswahl von anbaubaren Rebsorten ermöglichen könnten.

Zusammenfassend zeichnet die CH2014-Impacts-Initiative ein Bild von überwiegend nachteiligen Folgen des Klimawandels für die Schweiz. Wichtig dürfte aber vor allem die Botschaft sein, dass sich in der Schweiz auch viele Folgen durch Massnahmen deutlich abschwächen oder sogar in Vorteile umwandeln lassen. Dies weist darauf hin, wie wichtig Vorsorge und Management der Klimafolgen für die Schweiz sein werden. Positive Auswirkungen des Klimawandels in der Schweiz zeigen sich häufig nur bei moderater Klimaänderung. Dies unterstreicht die Verletzlichkeit unserer Umwelt und die Notwendigkeit, den Treibhausgasausstoss global zu senken.

 

CH-2014-Impacts-Bericht zum Download und Bildquelle: http://www.ch2014-impacts.ch/

Überwiegend negative Klimafolgen für die Schweiz