Hat der Mai seine Wonne verloren?

In den letzten Jahren wurde der Mai immer mal wieder verregnet. Auch in diesem Jahr zeigte sich der Mai, vor seinem sommerlichen Finale, häufig bewölkt und immer mal wieder nass. Trotzdem gilt der Mai als Wonnemonat. Wie passt das zusammen?

 

Weidemonat Mai

„Wonne“ ist Synonym, aber auch Steigerung zu „Freude“. Der Frühling verleiht Freude. Die Tage werden länger und länger, alles blüht und es wird scheinbar täglich wärmer. Mit der Vollblüte der Vegetation konzentrieren sich im Mai diese Gefühle. So werden vor allem in Deutschland im Mai zahlreiche Volksbräuche, wie die Walpurgisnacht, der Maibaum, das Maisingen und die Mairitte gefeiert. Ländlichere Gemeinden der Schweiz kennen den Maibaum und in Zürich findet jährlich ein Maisingen statt. Ursprünglich war der Mai als Weidemonat bekannt, da in dieser Zeit das Vieh vom Stall wieder auf die Weiden gebracht werden konnte. Der Begriff winnimanod (winni = Weide) wurde dann auf wunnimonad (wunni = Wonne) abgeändert. Der Legende nach sogar durch Karl den Grossen persönlich.

Früher war der Mai in Zürich sonniger. In den 70er- und 80er-Jahre war er häufig trüb und in den letzten Jahren gab es aber wieder mehr Sonne.

Wonnemonat Mai

Trotz der sommerlichen Tage Ende Mai 2018 gab es im diesjährigen Mai wieder viele (10) trübe Tage mit keinen oder nur wenigen Sonnenstunden. Ist der Mai 2018 eine Ausnahme oder kann der Begriff Wonnemonat nicht in Zusammenhang mit dem Maiwetter gebracht werden?

Wie jeder andere Monat in der Schweiz weist auch der Mai grosse Jahr-zu-Jahr-Schwankungen auf. Auf einen kühl-nassen Mai kann ein trocken-sonniger Mai folgen. Trotzdem zeigen sich am Beobachtungsort Zürich spannende langjährige Entwicklungen, die teilweise einzigartig für den Monat Mai sind. Ein Blick in die Wetterannalen von Zürich zeigt, dass sich die Maimonate seit 1901 in drei Phasen einteilen lassen. In der Periode von 1901 bis 1960 präsentierte sich der Mai innerhalb der üblichen Jahr-zu-Jahr-Schwankungen relativ stabil. Es war kein langjähriger Trend zu beobachten. Die durchschnittlichen Höchstwerte lagen zwischen 18 und 19 Grad und die nächtlichen Tiefstwerte etwas über 7 Grad. In jedem dritten Jahr gab es mindestens eine Frostnacht im Mai. Die Maie in den Jahren 1909, 1935, 1941 und 1957 brachten sogar 4 bis 5 Frostnächte in Zürich. In praktisch jedem Jahr gab es aber auch mindestens einen Sommertag im Mai mit über 25 Grad. Hochsommerliche Maie mit 10 oder sogar 16 Sommertagen waren auch dabei, wie beispielsweise in den Jahren 1931, 1945 und 1953. Kühle Nächte und warme Nachmittage – wie sie zwischen 1901 und 1960 im Mai häufig anzutreffen waren, deuten auf hochdruckbestimmtes Wetter. Und dies manifestierte sich auch in der Sonnenscheindauer. So brachten die Maimonate durchschnittlich mehr als 200 Sonnenstunden. In dieser Zeit blieb im Mai auch der Regen häufig Mangelware. Zahlreiche Maimonate mit nur rund 50 mm sind bekannt. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass der Wonnemonat Mai seinem Namen in der Periode von 1901-1960 wettertechnisch häufig gerecht wurde. Kleiner Wermutstropfen waren die heimtückischen Frostnächte, welche recht häufig auftraten.

Früher war der Mai in Zürich trockener, in den letzten Jahren häufiger nass.

Wonne verloren?

In den 60er-, 70er- und 80er-Jahren war ein spürbarer Wandel des Maiwetters feststellbar. In dieser Zeit war der Mai kühler, trüber und kühler. In zahlreichen Jahren wurde kein einziger Sommertag mit über 25 Grad im Mai registriert. Die durchschnittliche Sonnenscheindauer sackte um mehr als 30 Stunden ab. Im Mai 1978 gab es weniger als 110 Sonnenstunden, 1984 waren es sogar weniger als 100 Stunden. Gleichzeitig stiegen die Niederschlagssummen an. Dies obwohl extrem nasse Maie ausblieben. Sehr trockene Maimonate traten aber nur noch ganz selten auf, so dass sich die durchschnittliche Regenmenge um rund 20 mm erhöhte. Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: der Mai hatte seit Wonne in den 60er-, 70er und 80er-Jahre verloren.

 

Wieder mehr Freude

In den letzten 30 Jahren hat sich der Mai wiederum gewandelt. Der fünfte Monat des Jahres ist in dieser kurzen Zeit um fast zwei Grad wärmer geworden und bringt daher auch wieder jährlich Sommertage mit über 25 Grad. Erstaunlich ist vor allem der markante Temperaturanstieg in den Mainächten. Während sich die Höchstwerte kaum verändert haben, sind die Nächte heutzutage im Durchschnitt zwei Grad milder als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese Erwärmung zeigt sich auch im deutlichen Rückgang von Frostnächten im Mai. In Zürich wurde letztmals im Jahr 1979 eine Frostnacht im Mai registriert. Zudem zeigt sich auch die Sonne wieder deutlich häufiger als noch in den Jahrzehnten davor. Die Maimonate 2011, 2012 und 2017 mit bis zu 280 Sonnenstunden sind dafür nur Beispiele. Insgesamt kommt der Mai im Durchschnitt wieder auf über 190 Sonnenstunden, ein Plus von 20 Stunden gegenüber den trüben Jahrzehnten davor. Gleichzeitig ist der Mai aber auch nässer geworden. So gehören die Maimonate 1994 und 1999 mit 250-300 mm Niederschlag zu den zwei nässesten in der Messreihe. Seit der Jahrtausendwende brachten gleich sechs Maie mehr als 150 mm Regen. Sehr trockene Maimonate blieben zudem aus, so dass der Mai heute im Durchschnitt 124 mm Regen bringt, oder 25% mehr als noch vor rund 100 Jahren. Trotz mehr Regen bereitet der Mai wettertechnisch wieder mehr Freude als noch in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren. Die Wonne der frühen Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts hat er allerdings noch nicht wieder erreicht.

Hat der Mai seine Wonne verloren?

Ein Januar ohne Schnee und Eis – im Flachland

Das Jahr 2018 startete gleich mit einem neuen Monatsrekord für den Januar. In Zürich erreichte die Januartemperatur 2018 einen neuen Rekordwert von 4,7 Grad. Systematisch gemessen wird in Zürich seit 1864. Der Januar 2018 fühlt sich im Vergleich mit Frühlingsmonaten sogar wohler als mit eigentlich Gleichgesinnten. So war der Januar so mild wie ein durchschnittlicher März und wärmer als die Hälfte aller Märzmonate seit 1864. Der bisherige Januarrekord lag noch gar nicht weit in der Vergangenheit. Im Januar 2007 war es in Zürich nur wenige Zehntelgrad kühler als in diesem Jahr. Anders am Messstandort Genf, dort erreichte die Januartemperatur 2018 den alles überragenden Rekordwert von 6,2 Grad. Die bisher mildesten Januarmonate lieferten in Genf um 4,5 Grad. Auch im landesweiten Mittel ist es der mildeste Januar seit Messbeginn.

Der Januar 2018 war in Zürich praktisch durchwegs deutlich zu warm. Nur am 14. Januar lag die Tagesmittel-Temperatur etwas unter dem langjährigen Durchschnitt.

Schnee nur in den Bergen

Eine konstante Westströmung flutete den Alpenraum mit sehr milder aber auch feuchter Luft aus dem Atlantik und dem Mittelmeerraum. In den Bergen waren daher die Bedingungen für riesige Schneemengen perfekt. In Arosa erreichte die Neuschneesumme im Januar 2,85 Meter. Es ist die fünfthöchste Januarsumme seit Messbeginn 1890. Ganz anders präsentierte sich die Schneelage im Flachland. In Zürich wurde im ganzen Januar 2018 kein einziger Tag mit Neuschnee registriert. Schneefreie Jänner sind in Zürich zwar selten, aber nicht einmalig. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind fünf weitere Januare (1974, 1975, 1989, 1990 und 2008) ohne Schnee bekannt. Im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981-2010 sind im Januar fünf Tage mit Neuschnee und 12 Tage mit einer Schneedecke zu erwarten. Während der Januar schneetechnisch in den Bergen also klar überdurchschnittlich ausfiel, machte sich im Flachland grosse Schneearmut breit.

Neben dem Schnee machte sich auch der Frost rar – sehr rar. Nur in vier Nächten sank das Thermometer unter den Gefrierpunkt. Selbst in klaren Nächten sank das Quecksilber mitten im Januar in Zürich nur auf 2-4 Grad. So wenige Frostnächte in einem Januar gab es noch nie seit mindestens 120 Jahren. Der bisherige Rekord von neun Frostnächten im Januar 2007 wurde dabei deutlich unterboten. Bei so wenigen Frostnächten erstaunt es kaum, dass auch Eistage mit Dauerfrost im Januar 2018 überhaupt kein Thema waren. Mit keinem einzigen Eistag reiht sich der Januar 2018 in eine sehr exklusive Gruppe ein. Vorher war dies nur aus den drei Januarmonaten 1916, 1936 und 1988 bekannt. Selbst in den sehr milden Januaren 2007, 2014 und 2015 gab es ein bis vier Eistage mit Dauerfrost. Die Klimanormwerte der Jahre 1981-2010 lassen im Januar immerhin 20 Frostnächte und 9 Eistage erwarten.

 

Kalter Frühling?

Der grosse Wärmeüberschuss im Januar 2018 zeigte sich auch in teils frühlingshaft milden Nachmittagen. An sechs Tagen zeigte das Thermometer Werte über 10 Grad an. Für einmal ist dies aber kein neuer Rekordwert. Im Januar 1993 gab es sogar 10 Tage, 2007 sogar 11 Tage mit Höchstwerten über 10 Grad. Die Milde liess bereits Haselsträucher und Erlen erblühen. Der Blühbeginn kann als „sehr früh“ bezeichnet werden. Der Vorsprung beträgt im Durchschnitt ganze 25 Tage. An einigen Standorten wurde der Blühbeginn der Hasel sogar noch nie so früh beobachtet wie in diesem Jahr. In Bauernregeln werden milde Jänner gefürchtet und mit kalten, anstehenden Frühlingsmonaten in Verbindung gebracht. So heisst es: „Lässt der Januar Wasser fallen, lässt der Lenz es gefrieren“ und „Wirft der Maulwurf seine Hügel neu, währt der Winter bis zum Mai.“ Viele alte Volkssprüche lassen zudem einen spezifischen Zusammenhang mit dem Monat Mai vermuten. „Wieviel Regentropfen ein Januar, soviel Schneeflocken im Mai.“ Die durch die Milde gestörte Winterruhe solle sich zudem negativ auf die Vegetationsentwicklung im ganzen Jahr auswirken: „Im Januar viel Regen und wenig Schnee, tut Saaten, Wiesen und Bäumen weh“ und „Wächst das Gras im Januar, so wächst es schlecht im ganzen Jahr.“

Klimatologisch lässt sich allerdings kein Zusammenhang zwischen einem milden Januar und irgendeinem kalten oder schneereichen Frühlingsmonat ableiten. Betrachtet man die 20 wärmsten Januarmonate seit 1864, so zeigt sich eher ein umgekehrtes Bild. Auf einen sehr milden Januar folgt auch ein sehr milder Frühling. Beispiele dafür stammen aus den Jahren 1920, 1924, 1948, 1993, 1999, 2007, 2008 und 2014. Jedes Mal folgte auf einen sehr milden Januar auch ein sehr milder Frühling. Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Im Jahr 1877 war der Januar mit durchschnittlich 2 Grad recht mild. März, April und Mai waren dann aber deutlich zu kühl. Oder auch 1975, als auf einen sehr milden Januar ebenfalls ein insgesamt kühler Frühling folgte. Eine weitere Bauernregel deutet dann aber trotzdem auf einen guten Frühling hin. So heisst es: „Der Januar muss krachen, soll der Frühling lachen.“ Mit den vielen Stürmen, die teils sogar Wintergewitter brachten, hat es im Januar 2018 so richtig gekracht. Das sind gute Aussichten für den Frühling. Vorher ist aber nochmals Winter angesagt. Der Februar kann es in sich haben, wie uns die Jahre 2012, 2013 und 2015 gezeigt haben.

Ein Januar ohne Schnee und Eis – im Flachland

Des Bauers Frust mit dem Frühlingsfrost

Der Frühling startete mild und sonnig. Die Vegetation entwickelte sich rasch. Die Nachtfröste zu Ostern kamen daher ungelegen. Doch wann ist es Zeit für den letzten Frost?

 

Bald ist es Frühlingshalbzeit. Der meteorologische Frühling startet am 1. März und dauert bis zum 31. Mai. Der erste Frühlingsmonat war heuer in Zürich mit durchschnittlich 6,4 Grad auf dem Zürichberg rund ein Grad wärmer als im langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010 und rund ein Grad kälter als im Vorjahr. Vor zwei Jahren war der März mit gemittelt lediglich 2,5 Grad jedoch deutlich kälter als im aktuellen Jahr. Die Jahr-zu-Jahr-Schwankungen sind wie in anderen Monaten auch relativ gross, trotzdem zeigt sich auch im Monat März eine eindeutige Erwärmungstendenz. Der letzte richtig kalte März mit einer Mitteltemperatur von nur gerade 1 Grad stammt aus dem Jahr 1987. Davor gab es mindestens alle zehn Jahre einen winterlichen März. Sehr kalt war der März mit nur wenig über null Grad auch im 1971. Der kälteste März stammt übrigens aus dem Jahr 1865 mit -1,2 Grad. Der diesjährige März war nicht nur übertemperiert sondern brachte auf dem Zürichberg mit 174 Sonnenstunden auch rund 40 Prozent mehr Besonnung als im langjährigen Mittel, wie aus Daten von MeteoSchweiz hervorgeht. Mit etwas mehr als 82 mm Niederschlag war der dritte Monat des Jahres in Zürich geringfügig zu nass. Zusammen mit dem nassen Osterwetter konnte das Niederschlagsdefizit aus dem Februar vorerst ausgeglichen werden.

 

Kalt-nasse Ostern

Das Osterwochenende vom 3. bis 6. April 2015 brachte anfangs windiges, dann trüb-nasses und am Ende kühl-sonniges Wetter. Mit einer Durchschnittstemperatur von rund 3,5 Grad waren Ostern 2015 auf dem Zürichberg relativ kühl im langjährigen Vergleich. Letztmals kälter waren Ostern vor zwei Jahren mit nur 1,1 Grad. Der Morgen des diesjährigen Ostermontags war mit -2,6 Grad in Zürich-Witikon der kälteste Ostermorgen seit 2008. An zwei der vier Ostertage fiel Niederschlag. Die Summe erreichte auf dem Zürichberg knapp 20 mm, es waren somit die nassesten Ostern seit 2008. Nach drei eher trüben Osterwochenenden in den Vorjahren, wurde Zürich mit rund 15 Sonnenstunden heuer nicht gerade mit Sonne verwöhnt. Es reichte aber für die sonnigsten Ostern seit 2011.

 

Kalter Aprilstart

Nicht nur Ostern sondern der Aprilstart insgesamt fiel 2015 deutlich unterkühlt aus. Die ersten sieben Apriltage waren auf dem Zürichberg im Durchschnitt knapp 4 Grad kühl und brachten in vier Nächten Nachtfrost. Ein kalter Aprilstart ist in der Klimatologie der Schweiz keine Seltenheit. Erst letztmals vor zwei Jahren waren die ersten sieben Apriltage mit gemittelt 2,6 Grad noch ein Stück kälter als in diesem Jahr. Allerdings gab es 2013 nur drei frostige Nächte in der ersten Aprilwoche. Letztmals mehr Frosttage zum Aprilstart gab es 1970, als fünf der ersten sieben Apriltage negative Nachttemperaturen brachten. Grosse Ähnlichkeit mit dem diesjährigen Verlauf zeigt sich auch im Frühling 2003. Nach einem kalten Februar und einem milden März startete der April mit einem späten Winterrückfall und vier frostigen Nächten in den ersten Tagen. 2003 raffte sich der April in der Folge auf und fuhr bis zum Monatsende noch ein Wärmeüberschuss ein. Es folgten ein frühsommerlicher Mai und der geschichtsträchtige Hitzesommer 2003.

 

Im langjährigen Durchschnitt tritt der letzte Nachtfrost der Saison in Zürich am 12. April auf. In den letzten 17 Jahren brachten jedoch nur die Jahre 2001 und 2013 den letzten Frost zu einem späteren Zeitpunkt.
Im langjährigen Durchschnitt tritt der letzte Nachtfrost der Saison in Zürich am 12. April auf. In den letzten 17 Jahren brachten jedoch nur die Jahre 2001 und 2013 den letzten Frost zu einem späteren Zeitpunkt.

 

Frost im Frühling

Temperaturen unter dem Gefrierpunkt können in der Land- und Forstwirtschaft während der Vegetationsperiode Frostschäden nach sich ziehen. Insbesondere bei weit fortgeschrittener Vegetationsentwicklung bergen scharfe Nachtfröste eine Gefahr für Pflanzen und Kulturen. Wird die  Grünland-Temperatursumme von 200 überschritten, setzt der nachhaltige Vegetationsbeginn ein. Dies ist je nach Witterung zwischen Mitte März und Mitte April der Fall. Heuer wurde dieser Frühlingsstartschuss Ende März abgefeuert, also unmittelbar vor den Nachtfrösten an Ostern. Empfindliche Kulturen mussten deshalb mit Vlies abgedeckt, gefährdete Topfpflanzen ins Warme gebracht werden. Ein Blick in die Wetterannalen von Zürich seit 1901 zeigt, dass der mittlere Termin des letzten Frostes in Zürich der 12. April ist. In den letzten 17 Jahren brachten nur die Jahre 2001 mit dem 23. April und 2013 mit dem 20. April den letzten Frost zu einem späteren Zeitpunkt. Vor dem Hintergrund, dass in der zweiten Aprilhälfte oder im Mai heuer keine Nachfröste mehr folgen, war der letzte Nachfrost vom 8. April 2015 also mehr oder weniger im langjährigen Durchschnitt. In mehr als 85 Prozent der Jahre tritt der letzte Frost in der Periode zwischen dem 21. März und dem 30. April auf. Frühere und spätere Termine sind eine Seltenheit. Fröste im Mai, im Volksmunde auch als Eisheilige bekannt, sind heutzutage kaum noch zu erwarten. Der letzte Mai-Frost in Zürich stammt aus dem Jahr 1979. Zwischen 1901 und 1979 war dies aber in jedem siebten Jahr der Fall. Der späteste Termin des letzten Frosts in Zürich seit 1901 stammt vom 12. Mai 1910. Landwirte und Hobbygärtner profitierten in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits von der globalen Erwärmung. Der Termin des letzten Frostes hat sich seit 1981 gegenüber den Jahrzehnten davor um rund 10 Tage nach vorne verlegt. Dieser Trend dürfte wohl auch in Zukunft anhalten und für weniger frostige Überraschungen im Frühling sorgen.

Des Bauers Frust mit dem Frühlingsfrost

Sommer im Herbst

Nach dem drittwärmsten Winter und dem achtwärmsten Frühling erlebte die Schweiz nun auch den zweitwärmsten Herbst seit Messbeginn vor 151 Jahren.

„Erdbeeren im Winter – Ein Klimamärchen“, dies ist der Name einer Wanderausstellung, welche Anfang des Jahres in St. Gallen gezeigt wurde und noch bis 2015 in verschiedenen Naturmuseen zu sehen ist. Die Ausstellung will die Bevölkerung auf die Klima- und Umweltthematik sensibilisieren. Dabei geht es, wie der Titel zweideutig vermuten lässt, auch um jedermanns Konsumverhalten und die damit verbundenen Umweltauswirkungen. Wer beispielsweise im Winter Erdbeeren im Supermarkt kauft, muss wissen, dass diese mit dem Flugzeug aus wärmeren Gegenden eingeflogen wurden und deshalb sehr viel graue Energie verbrauchen. Erdbeeren im Winter sind ökologisch also kaum vertretbar. Die ausserordentlich warme Witterung im Jahr 2014 hat den Ausstellern aber beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht, respektive dem Titel „Erdbeeren im Winter – ein Klimamärchen.“ eine zweite Bedeutung verliehen. Die anhaltend milden Herbsttemperaturen führten nämlich dazu, dass einige Wiesen- und Gartenpflanzen auch im November weiter blühten oder nochmals aufblühen konnten, z.B. Löwenzahn oder Gartenrosen. Zudem blühten vereinzelt Frühlingsblumen, wie MeteoSchweiz mitteilte. Weiter lagen Ende November Beobachtungen vor von blühenden Veilchen, Buschwindröschen, Frühlingsenzian, Schlüsselblumen und Walderdbeeren, die sogar noch reife Früchte trugen. In einem wärmeren Klima sind also Erdbeeren im Frühwinter vielleicht schon bald kein Märchen mehr.

Der Herbst 2014 war in Zürich 2 Grad wärmer als der Durchschnitt 1981-2010 und somit der zweitwärmste seit Messbeginn 1864. Noch wärmer war der Herbst nur im Jahr 2006.
Der Herbst 2014 war in Zürich 2 Grad wärmer als der Durchschnitt 1981-2010 und somit der zweitwärmste seit Messbeginn 1864. Noch wärmer war der Herbst nur im Jahr 2006.

2.-wärmster Herbst

Ähnliche phänologische Beobachtungen wurden auch im Rekordherbst 2006 gemacht. Dieser war über die ganze Schweiz gemittelt 2,6 Grad wärmer als der Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Der diesjährige Herbst (in der Meteorologie von September bis November) muss sich aber keineswegs verstecken. Mit einer positiven Abweichung von 2,2 Grad war er schweizweit der 2.-wärmste Herbst seit Messbeginn vor 151 Jahren. Auch auf dem Zürichberg landete der diesjährige Herbst auf dem zweitwärmsten Platz. Die positive Abweichung lag mit 2 Grad aber etwas unter dem Schweizer Durchschnittswert. Dies lag vor allem an den langanhaltenden Hochdrucklagen im November, welche immer wieder Inversionslagen mit Nebel im Flachland auslösten. Von den drei Herbstmonaten brachte der Oktober in Zürich mit einer Abweichung von mehr als zweieinhalb Grad zum langjährigen Durchschnitt den grössten Wärmeüberschuss. Gleichzeitig war es in Zürich der 4.-wärmste Oktober seit Messbeginn 1864. Auch der November war mit einem Wärmeplus von 2,2 Grad sehr mild. In der 151-jährigen Messreihe war es gar der 5.-wärmste November. Geradezu unspektakulär, aber mit einer durchschnittlichen Temperatur auf dem Zürichberg von 15,2 Grad und somit durchaus spätsommerlich warm, ging der September über die Bühne. Aber auch er gehörte zu den wärmsten 20 Prozent aller Septembermonate seit 1864.

Kontinuierlich frostfrei

Bei dieser anhaltenden Wärme ist es kein Wunder, dass über den gesamten Herbst hinweg kein einziger Frost in Zürich registriert wurde. In einem durchschnittlichen Jahr wird der erste Frost um den 13. Oktober beobachtet, also mitten im meteorologischen Herbst. Frostfreie Herbste gab es zuvor seit Anfang des letzten Jahrhunderts erst zwei Mal und nur in den letzten 20 Jahren: nämlich 1994 und 2002. Im langjährigen Durchschnitt sind im meteorologischen Herbst rund 11 Frosttage zu erwarten. Diese Anzahl hat sich in den letzten Jahren auf weniger als 9 Tage reduziert. Auch bis zum Nikolaustag blieb Väterchen Frost Zürich fern. So wird dieses Jahr auch die kontinuierlich frostfreie Periode seit dem letzten Frost im vergangenen Winter immer länger. Der letzte Frost wurde in Zürich am 24. Februar gemessen. Die kontinuierlich frostfreie Periode 2014 dauert also schon 255 Tage (bis zum 6. Dezember). Bereits jetzt steht fest, dass dies die längste frostfreie Zeit seit Anfang des letzten Jahrhunderts ist. Die Länge der frostfreien Periode überbietet den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2002 und 1990 mit je 245 Tagen gleich um 10 Tage! Lange frostfreie Perioden sind vor allem für den Weinbau sehr vorteilhaft. Das andere Extrem wurde im Jahr 1928 beobachtet, als die frostfreie Zeit nur gerade 144 Tage dauerte, vom 12. April bis zum 2. September. Nicht nur die Flora setzt in der langen, frostfreien und milden Zeit zu Höhenflügen an, auch die Fauna spürt bereits einen zweiten Frühling. So wurden in Zürich Mitte November Stockenten mit frisch geschlüpften Jungen beobachtet. Ob diese den anstehenden Winter überleben, ist jedoch mehr als fraglich. Die einzige Hoffnung bestünde darin, dass nach dem Herbst im Sommer und dem Sommer im Herbst nun ein Frühling im Winter folgen würde.

Sommer im Herbst

Die erste Liebe und der Mai …

Der Kälterückfall Anfang Mai unterbricht das bis heute zweitwärmste Jahr seit Messbeginn 1864. Welche Rolle spielen dabei die Eisheiligen?

 

Bild

 

Das Jahr 2014 verlief bisher viel milder als das Vorjahr 2013. Das 5-Tagesmittel der Lufttemperatur lag 2014 fast immer höher (rote Balken) als 2013.

Die schwarze Bise sorgte Anfang Mai, namentlich am dritten Tag des Monats, für einen herbstlichen Eindruck. Zwischen einem sich aufbauenden Hoch über den Britischen Inseln und einem Höhentief über dem Mittelmeer stellte sich in den ersten Maitagen eine Nordostströmung ein, welche feuchte-kalte Luft in den Alpenraum transportierte. Die kompakte, tiefe Bewölkung nördlich der Alpen erinnerte eher an den Herbst als an den Frühling. Eine Bisenlage mit feuchter Luft, die am Alpennordhang zudem noch Niederschlag auslöst, nennt man deswegen auch “Bise noire”. Am 4. Mai liess die kühle Bise dann nach und die Bewölkung löste sich bis am Abend vollständig auf. Dadurch waren die Bedingungen für (Boden-)Frost optimal. So fielen die Temperaturen am frühen Morgen des 5. Mai auf zwei Meter über Gras selbst im Flachland auf 3 bis 0 Grad, im Gürbetal bei Thun und in Mosen im Luzerner Seeland sogar knapp darunter, wie MeteoSchweiz berichtete. „Die erste Liebe und der Mai gehen selten ohne Frost vorbei.“ Diese Bauernregel trifft jedoch nur lokal und eher selten zu. Frost im Mai ist im Schweizer Flachland doch eher die Ausnahme. Seit 1981 gab es in Basel, Luzern und auf dem Zürichberg nie mehr Hüttenfrost (zwei Meter über Gras). Beim Zürcher Flughafen gibt es nur alle zweieinhalb Jahre Frost im Mai. Häufiger kommt es in Muldenlagen wie Tänikon (TG) vor, wo es fast in jedem Mai nochmals Frost gibt.

 

Ungünstiger Bodenfrost

Wenn es klar und windschwach ist, sinkt die Temperatur knapp über Boden noch ein paar Grade (maximal fünf Grad). tiefer als auf zwei Meter über Gras Deshalb wird zusätzlich zur Referenz-Lufttemperatur (zwei Meter über Gras) auch auf 5 cm über Boden die Temperatur gemessen. Sie ist relevant für Bodenfrost. Auf 5 cm über Boden sanken die Temperaturen in der Nacht auf den 5. Mai auf 0 bis -3 Grad. Somit gab es teils mässigen Bodenfrost, welcher für empfindliche Pflanzen (beispielsweise Erdbeeren) zu einem ungünstigen Moment auftrat, wie MeteoSchweiz meldete. Ungewöhnlich ist das nicht. Praktisch jedes Jahr gibt es im Mai mindestens einmal Bodenfrost. Dieser wird häufig mit den Eisheiligen in Verbindung gebracht.

 

Eisheilige?

Gemäss Definition in der Literatur fallen die Eisheiligen in Mitteleuropa auf die Tage vom 11. bis zum 14. Mai. Es sind die Namenstage von Mamertus, Pankratius, Servatius und Bonifatius. Als Abschluss für diese Kaltphase wird schliesslich die Kalte Sophie vom 15. Mai genannt. Laut Überlieferung soll der Frost nach den Eisheiligen für die Landwirtschaft keine Gefahr mehr darstellen. Nach der gregorianischen Kalenderreform von 1582 würden die Eisheiligen heute in die Periode zwischen 19. und 23. Mai fallen. Eine Auswertung von MeteoSchweiz zeigt aber, dass Bodenfrost weder in den Tagen 11. bis 15. noch in den Tagen 19. bis 23. Mai häufiger auftreten als sonst im Mai. Demzufolge sind die Eisheiligen „Schnee von gestern“.

 

Zweitwärmstes Winterhalbjahr

Der kühle Maistart lässt aber nicht darüber hinwegsehen, dass die Schweiz ihr zweitwärmstes Winterhalbjahr (Oktober-März) seit 1864 und einen viel zu milden April 2014 erlebte. Das Winterhalbjahr Oktober 2013 bis März 2014 war in Zürich mehr als 2 Grad wärmer als im langjährigen Mittel 1961-1990. Nur in der gleichen Periode 2006/07 war es mit einem Temperaturüberschuss von rund 3 Grad noch milder. Auf das viel zu milde Winterhalbjahr folgte auch in Zürich einer der zehnwärmsten Aprilmonate. Der sonst so launische April war in Zürich zweieinhalb Grad wärmer als im langjährigen Mittel.

Mit durchschnittlich 10,9 Grad war der diesjährige April gleich warm wie der letztjährige Mai! Damit wurde das seit Januar bekannte Muster bestätigt: Gegenüber dem Vorjahr hätten die ersten vier Monate des Jahres nicht unterschiedlicher sein können. So war es in Zürich seit Jahresbeginn mit durchschnittlich 6 Grad mehr als 3 Grad wärmer als ein Jahr zuvor. Vergleicht man die Tagesmitteltemperaturen der Jahre 2014 und 2013 in der Periode von Januar bis Anfang Mai, so fällt auf, dass es dieses Jahr in jedem einzelnen Monat über weite Strecken deutlich milder war als 2013. Extrem waren die Unterschiede vor allem im Februar, Mitte März und wieder in der ersten Aprilhälfte. Nur selten war es in diesem Frühjahr geringfügig kühler als vor einem Jahr. So beispielsweise während dem Monatswechsel in den Februar oder auch Mitte April (während dem letztjährigen Sechseläuten) sowie Anfang Mai. Die bisher gemessenen Temperaturen im Jahr 2014 sind die zweithöchsten seit 1864. Die Periode Januar bis April war nur im Jahr 2007 noch milder als in diesem Jahr. Auch der dritte Platz ist mit 2011 in der jüngsten Vergangenheit.

Seit Januar brachte zudem im Grossraum Zürich jeder Monat mehr Sonnenschein als im langjährigen Mittel. Zudem war es deutlich zu trocken. Das Gegenteil war 2013 der Fall. Die Periode Januar bis April war in Zürich die trübste in der Messgschichte.

 

Der diesjährige Mai hat es in der eigenen Hand. Soll es mit der Liebe klappen – muss er sich auf den Wonnekurs der Vormonate besinnen und wieder sonnige Wärme bringen.

Die erste Liebe und der Mai …