Gebäude renovieren und Solarzellen aufs Dach

Bundesrätin Doris Leuthard macht vieles richtig! Durch ihre proklamierte Kopplung der Energie- und Klimaziele gibt sie ein wichtiges Statement ab und lässt erahnen, dass bei Reduktionsvorschriften und Emissionspfaden nicht einfach über Zahlen gesprochen wird, sondern über Wege unserer Gesellschaft in die Zukunft, über die Umstrukturierung in der Schweiz und darum wie das Umdenken der Schweiz Bevölkerung erzielt werden kann. 

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Fukushima mit Folgen
Der Ausstieg aus der Kernenergie ist beschlossene Sache. Nun ist der Bundesrat gefordert, Zukunftslösungen zu präsentieren und aufzuzeigen, wie die Abschaffung der Atomenergie in der Schweiz nach Fukushima zu bewältigen ist. Von verschiedenen Seiten war die wichtigste Forderung immer, dass die Stromsicherheit gewährleistet werden kann. Die Schweiz soll auch ohne Strom aus Kernkraftwerken nicht in eine Stromlücke rutschen. Im Jahr 2010 produzierte die Schweiz rund 24 TWh aus Kernenergie. Das sind gut 40 Prozent der gesamten Stromproduktion der Schweiz. Dieser Anteil soll nun bis 2034 stufenweise bis auf null reduziert werden. Würden wir „weiter machen wie bisher” so würde die Nachfrage nach Elektrizität über 80 TWh bis 2050 steigen. Bei diesem Szenario gäbe es bestimmt eine Stromlücke. Diese Stromlücke könnte mit dem Bau von Gaskraftwerken geschlossen werden. Jedoch verschlechtern sich dann die CO2-Emissionen der Schweiz schlagartig. Die Kernenergie bringt zwar viele Risiken und die Altlasten werden uns noch Jahrtausende beschäftigen, jedoch ist diese Energieform sehr klimafreundlich, zumindest heute noch. Der uneingeschränkte Bau von thermischen Kraftwerken kann also nicht die Lösung sein, denn die Schweiz soll neben den Wohlstands- auch die Klimaziele erreichen!

Neue Energiestrategie
Mit der neuen Energiestrategie 2050 soll der Stromkonsum aber nur noch einige Jahre ansteigen und dann bis 2050 auf einen etwas tieferen Wert als heute sinken. Trotz Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum soll die Nachfrage nach Elektrizität also nicht weiter ansteigen. Gleichzeitig müssen die Schweizer Kernkraftwerke in der Höhe von rund 24 TWh kompensiert werden. Um diese Monsteraufgabe zu bewältigen, hat Bundesrätin Leuthard Mitte April 2012 die neue Strategie aufgezeigt. Dabei betont sie, dass nicht nur die Elektrizität und somit die Stromzukunft, sondern die Gesamtenergie und somit auch die Klimazukunft ins Auge gefasst werden soll. Am Ende muss die Gesamtbilanz aufgehen: Fakt ist, dass die Elektrizität zurzeit weniger als ein Viertel des Gesamtenergiemix in der Schweiz ausmacht. Der Löwenanteil fällt auf die Treibstoffe, welche einen Drittel des Schweizer Energiebedarfs decken, gefolgt von Erdölbrennstoffen, die einen ähnlichen Anteil wie die Elektrizität aufweisen. Gas und andere Energieträger machen nur rund 20 Prozent des Energiemix aus.
Die rund anderthalb Millionen Gebäude (davon mehr als eine Million reine Wohngebäude) in der Schweiz verbrauchen knapp die Hälfte des inländischen Gesamtenergieverbrauchs, wobei allein rund 50 Prozent des fossilen Inlandverbrauchs und rund 37 Prozent des Stromverbrauchs auf die Kappe der Gebäude gehen. Die Energiestrategie 2050 greift genau bei diesem Punkt an und möchte mit der Energieeffizienz im Gebäudebereich enorme Energiemengen einsparen. Das Gebäudeprogram soll verstärkt werden, mehr Altbauten sollen saniert werden, auch mittels staatlicher Unterstützung und Neubauten sollten strengeren Energieeffizienzvorschriften unterzogen werden. Allein im Gebäudebereich könnten so bis 2050 rund 23 TWh Energie eingespart werden, also rund so viel wie alle Kernkraftwerke zurzeit in der Schweiz produzieren (in Form von Strom). Ein grösseres Sparpotenzial gibt es in keinem anderen Bereich, weder in der Industrie noch in der Mobilität, wobei auch dort eingespart werden kann und muss. Beispielsweise mit Anreizsystemen für Unternehmen. Weiterhin fehlt aber die Energiemenge der abgeschalteten Kernkraftwerke, da die massiven Einsparungen im Gebäudebereich nur dafür sorgen, dass die Energienachfrage nicht noch weiter ansteigt. Mit der neuen Energiepolitik soll die Stromproduktion aus erneuerbaren Energieträgern bis 2050 um rund 22 TWh erhöht werden, also um rund so viel wie heute alle Kernkraftwerke produzieren. Zu den nötigen Massnahmen, um dieses hohe Ziel zu erreichen gehören Unterstützungsbeiträge in der Höhe von maximal 30 Prozent der Investitionskosten für Anlagen der erneuerbaren Energien sowie Vereinfachungen im Bewilligungsverfahren für solche Anlagen.

Trotz diesen Massnahmen sprach Bundesrätin Leuthard von Gas-Kombi-Kraftwerken. Da die neuen erneuerbaren Energien in solch grosser Masse wahrscheinlich nur langsam Fahrt aufnehmen werden, braucht es eine Übergangsalternative. Das könnten Stromimporte oder eben Gas-Kombi-Kraftwerke sein. Selbst wenn die Schweiz vorübergehend zwei grosse Gaskraftwerke betreiben müsste, würden diese nur rund 2 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ausstossen, was rund 10 TWh Erdgas entspricht. Das sind 5 Prozent des heutigen CO2-Ausstosses der Schweiz. Verglichen mit den über 80 TWh, welche heute in der Schweiz im Gebäudebereich als Erdöl und Gas verbrannt werden, ein geringer Anteil. Mit den massiven Anstrengungen im Gebäudebereich würden unter dem Strich auch mit temporären Gaskraftwerken weniger fossile Energieträger benötigt und damit die Klimaziele beachtet. Das Umdenken muss stattfinden und wir müssen für die Energiestrategie 2050 bereit sein, denn sie betrifft uns alle. Machbar ist sie, denn ich meine, Bundesrätin Doris Leuthard macht vieles richtig!

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