Presseschau: Wieso ein halbes Grad Erwärmung entscheidend ist

Der neue Spezialbericht des Weltklimarats zeigt klar auf, welch kolossalen Anstrengungen nötig sind, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Entsprechend gross ist das mediale Echo auf den jüngsten Bericht.

Knapp 200 Regierungen aus aller Welt einigten sich 2015 in Paris darauf, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad, wenn möglich auf 1,5 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Was das bedeutet, zeigt der Weltklimarat (das Intergovernmental Panel on Climate Change: IPCC) in einem am 8. Oktober veröffentlichten Sonderbericht auf. Die bisherigen Klimaberichte des IPCC beschrieben die Auswirkungen einer Erwärmung um 2 Grad oder mehr. Der neue Sonderbericht zeigt nun die Unterschiede zwischen einer 1,5-Grad- und einer 2-Grad-Erwärmung. Die Grundlagen für den Sonderbericht lieferten unzählige wissenschaftliche Studien, welche speziell zu diesem Thema in den letzten Jahren international erarbeitet wurden. Dabei gilt es zu bedenken, dass wir heute weltweit bereits eine Erwärmung von 1 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau erreicht haben.

Weniger Risiken

Der Bericht zeigt, dass ein zusätzlicher Anstieg der globalen Temperatur um lediglich 0,5 Grad die Folgen der Erwärmung erheblich verstärkt. Neben häufigeren Hitzeextremen, Dürren und Starkniederschlägen sind mit hoher Sicherheit vor allem die Folgen für die Biodiversität und die Ökosysteme bei einer globalen Erwärmung von 1,5 Grad geringer als bei 2 Grad oder mehr. Eine Begrenzung der Erwärmung verringert die Folgen für terrestrische, Süsswasser- und Küstenökosysteme und erhält mehr von deren Nutzen für die Menschen aufrecht. Gleiches gilt mit hohem Vertrauen auch für die marine Biodiversität. Aufgrund der Abnahme des Sauerstoffgehaltes im Ozean steigen mit jeder zusätzlichen Erwärmung die Risiken für die Fischerei und die Ökosysteme in den Weltmeeren, welche wichtige Funktionen und Leistungen für die Menschen erbringen. Zusammengefasst werden klimabedingte Risiken für Gesundheit, Existenzgrundlagen, Nahrungs- und Wasserversorgung, menschliche Sicherheit und Wirtschaftswachstum bei einer Erwärmung um 1,5 Grad zunehmen und bei 2 Grad weiter ansteigen.

Das mediale Echo war gross. Der neue Sonderbericht des IPCC machte in praktisch allen bedeutsamen nationalen und internationalen Medien Schlagzeile. Dabei wurden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Eine Übersicht:

 

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» weist darauf hin, dass es noch nie eine solche globale Herausforderung gab:

«Entscheidend in dem Sonderbericht ist die Einführung eines langfristigen Nullnetto-Emissionsziels, sprich: das Ziel, eine klimaneutrale Klimapolitik zu erreichen. Unter dem Strich dürfen nicht mehr Treibhausgase freigesetzt werden als auf der anderen Seite etwa durch Entzug von Kohlendioxid aus der Luft, wieder in den Kohlenstoffkreislauf gelangen. Bis zum Jahr 2050, diese Zahl wurde zum ersten Mal vom IPCC genannt, sollte diese Netto-Emission weltweit auf null gesenkt werden.  […] Nur ganz wenige Länder haben nationale Klimagesetze geschaffen, die dieses Ziel enthalten, nicht Deutschland und auch nicht die Europäische Union.» – Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 8.10.2018

 

Der «Spiegel» macht deutlich, wie weit der Weg zu null Emissionen tatsächlich noch ist:

 «Aktuell stößt die Menschheit jedes Jahr rund 41 Milliarden Tonnen Treibhausgase aus. Das Problem: Kohlendioxid ist sehr stabil, verbleibt über Jahrhunderte in der Atmosphäre – und heizt diese die gesamte Zeit über auf.» – Spiegel vom 8.10.2018

 

Der «Tages-Anzeiger» unterstreicht die Wichtigkeit, dass jetzt sehr rasch gehandelt werden sollte:

«Nimmt man das optimale Szenario der CO2-Absenkpfade im Bericht, so sollte das Maximum der Emissionen wenige Jahre nach 2020 erreicht sein, um dann bis 2055 auf null zu sinken. Je länger das Maximum hinausgezögert wird und je langsamer die Emissionen sinken, desto schwieriger wird es, die erforderliche Reduktion zu erreichen – auch wenn Mitte Jahrhundert die Emissionen auf null sind. In der Atmosphäre ist dann das Depot an Treibhausgasen immer noch zu gross, sodass die Erwärmung um 1,5 Grad übertroffen wird.» – Tages-Anzeiger vom 8.10.2018

 

Die «Neue Züricher Zeitung» sieht eine riesige Kluft zwischen den nötigen Massnahmen zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels und dem politischen Willen, diese zu ergreifen:

«Wie schwer es bereits geworden ist, das strengere Klimaziel einzuhalten, lässt sich auch daran erkennen, dass in den entsprechenden Szenarien Techniken zur CO2-Aufnahme enthalten sind. Um die 1,5 Grad nicht zu überschreiten, müssten im Laufe des Jahrhunderts 100 bis 1000 Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden. Zu den entsprechenden Techniken zählen die Aufforstung […] sowie die Filterung der Luft. In Fachkreisen wird daran gezweifelt, ob es machbar ist, die theoretisch erforderliche Kapazität an CO2-Aufnahme rechtzeitig bereitzustellen.» – Neue Zürcher Zeitung vom 8.10.2018

 

Die «Süddeutsche Zeitung» streicht den klugen Zeitpunkt der Veröffentlichung des Sonderberichts hervor:

 «Nicht zufällig erscheint der Bericht gerade jetzt. Im Dezember tritt die Staatengemeinschaft im polnischen Kattowitz zusammen, um die nächsten Schritte im Klimaschutz zu beschließen. Neben einem Regelwerk für den Pariser Klimavertrag soll es dort auch um die Lücke zwischen Soll und Haben gehen: Selbst vom Erreichen des Zwei-Grad-Ziels sind die Staaten mit ihren bisherigen Angeboten weit entfernt. Sie müssen also ihre Pläne nachbessern.» – Süddeutsche Zeitung vom 8.10.2018

Um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu beschränken, müssen die globalen CO2-Emissionen restriktiv gesenkt werden und spätestens 2055 null erreichen; Bildquelle: IPCC Special Report on Global Warming of 1.5°C.

Der Spezialbericht des Weltklimarats gibt ein Fünkchen Hoffnung, dass sich die Erwärmung der Erde auf 1,5 Grad begrenzen lässt. Dazu sind aber schnelle und weitreichende Veränderungen nötig bei der Energieerzeugung, der Landnutzung, dem Städtebau, im Verkehrs- und dem Bausektor sowie in der Industrie. Die nächsten Jahre sind im Kampf um den Klimawandel entscheidend.

Presseschau: Wieso ein halbes Grad Erwärmung entscheidend ist

Hälfte der UN-Erwärmungs-Limite durchschritten

Seit Jahren wird auf globaler Ebene „halbherzig“ versucht, es zu vermeiden: die globale Erwärmung nicht mehr als 2 Grad über das vorindustrielle Niveau ansteigen zu lassen. Und trotzdem ist die Welt 2015 bereits auf halbem Weg dort angelangt. Vier der fünf wichtigsten globalen Temperaturreihen durchschreiten in diesen Monaten die 1-Grad-Marke, wie eine neue Analyse zuhanden von New Scientist zeigt. Es verdichten sich zudem die Anzeichen, dass der vieldiskutierte Klima-Hiatus, also der Erwärmungsstopp seit 1998, vorüber ist und die globalen Temperaturen in den kommenden Jahren wieder stärker ansteigen. 2014 war global das wärmste Jahr, mindestens seit Messbeginn im Jahr 1880. Der globale Rekord wird aber nach aller Voraussicht nicht lange halten, denn das laufende Jahr 2015 dürfte noch ein gutes Stück wärmer ausfallen. Grund dafür ist ein sich anbahnendes El Niño-Ereignis im Pazifischen Ozean mit sehr warmem Oberflächenwasser im Pazifik. Lange wurde das “Christkind” vorhergesagt, nun ist es mit voller Wucht eingetreten und wird sich voraussichtlich auch noch länger halten. Schon zur Jahresmitte 2014 prognostizierten die Experten ein El-Niño-Ereignis spätestens zum Nordwinter 2014/15. Das letzte El-Niño Ereignis liegt nun schon über fünf Jahre zurück. Zwischen Juni 2009 und Mai 2010 wurden letztmals signifikant positive Abweichungen der Oberflächen-Wassertemperaturen (>0,5°C)  im tropischen Pazifik gemessen. Seitdem wechseln sich der “Normalfall” und die kühle La-Niña ab. Laut der Modellprognosen ist jedoch der Höhepunkt des derzeitigen El-Niño-Ereignisses wohl noch nicht erreicht. Demnach soll das Oberflächenwasser im Pazifik im Mittel auf etwa eine Temperaturanomalie von 2,2 Grad in den Monaten Oktober, November und Dezember 2015 steigen und im Anschluss nur langsam wieder absinken. Damit wäre es eines der stärksten El-Niño-Ereignisse seit systematischer Erhebung im Jahr 1950. Die globale Temperatur würde dadurch in dieser Periode kurzfristig um weitere 0,1 Grad angehoben werden.

Vier der fünf wichtigsten globalen Temperaturreihen überschreiten in diesen Monaten eine Erwärmung von mehr als 1 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Ziel wäre es die Erwärmung auf höchstens 2 Grad zu begrenzen.
Vier der fünf wichtigsten globalen Temperaturreihen überschreiten in diesen Monaten eine Erwärmung von mehr als 1 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Ziel wäre es die Erwärmung auf höchstens 2 Grad zu begrenzen.

„Auf halbem Weg zur Hölle“

Die UN-Klimakonferenz hat sich das Ziel gesetzt, die globale Erwärmung auf nicht mehr als 2 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu beschränken. Jedoch fehlt eine Einigung zur eindeutigen Definition des vorindustriellen Niveaus. Da einige der wichtigen globalen Temperaturreihen erst im Jahr 1880 beginnen, wird das vorindustrielle Niveau häufig mit der Periode 1880-1899 berechnet, jedoch wäre die die Zeitspanne 1850-1899 sinnvoller, da die 1880iger nach dem Ausbruch des Vulkans Krakatau kühler ausfielen. Die Hälfte dieser Erwärmungslimite von 2 Grad wird von den meisten wichtigen globalen Temperaturreihen in diesem Jahr erreicht. Denn die erste Jahreshälfte 2015 war global erneut rekordwarm. Verschiede Organisationen führen solche globalen Temperaturreihen. Die wichtigsten stammen von NOAA, NASA, UK Met Office Hadley Centre, BerkeleyEarth und der Universität von Delaware. Von diesen fünf aussagekräftigsten globalen Temperaturreihen werden vier sehr wahrscheinlich einen Durchschnitt im Jahr 2015 erreichen, der mehr als 1 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegt. Und schon in der Hälfte des Jahrhunderts könnte die 2-Grad-Marke durchschritten werden, denn der Erwärmungstrend dürfte in den kommenden Jahrzehnten wieder steiler nach oben zeigen, als noch zwischen 1998 und 2012, als sich die Atmosphäre nur mit 0,04 Grad pro Dekade erwärmte. In den kommenden Dekaden werden eher wieder Erwärmungsraten von rund 0,2 Grad pro 10 Jahre erwartet, wie beispielsweise zwischen 1984 und 1998 als sich die Erde um 0,26 pro Dekade aufheizte.

Ozeane voller Energie

Doch weshalb soll sich der sehr stark abgeflachte Erwärmungstrend der letzten Jahre (Klima-Hiatus) in den nächsten Jahren nicht fortsetzen? Ein Hauptargument dagegen kann im Pazifischen Ozean gefunden werden: in der Pazifischen Dekaden-Oszillation. Der nördliche Pazifik schwankt innerhalb von Jahrzehnten zwischen zwei dominierenden Mustern hin und her. Einmal ist er über Jahre hinweg stark unterkühlt, danach für viele Jahre deutlich übertemperiert. Während der kalten Phase kann er somit sehr viel Energie aus der Atmosphäre aufnehmen und in den tiefen der Meere speichern. Während der warmen Phase wird diese Wärmeaufnahme unterbunden. Im Gegenteil: der pazifische Ozean gibt dann sogar Wärme an die Atmosphäre ab und treibt die Oberflächentemperaturen in die Höhe. In den letzten Monaten hat sich gezeigt, dass die Pazifische Dekaden-Oszillation nach Jahren der negativen Phase nun in die positive Phase wechseln wird.

Der Pazifik beeinflusst das Weltklima in den nächsten Monaten und Jahren auf zwei Arten erheblich. So dürfte der sich aktuell aufbauende El Niño dazu führen, dass 2015 deutlich zum global wärmsten Jahr seit mindestens 1880 wird. Gleichzeitig sorgt eine sich abzeichnende positive Phase der Pazifischen Dekaden-Oszillation, dass sich die Welt in den kommenden Jahrzehnten wieder schneller erwärmt als in den 15 Jahren davor. Während das globale Klima stark durch den Pazifik gesteuert wird, sind die Auswirkungen des Pazifiks auf das Schweizer Klima weitgehend unklar und möglicherweise vernachlässigbar.

Die Schweiz erwärmt sich stärker als die Welt als Ganzes. Gegenüber dem vorindustriellen Niveau ist es in der Schweiz bereits 1,7 Grad wärmer. Im Rekordjahr 2014 war es sogar 2,7 Grad wärmer.

Schweiz erwärmt sich schnell

Nicht vernachlässigbar ist in der Schweiz jedoch die globale Erwärmung. Während sich die globale Temperatur bis heute um 1 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau erhöhte, ist der Temperaturanstieg in der Schweiz schon deutlich weiter fortgeschritten. Daten von MeteoSchweiz belegen, dass das Temperaturmittel der letzten 20 Jahre in der Schweiz bereits um mehr als 1,7 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegt. Das Jahr 2014, das wärmste seit Messbeginn 1864, war sogar 2,7 Grad wärmer gegenüber dem vorindustriellen Niveau. Die Schweiz erwärmt sich also rund doppelt so schnell wie die Erde als Ganzes.

Hälfte der UN-Erwärmungs-Limite durchschritten

Der Frühling in Zürich wird immer wärmer

Auf dem Zürichberg war der Frühling 2012 der viertwärmste der Messreihe mit Beginn im Jahr 1864. Die Temperaturen lagen zweieinhalb Grad über der Normwertperiode 1961-1990. Damit setzt der diesjährige Frühling den Aufwärtstrend fort. 

Fruehling-Temperaturen

Seit Anfang der 80er-Jahre erwärmen sich die Frühling mit 0,8 Grad pro Jahrzehnt!
Wetterdaten: MeteoSwiss

Die sechs wärmsten Frühlinge in Zürich wurden alle seit 2000 beobachtet, die fünf wärmsten fanden allesamt in den letzten zehn Jahren statt und die vier wärmsten liegen alle nicht mehr als sechs Jahre zurück. Im Sport würde dieses Phänomen Rekordjagt genannt werden, in der Klimatologie dürfte es ein Zeichen des Klimawandels sein. Wie aus Daten von MeteoSchweiz hervorgeht, war der am 31. Mai zu Ende gegangene Frühling auf dem Zürichberg mit durchschnittlich 10,5 Grad zwar ein Grad kühler als sein letztjähriger Vorgänger aber trotzdem der viertwärmste in der Messreihe. Zum grossen Wärmeüberschuss hat vor allem der stark übertemperierte März beigetragen. So lag die Mitteltemperatur des März im Bereich eines leicht zu warmen Aprils! In der Südschweiz war der dritte Monat des Jahres örtlich bis zu fünf Grad zu warm und somit der wärmste in der Messreihe. Nach dem eisigen Februar wurde der Alpenraum gleich in den Hochfrühling katapultiert. Der April konnte in der Folge nur ein bescheidenes Wärmepolster vorweisen. Nach einem durchzogenen und über weite Strecken trüben April, der lange Zeit kühler war als der vorangegangene März, folgte ein heisses Aprilfinale, so dass die Mitteltemperatur noch deutlich angehoben wurde. Während des Föhnsturms wurden verbreitet die höchsten Apriltemperaturen seit Messbeginn registriert. Auf dem Zürichberg wurde es am 28. April mit 28,8 Grad hochsommerlich warm. In der Nacht auf den 29. April sank das Thermometer nicht unter 20 Grad, was einer so genannten Tropennacht gleichkommt. In Zürich war es die erste Tropennacht überhaupt in einem April. Der Mai begann dann mit Starkniederschlägen, welche die lange Trockenheit etwas entschärften. Kurz darauf folgte aber der nächste Hitzeschub. So wurde am 11. Mai die 30-Grad-Marke auf dem Zürichberg nur knapp verfehlt. An anderen Orten des Mittellandes reichte es für einen Hitzetag. Auch dank des sommerlichen Monatsendes war der Mai mehr als 2 Grad zu warm.

Trocken und sonnig
Der Frühling 2012 war auch ein Frühling des Sonnenscheins. Bereits im März zeigte sich die Sonne mehr als 200 Stunden und auch im Mai gab es erneut 200 Sonnenstunden. Nur der April war häufig trüb und brachte nur rund 120 Sonnenstunden hervor. Mit 550 bis 600 Stunden Sonnenschein war es ein sehr sonniger Frühling. Die sonnige Witterung wurde im März und April auch von der weiterhin anhaltenden Trockenheit begleitet. Der März brachte nur rund einen Drittel, der April zwei Drittel der üblichen Niederschlagsmengen. Mit zwei Starkniederschlagsereignissen war zumindest der Mai durchschnittlich feucht. Seit Juli 2010 befindet sich die Region Zürich in einer Trockenheit, seither sind die über 12 Monate betrachteten Niederschlagssummen deutlich unterdurchschnittlich. Zurzeit fehlen rund 120 Liter Wasser pro Quadratmeter. Vor einem Jahr war die Lage mit einem Defizit von 180 Liter noch etwas angespannter.

2 Grad wärmer
Die trockenen Frühlingsmonate der letzten Jahre täuschen jedoch ein wenig und erzählen nur die halbe Wahrheit. Beim Betrachten des 30-jährigen Mittels der Niederschlagssummen fällt auf, dass die Niederschläge im März und vor allem im Mai in den letzten Jahrzehnten zugenommen haben. Der Mai bringt heute im Durchschnitt 20 Liter mehr Niederschlag pro Quadratmeter als noch vor 20 Jahren. Nur im April haben die Niederschläge über die letzten Dekaden leicht abgenommen. Viel eindeutiger sind die Trends bei den Temperaturen. Keine Jahreszeit erwärmt sich so stark und so rasch wie der Frühling! Seit 1990 wurden alle Frühlingsmonate in Zürich 1,2 bis 1,3 Grad wärmer. So sind heute Frühlinge rund 2 Grad wärmer als noch um 1880. Die Frühlingsmonate erwärmten sich in den letzten 30 Jahren mit einer Rate von 0,8 Grad pro Jahrzehnt. Die Sommermonate kommen auf eine Rate von 0,4 Grad pro Dekade und die Herbst-und Winter auf nur 0,1 bis 0,2 Grad pro 10 Jahre. Über die letzten 50 Jahre betrachtet, haben sich die Herbst- und Wintermonate aber auf um 0,3 bis 0,4 pro Dekade erwärmt. Wenn die Erwärmungstrends im gleichen Stil anhalten, sind in weniger als 20 Jahren Frühlinge wie der diesjährige bereits Durchschnitt und keine Rekorde mehr.

Der Frühling in Zürich wird immer wärmer